»Juten Tag, Herr Semper. Setzen Sie sich.«

»Herr Drögemüller,« begann alsdann der Schulrat, »hat allerlei Klagen

jegen Sie vorjebracht. Meistens handelt es sich um Kleinigkeiten, die

ich nich berühren will. Aber Herr Drögemüller beschuldigt Sie der

fortgesetzten Renitenz; was haben Sie dazu zu sagen.«

»Herr Schulrat,« sagte Asmus, »ich kann Sie ja selbst als Zeugen

darüber anrufen, ob ich in den vierundeinhalb Jahren, da ich Ihr

Schüler war, eine renitente Veranlagung bekundet habe –«

»Det haben Se _nich_,« sagte Korn mit Nachdruck.

»Ich bin auch nicht so töricht, zu meinen, daß ein Hauptlehrer lauter

vortreffliche Anordnungen treffen müsse und daß ein Lehrer berechtigt

sei, sich gegen jede Verfügung, die ihm verfehlt erscheint,

aufzulehnen. Ich füge mich gern, soweit es möglich ist, wenn man mir

mit Vertrauen begegnet und wenn man mich nicht in meinen besten

Kräften lahmlegt. Das tut aber Herr Drögemüller. Gleich zu Anfang

schon verlangte Herr Drögemüller von uns drei neuangestellten Lehrern,

daß wir alle auf dieselbe Weise den Leseunterricht erteilen sollten,

und zwar auf die von ihm vorgeschriebene Weise –«

»Aber Herr Semper,« lachte Korn, »det müssen Se mißverstanden haben;

sonst müßte ja Herr Drögemüller (er deutete auf seine Stirn) hier nich

janz richtig sein!«

Drögemüller erblaßte sehr tief. »Ich habe es keineswegs befohlen,«

stammelte er, »ich habe es nur gewünscht –«

»Warum?« fragte Korn.

»Weil – weil es doch wünschenswert ist, daß der Unterricht an einer

Schule gleichmäßig erteilt wird.«

»Warum?« fragte Korn.

»Nun – es ist dann doch – alles – übersichtlicher –.« Drögemüller

machte eine vage Handbewegung.

»Wieso?« forschte der grausame Korn.

Semper der Jüngling · 第 180 / 292 题