Ist teilweise im Kasernenstil geschrieben und belehrt uns durch die
Güte des Herrn SchieÃ-Unteroffiziers, was für ein Mensch dieser Asmus
Semper eigentlich ist.
Was ihm an diesen Musterungs- und Gestellungsbefehlen aufgefallen war,
das war die Ãngstlichkeit, mit der auch der leiseste Verdacht einer
höflichen Gesinnung vermieden war. Er fand, daà dieselben Befehle mit
derselben Entschiedenheit in einer Form gegeben werden könnten, die
mehr nach menschlicher Gesellschaft klang. Sie berührten ihn, als
wären sie mit Absicht so schroff wie möglich formuliert, um das
persönliche SelbstbewuÃtsein von vornherein auf den Nullpunkt
zurückzutreiben. Ãberhaupt begann er diese sechs Wochen, die er als
»Schulamtskandidat« unter Waffen zubringen sollte, nicht mit gehobenen
Gefühlen. Ludwig Semper freilich sprach noch immer von seinen
Soldaten- und Kriegsjahren als von einer frischen, fröhlichen Zeit;
aber »beim PreuÃen« warâs anders, und die vielen und abscheulichen
SoldatenmiÃhandlungen, von denen die Zeitungen berichteten, hatten
Asmussen immer mit Zorn und Entsetzen erfüllt. Frau Rebekka schwankte
zwischen Stolz und Bangen. Sie war stolz, daà man ihren Sohn für
tauglich befunden hatte, und sie bangte, daà man ihn miÃhandeln und
überanstrengen könne.
Und gleich der ganze erste Tag war eine MiÃhandlung, aber keine
böswillige. Die Herren Schulamtskandidaten standen nämlich mit kleinen
Unterbrechungen von morgens acht bis abends sieben Uhr auf dem
Kasernenhof und warteten. Einmal erschien ein Feldwebel und rief ihre
Namen auf, und dann warteten sie wieder sechs Stunden. Einmal
beobachtete Asmus einen Haufen Offiziere, und ein sehr temperamentvoller
Herr unter ihnen schrie: »Denken Sie, der Seckendorff läÃt sich wegen
Krankheit beurlauben und verzehrt ein groÃes Beefsteak mit
Spiegeleiern.« Asmus fand dies merkwürdig, aber für einen Tag war es
nicht Unterhaltung genug. Er gehörte sonst zu den Menschen, die man wohl
langweilen kann, die sich aber niemals selbst langweilen, weil die
Gedankenmühle von selber geht wie ein #perpetuum mobile#. Aber so auf
einem Fleck stehend und immer wartend, konnte man weder Gedichte machen,
noch Gedankenspiele treiben; er litt Höllenqualen der Langenweile.
Endlich, um sieben Uhr abends erschien ein Sergeant und erklärte ihnen,
sie könnten nach Hause gehen. Denn die Schulamtskandidaten durften zu
Hause schlafen und essen.
Am andern Morgen ging es endlich los. Der Sergeant Greifenberg trat
vor die Front von Asmussens Abteilung und hielt eine Rede.
»Meine Herren,« sagte er, »ick hoffe, dat Sie als jebildete Herren mir
meine Arbeit so leicht wie möglich machen werân. Ick werde Se nu mal
ausbildân. Wenn Se ooch noch so jelehrt sind, hier müssen Se doch noch
wat zulernen. Sie sind Lehrers; aber ick bin der Lehrer von die
Lehrers. Schtilljeschtanden!«
»Un denn merken Se sick jleich,« sagte Herr Greifenberg, indem er auf
einen der Kandidaten losging, »jelacht wird nich im Jliede. Wat ick
sage, is nich zum Lachen; de Sache is sehr ernst.«
Und nun begannen die Ãbungen; aber Herr Greifenberg stellte keine
unmenschlichen Anforderungen, und Herr von Birkenfeld, der ausbildende
Leutnant, noch weniger. Furchtsame Gemüter konnte freilich Herr von
Birkenfeld zunächst abschrecken; denn er markierte den rauhen
Kriegsmann, der weder Teufel noch Kognak fürchtet und »Sauerei« und
»Schweinekram« für verblümte Redensarten hält. Wenn ihm die Richtung
eines Gliedes nicht gefiel, so sagte er, in einem milden, väterlichen
Tone beginnend:
»Ei, ei, ei, das Glied steht ja schweinemäÃig! Der rechte Flügelmann,
nehmen Sie den Bauch herein, ins drei Deubels Namen! Der Kerl taugt
zum Flügelmann wie der Igel zum Schnupftuch!« Er sagte aber nicht
»Schnupftuch«, sondern ganz etwas anderes, und wenn er von den
unteren menschlichen Extremitäten sprach, so gebrauchte er eine
Bezeichnung, die man nur unter Männern wiederholen kann, wenn keine
Theologen zugegen sind. Im übrigen hatte er mit dem Flügelmann nicht
unrecht. Der Schulamtskandidat Plambeck war der längste und dickste
von allen; aber als er ein Gewehr mit einer Platzpatrone darin
abdrücken sollte, da versagte er.
»Warum drücken Sie nicht ab?« rief Herr von Birkenfeld.
Plambeck hob den Kolben wieder an die bleiche Wange und setzte wieder
ab.
»Na, wollen Sie jetzt vielleicht die Liebenswürdigkeit haben,
abzudrücken?« schrie der Leutnant.
Plambeck hob schlotternd das Gewehr und lieà es abermals sinken.
Jetzt trat Birkenfeld nahe an Plambeck heran und sagte ruhig: