»Weil ich meine Weise für richtiger halte.«

»Aber Herr Semper – Sie werden wohl zugeben, daß ich mehr Erfahrung

habe als Sie –.«

»Das mag sein; aber ich muß meine Methode selber finden, und nur nach

der Methode, die meiner Überzeugung entspringt, kann ich unterrichten.

Wenn es die Jungen immer machen müßten wie die Alten, dann könnten Sie

und ich überhaupt noch nicht lesen.«

»Das ist ja wohl sehr geistreich, Herr Semper; aber gleichwohl muß ich

Sie bitten, meine Wünsche zu respektieren.«

»Mit Recht sagen Sie »Wünsche«, Herr Drögemüller, und nicht »Befehle«.

Denn »Befehle« gibt es hier nicht. Ich bin nur verpflichtet, meine

Schüler zu fördern. Welche Methoden ich dabei anwende, ist ganz allein

meine Sache.«

Drögemüller war bleigrau im Gesicht geworden und schnappte, als wenn

er Luft für einen längeren Satz einnehme; er entschied sich dann aber

nur für ein: »Na, wenn Sie meinen –« und ging mit rachsüchtig

geschwungenen Beinen hinaus. Als er draußen war, stenographierte er

etwas sehr Langes in sein Notizbuch. Die Methode ist frei, dachte

Drögemüller, darin hat er recht; aber ich werde schon andere Pfeifen

schnitzen, nach denen er tanzen soll.

Zunächst indessen sollte Asmus ein wenig nach den Pfeifen des

Exerzierplatzes tanzen. Bei der Generalmusterung im Sommer war er

endgültig »gezogen« worden, und nun war die Order gekommen, daß er

sich am 1. Oktober auf dem Altenberger Kasernenhofe einzufinden habe.

Semper der Jüngling · 第 158 / 292 题