»Ick will ober leever hier blieben,« wandte Lohmann mit schwächerem
Widerstande ein.
»Na, nuâ mach flink, Junge, mach flink!« drängte der Hauptlehrer.
Lohmann packte widerstrebend seine Sachen und folgte Herrn
Drögemüller; aber als er nun Sempern die Hand zum Abschied geben
sollte, warf er alles, was er trug, auf den Boden, umklammerte
Asmussens Bein und schrie: »Ick will bi di blieben! Ick will bi di
blieben!«
Asmussen wurde es wunderlich ums Herz.
»Kann er denn nicht hier bleiben?« fragte er den Hauptlehrer.
»Vielleicht kann ja ein anderer â â?«
»Nein, das geht nicht!« versetzte Drögemüller kurz. »Er wohnt ja nicht
in unserm Bezirk. â Jetz komm, Junge, sonst â â«
Asmus klopfte dem Kleinen die Wangen und sagte: »Na, Heinrich, dann
geh nur mit. Wenn die Schule aus ist, besuchst du mich mal, was? Und
ich besuchâ dich auch mal, ja?«
Da gab sich Heinrich Lohmann zufrieden, sammelte unter Tränen seine
Bibliothek zusammen und schlich davon.
Asmus Semper war glücklich. Also schien ihm die Kraft gegeben zu sein,
die Herzen der Kinder zu gewinnen, und darüber war er unsäglich froh.
Ãberhaupt lebte er wie in einem Rausche. Diese tausendfältigen,
rückhaltlosen Offenbarungen der Kindesseele überwältigten seine
Beobachtungskraft; er wuÃte nicht, wie er diesen Reichtum in die
Scheuern bringen und verwerten sollte. Und viel zu früh schloà er den
Kindern den Mund durch regelrechten Unterricht; seine Taten hinkten
noch weit hinter seinen Ideen her. Er hätte noch länger die Eigenart
jedes einzelnen Kindes hervorlocken sollen, wenn er den Wegen
Pestalozzis folgen wollte; aber er fürchtete, die Kinder würden nicht
lernen, was sie nach dem »Pensum der Klasse« lernen sollten, wenn er
nicht den stundenplanmäÃigen Unterricht beginne. Herr Drögemüller
hatte sich ohnedies schon bemerkbar gemacht. Als Asmus eines Tages
einen Knaben ein Märchen erzählen lieÃ, war Herr Drögemüller, der es
nicht für ein Gebot der Höflichkeit hielt, anzuklopfen, in die Klasse
getreten, hatte durch seine blaue Brille auf den an der Wand hängenden
Stundenplan geblickt und gesagt: