XXXVII. Kapitel.

Herr Drögemüller als Einkassierer des Schicksals.

So groß sein Mitgefühl mit den Kindern der Enterbten und Verachteten

war, so schien ihm doch seine Aufgabe um so schöner und lockender, je

schwieriger sie war. Die wohlgepflegten Kinder reicher und »guter«

Familien erziehen, das war keine Kunst – so dachte er wenigstens

damals; er sollte noch anders darüber denken lernen – aber hier galt

es, Knoten zu lösen und Hindernisse zu überwinden. Und schon nach

wenigen Tagen sollte ihn ein »Riesenerfolg« in seinem Glauben an sein

Werk bestärken. Am vierten oder fünften Tage seines Lehrertums kam

Herr Drögemüller mit einer Liste in die Klasse und fragte: »Ist

Heinrich Lohmann hier?«

Jawohl, Heinrich Lohmann war _da_; es war derselbe, den am ersten Tage

die Sehnsucht nach den Klößen seiner Mutter ergriffen hatte und der

dies Gefühl in reinstem Plattdeutsch unverhohlen zum Ausdruck gebracht

hatte. Er gehörte in eine Nachbarschule und war irrtümlich in Sempers

Klasse gekommen.

»Du gehörst in eine andere Schule, mein Sohn,« sagte Herr Drögemüller.

»Pack’ deine Sachen und komm mit.«

»Nee,« sagte Heinrich Lohmann munter, »ick will hier blieben.« Selbst

Herr Drögemüller mußte lachen.

Semper der Jüngling · 第 149 / 292 题