»Sie haben jetzt eigentlich Rechnen, nicht wahr?«

»Jawohl,« hatte Asmus gesagt.

»Hm,« hatte dann Herr Drögemüller gesagt, und er war wieder

hinausgegangen. – – Ja, Asmus war glücklich; aber wie es das Schicksal

gewöhnlich mit ihm gehalten hatte, so tat es auch diesmal; von dem

vollen, hundertprozentigen Glück, das es ihm gegeben, zog es neunzig

Prozent Wucherzinsen ab, und der Exekutor, der die neunzig Prozent

einkassierte, war diesmal Herr Drögemüller.

Herr Drögemüller war Junggeselle, und so hatte er zu viel Zeit für

seinen Beruf. Man hat immer dann zu viel Zeit für seinen Beruf, wenn

man sie zur Auffindung neuer und fruchtbarer Gedanken aus einem

gewissen inneren Mangel nicht anwenden kann, sie vielmehr mit der

Erfindung immer neuer Reglements-Paragraphen verbringen muß. Jedesmal,

wenn Herr Drögemüller ein paar freie Stunden gehabt hatte, trug

alsbald danach ein Knabe durch alle Klassen eine Verfügung, unter die

jeder Lehrer sein »#Vidi#« setzen mußte. Herr Drögemüller wußte aus

der Arithmetik, daß, wenn man unablässig addiert, zuletzt eine hohe

Summe herauskommen muß, und so hoffte er durch unermüdliche

Hinzufügung von »Verbesserungen« seine Schule auf den Gipfel der

Vollendung zu bringen. Wenn ihm aber jemand mit umwälzenden Methoden

oder gar mit neuen Lehrzielen kam, dann bekam er Entrüstung mit

Fieber. Welche Anmaßung, wenn ein Lehrer es besser wissen wollte als

Drögemüllers Seminardirektor! Seine Berufsanschauung ruhte auf drei

Axiomen als auf drei unerschütterlichen Säulen:

Semper der Jüngling · 第 151 / 292 题