»Wollt ihr jetzt ’mal mitsingen?«

Jubelnd ergriffen sie diesen Vorschlag.

Und alle sangen sie mit. Ei, ei, ei, war das eine Musik! Es klang noch

ganz furchtbar. Aber sie fanden es schön, und am eifrigsten sang Peter

Brandenburg, dessen Gehör und Stimme nur einen einzigen Ton hatten,

und der klang wie das Surren einer Hummel, die man in eine Schachtel

eingesperrt hat.

»Wer will mir nun ’mal was vorsingen?« fragte Asmus.

Manche getrauten sich nicht; aber die meisten hielten mit ihrem Talent

nicht zurück und sangen frisch von der Leber weg.

»Denke dir, mein Liebchen,

Was ich im Traume geseh’n«

oder

»Dat Scheunste, wat man hett,

Dat is so’n Zigarett’«

oder

»Ach, mein Schreck, ach, mein Schreck!

Meine teure Hulda ist weg!«

nein, so viel Asmus auch horchte und forschte und hoffte, er hörte

nichts Gutes, Schönes, Gesundes. Wohl aber begann ein Bürschlein

frisch und frei ein ausgesprochenes Zotenlied zu singen.

»Genug, genug!« rief Asmus und hieß das Kind schweigen. Dies Lied, von

frischen Kinderlippen ahnungslos gesungen, hatte ihm einen furchtbaren

Eindruck gemacht. Die Schule lag in der Hafengegend; unter ihrem

Publikum gab es mancherlei Armut und Verwahrlosung, und unter den

Schülern waren auch Kinder »anrüchiger« Straßen.

Semper der Jüngling · 第 148 / 292 题