»Sie spielten immer, auch wenn Sie nichts zu sprechen hatten; die
andern spielten nur, während sie sprachen. Auch wenn Sie kein Glied
rührten, sah man, daà Sie ununterbrochen mit der Handlung gingen. Ja,
sogar, wenn Sie dem Publikum den Rücken kehrten, sah man, daà Sie
innerlich spielten. Ich habe einmal von »durchsichtigen Schauspielern«
gehört. Das Wort trifft auf Sie zu.«
Asmus war so glücklich, daà er nur eine ganz banale
Bescheidenheitsphrase stottern konnte. Er war glücklich wegen der
»Ehre«. Daà sie ihn sehr genau und sehr andauernd beobachtet haben
müsse, darauf verfiel er nicht. Als sie noch sprachen, kam eilends ein
Seminarist auf Sempern zu. »Du möchtest mal zu Herrn Doktor Kieselberg
kommen.«
Doktor Kieselberg hatte den Literaturunterricht; bei ihm hatte Semper
die längsten und schönsten Sachen rezitiert.
»Hören Sie, lieber Semper, wenn es Ihnen recht ist, schreibâ ich über
Sie an Cheri Maurice. Maurice muà Sie kennen lernen. Sie müssen für
die Bühne gerettet werden. Die Jungens unterrichten, das können
schlieÃlich viele andere Leute auch. Aber so spielen, das können
nicht viele. Also soll ich ihm schreiben?«