Asmus hört ein französisches Lied von deutschem Heimweh, gibt
Privatstunden bei Lachtauben und Häschen und erhält sein erstes
Dichterhonorar.
Schon acht Tage später bewegte sich durch die StraÃen von Oldensund
und Altenberg ein Trupp von Auswanderern dem Hamburger Hafen zu. AuÃer
Moldenhuber und Johannes Semper waren noch andere ausgewiesen worden;
Europamüde hatten sich ihnen angeschlossen, und zahlreiche Verwandte
und Freunde gaben ihnen das Geleite bis zu den Landungsbrücken. Man
war auf gewisse Weise heiter; einige hatten ihrer Heiterkeit mit
Alkohol auf die müden Beine geholfen. Man konntâ es Heiterkeit nennen,
wie man es Sonnenschein nennen kann, wenn durch unaufhörlich ziehende
Wolken hin und wieder auf Minuten die Sonne mit stechendem Glanze
hindurchblickt. Man sang sogar, man sang lustige Lieder; aber kein
Mensch nahm sie lustig. Asmus ging eine Weile allein neben seinem
Bruder Johannes. Sie sangen beide nicht mit; aber plötzlich sang etwas
in Asmus. Er hatte es oft, daà plötzlich eine Melodie in ihm
aufwachte, die er nur einmal gehört und die er dann wochenlang,
monatelang vergeblich in seiner Erinnerung gesucht hatte. Vor mehr als
einem Vierteljahr hatte er mit dem blinden Pianisten zusammen die
»Fantastische Symphonie, op. 14« von Berlioz gehört. Und da hatte ganz
besonders ein Gesang gedämpfter Geigen sich wie ein weicher, warmer
Herbsttag ihm in das Herz gelegt. Er hatte sich die Worte gemerkt, die
den Komponisten zu diesem Gesange angeregt hatten; aber die Melodie
hatte er doch vergessen. Heute mit einem Male schlug jene wundersame,
süÃ-traurige Weise die Augen auf.
[Illustration:
#/Largo./#