Asmus erklärte, er könne nicht, er habe »furchtbar viel zu tun,« und
als der joviale Herr ihn nicht lassen wollte, sagte er leise: »Ich
habe kein Geld.«
»Wofür halten Sie mich denn?« rief der Lehrer lachend, »wenn ich Sie
einlade, brauchen Sie doch kein Geld.«
Nun ging es in eine halbländliche Kneipe, wo man in Lauben saà und der
Wirt noch ein Käppchen trug. Asmus war glücklich und stolz; die Herren
behandelten ihn nicht nur als Kollegen, sie nannten ihn sogar so. Und
sie waren über die MaÃen lustig und erzählten sich in seiner Gegenwart
die ausgelassensten Schnurren. Asmus saà mit weit offenen, lachenden
Augen da. Er hatte mit jener scheuen Ehrfurcht, die er vor allem
Unbekannten hegte, diese Herren für Halbgötter gehalten, die hoch über
der Lust gewöhnlicher Sterblicher dahinwandelten. Die Entdeckung, daÃ
sie fröhliche Menschen waren, war ihm ein fröhliches Wunder. So
gefielen sie ihm noch viel besser.
Einer der Herren zog Asmus in ein Gespräch über Rousseau. Er meinte,
das Leben Rousseaus sei tadelnswert und seine Theorien seien nicht
ausführbar. Aber Asmus war schon beim dritten Glas und verteidigte
seinen Liebling wie eine Löwin ihr Junges. Rousseau sei der beste der
Menschen gewesen, und alle seine Ideen seien ausführbar, wenn man nur
wolle.
»Na, Herr Semper,« warf ein etwas eingetrockneter Herr aus der Runde
ein, »darüber können Sie doch wohl noch nicht urteilen.«
»Wissen Sie, was Schiller sagt?« rief Asmus.
»Nee,« sagte der Herr.
Und Asmus rezitierte mit hochgeröteten Wangen:
»Monument von unsrer Zeiten Schande,
Ewâge Schmachschrift deiner Mutterlande,
Rousseaus Grab, gegrüÃet seist du mir!
Friedâ und Ruhâ den Trümmern deines Lebens!
Friedâ und Ruhe suchtest du vergebens;
Friedâ und Ruhe fandâst du hier.
Wann wird doch die alte Wunde narben?
Einst warâs finster, und die Weisen starben;
Nun istâs lichter, und der Weise stirbt.
Sokrates ging unter durch Sophisten,
Rousseau leidet, Rousseau fällt durch Christen,
Rousseau â der aus Christen Menschen wirbt.«
Die Worte »Schande«, »Schmachschrift«, »Sophisten« und »Christen«
hatte Asmus mit anzüglicher Betonung hervorgehoben.
»Ja, das ist ja sehr formvollendet,« sagte der Gedörrte mit einer
empörenden Kälte, »aber Schiller ist für mich auch nicht maÃgebend.«