=Eigenschaften.= Die Farbe des Rohwachses differiert ziemlich stark.

Sie ist +hellgelb+ bei dem Wachse aus der Türkei, von Smyrna, Jaffa

und der Levante, aber auch die chilenischen und Belladi- (ägyptischen)

Wachse, die von Benguela, Sassi und die schwedischen und einige

deutsche sind relativ hell; +dunkelgelb+ ist im allgemeinen das

deutsche, belgische, italienische, marokkanische und kubanische

Bienenwachs, +grünlichgelb+ das amerikanische und ostindische,

+rotgelb+ einige Sorten des französischen und italienischen. Nur die

Wachse von Madagascar und St. Domingo sind dunkelbraun fast schwarz.

Die +Farbe+ des Wachses hängt nicht mit der Farbe der Blüten zusammen,

sondern wohl mit der der Pollenkörner, besonders der eigenartigen, oft

stark gefärbten Massen, die oft den Pollenkörnern anhängen und die

z. B. bei _Verbascum_ tief orangerot gefärbt sind (~Tschirch~, vgl.

oben S. 21). Auch ~Küstenmacher~ sagt: «Die ausgeschiedene Propolis,

der Balsam des Pollens, gibt dem Wachsbau des Biens die Farbe.»

Der +Geruch+ ist verschieden. Die europäischen Sorten riechen angenehm

honigartig, einige italienische und indische haben einen schwer

definierbaren «Blumengeruch», die amerikanischen und afrikanischen

riechen oft muffig. Von einem eigenen Geschmack kann man meist

nicht sprechen. Beim Kauen klebt es nicht an den Zähnen (Kauprobe,

Unterschied von verfälschtem Wachs).

Bienenwachs bildet durchscheinende, auf dem Bruche feinkörnige, in

der Kälte spröde und brüchige Massen, die in der warmen Hand knetbar

werden. Aber die einzelnen Wachssorten sind sehr verschieden hart,

manche sogar fast schmierig (Marocco). Sehr hart sind Mozambique-,

Haiti-, plastisch (strong) das Gheddawachs. Wachs hat einen hohen

Ausdehnungskoeffizienten und brennt, da ihm das Glycerin fehlt, ohne

Geruch zu verbreiten, oder beim Auslöschen zu stinken, wie dies

bekanntlich die Unschlittkerze tat. Es löst sich in der Wärme in Äther,

Benzol, Chloroform, Benzin, Schwefelkohlenstoff und ätherischen Ölen,

besonders gut in Tetrachlorkohlenstoff. Bei gewöhnlicher Temperatur

löst Äther c. 50%, Chloroform c. 25% (~Buchner~, ~Robineaud~, ~A.

Vogel~). In Wasser und kaltem Alkohol ist es nahezu unlöslich.

Bienenwachs verändert sich mit der Zeit kaum. Ein aus dem Jahre 1610

stammendes Stück (aus einer Pariser Büste) stimmte mit unserem heutigen

Bienenwachs überein (~Pinkus~).

Die reine Propolis (Pissoceros des ~Plinius~) ist sehr weich und

besitzt große Klebkraft, sie ist stark aromatisch und schmeckt

bitter. Die ältere mit Wachs und Gemüll zusammengeknetete Propolis

(die Propolis des ~Plinius~) ist dunkler, nicht mehr so stark

klebend und unter 15° brüchig. Die ältesten, mehrere Jahre alten

äußeren Propolisschichten (Gummigrund, commosis des ~Plinius~) sind

sehr fest und spröde, fast schwarz, erst beim Erwärmen riechend

(~Küstenmacher~).

=Chemie.= ~John~ unterschied das Cerin vom Myricin und ~Bucholz~

und ~Braconnot~ fanden im gelben Wachs 90% Cerin, 8% Myricin und 2%

balsamisch-fettigen Stoff.

Das Bienenwachs zeigt, gleichviel aus welchem Lande es stammt,

ziemlich übereinstimmende Zusammensetzung auch in dem relativen

Verhältnis der Bestandteile (nur ostindisches Wachs weicht stärker

ab, es enthält mehr Wachsester und bei dem ostafrikanischen ist

eine Verschiebung zwischen den verseifbaren und unverseifbaren

Anteilen zu beobachten, ~Buchner~). Es besteht vornehmlich aus

+Palmitinsäure-+, +Myricyl-+(+Melissyl-+)+ester+ (Myricin ~Brodie~

1848), C₁₅H₃₁.CO--O.C₃₁H₆₃, und sog. roher +Cerotinsäure+ (Cerin),

d. h. Cerotinsäure (C₂₆H₅₂O₂, ~Brodie~ formulierte die Cerotinsäure:

C₂₇H₅₄O₂, ~Schalfejew~: C₃₄H₆₈O₂, ~Nafzger~: C₃₀H₆₀O₂ oder C₃₁H₆₂O₂,

~Marie~: C₂₅H₅₀O₂), die 30-40% der Cerotinsäure homologe Säuren enthält

(~T. Marie~), sowie +Kohlenwasserstoffen+, von denen das +Heptacosan+

(C₂₇H₅₆, F = 60,5) und das +Hentriacontan+ (C₃₁H₆₄) isoliert wurden

(~Schwalb~). Daneben finden sich in geringerer Menge +Melissinsäure+

(C₃₀H₆₀O₂, nach ~Schwalb~: C₃₁H₆₂O₂), +Myricyl-+(+Mellisyl-+)+alkohol+

(C₃₀H₆₂O, nach ~Schwalb~: C₃₁H₆₄O), +Cerylalkohol+ (C₂₆H₅₄O) und ein

weiterer Alkohol, sowie ungesättigte Fettsäuren, ferner wahrscheinlich

auch zusammengesetzte Äther der Palmitinsäure, vielleicht auch der

Stearinsäure und einer der Oxalsäurereihe angehörenden, bei 44°

schmelzenden Säure mit Melissylalkohol, Cerylalkohol und vielleicht

auch +Cetylalkohol+, C₁₆H₃₄O (~Brodie~, ~Schwalb~, ~Nafzger~,

~Eichel~); endlich auch ungesättigte Säuren, +Farb-+, +Gerb-+ und

+Riechstoffe+ und eine +klebrige, aromatisch riechende Substanz+

(Ceroleïn), sowie wahrscheinlich auch Cholesterinester und Spuren von

Glyceriden.

Das Verhältnis der freien Säuren (bes. Cerotinsäure) zum Myricin

ist 14:86 (~Hehner~), der Gehalt an Kohlenwasserstoffen 12,7-13%

(~Buisine~, ~Mangold~, 12,5-14,5 ~Kebler~, 12,8-17,35 ~Hett~ und

~Ahrens~, 5-6% ~Schwalb~), der Gehalt an Fettsäuren 46-47%, der Gehalt

an unverseifbaren Stoffen (Kohlenwasserstoffen, Alkoholen) 52-55%.

~Hehner~ fand 12,17-15,71% Cerotinsäure und 85,12-92,08% Myricin. Der

aromatische Geruch des Wachses rührt von einem unbekannten «Balsam»

her. Er kommt Stoffen zu, die teils in Petroläther unlöslich, teils

darin löslich sind. Letztere scheinen Ester zu sein, die Essigsäure,

Buttersäure und Valeriansäure, sowie eine ungesättigte flüssige Säure,

zum Teil gebunden an cholesterinartige Substanzen (Cholesterinester

0,6% ~R. Berg~) enthalten. Das Wachs von Bienen, die viel in

Nadelholzwaldungen schwärmen, enthält +Harz+, riecht eigenartig,

läßt sich nicht leicht bleichen und hängt beim Schmelzen an den

Kesselwänden. Den Farbstoff hält ~Küstenmacher~ für einen Gerbstoff

(?), der sich durch Oxydation immer dunkler färbt, so daß die Wabe

braun bis schwarz werden kann (aber doch nicht immer wird). Die Farbe

variiert oft stark, wie ja auch der an den Pollenkörnern anhaftende

Balsam (s. oben S. 766) bald gelb oder gelbgrün, bald orange oder fast

rot ist.

+Hummelwachs+ (von _Bombus terrestris_) enthält Psyllaalkohol

(C₃₃H₆₈O F = 69-69,5), aber keinen Melissylalkohol, keine Cerotin-

und Palmitinsäure.

Spez. Gewicht: 0,958-0,970, bei deutschem: 0,960-0,966 (~Ahrens~ und

~Hett~); Schmelzpunkt: 62-66,5° (bei deutschem: 63,5-64,5°); Säurezahl:

16,71 bis 22 (bei deutschem: 18,29-20,44), nach ~Hübl~: 19-21, meist

20; Verseifungszahl: 82-103,69 (bei deutschem: 82-97, meist 90-93);

Differenzahl (von S.-Z. und V.-Z.) = Ätherzahl: 66,16-81,99 (bei

deutschem: 72-77), nach ~Hübl~: 73 bis 76, meist 75; Verhältniszahl

(der Säure zu den Estern): 3,02-4,3 (bei deutschem: 3,5-3,9), nach

~Hübl~: 3,6-3,8 -- diese Zahl ist sehr konstant! -- Jodzahl: 6,1-13,01

(bei deutschem: 7,5-8); Buchnerzahl (die in 80proz. Alkohol löslichen

Säuren brauchen ccm n/10 KOH): 2-6,1 (bei deutschem: 2,6-3,3 ~Berg~);

Kohlenwasserstoffe in %: 12,28-17,3. ~Dieterich~ fand (Helf. Ann.

1904): Spez. Gew. bei 15°: 0,962-0,966, Schmelzp.: 64-65°, S.-Z.

d.: 19,6-20,53, E.-Z.: 70,99-77,7, V.-Z. h.: 91,21-98. +Die Zahlen

schwanken also bei den Bienenwachsen der ganzen Erde nur in relativ

engen Grenzen.+ Das spez. Gew. kann durch die auch von der Pharm.

helvet. IV aufgenommene sog. ~Hager~sche Schwimmprobe (Wachstropfen

schwimmen in Alkohol bestimmter Konzentration) oder mit der ~Mohr~schen

Wage (~Bohrisch~ und ~Richter~) bestimmt werden. ~Kramer~-Zürich teilte

mir mit, daß sowohl die Wabe wie der Honig radioaktiv sind.

Indisches Gheddawachs zeigte abweichende Zahlen S. Z.: 6,01-6,1,

Ä. Z.: 76,11-77,2, V. Z.: 82,12-83,3, Verhältniszahl: 12,1-12,6,

Jodzahl: 10 (~G. Buchner~). Das Annam-Bienenwachs ist dem indischen

ähnlich (~Bellier~). Es hat eine höhere Jodzahl und enthält weniger

freie und mehr gebundene Fettsäuren als europäisches Wachs. Es hat

eine hohe Verhältniszahl. Das Ind. Gheddawachs stammt von _Apis

dorsata_, _florea_ und _indica_ (s. oben S. 757).

Bienenwachs ist nach ~Buchner~ in absol. Alkohol gelöst und mit

absolutalkoholischer Kalilauge gekocht in einer Stunde vollständig

verseift, nach anderen (~Berg~, ~Bohrisch~) muß man länger, bis 3

Stunden, kochen. Die in 80% Alkohol löslichen freien Wachssäuren

bestehen nur zum geringsten Teile aus Cerotinsäure (~R. Berg~). Heißer

Alkohol löst alle Cerotinsäure neben geringen Mengen Melissinsäure

(Cerin, rohe Cerotinsäure), Farbstoffe, einer klebrigen aromatischen

Substanz (Ceroleïn) und Spuren Myricin, die beim Erkalten sich nahezu

vollständig wieder abscheiden, so daß bei Zusatz von Wasser zum Filtrat

nur leichte Opalescenz eintritt (Unterschied von Stearinsäure). Mit

300 Teilen Alkohol (90%) am Rückflußkühler gekocht löst sich das Wachs

bis auf die Verunreinigungen (0,6-1,5%) auf. In kalten Äther geht

viel Cerotinsäure, die Farbstoffe, die Kohlenwasserstoffe, ein wenig

Wachsester und das Cerolëin, als weißer Rückstand bleibt die Hauptmenge

der Wachsester und etwas Cerotinsäure (~G. Buchner~). +Man muß das

Wachs in Porzellan oder Email schmelzen, da die Gerbstoffe, die in ihm

enthalten sind, mit Eisen mißfarbige Verbindungen geben.+ Das Bleichen,

das entweder in sog. Luftbleiche (Rasenbleiche) oder in chemischer

Bleiche (s. oben S. 764), oder mit Tierkohle erfolgt, verändert das

Wachs mehr oder weniger stark (am wenigsten die Behandlung mit Kohle),

die Jodzahl sinkt, Säurezahl und Verseifungszahl steigen meist,

ohne daß sich jedoch eine Gesetzmäßigkeit erkennen läßt und daß die

Differenzen immer groß sind. Beim Bleichen werden die Farbstoffe und

die aromatischen Substanzen zerstört bzw. in Petroläther lösliche

Stoffe umgewandelt.

=Lit.= ~Senebier~, Physiol. végét. 2, 424 (1800). Dort die älteste

Lit. -- +Ältere+: ~John~ (Analys. d. Wachs. d. Beeren von Myrica

cordifolia nebst Betracht. über d. Wachs überhaupt). Chem. Schrift.

IV, 38. -- ~Saussure~, Ann. chim. phys. (2) 13, 339 (1820). --

~Boudet~ u. ~Boissenot~, Dingl. Pol. Journ. 1827, 23, 524. --

~Oppermann~, Ebenda (2) 49, 240 (1832). -- ~Hess~, Pogg. Ann. 43

(1838), 382; Journ. pr. Chem. 13, 411. -- ~Mulder~, Journ. pr. Chem.

32, 172 (1844). -- ~Collins Brodie~, Lieb. Ann. 67 (1848), 180; 71

(1849), 144 (Hauptarbeit). -- ~Lewy~, Dingl. Pol. Journ. 1845, 36.

-- ~Gerhards~, Ebenda 1845, 36, 82. -- ~Thomson~, in Syst. d. Chem.

IV. -- ~J. Bostock~, Vgl. Vers. u. Beobacht. über d. Wachs aus d.

Früchten d. Wachsbaums (Myrica cerif.), das Bienenwachs, den Walrat,

das Fettwachs u. d. krist. Substanz aus d. Gallensteinen. Nicholsons

Journ. nat. Philos. IV u. N. allg. Journ. d. Chem. VI, 645.

+Neuere+: ~Georg Buchner~ in ~Benedikt-Ulzer~ a. a. O. -- ~v. Fürth~,

Vgl. chem. Physiol. d. nieder. Tiere 1903. -- ~Chateau~, Fette u.

Wachsarten. Leipzig 1864. -- ~Schalfejeff~, Journ. d. russ. chem.

Ges. 2, 113; Ber. d. chem. Ges. 1876, 278. -- ~Nafzger~, Lieb. Ann.

224, 225. -- ~Schwalb~, Ebenda 235, 106. -- ~T. Marie~, Extrait. d.

acid. libr. d. l. cire d’abeilles; Compt. rend. 119, 428, Journ.

Pharm. Chim. [3] 30, 199; Journ. Soc. Chem. Ind. 1894, 1895,

1896; Ann. chim. phys. 1896, 145; Bull. soc. chim. 11, 908 u. 15,

565. -- ~Henriques~, Ber. d. chem. Ges. 1897, 1415. -- ~Jirmann~,

Hochmolekulare Kohlenw. aus Bienenwachs. Diss. Heidelberg 1899.

-- ~Bohrisch~ und ~Richter~, Pharm. Centralh. 1906, 11 u. 208. --

~Bohrisch~, Chem. Zeit. 1907, 191 u. 351. -- ~G. Buchner~, Chem.

Zeit. 1907, 45, 126, 271, 570 u. 631; Zeitschr. öffentl. Chem. 3, 570

(1897) und 1910, 128. -- ~Berg~, Chem. Zeit. 1907, 537, 1908, 777. --

~Buisine~, Trav. et Mém. d. facult. Lille 1891. Bull. soc. chim. 5,

654. -- ~Mangold~, Chem. Zeit. 1891, 799.

~Sundwik~ (Hummelw.), Journ. phys. Chem. 1907, 365. -- ~Mederer~

(Maroccan. W.), Zeitschr. öffentl. Chem. 1898. -- ~Bertainchaud~

u. ~Marcille~, Monit. scient. 12, 533 (Pharm. Zeit. 1898, 864). --

~Blits~ (Schwarz. Wachs aus Holl. Ind.) Nederl. Tijdschr. 1898. --

Über indische Wachse: ~Hooper~, Sources, prepar., trade and composit.

of beeswax of Brit. India. Agric. Ledger 1904. Entom. ser. No. 11.

Chronolog. geordnete Bibliographie. Journ. soc. chem. ind. 1892, 756

und ~Buchner~ in ~Benedikt-Ulzer~ a. a. O. -- Über die Fortschritte

der Wachsindustrie berichtet die Seifensiederzeitung, die Chem. Revue

der Fett- und Harzindustr. und die Bienenzeitung.

=Propolis= (s. S. 762). ~Vauquelin~ fand in Propolis 57% Harz, 14%

Wachs und 15% einer Säure, die nach ~Cadet~ Gallussäure mit etwas

Benzoesäure (?) sein soll. ~Laugier~ erwähnt ein ätherisches Öl.

~Greshoff~ und ~Sack~ bezeichnen die Propolis als ein Gemisch von

Harz (84%), Wachs (12%) und Unreinheiten, unlöslich in Alkohol (4%).

Im Wachs fanden sie Cerotinsäure, dem Propolisharz geben sie die

Formel C₂₆H₂₆O₃ (F = 66°). Propolis ergab bei jeder Analyse andere

Resultate. Sie zeigt stark abweichende Zusammensetzung.

~Bohrisch~ fand in %: Harz, unlöslich in heißem Petroläther, löslich

in 96% Alkohol: 43,6, Propolisbalsam, in heißem Petroläther und 70%

Alkohol löslich: 8,7, Bienenwachs: 27,9, Verunreinigungen: 12,9,

flüchtige Bestandteile (incl. Wasser): 6,9. ~Küstenmacher~ fand

in von den Ammen erbrochener Propolis (Pissoceros) in %: Pollen,

Spuren Wachs, 95 roten Balsam, darin 10% Zimtalkohol; in selbst

gesammelter Propolis: 5-18 feste Körper, 22-35 Wachs, 60 Balsam,

darin 9-10,7%, Zimtalkohol; in selbst gesammelter commosis: 20 Wachs,

73 Balsam, darin 9,5% Zimtalkohol; in Propolissorten aus Thüringen

und Posen: 14,7-15,2 feste Körper, 6,6-9,6 Wachs A, 1-3,64 Wachs

B, 4,8-21,3 Wachs C, 4,4-5,6 Ceresin D, 3,1-7,3 Zimtalkohol, 2-2,2

Gerbstoffe, 46,8-51,4 Harze. Auch Zimtsäure wurde von ~Küstenmacher~

in der Propolis gefunden, doch fehlen Analysen der isolierten

Substanzen. ~Dieterich~ fand in selbst gesammelter Propolis 65% Harz

(in Handelsware bis 44%), c. 3% Balsam, 45% Wachs (in Handelsware

über 60%), bis 2% Asche und 5-6% wässriges Extrakt, und bei einer

eingehenderen Untersuchung in %: Wachs bis 60, unlösliche Anteile

bis 22, bei 100° flüchtige Anteile bis 6, Propolisbalsam (nach

~Bohrisch~) bis 11, Vanillin und andere Aldehyde ganz geringe

Mengen (im Balsam), Gummi wenig, Propolisrohharz (F = 90-106°) bis

65. Das Propolisharz bestand aus Gerbstoffen c. 20, Proporesen

1,5, α-Proporesin (F = 182-187°) c. 1, β-Proporesin (F = 124-125°)

c. 4, freie Harzsäure Spuren, Reinharz c. 70 (wahrscheinlich der

Resinotannolester der Propolisharzsäure), Oxydationsprodukte der

Gerbstoffe c. 3,5%.

Propolis wird noch jetzt zu Räucherungs- und Aromatisierungszwecken

benutzt. Es ist aber kaum im Handel anzutreffen.

=Lit.= (Propolis) ~Gale~, Agric. Gaz. N. S. W. 1901, 840. -- ~Root~,

A B C of Bee culture 1901. -- ~Van Tricht~, Scheikund. Woordenb.

1865. -- ~Greshoff~ u. ~Sack~, Contribut à la connaissance du

propolis (matière précieuse). Rev. tr. chim. P. B. 22 und Pharm.

Weekbl. 1902, 933. -- ~K. Dieterich~, Anal. d. Bienenw. in s.

verschied. Entwicklungsstad. u. über d. Bienenharz. Chem. Zeit. 1907,

987 (Apoth. Zeit. 1907, 824) und Beitr. z. Kenntn. d. Bienenharzes.

Apoth. Zeit. 1910, 762 u. Weit. Beitr. z. Kenntn. d. Bienenharzes.

Pharm. Centralh. 1911, Nr. 39. -- ~Bohrisch~, Propolis, Pharm.

Centralh. 1907, 929. -- ~Küstenmacher~, Propolis. Ber. d. pharm. Ges.

1911, 65.

=Verfälschungen und Prüfung.= Als Verfälschungen des Bienenwachses

sind neben Wasser und mineralischen Substanzen, Mehl und Stärke,

Talg, Japanwachs, Stearinsäure, Paraffin, Ceresin, Colophonium,

Carnaubawachs und Insektenwachs beobachtet. In Indien wird das

Wachs bisweilen mit Curcuma gefärbt (~Hooper~). Die häufigste

Beimengung ist jetzt Ceresin, das dadurch hineingelangt, daß man

in neuerer Zeit bisweilen künstliche, aus Ceresin oder Ceresin und

Wachs hergestellte Waben verwendet. Die Schweizer Imker halten

aber darauf, daß nur künstliche Waben aus Bienenwachs verwendet

werden (~Kramer~). Übrigens nimmt die Biene reine Ceresinwaben

nicht an, sondern baut daneben. Die Methode von ~Buisine~ (mit

Kalikalk) erlaubt die dem Wachs zugesetzten Kohlenwasserstoffe

direkt zu bestimmen. ~Hübl~ bemerkt: Wenn die Verseifungszahl

unter 92 liegt, während die Verhältniszahl (s. oben) mit der eines

reinen Bienenwachses übereinstimmt, dann muß Paraffin oder Ceresin

vorhanden sein. Wenn die Verhältniszahl größer ist als 3,2, dann muß

ein Zusatz von Japantalg, Carnaubawachs oder Talg vermutet werden.

Wenn die Säurezahl weit unter 20 liegt, dann fehlt Japantalg, wenn

jedoch die Verhältniszahl unter 3,8 liegt, dann ist Stearinsäure oder

Kolophonium anwesend. Zusatz von Carnaubawachs drückt die Säurezahl

herab und erhöht Spez. Gew. und Schmelzpunkt.

=Lit.= Über +Wachsfälschung und Wachsuntersuchung+ existiert eine

ganze Literatur, vgl. in ~Benedikt-Ulzer~ a. a. O., ~Lewkowitsch~

a. a. O. und ~Dieterich~, Helf. Ann. -- Ferner: ~Niederstadt~,

Pharm. Zeit. 1897, 654. -- ~Henriques~, Zeitschr. öffentl. Chem.

1897. -- ~Schweissinger~, Pharm. Centralh. 1897. -- ~Lemaire~,

Rep. d. pharm. 1904. -- ~Eichhorn~, Zeitschr. anal. Chem. 1900. --

~Buchner~, Chem. Zeit. 19 (1895), 1422, 25, 21, 31, 126 u. 570. --

~Ragnar-Berg~, Chem. Zeit. 1907, 537 u. 1908, 777. -- ~Buisine~,

Monit. scient. 1890, 1127. -- ~Bellier~ (Annam-W.). Ann. Chim. anal.

1906, 366. -- ~Geiger~ (Jodzahl). Zeitschr. angew. Chem. 1898.

-- ~Hirschel~ (Extraktionsw.). Chem. Zeit. 1904. -- ~Ahrens~ und

~Hett~ (Kohlenwasserst). Pharm. Zeit. 1899, 242. -- ~Le Sueur~ und

~Crossley~ (Schmelzp.). Zeitschr. angew. Chem. 1899. -- ~Rakusin~

(spez. Gew.). Chem. Zeit. 1905. -- ~Hehner~, Analyst 1883, 16. --

~Hübl~, Dingl. polyt. Journ. 219 (1883), 338. -- Bestimmung der

Säure- und Verseifungszahl aus neuerer Zeit: ~Ragnar Berg~, Apoth.

Zeit. 1910, 784. -- ~C. Jacobsen~, Ebenda 1910, 113. Vgl. auch die

Chem. Revue der Fett- und Harzindustrie und die Seifensiederzeitung.

[Illustration: Fig. 236.

Die Zweige des Wax tree (_Fraxinus chinensis_) mit Wachs bedeckt, unten

das Wachsinsekt (_Coccus ceriferus_). [Nach +Hanbury+, Science papers.]]

=Geschichte.= «Eigentliche Bienenzucht ist erst nach Trennung des

indogermanischen Urvolkes aufgekommen, im Norden Europas die wilde

Waldbienenzucht an Zeidelbäumen, im Süden die zahme Bienenzucht in

Bienenstöcken, die dann allmählich auch nach Norden vorgedrungen ist»

(~Schrader~). ~Homer~ hat noch keine Spur davon, erst bei ~Hesiod~

werden Bienenkörbe erwähnt. Im Norden ist die Waldbienenzucht sehr

alt. (Über Biene und Honig vergl. oben S. 8 u. 757 und ~Schrader~,

Reallex. d. indogerm. Altertumsk.) In Amerika wurde in der

präkolumbischen Zeit Wachs und Honig nur von den verwandten Gattungen

_Trigona_ und _Melipona_ gesammelt. Nach Mexiko kam die europäische

Biene bald nach der Eroberung, nach Nordamerika von England aus,

1764 kam sie nach Cuba, 1793 nach New York, 1797 nach den Gegenden

westlich vom Mississippi, aber erst 1845 nach Brasilien. Jetzt hat

sich die deutsche Biene über ganz Süd- und Nordamerika verbreitet

und auch die italienische und ägyptische Biene (s. oben) ist von

Deutschland aus hinüber gebracht worden. Nach Australien kam die

Biene 1862 von England aus. ~Dioskurides~ (II, c. 105) bezeichnet als

das beste Wachs (κηρός) das von Creta und dem Pontus. Er beschreibt

das Bleichen durch Auskochen des Wachses mit Meerwasser und Natron,

Umschmelzen, Erstarrenlassen zu dünnen Scheiben und Bleichen

dieser unter fortwährendem Anfeuchten an der Sonne. Er kennt die

medizinische Anwendung auch der πρόπολις, von der aber nur die gelbe,

styraxartig riechende, wie _Mastix_ knetbare benutzt werden soll.

~Plinius~ (XI, 5), der für die Waben den Ausdruck cellula braucht

(jetzt übertragen auf die «Zelle»), erwähnt außer cera die commosis

(Gummigrund), Harzwachs (pissoceros) und Stopfwachs (propolis),

dessen Bedeutung er richtig schildert -- sowie das Bienenbrot

(erithace, sandarace, cerinthus) und nennt als Quelle des melligo den

klebrigen, gummigen und harzigen Saft der Weiden, Ulmen und Rohre,

als Quelle der Propolis das Harz der Pappel und des Weinstocks unter

Zusatz von Blütenstaub (flos). Er bemerkt: «ceras ex omnium arborum

satorumque floribus confingunt, excepta rumice et echinopode».

Außerdem nennt er cera maxime fulva, cretisches und corsicanisches

und erwähnt das Färben mit Alcanna («Anchusa»). Auch ~Ovid~ erwähnt

_Cera flava_ (~Flückiger~). ~Galen~ kennt die Verwendung des Wachses

zu kühlenden Pflastern. Auch die Araber erwähnen es (bei ~Ibn

Baithar~: schama und mum) als Pflasterbestandteil. -- In dem Bericht

der Bischöfe ~Richard~ und ~Thomas~ (1303 bzw. 1310) wird auch Cere

nebst dem Preise erwähnt (~Hanbury~, The spices, groceries and wax

of a mediaeval household. Science pap. 478) und ~John de Garlande~

(XIII. Jahrh.) erwähnt die schon damals häufigste Verfälschung

mit «cereis esclesiasticis», d. h. einer Talg-Wachsmischung. Im

Ricettario fiorentino ist Wachs von Toscana erwähnt. Die Unguenta

der alten Dispensatorien enthielten meist ein Adeps und Öl, oft auch

Wachs. ~Cordus~ hat z. B. _Cera citrina_ und _fulva_. ~Pomet~ nennt

1694 neben Frankreich (bes. der Champagne, Bretagne) Polen und «La

Barbarie» als wachsliefernd und bezeichnet besonders das Wachs von

Danzig als gut. In der Taxe von Prag 1659 steht Cera alba Veneta --

die Wachsbleicherei wurde im XVII. Jahrh. (und wohl auch schon im

XVI.) besonders in Venedig betrieben.

~Plinius~ und ~Celsus~ (De medic. V, 3, 4) erwähnen Propolis, ebenso

~Varro~ (De re rustica III, 16, 23), ~Vegetus~ u. and. ~Virgil~

nennt den Namen nicht, erwähnt es aber auch. _Propoli_ steht bei

~Cordus~ in den Annotationes ad Dioscoridem und in der Frankfurter

Liste (1450): propoleos uel on. Von ihm sagt ~Pomet~, daß es ehedem

viel gebraucht wurde, man aber jetzt (1694) kaum mehr wisse was es

eigentlich sei. Als Arzneimittel ist es längst außer Gebrauch.

Chinesisches Insektenwachs.

Pelawachs, Pihla, Pe-la-or, Latschu, Chung-pih-la (= weißes

Insektenwachs, das rohe Wachs heißt lă-tscha = Wachs-Sediment),

vegetabilisches Spermacet, chines. Baumwachs, Cire d’insectes, Insect

wax, White wax of insects, Chinese wax, Chinese vegetable wax, Cera

d’insetti.

Das chines. Wachs ist das Produkt einer Schildlaus, =Coccus

ceriferus= ~Fabr.~ (_C. pela_ ~Westw.~, pe-lah chines. = weißes

Wachs, _C. cereus_ ~Walk.~, _Ericerus ceriferus_ ~Guer. Mén.~, _E.

pe-la_ ~Künck.~), die auf verschiedenen Bäumen Chinas, besonders auf

_Ligustrum lucidum_, im Tale Tschien-Tschang lebt. Man überträgt

aber das Tier in Schantung, Honan, Tschekiang, Szetschwan, Anhwei

auf am Rande der Felder kultivierte, etwa dreijährige Eschen

(_Fraxinus chinensis_ ~Roxb.~), löst, sobald die Wachsproduktion

ihren Höhepunkt erreicht hat, die Rinde von den Bäumen, erwärmt

sie in eisernen Töpfen mit Wasser und schöpft das Wachs ab, das

dann umgeschmolzen wird. Hauptproduktionsgegend ist Chiating in der

Provinz Szetschwan. Die jährliche Produktion beträgt c. 200000 kg

Wachs, früher beträchtlich mehr. Aber die Produktion und der Preis

sind seit Einführung des Petroleums stark zurückgegangen. Nur in der

Provinz Anhwei und im Distrikt Pochou und der Provinz Tschekiang hat

Produktion und Handel mit diesem Wachs nicht merklich abgenommen

(1900). Nach der Stadt Kiu-hua wurden 1887 gegen 300 t gebracht

(~Semler~). Hauptdistrikte sind die Provinzen Szetschwan, Anhwei und

Tschekiang, aber auch in Hainan, Kwangtung, Hunan, Schantung und

selbst im Amurgebiet wird Wachs gewonnen.

[Illustration: Fig. 237.

Der Wachsbaum und sein Insekt nach einer Darstellung im Pen Tsʿao

Kang Mu (I, S. 518). Die Schriftzeichen links oben bedeuten Chung-la

(= Insektenwachs), die darunter stehenden Lă-chŭng (= Wachssame, die

Cocons des Insektes auch la-tsze = Wachssohn), die in der Ecke rechts

unten Tung-tsing-shoo (= Wintergrünbaum), die großen am Rande rechts

Chŭng-pih-lă (= weißes Insektenwachs). [Aus +Hanbury+, Science papers.]]

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 119 / 120 段