~Huber~ meint freilich, daß Bienen ausschließlich mit Pollen

ernährt, niemals Wachs geben, und daß mit Honig ernährte es

reichlich produzierten (~Dumas~ und ~Milne-Edwards~ stimmen dem

bei). Aber ~Beauregard~ bemerkt, daß dies doch nicht so viel heißen

solle, daß die Wachsmaterialien der Pflanze gar keinen Einfluß auf

die Wachsbildung haben und niemals dazu benutzt werden. Er nimmt

also einen vermittelnden Standpunkt ein. Ich nehme an (Schweiz.

Wochenschr. 1911 Dez.), daß die Hauptquelle des Bienenwachses die

von den Pflanzen stammenden Wachssubstanzen sind, aber zu seiner

Bildung die Anwesenheit von Honig nötig ist. Wegleitend ist für

mich die Tatsache, daß das Bienenwachs ebenso wie das Pflanzenwachs

eigenartige Kohlenwasserstoffe enthält, und daß der Biene stets

reichliche pflanzliche Wachsquellen (s. oben) zur Verfügung stehen,

aus denen sie mit viel geringerem Energieaufwand wie aus Honig allein

Wachs bilden kann.

Die von ~Hornborstel~ ausgesprochene Ansicht, daß den Bienen zur

Wachsbereitung Honig in genügender Menge zur Verfügung stehen müsse,

war schon, wie es schien, durch ~Hubers~ Versuche bestätigt worden.

~Gundelach~ (1842), ~v. Berlepsch~ (1854) und ~Dönhoff~ (1861)

suchten dann durch zahlreiche Fütterungsversuche den Nachweis zu

erbringen, in welchen Gewichtsverhältnissen die gegebenen Honigmengen

und die produzierten Wachsmassen stehen. Die Resultate sind aber so

verschieden und weichen von denen späterer Beobachter so stark ab,

daß sich ein sicheres Urteil nicht abgeben läßt. Der Punkt ist also

auch heute noch strittig (vgl. bei ~Dreyling~ a. a. O.).

Wenn ich oben als möglich bezeichnet habe, daß das Wachs, welches die

Biene ausscheidet, vorwiegend den von ihr gesammelten Wachsmaterialien

der Pflanze entstammt, so ist das doch selbstverständlich nicht so zu

verstehen, daß dies Material einfach so wie es ist wieder ausgeschieden

wird. Es passiert den Tierkörper, erleidet hier (mit Ausnahme der

Kohlenwasserstoffe) eine Umbildung und wird dann in veränderter Form

von den Wachsdrüsen abgeschieden. Ich stütze mich hierbei unter anderem

auch auf die Tatsache, daß wir Cerotinsäure und Melissylalkohol sowie

Kohlenwasserstoffe sowohl in Pflanzenwachsen wie im Bienenwachs finden

und daß z. B. der in Pflanzenwachsen gefundene Myricylalkohol völlig

identisch ist mit dem aus Bienenwachs isolierten.

18-24 Stunden nach der Aufnahme der Nahrung, die in dem zuckerhaltigen

Nektar und dem Pollen der besuchten Blüten besteht, erfolgt bei den

Arbeitsbienen an den vier letzten Bauchringen, den sog. «Spiegeln»,

die den Drohnen fehlen, und zwar in der sog. Wachsmembran, einer

Schicht epithelialer Zellen, welche zwischen der Cuticula und der

inneren membranösen Auskleidung der Bauchsegmente liegen (~Carlet~),

die Ausscheidung des Wachses in Form kleiner länglich-runder Lamellen,

von denen acht etwa 0,0015 wiegen (~Dumas~). Aus diesen bauen die

Arbeitsbienen die sechseckigen Zellen in die sie dann den aus dem

Nektar gebildeten Honig (s. S. 9) entleeren, «erbrechen».

~Dreyling~ faßt seine Untersuchungen über die wachsbereitenden

Organe der gesellig lebenden Bienen (1905), wie folgt, zusammen:

«Die Arbeiterinnen der Honigbiene scheiden das Wachs durch besonders

ausgebildete Drüsen («Hautdrüsen») an den vier letzten Ventralplatten

des Abdomens aus. Die Anlagen der Wachsdrüsen sind bereits im

Puppenstadium sichtbar, erreichen bei der ausgebildeten Biene einen

gewissen Höhepunkt und degenerieren mit zunehmendem Alter allmählich.

Die Sekretionsfähigkeit der Wachsdrüsen hängt mit dem Bau derselben

innig zusammen. Das Wachs gelangt durch die Poren auf die Außenseite

des Spiegels, wo es sich in Form kleiner Plättchen ablagert.» Die

Wachsdrüsen (Fig. 230) zeigen eine auffallende Ähnlichkeit mit den

Drüsenflecken der Pflanzen, z. B. bei _Capsicum_ (~Tschirch~). Die

Wachsdrüsen bringen also nur eine gewisse Zeit das Wachs hervor. Sie

sind bei den jüngsten Bienen noch nicht ausgebildet, bei Trachtbienen

schon wieder zurückgebildet. «Das «Wachsschwitzen» liegt also einer

bestimmten Altersklasse der weiblichen Bienen ob, einer Altersklasse,

die noch nicht auf Tracht ausfliegt, sondern noch zu den Stockbienen

gehört.»

«Beim Bau der Waben ziehen die Bienen mit den Hinterfüßen sich selbst

oder (meist) anderen Bienen die Wachsblättchen aus den Bauchringen

hervor, zerkauen und bespeicheln sie und bringen sie dort an, wo

sie eine Wabe beginnen oder weiterführen wollen.» Um die für die

Wachsbildung nötige Temperatur (c. 35°) zu erzielen, legen sich die

Bienen in einem Haufen übereinander. Der Wabenbau erfolgt besonders

im Frühling (Mai, Juni). Die neugebauten Waben sind schneeweiß, sie

werden aber bald gelblich. Der Honig wird in verlängerte Arbeiter- und

Drohnenzellen entleert. «Bei einem Schwarm mit noch unbefruchteter

Königin bauen die Bienen zarte weiße Waben in der Farbe, wie sie das

Wachs an den Bauchdrüsen ausschwitzen, das sog. Jungfernwachs, und

erst, wenn die Befruchtung der Königin gelungen und Brut eingeschlagen

wird, fangen die Waben an sich zu färben» (~Küstenmacher~).

[Illustration: Fig. 230.

+Wachsbildung bei der Honigbiene.+

1 Sagittalschnitt durch das Abdomen bei den vier hinteren Ringen (R)

mit den Wachsdrüsen (wdr). 2 Wachsdrüse stärker vergrößert. 3 Teil

einer Wachsdrüse stark vergrößert. Die subcuticulare Wachsbildung (w)

ist deutlich.

[Nach +Dreyling+.]]

[Illustration: Fig. 231.

Zwei Waben mit einer Wabengasse dazwischen, die unten im Brutraum (b)

zwei, oben im Honigbogen (h) einer Biene Raum gibt.

[Nach +Stadler+.]]

[Illustration: Fig 232.

Die Biene bei der Arbeit; rechts oben gedeckelte Zellen, unten eine

Königinzelle.]

[Illustration: Fig. 233.

Oben: Honigbogen (Halbkreis). Mitte: Geschlossene Arbeiterbrut (oben

offen, die Hauptmasse gedeckelt). Unten: Drohnenbrut, zumeist offen.

[Aus +Stadler+, Biologie der Biene.]]

Der +Bau der Wachswaben+ beginnt an der Decke. Zunächst wird eine

Vertikalwand gezogen. Bei den in dichten Guirlanden von der Decke

hängenden Arbeiterinnen nimmt die vorderste von ihren Bauchschuppen

ein Wachsplättchen ums andere in die Wachszangen ihrer Hinterbeine

und von hier in die Klauen der Vorderbeine, erfaßt sie mit den

Oberkiefern, knetet sie und klebt sie an die Decke. Die ihr zunächst

hängende reicht ihr dann mit den Kiefern ihre Wachsschüppchen

zu und die erste baut damit weiter. «So wandern durch die ganze

Bienenkette die von den einzelnen Tieren geschwitzten Wachslamellen

vor zu der vordersten. Da mehrere Ketten gleichzeitig arbeiten, so

sind es gewöhnlich auch mehrere Wabenanfänge (3-4), die zu gleicher

Zeit aufgeführt werden. Sobald die Fundamente gebaut sind, lösen

sich die Ketten auf und es arbeiten von nun ab zahlreiche Bienen

zugleich an der Vergrößerung und dem Ausbau der Waben. Dabei

ziehen sich die bauenden Arbeiterinnen nun auch gegenseitig mit

den Kiefern die Wachsplättchen zwischen den Bauchringen hervor».

Die auf die vertikale «Mittelwand» von beiden Seiten her in großer

Zahl aufgesetzten «Zellen» sind hohle sechsseitige, mit einer Kante

nach unten gerichtete Säulen, die nicht genau horizontal, sondern

etwas gegen die Mittelwand geneigt, angelegt werden (Fig. 231),

deren Wand etwa 0,1 mm dick ist (gegen die Mittelwand dicker) und

die durch einen Deckel verschlossen werden (Fig. 232 u. 233). Der

Zellverband ist die Wabe. Zuerst werden immer nur Arbeiterzellen

gebaut (Arbeiterwaben, Arbeiterbau) als Brutstätten für die Eier,

aus denen Arbeiterinnen hervorgehen, sowie zur Aufnahme von Pollen

und Honig. Der größte Teil eines Stockes besteht aus Arbeiterwaben.

Die Arbeiterbrutzelle ist etwa 12,5 mm, die als Honigzelle benutzte

Arbeiterzelle 5,7-39,5 (meist 16-17) mm tief (lang) und mißt von

Wand zu Wand c. 5,16 mm. Sobald das Volk «an Vermehrung denkt»,

werden auch Drohnenzellen gebaut, die beträchtlich größer sind

(6,87 : 18,75 mm) und durch Übergangs-, Flick- oder Schaltzellen

angeschlossen werden, sowie schließlich die in beschränkter Zahl

(höchstens 30 pro Volk) angelegten, bis 24 mm großen, unregelmäßig

eichelförmigen Weiselzellen (Weiselwiege) für die Königin (Fig. 232),

in denen die weiblichen Larven erbrütet werden. Ihre Öffnung liegt

nach unten. Während die Weiselzelle nur einmal benutzt und ihr Wachs

weiter verwendet wird, verleben in den Arbeiter- und Drohnenzellen

Dutzende von Generationen ihre Larvenzeit. Die einzelnen Zellenbaue

(Waben) stehen in parallelen, durch Wabengassen getrennten Reihen

nebeneinander (Fig. 231) -- die Mittelwände fast genau 3,5 cm

voneinander entfernt. Sie sind an der Decke und an den Seiten,

bisweilen, aber nicht immer, auch unten durch besonders starke, aber

fünfeckige «Heftzellen» befestigt. Im modernen Rähmchenbau (Mobilbau)

werden die Mittelwände künstlich gezogen (Kunstwabe) und dadurch der

Bau regelmäßiger. Die Waben enthalten die Brut, den Honig und den

Pollen. Der mittlere Teil des Stockes besteht meist aus Brutwaben,

über denen die nur Honig enthaltenden Zellen des «Honigbogens» (Fig.

233) liegen, die Drohnenzellen liegen zu unterst. Sind die Waben

hoch genug, so füllt die Biene bisweilen auch in die gleiche Zelle

unten Brut und oben Honig. Reine Pollenwaben gibt es für gewöhnlich

nicht. Die Honigzellen sind meist «vertiefte», d. h. verlängerte (und

bisweilen sehr stark verlängerte) Arbeiterzellen. Alle Honigzellen

werden gedeckelt, aber auch die Brut-, Drohnen- und Weiselzellen

erhalten meist Deckel. Junger Wabenbau ist sehr zerbrechlich. Er

wird erst durch die sich den Wachszellen anschmiegenden Cocons

(«Nymphenhäutchen») der Larven derber, besonders wenn zahlreiche

Larven nacheinander die gleiche Zelle benutzten. Die anfangs weißen

Waben sollen sich «infolge der Stockausdünstung» gelb färben. Alte

Waben sind fast schwarz. Die Arbeitsbienen entleeren ihren Koth nie

im Bau, das tun nur die Drohnen und die Königin. Er wird aber von den

Arbeiterinnen entfernt, die überhaupt den ganzen Bau rein halten. Um

den Fortpflanzungstrieb der Biene zu beschränken und den Sammeltrieb

zu begünstigen, wird jetzt oft der Stock in zwei Abschnitte getrennt,

einen +Brutraum+, in welchem die Königin die Eier ablegt, die dann

durch die Arbeiterinnen bebrütet werden und einen +Honigraum+,

in dem die Arbeiterinnen den Honig ablegen. Beide werden durch

ein Absperrgitter getrennt, das so enge Maschen hat, daß nur die

Arbeiterinnen, nicht Drohnen und Königin es passieren können. Die im

modernen +Mobilbau+, der den alten +Stabilbau+ (die Bienenkörbe usw.)

immer mehr verdrängt, in +auswechselbaren+ Rähmchen sich befindenden

Honigwaben werden jetzt meist, nachdem sie entdeckelt wurden, in der

+Honigschleuder+ zentrifugiert und die entleerten Waben wieder in

den Bau gehängt. Dies erspart den Bienen den Bau neuer Wachszellen,

konzentriert ihre Arbeit auf die Honigernte, drückt aber natürlich

die Wachsproduktion herab.

Drei Erfindungen haben die Imkerei unserer Zeit mächtig gefördert:

der Mobilbau, die Kunstwabe und die Honigschleuder.

=Lit.= +Wachsbildung+: ~Claus~, Über d. wachsbereitenden Hautdrüsen

der Insekten. Ges. z. Bef. d. ges. Naturw. Marburg 1867. -- ~Carlet~,

Le cire et ses organes sécréteurs. La Naturaliste 1890. -- ~L.

Dreyling~, Die wachsbereitenden Organe bei den gesellig lebenden

Bienen. Diss. Marburg 1905 (dort auch die ältere Lit.).

Der Blütenstaub wird verzehrt oder durchgearbeitet und aufbewahrt und

bildet das sog. +Bienenbrot+ oder wird auf +Propolis+ verarbeitet.

Außer den genannten Substanzen sammeln die Bienen angeblich besonders

von harzausscheidenden Blattknospen der Erlen, Akazien, Pappeln,

Roßkastanien, Birken, Eschen, Bisampappel, Mandel, Brombeere, Distel,

Männertreu, Lein, Balsamine usw., das Gummiharz der Kolleteren

und das Sekret anderer Drüsenhaare und verarbeiten dies zu dem

sog. Kleb-, Stopf- oder Vorwachs, der +Propolis+, welches sie zum

Verkleben der Löcher, besonders als Schutz gegen Zugluft, wogegen

die Bienen sehr empfindlich sind, und zum Einhüllen von in den

Stock eingedrungenen Fremdkörpern benutzen. Auch wurde schon oft

bemerkt, daß die Bienen an dem Gummifluß der Prunoideen, am Harze

des Sägemehls, ja am Peche der Bierfässer nagen (~Dieterich~),

das sie dann ebenfalls zu Propolis verarbeiten. Nach der Ansicht

~Küstenmachers~, der richtig bemerkt, daß die Kolleteren der

Winterknospen nicht in Betracht kommen können, da sie im Sommer

abgeworfen sind, «besteht Propolis aber aus dem Öl resp. Balsam von

der Oberfläche der Pollenkörner, dem von den Bienen noch Wachs und

als Füllstoff alter Pollen und allerlei Gemüll aus dem Bienenstock

in variabler Menge zugesetzt wird». Die Wahrheit liegt vielleicht

in der Mitte und die Biene verwendet +alles+ ihr erreichbare

harzartige Material. Dafür spricht die außerordentlich unregelmäßige

Zusammensetzung der Propolis (~Küstenmacher~ fand z. B. Zimtalkohol

und Zimtsäure darin, ~Dieterich~ nicht).

Gelegentlich der Entleerung des Honigs aus den Waben, der durch

einfaches Auslaufenlassen, oder durch Abpressen, Ausschleudern oder

Zentrifugieren geschieht, gewinnt man nun auch als Nebenprodukt das

+Wachs+ (Wachsernte). Die entleerten Waben werden in heißem Wasser

zusammengeschmolzen und die Masse dann in Formen oder Erdlöcher

gegossen. Dieses +Rohwachs+, das mancherlei Verunreinigungen (tote

Bienen und deren Teile, Nymphenhäutchen, Pollenkörner, Sand, Staub,

Erde, Pflanzenteile usw.) enthält -- besonders die überseeischen Wachse

enthalten oft viel Erde -- und in Blöcken (Vergl. I. Fig. 258), Kuchen,

Broten oder Stangen im Handel ist, wird in Säcken, Kisten oder Körben

versandt. Die Wachsproduktion geht durch Aufgabe des Stabilbetriebs

zurück.

Das Rohwachs wird durch Umschmelzen mit Wasser über direkter Feuerung

oder mit Dampf gereinigt (gereinigtes, geklärtes, geläutertes,

raffiniertes Wachs). Das Erhitzen erfolgt meist in Holzfässern mit

direktem Dampf, die Masse wird dabei durch Rührwerke gut durchgemischt

und dem Wasser meist etwas Schwefelsäure, Salzsäure oder Oxalsäure

zugesetzt. Das Ganze wird zum Absetzen der Verunreinigungen lange

geschmolzen gehalten. Dann zieht man das obere klare Wachs mittelst

Hähnen in Formen ab. Die unteren Partien liefern das Schmutz- oder

Kotwachs (Wachskot). Es wird nochmals umgeschmolzen, das Klare

abgezogen, die Rückstände mit Stroh geschichtet in Topfpressen

ausgepreßt (Preßwachs), die Preßrückstände mit Benzin oder anderen

Lösungsmitteln extrahiert (Extraktionswachs). Für pharmazeutische

Zwecke ist nur das beste Wachs verwendbar.

+Über die Gewinnung des Bienenwachses+ berichtet mir Herr Apotheker

~Wartmann~-Biel (Schweiz), der eine große Bienenzucht (c. 100 Völker)

besitzt. «Das wachshaltige Material, das sich bei der Pflege der

Bienen und der Gewinnung des Honigs ergibt, kann in zwei Gruppen

geteilt werden:

1. die vor dem Ausschleudern der Honigwaben mit scharfem Schnitt

abgetrennten Wachsdeckel der Zellen, meist mit etwas Honig vermischt;

dann etwaige unregelmäßig ausgeführte unbebrütete, noch weiße

Wabenstücke, sowie Wachsteile, die von den Bienen oft zwischen und

außer den Rahmen abgelagert sind;

2. die seit kürzerer oder längerer Zeit im Brutnest benutzten Waben,

durch die in den Zellen zurückgelassenen Kokonhäutchen dunkel

gefärbt. Wenn auch regelmäßig gebaute Waben trotz einer mehrmaligen

Bebrütung innert eines Sommers für zehn und mehr Jahre benutzt werden

können, so ist eine schrittweise Erneuerung der Brutwaben doch

angezeigt, -- wozu dann noch etwaige Bruchstücke kommen.

Da das erstgenannte Material zum größten Teil aus Wachs besteht,

ist dessen Verarbeitung eine einfachere und wird mit Vorteil unter

Mithilfe der Sonnenwärme in dem sog. +Sonnwachsschmelzer+, einem

nach oben mit einem gegen die Sonne geneigtem Fenster geschlossenem

Holzkasten vorgenommen. Auf ein geneigtes Blech gibt man die

Wachsabfälle und infolge der unter dem Fenster entstehenden Wärme

(bis zu 70 Grad) fließt das reine Wachs unter Zurücklassung der

nichtschmelzbaren Bestandteile in ein untergestelltes Gefäß. Um

das Produkt von etwa eingeschlossenem Honig, der mit abgeflossen,

zu befreien und das Ganze zu einer gleichmäßig gefärbten Masse

zu vereinigen, schmilzt man es am besten in einer Email- oder

Messingpfanne unter Zusatz von etwas Wasser auf ganz gelindem

Feuer und läßt möglichst langsam erkalten. Etwaige Unreinigkeiten

sammeln sich an der unteren Fläche des Kuchens und können davon

abgekratzt werden. -- In Ermangelung eines Sonnwachsschmelzers oder

der Sonnenstrahlen werden die gleichen Abfälle mit dem mehrfachen

Wasser unter Umrühren geschmolzen und durch ein ziemlich dichtes

Gewebe geseiht. Auch hier kann nach dem möglichst langsamen Erkalten

der Kuchen auf der Unterseite vollends geputzt werden. -- Auf beiden

Wegen wird nur verhältnismäßig wenig Rückstand verbleiben.

Umständlicher gestaltet sich die Verarbeitung der zweiten Gruppe, da

in diesen alten Waben höchstens 20-40 % reines Wachs enthalten ist

und zudem in den durch die sich trennenden Kokonbecher zurückgehalten

würde, wenn nicht noch in warmem Zustand eine Pressung darauf

ausgeübt würde. Dies wird auf nachfolgende Weisen erreicht:

Die Wabenstücke werden zerkleinert in einen lockeren Sack

eingeschlossen und dieser in einem großen Kessel Wasser unter

Beschwerung mit Steinen und Kneten mit einem Stück Holz oder

desgleichen erhitzt. Das sich im Laufe der Behandlung auf dem Wasser

ansammelnde Wachs kann dann entweder gleich oder erst nach dem

Erkalten abgeschöpft werden.

[Illustration: Fig. 234.

Hölzerne Wachspresse. [Aus +Kramer-Theiler+, Bienenvater.]]

Auch wird die Masse offen mit viel Wasser zu einem dünnen Brei

erhitzt und möglichst heiß und rasch durch einen Sack gegossen

und dieser auf verschiedene Art ausgepreßt. Entweder wird die

+Holzpresse+ (Fig. 234) erst mit heißem Wasser vorgewärmt oder man

verwendet die sog. +Dampfwachspresse+ (Fig. 235), bei der der

Preßraum in einem doppelwandigen Kessel durch Wasserdampf erhitzt

wird, während durch die Spindel das Wachs aus der Masse gedrückt

wird. -- In allen diesen Fällen ist ein Umschmelzen des ersten

Produktes und Trennung von mitgerissenem Bodensatz, wie schon oben

erklärt, nötig. Da bei steter Gegenwart von Wasser ein Überhitzen

fast unmöglich ist, so lässt das Produkt nichts zu wünschen übrig,

sofern jede Benutzung von eisernen Gefäßen vermieden worden ist. --

Einen großen Teil des eigenen Wachses verwendet der Imker wieder für

Mittelwände (Kunstwaben), auf welche die Bienen dann nur die Zellen

errichten, aber in gewollter Richtung und Größe.»

[Illustration: Fig. 235.

Andermatts neue Dampfwachspresse. [Aus +Kramer-Theiler+, Bienenvater.]]

Die sogenannte +Wachsläuterung+ wird übrigens auf verschiedene Weise

betrieben. In Pommern z. B. kocht man die gesammelten Wachsstoffe

im Wasser unter stetem Umrühren auf, läßt die Masse aber nicht

überkochen, schüttet sie in einen Spitzbeutel von starker Leinwand

und preßt diesen auf einer Flachsbrake, die über einem Gefäß mit

Wasser steht. Das flüssige Wachs rinnt da hinein und schwimmt auf dem

Wasser. Nachdem es erkaltet ist, erhitzt man es nochmals im Wasser,

doch nicht bis zum Kochen, und läßt es in dem Gefäße, das oben

weiter als unten sein muß, erkalten, hebt die ganze Platte heraus

und schneidet die schmutzigen Teile an der unteren Fläche mit einem

Messer ab. Statt der Flachsbrake benutzt man auch zwei entsprechend

lange, runde Stäbe von etwa 2½ cm Dicke, hängt den Spitzbeutel,

nachdem die aufgekochte Wachsmasse hineingeschüttet ist, mit seinem

offenen Ende an einen starken Haken, stellt ein Gefäß mit Wasser

darunter, nimmt den Beutel zwischen die beiden Stäbe und preßt die

Masse aus, indem man die Stäbe fest zusammendrückt und nach unten

zieht. Hat man ein größeres Quantum Wachs zu verarbeiten, so bedient

man sich einer «Wachspresse», die in verschiedenen Konstruktionen im

Handel sind (~Theen~).

Das +Bleichen+ geschieht auf eine im Grunde sehr einfache, aber doch

umständliche Weise, welche bisher wenig Veränderungen hat zweckmäßig

erscheinen lassen. Das in einem Kessel mit etwas kochendem Wasser

geschmolzene geläuterte Wachs wird in Form feiner Blättchen gebracht,

entweder indem man es in geschmolzenem Zustande auf eine sich langsam

drehende und halb in kaltem Wasser gehende Holzwalze laufen läßt,

wobei die dadurch entstehenden dünnen Bänder (gebändertes Wachs)

sich im Wasser ablösen, oder indem man von der wieder erstarrten

Masse mittelst scharfer Messer ganz feine Späne abschneidet. Ehe man

das Wachs schneidet, pflegt man es bisweilen einige Male in Wasser

umzuschmelzen, um ihm einen gewissen Wassergehalt einzuverleiben.

Schließlich kommen die in Siebkörben herausgeschöpften feinen Blätter

auf den Bleichplan und unterliegen hier auf mit Tuch überspannten

Drahtnetzen der Einwirkung von Sonne und Luft, je nach der Witterung

und der Wachsart kürzere oder längere Zeit, jedenfalls so lange,

bis der Farbstoff in ihnen zerstört und das Wachs weiß geworden

ist. Ein Zusatz von etwas verdünnter englischer Schwefelsäure

zu dem schmelzenden Wachse ist für die Bleichung von günstigem

Einfluß. Neuerdings wendet man zum Bleichen des Wachses vornehmlich

Kalibichromatschwefelsäure unter Zusatz von Oxalsäure und Einleiten

von Dampf, seltener Kaliumpermanganat, Chlorkalk, Terpentinöl und

Wasserstoffperoxyd an. Das gebleichte Wachs wird meistens in runden

Scheiben von 5 mm Dicke ausgegossen (~Theen~). Das Bleichen kann auch

mit Walkerde erfolgen, die die färbenden Substanzen aufnimmt (~A.

Müller-Jakobi~). Bei der +Rasenbleiche+ wird das geschmolzene Wachs

in Wasser gegossen, die dünne Scheibe abgehoben und unter Begießen

an der Sonne gebleicht. In Laibach (Krain) beschäftigen sich mehrere

Firmen mit dem Bleichen ägyptischen Wachses (G. und ~R. Fritz~).

Hauptproduktionsländer sind:

In Europa: +Deutschland+ (Bayern, Hessen, Hannover, Norddeutsche

Heide, Holstein, Pommern), Krain, Schweden, +Türkei+ (Konstantinopel)

und Rumelien, Bosnien, Slavonien, Moldau, Walachei, Rußland (Ukraine,

Podolien), +Polen+ (Galizien), +Italien+ (Venetien: Belluno, Mailand,

Livorno), +Frankreich+ (Marseille, Languedoc, Somme, Bourgogne,

Gatinois, Nord, Alpes, Landes, Bretagne, Normandie, Corsica),

+Portugal+, +Spanien+, +Schweiz+.

In Asien: Smyrna, +Syrien+ (Beirut, Aleppo, Alexandrette), Palästina,

Persien, Singapore, Ceylon, Tonkin, Rangoon, +Vorderindien+

(Bengalen, Panjab, Zentralprov., Bombay, Berar, Madras), Assam,

Kashmir, Burma, Tahiti.

In Afrika: +Tunis+, +Algier+, +Marocco+ (Mogador, Mazagan), +Sierra

Leone+, Gambia, Kamerun, +Senegal+ (Conakry), Angola, +Benguela+,

Mossamedes, +Senegambien+ (Bissao), +Deutsch-Ostafrika+, Mozambique,

Mombassa, Sansibar, +Madagascar+, +Ägypten+ (Alexandrien, Cairo),

+Abyssinien+.

In Amerika: Carolina, +Californien+, Mexiko, +Cuba+ (Habana), St.

Domingo, Haiti, +Brasilien+, +Argentinien+, +Chile+ (Valparaiso).

In Australien: Melbourne, Sidney.

Haupthandelsplätze sind Algier, Triest, Wien, Genua, Marseille,

Havre, London, Liverpool, Lissabon, Hamburg, Bremen.

Auf dem deutschen Markt ist afrikanisches, indisches, madagassisches,

ostasiatisches und mittel- und südamerikanisches Wachs. Das

Deutsch-Ostafrikanische erfreut sich steigender Beliebtheit. Von

einer Gesamteinfuhr von 1421500 kg Wachs nach Hamburg im Jahre 1904

stammten 151000 kg dorther. +Britisch-Indien+ exportierte 1906/07:

8162, 1907/08: 5120, 1908/09: 4671 cwts Beeswax. Von indischen Wachs

unterscheidet man Gheddawachs, Tonkin (Cochinchina), Rangoon, Anam.

+Deutschland+ importierte 1905: 1737000 kg Bienenwachse, 1904:

18248 dz +Bienenwachs+ (incl. and. Insektenwachs), besonders aus

Abyssinien und Madagaskar, dann aus Portugal, Deutsch-Ostafrika,

Port. Westafrika, Brasilien, Marocco, Brit. Indien, Cuba, Spanien,

Port. Ostafrika. Die +Vereinigten Staaten+ importierten 1908: 672437,

1909: 764895 pounds und exportierten 1908: 90506, 1909: 77547 pounds

beeswax. Die Einfuhr von +Bienenwachs+ nach London betrug 1908: 2793,

1909: 1361 bls and srns. und 1908: 3148, 1909: 3583 cks and css. Die

guten Wachssorten werden jetzt meist «mit Attest» angeboten.

_Cera flava_ ist in Kisten von c. 50 kg, das gebleichte meist in

runden Scheiben im Handel.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 118 / 120 段