Die charakteristischen Bestandteile des Wollfettes sind Fettsäureester

des linksdrehenden +Cholesterins+ (F = 145°), des rechtsdrehenden

+Isocholesterins+ (F = 138,5°) und der +Oxycholesterine+, sowie die

Fettsäureester kohlenstoffreicherer, cholesterinartiger Verbindungen.

Die Zusammensetzung des Wollfettes ist aber eine sehr schwankende und

variiert stark nach der Provenienz. ~Schulze~ erhielt mehrfach bis

15% Cholesterin- und Isocholesterinester, etwa zu gleichen Teilen (im

Wollwachs 85-90%), ~Darmstädter~ sehr viel weniger. In einigen Fällen

fehlte Cholesterin fast ganz, in anderen Isocholesterin. Die höher

schmelzenden wachsartigen Bestandteile, das +Wollwachs+, können (s.

oben) durch Lösen des Wollfettes in Fuselöl und Abkühlen der Lösung

entfernt werden (~Jaffé-Darmstädter~ 1894). ~Marchetti~ isolierte

den keine Cholesterinreaktion gebenden +Lanolinalkohol+ (C₁₂H₂₄O),

~Darmstädter~ und ~Lifschütz~ aus +Wollfettwachs+ +Carnaubasäure+

(C₂₄H₄₈O₂, identisch mit der Carnaubasäure ~Stürckes~) und

+Myristinsäure+ (C₁₄H₂₈O₂) -- australisches Wollfett enthielt 10-12%

dieser Säuren --, sowie +Lanocerinsäure+ (C₃₀H₆₀O₄, F = 104°), die eine

Dioxysäure sein soll und deren Lakton C₃₀H₅₈O₃ von ihnen früher als ein

Lanestol, d. h. als ein Wollalkohol betrachtet und beschrieben wurde

(sie macht den Hauptbestandteil der in kaltem Alkohol unlöslichen, bei

der Verseifung erhaltenen Substanzen aus) und in der alkohollöslichen

Seifengruppe: 34% +Lanopalminsäure+ (C₁₆H₃₂O₃, F = 88°), die im

geschmolzenen Zustande sich mit Wasser emulgiert und, neben einer

flüchtigen, 15% einer öligen Säure (Ölsäure?). Von Alkoholen erhielten

sie +Cerylalkohol+ und einen vielleicht damit isomeren Alkohol, sowie

+Carnaubylalkohol+ (C₂₄H₅₀O), der bei der Oxydation Carnaubasäure

liefert und +Cholesterin+ (im harten Bestandteil kein Isocholesterin).

Das bei 55-60° schmelzende Wollfettwachs lieferte 33% Rohalkohole,

41,6% in Alkohol unlösliche Seife (rohes lanocerinsaures Kali) und

36,2% alkohollösliche Seife. Der Säurebestandteil betrug über 65%

(darunter nur wenige Prozente flüssige Säuren). In dem «Weichfett»

beträgt er nur 40-45%. In ihm fehlt Lanocerin- und Lanopalminsäure.

Dagegen sind auch hier +Myristin-+ und +Carnaubasäure+, vielleicht auch

+Cerotinsäure+ und in beträchtlicher Menge (40%) die +ölige Säure+

vorhanden, als Alkohole ein +Isocholesterin+ (C₂₆H₄₄O, F = 137-138,

nicht mit ~Schulzes~ Isocholesterin identisch) neben anderen nicht

näher charakterisierten Sterinen. Von Alkoholen wurden im Weichfett

+Cerylalkohol+ und +Carnaubylalkohol+ nachgewiesen.

Endlich wurden auch die Oxydationsstufen des Cholesterins:

+Oxycholesterin+ [C₂₆H₄₂(OH)₂], +Oxycholesterinäther+ (C₂₆H₄₃O)₂O),

+Cholansäure+ (C₂₆H₄₀O₄) u. and. im Wollfett gefunden (~Lifschütz~).

Ob Stearinsäure, Palmitinsäure, Capronsäure, Isovaleriansäure und

Normal-Buttersäure (in Esterbindung) zu den normalen Bestandteilen

aller Wollfette gehören ist zweifelhaft. Sie finden sich wohl nur

im Rohfett und werden bei der Reinigung zum Teil entfernt (s. oben

unter Wollwäsche). Ein bedeutender Teil des Wollfettes besteht

jedenfalls nicht aus Cholesterin-, Oleïn- und Cerotinsäureestern.

Nach ~Darmstädter~ und ~Lifschütz~ treten weniger die Cholesterin-

und Isocholesterinester der Cerotinsäure, als vielmehr die der

Carnaubasäure und Lanocerinsäure in den Vordergrund.

Dagegen wird nach ~Unna~ das Wollfett nicht durch Vorhandensein

von Cholesterin und Cholesterinestern charakterisiert, sondern

durch Isocholesterin (~Schulze~) und Oxycholesterin (+Lifschütz+),

Lanocerinsäure und Lanopalminsäure (~Lifschütz~ und ~Darmstädter~).

Im Fett der Epidermis, der Cutis und der Subcutis der menschlichen

Fußsohle, im Ohrenschmalz und in den Nägeln, die Cholesterin enthalten,

fehlen Isocholesterin und Oxycholesterin. Die +menschliche+ Haut

enthält also kein Wollfett. Die Hydrophilie, die Fähigkeit mit Wasser

zu lanolisieren, geht den Hautfetten ab und eignet dem Wollfett

wegen seines Gehaltes an Oxycholesterinen. Die Fettsäureester der

Cholesterine lassen sich nur mit +alkoholischer+ Kalilauge oder den

Alkoholaten der Alkalien (~Kossel~ und ~Krüger~) verseifen. Sie sind

gegen Mikroorganismen widerstandsfähiger als Fette und daher sehr

geeignet zu Hautschutzmitteln.

=Lit.= ~Donath~ und ~Margosches~, D. Wollfett, seine Gewinn.,

Zusammensetz., Untersuch., Eigensch. u. Verwert. in Samml. chem. u.

chem. techn. Vortr. VI, 1901 (dort die Lit.). -- ~Möhlau~, Wollwäsche

in ~Luegers~ Lexikon der Ges. Technik 1911. -- ~Knecht~, ~Rawson~

und ~Löwenthal~, Handb. d. Färberei. Berlin 1900. -- ~Herbig~, Die

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Journ. Soc. Chem. Ind. 1892 u. 1896. -- Identitätsreaktionen für

Wollfett: ~Hilger~, Jahresb. d. Pharm. 1893, 383 und ~Astolfi~,

Bull. chim. farm. 1894, 4; vgl. auch bei ~Donath~ a. a. O. --

Wertbestimmung: ~v. Cochenhausen~, Chem. Zeit. 1894, 143. --

Controverse über den Chlorgehalt: Pharm. Jahresber. 1894.

Zur =Wertbestimmung= gehört: Bestimmung des Wassers und der fremden

Stoffe, Säurezahl, Verseifungszahl, Bestimmung der freien Fettsäuren,

ihrer Säurezahl und ihres Molekulargewichts, Bestimmung der

flüchtigen Fettsäuren und bei der Verseifung frei gewordenen Alkohole

sowie der schwer verseifbaren Stoffe, Bestimmung der Säurezahl

des aufgeschlossenen Wollfettes und der Gesamtfettsäuren (~v.

Cochenhausen~). Pharm. helv. IV. verlangt bei Adeps lanae außer den

Identitätsreaktionen von ~Salkowsky-Hesse~ und ~Liebermann-Burchard~

(s. oben S. 749) Prüfung auf Seife, Glycerin, mineralische Stoffe

und Ammoniaksalze, Säure und Alkalinität. Schmelzpunkt 35-40°. J. Z.

20-26.

=Präparate.= +Lanolin+: Adeps lana 75, Wasser 25 (D. A.

V läßt flüssiges Paraffin zusetzen). +Lanogen+ ist eine

Mischung der wasserbindenden Substanz des Wollfettes mit

Vaselin (es bindet 300% Wasser). +Dermozon+ ist sterilisiertes

wasserstoffperoxydhaltiges Wollfett, +Lanoform+ ein

Formaldehydwollfettpräparat, +Thilanin+ geschwefeltes Wollfett,

+Bryolin+ Borsäure-Glycerin-Olivenöl-Wollfett. (Weitere Präparate in

~Gehes~ Codex.)

=Geschichte.= Das wasserhaltige Wollfett ist durch ~Liebreich~ 1885

unter dem Namen Lanolin als Salbengrundlage in den Arzneischatz

eingeführt worden, aber bekannt ist Wollfett seit c. 2000 Jahren als

Cosmeticum und Arzneimittel. Seine Geschichte wurde gelegentlich der

Lanolin-Patentprozesse besonders durch ~Th. Husemann~ aufgeklärt.

Vorschriften zur Darstellung des _Oesypum_ gab bereits ~Dioskurides~

(II c. 84) und ~Plinius~ (XXIX, c. 2). Im wesentlichen wurde es durch

Auskochen der Wolle mit Wasser, Sammeln, Reinigen und Bleichen des

abgeschiedenen Fettes dargestellt. Das Produkt hatte einen üblen

Geruch (ut sordium virus oleat). Die Vorschrift von ~Dioskurides~,

der auch schon einer Verfälschung mit Cerat und Talg gedenkt,

reproduzierte mit wenigen Modifikationen ~Aëtius~, ~Nicol. Myrepsus~

und ~Serapion~, der schon ein weniger übelriechendes Produkt erhielt.

Ein neues Verfahren führte ~Mésue~, der die Bereitung des Wollfettes

aus der Hand der Hirten in die der Apotheker legen wollte, im

Grabbadin (I, S. 599) ein, das dann das herrschende wurde, z. B. auch

in das Dispensatorium ~Nicolai~ (I, S. 790) und in das Luminare majus

(I, S. 793) überging. ~Jacobus Sylvius~ verlangt 1542, daß es nicht

von räudigen Schafen dargestellt werde, was die Pharmac. coloniensis

1565 wiederholt. Auch ~Heinrich von Mondeville~ reproduziert in

seinem Antidotarius die Vorschrift des ~Mésue~. Er bemerkt, daß

_Isopus humida_ ein Mittelding zwischen Salbe und Pflaster sei.

In der Zeit der Renaissance, als der Arabismus bekämpft und die

Alten «wiederhergestellt» wurden, grub ~Cordus~ die Vorschrift des

~Dioskurides~ wieder aus und ihm folgt der Ricettario fiorentino

(I, S. 793), die Kölnische Pharmacopoee (1565) und die Pharmac.

augustana (1640) in ihren verschiedenen Ausgaben (I, S. 793). Als

legitimes Quid pro quo tritt hier Knochenmark, _medulla vitulina_

und _cervina_ auf, die später ganz allgemein als Succedanea dafür

angegeben wurden, denn keine der späteren amtlichen Pharmacopoeen

führte mehr eine Bereitungsvorschrift für _Oesypum_ auf. Wohl aber

hat die ~Schröder~sche Pharmacopoee (I, S. 890) bis in ihre spätesten

Auflagen (1748) noch die Vorschrift des ~Dioskurides~ mit wenigen

Abweichungen. Die Vorschrift, daß man die Schafe vorher abhetzen

solle, wohl um die Ausbeute zu vermehren, steht schon im Antidotarium

romanum aus dem XVI. Jahrh. und ging in die Pharmac. augustana und

londinensis über. Aber im XVII. und XVIII. Jahrh. verschwinden

allmählich diese schmierigen Präparate aus den Pharmacopoeen und

Arzneibüchern, da sich das Präparat immer mehr verschlechterte und

die Bereitung in der Apotheke zu viel Mühe machte, und erst die

Pharmacop. hispanica III 1803 kennt wieder eine Oesypi purificatio

und die von 1817 benutzt einen _Oesypus praeparatus_.

Als Handelsware scheint _Oesypum_ schon im Altertum zur Zeit des

~Dioskurides~ einen großen Verbreitungsbezirk gehabt zu haben

(~Husemann~). Es diente nach ~Plinius~ unzähligen Zwecken und

war ein auch von ~Celsus~, ~Galen~ und später auch im Mittelalter

(~Aëtius~, ~Paulus von Aegina~) viel benutztes Medikament (besonders

für Pflaster, Salben und Pessi) und Cosmeticum trotz seines

abscheulichen Geruches. Das beste Wollfett lieferte Attica. Als

Verfälschungen wird neben Wachssalbe und Talg auch Teig genannt. Es

gab aber sogar Ersatzmittel aus Colophonium, Wachs und Fichtenharz.

Im Mittelalter wurde es jedenfalls nicht in den Apotheken gemacht,

sondern von den «herbatici» bezogen. Ende des XVII. und Anfang

des XVIII. Jahrh. wurde Wollfett in Frankreich in größerem Stil

produziert und exportiert (~Valentini~, Hist. simpl., ~Pomet~,

Hist. d. drog.). Für das Verschwinden des Wollfettes aus den

Arzneivorschriften ist wohl der Protest ~Zwelfes~ in der Pharmac.

august. reform. 1652 gegen dies stinkende Präparat maßgebend gewesen

(~Husemann~). Erst nach der Mitte des XIX. Jahrh. wurde, nachdem

die Aufmerksamkeit durch ~Chevreul~ (1856) und ~Berthelot~ (1858),

später auch durch ~E. Schulze~ auf die Cholesterine des Wollfettes

gelenkt war, die technische Gewinnung desselben durch die Arbeiten

von ~Vohl~, Abscheidung und Benutzung der Fette aus den Seifenwässern

der Tuch- und Wollwarenfabriken. Dingl. Polyt. Journ. 185 [1867], 465

und ~Hartmann~, Über den Fettschweiß der Schafwolle. Diss. Göttingen

1868 eingeleitet.

Die Tatsache, daß Wollfett beim Verreiben mit Wasser weiß wird,

war schon den Alten bekannt, wurde aber nur als Identitätsreaktion

benutzt (~Th. Husemann~). Das Verdienst ~Liebreichs~ ist es,

1885 gezeigt zu haben, daß das durch Wasseraufnahme in Lanolin

verwandelte, entsprechend +gereinigte+, völlig neutrale, seifenfreie

Wollfett eine vorzügliche Salbengrundlage ist. Dargestellt wurde

aber wasserhaltiges Wollfett (Lanolin) zuerst 1882 durch ~Braun~.

Der «Wollfettkrieg» tobte 1894 und 1895 (vgl. d. Jahresberichte).

Jetzt ist das Lanolinpatent erloschen und auch das Wort Freizeichen.

Nach dem Verfahren von ~Dioskurides~ und ~Mesuë~ wird niemals ein

gutes reines Wollfett, sondern stets ein übelriechendes Produkt

von geringem Werte erhalten. Die besonders durch ~B. Jaffé~ und

~Darmstädter~ in Martinikenfelde und die Norddeutsche Wollkämmerei

in Delmenhorst-Bremen ausgearbeiteten verbesserten neuen

Fabrikationsverfahren bedeuten einen großen Fortschritt; ohne sie

wäre das Wollfett niemals aus seiner Vergessenheit gezogen worden.

~Beckurts~ bezeichnete aber die +Patentierung+ der Vermischung von

Wollfett mit Wasser als einen Eingriff in pharmazeutische Rechte.

Die Gewinnung von Potasche aus Wollschweiß erfanden ~Maumené~

und ~Rogelet~ (1859) und ~H. Fischer~ (vgl. ~F. Fischer~, Dingl.

polyt. Journ. 218, 484). Die erste Anregung dazu gaben ~Kurrer~ und

~Westrumb~ 1831.

=Lit.= ~Liebreich~, Brit. Med. Journ. 1896. -- ~Wulfsberg~,

Geschichtl. Not. über Oesypum. Therapeut. Monatsh. 1887. --

~Vulpius~, Zur Gesch. d. Lanolins. Arch. Pharm. 1888. -- ~Th.

Husemann~, Zur Vorgeschichte des Lanolins. Janus 1897 (ausführliche

Darstellung).

b) Insektenwachse.

Eine große Zahl niederer Tiere, besonders Insekten, besitzen die

Fähigkeit, wachsartige Substanzen auszuscheiden (häufig neben Zucker).

Bisweilen sind die Ausscheidungen so beträchtlich, daß sie in größerer

Menge gewonnen werden können. So entstammt das im Schellack (s. d.)

enthaltene Wachs zweifellos dem Tier und auch das chinesische Wachs

ist ein Insektenwachs. Besonders sind wachsausscheidend die zu den

Hymenopteren gehörenden Apiden (Immen), zu denen die Bienen (Apinae),

Hummeln (Bombinae), die Trigonae und Meliponae gehören. Ferner sind

wachsausscheidend von den Hemipteren die Cicaden (z. B. _Cicada

laternina_) und die Wachsschildläuse (z. B. _Coccus ceriferus_), die

Blutlaus u. and. Die Hauptbestandteile dieser Wachse sind schwer

verseifbare Ester der höheren Fettsäuren (Wachssäuren) mit einwertigen

Alkoholen mit hohem Kohlenstoffgehalt (Wachsalkoholen, s. oben S. 548).

Oft treten homologe Glieder der Reihe nebeneinander auf und daneben

Kohlenwasserstoffe.

=Lit.= betr. Insektenwachs zusammengestellt bei ~Fürth~,

Vergleichend. Chem. Phys. d. nied. Tiere 1903 und ~Pillier~, Hist.

nat. et chim. des cires d’insectes. Thèse Paris.

Cera Flava.

Cera citrina, Bienenwachs, gelbes Wachs, cire d’abeilles, cire jaune,

beeswax, yellowwax.

=Etym.= +Wachs+ (mhd.) -- +ahd.+ wahs, +anord.+ vax, +angels.+ weahs,

+engl.+ wax, ndl. vaas. Der Zusammenhang mit wabe ist unsicher

(~Kluge~). ~Schrader~ stellt die Gleichung auf: gr. κηρός, lat. cêra,

lit. koris, ahd. wahs (altsl. voskû, lit. waszkas). -- Wachs heißt

ägyptisch: mnḥ (die hieroglyphischen Zeichen I, S. 470). -- Propolis

= Vorstadt, hier wohl = Vorbau, da man früher von der (irrigen)

Ansicht ausging, daß die Bienen zuerst die Propolis auf die Wand

streichen und daran die Waben befestigen (~Küstenmacher~).

=Stammtier.= Das gewöhnliche Bienenwachs stammt von der Hymenoptere

=Apis mellifica= L. (_A. mellifera_, _cerifera_, _domestica_,

_gregaria_) und deren Rassen und Varietäten.

Von _A. mellifica_ unterscheidet man gewöhnlich 6 Rassen: 1. die

+einfarbig dunkle deutsche+ Biene (_A. mellifica_ im engeren

Sinne) im nördlichen Europa bis 61° n. B., in Mitteleuropa und

einigen Gegenden Südeuropas und Nordafrikas. Hierher gehört

auch die griechische oder Hymettusbiene (_A. Cecropia_). 2. Die

+bunte südeuropäische+ mit gelbem ersten Hinterleibssegment in

Südfrankreich und Westasien. Hierher gehört die norditalienische

Biene (_A. ligustica_), die 1853 in Deutschland eingeführt wurde.

3. Die +gebänderte ägyptische+ Biene (_A. fasciata_) in Ägypten,

Arabien, Syrien, Himalaya, China, 1864 in Deutschland eingeführt.

4. Die +afrikanische Biene+ (_A. Adansonii_) mit graugelber

Behaarung, in Afrika bis zum Kap, nicht in Nordafrika. 5. Die

schwarze +madagassische+ Biene (_A. unicolor_) in Madagaskar und

Mauritius. 6. Die amerikanische (_A. pallida_). Die Rassen können

sich untereinander paaren. Sie zerfallen wieder in Varietäten. Von

der deutschen unterscheidet man z. B. die Lüneburger Heidebiene, die

krainische, die niederösterreichische. Das britisch-indische beeswax

stammt von _Apis dorsata_ ~Fabr.~, _A. indica_ ~Fabr.~, _A. florea_

~Fabr.~ und _Melipona_- (_Trigona_)arten (~Hooper~). _A. dorsata_ und

_florea_ sind beide wildlebend und nicht domestizierbar. Auch von

anderen Bienen, besonders wilden, wird da und dort (z. B. in Niederl.

Indien, in Guadeloupe u. and.) Wachs gewonnen.

Die +Arbeitsbienen+ sind geschlechtlich funktionslos gewordene

Weibchen. Die +Drohnen+ (von Dröhnen, Summen) sind männlich, die

+Königin+ (Weisel, wohl eigentlich Weiser) weiblich -- ausschließlich

«Eierlegmaschine». Ein mittelstarkes Bienenvolk hat etwa 30000

(kleinere 12-24000, starke 70-100000) Arbeiterinnen, 2000 (kleinere

600-1000) Drohnen und eine Königin. Die Arbeiterinnen bauen die

Waben, pflegen die Eier, füttern die Brut, die Drohnen sowie die

Königin, deckeln die vor der Verpuppung stehenden Larven und helfen

den ausschlüpfenden jungen Bienen beim Verlassen der Zellen. Sie

allein fliegen auf «Tracht», d. h. sammeln Nektar, Pollen, Wasser

und Propolis und speichern Honig, Pollen und Propolis im Wachsbau

auf. Letztere werden im Körbchen eingebracht. Das «Körbchen» ist eine

Mulde auf der Außenseite der Hinterschienen, von langen Wimperhaaren

umstellt, in das die Arbeitsbiene bei ihren Blütenbesuchen den

Pollen, beim Sammeln an harzenden Pflanzen das Kittwachs zu einem

Klümpchen, dem «+Höschen+» zusammenstreicht. Es fehlt der Königin

und Drohne, die auch keine «Zange» zum Abnehmen der Wachsblättchen

besitzen. Die +Pollenhöschen+, die oft aus verschiedenen Pollenarten

bestehen, werden von der Arbeiterin von den Hinterbeinen in eine

Arbeiterzelle abgestreift, bis diese gefüllt ist. Die Masse wird

mit dem Kopf festgestampft und bisweilen mit Honig übergossen.

«Der Bedarf an Blütenstaub erreicht nicht den Verbrauch an Honig.

Immerhin scheint der Instinkt, ihn +über+ Bedarf zu sammeln wie

den Honig auch den Bienen volksgesunder Stöcke nicht zu fehlen»

(~Stadler~). Jüngere Trachtbienen sammeln in der ersten Zeit ihrer

Ausflüge vorwiegend Pollen. Auch sonst bringt die Arbeiterin bald

entweder Pollen oder Nektar heim. Den Pollen führt die Biene mit den

Oberkiefern der Mundöffnung zu. Die Arbeiterinnen säubern auch den

Stock von Kranken und Toten, verteidigen den Bau mit ihren Kiefern

gegen Eindringlinge und ventilieren den Bau mit ihren Flügeln. Sie

arbeiten sich so ab, daß sie nicht länger als 6 Wochen leben. Nur

die im Herbst ausschlüpfenden, überwinternden gehen erst während der

Frühjahrsarbeit ein.

Die etwa 3 Monate alt werdenden +Drohnen+ beteiligen sich nicht an

den Arbeiten des Stockes. Eine Drohne befruchtet im «Hochzeitsflug»

die Königin. Nachdem die Haupttracht vorüber, werden die Drohnen von

den Arbeitern aus dem Bau entfernt (Drohnenschlacht).

Eine +Königin+ kann zur Zeit der Haupttracht in 24 Stunden 2000-3500

Eier ablegen, in 4-5 Jahren (so alt kann sie werden) viele

hunderttausende. Doch legt sie stets nur je ein Ei in je eine Zelle.

In Arbeiter- und Weiselzellen legt sie befruchtete, in Drohnenzellen

unbefruchtete Eier, die sich aber parthenogenetisch entwickeln.

=Lit.= ~Schmiedeknecht~, Apidae europaeae 1882-86. 2 B. -- ~Cowan~,

Die Honigbiene (aus dem Engl.) 1891. -- ~Hess~, Die Feinde der

Biene 1887. -- ~v. Berlepsch~, Die Biene und ihre Zucht 1873,

und Die Biene nach ihrem jetzigen ration. Standp. (3. Aufl. von

Vogel 1891). -- ~Dathe~, Lehrb. d. Bienenzucht. 5. Aufl. 1892. --

~Witzgall~, Das Buch von der Biene 1906. -- ~Bessler~, Illustr.

Lehrb. d. Bienenzucht. Stuttgart 1896. -- ~Beauregard~, Mat. med.

zool. 1901. -- ~Kramer-Theiler~, Der schweizerische Bienenvater.

7. Aufl. 1910 (darin auch die Feinde d. B.). -- ~Buttel-Reepen~,

Die stammesgeschichtl. Entstehung d. Bienenstaates und: Sind die

Bienen Reflexmaschinen? -- ~Forel~, D. Sinnesleben der Insekten.

1910. -- ~Hans Stadler~, Die Biologie d. Biene. 1911. -- ~H. Vogt~,

Geometrie u. Ökonomie d. Bienenzelle. 1911. -- Gute Übersicht über

die Morphologie der Biene in: ~Zander~, Der Bau der Biene. Stuttgart

1911. -- Viele und gute anatomische und morphologische Details der

Biene in ~Snodgrass~, The anatomy of the honey bee. U. S. Dep. Agric.

Bur. Entomol. 1910. Bull. No. 18. -- Vgl. auch den Artikel Honig S. 8.

=Entstehung.= Aus welchen Stoffen das Wachs in den Bienen gebildet

wird wissen wir nicht bestimmt. Die einen (~Liebig~, ~G. Buchner~)

nehmen an, daß es aus Kohlehydraten, namentlich Zucker, umgebildet

werde -- ~Hanriot~ hat für die Überführung von Hexosen in Wachs Formeln

erdacht --, die anderen (~Voit~, ~Berlepsch~), daß Eiweißkörper die

Muttersubstanzen sind, noch andere (~Swamerdamm~, ~Maraldi~, ~Réaumur~,

~Hoppe-Seyler~) sind der Ansicht, daß es von den Bienen fertig gebildet

aus den Pflanzen aufgenommen und nur in reiner Form abgeschieden

werde. Gegen letztere Ansicht spricht, daß Bienen angeblich auch

bei wachsfreier (gibt es diese?) Nahrung wenigstens einige Zeit

Wachs zu produzieren vermögen (~Schneider~), was freilich schwer zu

kontrollieren ist. Immerhin ist zu berücksichtigen, daß das Pollenin

(s. S. 472) der Pollenkörner, das dem Korke offenbar sehr nahe steht,

jedenfalls wie dieses auch wachsartige Substanzen enthält, die von der

Biene verarbeitet und vielleicht einige Zeit gespeichert werden können

(~Tschirch~) -- daß Pollenkörner Wachs enthalten wußte schon ~Proust~.

Auch sonst kommen die Bienen ja vielfach mit den Wachsüberzügen der

Pflanzen in Berührung. Auch gibt zu denken, daß das Bienenwachs und

das Pflanzenwachs chemisch sehr nahe verwandt sind (s. Carnaubawachs).

Meist wird jetzt das Wachs als ein Produkt der Überernährung der Biene

mit Honig und Pollen betrachtet und als aus dem Honig umgebildet

(~Huber~ 1793, ~Hunter~). Man hat sogar berechnet, daß für 1 kg

Wachswabe 10 kg Honig konsumiert werden müssen und daraus gefolgert,

daß der Honigertrag durch den Wachsbau empfindlich geschmälert würde,

daher eben künstliche Waben eingesetzt, die aber in erster Linie den

Zweck haben, der Biene die volle Ausnutzung der Einsammeltage zur

Honigproduktion zu ermöglichen. Zu denken gibt die mir von Imkern

hervorgehobene Tatsache, daß die Biene +jederzeit+ zum Wachsbau

angeregt werden kann, und daß der Wabenbau außerordentlich rasch

erfolgt. Das sieht fast darnach aus, daß sie das Wachs +produziert+.

Aber freilich, an Pollen ist ja immer Vorrat vorhanden. Die Biene hat

bekanntlich einen eigenen Pollenmagen und speichert auch im Bau Pollen

und anderes Wachsmaterial auf.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 117 / 120 段