sich das =Ambra= genannte Sekret, das neben einem Riechstoff einen
cholesterinartigen Körper (Adipocire ~Bouillon-Lagrange~, Ambrain
~John~) zu enthalten scheint. In einer dunklen orangefarbigen öligen
Flüssigkeit schwimmen oft ½ kg, bisweilen sogar bis 6, ja 10 kg
schwere Klumpen, die man wohl den Harn-, Gallen- oder Darmsteinen
anderer Tiere vergleichen kann, die aber hier mit einem an Benzoë
und Moschus erinnernden, sehr dauerhaften Riechstoff durchtränkt
sind. (Über den Amber existiert eine große Menge von Fabeln.) Ob der
Riechstoff der Ambra zu der vom Tier verspeisten _Eledone moschata_,
deren Reste man bisweilen darin neben denen von Weichtieren,
Sepien usw. findet, Beziehungen hat, ist noch nicht klar, aber
wahrscheinlich. ~Pouchet~ fand, daß das Tier selbst nach Ambra
riecht. Aber dies kann eben auch eine Folge der _Eledone_nahrung
sein. Bisweilen tritt Ambra als Auswürfling des Meeres an den Küsten
Afrikas, Südamerikas, Ost- und Westindiens auf oder wird schwimmend
angetroffen. «Daß man wirklich Stücke von 90 kg, 1,5 m Länge und 0,5
m Dicke aufgefischt hat, unterliegt keinem Zweifel» (~Pechuel Lösche~
1891). Heute kommt Ambra besonders aus Amerika, Japan, Madagaskar,
Surinam und Java. +Boston+ ist Hauptplatz dafür. Sie bildet brüchige,
graubraune, undurchsichtige Stücke mit schwarzen (Melanin) und
gelben Adern, die in der Hand erweichen, in heißem Alkohol und
Äther und in der Wärme auch in wässerigen Alkalien sich lösen und
bei der Destillation 13% Öl geben. Sie sollen angeblich Benzoësäure
und Bernsteinsäure enthalten. Flüssige Ambra ist Styrax. Gefälschte
besteht oft aus Benzoë, Olibanum, Mehl und Moschus.
=Lit.= ~G. Cuvier~, Règne animal. Mammifères pl. 100. -- ~Rapp~,
D. Cetaceen zoolog.-anatom. dargest. Stuttgart 1837. -- ~Martiny~,
Naturgesch. d. f. d. Heilk. wichtig. Tiere. Gießen 1854 (dort auch
die älteren Angaben über Ambra). -- ~Beale~, Nat. hist. of the
Sperm Whale 1839. -- ~Bennet~, Narr. of the Whaling Voyage 1833
to 1836. London 1840. -- ~Hunter~, Phil. Transact. 77 (1787),
390. -- ~Beauregard~, Mat. med. zoolog. Paris 1901. -- ~Pouchet~
et ~Beauregard~, Rech. s. l. Cachalot. Nouv. Arch. d. Museum (3)
1 und Note sur l’ambre gris C. r. Soc. Biol. 1892. -- ~Pouchet~
et ~Chaves~, Form. exter. du Cachal. Journ. d’Anat. phys. 1890.
-- ~Pouchet~, Le Cachalot Rev. d. Deux Mondes 1888 und Contrib.
à l’hist. du spermaceti. Bergens Mus. Aarbog 1895. -- ~Brehms~
Tierleben. -- ~Boas~, Lehrb. d. Zoologie.
+Abbild.+: ~Martiny~, Mediz. Zool. t. 7. -- ~Schreber~, Naturgesch.
d. Säuget. t. 337. -- ~Brandt~ und ~Ratzeburg~, Mediz. Zoolog. t. 12.
-- ~Lacepède~, Hist. nat. des Cétacées t. 10. -- ~Beauregard~ a. a. O.
=Handel.= _Spermaceti_ ist in Kisten à 25 kg, raff. prima in
Blöcken, aber auch raff. in Tafeln à ½ und 1 kg, jede Tafel in
Papier gewickelt, im Handel (~Grossmann~). Der meiste Walrat stammt
aus Amerika (Kalifornien). 1909 war japanischer (~Weigel~), 1911
schottischer Walrat im Handel. Er war billiger, aber schlechter als
amerikanischer. Die +Vereinigten Staaten+ exportierten 1907: 173985,
1908: 115136, 1909: 57605 pounds _Spermaceti_ and _Spermaceti Wax_.
+Deutschland+ führte 1909: 212 dz +Walrat+ ein, vorwiegend aus den
Ver. Staaten. Genaue Angaben aus neuerer Zeit über den Umfang der
«Produktion» fehlen. Von 1820-1830 betrug der Ertrag jährlich c.
4600 t, 1831: 7605 t. Jetzt ist der Ertrag zurückgegangen. Ein guter
Pottwal ist 9000-20000 M wert.
=Chemie.= Walrat besteht aus schneeweißen, bröckeligen, deutlich
blätterig-kristallinischen, perlmutterglänzenden Stücken, die sich
fettig anfühlen und sich fast wie Wachs kauen. Der Geruch ist schwach,
eigenartig und erinnert etwas an Wachs. Er wird nicht leicht ranzig.
Ranziger riecht tranig. Er brennt wie Wachs. In Wasser und kaltem
Alkohol ist Walrat unlöslich, wenig löslich in Benzin, leicht in
Äther, Chloroform und Schwefelkohlenstoff. Heißer Alkohol löst ihn
vollständig. Beim Erkalten scheiden sich die Ester kristallinisch
wieder ab, das Filtrat soll nicht sauer oder alkalisch reagieren
und mit Wasser keinen flockigen Niederschlag geben (Prüfung auf
Stearinsäure und Alkalien). Wässrige Lauge verseift kaum, alkoholische
leicht.
Spez. Gewicht bei 15°: 0,930-0,960 [0,905 (?) ~Kebler~], D. A. V:
0,940 bis 0,945, bei 98°: 0,808; Schmelzpunkt: 42-49 (44,5-47,4
~Evans~), bisweilen bis 50, ja 68°, Pharm. helv. IV: 41-50°, D. A.
V: 45-54°, Pharm. austr. 45 bis 50°; Erstarrungspunkt: 49-43,4;
kritische Mischtemperatur nach ~Crismer~: 120,5°; Säurezahl: 1-2 (0-5);
Verseifungszahl: 108-135, meist 128,7-134 (122-124 ~Evans~); Jodzahl:
3,8-9,3; Gehalt an Unverseifbarem: 48,87. ~Fendler~ fand spez. Gew.
0,942, Schmelzp. 42° (siebenmaliges Umkristallisieren aus Alkohol
erhöht den Schmelzpunkt auf 48,5, nach anderen auf 50-55°), V.-Z.
134, J.-Z. 93, Gehalt an unverseifbarer Substanz (Alkohole) 51,07,
Schmelzpunkt der Alkohole 45°. Jodzahl, Schmelzpunkt, spez. Gewicht
usw. sind natürlich davon abhängig, ob das Walratöl ganz oder nur zum
größten Teile aus dem Walrat entfernt ist. Je reiner das Produkt, um
so höher ist der Schmelzpunkt und um so niedriger die Jodzahl. Die
Verbrennungswärme des Walrat ist größer als die aller anderen Fette;
bei konstantem Volumen 9946 g-cal.
~Bunsen~ fand den Schmelzpunkt, = 47,7° bei gewöhnl. Druck, = 48,3° bei
29 Atm., = 50,9 bei 156 Atm.
Die spez. Wärme ist zwischen +3° und -21° = 0,385 (~Person~).
Das durch Alkohol vom Öl vollständig befreite Cetaceum analysierte
~Chevreul~. Er nannte es +Cetin+ (F = 49°), stellte es dem Cerin,
Myricin, Elain, Stearin und Cholesterin gegenüber und fand in ihm
81,66% C, 12,86% H und 5,4% O. Den durch Verseifen erhaltenen
Alkohol (Cetylalkohol) nannte er +Äthal+. ~Dumas~ und ~Peligot~
geben Margarinsäure, Elainsäure und Ceten als Ester darin an. Auch
~Bérard~ analysierte den Walrat. ~Heintz~ nahm die Alkohole +Stethal+
(C₁₈H₃₈O), +Äthal+ (C₁₆H₃₄O), +Methal+ (C₁₄H₃₀O) und +Lethal+
(C₁₂H₂₆O) (die bei der Oxydation Stearinsäure, Palmitinsäure,
Myristinsäure und Laurinsäure lieferten) und einen indifferenten
Körper, C₁₂H₂₄O, darin an. Er betrachtete zuletzt den Walrat als
aus Verbindungen des Cetyl- und Stethyloxyds mit Stearinsäure,
Palmitinsäure, Myristinsäure und Cocinsäure bestehend. Cetinsäure und
Cocinsäure sind zu streichen.
Der Hauptbestandteil des Walrates ist +Palmitinsäure-Cetylester+:
C₁₅H₃₁CO--O.C₁₆H₃₃ (früher: cetinsaures Cetyloxyd, äthalsaures Äthal
~Heintz~), der daraus durch Umkristallisieren aus Alkohol gewonnen
werden kann. Daneben finden sich geringe Mengen ähnlicher Ester (außer
Cetylalkohol (Hexadecylalkohol) ist auch Octadecylalkohol, C₁₈H₃₇OH,
gefunden), etwas freie Alkohole (~Lewkowitsch~) und vielleicht auch
(wenn das Spermacetolöl nicht ganz entfernt war?) kleine Mengen anderer
Ester (nach ~Heintz~ [1854] der Laurin-, Myristin- und Stearinsäure,
was aber der Bestätigung bedarf), sowie palmitinsaures Kalium und die
Salze anderer mit Palmitinsäure homologer Fettsäuren. Die Alkohole
betragen 51,4%, die Fettsäuren 53,45% (~Lewkowitsch~). Glycerin
ist anscheinend nicht darin. Der Palmitinsäurecetylester (Cetin),
durch Umkristallisieren des Walrats aus Alkohol erhalten, zeigt den
Schmelzpunkt 45° (48,9-55°), Erstarrungspunkt 52-44,5°, kritische
Mischtemperatur nach ~Crismer~ 120°, spez. Gewicht bei 99°: 0,806,
V.-Z. 129,1-130,1 (theoret. 116,9) (~Branderhorst~). +Der reine Ester
gibt natürlich keine Jodzahl und so ist die Jodzahl selbst und ihre
Höhe ein Maßstab für dem Walrat beigemengtes Walratöl.+ Schon für sich
erhitzt liefert Walrat Palmitinsäure und Ceten (Hexadecylen, Palmiten,
C₁₆H₃₂). Im Vakuum destilliert er zum Teil unzersetzt bei 360°.
Das beim Umkristallisieren des Walrat aus Alkohol in diesem bleibende
Öl nannte ~Berzelius~ Cetinelaïn. Es gab ihm beim Verseifen die von
der Ölsäure verschiedene Cetinelaïnsäure. Das vom auskristallisierten
Walrat abgetrennte (s. oben), dünnflüssige, fast geruchlose
+Spermacetöl+ (Walratöl, Pottwaltran, Ol. cetacei, huile de cachelot
ou de Spermaceti, Sperm oil) besteht aus Estern einatomiger
Fettalkohole mit einer Säure der Ölsäurereihe (Physetölsäure [?]
~Hofstädter~, von ~Fendler~ bestritten); enthält ferner eine feste
Fettsäure, Baldriansäure (?) und Glycerin (~Hofstädter~, ~Fendler~,
~Allen~ fand nur Spuren, ~Lewkowitsch~ bestreitet das Vorkommen von
Glycerin). Es sind darin 35% (~Allen~, 39% ~Fendler~) Alkohole und
zwar 25% primäre Alkohole (~Lewkowitsch~) sowie 60-65% Fettsäuren
enthalten. Die Fettsäuren bestehen aus 85,78% flüssigen und 14,22%
festen (~Fendler~). Die Alkohole sind ungesättigt (~Lewkowitsch~) und
scheinen zur Äthylenreihe zu gehören, deren höhere Glieder zurzeit
noch unbekannt sind. Freie Fettsäuren enthält das Öl nur wenig
(0,11-0,42 ~Deering~).
Walrat findet sich auch unter den festen Bestandteilen einiger Trane
(z. B. im Delphin- und Hai-Öl).
=Lit.= Ältere Analysen von ~Chevreul~ (cit. in ~Gmelins~ Handb. II,
440). ~Dumas~ und ~Peligot~, Ann. chim. phys. 72, 5. -- ~Pereira~,
Elements. -- ~Fourcroy~, Syst. d. connoissances chim. IX. --
~Bostock~, Nichols. journ. IV, 130 (N. Allg. Journ. d. Chem. V). --
~Pfaff~, Syst. d. Mat. medic. 1808. -- ~Smith~, Lieb. Ann. 42, 241.
-- ~Radcliff~, Ebenda 43, 349. -- ~Hofstädter~, Lieb. Ann. 91 (1854),
177. -- ~Heintz~, Lieb. Ann. 92 (1854), 299; Pogg. Ann. 87, 267 u.
93, 519; Journ. pr. Chem. 57, 30. -- ~Lewkowitsch~, Chem. Zeit. 1893,
1453. -- ~Kebler~, Journ. soc. chem. ind. 1896, 206. -- ~Lymann~
und ~Kebler~, Amer. journ. pharm 1896, 7. -- ~Fendler~, Chem. Zeit.
29 (1905), 555. -- ~Röder~ (Prüf. auf Stearins.), Röders Jahresber.
1904. -- ~Branderhorst~, Pharm. Weekbl. 1909, 1043. -- ~Lewkowitsch~
a. a. O. -- ~Benedikt-Ulzer~ a. a. O.
Cetaceum wird außer in der Pharmazie auch in der Kerzenfabrikation
benutzt.
=Verfälschungen.= Verfälschungen des Walrat kommen selten vor,
da jeder Zusatz das eigenartige Aussehen des Walrat verändert.
Beimischung von Stearinsäure, die vorkommt, erhöht die Säurezahl.
1 g Walrat, 1 g Na₂CO₃ und 50 ccm Weingeist gekocht geben ein
Filtrat, das mit Essigsäure angesäuert sich höchstens trüben darf
(Stearinsäure). Seltener sind Talg, Solar spermaceti (Margarinsäure),
Paraffin und Wachs beobachtet. Gelber ranziger Walrat ist zu
verwerfen.
=Geschichte.= Den Alten war _Sperma ceti_ möglicherweise bekannt.
Die Beschreibung der Salzblüte (_Flos salis_) bei ~Plinius~ (XXXI,
42): riecht unangenehm, ähnlich wie Fischbrühe, hat weder mit dem
Salze noch dem Salzschaume Ähnlichkeit, zeigt beim Drücken eine
Art Öl, denn im Salze steckt eine gewisse Fettigkeit, deutet auf
Rohwalrat und das, was ~Dioskurides~ (V, 128) über ἁλός ἄνθος sagt:
übler Geruch, fettiger Geschmack, löslich in Öl -- spricht nicht
dagegen, jedenfalls +nicht+ für eine Salzart oder für Ambra, womit es
~Mathioli~ identifizieren wollte, die aber doch wohlriechend ist. Was
soll es denn sonst sein? _Halosanthos_ wurde im Altertum medizinisch
benutzt (~Plinius~, ~Dioskurides~). Doch meint ~Flückiger~, «der
Walrat scheint erst im Mittelalter in medizinischen Gebrauch
genommen worden zu sein» (Grundriß 1894) und auch ~Pouchet~ hält den
_Halosanthos_ nicht für Walrat. Die Bemerkung bei ~Megenberg~ nach
~Isidorus von Sevilla~ «des visches sâm wirt gevangen oben auf dem
Wazzer, wan sô er geunkäuscht hât, so swimt der sâm oben, den er
gelâzen hât, den vaeht man denn und tuot in in klein Fläschel und
den +walrâm+ trinkt man nüchtern», deutet bestimmt auf Walrat. Es
erscheint möglich, daß auch der _Halosanthos_ der Salernitaner Walrat
war. (~Pouchet~ bestreitet dies.) In der Alphita steht: _Alosanthos
i. e. flos maris_ (~Flückiger~). Über den Walfang in Europa und
Asien (indischer Ozean) liegen jedenfalls schon Nachrichten aus
dem VII. bis IX. Jahrh. vor. Er war schon damals wohlbekannt
(~Lippmann~). Eine Abbildung der Zerlegung des Wals findet sich schon
bei ~Lonicerus~ (1582), wohl nach älterer Quelle (auch ~Pomet~ hat
eine solche). ~Albertus Magnus~ (XIII. Jahrh.) kannte in Holland
gestrandete Pottwale (~Flückiger~). Auch ~Clusius~ erwähnt sie. Mit
besonderem Eifer wurde aber der Pottwal, auf den seit alten Zeiten
Jagd gemacht wird, seit Ende des XVII. Jahrh. verfolgt. Sicher
genannt finde ich _Cetaceum_ zuerst im Nördlinger Register von 1480
als spermaceti und im Braunschweiger Register (1521) steht Spermacety
brabant. Es wurde also bereits in den Apotheken des XV. und XVI.
Jahrh. gehalten. Im Dispensatorium des ~Cordus~ von 1546 bildete
Spermacet neben Butter einen Bestandteil des _Unguentum potabile_
(~Flückiger~), das ich aber in keinem älteren Dispensatorium finde.
Walrat muß damals gut bekannt gewesen sein, denn die Scholien zum
Texte des Dispensatoriums, z. B. in der Ausgabe 1627, die alle
zweifelhaften Drogen erläutern, geben hierzu keine Anmerkung.
~Cordus~ schrieb eine eigene Dissertatio de halosantho seci Spermate
Ceti vulgo dicto. Zürich 1565. Möglicherweise ist die _Ambragialla_
(die zweite Art) im Ricettario fiorentino auch _Cetaceum_. Auch in
England war Walrat im XVI. Jahrh. gut bekannt. In ~Shakespeares~
1598 erschienenen ~Heinrich IV.~ steht (I Act. 3 Sc.): «And telling
me the sovereign’st thing on earth was +parmaceti+ for an inward
bruise». Er wurde im Beginn des XVI. Jahrh. in den Mittelmeerländern
schon viel gebraucht, kann also, entgegen ~Kirkby~, ~Leonardo da
Vinci~ († 1519) sehr wohl bekannt gewesen sein. Der Streit über die
Florabüste hat diese Frage aktuell gemacht. (~Pinkus~ fand in der
Florabüste Walrat, nachgewiesen durch Cetylalkohol.) Walrat wird auch
bei ~Gesner~ (Hist. animal. Zürich 1558. Nach ~Pouchet~ bezieht sich
die Stelle nicht auf Walrat), bei ~Clusius~ (Exotic. l. X 1605),
bei ~Sibbald~ (Phaenologia nova 1692) erwähnt. Die Stelle lautet
bei ~Clusius~ (Exoticorum in Lib. VI): «Reperisse autem dicebantur
mercatores +in beluae capite+ plus quam quartam partem dolii in quo
adservantur saliti haleces, plenam ejus liquoris quem vulgo +Sperma
ceti+, Hollandi +Wadschot+ appellant.» ~Clusius~ bildet das Tier
ab. Auch ~Nic. Leméry~ bemerkt (Traité univers. d. dr. 1714), daß
er nicht der Same von Walen sei (also +kein+ «Sperma»), sondern aus
dem Kopfe der Wale stamme, was zuerst der Abbé ~Bourdelot~ (c. 1670)
festgestellt habe, was aber, wie erwähnt, schon ~Clusius~ wußte und
später ~Elsner~ (Miscell. Acad. nat. I 1652), ~Bartholini~, ~Worm~
(Museum 1615), ~Salmon~ (Seplasium 1693), ~Quincy~ (Dispens. 1719)
bestätigten. ~Ettmüller~ hat diese Anschauung dann in einer eigenen
Disputatio De Spermate Ceti verteidigt. ~Cordus~ hielt ihn für den
Samen, ~Gesner~ für die Milch des Walfisches. Aber eigentlich finden
wir schon bei der ~Hildegard~ eine beinahe richtige Deutung, die
davon spricht, daß das Gehirn der Wale mit Wasser gekocht und mit Öl
vermischt eine Salbe gebe. Der Renaissancezeit war der Walfischfang,
der Walfischtran und der Walrat also gut bekannt. ~Pomet~, der die
Bereitung selbst sah, bemerkt, daß man 1688 aus einem Kopfe 24 Barels
(vingt quatre bariques) Walrat gewonnen habe. ~Pomet~ sagt (Hist.
gener. d. drog. 1694 I, p. 74): «+Le blanc de Baleine+, que tout les
anciens et modernes ont appellé et qu’on appelle encore aujoud’huy
très mal-à-propos, sperme ou nature de Baleine est la Cervelle d’une
espece de Baleine, que les Basques appellent +Byaris+ et ceux de S.
Jean du Luz +Cachalot+. Cet Animal, suivant quelques uns, est appelé
+Baleine mâle+ et des Latins +Orca+.» Er sagt ferner: «Le Blanc de
Baleine se prepare ordinairement à Bayonne et à Saint Jean du Luz
et cette fabrique est si rare en France qu’il n’y a pour le present
que deux personnes à S. Jean de Luz qui sçavent bien preparer entre
autre le Sieur Jean de Haraneder Monsequir». ~Pomet~ schildert das
Ausschmelzen und wiederholte Umschmelzen behufs Reinigung und erwähnt
bereits die Verfälschung mit weißem Wachs. Ende des XVII. Jahrh.
unterschied ~J. G. Elsner~ das aus dem Kopfe stammende Sperma ceti
von dem Sperma balaene der Einwohner Nord-Europas. Um 1700 war die
Droge jedenfalls gut bekannt, auch ihrer Provenienz nach. Sie findet
sich z. B. auch bei ~Berlu~ als Sperma Coeti von Irland und den
Bermuden (I, S. 590), der sie aber als den Samen des Wals betrachtet,
trotzdem er wußte, daß sie im Kopfe sich findet. Die abenteuerlichste
Vorstellung bildete sich ~Schröder~ (1669) über dies «Bitumen» und
«fettige Exkrement», das er als aus Schwefel, Seesalz und Fett
gemischt annimmt. Erst ~Camper~ und ~Hunter~ zeigten Ende des XVIII.
Jahrh., daß die Walrathöhlen nichts mit dem Gehirn zu tun haben.
In ~Valentinis~ Museum Museorum (1704) wird bemerkt, daß der Walrath,
Wolram oder Welset von der Grönländischen Compagnie vom Walfischfang
mitgebracht werde. Der Reinigung des rohen Walrat durch Abseihen des
flüssig bleibenden Öls in Lübeck und Amsterdam gedenkt ~N. Schurtz~
in seiner Materialkammer 1673 und die Reinigung des Rohwalrat
mittelst Kalk und Aschenlauge in Holland und Lübeck beschreibt schon
~Ettmüller~ (wiedergegeben bei ~Valentini~). Das Behandeln des Fettes
mit Potasche war im XVIII. Jahrh. gut bekannt (vgl. z. B. ~Brookes~,
Introd. to phys. and surg. 1754). Einer chemischen Untersuchung
unterwarf ihn zuerst ~Neumann~ (I, S. 961), dann ~Fourcroy~;
~Lorenz Crell~ stellte 1779 seine Fettnatur fest. Sein Vorkommen
in den Dispensatorien hat ~Schelenz~ verfolgt. Walrat findet sich
als Pinguedo Cerebri Ceti in der Pharm. Edinburgensis 1761 und in
der Wirtembergica 1771 u. and. Pharm. borussica 1779 erwähnt die
Reinigung mit Kalilauge. Das _Ceratum Cetacei_, die Lippenpomade,
scheint zuerst im Dispensator. Lippiacum 1792 aufzutreten, _Cold
cream_ schon bei ~Spielmann~ (I, S. 965) und früher (als _Ungt.
infrigidans_), wurde aber unter dem Namen erst durch ~Hudson~
Anfang des XIX. Jahrh. eingeführt und der Name kam dann auch in die
Pharmacopoee von Montpellier 1845 (~Schelenz~). Im XVIII. Jahrh.
wurden Walratkerzen ziemlich viel gebraucht. Sie dienen noch heute
zur Herstellung der Normalkerzen bei photometrischen Versuchen.
Die (oder das?) Ambra (arab. anbar, ambar) war im Altertum unbekannt
(die Ambra der Alten war der Balsam eines _Liquidambar_). Ihr
eigenartiger, sehr intensiver Geruch wäre gewiß von den Autoren
erwähnt worden. Durch die Medizin und besonders die Parfümerie der
Araber und des frühen Mittelalters gelangte sie zu hohem Ansehn und
wurde viel zur Herstellung des _Pomum Ambrae_, des Bisamapfels (eines
Riechbüchschens) benutzt (~Flückiger~). Ihre Herkunft wurde erst
1724 bekannt. Ricettario fiorentino (I, S. 793) unterscheidet _Ambra
odorifera_, _Ambra nera_ (von Grenoble) und _Ambra gialla_, und von
letzterer wieder: _succinum_, dann _un grasso o bitume_, welchen das
Meer auswirft (wie ich glaube Cetaceum) und un liquore che destilla
da certi arbori (wohl Terpentin).
=Lit.= ~Flückiger~, Pharm. Chemie und Grundriß; Pharm. Journ. 1910,
1, 385, 442. -- ~Kirkby~, Spermacet, Pharm. Journ. 1910, 1, 511.
-- ~Schelenz~, Walrath. Chem. Ind. 1910, Nr. 13. -- ~Pinkus~, D.
Wachs d. Florabüste. Chem. Zeit. 1910, 277. -- ~Rathgen~, Unters. d.
Wachs. der Florabüste. Ebenda 1910, 305. -- ~Beauregard~ a. a. O. --
~Pouchet~ (Ambra), Vol. commém. du centennaire du Museum 1893.
β) Cholesterinwachse.
Eine besondere Gruppe der Körperfette bilden die Cholesterine
enthaltenden Wollfette, die in der Rohwolle vorkommen und aus den
Wollwaschwässern jetzt im Großen abgeschieden werden, ursprünglich
besonders deshalb, weil die Polizei das Einfließenlassen der Abwässer
der Wollwäschereien in die durch sie verpesteten Flußläufe verbot und
eine Selbstreinigung der Abwässer unmöglich ist.
~Liebreich~ behauptete (1885), daß Cholesterinfette (Lanolin) in
dem keratinhaltigen Gewebe, wie der menschlichen Haut, den Haaren,
des Vernix caseosa usw. sowie in dem Fett der Niere, der Leber
und des Blutes vorkommen. Dies wurde aber von ~Buzzi~ und ~Santi~
(1889) bestritten. ~Santi~ zeigte, daß Cholesterin und Lanolin
nicht die gleichen Reaktionen geben und meint, daß in den genannten
Organen nur Cholesterin, nicht Cholesterinester, vorhanden sind. Das
Blutplasma enthält Cholesterinester (~Hürthle~) neben Cholesterin,
die Blutkörperchen Cholesterin (~Hepner~). In der Schafwolle kommen
jedenfalls auch Cholesterinester vor. ~Burchard~ betrachtet (Dissert.
Rostock 1889) die Sterine als im Plasma jeder entwicklungsfähigen
Zelle der Tiere vorkommend. -- Cholestearin, Cholsterin (so schreibt
z. B. ~Liebig~) oder Cholesterin wurde zuerst von ~Conradi~ (Dissert.
Jena 1775) und ~Gren~ (Diss. Halle 1788) in den Gallensteinen
aufgefunden. Es findet sich dort frei und verestert. Es wurde
zuerst von ~Chevreul~, ~Couerbe~ und ~Marchand~ analysiert und von
~Chevreul~ benannt. Das rechtsdrehende Isocholesterin wurde 1872 von
~E. Schulze~ im Wollfett der Schafe aufgefunden.
Das Cholesterin besitzt die merkwürdige Fähigkeit die roten
Blutkörperchen vor der Einwirkung der Hämolysine (Saponine, Solanin,
Schlangengift) zu schützen, daher wird ihm eine entgiftende Rolle
zugeschrieben, resp. die Fähigkeit den Organismus gegen ihm von außen
zugeführte hämolytische Substanzen zu schützen. Jedenfalls wirkt
Cholesterin entgiftend auf Saponine (~Ransom~) und gibt mit Digitonin
unlösliche Additionsprodukte. Im tierischen Organismus ist vorwiegend
nur das eigentliche +Cholesterin+ (C₂₇H₄₃OH.H₂O ~Mauthner~ und ~Suida~,
~van Oordt~, C₂₇H₄₆O ~Diels~ und ~Abderhalden~), F = 147°, α_{D}
= -31,12°, gefunden worden und zwar bei Vertebraten (Säugetieren,
Vögeln, Reptilien, Fischen), Tunikaten, Mollusken, Arthropoden,
Würmern, Echinodermen. Es war überall das gleiche (~Dorée~). Bei den
Insekten dagegen scheinen mehrere verschiedene Sterine vorzukommen,
wie z. B. das +Bombicesterin+ und ein anderes bei _Blatta_, doch
ist auch normales Cholesterin in dem an Unverseifbaren sehr reichen
Öle der Insekten nachgewiesen (z. B. in den _Canthariden_, in
_Melolontha_, _Octopus_ ~Welsch~). Auch in den Schwämmen sind besondere
Zoosterine [Spongosterin (C₂₇H₄₈O), Clionasterin ~Dorée~] gefunden
worden. Neben dem Cholesterin findet sich dann noch in den Tieren oft
+Isocholesterin+ (C₂₆H₄₃OH ~Schulze~) und in den Faeces +Coprosterin+
(C₂₇H₄₇OH ~Bondzynski~) und +Hippocoprosterin+, die ~Dorée~ in einer
besonderen Klasse vereinigt. +Oxycholesterin+ (C₂₆H₄₂(OH)₂) ist
außer im Wollschweiß auch im Blut und den Knochen gefunden worden
(~Lifschütz~).