Bastfaserbündel führenden, Schicht das Exokarp, das breite
Mesokarp wird von einem fetthaltigen Parenchym gebildet, in dem
Oxalatzellen liegen und das von zahlreichen, bastfaserreichen,
von Kristallkammerfasern begleiteten (~Hanausek~) Gefäßbündeln
durchzogen wird. Das Endokarp besteht aus einer breiten Schicht
Sklereïden, die braungefärbt, außerordentlich stark verdickt und
reich getüpfelt sind. Da das Raphegewebe den Carpiden tief und breit
eingewachsen ist, geht das Endokarp allmählich unter Verringerung
der Verdickung der Zellen in das Gewebe der Samenschale über, das
aus einer breiten Schicht von Zellen mit braunem Inhalt besteht (~A.
Meyer~), deren innere sich mit Kali citronengelb färben (~Hanausek~).
Das große Endosperm besteht aus radial gestreckten, nicht sehr
stark verdickten, aber grobgetüpfelten Zellen, die reichlich zum
Teil kristallinisches Fett und große Aleuronkörner mit ein oder
mehreren, vortrefflich ausgebildeten Kristalloiden (~Tschirch~)
einschließen. Die aus der Steinschale herausgelösten, bis 1,5 cm
langen Samen bilden die =Palmkerne= des Handels. Das als Verfälschung
von Gewürzen (z. B. Pfeffer) beobachtete +Palmkernmehl+ (daher:
Poivrette, Pepperette, Mischpfeffer) besteht aus den gemahlenen
Preßrückständen derselben, die noch 5-16% Öl enthalten und immer auch
Sklereïden des anhängenden Endocarps erkennen lassen, neben den sehr
charakteristischen reichgetüpfelten Endospermzellen mit sog. knotig
gegliederter Wand und den Zellen der Samenschale.
=Lit.= ~Arthur Meyer~, Über d. Ölpalme. Arch. Pharm. 1884, 713. --
~Ascherson~, Die Ölpalme. Globus 35, 209. -- ~Drude~, Geogr. Verbr.
d. Palmen. Peterm. geogr. Mitt. 1878. -- ~Maycock~, Flora Barbadens.
1830. -- ~Semler~, Trop. Agrikultur. -- ~van Gorkom~, Oostind.
Cultures. -- ~Schweinfurth~, Im Herzen Afrikas 1874. -- ~Soyaux~,
Aus Westafrika 1879. -- ~Sadebeck~, D. wichtigeren Nutzpflanzen usw.
aus d. deutsch. Kolon. 1897. -- ~Warburg~ in ~Engler~, Pflanzenwelt
Ostafr. (Verbreitung). -- ~Preuss~, D. wirtschaftl. Bedeut. d.
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ihrer Kultur. Kolon. wirtsch. Kom. 1909. -- ~Jean Adam~, Le Palmier
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-- ~Arth. Meyer~ a. a. O. (mit vielen Figuren). -- ~Sadebeck~,
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informat. Royal botanic. Garden Kew 1909. -- ~Martius~ u. ~Mohl~,
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-- ~Soyaux~ a. a. O. t. 105. -- ~Köhler-Vogtherr~, Medizinalpfl.
Ergänzungsb. t. 77. -- ~Wildemann~, Plant. trop. I, Fig. 12. --
~Soskin~ a. a. O.
+Anatomie+ besonders bei ~Arth. Meyer~ a. a. O. -- ~T. F. Hanausek~,
D. Frucht d. Ölpalme. Zeitschr. Österr. Apoth. Ver. 1882, 325 und
in ~Wiesner~, Rohstoffe 2. Aufl. -- Aleuron: ~Tschirch~, Angew.
Anatomie. -- ~Moeller~, Afrik. Ölsamen. Dingl. Polyt. Journ. 1880 und
~Moeller-Winton~, Mikroskopie (dort weitere Lit.). -- ~Harz~, Landw.
Samenkunde. -- ~Vogl~, Nahrungsm.
+Preßkuchen+: ~Collin-Perrot~, Resid. industr. -- ~Hanausek~,
Mischpfeffer in Realenzyklop. d. Pharm. -- ~Vogl~, Nahrungsm. Fig.
265. -- ~Kobus~, Landw. Jahrb. 1884.
[Illustration: Fig. 222.
Bereitung von Palmöl im Ntumgebiet. [Nach Photographie von +Tessmann+,
Pangweesexpedition.]]
=Gewinnung des Palmöls.= Die Gewinnung des Palmöls ist noch heute,
z. B. in Kamerun und Dahomey, fast ganz in den Händen der Neger und
sehr primitiv. Die Neger ersteigen den Baum mit dem Klettergurt,
schneiden die Fruchtbündel los und lösen nach einigen Tagen die
Früchte ab. Die Früchte werden zunächst auf Haufen oder in eine Grube
geworfen, wo sie 6-10 Tage zur Fermentierung bleiben, damit sich die
faserige Fruchtschale leichter vom Steinkern ablöst. Je rascher sie
aber verarbeitet werden, um so besser ist das Öl. Die Früchte werden
daher jetzt meist sofort c. 2 Stunden mit Wasser gekocht. Nun läßt sich
der Steinkern leicht herauslösen und dies geschieht entweder durch
Kneten der Früchte mit den Händen oder durch Schlagen und Stampfen
mit Stangen oder Keulen in mörserartigen Gefäßen (Fig. 222) bzw.
in mit Steinen ausgekleideten oder mit Lehm ausgestrichenen Gruben
oder durch Bearbeiten mit den Füßen oder Händen in Holztrögen oder
alten Kanoos (Taf. XXIII). Man überläßt nun die Masse c. 12 Stunden
sich selbst, gießt dann kaltes oder heißes Wasser darauf, drückt
die Masse mit der Hand aus und wirft die Kerne und die Fasermasse
beiseite. In Dahomey läßt man letztere noch gären, was weiteres Öl
freimacht. Das im Troge nun obenauf schwimmende Öl wird abgeschöpft,
durch Korbsiebe filtriert und durch Erwärmen vom Wasser befreit.
Filtrieren und Erwärmen wird wiederholt (~Semler~). Die europäischen
Händler reinigen in ihren Faktoreien bisweilen das Öl nochmals. Es
kommt in Fässern in den Handel. In Viktoria werden die Früchte zuerst
in Kesseln 1-2 Stunden gekocht, dann in hölzernen oder metallenen
Behältern mit hölzernen Keulen zerstampft, die Kerne abgesondert und
das Öl mit der Hand ausgepreßt. Das Ausgepreßte wird in Wasser geworfen
und nochmals mit der Hand ausgedrückt (die Preßrückstände enthalten
immer noch 12% des Trockengewichtes Öl). Die Mischung von Wasser und
Öl wird dann durchgequirlt, der Ölschaum abgehoben und in einem Tropf
durch Erhitzen geschieden (~Preuss~). Bei dieser Methode gehen ⅔
des Öls verloren. Das Öl aus Früchten, die vorher fermentiert wurden
(s. oben), ist weniger gut. Die oben beschriebene Bereitung, bei der
nur 10-12% der Frucht an Öl gewonnen werden und 50% des Öls in den
Rückständen bleibt, ist schon alt. Das, was ~Martius~ nach den Autoren
von 1715 und 1723, wie das, was ~Thonning~ 1828, ~Rohlfs~ 1866 und
~Soyaux~ 1875, berichten, stimmt im allgemeinen mit der noch heute
zumeist geübten Methode überein. Bei den Niam-Niam wird das Öl der
Fruchtwand einfach ausgepreßt, das Öl der Kerne durch Inbrandstecken
eines über einen in der Erde versenkten Krug geschütteten Haufens
derselben gewonnen (~Schweinfurth~). Die Bewohner von Jocuba kochen die
zerkleinerte Fruchtmasse aus (~Rohlfs~). In Loango werden die Früchte
auf Raphiablattrippen über dem Feuer erwärmt, das zu einem Teige
zerstampfte, von den Steinkernen getrennte Fruchtfleisch in aufgehängte
Beutel gebracht und durch Drehen mit einem Hebel ausgepreßt, der
Preßrückstand erwärmt und mit heißen Steinen zusammen nochmals gepreßt
(~Pechuël-Lösche~). ~Preuss~ bezeichnet einen Ertrag von c. 7¼ kg
Öl und c. 15 kg Kerne pro Baum als das Normale. Doch wechselt dies
natürlich. Den Eingeborenen liefert jeder Fruchtstand nur etwa 750 g
Öl und 1500 g Kerne (~Preuss~). Das Durchschnittsgewicht der Früchte
eines Fruchtstandes beträgt 10 kg. Die Javanen bereiten das Öl, indem
sie die Früchte in Dampf hängen, sie dann zerkleinern und in einer sehr
primitiven Presse -- zwischen zwei mit Steinen beschwerten Brettern
auspressen (~van Gorkom~). In Kamerun und Togo sind seit 1906 deutsche
+Palmölwerke+ in Betrieb, in denen durch Schälmaschinen das Fleisch
der vorgekochten Früchte vom Steinkern getrennt und dann ausgepreßt
wird. Die französische Palmölfabrik in Dahomey preßt trocken direkt.
Ein Verfahren, die ganze Frucht inklusive der Kerne zu pressen, ist
~Hallet~ patentiert (Franz. Pat. 321918).
+Gebleichtes Palmöl+ wird durch Ozon oder Durchblasen von ozonisierter
Luft durch auf 150° erhitztes Öl (Engl. Pat. 28682) oder durch
Behandeln mit Bichromat und Salzsäure erhalten. Schmutzig rote Öle
lassen sich nicht bleichen.
Die aus der Steinschale durch Aufschlagen mit Steinen herausgelösten
+Palmkerne+ werden in Hanf- oder _Hyphaene_blatt-Säcken versandt.
Die Palmnüsse oder Palmkerne werden meist erst in Europa (Marseille,
Nantes, Harburg, Cöln, Liverpool, London usw.) und Amerika auf
+Palmkernöl+ verarbeitet -- durch kalte und heiße Pressung und
Extraktion -- aber auch die Neger stellen es da und dort dar.
=Handel.= +Das Palmfett ist das von allen fetten Fetten am meisten
industriell verwendete+ und seit der Mitte des XIX. Jahrh. einer der
wichtigsten Handelsartikel. Im Welthandel sind jährlich c. 7-800000
dz Palmöl und 1,2-1,3 Mill. dz. Palmkerne (~Semler~). Der Wert der
Ausfuhr von Palmöl aus ganz Westafrika betrug 1907: 36,1 Mill. M.
(100000 t), der der Palmkerne 53,6 Mill. M. (c. 220000 t). Es gibt
zahlreiche Palmöl-+Handelssorten+, wie z. B. Liberia, Saltpond,
Addah, Appam, Winnebah, Fernaodo Po, Braß, Neu- und Alt-Calabar,
Niger, Accra, Benin, Bonny, Grand Bassa, Togo, Kamerun, Oap Labon,
Cap Palmas, Lagos, Loanda, Gold Coast, Insel Sherboro, Gaboon, Half
Jack, Opobo, Whidah, Dixcove, Rio Pongo, Appolonia, Grand und Little
Popo, Quittah, Lahoo, Appam, Danve, Monrovia, Benin, Congo u. and.
Der größte Teil der Erzeugnisse der Ölpalme geht über +Lagos+ und das
Niger Coast Protectorat, das eigentliche Gebiet der Ölflüsse. Lagos
exportiert durchschnittlich im Jahre 2-4 Mill. Gall., z. B. 1895:
3826000 Gall. Palmöl und 46500 t. Palmkerne, das Nigerschutzgebiet
(Alt- und Neu-Kalabar, Opobo, Bonny) durchschnittlich 10-12 Mill.
Gall. Palmöl. Hauptmarkt der Kalabarhändler ist N’Dobe, Mittelpunkt
des Rio del Rey-Gebietes. Kamerun erzeugt jetzt viel Palmöl.
Hauptplatz ist Mandame am Mungo. 1897 exportierte +Kamerun+ für
2300000, Togo für 500000 M. Ölpalmenprodukte, 10 Jahr später schon
für 4,2 bzw. 1,4 Mill. M. 1900 exportierte Kamerun 2807229 kg Palmöl
und 7945169 kg Palmkerne, Togo 1900: 1987382 kg Palmöl und 6330108
kg Palmkerne. 1909 exportierte Kamerun für 2,6 Mill. M. Palmkerne
und für c. 1 Mill. M. Palmöl; die Goldküste jährlich c. 3-4,5 Mill.
Gall. Öl. Der Kongostaat exportierte 1906: c. 2,5 Mill. kg Öl und c.
6 Mill. kg Kerne (I, S. 183). Sierra Leone exportierte 1909: 851999
Gallons Palmöl. Der Konsum in Afrika ist etwa doppelt so hoch wie
der Export. Früher lieferte ausschließlich die Westküste Afrikas
Palmöl, jetzt auch die Philippinen, Indien, Südafrika. +Deutschland+
importierte 1909: 2304476 dz +Palmkerne+, besonders aus Brit.
Westafrika, dann aus franz. Westafrika, Togo, Kamerun, Liberia und
Port. Westafrika. Deutschland importierte 1909 152356 dz +Palmöl+,
davon 132879 aus Brit. Westafrika, 11981 aus Liberia. Deutschland
exportierte 1909: 425971 dz +Palmkernöl+. Hamburg importierte 1908
+Palmöl+ und +Palmkernöl+ seewärts: 151284 dz. Davon stammten aus
Westafrika 112543, Kamerun: 10454, Deutsch Togo: 8084, geringe
Mengen auch aus Brit. Südafrika, Brit. Ostindien. +Frankreich+
importierte 1908: 213026 Quint. +Palmöl+, besonders aus Franz.
Westafrika und Engl. Ostafrika und importierte 1908: 38286 Quint.
+Palmkerne+ (Amandes de palmiste), besonders vom Senegal und anderen
französischen Besitzungen Westafrikas. Die +Vereinigt. Staaten+
importierten 1908: 32615073, 1909: 58971777 pounds Palmoil.
[Illustration:
Tafel XXIII.
Palmölbereitung durch Eingeborene im Canoo. [Aus Soskin, Die Ölpalme.]]
=Chemie.= Das Palmöl wird also (wie das der Olive) aus dem
Fruchtfleisch dargestellt, das Palmkernöl aus den geschälten Samen. Das
Fruchtfleisch beträgt je nach der Varietät 27-70% der Frucht, die Kerne
9-25%. Das Fruchtfleisch enthält 22,6-70, meist 46-66,5% (~Fendler~)
Fett, das meiste enthält die Dévarietät. Die frischen Samenkerne
enthalten 43-54 (meist 43-50)% Fett (~Nördlinger~, ~Fendler~). +Das
frische Palmöl schmeckt süßlich, ist gelb und riecht veilchenartig.+
Mit der Zeit wird es an Licht und Luft (durch gebildetes
Wasserstoffsuperoxyd (~Schönbein~) oder Ozon(?) farblos und verliert
den Geruch, aber erst sobald sich das Fett zersetzt (~Sadebeck~).
Beim Verseifen bleibt Geruch und Farbe erhalten (~Lewkowitsch~).
Die Farbe des Handelsöls schwankt zwischen orangegelb (Lagos) und
schmutzig rot (Congo), die Konsistenz zwischen Butter (Lagos) und
Talg (Congo). Palmöl ist in kaltem Alkohol wenig, leichter in heißem
löslich. Es ist leicht verseifbar. In frischem Palmöl sieht man unter
dem Mikroskop, eingebettet in eine ölige Grundmasse, Nadeln und
Nadelaggregate. Ranziges Öl besteht fast nur aus Fettsäurekristallen.
Die Zusammensetzung schwankt je nach Ursprung des Öls (Varietät,
Bereitungsart usw.).
Die Hauptbestandteile des =Palmöls= (Palmbutter, Palmfett, huile de
palme, palmoil, palmolie) sind +Palmitin+ und +Olein+. Die festen
Fettsäuren bestehen (nach ~Nördlinger~) aus 98% +Palmitinsäure+, 1%
+Stearinsäure+ und 1% +Heptadecylsäure+ (C₁₇H₃₄O₂, wohl = Daturinsäure
S. 546). In den flüssigen ist +Ölsäure+ und +Linolsäure+ (~Hazura~ und
~Grüssner~) nachgewiesen.
Das spez. Gew. ist 0,9209-0,9245 (~Tate~), 0,945-0,947 (~Schädler~,
~Marpmann~); bei 98° 0,858-0,860. Erstarrungspunkt: 31-39
(~Fendler~). Schmelzpunkt: 27-42,5 (je nach Alter und Ursprung des
Öls), 35-43° (~Fendler~). Verseifungszahl: 196,3-205,52 (~Moore~,
~Valenta~, ~Fendler~). Jodzahl: 51-57,4, meist 53 bis 56 (~Tolman~,
~Lewkowitsch~), selten 34-42. Reichert-Meisslzahl: 0,74-1,87
(~Fendler~). Hehnerzahl: 94,2-97 (~Tate~). Brechungsexponent (bei
60°): 1,4510. Das spez. Gew. der Fettsäuren beträgt (bei 98°) 0,8369
(~Allen~), ihr Erstarrungspunkt liegt bei 35,8-46,2°, meist bei 44,5-45
(~de Schepper~ und ~Geitel~), ihr Schmelzpunkt bei 47,75-50°, die
Jodzahl 53,2 (~Thörner~), die der flüssigen Fettsäuren 94,6-99.
Da das Fruchtfleisch eine sehr energisch wirkende Lipase enthält,
spalten sich die Glyceride des Fettes sehr leicht und schon frisches
Palmöl enthält 10-12, etwas älteres oft 20-60% freie Fettsäuren,
altes ist bisweilen gänzlich aufgespalten (~Lewkowitsch~). Die
Säurezahl steigt mit dem Gehalt an Wasser und Verunreinigungen. Die
Verunreinigungen betragen meist 1-8%. Der +Riechstoff+ hat einen an
_Rhiz. iridis_ und Blauholz erinnernden Geruch. Der gelbe +Farbstoff+
(wohl ein Lipochrom) läßt sich nicht durch Wasser entziehen. Er wird
durch rauchende Salpetersäure blau, durch Schwefelsäure blaugrün,
durch Chlorzink grün (~Benedikt~) und durch Erhitzen auf 240° zerstört
(~Oudemans~). Die +Lipase+ (~Pelouze~ und ~Boudet~) zerlegt das Fett
rasch.
Die Samen enthalten 43,7-52,5% Öl, das meist durch hydraulische Pressen
ausgepreßt wird und angenehm riecht und schmeckt. Das =Palmkernöl=
(huile de palmiste ou de pepin de palme, palm seed oil, palm kernel
oil, palm nut oil, palm pit olie) ist ganz vom Palmöl verschieden
und in seiner Zusammensetzung dem Cocosöl sehr ähnlich. Es besteht
hauptsächlich aus +Laurinsäureglycerid+, enthält 12-20% +Olein+,
ferner Palmitinsäure und Myristicinsäure und relativ viel flüchtige
Fettsäuren, wie Caprylsäure, Caprinsäure (~Valenta~) und etwas
Phytosterin (~Stellwaag~). Seine Jodzahl ist sehr niedrig: 10,3-16,8,
die Verseifungszahl sehr hoch: 242-254,8. Seine Seife läßt sich schwer
aussalzen.
Der +Preßkuchen+ (tourteau de palmiste) enthält c. 2,4% Stickstoff
(13-20% stickstoffhaltige Substanzen), 4,45-16% Fett, c. 24,92%
Rohfaser und 3,60-4,48% Asche (~Cornevin~, ~Dieterich~, ~Mayer~,
~Wagner~, ~Schulze~). Palmkernkuchen enthalten ein Mannogalaktan
(~Schulze~) und liefern daher bei der Hydrolyse mit verdünnten Säuren
Galaktose und Mannose. Er gilt als mittelmäßiges Futtermittel und
wird meist nur gemischt gegeben (~Collin-Perrot~). Die +Steinschale+
enthält 68-75% Rohfaser, 3-3,6% Rohprotein und 1,5-2,1% Rohfett
(~Wehnert~, ~Völcker~ und ~Emmerling~).
=Lit.= ~Frémy~, Journ. pr. Ch. 22, 120. -- ~Stenhouse~, Lieb. Ann.
36, 50. -- ~Schwarz~, Ebenda 60, 58. -- ~Pelouze~ und ~Boudet~, Lieb.
Ann. 29, 42. -- +Palmkernöl+: ~Oudemans~, Journ. pr. Chem. 110, 393
und ~Valenta~, Zeitschr. ang. Chem. 1889, 335. -- ~Benedikt-Ulzer~,
a. a. O. (dort weil. Lit.). -- ~Lewkowitsch~ a. a. O. -- ~Benedikt~
und ~Hazura~, Monatsh. f. Chem. 1889, 353. -- ~Nördlinger~, Zeitschr.
angew. Chem. 1892, 110 u. 1895, 19. -- ~Fendler~, Z. Kenntn. d.
Früchte von Elaeis guin. u. d. daraus gewonn. Öle. Ber. d. pharm.
Ges. 1903 u. Arbeit d. pharm. Inst. Berlin I, 1903. -- ~Schepper~ und
~Geitel~ (zahlr. Sorten), Dingl. polyt. Journ. 245 (1882) 295.
=Verfälschung.= Palmöl ist mit keinem anderen Öl zu verwechseln und
wird wohl auch kaum mit anderen verfälscht (Cottonöl und Mineralöle
sind beobachtet), doch mischen ihm die Neger Sand bei (Wasser und
Sand dürfen 2% nicht überschreiten). Früher, als Palmöl noch teuer
war, wurden mit _Curcuma_ gefärbte, mit _Iris_ parfümierte, aus Talg
hergestellte Fälschungen beobachtet. Jetzt ist der Talg teurer.
=Anwendung.= «Sämtlichen Nutzpflanzen des äquatorialen
Westafrikas, einheimischen wie eingeführten, an dauerndem Wert und
wirtschaftlicher Bedeutung weit überlegen ist die Ölpalme. Ihre
Produkte allein vermögen schon die Rentabilität von Dampferlinien
und Eisenbahnen zu garantieren» (~Busse~). Obenan steht das Palmöl
und die Palmkerne. Aber auch die Blätter werden als Flechtmaterial,
die Fasern der Blattstiele zu Körben usw., das harte Endokarp zu
Schmuckgegenständen, der nach Anschneiden der jungen männlichen
Blütenstandsanlage oder Anschneiden des gefällten Stammes
ausfließende Zuckersaft zur Palmweinbereitung (vgl. I, S. 1018)
benutzt. Das Öl ist das Fett der Westafrikaner und dient dort wie
Butter besonders zur Palmoil-chop. Vgl. auch ~Fickendey~, Über die
Verwendungsfähigkeit des Palmöls als Speisefett (Tropenpfl. 1910,
566). Palmkernmehl ist Futtermittel. Die Neger benutzen das Öl zu
Einreibungen. Palmöl wird in Europa besonders in der Glycerin-,
Seifen- und Kerzenindustrie verwendet.
=Geschichte.= Das Palmfett kam zuerst im XVI. Jahrh. nach Europa
und ist seit dem XVIII. Jahrh. auch seiner Herkunft nach bekannt
(~Böhmer~), wurde aber erst im XIX. Jahrh. in größeren Mengen
exportiert. Die Einfuhr begann 1807 (~Flückiger~). Es wurde zuerst
in England technisch verwertet. Was das _Ol. palmae_ der Taxe von
Bremen 1665 und der Berluliste (I, S. 951) war, läßt sich nicht mehr
feststellen (Cocosöl?). Während früher die Palmkerne weggeworfen
wurden, brachten sie deutsche Kaufleute 1858 in den Handel und es
entstand zuerst in Harburg eine Palmkernölfabrik. Jetzt ist das
Palmkernöl wertvoller geworden als das Palmöl, da es besser ist.
Oleum Cacao.
Butyrum Cacao, Ol. Theobromae (Theobromatis), Cacaofett, Cacaoöl,
Cacaotalg, Cacaobutter; beurre de Cacao, graisse de Cacao; Cacaobutter,
oil of Theobroma; borro di Cacao. Die Bezeichnung «Butter» ist, da die
Nahrungsmittelchemiker diesen Begriff scharf umschrieben haben, hier
wie bei _Ol. myristicae_ besser zu vermeiden.
Das Cacaofett ist das Fett der Samen von _Theobroma Cacao_ L. Die
Pflanze und die Samen werden bei den Purindrogen beschrieben.
Das +Cacaofett+ wird -- wohl stets als Nebenprodukt der Cacao- und
Schokoladenfabrikation -- in der Weise dargestellt, daß die schwach
(bei 130-140°) gerösteten, geschälten und gemahlenen Samen in
hydraulischen Pressen (bei bis 150 Atmosphären Druck) heiß (bei 60-70°)
gepreßt werden. Die Ausbeute beträgt c. 30 bis 35%. Bisweilen wird vor
dem Pressen ein Alkalikarbonat zugesetzt. Dann enthält das Fett Seife
und gibt relativ viel Asche. Das Rohöl wird meist im Heißwassertrichter
filtriert.
Hauptverkaufsplätze für Cacaobutter sind London und Amsterdam. Die
Produktion betrug 1907 bei van Houten 820, bei Cadbury 495, Mignon
Hall 474 t. ~Grossmann~ führt (1911) Cacaobutter in Blöcken à c.
10/16 kg und «Marke Stern» in Tafeln à 500, 250, 125, 100 und 50 g.
Deutschland importierte 1907: 24, 1908: 11 t und exportierte 1907:
2080, 1908: 1849 t Cacaobutter.
Die Preßrückstände bilden den «entölten Cacao», der aber immer noch
Fett (wenigstens 12%, meist mehr) enthält. Daß man durch Auskochen
der zu Brei zerstoßenen Samen mit Wasser mehr Öl erhält wie durch
Auspressen, wußte schon ~Homberg~ (s. Geschichte). Die Menge des
Fettes in den Samen schwankt zwischen 36,8 und 56,5% (Extraktion mit
niedrig siedendem Petroläther gibt die richtigsten Zahlen ~Davies~
und ~M’Lellan~), meist beträgt sie 51,5-56%-52% der geschälten und
bei 25-30° getrockneten Samen (~Heiduschka~) -- Durchschnitt: 55%
(~Welmans~). Nach anderen schwankt der Fettgehalt von 42-54 bzw. 37,1
und 51,4 (~l’Hôte~) und beträgt meist 50-53,6% (~Zipperer~). Cacaofett
ist spröde und hellgelblich-weiß und wird beim Aufbewahren ganz weiß.
Es besitzt einen sehr angenehmen, schokoladenartigen Geruch und einen
angenehm milden Geschmack. Cacaofett ist leicht in Petroläther, im
halben Gewicht Benzol und im fünffachen Gewicht heißem absolutem
Alkohol löslich. Die Lösung in 2 Teilen Äther bleibt bei 12° während
24 Stunden klar, während die mit 20 Teilen siedendem absolutem Alkohol
hergestellte Lösung beim Erkalten alles, bis auf 1% (Olein), wieder
fallen läßt (~Flückiger~). In 90% Alkohol ist es nur zum geringen
Teile löslich (Unterschied von Cocosfett). Beim Einlegen in die
Kali-Ammoniakmischung von ~Hartwich~ und ~Uhlmann~ entstehen im Inneren
des Tropfens Bündel ganz kurzer Kristallnadeln, an der Peripherie lange
Nadeln.
Das Cacaofett enthält 59,7% (~Farnsteiner~) feste Fettsäuren und
zwar +Stearinsäure+ (39-40% ~Lewkowitsch~, ~Hehner~ und ~Mitchell~),
+Palmitinsäure+ und +Arachinsäure+ (~Specht~ und ~Gössmann~).
Palmitinsäure und Stearinsäure sind zum Teil als Triglyceride vorhanden
(~Klimont~). Das Vorkommen von Laurinsäure (~Kingzett~, ~Traub~,
~Graf~) wird neuerdings bezweifelt (~Lewkowitsch~), die Theobromasäure
(C₆₄H₁₂₈O₂ ~Kingzett~) ist wohl Arachinsäure (~Traub~, ~Graf~).
Unter den flüssigen Fettsäuren dominiert die +Ölsäure+ (~Traub~) mit
31,2% (~Farnsteiner~), daneben finden sich noch 6,3% andere flüssige
Fettsäuren, darunter +Linolsäure+ (~Benedikt~ und ~Hazura~). Von
gemischten Estern sind nachgewiesen +Oleopalmitostearin+ (~Klimont~)
C₃H₅(OC₁₈.H₃₃O)(OC₁₆H₃₁O)(OC₁₈.H₃₅O) F = 42°, +Oleodipalmitin+
C₃H₅(OC₁₆H₃₁O)₂(OC₁₈H₃₃O) (~Klimont~), +Myristicopalmitoolein+
C₃H₅.(O.C₁₄H₂₇O) (O.C₁₆H₃₁O)(OC₁₈H₃₃O) F = 25-27° und +Oleodistearin+
C₃H₅(C₁₈H₃₅O₂)₂C₁₈H₃₃O₂ F = 44-44,5° (6% ~Fritzweiler~), wahrscheinlich
aber noch andere vorhanden. Ölsäuretriglycerid fehlt (~Klimont~).
+Ameisensäure+, +Essigsäure+ und +Buttersäure+, die +Graf+ angibt,
scheinen bisweilen zu fehlen (~Lewkowitsch~), ebenso fehlt Caprylsäure
(~Heiduschka~).
Das Fett enthält ferner eine +Lipase+ und in dem Unverseifbaren
Phytosterine (~Clayton~) wohl +Stigmasterin+ (F = 162-163°) und
+Sitosterin+ (F = 139° ~Matthes~ und ~Rohdich~), vielleicht auch etwas
Cholesterin (~Prochnow~, ~Maurenbrecher~ und ~Tollens~), sowie neben
einem festen Kohlenwasserstoff C₃₀H₄₈ (F = 133-134° wohl +Amyrilen+)
ein hyazinthenartig riechendes Öl (~Matthes~ und ~Rohdich~). Der Träger
des Geruches, den das Fett aus den Samen aufnimmt, soll das «+Cacaorot+
in Verbindung mit einem Glykosid» (? ~F. Müller~) sein. Das bedarf der
Bestätigung.