=Geschichte.= Es spricht vieles dafür, daß _Cocos nucifera_ im

tropischen Asien, wo sie viele alte Namen hat, in zahlreichen

Varietäten bekannt ist und seit Urzeiten zu unzähligen Zwecken

benutzt wird, ursprünglich heimisch war -- vornehmlich wohl auf

den Inseln -- frühzeitig aber wohl (vor 3-4000 Jahren) nach China,

Ceylon und dem indischen Festland und durch Meeresströmungen an die

Westküste Mittelamerikas, später dann auch nach Ost-Afrika gelangte

(~de Candolle~). Von diesen Zentren aus hat sich die Palme dann über

alle tropischen Länder verbreitet. Die neueren Forscher (~Seemann~,

~Cook~, ~Schumann~) suchen aber ihre Heimat auf den Antillen, in

Columbien und in Zentralamerika, wo sie bereits ~Oviedo~ im XVI.

Jahrh. wild fand. Jedenfalls sind alle übrigen Vertreter der Gattung

Cocos in Amerika heimisch. ~Drude~ betrachtet sowohl das tropische

Amerika wie Südasien als ursprüngliche Heimat der Pflanze. Wenn aber

Polynesien der Überrest eines untergegangenen Erdteils (Oceanien)

ist, dann dürften wir wohl in ihm die Heimat der Pflanze zu suchen

haben, also dort, wo sie auch jetzt noch die größte Verbreitung hat.

Die Cocospalme wurde in Indien seit 3-4000 Jahren benutzt und ist

unter dem Sanskritnamen Narikela (weitere bei ~de Candolle~) bekannt.

Nach Ceylon scheint sie erst später gekommen zu sein. Die Ägypter

kannten sie nicht, die Griechen nur als indische Kuriosität. Das

κουκιοφόρον δένδρον des ~Theophrast~ und die cuci des ~Plinius~ waren

wohl nicht Cocos, sondern _Hyphaene coriacea_ ~Gärtn.~ (~Sprengel~).

Die Cocosnuß spielt in Südindien bei vielen Zeremonien eine

Rolle. Eine Nuß wird z. B. der See geopfert. Das Brechen einer

Cocosnuß ist in Vorderindien Zeichen der Feindschaft. Auch bei den

Hochzeitsgebräuchen und ähnlichem wird die Cocosnuß (tali) dort

benutzt. Sie ist Symbol der Fruchtbarkeit. Bei der Hochzeit wirft man

in Piemont mit Cocosnüssen. Coir wird in Indien seit undenklichen

Zeiten als Bindematerial benutzt (~Wiesner~). In zahlreichen

Sprichwörtern und Redensarten der Bewohner der südasiatischen Inseln

spielt die Cocospalme eine Rolle (zitiert bei ~de Clerq~). In Ceylon

wird das Vermögen der Eingeborenen oft in Cocospalmen oder Teilen

derselben ausgedrückt, in Vorderindien darf eine Cocospalme bis zu 2

Shilling, in Java bis 1½ Gulden hypothekarisch belastet werden.

Ursprünglich wurden die Cocospalmen in Ceylon nur bei den Tempeln

angepflanzt. 1841 begannen die Europäer dort mit der Kultur.

Cocosöl war im XVIII. Jahrh. bekannt und in deutschen Apotheken zu

finden, ist aber in Europa erst seit Mitte des XIX. Jahrb. mehr

beachtet worden. ~Kosmas Alexandrinus~ (I, S. 720) beschreibt

bereits im VI. Jahrh. Cocos, -- die erste sichere Erwähnung in der

europäischen Literatur. Im X. Jahrh. wurden Cocosnüsse in Kalah auf

Malacca gehandelt. Bei ~Alhervi~ (I, S. 601) findet sich Nârdschîl,

bei ~Ibn Baithar~ nārǧīl, bei ~Simon Januensis~ neregil und auch ~Ibn

Sina~ (I, S. 603) benutzt Cocos. ~Masudi~ (I, S. 616) erwähnt die

Cocosnüsse Mitte des X. Jahrh. bei den Malediven, ~Kurdadbah~ (I,

S. 617) bei Java, ~Marco Polo~ bei den Nicobaren, bei Malabar und

Sumatra. ~Ibn Batuta~ (I, S. 618) kennt ihre mannigfache Benutzung

und auch ~Jacobus de Vitriaco~ (I, S. 722) gedenkt ihrer im XIII.

Jahrh. ~Marco Polo~ erwähnt die Cocosmilch und ~Maudeville~ (I,

S. 721) die große indische Nuß. Vom XV. bis XVII. Jahrh. wurde

die Cocusnuß in Europa, wohin sie seit dem Mittelalter kam, viel

medizinisch benutzt. (Vgl. oben.) Sie findet sich in Taxen und

Registern. Das «Garn aus der Schale indischer Nüsse» bei ~Marco

Polo~ (I, S. 725) ist wohl Coir. Die alten Inder benutzten nālikera

(I, S. 507), das Öl bei Bereitung der Speisen. Copra wird schon von

~Garcia da Orta~ als Ausfuhrartikel von Ormuz und Balaguate erwähnt.

In Brasilien erwähnt die Cocospalme schon ~Piso~ und ~Marcgraf~ (I,

S. 893), in Porto-Rico ~Joseph Acosta~ (I, S. 762), in Mittelamerika

~Oviedo~ (I, S. 755). ~Hernandez~ (I, S. 757) bemerkt, daß die

Mexikaner die Palme coyolli nennen.

=Lit.= ~De Candolle~, L’origin. d. pl. cult. -- ~Cook~, U. S.

Dep. Agric. 1901. Div. bot. VII. -- ~Neger~, Ursprung, Geschichte

und Verbreitung der Cocosnußpalme. Globus 1902. -- ~Stoll~,

Entdeckungsgesch. d. Cocospalme. Globus 1902.

Zu dieser Gruppe gehören oder sind damit verwandt:

Palmkernöl (s. S. 720),

Cohuneöl von _Attalea Cohune_ ~Mart.~,

Maripafett von _Attalea Maripa_ ~Aubl.~,

Muritifett von _Mauritia vimfera_ ~Mart.~ (Coyol),

Mocayaöl von _Acrocomia sclerocarpa_ ~Mart.~,

Bactrisfett von _Bactris Plumeriana_ ~Mart.~,

Gewürzbuschöl von _Lindera Benzoïn_,

Dikafett von _Mangifera gabonensis_ ~Aubr. le Comte~ und _Irvingia

Barteri_ ~Hook.~,

Cay-Cay- oder Cochinchina-Wachs von _Irvingia Harmadiana_ und

_Oliveri_,

Taririfett von _Picramma_ ~Sow~ oder _Tariri_ ~Aubl.~,

Tangkallafett von _Lepidadenia Wightiana_ ~Nees.~ bzw. _Cylindrodaphne

sebifera_.

3. Japansäure-Gruppe.

Die Japansäure ist die erste, von ~Geibel~ und ~von der Want~ (1900) in

einem natürlichen Fett aufgefundene, zweibasische Fettsäure. Sie findet

sich im Japantalg.

Cera japonica.

Japantalg, Japanwachs, Sumachwachs, -- Cire du Japon, -- Japan wax,

japan tallow, -- Cera giapponesa, -- in Japan: Ro.

Dies fälschlich Wachs genannte Fett wird in Japan und China aus

den Früchten einiger daselbst und in Nordindien kultivierter, zu

den Anacardiaceen gehörender _Sumach_arten, besonders von =Rhus

succedanea= L. (Wachssumach, Wachsbaum, Fasi noki) -- wächst

besonders in Shikoku und Kiushiu als Einfriedung der Felder -- dann

auch von _Rhus vernicifera_ ~Dc.~ (Firnißsumach, urushi) und in

beschränktem Maße von _Rh. acuminata_ ~Dc.~ und _Rh. silvestris_

~Sieb.~ et ~Zucc.~ (Waldsumach, Yama urushi) durch Auspressen,

Auskochen oder Extrahieren gewonnen (für China wird die zweifelhafte

Art _Rhus chinensis_ ~Mill.~ angegeben). Ein Baum kann bis 60 lbs.

Früchte tragen.

Das Fett ist sowohl im Mesocarp (40-65%, -- resp. 21% bezogen auf die

ganze Frucht) wie in den Cotyledonen (36%, -- resp. 26,5% bezogen

auf die ganze Frucht) enthalten (~A. Meyer~). Das Mesocarp ist also

besonders reich an Fett. Das Mesocarp- und Cotyledonenfett verhalten

sich im Allgemeinen gleich. Die ganze Frucht enthält bei _Rh.

succedanea_ 27%, bei _Rh. vernicifera_ 24,2% Fett (~Rein~).

Es wird in Japan besonders auf den Inseln Hiogo, Hizen, Simabara,

Chutugo, Chekusin und der Provinz Kinas erzeugt. Nach dem ältesten

Verfahren werden die Früchte gestoßen, gekocht und gepreßt. Neuer

ist die Methode, die geschälten Früchte zwischen Mühlsteinen zu

zerkleinern, die Masse mit Wasser auszukochen, das Fett abzuschöpfen,

durch Umschmelzen zu reinigen und in Tafeln auszugießen. Die drei

größten Wachsraffinerien (~Kitagumi~, ~Chikusan~ und ~Shimizi~)

befinden sich teils in Osaka, teils in Kobe. Auch die Methode, die

unter Stroh nachgereiften Früchte in hölzernen, trichterförmigen

Trögen mit der Hand zu zerdrücken, von den Hülsen durch Absieben

zu befreien und die Masse in Hanfsäcken mittels Keilpressen

auszupressen, ist in Gebrauch. Bisweilen werden die von den Zweigen

abgedroschenen Früchte auch zuvor getrocknet und schwach geröstet und

gemahlen, in Säcken auf einem Roste über kochendem Wasser gedämpft

und dann erst gepreßt (~Simon~). Die Früchte erscheinen im 5. Jahr.

Das Maximum des Ertrages wird im 15. Jahr erreicht. ~Arthur Meyer~

faßt die verschiedenen Berichte wie folgt zusammen:

«Zur Herstellung des Japantalgs werden die vorher gut getrockneten

Früchte (gut getrocknet wohl deshalb, weil erst durch das Trocknen an

der Luft der Milchsaft des Mesocarps unlöslich in Wasser usw. wird)

zerkleinert durch Mühlsteine, Mörserkeule oder Bambusflegel, durch

Absieben oder Ausschwingen von Kernen und Epidermis befreit oder

auch (bei _Rhus succedanea_ und _silvestris_) ganz gelassen. Diese

Massen werden dann über Wasserdämpfen erhitzt, um das Wachs in den

Zellen zu schmelzen, und dieses wird dann durch die verschiedensten

Preßvorrichtungen ausgepreßt. Beim zweiten Pressen der Masse setzt

man wohl hier und da etwas fettes Öl zu, um das Erstarren des

Talges zu verzögern. Der so erhaltene Rohtalg wird mit dünner Lauge

gekocht (Kochen mit Lauge deshalb, weil der Talg dadurch krümelig

und zum Bleichen geeignet wird, nicht zur direkten Entfernung

des Farbstoffes), an der Sonne gebleicht und durch mehrmaliges

Umschmelzen in reinem Wasser und dazwischen wieder erfolgtes

Bleichen möglichst rein und weiß hergestellt. Um dem Lichte mehr

Fläche zu bieten, zerrührt man entweder das flüssige Wachs während

des Erkaltens oder schneidet es nach dem Erkalten in Scheiben.» Um

die Preßrückstände auszunutzen, wird ihnen bisweilen Se-nu-abura

(Ye Goma), d. h. das Öl von _Perilla ocimoides_ L. zugesetzt, die

in Ihren Früchten bis 40% Fett enthält. Diese späteren Pressungen

zeigen also abweichende Eigenschaften, sind weicher und klebriger.

Dieser Ölzusatz wird in der europäischen Literatur schon 1877

erwähnt, ist aber jedenfalls eine alte Sitte und nicht erst seit 1895

(~Lewkowitsch~) bekannt. Neuerdings wird das Fett auch mit Äther oder

Schwefelkohlenstoff extrahiert (~Schädler~).

«Der Rohtalg wird vor dem Export einem einfachen Verfahren

unterworfen, indem er mit Wasser gekocht und dann in flüssigem

Zustande abgeschöpft wird. Nach dieser Prozedur wird der Talg im

Sommer 3-5, im Winter 7-8 Wochen zur Bleichung der Sonne ausgesetzt.»

(~Paul Martell~ 1911). Oft wird das Rohwachs auch in dünnen Scheiben

an der Sonne gebleicht. Man begießt die in flachen Körben liegenden

Scheiben dabei mit Wasser. Die Ausbeute beträgt 15-25%.

_Cera japonica_ ist in bisweilen zentnerschweren Blöcken und in

runden oder viereckigen Kuchen oder gestempelten Scheiben im

Handel, das prima ☐ in Kisten von c. 90 kg. Es ist ein bedeutender

Handelsartikel Japans und kommt auch von Formosa und aus China über

Singapore nach London -- das japanische direkt von Kobe, Nagasaki,

Yokohama und Osaka, das chinesische über Shanghai und Hongkong. Kobe

ist Hauptmarkt. Von dort kommen 90%. Die Durchschnittsernte beträgt

4 Mill. kin (= 2,4 Mill. kg, 1 kin = 0,601 kg). Japan exportierte

1906: 3913626, 1907: 3810520, 1908: 3817374, 1909: 5701963 kin. China

exportiert bedeutend weniger. Die Einfuhr von +Japanwachs+ nach

London betrug 1907: 615, 1908: 415, 1909: 1756 cases usw. Die Marke

Kitagumi gilt im allgemeinen als gut, doch kommt neuerdings (1909)

unter dem Namen auch minderwertiger Abfall in den Handel.

Das Rohwachs ist oft blaugrünlich, das gebleichte und durch

Einlaufenlassen in Wasser raffinierte (prima, secunda) weiß oder

blaßgelblich. Beim Liegen wird es tief gelb und überzieht es sich

allmählich mit einem weißen Anfluge. Die Masse bricht eben und

großmuschelig und läßt sich in der Hand wie Wachs kneten. Die

Bruchfläche ist glanzlos, die Schnittfläche wachsartig glänzend. Der

Geruch erinnert an Talg und Bienenwachs. Mikroskopisch betrachtet

zeigt die innere Masse kleinere und größere Körnchen und Blättchen

sowie nadelförmige Kristalle. Der weiße Beschlag enthält viel

gebogene Stäbchen und breite Prismen, die zum Teil korrodiert sind.

Japantalg ist ein gemischtes Fett. Es besteht aus dem des Mesocarps

+und+ dem der Cotyledonen. Japanwachs ist unlöslich in kaltem

Alkohol, wenig löslich in Äther, löslich in Petroläther, Chloroform,

Benzin und setzt aus der heißen alkoholischen Lösung Kristalle

ab. Bei Erkalten der heißen alkoholischen Lösung scheidet sich

aber nicht alles ab (~A. Meyer~). Japantalg verseift sich leicht

mit Alkalihydraten, teilweise auch durch Borax und Sodalösung

(~Flückiger~).

Von den echten Wachsen ist Japanwachs durch seine Verseifungszahl und

dadurch unterschieden, daß es als +echtes Fett+ Glycerin liefert.

Japantalg enthält vornehmlich +Palmitin+ und +Palmitinsäure+. (Aus

Japantalg läßt sich bequem Palmitinsäure darstellen, ~C. Mayer~,

Dissert. Bern 1888.) Dann die zweibasische +Japansäure+ C₂₁H₄₀O₄

(Nonadecamethylcarbonsäure ~Schaal~) und ihre zwei niederen

Homologen C₂₀H₃₈O₄ und C₁₉H₃₆O₄ (~Schaal~) sowie sehr geringe Mengen

flüchtiger Säuren (darunter wohl Isobuttersäure ~Engelhardt~), dann

+Pelargonsäure+, eine Säure C₁₅H₃₀O₂, Spuren Stearin- und Ölsäure,

aber keine Arachinsäure (~Tassily~, ~Geitel~ und ~van Der Want~).

Die Japansäure (früher C₂₂H₄₂O₄ [~Geitel~ und ~van der Want~] oder

C₂₀H₃₈O₄ [~Eberhard~] formuliert) findet sich wahrscheinlich als ein

gemischtes Glycerid mit Palmitinsäure:

CO.O

/ \

C₁₉H₃₈ \

\ \

CO.O---C₃H₅

/

C₁₅H₃₁ CO.O /

im Fett vor (~Geitel~ und ~van der Want~). Letzteres enthält

10,3-11,2% (~Benedikt~ und ~Zsigmondy~) bzw. 11,59-14,71 (~Allen~)

+Glycerin+. Im Unverseifbaren (0,54%) findet sich +Melissylalkohol+

und +Cerylalkohol+, ein Alkohol C₁₉H₄₀O und ein Phytosterin

(~Matthes~ und ~Heintz~).

Spez. Gew. bei 17,5° 0,998 (~Kleinstück~), bei 98-99° 0,8755

(~Allen~), bei 16-18° ist die Dichte der des Wassers gleich, bei 18°

leichter, bei 16° schwerer als Wasser (~Kleinstück~). Gebleichter

Japantalg hat ein niedrigeres spez. Gew., Erstarrungspunkt 48,5-53,

Schmelzpunkt 50,4-56 (~Allen~, nach ~Oppermann~ 48-50°), meist um

53°. Frischgeschmolzener Japantalg hat einen anderen Schmelzpunkt

(42° ~Roucher~, ~H. Müller~). Das Fett des Mesocarps hat einen

anderen Schmelzpunkt wie das der Cotyledonen. Verseifungszahl

214-237,5 (~Geitel~ und ~van der Want~), bei selbstextrahiertem

206-212 (~Ahrens~). (~Dieterich~ fand 1900: Schmelzpunkt 47,5 bis

53,5° [meist um 53], Säurezahl 15,06-18,38 [1902: 13,44-17,36],

Esterzahl 198-207,9 [1904: 187,5 bis 205,8], Verseifungszahl

heiß 216,64-225,08 [1902: 212,8-223], V. kalt 211,95-225, Wasser

1,38-3,45), Jodzahl 4,2-8,5 (10,6-15,1 ~Bernheimer~ und ~Schiff~,

~Ahrens~ und ~Hett~), Hehnerzahl 89,8-90,66. Erstarrungspunkt der

Fettsäuren 53-57° (~Allen~, ~Ulzer~), Schmelzpunkt 56 bis 62°,

Unverseifbares 1,1-1,63%, freie Fettsäuren 3,87-16,4%, also sehr

schwankend, Asche 0,02-0,08%.

Japantalg ist bisweilen mit Wasser, mit dem es sich leicht emulgiert,

beschwert (15 bis 30% ~Wimmel~, ~Stohmann~) und mit Stärke verfälscht

(20-25% ~La Wall~) -- bleibt beim Auflösen in Äther zurück -- sowie

mit Rinder- und Hammeltalg. Hohe Jodzahl deutet auf beigemengtes

Perillaöl, das auch das spez. Gew. und andere Konstanten beeinflußt

(die obigen Zahlen beziehen sich auf reinen Japantalg). Verfälschung

mit Rinds- und Hammeltalg sind am niedrigen Schmelzpunkt und hoher

Jodzahl zu erkennen.

+Japantalg+ dient in Japan und Formosa als Surrogat des Talgs

und Bienenwachses zur Kerzenfabrikation, in Europa wird es viel

zu den sog. Wachszündhölzern allein oder mit Bienenwachs benutzt

(die Mischung läßt sich leicht gießen), sowie zu Glanzwichsen

(Bodenwichsen), zur Lederzurichtung und zu Ricinusölpomade. Japantalg

erscheint erst 1854, d. h. seit Abschluß des ersten Handelsvertrags

zwischen Japan und England im Londoner Handel (~Flückiger~). In China

scheint das Fett der _Rhus_arten seit dem XIII. Jahrh. in Gebrauch zu

sein. ~Kämpfer~ lernte _Rhus succedanea_ und _vernicifera_ 1690 in

Japan kennen. (Abbild. in den Amoenitates.) ~Thunberg~ beschrieb die

Pflanze in Flor. japon. 1784.

=Lit.= ~Vogl~, Über Pflanzenwachs, Lotos 1872. -- ~Hanbury~,

Science papers, p. 60. -- ~Arthur Meyer~, Über den Japantalg. Arch.

Pharm. 215 (1879), 97 (dort weitere Literatur). -- ~Möbius~, Ber.

d. bot. Ges. 1897, 435. -- ~E. Buri~, Ebenda 214 (1879) 403. --

~Flückiger~, Pharmac. Chemie. -- ~Schädler~, Fette. -- ~Wittsteins~

Vierteljahrsschrift 14, 299. -- ~Semler~, Trop. Agrikultur. --

~Mikosch~ in ~Wiesner~ Rohstoffe. II. Aufl. -- ~P. Martell~, D.

chem. Industr. Japans, Chem. Industr. 1909, 438. -- ~Sthamer~, Lieb.

Ann. 43 (1842), 335. -- ~Lewkowitsch~ a. a. O. -- ~Benedikt-Ulzer~

a. a. O. -- ~Oppermann~, Ann. chim. phys. 49, 242 (erste Unters.).

-- ~Kleinstück~ (spez. Gew.), Chem. Zeit. 1890, 1303. -- ~Rouber~

(Schmelzp.), Journ. pharm. 16 (1872) 20. -- ~Wimmel~, Zeitschr.

Österr. Apoth. Ver. 1867, 350. --~La Wall~ (Stärkefälsch.), Journ.

Soc. chem. ind. 1897, 247 (u. Am. journ. pharm. 1897). -- ~Ahrens~

und ~Hett~, Zeitschr. ang. Chem. 1901, 684. -- ~Lemarié~ (Perillaöl),

Chem. Rev. d. Fett- usw. Industr. 1904, 127. -- ~Tassilly~, La

cire du Japon. Bull. sc. pharmacol. 1911, 329. Bull. Soc. chim.

(4) 9, 608. -- ~Benedikt~ und ~Zsigmondy~, Jahrb. d. chem. Techn.

1885, 1103. -- ~Eberhardt~, Diss. Straßb. 1888. -- ~Bernheimer~ und

~Schiff~, Chem. Zeit. 25 (1901) 1008. -- ~Geitel~ und ~van der Want~,

Journ. f. prakt. Chem. 61 (1900) 151. -- ~Schaal~, Ber. d. d. chem.

Ges. 1907, 4784. -- ~Matthes~ und ~Heintz~, Arch. Pharm. 1909, 650.

4. Ölsäuregruppe.

Die Fette dieser Gruppe schließen sich am nächsten den nichttrocknenden

Ölen an, enthalten also alle Ölsäure als charakteristischen

Bestandteil, aber weniger wie jene, sind daher in unserem Klima fest.

Fructus Elaeïdis und Oleum Palmae.

=Syn.= Ölpalme, Palmier à l’huile, Palmier Avoira, Elaeis de Guinée,

Oil palm, Coco dente. In Kamerun: banga, malende, in Dahomey: dé, in

Togo: déti, bei den Yorubas: Ope-Ifa, an der Goldküste: abobo-be.

=Stammpflanze und Systemat. Stellung.= =Elaeïs guineensis= ~Jacq.~

Palmae. Ceroxylinae -- Cocoineae -- Elaeïdeae.

Man unterscheidet einige Varietäten bzw. Sorten der Ölpalme: Lisombe

oder Isombe (mit dünner Steinschale), groß- und kleinfrüchtige (wohl

identisch mit dégbakoum), Kissede (in Dahomey), De (die häufigste in

Togo), De-de bakui (mit dünner Steinschale), Se-de (liefert wenig

Öl), Afa-de (Fetischpalme), Digumbe (Angola), Banga (Kamerun),

Dé-Votchi (Dahomey), weitere bei ~Soskin~. Sie variieren z. B. in der

Größe der Frucht. Doch wird nur klude (in Togo = fadé) in Dahomey als

gute Varietät betrachtet (~Soskin~).

=Beschreibung der Stammpflanze und der Frucht.= Die Ölpalme ist

eine der schönsten Palmen, die ich kenne. Ihr schlanker, gerader,

bis mannsstarker, kaum sich nach oben verjüngender, bis 20, ja 34

(~Preuss~) m hoher Stamm trägt eine prachtvolle Blattkrone von 20-30,

meist 3-5, aber auch bis 7 m langen tiefgrünen Blättern. Er ist

anfangs nicht glatt wie bei der Cocospalme, sondern mit den, durch

abortierende Fiedern bedornten, Blattbasen bedeckt, in deren Achseln

sich zahlreiche Epiphyten anzusiedeln pflegen (Taf. XXII), wenn sie

nicht, was oft geschieht, abgeschnitten werden. Im Alter von 20

Jahren verlieren sich die Blattbasen und der Stamm wird mehr oder

weniger glatt. In Westafrika bildet sie in der Nähe der Weiler «Haine

von paradiesischem Zauber. Sie stattet die Landschaft mit einer

Pracht aus, welche die feierliche Majestät ägyptischer Palmenwälder

fast armselig erscheinen läßt» (~Schweinfurth~). «Überall herrscht

sie: im Urwalde, in der Savane, im Buschwalde, an den Ufern

des Stromes, überall zieht sie den Blick des Reisenden als der

hervorragendste, schönste Ausdruck alles afrikanischen Pflanzenlebens

auf sich» (~Soyaux~). «In der Jugend streben die zu einem mächtigen

Busche vereinigten gewaltigen Blätter in steiler Linie empor, an der

Spitze leicht sich überneigend, gleich als wären sie in einer Vase

vereinigt; man ist unschlüssig, was man mehr bewundern soll, die

strotzende Kraft tropischen Wachstums oder das ästhetisch Schöne in

der Anordnung der Glieder» (~Tschirch~). Die Tragfähigkeit beginnt

meist mit dem 7.-8. und dauert bis zum 60. Jahre. Mit 10-12 Jahren

erreicht der Baum die Vollkraft und behält sie Jahrzehnte. Jährlich

erscheinen 3-10 Fruchtstände. In Kultur kann eine Palme 50 kg Früchte

liefern, in Lagos liefert sie aber nur c. 10 kg.

Die männlichen Blütenstände der diklin-monözischen Pflanze

entspringen oben am Stamm, die weiblichen (bis 10) weiter unten. Die

Form des aufrechten, konischen, kurzgestielten weiblichen Zapfens,

der 20-30 (ja 50) kg schwer wird, erinnert an eine riesige Erdbeere,

an der bisweilen zwei Mann zu tragen haben (~Livingstone~) (Fig.

221). In ihm sind hunderte (oft 6 bis 800, ja über 2000 ~Preuss~)

von etwa pflaumengroßen, eiförmigen, glänzenden, gelben bis

rötlich-braunen, violetten oder gar schwarzen Früchten dicht gedrängt

vereinigt. Meist sind die Früchte an der Basis orange, oben braunrot.

Viermal im Jahre kann die Palme Früchte tragen. Reifezeit 4-6 Monate.

In Guinea reifen die meisten Früchte in den ersten vier Monaten des

Jahres. Die mächtigen dornartigen Zacken, in die die Deckblätter

der weiblichen Blüten auslaufen, bilden einen wirksamen Schutz,

namentlich der jungen Früchte, gegen Tiere, besonders Affen.

~Drude~ ist aus theoretischen Erwägungen der Ansicht, daß die

Ölpalme ursprünglich im tropischen Amerika heimisch war, vor

tausenden von Jahren aber nach Afrika verschlagen und dort zu einer

scheinbar einheimischen Art wurde. Jedenfalls findet sich aber die

echte Ölpalme in Südamerika jetzt nur in kultivierten Exemplaren

(~Martius~), die ihre Eltern offenbar in Afrika haben. Vielleicht

hat sich die afrikanische Art aus einer amerikanischen (der sehr

ähnlichen _E. melanococca_?) umgebildet. Jedenfalls macht jetzt

die Ölpalme ganz den Eindruck einer in Westafrika heimischen Art.

Sie meidet höhergelegene Distrikte und liebt feuchten Boden. In

Kamerun, Dahomey, Lagos, Süd-Nigeria reicht sie bis zur Küste, in

Togo bis 10 km von derselben. Jetzt ist sie besonders in den Ländern

am Busen von Guinea häufig. Die Grenzen ihrer Verbreitung sind

durch eine Linie bezeichnet, die sich mitten zwischen Cap Branco

und Cap verde beginnend bis Benguela an der ganzen Westküste von

Afrika hinzieht und die Guineainseln einschließt. Von Benguela

läuft die Grenzlinie nach dem Nyassasee, von da zum Tanganjika

und dem oberen Uëlle, von dort zum Tsadsee und zur Küste zurück

(~Ascherson~). Am üppigsten wächst sie im unteren Niger- und

Benuëgebiet, auf den Inseln des Busens von Guinea (z. B. Fernando

Po), der Küste von Ober-Guinea bis Cap Palmas zwischen Cap Blanco

und St. Paul de Loanda, sowie am Kuánsu und im unteren Congo. Sie

fehlt im ostafrikanischen Steppengebiet, in Bornu, Wadai, Darfur.

Geschlossene Bestände finden sich nirgends (~Preuss~). Sie ist die

Charakterpflanze des Buschlandes und der offenen Parklandschaft und

meidet den Urwald. Von einer eigentlichen Kultur der Ölpalme war

in Westafrika bisher nirgends die Rede (~Busse~), abgesehen von

spontan und subspontan in der Nähe von Ansiedelungen entstandenen

Hainen, doch versuchen die Europäer neuerdings auch die Anpflanzung

mit Erfolg. Die Samen säen sich selbst aus und Tiere, die das

Fruchtfleisch fressen, verbreiten sie. Die Kultur wird warm

empfohlen (~Soskin~), da sie doppelt so hohe Erträge liefert als

die Cocospalme. Die Kultur ist bei ~Soskin~ (a. a. O.) beschrieben.

Als Feind der Ölpalme kommt fast nur der Palmbohrer, _Rhynchophorus

phoenicis_ in Betracht (weitere bei ~Soskin~).

[Illustration:

Tafel XXII.

Elaeïs guineensis in Kultur auf Java. [Tschirch, phot.]]

[Illustration: Fig. 221.

Eine 5-6jähr. Ölpalme mit 10 Fruchtständen. [Aus +Soskin+, Die

Ölpalme.]]

Sie wird kultiviert in Brit. Südafrika, Ostafrika (Pemba hat einen

großen Ölpalmenhain), Südamerika (Provinz Amazonas in Brasilien) --

in Südamerika (von Bahia bis Guiana) auch verwildert -- Westindien,

Java (seit 1859), Sumatra, Rioux-Lingga, Nordborneo, Ceylon,

Vorderindien, hat sich aber in Südasien, wo Cocos dominiert,

nirgends durchgesetzt (~Tschirch~) und auch sonst nur wenig.

Die kleinere, mit roten Früchten versehene _Elaeis melanococca_

~Gärtn.~ (Corozo colorado in Venezuela, Caiaue in Brasilien), in

Amerika, von Costa Rica bis zum Amazonas und Madeira heimisch,

liefert auch etwas Palmfett, aber zunächst nur für den Bedarf der

Eingeborenen.

Die Frucht ist eine Drupa. Das ölreiche gelbe, veilchenartig

riechende Fruchtfleisch ist sehr faserig, etwa 0,5 cm dick, --

nach der Varietät wechselnd 4-5 mm (~Sadebeck~) -- der harte,

grobgestreifte, dreikantige Steinkern ist 0,5 cm dick, zeigt an der

Spitze 3 Keimlöcher und umschließt den 1-1,5 cm langen, schlanken,

endospermreichen Samen, seltener 2 oder 3 (Ovula sind 3 vorhanden,

entsprechend den 3 Carpellen, aber 2 pflegen fehlzuschlagen).

Die Dicke der Steinschale wechselt sehr nach der Varietät. Bei

der gewöhnlichen (Dé) kann der Steinkern nur mit einem Hammer

aufgeschlagen werden, bei anderen (Lisombe, Degbakoum) bricht er

wie bei Krachmandeln, bei noch anderen (Dé Votchi, Digumbe) ist die

Steinschale in ein Fasergewebe aufgelöst. Feuchter fruchtbarer Boden

soll die Ausbildung dünnschaliger Varietäten begünstigen. Das Gewicht

der Früchte schwankt von 6-10 g.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 110 / 120 段