Spez. Gew. bei 15°: 0,964-0,976 (~Dieterich~), bei 98°: 0,8577

(~Allen~), Pharm. helv.: 0,857-0,858. Frisch geschmolzenes Cacaofett

zeigt ein niedrigeres spez. Gew., das erst nach Tagen oder Wochen

wieder normal wird (~Welmans~). Erstarrungspunkt: 21,5-27,3°,

Schmelzpunkt: 26,5-36° (meist c. 33,5), Pharm. helv.: 29-32°, D.

A. V. 30-34, Ph. austr. VIII: 30-35°; frisch geschmolzenes Fett

schmilzt bedeutend niedriger (man lege über Nacht auf Eis!), mit

Äther oder Petroläther extrahiertes bei 32-34°. Säurezahl: 1-2,3

(~Dieterich~), 1,2-2,2 (Pharm. austr. VIII), 2,41 (~Welmans~), 1,1-1,95

(~Lewkowitsch~), bei ganz altem Fett 4,6. Durch das Entwässern und

Filtrieren im Dampftrichter erhöht sich der Säuregehalt zuweilen bis

auf das Doppelte. Deshalb sollte längeres Erhitzen vermieden werden

(~E. Dieterich~). (Das Fett der Samenschalen hat eine hohe Säurezahl,

bis 56 ~Filsinger~.) Verseifungszahl: 191,8-203,7 (meist unter 200, oft

193-196), Pharm. austr. VIII: 190-196, Jodzahl: 32,8-41,7 (~Strohl~),

27,9-37,5 (~Dieterich~), D. A. V: 34-38, Pharm. helv.: 33-38. (Das

Fett der Samenschalen hat eine höhere Jodzahl, 39-40 ~Filsinger~.)

Bromzahl: 23,69 (~Telle~), Reichert-Meißlzahl: 0,2-0,83, Polenskezahl:

0,33-0,38 (~Heiduschka~), Hehnerzahl: 94,59-94,9, Brechungsexponent

bei 40°: 1,4565-1,4578 (~Strohl~) (Pharm. hel. IV: 1,4565-1,4586),

Butterrefraktometer bei 40°: 46-47,8. Die freien Fettsäuren zeigen den

Erstarrungspunkt 46-51°, den Schmelzpunkt 48-52°, die Jodzahl 32,6-39,1.

~Dieterich~ fand bei Untersuchung zahlreicher Proben: Schmelzpunkt

25,5-35° (meist 32-34), Säurezahl 3,2-25,36, Jodzahl (H-W) 33,89-38,5

(meist über 35), V. Z. h 188,72 bis 203,72 (meist 195-198), V. Z.

k 187,6-196,69 (meist 194-195). ~Strube~ fand, daß bei langsamem

Erstarren größerer Blöcke der Cacaobutter Marke «Samana» sich ein

flüssiger Anteil abscheidet, der sich abweichend verhält, dessen

Schmelzpunkt c. 12°, spez. Gew. bei 17,5°: 0,906, Jodzahl 53,06-58,8

ist.

Daß Cacaofett nicht ranzig wird, ist nicht richtig (~Lewkowitsch~,

~Dieterich~), aber es wird schwierig ranzig, vielleicht weil es reich

an gemischten Glyceriden ist und der Ölsäurerest zwischen den anderen

Fettsäureresten steht, also «geschützt» ist (~Klimont~). Mit den

auf den Samen bisweilen auftretenden Schimmelpilzen und den stets

vorhandenen Saccharomyceten steht das Ranzigwerden in keiner Beziehung,

da nur geröstete Samen gepreßt werden.

Zur +Prüfung+ bestimmt man in erster Linie die Jodzahl, dann

Verseifungs- und Säurezahl sowie den Schmelzpunkt. Von den

Verfälschungen ist Rinder- und Hammeltalg am häufigsten und am

schwierigsten nachzuweisen. Bei der ~Björkland~schen Ätherprobe

scheiden sich, wenn wenigstens 5% Talg zugegen sind, beim Abkühlen

Flocken, nicht Kristallbüschel ab (~Lewkowitsch~). «Eine Lösung von 1

Teil Ol. Cacao in 2 Teilen Äther darf sich innerhalb 24 Stunden bei

Zimmertemperatur nicht trüben» (D. A. V). Zuverlässiger noch ist die

Phytosterinacetatprobe, unbrauchbar (nach ~Lewkowitsch~) ~Hagers~

+Anilinprobe+ (Dingl. Pol. Journ. 175, 324). Cacaofett wird auch häufig

mit Cocosfett oder Palmkernstearin, die unter dem irreführenden Namen

«Schokoladenfett», «Schokoladenbutter» im Handel sind (~Filsinger~),

verfälscht, die an den hohen Verseifungs- und Reichert-Meißlzahlen und

der niedrigen Jodzahl erkannt werden können. Ein Gemisch von Cocosfett

und Japantalg fand ~Posetto~ 1901 unter dem Namen «Cacaobutter S».

Die Ersatzmittel Cacaoline und Cocoline bestehen aus Cocosfett und

Palmkernstearin, denen bisweilen Japantalg zugesetzt wird (~Fendler~),

die «Pflanzenbutter», «Gemüsebutter» aus Cocosfett (~Filsinger~).

Verfälschungen mit Mandel-, Arachis-, Sesamöl (~Filsinger~) und

Haselnußöl verraten sich durch hohe Jodzahl und Erniedrigung des

Schmelz- und Erstarrungspunktes, sowie durch die bei den Ölen oben (S.

576 u. 592) angegebenen Reaktionen, Wachs und Paraffin (neuerdings

nicht mehr beobachtet) durch Erniedrigung der Verseifungszahl und

Erhöhung des Unverseifbaren. Neuerdings sind auch Verfälschungen

mit Ol. margarini, Stearinsäure und Dikafett (S. 711) beobachtet

(letzteres ist aber selten und ebenso teuer), sowie mit dem Fette der

Samenschalen, das zu 4-5% darin enthalten ist (~Filsinger~, s. oben S.

722). Auf unzulässig hohe Mengen freier Säuren (infolge Ranzidität)

läßt Pharm. helv. wie folgt prüfen. «Eine Lösung von 2 g Cacaofett in

10 ccm Chloroform und 20 ccm absolutem Alkohol soll nach Zusatz von

3 gtts Phenolphthaleïn und 1 ccm weingeistigem n/10 Kali bleibende

Rotfärbung zeigen.»

Man bewahrt das Cacaofett am besten in Stanniol eingeschlagen auf.

Cacaofett wird zu Suppositorien, Urethralstäbchen, Vaginalkugeln,

Ceraten, Pillen, Lippenpomaden, Augensalben usw. benutzt, wozu es sich

gut eignet, da es bei Körpertemperatur schmilzt.

Schon ~Homberg~ (I, S. 884) schied 1695 das Cacaofett ab, das

~Quelus~ (cit. in Hallers Bibl. bot. II [1772] 158) für Salben

und als Genußmittel empfahl. Zur Gewinnung des Öls benutzte

~Geoffroy~ (I, S. 883) außer der Presse bereits 1741 den Äther

(~Flückiger~). Er empfiehlt es als Salbengrundlage, für Lippenpomade

und bei Hämorrhoiden. Besonders die Tübinger Dissertation von

~B. D. Mauchart~ über Butyrum Cacao 1735 (I, S. 928) lenkte die

Aufmerksamkeit auf das Fett als ein «novum atque commendatissimum

medicamentum» (~Flückiger-Hanbury~). In die Apotheken ist es in

der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrh. gekommen. In der Pharmacopoea

Wirtenbergica von 1771 steht eine Vorschrift zu seiner Bereitung

in der Apotheke. Vgl. auch ~Bucholz~, Einige Vers. als Beytr.

z. Bestimm. d. best. Method. die Butter aus den Cacaobohnen

abzuscheiden. Trommsd. Journ. d. Pharm. 20, 1, 62. -- Das Wort

+Cacao+ ist den Fremdwörterbüchern bis in die erste Hälfte des

XVIII. Jahrh. noch unbekannt (~Kluge~), es ist umgebildet aus mex.

cacauatl, cacaotl, cacaua (so bei ~Hernandez~, bei ~Fernandez~:

cacaguata [I, S. 756]). -- coco (caca, cacau) = Schaum, atl = Wasser

(~v. Lippmann~, Gesch. d. Zuckers). -- Doch finde ich bereits im

Catalogus der Dresdener Hofapotheke 1683: Grana +Cacao+ (Cacahuatl),

in der Gothaer Verordnung 1694 (1, S. 828): Fructus +caccau+ und im

Catalogus Brunsvicensis 1706: nuclei +cacao+.

=Lit.= ~Lewkowitsch~ a. a. O. -- ~Specht~ und ~Gössmann~, Lieb.

Ann. 90 (1854) 126. -- ~Traub~, Zusammensetzung d. Cacaoöls. Arch.

Pharm. 1883, 19. -- ~Kingzett~, Ber. d. chem. Ges. 1877, 2243;

Journ. chem. soc. 1878, 38. -- ~Graf~, D. Bestandt. d. Cacaofettes,

Arch. Pharm. 1888, 830. -- ~Hehner~ und ~Mitchell~, Analyst. 1896,

328. -- ~Benedikt~ und ~Hazura~, Monatsh. f. Chem. 1889, 353. --

~Fritzweiler~, Arb. d. kais. Gesundheitsamt 1902, 371. -- ~Davies~

und ~M’Lellan~ (Fettgehalt der Samen), Journ. Soc. Chem. Ind. 1904,

480 (Chem. Rev. 1904, 151). -- ~Welmans~, Pharm. Zeit. 1900, 859,

Seifenfabrikant 1901, 4; Zeitschr. öffentl. Chem. 1903, 206. --

~Filsinger~, Chem. Zeit. 1890, 507 u. 716; Zeitschr. anal. Chem.

1880, 247 u. 1896, 519; Zeitschr. öffentl. Chem. 3 (1897) 34. --

~Dieterich~, Helfenb. Ann. 1889, 1897, 1900, 1902, 1903, 1904. --

~White~, Oil of Theobroma, spez. grav. under cert. condit. Pharm.

Journ. 1898, 69. -- ~Maurenbrecher~ und ~Tollens~, Ber. d. chem.

Ges. 39 (1906), 3581. -- ~Klimont~, Ber. d. chem. Ges. 1901, 2636;

Monatsh. f. Chem. 1902, 23. -- ~Heiduschka~ und ~Herb~, Pharm.

Centralh. 1908, 375. -- ~Clayton~, Chem. News 86 (1902), 51. --

~Matthes~ und ~Rohdich~, Cacaofett, bes. die unverseifbar. Bestandt.

Ber. d. chem. Ges. 1908, 19 u. 1591 und ~Rohdich~, Dissert. Jena

1908. -- ~Prochnow~, Arch. Pharm. 1910, 81. -- ~F. Müller~, Pharm.

Zeit. 1908, 57. -- ~Strube~, Zeitschr. öffentl. Chem. 1905. --

~Posetto~, Giorn. Farm. Chim. 1901, 337. -- ~Björklund~, Zeitschr.

anal. Chem. 1864, 233. -- ~Kremel~, Pharm. Post 1899, 5. -- ~van der

Wielen~, Invloed van andere vetten op de eigensch. van Cacaobutter,

Pharm. Weekbl. 1902. -- ~Maurenbrecher~ und ~Tollens~, Ber. d. chem.

Ges. 1906, 3581. -- ~Langbein~, Zeitschr. ang. Chem. 1908, 241.

Zu den festen vegetabilischen Fetten der Ölsäuregruppe gehören auch:

Chinesischer oder Stillingiatalg von _Stillingia sebifera_ ~Juss.~

Pongamöl aus den Früchten von _Pongamia glabra_ ~Vent.~

Chaulmugra- oder Gynocardiaöl von _Gynocardia Prainii_.

Carapafett, Andirobaöl von _Carapa guianensis_, _moluccensis_ u. and.

Margosaöl, Veepaöl, Veppamfett, Neemöl von _Melia azadirachta_.

Kadamsamenfett von _Hodgsonia_ (_Trichosanthes_) _Kadam_ ~Miq.~

Mahwahbutter, Illipeöl von _Bassia latifolia_.

Mowrahbutter, Bassiaöl von _Bassia longifolia_.

Champacafett von _Melia Champaca_.

Schi- oder Sheabutter, Galambutter von _Bassia_ (_Butyrospermum_)

_Parkii_, dem Ölbaume des nördlichen tropischen Afrika (Haussa,

Sudan, Nigergebiet) und hier so wichtig wie die Ölpalme in

Westafrika.

Akeeöl von _Blighia sapida_.

Makassaröl von _Schleichera trijuga_.

Sawaributter von _Caryocaria tomentosa_.

Mafuratalg von _Mafureira oleifera_.

Phulwarabutter, Fulwa- oder indische Butter von _Bassia butyracea_.

Mkányifett von _Stearodendron Stuhlmanni_.

Rambutantalg von _Nephelium lappaceum_.

Malabar- oder Pineytalg, Vateriafett, Pflanzentalg von _Vateria

indica_.

Kokumbutter von _Garcinia indica_.

Borneotalg, Tangkawangfett von _Shorea stenoptera_ und _aptera_,

_Hopea aspera_, _Isoptera borneensis_.

Myrtenwachs oder Myricawachs von _Myrica cerifera_.

IV. Feste animalische Fette.

Das +Fettgewebe+ der Tiere wird meist als ein modifiziertes Bindegewebe

angesehen und entsteht dadurch, daß in den Bindegewebszellen

Fetttröpfchen auftreten, die, sich allmählich vergrößernd, schließlich

Cytoplasma und Zellkern beiseite schieben. Andere betrachten die

Fettzellen als Zellen des Schleimgewebes. Die fettbildenden Stoffe

werden von der Zelle aufgenommen und in ihr zu Fett verarbeitet, die

daneben entstehenden Stoffe durch Lymph- und Blutserum entfernt.

Als Fettbildner dürften in erster Linie die Kohlehydrate, dann aber

auch die Eiweißsubstanzen in Betracht kommen. Bei der Arbeit im

Organismus können Fette und Kohlehydrate einander bis zu gewissem

Grade im Verhältnis ihrer Verbrennungswärmen vertreten (~Zuntz~). Auch

im intermuskulären Bindegewebe und dem Sarkoplasma treten Fette auf

(hier neben Lecithin und Cholesterin), ferner im Knorpelgewebe, in den

Knochen, in der Nervensubstanz (hier neben Myelinsubstanzen: Lecithine,

Cholesterine, Protagone), in der Blutflüssigkeit (Serum), in der

Lymphe und dem Chylus, in der Haut und ihren Anhängen und endlich auch

in Körpersekreten, wie z. B. der Milch.

Die Natur der tierischen Fette erkannte bereits ~Chevreul~, doch

ist bis heute die Untersuchung noch nicht abgeschlossen und jede

neue Arbeit bringt neue Überraschungen. Die Ansicht, daß in

tierischen Fetten auch gemischte Glyceride (s. S. 547) vorkommen,

wurde zuerst von ~J. Bell~ in «Analyse und Verfälschung der

Nahrungsmittel 1885» für die Butter ausgesprochen, in der ~Bell~

das Oleobutyropalmitin annimmt. Dies Glycerid haben dann ~Blyth~

und ~Robertson~ (Chem. Soc. London, Jan. 1889) abgeschieden und

C₃H₅(C₁₈H₃₃O₂)(C₄H₇O₂)(C₁₆H₃₁O₂) formuliert. Genau beschrieben

wurde aber zuerst von ~Heise~ (Arb. d. k. Gesundheitsamt. 1896) ein

gemischtes Glycerid (das Oleodistearin aus Mkányifett, S. 724),

welchen Befund ~Henriques~ und ~Künne~ bestätigten. Zahlreiche neue

gemischte Glyceride isolierte dann ~Hansen~ (Arch. f. Hygiene 1902)

aus Hammel- und Rindstalg (s. d.). Im Menschenfett fanden ~Partheil~

und ~Ferié~ (Arch. Pharm. 1903) Stearodiolein. ~Kreis~ und ~Hafner~

halten aber die Glyceride ~Hansens~ für Gemische. Sie isolierten 1904

aus Rinds- und Hammelfett: Palmitodistearin, aus Schweinefett ein

gemischtes Glycerid der Formel C₃H₅(C₁₇H₃₃O₂)(C₁₈H₃₅O₂)(C₁₈H₃₅O₂),

kontrollierten diese Glyceride durch die Analyse und Untersuchung

der abgeschiedenen Fettsäuren und bestätigten den Befund durch die

Synthese.

Alle tierischen Fette enthalten Cholesterin (s. S. 748). Phytosterin

tritt aus pflanzlichen Futtermitteln (z. B. Baumwollsamenpreßkuchen)

nicht in das Fett der Tiere über (~C. Virchow~), so daß der Nachweis

von Phytosterin wohl immer eine +Beimischung+ von pflanzlichem Fett zu

tierischem erweist.

=Lit.= ~Ulzer~ und ~Klimont~, Allgem. u. physiolog. Chem. d. Fette.

Berlin 1906. -- Über die Bildung des Fettes im Tier, den Übergang

von Nahrungsfett in das Fettgewebe und die Organe des Tieres, die

Beziehungen der Fettbildung zur Nahrung, das Verhalten der Fette im

Darmkanal und den Abbau der Fette im Organismus vgl. ~F. Röhmann~,

Biochemie 1908, ~Lehmann~ und ~Voit~, Fettbildung aus Kohlehydraten.

Zeitschr. f. Biologie 42 und ~Rousselet~, Chimisme intestinal d.

graisses alimentaires et leur dosage en Coprologie. Thèse Paris

1909. -- Über gemischte Glyceride und den zuerst von ~Heintz~ (1849)

und ~Duffy~ (1852) beobachteten «doppelten Schmelzpunkt» vgl. ~A.

Hafner~, Über natürl. vorkomm. u. synthet. dargest. gemischte

Fettsäureglyceride. Diss. Basel 1904 (mit ~Kreis~, siehe bei Adeps),

~Adolf Grün~, Über d. Constit. d. Fette. Habilitationsschrift

Zürich 1907 und ~Ferié~, Z. Kenntn. d. Fette. Diss. Bern 1903 u.

oben S. 547. -- Über Kristalle aus tier. Fetten: ~Zune~, Traité

génér. d’analyse des beurres 1892/93 und bei ~Hafner~. -- Über

die flüchtigen Fettsäuren vgl. ~Mougnaud~, Dosage d. acid. volat.

dans l’analyse des corps gras. Thèse Paris 1902. -- Über das

Ranzigwerden d. Fette vgl. ~E. Ritsert~, Diss. Bern 1890 (dort eine

histor. Übersicht) und ~Winckel~, Apoth. Zeit. 1905. -- ~Chevreul~

untersuchte (1823) die Fettsäuren des Menschen-, Schweine-, Jaguar-

und Gänsefettes, ~Heintz~ (Lieb. Ann. 84, 297) das Menschenfett.

1. Körperfette.

Von den Körperfetten werden jetzt in der Medizin nur noch Schweine-,

Hammel- und Rindsfett benutzt.

Die alte Medizin, schon die der Assyrer (vgl. S. 551) benutzte sehr

viel mehr. In zahlreichen Rezepten des Papyrus ~Ebers~ findet sich

Fett. ~Dioskurides~ erwähnt das Fett der Schweine, Bären, Böcke,

Schafe, Hirsche, Rinder, Panther, Löwen, Hühner, Gänse, sowie

das Knochenmark; ~Galen~ das Fett der Schweine, Ziegen, Hammel,

Kälber, Böcke, Bären, Löwen, Hähne, Hennen und Schlangen. ~Plinius~

bemerkt (XI, 85): «Gehörnte Tiere, die nur in einer Kinnlade eine

vollständige Zahnreihe und an den Füßen Knöchel haben, liefern,

wenn sie fett sind, Talg (sevum), die Zweihufer oder die, deren

Füße in Zehen gespalten sind und die keine Hörner tragen, Schmalz

(adeps).» ~Ibn Sina~ (I, S. 602) benutzte Gänse-, Hühner-, Tiger-

und Löwenfett. Auch noch in den Pharmacopoeen des XVI. bis XVIII.

Jahrh. finden sich viele tierische Fette neben _Ol. lumbricorum_ und

_Viperorum_, _Adeps Leonis_, _Canis_ usw. auch Menschenfett. (Vgl.

~Tschirch~, die Pharmacopoee, ein Spiegel ihrer Zeit 1904). Die

Chemie der selteneren Fette bei ~Benedikt-Ulzer~ und ~Lewkowitsch~

a. a. O.

Der Hindu darf keine Seife aus Tierfett benutzen, daher spielt die aus

dem Fett der _Bassia_samen (+der sog. Mowrahbutter+ s. oben S. 724)

bereitete Seife in Vorderindien eine große Rolle.

Adeps suillus.

Axungia porci; Schweinefett, Schweineschmalz; graisse de porc, axonge

de porc, adipe, saindoux; lard, hogslard; strutto. Unter «Adeps»

schlechthin wird jetzt immer _Adeps suillus_ verstanden.

=Etym.= Fett, von ~Luther~ aus dem ndd. für Feißt in die

Schriftsprache eingeführte Nebenform; nnd. Fett aus asächs. fêtid,

ahd. feizzit = feißt. -- Schmalz von aldn. smjor, ahd. smëro, mhd.

smalz. -- Der alte Ausdruck für Fett: «Schmutz» ist in der Schweiz

im Dialekt noch jetzt üblich. Im ganzen alamanischen Sprachgebiet:

smuz = Schmiere, Fett (von smut = schmieren). -- Adeps schon bei

~Plinius~. -- Bei ~Dioskurides~: στέαρ ὔειον -- (daraus ist Stearin

gebildet). Bei ~Ibn Baithar~ heißt Fett schahm.

=Gewinnung.= Schweinefett wird aus dem Zellgewebe, besonders des

Netzes und der Nierenhülle des Schweines, =Sus Scrofa var. domesticus

L.=, ausgeschmolzen. Das Schmerfett ist oft in dicken Schichten in

der Bauchhöhle, in der Nähe der Rippen und Nieren abgelagert. Das im

Speck, d. h. in den äußeren Partien unter der Haut an Bauch und Rücken

abgelagerte Fett ist reicher an flüssigen Fettsäuren, daher weicher.

Der Speck eignet sich daher weniger zur Schmalzfabrikation und wird als

solcher verwendet. Man unterscheidet: Eingeweidefett (Gekrösefett),

Netzfett (Liesen, Flohmen, Schmer, Filz) und Nierenfett. Pharm. helvet.

IV verlangt, daß +nur+ das aus zerriebenem und gewaschenem, frischem,

ungesalzenem Zellgewebe des Netzes und der Nierenhülle des +gesunden+

Schweines im Dampfbade gewonnene Fett benutzt wird, schließt also den

Speck des Unterhautbindegewebes aus. D. A. V verlangt außerdem, daß

das Fett vom Wasser befreit werde und Ph. austr. VIII schreibt vor,

daß dies mittelst wasserfreiem Natriumsulfat geschehen und das Fett

durch Baumwolle filtriert werden solle. Alle drei Pharmacopoeen denken

wohl an eine Darstellung in der Apotheke, verwerfen jedenfalls alles

Fett, dessen genaue Provenienz unbekannt ist. Die Schmalzfabrikation

wird im größten Stil in Nordamerika betrieben, so daß der größte

Teil des Handelsfettes daher stammt, in Deutschland wird es nur

vereinzelt im Großbetriebe gewonnen, viel im Kleinen. Größere Mengen

liefert Ungarn und Rumänien, kleinere Serbien, Dänemark und Holland.

Das Ausschmelzen der zuvor wiederholt gewaschenen und zerkleinerten

Körperteile geschieht entweder über direktem Feuer oder im Dampfbade

oder mit gespanntem resp. überhitztem Dampf von 110-115°. Die

von dem ausgeschmolzenen Fett getrennten «Grieben» werden dann

zwischen erwärmten Platten gepreßt und liefern ein zweites Fett,

das mit dem ersten nicht vermischt wird. Der Rückstand geht in die

Blutlaugensalzfabrikation. Das abgeschiedene Fett wird bei schlechteren

Sorten bisweilen mittelst Schwefelsäure «geläutert».

Schon ~Dioskurides~ beschreibt (II, 87) die Darstellung des

Schweinefettes durch Auskochen der gewaschenen Fettteile mit Wasser

über freiem Feuer, Durchseihen, wiederholtes Umschmelzen nach

Entfernung des sich am Boden Absetzenden.

In Nordamerika (Missouri, Ohio, Cincinnati) wird Schweinefett aus

allen fetten Teilen des Schweines in den großen Packing houses

dargestellt. Man unterscheidet von dem im Handel dominierenden

amerikanischen Fett:

1. +Neutral Lard I+, Netz- und Gekrösefett (Leafs) durch Ausschmelzen

frisch geschlachteter Tiere im Wasserbade bei 40-50°, weiß, beste

Marke.

2. +Neutral Lard II+, Rückenfett, wie 1 dargestellt.

3. +Neutral Lard Imitation+ aus Speck von 1 gewonnen, öliger wie

dieses.

4. +Leaf Lard+, durch Ausschmelzen der Rückstände von 1 mit direktem

Dampf unter Druck im Autoklaven.

5. +Choice Lard+ (Choice kettle rendered lard) aus den Liesen von

1 und 2 durch Ausschmelzen in offenen, mit Dampfmantel versehenen

Kesseln.

6. +Prime steam Lard+ (western steam lard) aus den Rückständen der

Neutral-Lardfabrikation und aus nicht sonst verwerteten selten Teilen

durch direkte Einwirkung von Dampf von 2½-2¾ Atmosphären oder durch

direkten Dampf in offenen Gefäßen ausgeschmolzen. Gelblich oder grau,

Röstgeschmack. Wird bisweilen in Amerika und Deutschland raffiniert,

z. B. durch Kochen mit Wasser.

7. +Pure Lard+, mit Fullererde gebleichtes und gekühltes prime steam

lard, weiß, fest, speckartig.

Durch Pressen des Fettes in hydraulischen Pressen kann Schweinefett

in +Schmalzöl+ (Specköl, lard oil, huile de graisse, Ol.

Adipis) und +Solarstearin+ (Lard stearine) geschieden werden

(Demargarinierungsprozeß).

=Handel.= Die Vereinigten Staaten exportierten 1908: 603413770,

1909: 328722933 pounds Lard und 1908: 75183210, 1909: 75183196

pounds Lard Compounds and Substitutes for (Cottolene, Lardine usw.).

Die Einfuhren von Schweinefett von Amerika nach Deutschland haben

abgenommen. Sie betrugen 1907: 101,3, 1908: 104,6, 1909: 89 Mill. kg

(~Gehe & Co.~).

=Chemie.= ~Scheele~ entdeckte 1783 im Schweinefett das Glycerin

(«Ölsüß») und ~Chevreul~ zerlegte es in zwei durch ihren Schmelzpunkt

unterschiedene Substanzen, die beide verseifbar waren und aus denen

er einerseits die acide margarique, die von ~Heintz~ und ~Berthelot~

als Palmitin-Stearinsäure erkannt wurde, andererseits die acide

oleique abschied.

Das Schweinefett enthält +Palmitinsäure+, +Stearinsäure+ und

+Ölsäure+, wahrscheinlich in Form gemischter Glyceride, amerikanisches

Schweinefett auch Triolein. Daneben findet sich +Linolsäure+

(~Fahrion~, ~Wallenstein~ und ~Finck~, ~Farnsteiner~, ~Bömer~)

und vielleicht auch +Linolensäure+. ~Twitschell~ gibt an: 10,06%

Linolsäure, 49,39% Ölsäure und 40,55% feste Fettsäuren. ~Partheil~

und ~Ferié~ fanden große Mengen +Myristinsäure+ und +Laurinsäure+

und geben folgende, aber bei den Fetten verschiedener Provenienz

(Rasse, Körperstelle, Fütterung, Klima usw.) jedenfalls wechselnde

Mengen (im Mittel in %) an: Stearinsäure 8,4, Palmitinsäure 4,48,

Myristinsäure 14,35, Laurinsäure 11,68, ungesättigte Säuren 54,05,

davon stärker ungesättigt 10,03. ~Kreis~ und ~Hafner~ erhielten

das gemischte Glycerid Heptadecyldistearin (Daturadistearin?)

C₃H₅(O.C₁₇H₃₃O)(O.C₁₈H₃₅O)₂ F = 66,2°.

Zwischen amerikanischen und europäischen Schweinefetten bestehen

weitgehende Unterschiede, ebenso zwischen dem Fett des Kopfes,

Rückens, Fußes, Schinkens, sowie des Herzens, der Niere, des Flomen

und Netzes. So schwankt z. B. das spez. Gew. bei 100° zwischen 0,8588

und 0,8700, der Schmelzpunkt zwischen 26 und 45°, die Jodzahl zwischen

52,6 und 68,8. Kopffett hat eine besonders hohe Jodzahl (bis 85,03).

Die Jodzahl (d. h. der Gehalt an Ölsäure und Linolsäure) ist auch von

der Fütterungsart abhängig. Kranke und sehr fette, d. h. gemästete

Schweine, produzieren ein an flüssigen Fettsäuren reicheres Fett. Das

härteste Fett wird im Januar und Februar erhalten. Das Unverseifbare

beträgt im Mittel 0,35% (~Lewkowitsch~). Der Wassergehalt ist

gering, meist unter 1%. Stickstoffsubstanzen 0,26% (~König~). Frisch

ausgeschmolzenes Fett ist fast neutral. Es enthält nur 0,09-1% freie

Fettsäuren. Reines Fett erstarrt feinkristallinisch. Die Kristalle,

die man aus Äther erhält, sind einzelne oder büschelförmig vereinigte

oblonge Platten mit abgeschrägten Enden, die für gewöhnlich keine

Krümmungen zeigen (~Belfield~) -- Unterschied von Rindstalg (s. d.).

Spez. Gew. bei 15°: 0,931-0,940, bei 98°: 0,860-0,862 (Pharm.

helv. IV); Schmelzpunkt: 26-31° (~König~) bis 37,5° (~Thörner~),

36-45° (~Dieterich~); 36 bis 40° (Ph. helv. IV); Erstarrungspunkt:

26-32°; Brechungsindex bei 60°: 1,4539; Hehnerzahl: 95,1-96,15;

Reichert-Meißlzahl: 0,3-0,6; Verseifungszahl: 193-200 (Pharm. austr.

VIII: 194-197); Jodzahl: 46-64 (selten sogar 70 oder gar 85);

Pharm. helv.: 56-62, D. A. V: 46-66; Pharm. austr. VIII: 48-60;

Brechungsexponent bei 40°: 1,4606, bei 60°: 1,4539 (Pharm. helv. IV bei

40°: 1,4586 bis 1,4606). Die Fettsäuren zeigen den Erstarrungspunkt

34-40°, Schmelzpunkt 35-47°, Jodzahl 64,2 (Jodzahl der flüssigen

Fettsäuren: 92-106). Schweinefett löst sich geschmolzen in Petroläther,

Chloroform, Äther, Benzol, Amylalkohol.

~Dieterich~ fand (Methode in Helfenb. Ann. 1897) bei

+selbstausgelassenem+ Schweinefett Schmelzp.: 37-47°; S. Z.:

0,240-1,120; J. Z. n. H-W: 46,48-55,49; V. Z. k.: 195,32 bis 198,83;

V. Z. h.: 192,54-199,16.

Die Verbrennungswärme von Schweinefett ist bei konst. Vol. 9469

g-cal. Es ist also ein vorzügliches Nahrungsmittel.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 112 / 120 段