«Die Cocosölgewinnung sah ich in den großen Hultsdorf Mills in

Colombo. Die von den Natives gesammelte Copra wird in Kähnen

auf Kanälen, die bis zur Mill führen, oder Ochsenkarren in die

Mill gebracht. Nach dem Ausschütten werden die Coprahaufen in

die Coirsäcke der Mill gefüllt, und, wenn feucht, auf den großen

Zement-Barbacues nachgetrocknet, dann wandert die Copra in

die Ölmühle. Hier wird sie in der Grobmühle, die aus einem in

einem Zylinder laufenden Rade mit ⅜ Zoll großen Zähnen besteht,

zunächst grob zerkleinert und durch geeignet angebrachte Öffnungen

gleichzeitig gesiebt. Das grobe Pulver wandert nun in die erste

Presse. Diese ist wie alle anderen eine hydraulische. Man bringt

c. 15 Lagen des groben Pulvers abwechselnd mit Stahlplatten

und Korbgeflecht in die großen zylindrischen, an der Außenwand

durchlöcherten Preßgefäße und läßt die Presse von unten nach oben

gehen. Sobald die Platten anziehen strömt ein finger- bis armdicker

Strahl in die darunter verlaufenden Rinnen und von dort in die

Sammelgefäße (Tanks) in der tieferen Etage. Das ausfließende Öl

dieser ersten Pressung ist das beste. Nun werden die Preßkuchen in

Schneidemaschinen zerkleinert, im Vorwärmer durch Dampf vorgewärmt

und in Cylindersieben gesiebt; das feinste Pulver geht nun in die

zweite Presse, das noch nicht genügend zerkleinerte wird weiter

zerkleinert und zwar je nach der Größe entweder durch platte,

aufeinander ruhende Hartwalzen -- die feineren Partien -- oder

zwischen großen Walzen, welche die gröberen, etwa erbsengroßen

Stücke flach pressen, letztere werden alsdann in Kollergängen unter

großen, runden Graniträdern vollends zertrümmert. Das so gewonnene

grobe Pulver wird nun vorgewärmt, das gröbste geht in die erste, das

feinere in die zweite Presse (Finishpresse). Die fertigen Preßkuchen

werden schließlich in den Shaping-presses mit leichtem Druck in

Formen gepreßt und gehen alsdann in die Schlußpressen, wo sie unter

stärkstem Drucke ihre definitive Form erhalten. Diese außerordentlich

stickstoffreichen «Cocosnußpreßkuchen» werden sowohl als Futtermittel

als auch namentlich zum Düngen viel verwendet. Das Cocosöl, besonders

das der zweiten und späteren Pressungen wird durch Beutel aus dichtem

Baumwollengewebe filtriert. Das beste ist nahezu farblos und besitzt,

wenn die Copra möglichst frisch zur Presse kam, auch kaum einen

Geruch. Die späteren, besonders die warmen Pressungen sind gelblich

und besitzen einen mehr oder weniger starken, unangenehm süßlichen

Geruch» (~Tschirch~, Ind. Heil- u. Nutzpfl.).

Cocosfett wird bisweilen in Europa durch Pressen in Olein

oder Cocosöl (zur Seifenfabrikation) und Cocosstearin zur

Kerzenfabrikation getrennt. Der Handel unterscheidet drei Sorten:

+Cochinöl+, die beste, von der Malabarküste, von sorgfältig

kultivierten Pflanzen, enthält weniger freie Fettsäuren als das

+Ceylonöl+. Das geringste Öl ist das an freien Fettsäuren reiche

+Copraöl+, das aus der in der Sonne oder in Öfen getrockneten

Copra gepreßt wird, die in großen Mengen von Ceylon, Java, den

Karolinen, Marianen, den Palau- und Marschallinseln, Samoa u. and.

exportiert wird. Da «Cochinöl» Qualitätsbezeichnung ist, so kennt

der Handel auch australisches Cochinöl und Mauritius-Cochinöl. Das

aus dem frischen Endosperm kalt gepreßte Öl (Klapperöl) ist nicht

Handelsprodukt. Es wird in Indien als Speisefett verbraucht. Von den

Cocospreßkuchen unterscheidet der Handel drei Sorten: weiß, halbweiß

und ordinär, sowie graues Cocosmehl, das den Rückstand der Extraktion

mit Schwefelkohlenstoff darstellt.

Bei der Darstellung der +Desiccated coprah+ schält der Arbeiter

erst die Faserschicht ab, sprengt mit einem geschickten Schlage die

Steinschale von dem Endosperm ab und schält mit einem eigenartigen

Hobel (abgebildet im Tropenpflanzer 1909, 459) die braune Samenhaut

ab. Der schneeweiße Hohlkern wird dann in Maschinen geraspelt und in

Trockenöfen getrocknet.

Die +Coirfaser+ (in Java mumbang, rambok oder sabut) wird ähnlich

wie Flachs behandelt. Man bringt die Faserschicht der Frucht

(Husk) einige Monate in stehendes Wasser (Röste), wäscht und

klopft («bricht») die getrockneten Fasern mit hölzernen Hämmern.

Dadurch wird das Grundgewebe und oft auch der Siebteil der Bündel

zertrümmert, so daß die Coirfaser des Handels, die 20-30 cm lang

ist und vorwiegend aus den braungefärbten Bastbelegen besteht, hohl

ist (Abbild. bei ~Wiesner~ vgl. auch S. 256) und daher auf Wasser

schwimmt. Einzelne Bastbündel führen keine Gefäßbündelelemente.

Neuerdings erfolgt die Herstellung der Coirfaser in Fabriken in

Röstgruben, mit Rollmühlen und Hechelmaschinen. Diese Faser wird auch

mit SO₂ gebleicht. In Ceylon unterscheidet man Rope, Yarn und Fibre.

13-15 Nüsse liefern 1 kg Coir. Coir wird in Brit. Indien, Ceylon,

Südamerika, Sansibar und neuerdings auch, in Dar-es-Salam produziert,

jetzt aber auch in europäischen und amerikanischen Fabriken aus dem

Mesocarp (Roya) der importierten Früchte dargestellt.

Die vorwiegend aus Sklereïden bestehende +Steinschale+ wird,

nachdem die Copra und die Faserschicht entfernt wurde, für Gefäße

und Drechslerarbeiten benutzt. Ich habe aus Java aus Cocosschalen

gefertigte Löffel, Schalen und Becher mitgebracht.

Aus den Blütenständen wird durch Anzapfen ein zuckerreicher Saft

(jagra, jaggery) und Zucker gewonnen, der gegoren +Palmwein+ (toddy,

in Indien çura) liefert (Beschreibung I, S. 1018). Durch Destillation

gewinnt man aus letzterem +Arrac+ (100 l Toddy liefern 25 l Arrac),

durch Sauerwerden +Essig+.

Die Benutzung der jungen Blattknospen als +Palmkohl+ sah ich

nirgends. Da der Baum durch Ausschneiden der Gipfelknospe zugrunde

geht, ist seine Gewinnung auch zu widerraten.

=Lit.= Siehe oben S. 703 und ~Tschirch~ a. a. O. Ferner ~Ferguson~,

All about the coconut-palm. Colombo. -- Tropenpflanzer 1898, 1899,

1900, 1909. -- ~Massignon~, Fabricat. du beurre de Coco comestible

aux colonies. Bull. Jard. col. Paris 1901 (1) 266. -- ~Preuss~,

Kulturpfl. auf Samoa. Tropenpfl. Beiheft 3, 1907. -- ~van Eeden~,

Plantaardige Vezelstoffen. Kol. Mus. Haarlem. -- Cocosölindustrie,

Lahore Trib. Oil, Paint and Drug Rep. (Chem. Rev. 1906, 114).

=Handel.= Die Copra wird entweder in Säcken versandt oder ohne

Verpackung einfach in den Schiffsraum geschüttet. Ceylon kann

jährlich c. 800 Mill. bis 1 Milliarde Cocosnüsse erzeugen und

exportiert bis 17 Mill. Ceylon exportierte 1894: 8747000 Stück

frische und 42700 cwt. trockene Nüsse, ferner Coir 176600, Copra

45800, Cocosöl 449600, Cocosnußkuchen (Poonac) 190000 cwt, sowie

98000 Gall. Arrac. Ceylon exportierte 1910: 616377 cwt Coconutoil,

766906 cwt Copra und 16114088 Stück Cocoanut, 27201074 lbs Desiccated

coconut (Raspelcopra). 309589 cwt Poonac, 108775 cwt Coir yarn und

174410 cwt Coir fibre. Brit. Indien exportierte 1908/09: 595725

Cocoanut, 395126 cwt Cocoanut kernel or copra und 2845404 gals.

Cocoanutoil.

+Java+ exportierte 1905: 108360755, 1906: 54337508 kg Copra, 1905:

63600, 1906: 5864 l Klapperolie. +Niederl. Indien+ exportierte

Copra 1908: 229491 t. Haupthandelsplätze sind London, Marseille,

Rotterdam und Amsterdam. Copra ist wie Pfeffer Spekulationsartikel.

Man unterscheidet die Sorten: Fair merchantable sundried (fins),

Mixed, Telquel. Die Südseeinseln pressen kein Öl, sondern

verschiffen die Copra. Für die Südseeinseln sind die Cocosprodukte

der wichtigste Exportartikel. Die +Copraausfuhr+ betrug 1908 in kg

Bismarck-Archipel: 5586672, Kaiser Wilhelmsland: 698507, Samoa:

10240000, Westkarolienen, Palauas, Marianen: 714789, Ostkarolienen:

431739, Marschallinseln: 3560899. Deutsch-Ostafrika (1909): 3026795.

-- 1910 exportierte Java: 100564, Makassar: 30880, Menado, Sangir

usw.: 27298, Padang: 10479, Straits settlements: 103006, Manila:

118200 t. Die Gesamtausfuhr von Copra aus allen Ländern beträgt jetzt

mehr als 500000 t, von Cocosöl c. 70000 t. Das meiste verbraucht

Frankreich.

Der Mittelpunkt des südamerikanischen Cocoshandels ist Para. Es

exportiert jährlich 7-8 Mill. Nüsse.

+Deutschland+ deckt ⅓ seines Bedarfes an Copra aus seinen Kolonien.

Deutschland importierte 1909: 1121593 dz +Copra+ vorwiegend

aus Niederl. und Brit. Indien, sowie aus Ceylon, weniger aus

Brit. Malacca, Samoa, den Philippinen und Australien und 90490

dz +Cocosöl+ besonders aus Ceylon und Brit. Indien. +Hamburg+

importierte 1908 seewärts 942110 dz +Copra+, davon 444323 aus Nied.

Ostindien, 228337 aus Brit. Ostindien, 65787 aus Australien, 42986

von den Philippinen, 39135 aus Samoa, 25279 aus Singapore, 22525

aus dem Bismarckarchipel, 17395 von Neu Guinea, 16357 von den

Marschallinseln, 14316 von den Fidschi- und Freundschaftsinseln,

mehr wie 1000 dz von den Carolienen, Trinidat, Deutsch-Ostafrika,

den Gesellschaftsinseln, Kuba, den Verein. Staaten, weniger als 1000

von Westafrika, Togo, St. Domingo, den Palauinseln, Venezuela, China

usw. Ferner 91656 dz +Cocosnußöl+, davon 46744 aus Brit. Ostindien.

Die Einfuhr von Cocoanut oil nach London betrug 1906: 1056, 1907:

1909, 1908: 3007, 1909: 1270 t. Frankreich importierte 1908 +Copra+

(und Amandes de Coco) 1693579 Quint., davon besonders viel von den

Philippinen, Holländ. und Engl. Indien, sowie von Indochina und Engl.

Ostafrika, weniger von den Ozeanischen Inseln u. and. tropischen

Gegenden. Die Vereinigten Staaten importierten (vorwiegend aus dem

mittelamerikanischen Drogenreich) 1909: 52302999 pounds Cocoanutoil.

=Chemie.= Das +frische Endosperm+ (Cocosfleisch) enthält in

Prozenten: Wasser 46,64, eiweißartige Stoffe 5,49, Fett 35,93,

stickstofffreie Extraktstoffe 8,06, Faser 2,91, Asche 0,97. Die

getrocknete Copra enthält meist 64-68 bis 67,85% (~Nallino~),

ja 71,5% (~Bizio~) Fett, gewonnen werden daraus 54-61%. Daneben

9-10% Stickstoffsubstanz, 14-26% stickstofffreie Extraktstoffe,

1,5-2,7% Asche (~Bachofen~). In der Copra sind nachgewiesen: 46%

Wasser, Zucker (Saccharose 4-5% ~Bourquelot~), Amide, Cholin,

Lecithin, das Globulin Edestin (~Osborne~ und ~Campbell~),

Conglutin (~Ritthausen~), Albumin, Albumosen und ein Nucleoproteid

zusammen 4,63% Eiweiß, 3,39% Faser. Alkaloide und Glukoside fehlen

(~van Itallie~). Die Zellwände enthalten ein Galakto-Mannan

bzw. Galakto-Araban. Die +Copra+ enthält 66,25 (Manila) bis 70%

(Cochinchina) Öl, Ceylon und Sansibarcopra stehen in der Mitte

(68-69% ~Lahache~). Im Großen werden 50-60% gewonnen. Luftgetrocknete

Nüsse liefern c. 50%, in Trockenapparaten getrocknete c. 60% Fett.

=Oleum Cocos= (nicht Cocois), =Cososfett= (Cocosbutter, Cocosnußöl,

Coprafett, huile de coco, beurre de coco, Cocoanut oil, burro di

cocco, cocosvet, κοκέλαιον) ist im gemäßigten Klima fest, in Indien

flüssig, was schon daraus hervorgeht, daß es z. B. in Java als Lampenöl

benutzt wird. Es hat frisch einen angenehmen Geruch und Geschmack,

wird aber leicht schon in der Copra ranzig, riecht dann widerlich und

schmeckt kratzend. Ein solches Öl enthält dann bis 25% freie Fettsäuren

(~Lewkowitsch~). Die Regel bildet 2-10% freie Säuren, ~Crossley~ und

~le Sueur~ fanden 5-17,7% (auf Ölsäure berechnet), ~Salkowsky~ 2,96%,

~Pastorovich~ und ~Reijst~ 4,75%. Das +gereinigte+ Cocosfett enthält

keine freien Fettsäuren und steht bezüglich seiner Haltbarkeit anderen

Pflanzenfetten nicht nach (~Herbert~ und ~Walker~). Die Abspaltung der

freien Säuren und die Erscheinungen der Ranzidität treten schon in der

Copra vor dem Pressen infolge der Einwirkung von Pilzen (_Aspergillus_)

und Enzymen ein und ein so in der Copra schon zersetztes Öl unterliegt

stärkerem Ranzigwerden, als ursprünglich unzersetztes, frisch und rasch

gepreßtes.

+Cocosfett+ zeigt eine von den anderen Fetten stark abweichende

Zusammensetzung (nur Palmkernöl hat eine ähnliche Zusammensetzung).

Es enthält +Trimyristin+ (beträchtliche Mengen, ~Ulzer~), +Trilaurin+

(relativ viel), +Tripalmitin+ und +Tristearin+ (1%) und +Trioleïn+,

sowie die Glyceride der flüchtigen Fettsäuren: +Capronsäure+,

+Caprylsäure+ und +Caprinsäure+, aber keine Buttersäure (~Reijst~) und

kaum hydroxylierte Säuren. Die Alkoholyse (~Haller~ und ~Youssoufian~)

ergab als Hauptbestandteile Laurin (früher Pichuritalgsäure genannt)

und Myristin, dann Palmitin, Stearin, Olein, Capron-, Capryl- und

Caprinsäure. ~Paulmayer~ gibt 1907 40% Laurinsäure, 24% Myristinsäure,

10,6% Palmitinsäure, 5,4% Ölsäure, 19,5% Caprinsäure, 0,5% Capron-

und Caprylsäure an (keine Stearinsäure!). Die Palmitinsäure wird von

~Ulzer~ bestritten. Die Cocinsäure (~Brandes~, ~Bromeis~) ist ein

Gemenge von Laurin- und Palmitinsäure, auch die Cocosstearinsäure ist

zu streichen. Die von ~Flückiger~ (1894) bestrittene Ölsäure wurde

bestimmt von ~Ulzer~ und ~Reijst~ nachgewiesen. Im +gereinigten+

Cocosöl (Palmin) fand ~Ulzer~ 2,32% Glyceride flüchtiger Fettsäuren

(Capron- und Caprylsäure) und c. 10,45% Trioleïn, der Rest der

Hauptmasse bestand aus Trilaurin und Trimyristin- und etwas

Caprinsäureglycerid. Die Menge der flüchtigen Fettsäuren beträgt c. 2%

(~Ulzer~, ~Farnsteiner~).

Cocosfett ist bei 60° schon in 2 Teilen Alkohol von 90% löslich,

besitzt also eine verhältnismäßig große Löslichkeit in Alkohol. Das

+spez. Gew.+ ist ungewöhnlich hoch, es beträgt bei 15,5°: 0,9259, bei

18°: 0,9250, bei 35°: 0,9124, bei 100°: 0,870 (0,863, bei Bengalöl:

0,9040), der +Erstarrungspunkt+ liegt bei 14-25,5° (meist 16-20,5°),

der +Schmelzpunkt+ bei 20-28° (meist 23-25°), die +Verseifungszahl+ ist

ungewöhnlich hoch: 250-268 (gewaschen: 246,2), die Jodzahl ist sehr

niedrig: 7,68-10 (meist 8-9), +Hehnerzahl+: 82,4-92,2, +Reichertzahl+:

3,5 bis 3,7, +Reichert-Meißlzahl+: 6,5-8,5. +Acetylzahl+: 9,5,

+Brechungsexponent+ bei 40°: 1,4497, bei 60°: 1,441. Die freien

Fettsäuren zeigen bei 98° ein spez. Gew. 0,8354, Erstarrungspunkt

15,7-20°, Schmelzpunkt 24-27°, Neutralisationszahl 258 mg KOH,

mittleres Molekulargewicht 196-211, Jodzahl 8,39 bis 9,3, Jodzahl der

flüssigen Fettsäuren 31,9-36,3. Das Cocosnußolein zeigt bei 60° ein

spez. Gew. 0,9293, die Verseifungszahl 265,35 (253,63), Jodzahl 14,8

(4), Reichert-Meißlzahl 7,95 (4,45). Die Zahlen in Klammern beziehen

sich auf Cocosnußstearin.

Das Verfahren von ~Polenske~ zur Bestimmung des Cocosfettes in der

Butter beruht auf der Bestimmung der Reichert-Meißl-Zahl, auf der

Bestimmung der «Neuen Butterzahl» (nBZ, +Polenskezahl+), d. h.

derjenigen Menge ungelöster flüchtiger Fettsäuren, die bei der

Reichert-Meißl-Zahl-Bestimmung in das Destillat mit übergehen und

sich im Kühlrohr und in der Vorlage vorfinden sowie auf Feststellung

des Aggregatzustandes desjenigen Anteils der ungelösten flüssigen

Fettsäuren bei 15°, die sich während der Destillation auf der

Oberfläche des Destillates ansammeln.

Das Unverseifbare (c. 1,5%) enthält zwei Phytosterine (das eine =

C₃₃H₅₆O₂ F. 135-140° ~Matthes~ und ~Ackermann~). Ein fettspaltendes

Enzym fehlt dem Öl (~Walker~). Dagegen findet sich im +keimenden

Samen+ eine Lipase, im Saugorgan des Keimlings neben Lipase ein

proteolytisches Enzym, Amylase, Katalase und eine Peroxydase (~de

Kruyff~). Das Fett enthält auch einen +Farbstoff+, der durch

Knochenkohle oder Walkererde entfernt werden kann und ein +Alkaloid+

(von ~van Itallie~ bestritten), das den bitteren Geschmack bedingen

soll. Der unangenehme Geruch der rohen Cocosbutter rührt nach ~Haller~

und ~Lassieur~ von +Methylnonylketon+, +Methylheptylketon+ und Spuren

eines optisch aktiven Ketons her, die auch im Rautenöl vorkommen.

Doch ist auch der Capron-, Caprin- und Caprylsäure kein angenehmer

Geruch eigen. Unter dem Mikroskop zeigt Cocosfett ein Haufwerk langer

Nadeln. Cocosfett läßt sich mit verdünnten Laugen nur schwer verseifen,

leicht, schon in der Kälte, mit starken. Die Seifen sind nur mit großem

Kochsalzüberschuß auszusalzen. Sie sind fest und hart.

Die +Coprapreßkuchen+ enthalten in Prozenten: Wasser 6,72-13,84 (20),

Stickstoffsubstanz 16,25-20,94 (30), Fett 7,52-22,6, stickstofffreie

Substanz 28,9-46,7, Faser 9,73 bis 15,39, Asche 5,39-6,7 (9) (~Gebek~

und in ~Collin-Perrot~, Res. ind.).

Die +Cocosmilch+ ist niemals milchig, sondern nur trübe. Besser

ist daher die Bezeichnung Klapperwasser (mal. ajer kalapa). Das

Gewicht der Milch der unreifen Frucht variiert zwischen 230 und 383

g. Die der reifen wiegt nicht viel über 100 g (~van Slyke~). Die

+Cocosmilch+ enthält in der unreifen Frucht bis 4,58% Glukose, in

der reifen 4-5, bisweilen sogar 9-13% Saccharose (~van Slyke~) und

Cocosit (~H. Müller~) -- keine Lävulose (~van Itallie~) -- etwas

Eiweiß (0,1-0,8%), Fett (bis 0,14%), ein Zucker bildendes Enzym,

Oxydase und Katalase (~de Kruyff~) und Salze 0,6%, das Extrakt

beträgt 5,7-7,7% (~Behre~). Das spez. Gew. der Cocosmilch beträgt

1,0442 (1,022 ~van Itallie~).

Die +Steinschale+ enthält in Prozenten: Wasser 7,36, Asche 0,54,

Alkoholextrakt 1,12, Kohlehydrate (auf Stärke berechnet) 20,88,

Rohfaser 56,19, Stickstoff 0,18, Gerbstoff 1,82 (~Wilson~). In der

+Steinschale+ findet sich Xylan (~Tromp de Haas~ u. ~Tollens~). Ihre

Asche enthält 45% K₂O.

Die +Blüten+ enthalten einen Inosit (Cocosit ~H. Müller~). Im

Cocosgummi finden sich 70-90% Bassorin. +Der Saft des Stammes+

enthält 3-6% Rohrzucker (~Bourquelot~).

=Lit.= Ältere Analysen von ~Pelouze et Boudet~, ~Brandes~ (1838),

~Bromeis~, ~St. Evre~, ~Görgey~. -- ~van Itallie~, Over Kokosnoten,

Ned. Tijdschr. 1890. -- ~H. Müller~, Proc. Chem. Soc. 1907, 219. --

~Bourquelot~, Journ. pharm. 1904, 193. Compt. rend. 133, 690. --

~Bachofen~ (Aschenanalysen aller Teile der Frucht). Chem. Zeit. 1900,

16. -- ~van Slyke~, Amer. Chem. Journ. 1891, 130. -- ~Behre~, Pharm.

Centralh. 1906, 1045. -- ~de Kruyff~, Bull. Dep. Agr. Ind. neerl.

1907. -- ~Osborne~ und ~Campbell~, Journ. amer. chem. Soc. 1896, 609.

-- ~Ritthausen~, Pflüg. Arch. 1880, 81. -- ~Gebek~ (Preßkuchen),

Landw. Versuchsstat. 1894, 427. -- ~Wilson~, Connectic. Agric. exper.

stat. in Am. journ. sc. 1901.

Öl: ~Lewkowitsch~ a. a. O. -- ~Rivals~, Les corps gras ind. 1908,

258.-- ~Benedikt-Ulzer~ a. a. O. (dort weitere Lit.). -- ~Paulmayer~,

Savonnerie marseillaise 1907. -- ~Crossley~ und ~Le Sueur~, Journ.

Soc. chem. Ind. 1898, 991. -- ~Ulzer~, Chem. Rev. 1899, 11 und

203. -- ~Farnsteiner~, Ebenda 1898, 196. -- ~Flückiger~, Zeitschr.

anal. Chem. 1894, 571. -- ~Reijst~, Pharm. Weekbl. 1906, 117 (Rec.

trav. chim. Pays Bas 1906, 271). -- ~Göreys~, Lieb. Ann. 66 (1848)

315. -- ~Lahache~, Rev. chim. pur. et appl. 1905, 309. -- ~Haller~

und ~Youssoufian~, Compt. rend. 143 (1906) 803. -- ~Herbert~ und

~Walker~, Philipp. journ. of sc. 1906, 117. -- ~Walker~, Philippine

Journ. sc. 1908. -- ~Fendler~ (Cocosspeisefette). Chem. Rev. 1906,

272. -- ~Blumenfeld~ und ~Seidel~, Mitt. Technol. Gew. Mus. 1900,

60. -- ~Bizio~, Journ. pharm. 1833, 455. -- ~Nallino~, Ber. d. chem.

Ges. 1872, 731. -- ~Matthes~ u. ~Ackermann~, Ber. chem. Ges. 1908,

2000. -- ~Haller~ und ~Lassieur~, Compt. rend. 1910, I, 1013. --

~White and Braithwaite~, Brit. and. Col. Dr. 1897. -- ~Polenske~,

Best. v. Cocosfett in d. Butter. Zeitschr. f. Nahrmunters. 1904, 273

(auch Arbeit. d. k. Gesundhamt. 20 [1904], 545). -- Weitere Lit. bei

~Wehmer~.

=Prüfung.= Zum Nachweis fremder Beimengungen benutzt ~Paulmayer~ die

verschiedene Löslichkeit der Fettsäuren in Essigsäure von 81,18%. Bei

sämtlichen übrigen Fettsäuren, mit Ausnahme des Ricinusöls liegt die

«kritische Löslichkeitstemperatur» höher als 33°. ~Milliau~ benutzt

die Phloroglucin-Resorcin-Salpetersäurereaktion, bei der sich Cocosöl

ebensowenig wie Butter und Palmkernöl färbt. Wegen der Ähnlichkeit

der Zusammensetzung ist Palmkernfett im Cocosfett nicht sicher

nachzuweisen, auch kaum nötig, da beide den gleichen Preis besitzen.

=Lit.= ~Paulmayer~, Seifen-Zeit. 1906, 286 (auch in

~Benedikt-Ulzer~). -- ~Milliau~, Compt. rend. 140 (1905) 1702.

Da die der braunen Samenhaut anhaftenden Sklereïden bei Cocos

dünnwandig sind und die Wände der Endospermzellen dünne glatte

Wände besitzen, so ist eine Verfälschung des Coprapreßkuchen mit

Palmkernpreßkuchen (s. d.) leicht zu erkennen.

=Anwendung.= Was die Olive für das Mittelmeergebiet bedeutet (vgl. S.

623), das bedeutet die Cocospalme für die Tropen Asiens. Vernichtung

der Cocos bedeutet Vernichtung der Existenz. «Wenn die Natur dem

Bewohner der Tropen nur die Cocospalme geschenkt hätte, sie hätte ihm

alles gegeben, was er braucht: Holz, seine Hütte zu bauen, Blätter,

sie regendicht zu decken, Fasern für ein Gewebe, sich zu bedecken

und für Stricke zum Binden, Gefäße, um Wasser zu schöpfen, Zucker,

Fett und Eiweiß für die Nahrung, Palmenkohl als Zuspeise, Essig zur

Würze, in den Blattstielen Brennmaterial, die Nahrung zu kochen,

Palmwein als Getränk und Öl zum Brennen, ja selbst in der Cocosmilch

einen kühlen Trunk für die Zeit des Fiebers» (~Tschirch~, Ind. Heil-

und Nutzpfl.). Die Cocosnuß enthält alle notwendigen Nährstoffe.

Zwei schiffbrüchige Matrosen haben 7 Jahre auf den Quairsinseln

nur von ihnen gelebt. Sogar die Spatha sah ich in Java einmal und

zwar als Wiege benutzt und die Wurzel wird in Indien mit Betel

gekaut. +Cocos ist die nützlichste aller Pflanzen.+ ~M. C. Pereira~

stellte 83 aus dem Baume hergestellter Artikel zusammen (abgedr. in

~Watt~, Diction.) und der Inder sagt, sie ist «zu 99 Zwecken gut

und den 100. wirst du auch noch finden». Frische weiße, sorgfältig

geschälte Kerne werden an Ort und Stelle zu Schnitzel geschnitten

und getrocknet (dessicated copra). Sie gehen als Mandelersatz nach

Europa und bestehen nur aus dem Endosperm. Narikela kandha ist in

Indien ein Copra enthaltendes beliebtes Arzneimittel. Der Saft der

unreifen Frucht soll ähnlich wie Ricinusöl (~Wood~), das geraspelte

Endosperm anthelmintisch wirken. Cocosöl, besonders das «Cocoolein»,

ist auch als Lebertranersatz empfohlen worden, ist aber nicht so

leicht verdaulich. Cocosöl eignet sich nicht für Linimente, aber

gut zur Seifenfabrikation. Cocosseife gibt auch mit Meerwasser

Schaum. Cocosöl wird in den Tropen als Speise- und Lampenöl, sowie

zum Salben des Körpers benutzt. Die ersten Versuche, das stark

riechende Cocosfett, das sich zu Genußzwecken nicht zu eignen schien,

als Speisefett bei der Margarinefabrikation nutzbar zu machen,

wurden 1880 von ~Jeserich~ und ~Meinert~ unternommen. Um dies zu

ermöglichen, muß das Fett mit Ätznatron entsäuert und dann durch

Destillation mit Dampf desodoriert werden. Diese gereinigten Cocosöle

sind im Handel unter den Namen Palmin, Lactine, Vegetalin, Laureol,

Kunerol, Gloriol, Leda-Speisefett, Nuscin, Selecta, Nucifera,

Parveol, Priol, Hodor, Fruchtin, Crêmin, Sanin, Daphnin, Estol,

Jennil, Palmarol, Nutreïn, Pflanzenbutter usw. Cocosfett, bes.

das Cocosstearin (s. oben) und ein Cacaoline oder Schokoladenfett

genanntes Produkt werden zur Verfälschung der Cacaobutter benutzt.

Die Preßkuchen (poonac) sind eins der wertvollsten Futtermittel

(~Collin-Perrot~). Gemahlene Preßkuchen sind in Europa,

gemahlene Steinschalen in Amerika als Gewürzfälschung beobachtet

(~Moeller-Winton~).

Die Cocosmilch, besonders die junger Früchte, schmeckt frisch

ganz gut, süßlich-säuerlich und erfrischend, nimmt aber, wenn sie

längere Zeit in der reifen Frucht verweilt, bald den ekelhaften

Geruch nach ranzigem Cocosfett an. Die Eingeborenen schlagen die

Frucht mit dem Messer auf und trinken den Inhalt. Cocosmilch gilt

als Bandwurmmittel. Nach ~Dutt~ wird in Indien die Cocosmilch

bei Nierenleiden, die Copra, der frische Saft und die Wurzel

als Diuretikum, die Knospe als Erfrischungsmittel, das Öl als

Haarwuchsmittel benutzt. Der gegorene Saft liefert destilliert

Alkohol. Die Asche der Schalen dient zur Seifenfabrikation; ihre

Kohle wird zu Tusche benutzt und dient, wie schon ~Garcia~ erwähnt,

den Goldschmieden. Coirfaser wird zu Schnüren, Schiffstauen,

Bürsten und Türvorlegern verarbeitet. Taue und Stricke aus Coir sah

schon ~Clusius~ in Lissabon im XVI. Jahrh. Das Holz alter Bäume

(Stachelschweinholz) ist ein wertvolles Bauholz. Ein wohlriechendes

Sekret des Stammes ist in Tahiti als pia pia bekannt.

Weitere Anwendungen bei ~Stolz~, Trop. Nutz- u. Handelspfl. Geogr.

Nachr. 1894, 81. Vgl. auch ~Schröter~, Die Palmen und ihre Bedeutung

für die Tropenbewohner. Neujahrsbl. d. Züricher Naturf. Ges. 1901.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 109 / 120 段