und ~Hippocrates~ bediente sich der Früchte, der Blätter und des
Öls. Auch in Italien war der Lorbeer, _Laurus_, immer Tempel- und
Gartenbaum. Er findet sich denn auch jetzt noch gewöhnlich nicht in
den Macchien und war ein heiliger Baum. ~Plinius~ sagt: «adeoque
in profanis usibus pollui laurum et oleam fas non est.» Mit ihm
schmückten die Römer nicht nur ~Apollo~ und ~Bacchus~, sondern auch
die ~Libertas~, ~Salus~, ~Aesculap~ und ~Hercules~ und er spielte
auch bei dem Feste des ~Mercur~ eine Rolle, war doch ~Daphnis~ ein
Sohn des ~Hermes~. Mit _Laurus_ wurden die Sieger in Delphi und
die Triumphatoren in Rom (wie noch heute wahres und vermeintliches
Verdienst) gekrönt, wie schon ~Plinius~ (XV, 39) berichtet, welcher
vielerlei von ihm erzählt und meint, daß er beim Brennen durch lautes
Knistern einen Abscheu vor dem Feuer andeute. Sein Laub wird, was dem
Blatte keines anderen Baumes geschieht (als _Laurea_), besonders vom
Baum unterschieden. Er findet sich auf einem Wandbilde in Pompeji.
~Plinius~ berichtet auch (XV, 7), daß das Lorbeeröl entweder durch
Pressen aus den Früchten oder aus den Blättern und Fruchtschalen mit
dem Öl der unreifen Olive bereitet werde und daß man ihm bisweilen
_Styrax_ und andere wohlriechende Stoffe zusetze. ~Dioskurides~
(I, 49) läßt δαφνέλαιον -- ebenso wie ~Palladius~ das _oleum ex
lauri baccis_ -- durch Auskochen überreifer Früchte mit Wasser und
Abschöpfen des Öls bereiten oder aus Olivenöl mit Lorbeerblättern
oder Früchten. Er rühmt seine anregende Wirkung und weiß, daß es
brechenerregend ist. Das _Oleum laurinum_ steht neben _Lauri bacae_
bei ~Scribonius Largus~ (I, S. 578), das δάφνινον ἔλαιον auch bei
~Alexander Trallianus~ (I, S. 591).
Den Baum kennt ~Carl~ und ~Albertus Magnus~. Wir finden Lorbeeröl
im Gothaer (I, S. 679), die Blätter des Lôrbaumes im Tegernseer
Arzneibuch. Die ~Hildegard~ empfahl Früchte, Rinde und Blätter des
Baumes, und zu gleicher Zeit wird auch das Öl in England genannt
(von ~Alexander Neckam~) und in der Alphita (I, S. 652) steht bei
_Laurus_: «Inde dampnocce et dampnelicon (i. oleum confectum ex oleo
et baccis lauri)». Die arzneiliche Anwendung der Beeren erwähnten
~Ishak ben Amran~, ~Rhazes~, ~Elgâfaki~ u. and. Das Öl scheinen
die Araber nicht benutzt zu haben. Ein Magenmittel der ~Hildegard~
enthält sowohl Rinde wie Blätter des Lorbeer, ein Mittel gegen
Nierengeschwulst des Tegernseer Arzneibuchs (XIII. Jahrh.) die
Blätter. ~Abu Hanifa~ erwähnt Lorbeerwein. Blätter, Früchte und Öl
waren schon im Mittelalter beliebte Gewürze. So findet sich oile
laurin in der Liste der 1359 und 1360 für den in London gefangen
gehaltenen französischen König ~Johann~ angeschafften Gewürze
(~Flückiger~, Pharmak. S. 931). Und 1434 nahmen die Dänen Schiffern
aus Danzig u. a. auch drei Tonnen Lorole weg (Hansarecesse II, 1
[1876] 283, bei ~Flückiger~). Nach dem Luminare majus (I, S. 793)
soll _Ol. laurinum_ durch Kochen der zerriebenen frischen Früchte mit
Wasser, Kolieren, Abschöpfen des Öls und Wiederholen der Operation
bereitet werden. Lumen apothecariorum läßt die Fruchtschale zuvor
beseitigen. Bei ~Cordus~ (I, S. 800) finden sich _Lauri baccae_,
_Laurus_ (_fol._) und _Laurinum oleum_. Er erwähnt, daß es besonders
aus Italien komme und bisweilen aus Olivenöl, Lorbeerblättern und
Grünspan nachgemacht werde. Im Braunschweiger Register (I, S. 814)
steht _ol. de bacc. lauri_ +neben+ _ol. laurinum_ (wohl das mit _Ol.
Olivae_ bereitete). Die _Lauri folia_, _daphnidis folia_ stehen in
der Taxe von Worms (I, S. 817) und in anderen Taxen, das ätherische
Lorbeeröl in der Frankfurter Taxe von 1582. In der Taxe von Bremen
1665: _Baccae lauri longae et rotundae_. Bei ~Berlu~ (I, S. 950)
steht außer _baccae lauri_, _Ol. laurin. com._ und _Ol. laurin.
fland._ ein _Oleum nervinum_, das wohl ein _Ol. lauri comp._ war.
~Pomet~ (I, S. 941), der von einer Verwendung der Früchte bei den
Färbern und des Öls bei den Hufschmieden spricht, sagt, daß das Öl,
das nur wenig in der Pharmazie benutzt werde, in dem Languedoc und
der Provence, besonders in Caluisson bei Montpellier, aus frischen,
mit Wasser gekochten Früchten dargestellt werde. Er knüpft an die
häufige Verfälschung oder gar Substitution desselben durch graisse
Verdit eine Betrachtung über Fälschung von Drogen überhaupt.
=Lit.= ~Hehn-Schrader~, Kulturpfl. -- ~Gubernatis~, Mythologie d.
plant. -- ~Flückiger~, Pharmakognosie. -- ~Mayer~, A library of
national antiquities I, 1857. -- ~Tristram~, Nat. hist. of the bible.
Fructus Cocos, Copra und Oleum Cocos.
=Syn.= Kokospalme, Cocotier (franz.), Cocoanut, coconut (engl.),
Klapper- oder Kalappusboom (hol.), Cocco (ital.), coco (span.),
coquo, coqueiro (port.). Im malaiischen Archipel: kalapa, klapa,
klopo (jav. mal. sund.) -- bei ~Rumphius~ und ~Thunberg~: kulapa
-- andjoro (Saleijer) (Zahlreiche and. Namen in ~de Clercq~,
Woordenboek) -- in Rioux: anur -- in Indien: nárel, nárryal (hind.
beng.), náriyál (guz.), tenha (tam.), tengino-káyi (can.), tenga
(malab.), pol, polgahá (singh.) (Zahlreiche weitere Namen im Dict.
econom. prod. India) -- in Ceylon: tenkay. -- Chines.: ye-tsu (= Baum
Ye, Kopf des Königs von Yüe) -- in Brasilien: inaiaguacuiba -- in
Chile: cocotero. -- Cocos ist indeklinabel, also nicht Oleum cocois.
Die _Nux indica_ des Mittelalters -- so z. B. bei ~Serapion~ (I, S.
605) und bei ~Cordus~ -- war in erster Linie die Cocosnuß. Jedenfalls
die _N. i. magna_ (so in der Alphita). Bei ~Clusius~ (I, S. 786)
steht _Coccus Nux indica_, im Nördlinger Register wird _Nux magna
s. communis_ (die Cocosnuß) der _Nux indica_ gegenübergestellt. In
der Braunschweiger Taxe (1574) heißt die Copra: _Nucis indicae maio.
pulpa_, in der Kopenhagener Taxe (1619): _Nucis indicae medulla_.
=Etym.= Cocos (seit ~Magalhaẽs~ in Gebrauch) von port. coco, coquo
= Maske, da die +geschälte+ Frucht drei Öffnungen hat, die sie
dem Gesicht einer Meerkatze (macoco) ähnlich macht (~Garcia da
Orta~). Auch die Hindus nennen sie náral (= Kopf) und benutzen
sie bei gewissen Ceremonien als Kopf für Puppen. Ich sah solche
Puppen auch in Java. -- Der Sanskritname nalikera, narikela ging
ins Persische (nargil) und Arabische (narjil) über und kehrt im
Taïtaischen ari, haari und malaiischen nura und auch in dem argéllia
bei ~Kosmas Alexandrinus~ wieder. -- Das sumatranische njior
kehrt im philippinischen niog, im Bali njo, in Tahiti niuh und im
madagassischen wua-niu wieder. -- Das malabarische tenga = Südfrucht.
-- Bei den Sanskritschriftstellern finden sich die bezeichnenden
Synonyme punga (= erheben), rasayana-taru (= Delikatessenbaum),
trinaraja (= König der Gräser), scanda taru (= Stammbaum), dur aroha
(= schwer zu besteigen), kurcha sekhara (= gekrönt mit einem Bündel
Früchte), dridha phala (= harte Frucht habend), rasa phala (= saftige
Frucht habend), dridha nira (= starken Saft habend), langala (=
penis), sada phala (= immer Frucht), dirghawr kscha (= Langbaum),
kalpawr kscha (= nützlicher Baum), -- Nucifera = Nüsse tragend, --
Copra (schon bei ~Garcia da Orta~) von khóprá (hind.), -- Coir, keir
oder kair (sansc. kera) aus ind. kayaru (= flechten). -- Arrak (arak,
arack, arrack) aus orraqua (ind. = Palmbranntwein, so schon bei
~Garcia~).
=Stammpflanze und Systemat. Stellung.= =Cocos nucifera= L. Spec.
pl. ed. I 1188. (und in beschränktem Maße auch _Cocos butyracea_ L.
«La Palma real del Brasil»), Palmae, Ceroxylinae -- Cocoineae --
Attaleeae, Unterg. Eu-Cocos. Die 30 Arten der Gattung Cocos sind in
Amerika heimisch (wegen _C. nucif._ s. Geschichte).
_Cocos nucifera_ bildet zahlreiche Varietäten. Schon ~Garcia da Orta~
erwähnt zwei, von denen die eine zur Bereitung des Palmweins (çura),
die andere wegen der Früchte gehalten wird. ~Rumph~ hat 10 Varietäten
_Calappa_. ~Blume~ nennt in der Rumphia 18 auf den Sundainseln und
39 auf den Philippinen. Die Varietäten haben verschiedenen Wuchs und
verschieden große Früchte. Im malaiischen Archipel unterscheiden
die Eingeborenen durch besondere Namen besonders die Var. _alba_,
_canarina_, _cupuliformis_, _eburnea_, _machaeroïdes_, _macrocarpa_,
_pumila_, _regia_, _rubescens_, _saccharita_ und _viridis_ (~de
Clercq~). Weitere in ~Tschirch~, Ind. Heil- u. Nutzpflanzen, S. 148.
Dort auch die ceylanischen Varietäten. Zur Coirbereitung dienen
besonders die Var. _rutila_, _cupuliformis_ und _stupposa_. Die
Varietäten von Ceylon, Nouméa, den Seychellen, Pondichéry, Mayotte,
Madagaskar und Sansibar beschreibt ~Prudhomme~. Ceylon hat 8,
Neu-Guinea und Bismarckarchipel 10 bis 12, Samoa 6.
=Beschreibung der Stammpflanze, Morphologie und Anatomie der
Frucht.= Die Cocospalme bildet einen schlanken, in leichtem
Bogen aufwärts strebenden, bis 25 m hohen Baum, an dessen durch
Blattnarben geringeltem, an der Basis angeschwollenem und dort
mit Adventivwurzeln besetztem Stamme ich niemals Epiphyten sah.
Seine riesige, aus 10-30, bis 4 ja 6 m langen Blättern bestehende
schöne, im Umriß kreisförmige Krone scheint fast zu schwer für
den dünnen Stamm (Fig. 220, vgl. auch I, Fig. 19 u. 32 u. Taf.
IV). In den Blattachseln stehen die bis 2 m langen monözischen,
von einer meterlangen Spatha bescheideten Blütenkolben, meist zu
mehreren, die mit unscheinbaren, gelblichen, männlichen, 6 Stamina
und 6 lanzettliche Perigonblätter enthaltenden Blüten besetzt sind
und nur am Grunde ansehnlichere, gelblich-grüne, weibliche Blüten
tragen, die, umgeben von derben Perigonblättern, einen aus drei
Fruchtblättern bestehenden Fruchtknoten mit sitzender Narbe zeigen.
Jeder Fruchtstand, von denen die Palme mehrere bildet, enthält 10-30
Früchte.
[Illustration: Fig. 218.
_Cocos nucifera_ mit Früchten beladen. [Koloniaal-Museum Haarlem.]]
Die meist kopfgroße, bis 30 cm lange, eiförmige, stumpf-dreikantige
Frucht, welche in 6-8 Monaten zur Reife kommt, ist eine einfächerige,
einsamige Drupa (Steinfrucht, also fälschlich: Cocos+nuß+ genannt).
Zwei Fächer des Fruchtknotens schlagen fehl. Das Epicarp ist derb,
graubraun und glatt und infolge eines Wachsüberzuges von Wasser nicht
benetzbar. Die Frucht kann daher, ohne daß sie leidet, durch die
Meeresströmungen weithin getragen werden. Das Mesocarp ist bis 5 cm
breit, grobfaserig. In ein aus getüpfelten Zellen bestehendes, schon
beim Trocknen der Frucht schwindendes Grundgewebe sind zahlreiche,
von derben Bastbelegen bescheidete Gefäßbündel eingebettet, die
als =Coïr= oder Cocosfaser Verwendung finden. Die Bastfasern der
Coirbündel werden von Sklereïden und Kiesel-Stegmata begleitet.
Das steinharte, 0,3 bis 1 cm dicke, aus braunen, stark verdickten
Sklereïden bestehende +Endocarp+ zeigt drei große Keimlöcher (K Fig.
219). Mit ihm verwachsen ist die dünne braune Samenschale und das
an diese sich anschließende 0,7-2 cm dicke weiße, derbfleischige
+Endosperm+, das aus der Steinschale herausgelöst und von der
Samenschale bedeckt unter dem Namen =Copra= in den Handel kommt
und das Cocosöl liefert. Innerhalb desselben findet sich eine trübe
Flüssigkeit, die +Cocosmilch+, die wohl auch zum Endosperm zu rechnen
ist, jedenfalls bei der Keimung aufgebraucht wird. Die unreife Frucht
ist ganz mit dieser Flüssigkeit erfüllt. Aus ihr setzt sich erst
allmählich das feste Endosperm am Rande ab. In den reifen Früchten
des Handels ist das milchige Endosperm meist eingetrocknet und
der Same besteht daher vornehmlich aus dem hohlkugeligen äußeren
Endosperm, das als dicke Schale den zentralen leeren Hohlraum
umschließt (Fig. 219).
Das äußere Endosperm ist von einer mehrreihigen, aus mit braunem
Inhalt versehenen Zellen bestehenden, von Gefäßbündeln durchzogenen
Samenhaut bedeckt, die allmählich über dünnwandige Sklereïden hin,
die der Copra des Handels oft noch außen anhängen, in die innere
Sklereïdenschicht des Endocarps übergeht. Das Endosperm besteht
vorwiegend aus stark radialgestreckten, dünn- und glattwandigen
Zellen, deren Wand mit Jodschwefelsäure blau wird und dabei
Spiralstreifung hervortreten läßt. Die Zellen enthalten Fetttröpfchen
und -massen, zierliche Büschel von Fettkristallen und große
Aleuronkörner mit sehr zahlreichen sehr kleinen Globoiden und einigen
wohlausgebildeten Kristalloiden. Der Fettinhalt erfüllt die Zellen
nahezu ganz. Große rundliche Tüpfel werden meist erst bei Behandlung
mit Kali sichtbar. Der innerste Teil des Endosperms besteht aus
mehr rundlichen, dickwandigeren, die an das Lumen grenzende Partie
aus obliterierten Zellen. Der +Keimling+ ist klein und liegt in das
Endosperm eingebettet unter dem mit einem Deckel verschlossenen
Keimloch des nicht fehlgeschlagenen Faches. Das Mesocarp beträgt
30-57,3%, die Steinschale 11,6-19,6%, das Endosperm 18,5-37,8%, die
Cocosmilch (bei unreifen Früchten) 12-13% (~Bachofen~).
[Illustration: Fig. 219.
_Cocos nucifera_, Frucht geöffnet. Epi derbes Epicarp, Mes faseriges
Mesocarp (Coir), End hartes Endocarp, T braune Samenschale, Alb
weißes Endosperm (Copra). Die die Höhlung erfüllende Cocosmilch ist
ausgeflossen. [Nach +Winton+.]]
Die Cocospalme trägt das ganze Jahr über Blüten und Früchte. Sie
liebt die Meeresnähe, ist daher auf allen südasiatischen Inseln
reichlich zu finden. Bei vielen kleineren, z. B. den Koralleninseln,
bildet sie das wichtigste Glied der Vegetation. Bei den größeren,
wie Java und Ceylon, bevorzugt sie unbedingt die Küsten, ohne jedoch
im Inneren ganz zu fehlen. Die am Küstenrande wachsenden sah ich
oft schräg gegen das Wasser geneigt. Die Anbaugrenze liegt etwa 150
km von der Küste. Sie braucht nicht zu geringe Luftfeuchtigkeit und
ziemlich hohe gleichmäßige Temperatur (Mittel: 22° C.). Sie liebt
brakigen Boden, Wind und Sonne. In Ceylon traf ich Cocos noch im
Hochland des Inneren und in Java in den Preangerregentschaften, z. B.
bei Bandoeng. Die Keimung erfolgt in der Weise, daß der Cotyledon,
als Saugorgan fungierend, in die die Cocosmilch enthaltende Höhlung
hineinwächst, diese schließlich ganz ausfüllend, und die Plumula und
Radicula den Deckel des Keimloches beiseite schieben. Die ersten
Blüten erscheinen im vierten Jahre, etwa im 15.-20. Jahre erreicht
der Baum seinen höchsten Ertrag, der dann bis ins 60., ja 100. Jahr
(meist etwa 50-80 Jahre lang) erhalten bleiben kann. Ein Baum kann
bis 200 Früchte jährlich hervorbringen. Der Durchschnittsjahresertrag
eines Baumes sind 60 Früchte (~Semler~, 50-70 ~Tschirch~), der
Durchschnittsmonatsertrag in Java 5-10 (~Tschirch~). Man erntet nur
vollreife Früchte.
[Illustration:
Tafel XX.
Melanesische Arbeiter bei der Coprabereitung. [Aus Preuß,
Plantagenkultur auf Samoa.]]
Das von Cocospalmen bestandene Areal schätzt ~Ferguson~ 1910 auf
1582000 ha. Die meisten finden sich auf Ceylon (307500 ha), das eine
wahre Cocosinsel ist und mehr als 50 Mill. Cocos enthält, -- ich
sah dort Cocoswälder von 10 Meilen Länge, Polgahawela ist nach der
Cocos benannt -- ferner Südamerika (202000 ha). Dann folgt Britisch
Indien (Madras, Malabar, Coromandel), die Sundainseln (Java:
210000 ha), die Philippinen (170000 ha), Neu Guinea, Samoa, die
Fidschi- und die pacifischen Inseln, Zentralamerika, Westindien,
Columbien (Carthagena), Siam, Indochina, Ostafrika, Madagaskar,
Sansibar und Mauritius, Westafrika (Togo). Von französischen Kolonien
kommen in Betracht: Senegal, Martinique, Réunion, Tahiti, franz.
Guyana, franz. Indien und Neucaledonien. Die Cocospalme stellt keine
großen Anforderungen an den Boden. Sie ist «nützlich, anmutig und
bescheiden» (~Tschirch~, Ind. Heil- u. Nutzpfl.).
=Lit.= ~Martius~, Hist. nat. palmar. III, 123, t. 62, 75, 88. --
~Miquel~, Flor. Ned. Ind. -- ~Drude~ in Flora Brasiliens. und
Engl.-Prantl, Pflanzenfam. -- ~Semler~, Trop. Agrikultur. --
~Ferguson~, Ceylon Handbook und Coconut planters manual. Colombo.
-- ~Sadebeck~, Die Kulturgewächse d. deutschen Kolonien 1899. --
~Tschirch~, Ind. Heil- u. Nutzpflanzen (dort die Kultur beschrieben).
-- ~Van Gorkom~, Oostind. Cultures. -- Bijdragen tot de kennis
van den kocospalm in Bull. 41 des Kolon. Museum Haarlem 1909 mit
Beiträg. v. ~van Oijen~, ~Tabel~, ~Wong Tani~, ~Welborn~ und
~Bakker~ (mit Abbild.). -- ~H. Zaepernick~, D. Kultur d. Kokospalme,
Tropenpflanzer, Beihefte Nr. 6, 1911. -- ~Watt~, Dict. econom.
prod. of India (Kultur in Ostindien). -- ~H. Marshall~, Contribut.
to a natural and economical history of the Coconut tree. Mem.
Wernerian nat. hist. Soc. -- The +Coconut Palm+. Bureau of Science
of the Philippines Government. -- ~Cook~, History of Coconut Palm
in America. 14 pl. Washington 1910. -- ~Copeland~, On the water
relations of the Coconut Palm. -- ~Walker~, The Coconut and its
relation to the production of oil Manila 1906. -- ~Prudhomme~, Le
cocotier. Cult. industr. et commerce dans les principaux pays de
product. Coprah, huile, fibre de Coco et dérivés divers. mit 80
phot. Paris 1906. -- ~P. Hubert~, Le cocotier 1906. -- ~Preuss~, Die
Cocospalme u. ihre Kultur. 1911 (m. zahlr. Abbild.).
+Abbild.+ Ältere bei ~Rheede~, Hort. malab. t. 1-4 und ~Rumphius~,
Herb. Amb. -- ~Berg-Schmidt~, Atlas 2. Aufl. t. 143 (dort weitere
Lit.). -- ~Köhlers~ Medizinalpfl. -- ~Sadebeck~ a. a. O., Fig. 15-19.
-- ~Tschirch~ a. a. O., t. 94. -- Bull. 41 des Kon. Mus. Haarlem.
Auch auf zahlreichen Titelblättern (Tropenpflanzer, ~Häckels~
Reisebriefe) findet sich Cocos. -- Karte über die Verbreitung der
Cocospalme in ~Scobel~, Handelsatlas.
Anatomie: ~Winton~, Anat. of the fruit of Coc. nuc. Amer. Journ. sc.
12 (1901), 538. Am. Journ. pharm. 1901, 523. -- ~Moeller~, Rohst. d.
Tischler- u. Drechslergew. 1884. -- ~Moeller-Winton~, Mikroskopie,
Fig. 510-519 (dort weit. Lit.). -- ~Pfitzer~ (Keimung), Ber. d.
Botan. Ges. 1885, 32. -- ~Wittmack~, Die Keimung der Cocosnuß. Ber.
d. Bot. Ges. 1896, 145. -- ~Collin-Perrot~, Residus industr., Fig. 4
u. 5.
=Pathologie.= Es liegen verschiedene Angaben vor über Pilze, welche
bei Erkrankungen der Stämme von _Cocos nucifera_ beobachtet wurden
(_Pestalozzia Palmarum_, _Pythium palmivorum_, _Thielaviopsis
ethaceticus_) und dadurch auch indirekt den Fruchtertrag
beeinträchtigen mögen (~Ed. Fischer~). Die tierischen Schädlinge
der Cocospalme in ~Watt~, Diction., bei ~Welborn~ (in Bull. 41 d.
Kolon. Mus. Haarlem), ~Zäpernick~ (a. a. O.) und ~Volkens~ (Über eine
Schildlauskrankheit d. Cocospalmen in Togo u. auf d. Karolineninsel
Yap. Notizbl. d. k. bot. G. Berl. Nr. 25 [1901]). -- ~Schwartz~,
Bekämpf. der Cocospalmen-Schildlaus (Aspiodotus destructor)
Tropenpfl. 1909, 114, sowie bei ~Prudhomme~ a. a. O. In Samoa ist
Cocos frei von Krankheiten (~Preuss~). Ratten, fliegende Füchse,
Wildschweine, Kakadus und Ameisen, sowie eine große Wespe, ein
Käfer (_Promecotheca_), ein Nashornkäfer sind ihre größten Feinde.
Besonders finde ich genannt die Käfer: _Oryctes_, _Xylotrupes_,
_Pimelotus_, _Scapanes_, _Oryctoderes_, _Rhynchophorus_. Gegen
zweifüßige Diebe sah ich in Ceylon, wo die Cocosgärten Nachts bewacht
werden, eine ingeniöse Einrichtung. Die Stämme trugen auf halber
Höhe ein trockenes Cocosblatt, dessen Mittelrippe von unten nach
oben verlief und dessen Fiedern zu je 3-4 zusammengenommen um den
Stamm gelegt waren, wodurch eine mehrere Meter lange Röhre entstand.
Sobald ein Dieb sie erreicht, weckt er durch das raschelnde Geräusch,
das hierbei entsteht und das in der stillen Tropennacht weithin
vernehmbar ist, den Wächter.
=Kultur und Erntebereitung.= Die Kultur ist einfach. Doch braucht
die Palme Pflege, besonders Bewässerung. «Die Cocos tragen nicht,
wenn du nicht zu ihnen gehst und mit ihnen sprichst», sagt der
Singhalese. Düngung steigert den Ertrag von 40-50 auf 80-100 Früchte
pro Baum. (Über die Düngungsversuche vgl. bes. ~Prudhomme~ a. a. O.).
Die Aussaat erfolgt in Keimbeeten in Salz und Asche enthaltenden,
lockeren Boden, aus dem die Pflanzen nach 7 bis 9 Monaten an den
definitiven Standort gebracht werden. In Java sah ich die Früchte
zum Keimen am First der Häuser oder an Bäumen aufgehängt, um sie
gegen Bodenungeziefer zu schützen. Ich traf die Cocospalme in
Ceylon und Java in Kampong- und Plantagenkultur, sog. Klappertuins
(I, Taf. IV, vgl. auch I, S. 49), und die gleichen Formen der
Behandlung finden wir in allen übrigen tropischen Gegenden der Erde.
Oft trifft man Baumwolle, Yams, Bataten, Taro, Bananen, Lemongras,
Ricinus, Maranta, Erdnuß, Sesam, Mais, Sisalagave, Ananas als
Zwischenpflanzen (~Semler~). Obwohl der Baum das ganze Jahr trägt,
erntet man doch nur 4-6mal im Jahr. Wie schon ~Garcia da Orta~ (I,
S. 735) berichtet, besteigen die Eingeborenen den Baum entweder mit
Steigriemen (I, Fig. 189) oder indem sie Stufen in den Baum einhauen
und auf diesen emporklettern (Fig. 220). In Java binden sich die
Eingeborenen auch die Füße an den Gelenken zusammen und erzielen
so eine greifende Gabel. Auf den Sundainseln läßt man bisweilen
die Früchte von abgerichteten Affen pflücken oder liest die reif
abfallenden «todtreifen» Früchte vom Boden auf. Vor der Verarbeitung
trocknet man die Früchte einen Monat. Ein Arbeiter kann täglich 800
bis 1000 Früchte aufbrechen und schälen. Das Brechen der Steinschale
erfolgt mit der Axt, mit Steinen oder Holzschlägeln, die +Copra+
(coprah, copperah) wird mit einem gebogenen Messer herausgeholt (Taf.
XX) und an der Sonne in Einrichtungen, ähnlich denen zur Trocknung
der Chinarinde (I, Fig. 107) oder in Trockenhäusern (Taf. XXI)
getrocknet. 1000 Nüsse geben c. 250 kg Copra. Die Coprahdarren dürfen
nur mit Cocosschalen geheizt werden, die ein rauchloses Feuer geben,
sonst erzielt man keine weiße Copra. In Cochin wird nur in der Sonne,
in Ceylon nur auf Darren getrocknet. Man schneidet hier mit einem
schweren Messer die Steinschale genau in zwei Hälften und trocknet
in diesen. Man unterscheidet weiße, gelbe und schwarze Copra. Nur
vollreife Früchte liefern weiße Copra.
[Illustration: Fig. 220.
Beklettern der Cocospalme auf eingeschnittenen Stufen zum Herabholen
der Früchte.
[Koloniaal-Museum, Haarlem.]]
Auf den Südseeinseln erfolgt die Gewinnung des +Cocosöls+ für den
Gebrauch der Eingeborenen in sehr primitiver Weise. Man wirft
die Kerne auf Haufen und sammelt das ausfließende Öl in in die
Erde gesetzten Gefäßen oder verwendet einen hohlen Baumstumpf als
«Ölpresse», indem man die Kerne mit Steinen beschwert. Auf Diego
Garcia werden primitive, von Tieren an langer Deichsel getriebene
Mühlen benutzt (vgl. I, Taf. XVII). Ähnliche Mühlen sind da und dort
auch in Ceylon noch in Gebrauch (I, Taf. XVI). Im Handel ist nur aus
der Copra, dem getrockneten Endosperm, gepreßtes Öl. Es wird dies
sowohl in Indien (Ceylon: Colombo, in Bombay und an der Malabarküste:
Cochin) wie in Europa (Marseille, Mannheim, Bremen, Harburg,
Magdeburg, Groß Gerau und in England) fabrikmäßig dargestellt. In
Indien wird das Öl entweder in der Weise gewonnen, daß man die in der
Sonne getrocknete Copra zu einem Brei zerstampft, diesen mit Wasser
auskocht und das Öl abschöpft oder indem man die gemahlene Copra
in meist hydraulischen Plattenpressen auspreßt. Cocosöl wird jetzt
sogar in den Tropen (Ceylon, Java) in vielen zum Teil ganz modern
eingerichteten Fabriken gepreßt, die auch zugleich Coir verarbeiten
und aus dem Öl Seife fabrizieren. Zu einer modernen Cocos-Ölmühle
gehören: Eine Schneidemaschine zum Zerkleinern der Kerne, eine Mühle,
um die Schnitzel zu Brei zu verreiben, eine Dampfpfanne, um den Brei
auf 50 bis 80° zu erwärmen, eine hydraulische Presse zum Auspressen
des Öls, eiserne Klärbottiche und eine Filtrieranlage. Ferner
Luftdruck-Akkumulatoren, Saattransportvorrichtungen, Desintegratoren
und Saatwärmer.
[Illustration:
Tafel XXI.
Copradarre der deutschen Handels- und Plantagen-Gesellschaft. [Aus
Preuß, Plantagenkultur auf Samoa.]]