Laurinsäure, also Fettsäuren mit niedrigem Molekulargewicht. Sie geben
daher eine hohe Verseifungszahl, und da sie nur wenig ungesättigte
Fettsäuren enthalten, eine niedrige Jodzahl. Die Laurinsäure findet
sich in den Lorbeerfrüchten, in den Früchten von _Cylicodaphne
sebifera_ (~Gorkom~) und von _Mangifera gabonensis_ (~Oudemans~),
im Cocosfett (~Görgey~, ~Oudemans~), im Walrat, den Pichurimbohnen
(~Sthamer~), im Wachs der Beeren von _Myrica cerifera_ (~Moore~), im
Fruchtfett von _Litsaea sebifera_, im Crotonöl (~Schlippe~, S. 582),
in dem von _Coccus axin_ stammenden Axinfett (~Hoppe-Seyler~) und (in
beträchtlicher Menge) im Fett des Fieberbusches (_Lindera Benzoïn_).
Nach ~Partheil~ und ~Ferié~ ist sie in Fetten weiter verbreitet als
bisher angenommen wurde. Sie fanden sie z. B. in beträchtlicher Menge
in der Butter und dem Schweinefett. Sie kann aus den beiden zuerst
genannten Materialien oder aus Tangkallafett, das 95,96% Trilaurin
enthält, dargestellt werden (~Krafft~).
Fructus Lauri und Oleum Lauri.
=Syn.= Baccae Lauri, Lorbeeren, -- baccae κατ’ ἐξοχὴν sind baccae lauri
-- die Pflanze: Lorbeer, Lore, -- Laurier commun. (franz.) -- bay tree,
sweet bay, true laurel, laurel tree, roman laurel (engl.) -- alloro,
lauro (ital.) -- laurel (span.) -- loireiro (port.) -- laurierboom
(die Früchte: bakke-laarboontjes, oder kurz bakke-laar) (holl.) --
lagerbärsträd (schw.) -- lawrowoe derewo (russ.) -- δάφνη oder βαϊηά
(gr.).
Bei ~Homer~, ~Hesiod~, ~Theophrast~ und ~Dioskurides~: δάφνη,
bei ~Plinius~, ~Scribonius Largus~ u. and.: laurus (die Alten
bezeichneten mit laurus mehrere Pflanzen, auch z. B. Ruscusarten).
-- Bei den späteren Griechen: κοκκόδαφνον, βάκας, δαύνη. -- Bei
~Avicenna~: granum ademest. -- Bei ~Abu Hanifa~: eldehmast (pers.),
elrand (syr.). -- Bei ~Ibn Baithar~: gâr, elgâr, rand. -- Im
Capitulare ~Carls~ (I, S. 620): lauros. -- Bei ~Albertus Magnus~
(I, S. 674) und der ~Hildegard~: laurus. -- Im Gothaer Arzneibuch:
lorbere, loerbere, lorebere. -- In Circa instans: laurus. --
In der Alphita: laurus i. e. dampnis. -- Auch bei ~Serapion~,
~Bartholomaeus~ usw. (I, S. 646) dampnis oder damphius, dampnilion
(oleum laurinum), damniechoticae (dampnothecae, dampnocoti = bacca
lauri). -- Im Inventar ~Lefort~ (I, S. 805): bois (= baies) de
lorier und uille de lorin (de bois de lorier). -- In der Frankfurter
Liste (I, S. 812): baccarum lauri. -- Das in der Bibel vorkommende
Wort ezrach (Psalm. 37, 35) bedeutet vielleicht Lorbeer. So wird es
wenigstens vielfach übersetzt (~Tristram~). Ob kelil auf Laurus geht
(I, S. 489), ist zweifelhaft. -- ~Royle~ hält das Malabatrum der
Alten für Fol. Lauri (?).
=Etym.= Laurus fraglich ob von luo, lavo (= waschen); deutete
dann auf den Charakter des Baumes als reinigender Sühnebaum,
wahrscheinlicher von dem kleinasiatischen δυαρεία oder von
kelt. blawr oder lauer (= grün) -- δάφνη (wenn nicht aus einer
kleinasiatischen Sprache) vielleicht von δέφω (= benetzen), also auf
dasselbe wie oben (waschen) hindeutend, oder von einer Wurzel, die
brennen bedeutet (~Legerlotz~), also durch aromatische Räucherung
reinigender Baum (~Schrader~) oder von φαίνομαι (= glänzen) mit
dem verstärkenden δα wegen der glänzenden Blätter (~Kanngiesser~).
-- Lorbeer aus ahd. lôberi = Beere des Lôrboumes, lôr (lore) ist
laurus, der wohl schon vor dem VII. Jahrh. in Deutschland bekannt war
(~Kluge~). -- +althd.+ auch Lorblatt, +mhd.+ lôrber, lorberepaum,
lorbaum, lorper, bekeler, +mnd.+ laurboum. -- Der Titel Baccalaureus
ist angeblich von baccae lauri abgeleitet.
=Stammpflanze und Systemat. Stellung.= =Laurus nobilis L.= Spec. plant.
ed. I 369. (_L. vulgaris_ ~Bauh.~) Lauraceae, Lauroideae-Laureae.
_Laurus_ hat nur 2 Arten, die obige und _Laurus canariensis_ (auf den
Canaren und Madeira). Man unterscheidet von ihm folgende Varietäten: α
_latifolia_ ~Nees~, β _lanceolata_ ~Meissn.~, γ _angustifolia_ ~Nees~,
δ _undulata_ ~Meissn.~, ε _floribunda_ ~Meissn.~
=Beschreibung der Stammpflanze.= Der diklin-diözische Lorbeer erreicht
eine Höhe von 5-10 m. In Italien wird er 5-6,5 m hoch, in Istrien und
Dalmatien in Forstkultur bis 15 m. Er besitzt eine dichte, ästige,
runde Krone und kahle glänzende grüne Zweige. Die kahlen, glänzenden,
immergrünen, infolge zahlreicher Ölzellen durchscheinend punktierten
Blätter sind 6-12 cm lang, oblong-lanzettlich, spitz oder stumpflich,
am +Rande wellig+ (nicht gekerbt!) und tragen bisweilen auf der
Rückseite in den Nervenachseln kleine Domatien (Milbenwohnungen). Die
achselständigen Infloreszenzen bestehen aus 2-3 dekussierten Trauben,
die 4-6 gelblich-weiße Blüten und eine Gipfelblüte besitzen. Die
männlichen Blüten besitzen 4 Perigonblätter und 10 (8-12) in zwei-
bzw. vierzähligen Wirteln angeordnete Stamina, deren große eiförmige
Antheren nach Innen mit zwei Klappen aufspringen. Die Stamina des
äußeren Kreises tragen am Filament je zwei gestielte Drüsen. In
der Mitte der Blüte sitzt ein Griffelrest. Die weiblichen Blüten
zeigen vier mit großen sitzenden Drüsen versehene Staminodien. Der
einfächerige Fruchtknoten enthält ein anatropes hängendes Ovulum und
trägt an der Spitze einen Griffel mit unregelmäßig gelappter Narbe.
Der Lorbeer ist eine Charakterpflanze des Mittelmeerdrogenreiches. Er
findet sich noch jetzt wild (und zum Teil verwildert) in Kleinasien,
Syrien, Griechenland, Dalmatien, Istrien, Italien, Sardinien, Spanien,
Marocco, Algier. Kultiviert wird er im ganzen Mittelmeerdrogenreich und
hält noch in Westfrankreich (Cherbourg) und Südengland, ja sogar in
Irland und Schottland und an geschützten Stellen an den Schweizerseen
aus. In den wärmeren Teilen Italiens und auf Sardinien wächst Laurus
wild, Bestände bildend; weiter nördlich wird er kultiviert, wie bei
Brescia und Verona, am Gardasee (Gargnano, Maderno), doch sah ich
wilden (oder verwilderten?) Lorbeer auch am Lago di Lugano. Blütezeit:
März und April; Fruchtreife im Herbst.
=Lit.= ~Baillon~, Monogr. d. Laurac. etc. Hist. d. pl. 1870. --
~Perrot~, Contr. à l’étude histol. des Laurac. Thèse Paris 1891. --
~Luerssen~, Med. pharm. Bot. (dort d. Lit. d. Familie). -- +Abbild.+:
~Berg-Schmidt~, Atlas, 2. Aufl. t. 125 (dort die botan. Lit.). --
~Pabst-Köhler~, Medizinalpfl. t. 1. -- ~Bentley-Trimen~, Med. plant.
t. 221. -- ~Nees von Esenbeck~ t. 132. -- ~Hayne~, Arzneigew. t. 18.
=Morphologie der Droge.= Die beerenartigen Steinfrüchte (in Italien:
coccole di lauro) sind meist eirund, seltener kugelig, c. 8-15 mm
lang, oben leicht bespitzt, am Grunde mit einer hellen Stielnarbe,
außen dunkelolivgrün bis braunschwarz, runzelig, glänzend,
innen gelb, einfächerig, einsamig. Die dünne, spröde und leicht
zerbrechliche Fruchtschale ist mit der zarten Samenhaut verwachsen.
Der endospermfreie Samenkern zerfällt leicht in die zwei plankonvexen,
hellzimtbraunen Cotyledonen, die am einen Ende die kleine Plumula und
Radicula einschließen. Die Früchte schmecken balsamisch-gewürzhaft,
bitter und etwas herbe.
=Anatomie.= Die Epidermis des Pericarps der Drupa besteht aus 15-30
mik breiten getüpfelten Zellen, die ebenso wie die kleinzellige
subepidermale Zellreihe einen in Chloral mit purpurroter Farbe sich
lösenden Farbstoff führen. Spaltöffnungen sind wenig zahlreich. Das von
(Spiralgefäße führenden) Gefäßbündeln durchzogene Mesocarp besteht aus
dünnwandigem Parenchym, in dessen Zellen sich neben Chlorophyllkörnern
braunrote Massen und Körner finden, die sich durch Eisenchlorid blau,
durch Kali braungelb färben (~Vogl~) und, eingestreut in dieses,
zahlreiche rundliche, 60-70 mik große +Ölzellen+ mit verkorkter Wand,
die einen Öltropfen oder einen Harzklumpen oder ein strahlig-fächeriges
Kristallaggregat (~Vogl~) enthalten. Das +Endocarp+ besteht aus großen,
radialgestreckten, c. 75 mik hohen farblosen Palissadensklereïden mit
buchtig-welligem Querschnitt. Die +Samenschale+ besteht, abgesehen
von der derberen Epidermis, aus einer obliterierten zartwandigen
Nährschicht, in der zarte Bündel verlaufen. Die Cotyledonen sind von
einer derben Epidermis bedeckt, unter der eine kleinzellige, ebenfalls
stärkefreie Schicht folgt, und bestehen vorwiegend aus derbwandigem
Parenchym, dessen Zellen, eingebettet in Ölplasma, zahlreiche rundliche
oder ovale, einfache oder (oft zu 2 oder 3) zusammengesetzte, c.
3-8 mik große Stärkekörner und ein unregelmäßiges, lappiges oder
länglich-kantiges, 10-30 mik großes, oft mit den Stärkekörnern
verklebtes Aleuronkorn enthalten, das sich mit Cochenille färbt
(~Vogl~). Eisenchlorid färbt den Inhalt, besonders der peripheren
Zellreihen, olivbraun. In das Stärkeparenchym eingebettet finden sich
auch hier verkorkte Sekretzellen mit innerer Celluloselamelle, deren
Sekret (bald flüssig, bald fest) hier wohl, wie bei den Blättern, in
einer resinogenen Schicht entsteht (~Tschirch~ und ~Biermann~) und
sich mit Safranin rot färbt. In dem Gewebe streichen zarte Bündel mit
engen Spiralgefäßen, die von vereinzelten stabförmigen Librosklereïden
begleitet werden. Letztere finden sich auch im Grundgewebe
verstreut. Sie werden bis 120 mik lang und besitzen abgestutzte oder
knochenförmige Enden und ein relativ weites Lumen (~Vogl~).
Im Pulver prävaliert die Stärke. Als «Leiter» dienen die
Palissadensklereïden der Fruchtschale.
Verwechslung mit +Kokkelskörnern+ wird angegeben. Aber diese sind
sehr bitter, kugelig-nierenförmig und zeigen aufgebrochen zwei
keulenförmige Einstülpungen der Fruchtschale, um welche sich der
halbmondförmige Samen herumlegt.
=Lit.= ~Vogl~, Kommentar 1908 (ausführliche Beschreibung) und
Nahrungs- u. Genußm. -- ~Moeller-Winton~, Mikroskopie, Fig. 433-436.
-- ~Moeller~, Lehrbuch und Leitfaden. -- ~Planchon-Collin~, Drog.
simpl. -- ~Wigand~, Lehrbuch. -- ~Tschirch~, Harze u. Harzbehälter.
-- ~Rudolph Müller~, Ber. d. Bot. Ges. 1905, 292.
=Handel.= Lorbeerfrüchte kommen vom Gardasee in Säcken von c. 90
kg, Lorbeerblätter aus der Levante in Ballen à 30, 50 und 100 kg
in den Handel. Lorbeeröl, express. echt Gardasee ist in Kisten à 2
Can. à 18 kg und (das billigere) in Barrels von c. 200 kg im Handel
(~Grossmann~). Lorbeerblätteröl war 1911 aus Dalmatien u. Syrien im
Handel. +Hamburg+ importierte 1907: 179300, 1908: 191200 kg _Fol.
Lauri_ besonders aus Griechenland, Kleinasien und (wenig) über Triest.
=Chemie.= Eine neuere Gesamtuntersuchung der +Früchte+ fehlt.
~Bonastre~ fand (1824) in Prozenten: Wasser 6,4, unkristallisierbaren
Zucker 0,4, Stärke 25,9, Harz 1,6, «Öl» 12,8, «Stéarine» 17,1, Wachs
0,12, äther. Öl 0,8, Asche 1,4 und das kristallinische +Laurin+
(Lorbeercampher, 1%), ~Grosourdi~ 22% Stärke, Lauretin (?) und
Lauretinsäure (?). Die obere Grenze der Asche beträgt 4% (Pharm. austr.
VIII). Der Fettgehalt der Cotyledonen beträgt 30 (~Flückiger~) bis
31,5%. An Äther geben die Früchte c. 25% ab, nach dem Verjagen des
ätherischen Öles auf dem Wasserbade bleiben 21-23% zurück (~Möller~).
Die Asche der Schalen beträgt 3,2, die der Cotyledonen 1,2%. Das
ätherische Öl wird zu 0,8-1% angegeben.
Das =Lorbeeröl= oder =Lorbeerfett=, =Oleum Lauri= (Ol. lauri
expressum s. unguinosum, Oleum laurinum, Lorbeerbutter, Loröl,
Lorettosalbe, huile oder beurre de laurier; laurel oil, bayberry oil;
olio oder burro di lauro, olio d’alloro; laurierolie; δαφνέλαιον)
wird durch Auspressen der zerkleinerten und erwärmten frischen
Früchte oder durch Auskochen mit Wasser erhalten und vornehmlich am
Gardasee und auch in Griechenland für den Handel dargestellt. Die
Gewinnung des Öles wird in Italien am Gardasee, bei +Garguano+ und
+Maderno+ ziemlich in Großem vorgenommen. Zu diesem Zwecke werden
die frischen Lorbeeren zuerst gestoßen, dann einige Zeit mit Dampf
erhitzt oder mit Wasser gekocht und zwischen erwärmten Platten
gepreßt. Das erhaltene Öl wird im geschmolzenen Zustande absetzen
gelassen, klar abgegossen, im Dampftrichter filtriert und in Fässern
von c. 100 kg in den Handel gesetzt (~Ravasini~ 1911). Pharm. austr.
VIII. verlangt das aus den frischen Früchten durch Auskochen mit
Wasser und Auspressen gewonnene Öl. Lorbeeröl ist ein salbenartiges,
körnig-kristallinisches, grünes Gemenge von Fett, Chlorophyll und
ätherischem Öl, das unter dem Mikroskope neben Chlorophyllkörnern
zahlreiche Fettkristalle erkennen läßt und sich beim Erwärmen auf
dem Dampfbade (ja schon bei 40°) zu einer dunkelgrünen, aromatisch
riechenden, bitter schmeckenden Flüssigkeit klärt. An heißen
Sommertagen ist es halbflüssig. Im gleichen Gewicht Äther oder
Benzol löst es sich zu einer trüben Flüssigkeit, die jedoch keinen
merklichen Bodensatz absetzt.
Spez. Gew.: 0,93317 (~Cloëz~), bei 98,5°: 0,8806 (~Allen~),
Erstarrungspunkt: 24-25° und Schmelzpunkt: 32-36° (~Villon~, ~de
Negri~) bis 30,2 (~Utz~), Säurezahl 3,96-10,42 (~Eisenstein~),
7,89-42,42 (~Dieterich~), 26,3 (~Lewkowitsch~), Verseifungszahl
(mg KOH) 197,5-198,9 (~Allen~, ~de Negri~, ~Lewkowitsch~), 201
bis 208 (~Eisenstein~), 200-214 (Ph. austr. VIII), bei heißer
Verseifung: 196,32 bis 254,80 (~Dieterich~), 200,9 (~Matthes~),
Jodzahl 67,8-80,5 (~de Negri~, ~Lewkowitsch~), 49 (~Hübl~), 75-78,4
(~Wijs~), 82,2-82,43 (~Matthes~), nach ~Hübl-Waller~ 74,7-83,92
(~Utz~), Reichertzahl: 1,6 (~Allen~), Reichert-Meißlzahl 3 bis 3,2
(~Matthes~, ~Eisenstein~), 1,79-2,61 (~Utz~), Polenskezahl: 2,8,
Acetylzahl (wahre): 5,108 (~Matthes~), Hehnerzahl (nach Abzug des
Unverseifbaren): 85,8, Unverseifbares 1%; Brechungsexponent (bei
40°): 1,4645-1,4666 (Ph. helv. IV), 1,4643 (~Matthes~).
Die Jodzahl der Fettsäuren liegt bei 81,6-82 (~Lewkowitsch~),
82,81-99,82 (~Utz~); Refraktion der Fettsäuren 1,4545-1,4550 (~Utz~).
Die Zusammensetzung ist nicht genau bekannt (~Bonastres~ Lauretin,
Laurelsäure, Staurolaurin, Stearolauretin, Phaïosinsäure sind
unreine Körper). Meist wird das bei 45° schmelzende +Trilaurin+
(Laurostearin, ~Bonastre~, ~Marsson~), das Glycerid der +Laurinsäure+
(~Marsson~) als Hauptbestandteil angegeben (~Schiff~, ~Marsson~,
~Staub~); in geringeren Mengen finden sich darin die Glyceride der
+Myristinsäure+ (~Marsson~, ~Staub~) und +Ölsäure+ (~Flückiger~, wird
aber bestritten); fraglich sind Palmitin-, Stearin- und Linolsäure
(~Staub~). ~Allen~ fand geringe Mengen flüchtiger Fettsäuren. Bei der
Destillation im Vacuum tritt im Destillat Trilaurin auf (~Krafft~).
Die von ~Marsson~ 1842 entdeckte, seidenglänzende Nadeln oder Schuppen
bildende +Laurinsäure+ (C₁₂H₂₄O₂) kann als eine gesättigte Säure (S.
546) nach dem Verfahren von ~Partheil~ und ~Ferié~ über das Lithium-
und Bleisalz von den ungesättigten Säuren getrennt werden. Das
Unverseifbare («Harz» der früheren Autoren) besteht nach ~Matthes~
und ~Sander~ aus +Myricylalkohol+ (Melissylalkohol C₃₀H₆₂O), dem
festen Kohlenwasserstoff +Lauran+ (C₂₀H₄₂, mit Bryonan verwandt),
+Phytosterin+ (F = 132-133°) und einem +ungesättigten Öle+ mit der
Jodzahl 191,95, das noch nicht rein erhalten werden konnte. Aus der
Jodzahl des _Ol. lauri_ kann also nicht, wie dies ~Lewkowitsch~ tut,
auf einen beträchtlichen Gehalt an Ölsäure geschlossen werden. Sie wird
durch dies Öl, das einen sehr +charakteristischen aromatischen Geruch
besitzt+, erklärt. In siedendem Alkohol löst sich Lorbeeröl so gut wie
vollständig. Beim Erkalten scheidet sich Trilaurin ab (~Flückiger~,
~Lewkowitsch~). Läßt man das Filtrat verdunsten und nimmt das Fett weg,
so scheidet sich bisweilen das +Laurin+ (~Bonastre~, nach ~Delffs~ =
C₂₂H₃₀O₃ Lorbeerkampfer?) ab, das zu 1% im Fett enthalten sein soll
und wohl ein unreines Gemisch der von ~Matthes~ erhaltenen Körper
darstellt. ~Marsson~ und ~Staub~ konnten den Körper nicht erhalten.
Das dem fetten Öle beigemengte +ätherische Öl+, das als «äther.
Lorbeeröl aus Früchten» im Handel ist (~Schimmel~, ~Hänsel~), enthält
viel (50%) +Cineol+ (wohl der Laurineenkampfer der früheren Autoren)
neben l-+Pinen+ (~Wallach~) («Lauren» ist ein Gemenge beider). Die
Nelkensäure (~Gladstone~) fand ~Blas~ nicht. +Eugenol+ (~Gladstone~)
konnte ~Flückiger~ nicht darin finden, ist aber wohl darin. Bei der
Destillation des Lorbeeröls mengt sich dem ätherischen Öle Laurinsäure
bei (~Blas~, vgl. S. 546). Ob das äther. Öl des _Ol. laurin._ mit
dem der Blätter ganz identisch ist, ist noch fraglich. Das Öl der
Beeren ist etwas dickflüssiger und riecht weniger fein als das der
Blätter (~Schimmel & Co.~). In diesem letzteren wurde gefunden:
+Cineol+ (~Wallach~, 50% ~Thoms~ und ~Molle~), l-Pinen (~Wallach~),
+Eugenol+ (frei [1,7%] und verestert [0,4%]), +Geraniol+ (~Thoms~),
+Sesquiterpen+, +Sesquiterpenalkohol+, vielleicht auch +Phellandren+
(~Hänsel~), Buttersäure, Essigsäure, Valeriansäure und Capronsäure, die
Säuren frei, die drei letzteren auch als Ester.
Das _Ol. laurin._ gibt im Spektralapparat die charakteristischen
Chlorophyllbänder (~Tschirch~). Daß das +Chlorophyll+ meist in ein
Metallsalz (Zink- oder Kupferphyllocyanat ~Tschirch~) übergeführt ist,
zeigt die Tatsache, daß eine Lösung des Lorbeeröls in Alkohol durch
Salzsäure nicht verändert wird (reines Chlorophyll wird durch Salzsäure
gelb, ~Tschirch~). Auch Ammoniak verändert die grüne Farbe nicht.
Das indische Lorbeeröl (Indian Laurel oil) stammt von _Laurus indica_
(welcher?). Das dickflüssige Öl enthält 33% freier Fettsäuren,
hat ein spez. Gew. 0,926, und erstarrt auch bei -15° noch nicht.
Verseifungszahl 170, Jodzahl 118,6 (~de Negri~ und ~Fabris~, Chem.
Zeit 1896 Rep. 161).
=Lit.= ~Bonastre~, Baies de laurier et de leur mat. crist. Journ.
pharm. (2) 10 (1824), 30 u. 11 (1825) 3. -- ~Brandes~, Arch.
Pharm. 72 (1840) 160. -- ~Möller~ in ~Flückiger~, Pharmakogn. --
~Grosourdi~, Journ. chim. med. 1851, 562.
+Fettes Öl+: ~Delffs~, Lieb. Ann. 88 (1853), 354. -- ~Bolley~, Ebenda
106, 229. -- ~Marsson~, Ebenda 41 (1842), 329. -- ~Sthamer~, Ebenda
53 (1848) 393. -- ~Görgey~, Ebenda 66, 303. -- ~Blas~, Ebenda 134
(1865). -- ~Schlippe~, Lieb. Ann. 105 114. -- ~Heintz~, Poggend.
Ann. 92, 429 u. 93, 519. -- ~Oudemanns~, Journ. pr. Ch. 81, 356. --
~Lewkowitsch~ a. a. O. -- ~Benedikt-Ulzer~ a. a. O. -- ~Schädler~
a. a. O. -- ~Staub~, Bestandt. d. Lorbeeröls. Diss. Erlangen 1879.
-- ~Matthes~ und ~Sander~, Lorbeerfett, insbes. über d. unverseifb.
Anth. Arch. Pharm. 1908, 165. -- ~Krafft~, Ber. d. chem. Ges. 13,
1415. -- ~de Negri~ und ~Fabris~, Zeitschr. Anal. Chem. 1894,
547. -- ~Schädler~, Zeitschr. Anal. Chem. 1894, 569. -- ~Schiff~
(Laurostearin), Ber. d. chem. Ges. 1874, 781. -- ~Partheil~ und
~Ferié~, Arch. Pharm. 1903, 552. -- ~Römer~, Diss. Halle 1882.
+Äther. Öl+: ~Wallach~, Lieb. Ann. 252 (1889) 95. -- ~Gladstone~,
Journ. chem. soc. 1864, 2, 1 (Jahresber. d. Chem. 1863, 547). --
~Flückiger~, Pharmakogn. -- ~Blas~, Lieb. Ann. 134 (1865) 1. --
~Brühl~, Ber. d. chem. Ges. 1888, 157. -- ~F. Müller~, Ebenda 1892,
547. -- ~Barbaglia~, Att. soc. toscan. scienz. nat. 1889 (Pharm.
Journ. 1889, 824). -- ~Gildemeister-Hoffmann~, Äther. Öle S. 524. --
~Staub~ a. a. O. -- ~Thoms~ und ~Molle~ (Äth. Öl der Blätter). Arch.
Ph. 1904, 161; auch Arb. d. pharm. Inst. Berlin I, 1903 und ~Molle~,
Diss. Basel 1903. -- ~Schimmels~ Ber. 1897, 1899, 1909. -- ~Hänsels~
Ber.
Darstellung des Ol. lauri: ~Ménigault~ und ~Soubeiran~, Journ. pharm.
1835, 510 und ~Soubeiran~, Nouv. trait. d. ph. -- ~Duhamel~, Traité
d. arbres etc. I, 351. -- ~Pereira~, Elements.
=Prüfung.= Wenn man 1 Teil Lorbeeröl mit 2 Teilen Alkohol (90%) auf
dem Dampfbade erwärmt, so darf die hierbei entstehende Abscheidung
bei der mikroskopischen Prüfung keine Kristalle (Beschwerungsmittel)
und auch keine Gewebsreste der Lorbeerfrucht oder andere Elemente
zeigen. Sind fremde Farbstoffe zum Auffärben benutzt worden,
so bewirkt Salzsäure oder Ammoniak einen Farbenumschlag in dem
alkoholischen Auszuge des Öls. Es sind (durch Erwärmen mit
Lorbeerfrüchten oder -blättern) parfümierte und (mit Curcuma, Indigo,
Anilinfarben, Chlorophyllauszügen) gefärbte Surrogate aus Talg, Öl
und Schweinefett im Handel beobachtet (das «Chlorophyll» des Handels
enthält meist Kupferphyllocyanat ~Tschirch~). Derartige Falsifikate
wurden schon im XVII. Jahrh. beobachtet (~Pomet~). Fremde Farbstoffe
(z. B. Curcuma, Indigo) sind meist in Benzol nicht löslich. Curcuma
wird durch Ammoniak braun, Teerfarben (oft) durch Salzsäure gelb.
Schweinefett kann mit der Cholesterinacetatprobe nachgewiesen werden
(~Bömer~, Zeitschr. Nahr. u. Gen. 1901, 1091).
=Lit.= ~Utz~, Pharm. Praxis 2 (1903), 354. -- ~Morpurgo~, Riv. chim.
farm. (Bull. sc. pharm. 1905, 255). -- Helfenberger Ann. 1900, 902,
1904.
=Anwendung.= Lorbeerfett, beim Volke noch sehr beliebt, ist ein
Bestandteil sog. Nervensalben (Ungt. rosmar. cps. und Ungt. nervinum)
und dient zu Einreibungen bei Rheumatismus, auch gegen Krätze und
in der Tierheilkunde («Alte lorie»). Die Hiengfongessenz ist ein
kampferhaltiger parfümierter Auszug aus Lorbeerblättern und Früchten.
Die ~Sturzenegger~sche Bruchsalze enthält _Ol. laurin._ Das rohe Fett
scheint im Norden bei Samojeden und Lappen als Genußmittel beliebt zu
sein (~Flückiger~). 1907 wurden in Plymouth vom Volke die Früchte als
Abortivum benutzt (~Holmes~, Pharm. journ. 1910). Lorbeeröl gilt als
gutes Insektenschutzmittel (Bremsenöl). Die Früchte wie die Blätter
dienen als Gewürz. Der Geruch des Lorbeer gilt als den Verwesungsgeruch
vertreibend. Lorbeerblätter dienen in Süditalien als Packmaterial für
_Succus Liquiritiae_ und _Feigen_ (~Ravasini~).
=Geschichte.= Lorbeergewächse sind in Mitteleuropa schon im Tertiär
nachzuweisen. _Laurus nobilis_ ist im Travertin bei Rom und Florenz,
in quaternären Tuffen (mit der Feige) in Frankreich gefunden
worden. Während also der Baum in Südeuropa heimisch ist und von
hier nach Osten vordrang, ist der eigenartige Kultus des Lorbeers
von Kleinasien über Thrakien nach Europa gelangt. Der Lorbeer, die
δάφνη der Griechen (so schon bei ~Homer~), wurde schon frühzeitig ein
Götterbaum. Daphne, die liebliche Tochter des Flußgottes, von Apoll
verfolgt, flehte um Verwandlung in einen Baum, und wurde in einen
Lorbeer verwandelt -- mit seinen Blättern bekränzte Apoll sich dann
die Schläfe. ~Apollo Katharsios~ erwählte ihn sich «als Zeichen der
von ihm ausgehenden Reinigungen» (~Hehn~). Er ist der Baum der Sühne.
Er findet sich bei allen apollinischen Heiligtümern, dem ~Apollo~ zu
Ehren wurden die Daphnephorien (Sonnenfeste) in Theben gefeiert, um
den Dreifuß der ~Pythia~ schlangen sich Lorbeerzweige; es war der
prophetische Baum (μαντικόν φυτὸν). Der Lorbeerkranz schmückte den
Seher und Sänger; das Lorbeerreis diente zur Abwehr von Unheil und
Krankheit; das Kauen seiner Blätter verlieh prophetische Gaben, das
Besprengen mit ihm reinigt (Lustratio), es schützt vor Blitzgefahr.
Der Lorbeer ist das Symbol des Sieges, des Friedens, des Ruhms, der
Tugend, der Jungfräulichkeit, der Wahrheit.