Durch Einschnitte in die Rinde liefern _Myr. fragrans_, _Myr.

malabarica_, _Myr. glabra_ und _Myr. succedanea_ einen dem

Malabar+kino+ ähnlichen Stoff, der krist. Calciumtartrat enthält

(~Schär~). Auch _Myr. Teysmanni_, _Virola sebifera_ u. and. verhalten

sich ähnlich (~Eijkmann~).

=Lit.= ~John~, Myristicin, ein näherer Bestandteil der Muskatennuß.

Chem. Schriften 5 (1821), 61. -- ~Bonastre~, Pres. d. l. fécule

dans la noix musc. Journ. pharm. 9 (1823), 281. -- ~Henry~, Examen

du Macis. Ebenda 10 (1824), 281. -- ~Fromberg~, Natuurk. Tijds.

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Chem. Zeit. 1886, 525. -- ~Arnst~ und ~Hart~, Zeitschr. angew. Chem.

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~Dekker~, Pharm. Weekbl. 1909, 16. --

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Viertelj. pr. Pharm. 13 (1864), 504, N. Jahrb. Pharm. 23, 136. --

~Ricker~, N. Jahrb. Pharm. 19, 17. Jahresb. d. Pharm. 1863, S. 37. --

~Witte~, Ebenda 38. -- ~H. Schiff~ (Myristinsäure), Lieb. Ann. 1880.

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-- ~E. Schmidt~ u. ~Römer~, Arch. Pharm. 1883, 34. -- Helfenberger

Ann. 1902, 1904, 1905. -- ~Hooper~, Agricult. Ledger 1907. -- ~Power~

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+Äther. Öl.+ Ältere Unters. b. ~Gildemeister-Hoffmann~. --

~Schacht~, Dissert. de oleo macidis 1862. Arch. Pharm. 1862, 106.

-- ~Koller~, N. Jahrb. d. Pharm. 23 (1864), 136. -- ~Cloëz~, Journ.

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Hydrat d. carb. d. la Noix muscade et d. Macis. Journ. pharm. 18

(1903), 16. -- ~Busse~, Arb. d. kais. Gesundheitsamtes 12, 628. --

~Arnst~ u. ~Hart~, Zeitschr. ang. Chem. 1893, 136. -- ~Flückiger~,

Pharmakognosie. 3. Aufl. -- ~König~, Nahr. u. Genußm. -- Vgl. auch

hinten unter Bombay-Macis. -- Asche: ~Hauke~, Aschengehalte 1902. --

~Moor and Priest~, Pharm. Journ. 1900, 112.

=Verfälschungen.= Selbst die ganzen +Muskatnüsse+ werden verfälscht.

Eine ganze Schiffsladung aus Holz nachgemachter Muskatnüsse

beobachteten ~Chevalier~ und ~Baudrimont~ (1861), aus Mehl, Ton und

Muskatnußpulver zusammengesetzte künstliche wurden 1831 und 1833

beobachtet, aus Leguminosenmehl und Muskatpulver zusammengeknetete

erwähnt ~Busse~, solche aus Buchweizenmehl, Ton, Muskatbutter und

Farbstoff ~Waage~ (1898). Am häufigsten sind aus einem Gemisch

von gemahlenem Muskatnußbruch und mineralischen Substanzen durch

hydraulische Pressen hergestellte im Handel (~van der Planken~

und ~Ranwez~ 1900). Sie haben sogar einen eigenen Handelsnamen

(«Bombay Muskatnüsse»). Beim Durchschneiden der gefälschten Nuß

beobachtet man das Fehlen jeglicher vegetabilischen Struktur, beim

drei Minuten langen Behandeln mit kochendem Wasser wird die Nuß

weich und läßt sich zwischen den Fingern zerreiben. Der Aschengehalt

beträgt 11-18% (bei der echten Nuß 2-3%), der Fettgehalt nur c.

15%, auch sind diese gefälschten Nüsse im allgemeinen schwerer.

Oft finden sich -- auch heute noch -- wurmstichige Nüsse, deren

Bohrlöcher mit Kalk oder einer Kalk-Fett-Mehlmischung verstopft

wurden. Dagegen scheinen «extrahierte» Nüsse nicht mehr beobachtet

zu sein. Die Angabe, daß die Löcher wurmstichiger Muskatnüsse

durch _Sassafras_pulver ausgefüllt wurden, erscheint mir sehr

unwahrscheinlich. Die langgestreckten Nüsse von _M. argentea_, _M.

fatua_ und _M. malabarica_ kommen wegen ihrer abweichenden Form nicht

als Verfälschungen in Betracht.

Das Muskatnußpulver fand ~Ranwez~ (1900) mit dem Pulver der Schalen

verfälscht. Bisweilen wird das Muskatnuß- und Macispulver durch

Verreiben mit Milchzucker hergestellt, da beide wegen des Ölgehaltes

schwer zu pulvern sind.

Als Verfälschung der +Macis+, besonders des Pulvers, ist neuerdings

(seit 1881) vielfach Bombay-Macis (vgl. S. 691) beobachtet worden.

Bombay-Macis scheint besonders nach Holland (Amsterdam) und Deutschland

exportiert und erst dort zur Verfälschung der Macis gemahlen zu

werden. ~Busse~ empfiehlt zur Erkennung der Bombay-Macis die

+Chromat+probe (~Waage~): Erhitzen des alkoholischen Auszuges mit

Kaliumbichromat, Bombay-Macis-Auszug färbt sich braun, Banda-Macis

höchstens chromgelb; ferner die +Ammoniakprobe+ (~Tschirch-Hallström~):

Bombay-Macis-Auszug wird tieforange bis gelbrot, Banda-Macis

gelblich-rosa und die +Barytprobe+ (~Busse~): mit dem Auszuge

getränkte, getrocknete Filtrierpapierstreifen werden durch Eintauchen

in siedendes, gesättigtes Barytwasser und nachheriges Trocknen bei

Banda-Macis blaßrötlich, bei Bombay-Macis ziegelrot. Ich empfehle

den spektralanalytischen Nachweis (s. S. 691). Da Bombay-Macis sehr

viel «Harz» enthält (vgl. S. 691), so ist eine Banda-Macis, die nach

dem Entfetten mit Petroläther mehr als 4% Ätherextrakt liefert,

verdächtig. ~Nestler~ (Über Macisverfälschungen. Ztschr. f. Unters.

d. Nahrungsmittel [1903], Nr. 22) fand unter 104 Macisproben, die

innerhalb 4 Jahren untersucht wurden, 37 Proben als verfälscht. In 17

Proben war ein mehr oder weniger starker Zusatz von Bombay-Macis zu

Banda-Macis, in anderen Banda-Macis und Kukuruzmehl oder Bombay-Macis

und Kukuruzmehl gemacht worden. Einige Proben enthielten überhaupt

keine Macis, sondern waren künstlich aus Kukuruzmehl, gepulverter

Semmel, Sandelholz und Curcuma hergestellt worden. Zur Fälschung

fanden sich überhaupt Zusätze von Kukuruzmehl, gepulverter Semmel,

Sandelholz, Curcuma oder Zimtrindenpulver, einzeln oder mehrere

gemischt, vor. Auch von anderer Seite ist Curcuma als Verfälschung

beobachtet (Borsäurereaktion des Auszuges) sowie das gemahlene

Pericarp der Frucht. Ferner sollen Nüsse, Zwieback (~Späth~), Ocker

und Schwerspath vorgekommen sein. Papuamacis ist im Pulver weder

mikroskopisch noch chemisch sicher nachzuweisen. Die Arillen der _M.

fatua_ scheinen jetzt nicht mehr (wie im XVII. Jahrh.) als Verfälschung

benutzt zu werden.

Die mittlere Zusammensetzung der drei Macissorten wird durch folgende

bei König reproduzierte Tabelle illustriert:

--------------+--------+-------+------------+------------+-----------+

| Anzahl |Wassser|Stickstoff- | Gesamt- |Ätherisches|

Bezeichnung | der | |Substanz |Ätherextrakt| Öl |

|Analysen| | | usw.) | |

==============+========+=======+============+============+===========+

| | % | % | % | % |

Echte Macis | 20 | 10,48 | 6,33 | 23,25 | 7,43 |

Papua „ | 6 | 9,18 | 6,68 | 54,28 | 5,89 |

Wilde (Bombay)| | | | | |

Macis | 5 | 7,04 | 5,05 | 60,06 | Spur |

--------------+-------------+-------------+--------------------+

| Fett- |Harz löslich | Stärke |

Bezeichnung |Petroläther- | in |(Amylodextrinstärke)|

| Extrakt |Äther|Alkohol| |

==============+=============+=====+=======+====================+

| % | % | % | % |

Echte Macis | 21,85 | 2,59| 3,89 | 24,54 |

Papua „ | 52,72 | 0,88| 1,92 | 8,78 |

Wilde (Bombay)| | | | |

Macis | 32,64 |30,99| 3,19 | 14,51 |

--------------+------------------+--------+-----+-------------

| Sonstige |Rohfaser|Asche|Von der Asche

Bezeichnung | stickstofffreie | | |in Wasser

|Extraktionssstoffe| | |löslich

==============+==================+========+=====+=============

| % | % | % | %

Echte Macis | 29,12 | 4,20 | 2,11| 1,03

Papua „ | 14,41 | 4,57 | 2,10| 1,11

Wilde (Bombay)| | | |

Macis | 3,79 | 8,17 | 1,38| 0,97

Die Bestimmung des Petrolätherextraktes, Harzes, der Stärke und

Rohfaser sind nicht in allen Proben ausgeführt, daher entsprechen

diese Zahlen nicht ganz denen für die anderen Bestandteile.

Fälschungen der +Muskatbutter+ sind jetzt relativ selten. Doch kommt

bisweilen gefärbter und durch Erwärmen mit Muskatnußbruch parfümierter

Talg als Muskatbutter im Handel vor. In früherer Zeit wurden Cetaceum,

Talg, Butter, Cacaobutter, Palmöl, Wachs angegeben -- (ob aber wirklich

beobachtet?). Auch ein Parfümieren mit _Sassafras_ finde ich angegeben

(~Bernays~ 1883). Muskatbutter muß sandfrei sein, also zu einer klaren

Flüssigkeit schmelzen. Als Verfälschung ist das Fett der _M. argentea_

beobachtet (~Krasser~). Verfälschung mit Ucuhubafett ist an der

Rotfärbung mit konz. H₂SO₄ oder H₃PO₄ zu erkennen (~Schädler~). ~Utz~

hat die Bestimmung des Brechungsindex zur Erkennung von Fälschungen

benutzt. Ein Zusatz von Schweinefett, Cacaobutter, Cocosfett, Olivenöl

und Talg erniedrigt, ein Zusatz von Lanolin, Paraffin, Vaselin oder

Wachs erhöht die Refraktometeranzeige.

=Lit.= ~Soubeiran~, Nouv. Dict. d. Falsific. etc. 1874. -- ~Chevalier

et Baudrimont~, Dict. altérat. et d. Falsific. d. subst. aliment.

1882. -- ~Busse~, Muskatnüsse, Arbeit. d. Kais. Gesundheitsamt.

11 (1895), 390 u. Nachweis von Bombay-Macis. Zeitschr. Nahrungsm.

1904. -- ~van der Planken~ und ~Ranwez~, Falsific. d. noix de musc.

Ann. de Pharm. 1900, 6, 1. -- ~Ranwez~, Fals. d. l. poudre d. musc.

par les coques de musc. Ann. ph. 1900. -- ~Krasser~, Verfälsch. d.

Muskatnüsse u. d. Macis. Zeitschr. d. Österr. Apoth. Ver. 1897,

791 und Bemerk. über Ol. myrist. u. Oleum Mac. Ebenda S. 824.

-- ~Waage~, Handwörterb. d. Pharm. 1893, II, 169. -- ~Nestler~,

Macisverfälschungen. Zeitschr. Unters. d. Nahrungsm. 1903. --

~Schindler~, Pharm. Zeit. 1902, Nr. 38. -- ~Utz~, Chem. Rev. d. Fett-

usw. Industr. 1903, 11. (Siehe auch unter Bombaymacis S. 692.)

=Anwendung.= In Zucker eingemachte unreife Muskatfrüchte von Ambon

sind in Indien sehr beliebt (sie kamen schon im XVII. Jahrh. nach

Europa, ~Bauhins~ nux condita des ~Ruellius~, in der Straßburger

Taxe 1646: Nux moschata condita indica, in der Prager Taxe 1659:

Nuc. ind. cond.), ebenso ein aus der Fruchtschale hergestelltes

Gelée (maniessan pala, maniessan = Süßigkeit, Leckerei). Auch das

Fruchtfleisch wird in Zucker oder Essig eingelegt als Konfekt oder

Pickle in Indien gegessen. Die Macis wird von vielen Vögeln verspeist

(s. oben S. 666).

Bei größeren Mengen der Droge ist narkotische Wirkung beobachtet.

Es gibt noch heute Leute, die Muskatnüsse als sympathetisches

Mittel gegen Furunkeln am Halse tragen. Muskatnuß gilt als

Rheumatismusmittel und wird auch als Stomachicum, Stimulans und

Carminativum bei Magen- und Darmkatarrh und Dyspepsie, auch als

Substitut für Opium benutzt. Viel verwendet war ~Goelis~ Kinderpulver

(pulvis nucis moschatae cps. sive antiscrophulosus Goelisii).

Ein Abortivum sind sie nicht, obwohl das Volk sie als solches

gelegentlich benutzt. Die Maximaldose gibt U. S. Pharm. auf 0,5 g

an. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Muskatnuß infolge von im

Ruminationsgewebe sitzenden Substanzen unbekannter Zusammensetzung

in größeren Dosen giftig wirken kann (bisweilen schon bei einer

halben Muskatnuß). Schon ~Rumph~, ~Bontius~, ~Lobelius~, ~Schmid~

und ~Cullen~ berichten über solche Fälle und ~Wibmer~ hat die bis

1837 beobachteten zusammengestellt. (Einige Vergiftungsfälle auch in

~Lewins~ Toxicologie.) ~Purkinje~ schildert die Wirkung: Verringerung

der Sinnestätigkeit, Trägheit der Bewegungen, an Besinnungslosigkeit

grenzende Schlaflosigkeit; ~Pereira~ spricht von Betäubung und

Gefühllosigkeit. ~Hermann~ wollte schon im XVII. Jahrh. einen Stoff

isoliert haben, der wie Opium einschläfernd wirkt (zitiert bei

~Valentini~) Über die toxische Wirkung, die ~Power~ und ~Salway~

auf das Öl beziehen, da sie weder Alkaloide noch ein Toxalbumin

nachweisen konnten, vgl. ~Cussny~, Proc. Royal Soc. Med. 1908, I,

39, ~Wallace~, Contrib. to medical research dedicat. to ~Vaughan~.

Ann. Arbor 1903, ~Power and Salway~, Chem. exam. and physiol. act.

of nutmeg. Amer. journ. pharm. 1908 und ~Mendelsohn~, Deutsch. Med.

Wochenschr. 1907, 2201. Über die angebliche Abortivwirkung: ~F.

Jürss~, Beitr. z. Kenntn. d. Wirk. einig. als Volksabortiva benutzten

Pflanzen (_Tanacetum_, _Thuja_, _Myristica_). Stuttgart 1904.

Muskatbutter wird im Archipel als Einreibungsmittel bei Rheumatismus

verwendet, in Europa noch jetzt zu Einreibungen des Unterleibes

(Magenbalsam), bei Kolik, Diarrhöe usw. (meist mit Wachs und

Olivenöl gemischt, _Balsamum nucistae_). Das beim Volke beliebte

~Klepperbein~sche Magenpflaster enthält _Ol. myristicae_, wie das in

Frankreich benutzte _Pomatum nervinum_.

Die auf den sich in der Nähe der Notenkombuis aufhäufenden und dort

oft in besonderen Gruben verrottenden abgelösten Fruchtschalen sich

entwickelnde Agaricinee (djamur pala = Muskatpilz) wird gegessen.

=Geschichte.= Die Alten kannten die Muskatnuß und die Macis nicht.

Weder das κωμακόν des ~Theophrast~ (vielleicht Cubebe?), noch das

narcaptum (nascaphton) oder der βάλανος μυρεψικί (glans unguentaria

[Moringa oleifera?]) des ~Dioskurides~, noch das caryopon des

~Plinius~ (das Samenöl einer syrischen Pflanze?), noch der macer,

macir, machir, μάκειρ der Alten (nach ~Thomson~ [Mitteilung an

~Hanbury~] die Rinde des schon von ~Acosta~ als Macer abgebildeten

_Ailanthus malabarica_ ~Dc.~) beziehen sich hierauf. Das bei

~Plautus~ (im Pseudolus III, 2) vorkommende Wort macis ist dort

eine Phantasiebildung. Der Name macer wurde erst von ~Serapion~ und

~Averrhoes~ auf die Macis übertragen und blieb ihr dann. Nur eine

einzige Stelle kann uns zweifelhaft machen, die nämlich bei ~Celsus~

(V, 18): «+glandis+, quam βάλανον μυρεψικήν Graeci vocant, +cortex+»,

doch stimme ich ~Warburg~ bei, daß auch hier nicht Macis gemeint ist.

Es ist wahrscheinlich, daß die _Myristica_ von den Ureinwohnern der

Bandainseln gar nicht beachtet wurde (~Crawfurd~). Den Indern war die

Muskatnuß kaum viel früher wie den Europäern bekannt. Doch findet

sie sich schon in ~Suśrutas~ als dschati (= jadi) erwähnt (weitere

Nachweise bei ~Martius~). Jedenfalls kam Muskatnuß erst durch die

Araber nach Europa. Die erste, aber unsichere Erwähnung finden wir

in einem Räuchermittel, _Suffumigium moschatum_, das ~Aëtius~ (VI.

Jahrh., vgl. I, S. 591) mitteilt. Dasselbe besteht aus _Nelken_,

_Nardus_, _Costus_, _Calmus_, _Santel_ und _Nuces indicae_; letztere

+können+, wie ~Caesalpini~ und ~Flückiger~ meinte, an +dieser+

Stelle Muskatnuß bedeuten. Deutlicher erwähnt sie im VII. Jahrh. das

syrische Compendium von ~Ahroun~ (~Aron~, bei ~Serapion~ zitiert):

Jeusbaue est nux muscata et affertur a India. Ausführlicher, auch

über die Heilkraft, spricht sich dann ~Ishac ben Amrân~ (I, S. 598)

aus (Stelle aus ~Serapion~ zitiert bei ~Warburg~), der von der Macis

bemerkt: Est cortex nucis muscatae und sie schon gut von der harten

Samenschale und dem Samenkern unterscheidet. Muskatnuß steht im Kitâb

aš šagar (vor 980).

Im X. Jahrh. erwähnt die Muskatnuß auch ~Kurdadbah~ (I, S. 616) unter

den Ausfuhrartikeln Indiens. Weiter nach Osten verlegt ~Masudi~ (I,

S. 616) die Heimat und ~Edrisi~ (I, S. 617) nennt die Inseln des

Meeres Senf (= Sandji, d. h. Sunda, ~Warburg~). Später finden wir

sie dann bei ~Rhazes~ (I, S. 597), ~Mesuë~ (I, S. 599), ~Algâfaqî~

(I, S. 608), der Macer und Macis gut auseinander hält, ~Avicenna~

(I, S. 602), ~Serapion~ (I, S. 604) und vielen anderen. Doch blieb

die Pflanze noch lange unbekannt und noch ~Ibn Batuta~ hält im XIII.

Jahrh. die Muskatnuß für die Frucht des Nelkenbaumes und Macis für

die Blüte des Muskatbaumes, und ~Jacobus Vitriacus~ († 1244) und

~Thomas Cantipratensis~ wiederholten das, was ~Platearius~ sagte: Le

macis est le fleur ou l’ecorce de la noix muscade.

In der europäischen Literatur erwähnt die Muskatnuß zuerst ~Simon

Seth~ (I, S. 593) als κάρυον ἀρωματικόν und ~Constantinus Africanus~

(I, S. 633) gedenkt sowohl der _nux muscata_ wie der _Macis_. Wir

finden sie bei der ~Hildegard~ (I, S. 667), die sich ausführlich über

die medizinische Verwendung äußert, bei ~Albertus Magnus~ (I, S. 675)

im Grabaddin, im Antidotarium ~Nicolai~, bei ~Matthaeus Silvaticus~,

~Simon Januensis~, im Circa instans (I, S. 635), in der Alphita

(I, S. 654), bei ~Harpestreng~ im XIII. Jahrh. (I, S. 684) und in

zahlreichen Taxen und Listen (I, S. 810 u. f.). ~Nicolai~ erwähnt ein

_Oleum moschelinum_ (muscalinum), wozu Muskatnüsse («_nuces indicae_»

-- hier vielleicht aber Behennüsse?) gebraucht wurden.

Wir sehen, daß genuesische Kaufleute 115810 Pfund _nucum muscatarum_

aus Alexandrien auf Lager hatten (~Flückiger~), finden die nois

mouscades 1180 im Tarif der Zollstätte Accon (I, S. 699) Und

1228 unter den in Marseille zu verzollenden Waren (~Flückiger~),

sowie 1191 unter den bei der Krönung Kaiser ~Heinrichs~ benutzten

Räuchermitteln (I, S. 715), beim Festspiele von Treviso 1214, wo

eine von Damen verteidigte Burg unter anderem mit Muskatnüssen

beschossen wurde, in der Kölner Verordnung 1259 (I, S. 712), in der

Liste des bischöflichen Haushaltes 1303-1310 und vielfach anderwärts

(Näheres bei ~Warburg~). Sie waren im XIII. Jahrh. schon nicht

mehr unerschwinglich teuer, Anfang des XIV. Jahrh. wurden sie in

Konstantinopel pfundweise (~Pegolotti~) und 1380 in Brügge (wie

die Macis = machos) schon ballenweise gehandelt. Immerhin wurden

Muskatnüsse doch in Rezepten (z. B. im Antidotarium Nicolai) nicht

dem Gewicht, sondern nach Stück verordnet und silberbeschlagene

Muskatnüsse finden sich oft neben anderen Kostbarkeiten (noch 1519

in Zürich, ~Keller~), im Louvre auch aus Muskatnüssen hergestellte

zierliche Gefäße aus dem XIV. Jahrh. In Stettin erhielt noch 1617 bei

der Taufe jeder Gevatter «Neun Muscatennuß in Papier eingewükhlet».

Die richtige Erkenntnis, was Macis ist, die schon ~Amrân~ hatte,

bricht sich aber erst im XIII. Jahrh. in der Alphita Bahn: «Macis

+non+ est flos nucis moscatae ut quidam credunt, sed adhaeret ipsi

nuci moscatae circum quamque ut potest videri in avellanis». Ähnlich

äußert sich wenig später ~Simon Januensis~. Noch ~Albertus Magnus~,

ja sogar noch ~Conti~ (1419) hatten sie für die Blüte gehalten.

~Marco Polo~ erwähnt die Muskatnüsse, ebenso der Reisende ~Masudi~

(916-920) von den östlichen indischen Inseln. Der erste Bericht

aber über den Muskatnuß+baum+ von einem, der ihn in seiner Heimat,

als welche ~Barthema~ schon Bandam nennt, gesehen, stammt von dem

Portugiesen ~Duarte Barbosa~ (1516), in dessen berühmter Preisliste

Muskatnuß und Macis figurieren (vgl. I, S. 741). -- Erstere 1

farazuola zu 10-12 fanoes, letztere zu 25-30 fanoes --. (Vor der

Entdeckung des Seeweges nach Ostindien kostete 1 Pfund Nüsse 4 sh 6

d, 1 Pfund Macis 9 sh (~Crawfurd~) -- etwa so viel wie eine Kuh!).

1623 war in London der Preis für ein Pfund Muskatnüsse 3 Shilling,

für Macis 5½-8½ Shilling (~Flückiger~). ~Pigafetta~ (I, S. 742), der

im Dienste Spaniens auf ~Magalhaẽs~ Expedition die Maluccen betrat,

beschreibt die Frucht nach eigener Anschauung vortrefflich.

Nachdem zuerst die Spanier, dann die Portugiesen (seit 1529) die

Bandainseln besessen hatten, eroberten die Holländer die Inseln

und errichteten (1602) die vereinigte holländische Kompagnie. Von

1608 an waren sie im alleinigen Besitz der Inseln, teilten das

Land in einzelne Perks (1623), verjagten oder rotteten zunächst

die Bevölkerung auf den Bandainseln (c. 10000 Eingeborene), dann

(seit 1633) auch die Muskatnußbäume auf allen anderen Inseln des

Archipels (Run, Rosengain, Seroua, Nila, Dammer, Kelang, Ceram,

Gorom, Matabello, Tewer, Kouwer, Roma, Kisser usw., s. d. Karte

auf S. 667) -- etwa 60000 (~Lauts~) -- aus, führten Sklaven als

Arbeitskräfte der Perkeniere ein, und bestraften die unbefugte

Anpflanzung außerhalb der eigentlichen Bandainseln, sowie den

Schmuggel mit Nüssen auf das härteste. Die Hongitogten (Hongizüge,

Hongifahrten) waren Kontrollfahrten der Kriegsschiffe (vgl. I, S.

918), die durch Kommissarissen extirpateurs (ein hübscher Titel!)

am Lande unterstützt wurden. Diese Hongitogten dauerten bis in die

Mitte des XVIII. Jahrh. und wurden erst 1824 definitiv aufgehoben.

Als Perkeniere wurden hauptsächlich ältere holländische Soldaten

oder Beamte eingesetzt. Zur Verhinderung der Überproduktion und

Preisdrückung wurde die Ernte oft jahrelang gespeichert oder ganze

Schiffsladungen ins Meer versenkt oder große Vorräte verbrannt (1760

in Amsterdam, -- pour huit millions argent de France! (~Bomare~)

-- 1773 in Batavia c. 250000 Pfund.) Die Kompagnie, die das

Gewürzmonopol etwa 200 Jahre besaß, zahlte von 1605-1700 zwischen 15

und 75% Dividende. Dann ging es mit ihr bergab und 1798 trat der

Staat die Erbschaft der total verschuldeten Kompagnie an, die sich

1808 auflöste. Von 1796-1802 und 1810-1816 besaßen die Engländer

die Bandainseln, von 1816 an gehören sie wieder den Holländern, die

den Gewürzhandel zunächst als Regierungsmonopol betrieben (noch

bis 1862 wurden die Muskatbäume auf den Nebeninseln ausgerottet!).

1864 erlosch auch dies. Seitdem Freikultur eingeführt ist, sind

die Bandainseln in wirtschaftlichem Aufschwung. In China war die

Muskatnuß kaum vor dem VIII. Jahrh. bekannt (~Bretschneider~).

Im XVI. Jahrh. ging die Muskatnuß nach Lissabon, zur Zeit der

niederländisch-indischen Kompagnie nach Holland. Dort wurden die

Nüsse zu von der Kompagnie festgesetzten Monopolpreisen verkauft. Von

1600-1700 wurden im Jahre durchschnittlich bis 666747 Pfund Nüsse und

bis 183270 Pfund Macis auf den Bandainseln produziert, von 1700-1777

zwischen 400- und 700000 Pfund Nüsse und 90-176000 Pfund Macis, 1860

wurde die Million Pfund überschritten (~Warburg~).

Zuerst eine indische Kostbarkeit zu Geschenken an Vornehme, als

Riechmittel, zu Räucherungen und Salben benutzt, dann (im XIV.

Jahrh. und schon früher in Vorderindien, ~Martius~) wertvolles

Gewürz, das aber, das zeigen uns die «Kochbücher», immer breiteren

Schichten zugänglich wird -- die Muskatnußreibe steht heute auf

jeder holländischen Tafel -- wird die Muskatnuß im XVI. und XVII.

und besonders im XVIII. Jahrh. ein wichtiges Heilmittel, dem ~J.

H. Dietz~ 1681 eine Dissertatio unter dem Titel Moschocaryologia

und ~Ch. F. Paullini~ 1704 gar eine umfangreiche, 900 Seiten starke

lateinische Μοσχοκαρυογραφία widmete (I, S. 926), in welchem

kritiklosen Sammelsurium die Muskatnuß bei 138 (!) Krankheiten

empfohlen wird. In nicht weniger als 86 Rezepten in des ~Cordus~

Dispensatorium (I, S. 795) findet sich Muskatnuß oder Macis, und noch

~Schröders~ wertvolle Pharmacopoea med. chym. (I, S. 890) enthält

folgende Präparate: _Conditae nucistae_, _Condita macis_, _Aqua

nucistae_, _Oleum nucistae stillatum_, _Ol. nucistae expressum_, _Sal

commune nucistae_, _Ol. macis stillatum_, _Ol. macis expressum_,

_Extr. olei nucist. express._, _Balsamus Macis_, _Balsamus nucistae_.

Ende des XVIII. Jahrh. verblaßte ihr Ruhm, doch nennt noch ~Murrays~

Apparatus medicaminum (I, S. 952) eine ganze Reihe von Krankheiten.

Ein Conditum nucum moscatarum sive indicarum findet sich in der

Frankfurter Reformatio 1718 (I, S. 831).

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 105 / 120 段