malabarica_, _Myr. glabra_ und _Myr. succedanea_ einen dem
Malabar+kino+ ähnlichen Stoff, der krist. Calciumtartrat enthält
(~Schär~). Auch _Myr. Teysmanni_, _Virola sebifera_ u. and. verhalten
sich ähnlich (~Eijkmann~).
=Lit.= ~John~, Myristicin, ein näherer Bestandteil der Muskatennuß.
Chem. Schriften 5 (1821), 61. -- ~Bonastre~, Pres. d. l. fécule
dans la noix musc. Journ. pharm. 9 (1823), 281. -- ~Henry~, Examen
du Macis. Ebenda 10 (1824), 281. -- ~Fromberg~, Natuurk. Tijds.
Ned. Ind. 11, 207. -- ~Eijkmann~, Ned. Tijdschr. 1887. -- ~Schär~
(Kino), Pharm. Journ. 1896. -- ~Flückiger~, Pharmakogn. -- ~Busse~,
Muskatnüsse. Arbeit. d. Kais. Gesundheitsamt. 11 (1895), 391. --
~König~, Nahr.- u. Genußm. -- ~Frühling~, Z. Unters. gemahl. Gew.
Chem. Zeit. 1886, 525. -- ~Arnst~ und ~Hart~, Zeitschr. angew. Chem.
1893, 136. -- ~Balland~, Journ. pharm. 1903, 294. -- ~Brachin~,
Ebenda 1903, 16. -- ~Mastbaum~, Chem. Rev. d. Fettind. 1907, 5. --
~Dekker~, Pharm. Weekbl. 1909, 16. --
+Fett.+ ~Playfair~, Ann. d. Pharm. 37 (1841), 153. Edinb. Phil. Mag.
1841. -- ~Brandes~, Ann. d. Pharm. 7, 52. -- ~Brilmann~, Tijds. Ned.
Ind. 1841, 318. -- ~Comar~, Jahresb. d. Chem. 1859, 366. -- ~Koller~,
Viertelj. pr. Pharm. 13 (1864), 504, N. Jahrb. Pharm. 23, 136. --
~Ricker~, N. Jahrb. Pharm. 19, 17. Jahresb. d. Pharm. 1863, S. 37. --
~Witte~, Ebenda 38. -- ~H. Schiff~ (Myristinsäure), Lieb. Ann. 1880.
-- ~Römer~, Vork. kohlenstoffreich. Fettsäuren. Dissert. Halle 1882.
-- ~E. Schmidt~ u. ~Römer~, Arch. Pharm. 1883, 34. -- Helfenberger
Ann. 1902, 1904, 1905. -- ~Hooper~, Agricult. Ledger 1907. -- ~Power~
u. ~Salway~, Transact. chem. Soc. 1908, 1653.
+Äther. Öl.+ Ältere Unters. b. ~Gildemeister-Hoffmann~. --
~Schacht~, Dissert. de oleo macidis 1862. Arch. Pharm. 1862, 106.
-- ~Koller~, N. Jahrb. d. Pharm. 23 (1864), 136. -- ~Cloëz~, Journ.
pharm. 1864, 150. -- ~Gladstone~, Journ. chem. soc. 1872, 1. --
~Wright~, Ebenda
1873, 549. -- ~Wallach~, Lieb. Ann. 227 (1884), 288 u. 252 (1881),
105. -- ~Flückiger~, Pharm. Journ. 5 (1874), 136. -- ~Semmler~,
Ber. d. chem. Ges. 23 (1890), 1803 und 24 (1891), 3818. --
~Brühl~, Ebenda 21, 472. -- ~Thoms~ (Myristicin), Constitut. d.
Myristicins Arb. d. pharm. Inst. Berlin I, 18, Naturforschervers.
Cassel 1903. -- ~Schimmels~ Ber. 1893, 1898. -- ~Allen and Brewis~
(Optische Drehung), Pharm. Journ. 66 (1901), 328. -- ~Salway~
(Nitromyristicins.), Transact. chem. soc. 1911.
+Macis.+ ~Henry~, Examen du Macis, Journ. pharm. 10 (1824), 281.
-- ~Flückiger~, Arch. Pharm. 1871. -- ~Tschirch~, Ber. d. Bot.
Ges. 1888, 138. -- ~Hallström~, Arch. Pharm. 1895. -- ~Brachin~,
Hydrat d. carb. d. la Noix muscade et d. Macis. Journ. pharm. 18
(1903), 16. -- ~Busse~, Arb. d. kais. Gesundheitsamtes 12, 628. --
~Arnst~ u. ~Hart~, Zeitschr. ang. Chem. 1893, 136. -- ~Flückiger~,
Pharmakognosie. 3. Aufl. -- ~König~, Nahr. u. Genußm. -- Vgl. auch
hinten unter Bombay-Macis. -- Asche: ~Hauke~, Aschengehalte 1902. --
~Moor and Priest~, Pharm. Journ. 1900, 112.
=Verfälschungen.= Selbst die ganzen +Muskatnüsse+ werden verfälscht.
Eine ganze Schiffsladung aus Holz nachgemachter Muskatnüsse
beobachteten ~Chevalier~ und ~Baudrimont~ (1861), aus Mehl, Ton und
Muskatnußpulver zusammengesetzte künstliche wurden 1831 und 1833
beobachtet, aus Leguminosenmehl und Muskatpulver zusammengeknetete
erwähnt ~Busse~, solche aus Buchweizenmehl, Ton, Muskatbutter und
Farbstoff ~Waage~ (1898). Am häufigsten sind aus einem Gemisch
von gemahlenem Muskatnußbruch und mineralischen Substanzen durch
hydraulische Pressen hergestellte im Handel (~van der Planken~
und ~Ranwez~ 1900). Sie haben sogar einen eigenen Handelsnamen
(«Bombay Muskatnüsse»). Beim Durchschneiden der gefälschten Nuß
beobachtet man das Fehlen jeglicher vegetabilischen Struktur, beim
drei Minuten langen Behandeln mit kochendem Wasser wird die Nuß
weich und läßt sich zwischen den Fingern zerreiben. Der Aschengehalt
beträgt 11-18% (bei der echten Nuß 2-3%), der Fettgehalt nur c.
15%, auch sind diese gefälschten Nüsse im allgemeinen schwerer.
Oft finden sich -- auch heute noch -- wurmstichige Nüsse, deren
Bohrlöcher mit Kalk oder einer Kalk-Fett-Mehlmischung verstopft
wurden. Dagegen scheinen «extrahierte» Nüsse nicht mehr beobachtet
zu sein. Die Angabe, daß die Löcher wurmstichiger Muskatnüsse
durch _Sassafras_pulver ausgefüllt wurden, erscheint mir sehr
unwahrscheinlich. Die langgestreckten Nüsse von _M. argentea_, _M.
fatua_ und _M. malabarica_ kommen wegen ihrer abweichenden Form nicht
als Verfälschungen in Betracht.
Das Muskatnußpulver fand ~Ranwez~ (1900) mit dem Pulver der Schalen
verfälscht. Bisweilen wird das Muskatnuß- und Macispulver durch
Verreiben mit Milchzucker hergestellt, da beide wegen des Ölgehaltes
schwer zu pulvern sind.
Als Verfälschung der +Macis+, besonders des Pulvers, ist neuerdings
(seit 1881) vielfach Bombay-Macis (vgl. S. 691) beobachtet worden.
Bombay-Macis scheint besonders nach Holland (Amsterdam) und Deutschland
exportiert und erst dort zur Verfälschung der Macis gemahlen zu
werden. ~Busse~ empfiehlt zur Erkennung der Bombay-Macis die
+Chromat+probe (~Waage~): Erhitzen des alkoholischen Auszuges mit
Kaliumbichromat, Bombay-Macis-Auszug färbt sich braun, Banda-Macis
höchstens chromgelb; ferner die +Ammoniakprobe+ (~Tschirch-Hallström~):
Bombay-Macis-Auszug wird tieforange bis gelbrot, Banda-Macis
gelblich-rosa und die +Barytprobe+ (~Busse~): mit dem Auszuge
getränkte, getrocknete Filtrierpapierstreifen werden durch Eintauchen
in siedendes, gesättigtes Barytwasser und nachheriges Trocknen bei
Banda-Macis blaßrötlich, bei Bombay-Macis ziegelrot. Ich empfehle
den spektralanalytischen Nachweis (s. S. 691). Da Bombay-Macis sehr
viel «Harz» enthält (vgl. S. 691), so ist eine Banda-Macis, die nach
dem Entfetten mit Petroläther mehr als 4% Ätherextrakt liefert,
verdächtig. ~Nestler~ (Über Macisverfälschungen. Ztschr. f. Unters.
d. Nahrungsmittel [1903], Nr. 22) fand unter 104 Macisproben, die
innerhalb 4 Jahren untersucht wurden, 37 Proben als verfälscht. In 17
Proben war ein mehr oder weniger starker Zusatz von Bombay-Macis zu
Banda-Macis, in anderen Banda-Macis und Kukuruzmehl oder Bombay-Macis
und Kukuruzmehl gemacht worden. Einige Proben enthielten überhaupt
keine Macis, sondern waren künstlich aus Kukuruzmehl, gepulverter
Semmel, Sandelholz und Curcuma hergestellt worden. Zur Fälschung
fanden sich überhaupt Zusätze von Kukuruzmehl, gepulverter Semmel,
Sandelholz, Curcuma oder Zimtrindenpulver, einzeln oder mehrere
gemischt, vor. Auch von anderer Seite ist Curcuma als Verfälschung
beobachtet (Borsäurereaktion des Auszuges) sowie das gemahlene
Pericarp der Frucht. Ferner sollen Nüsse, Zwieback (~Späth~), Ocker
und Schwerspath vorgekommen sein. Papuamacis ist im Pulver weder
mikroskopisch noch chemisch sicher nachzuweisen. Die Arillen der _M.
fatua_ scheinen jetzt nicht mehr (wie im XVII. Jahrh.) als Verfälschung
benutzt zu werden.
Die mittlere Zusammensetzung der drei Macissorten wird durch folgende
bei König reproduzierte Tabelle illustriert:
--------------+--------+-------+------------+------------+-----------+
| Anzahl |Wassser|Stickstoff- | Gesamt- |Ätherisches|
Bezeichnung | der | |Substanz |Ätherextrakt| Öl |
|Analysen| | | usw.) | |
==============+========+=======+============+============+===========+
| | % | % | % | % |
Echte Macis | 20 | 10,48 | 6,33 | 23,25 | 7,43 |
Papua „ | 6 | 9,18 | 6,68 | 54,28 | 5,89 |
Wilde (Bombay)| | | | | |
Macis | 5 | 7,04 | 5,05 | 60,06 | Spur |
--------------+-------------+-------------+--------------------+
| Fett- |Harz löslich | Stärke |
Bezeichnung |Petroläther- | in |(Amylodextrinstärke)|
| Extrakt |Äther|Alkohol| |
==============+=============+=====+=======+====================+
| % | % | % | % |
Echte Macis | 21,85 | 2,59| 3,89 | 24,54 |
Papua „ | 52,72 | 0,88| 1,92 | 8,78 |
Wilde (Bombay)| | | | |
Macis | 32,64 |30,99| 3,19 | 14,51 |
--------------+------------------+--------+-----+-------------
| Sonstige |Rohfaser|Asche|Von der Asche
Bezeichnung | stickstofffreie | | |in Wasser
|Extraktionssstoffe| | |löslich
==============+==================+========+=====+=============
| % | % | % | %
Echte Macis | 29,12 | 4,20 | 2,11| 1,03
Papua „ | 14,41 | 4,57 | 2,10| 1,11
Wilde (Bombay)| | | |
Macis | 3,79 | 8,17 | 1,38| 0,97
Die Bestimmung des Petrolätherextraktes, Harzes, der Stärke und
Rohfaser sind nicht in allen Proben ausgeführt, daher entsprechen
diese Zahlen nicht ganz denen für die anderen Bestandteile.
Fälschungen der +Muskatbutter+ sind jetzt relativ selten. Doch kommt
bisweilen gefärbter und durch Erwärmen mit Muskatnußbruch parfümierter
Talg als Muskatbutter im Handel vor. In früherer Zeit wurden Cetaceum,
Talg, Butter, Cacaobutter, Palmöl, Wachs angegeben -- (ob aber wirklich
beobachtet?). Auch ein Parfümieren mit _Sassafras_ finde ich angegeben
(~Bernays~ 1883). Muskatbutter muß sandfrei sein, also zu einer klaren
Flüssigkeit schmelzen. Als Verfälschung ist das Fett der _M. argentea_
beobachtet (~Krasser~). Verfälschung mit Ucuhubafett ist an der
Rotfärbung mit konz. H₂SO₄ oder H₃PO₄ zu erkennen (~Schädler~). ~Utz~
hat die Bestimmung des Brechungsindex zur Erkennung von Fälschungen
benutzt. Ein Zusatz von Schweinefett, Cacaobutter, Cocosfett, Olivenöl
und Talg erniedrigt, ein Zusatz von Lanolin, Paraffin, Vaselin oder
Wachs erhöht die Refraktometeranzeige.
=Lit.= ~Soubeiran~, Nouv. Dict. d. Falsific. etc. 1874. -- ~Chevalier
et Baudrimont~, Dict. altérat. et d. Falsific. d. subst. aliment.
1882. -- ~Busse~, Muskatnüsse, Arbeit. d. Kais. Gesundheitsamt.
11 (1895), 390 u. Nachweis von Bombay-Macis. Zeitschr. Nahrungsm.
1904. -- ~van der Planken~ und ~Ranwez~, Falsific. d. noix de musc.
Ann. de Pharm. 1900, 6, 1. -- ~Ranwez~, Fals. d. l. poudre d. musc.
par les coques de musc. Ann. ph. 1900. -- ~Krasser~, Verfälsch. d.
Muskatnüsse u. d. Macis. Zeitschr. d. Österr. Apoth. Ver. 1897,
791 und Bemerk. über Ol. myrist. u. Oleum Mac. Ebenda S. 824.
-- ~Waage~, Handwörterb. d. Pharm. 1893, II, 169. -- ~Nestler~,
Macisverfälschungen. Zeitschr. Unters. d. Nahrungsm. 1903. --
~Schindler~, Pharm. Zeit. 1902, Nr. 38. -- ~Utz~, Chem. Rev. d. Fett-
usw. Industr. 1903, 11. (Siehe auch unter Bombaymacis S. 692.)
=Anwendung.= In Zucker eingemachte unreife Muskatfrüchte von Ambon
sind in Indien sehr beliebt (sie kamen schon im XVII. Jahrh. nach
Europa, ~Bauhins~ nux condita des ~Ruellius~, in der Straßburger
Taxe 1646: Nux moschata condita indica, in der Prager Taxe 1659:
Nuc. ind. cond.), ebenso ein aus der Fruchtschale hergestelltes
Gelée (maniessan pala, maniessan = Süßigkeit, Leckerei). Auch das
Fruchtfleisch wird in Zucker oder Essig eingelegt als Konfekt oder
Pickle in Indien gegessen. Die Macis wird von vielen Vögeln verspeist
(s. oben S. 666).
Bei größeren Mengen der Droge ist narkotische Wirkung beobachtet.
Es gibt noch heute Leute, die Muskatnüsse als sympathetisches
Mittel gegen Furunkeln am Halse tragen. Muskatnuß gilt als
Rheumatismusmittel und wird auch als Stomachicum, Stimulans und
Carminativum bei Magen- und Darmkatarrh und Dyspepsie, auch als
Substitut für Opium benutzt. Viel verwendet war ~Goelis~ Kinderpulver
(pulvis nucis moschatae cps. sive antiscrophulosus Goelisii).
Ein Abortivum sind sie nicht, obwohl das Volk sie als solches
gelegentlich benutzt. Die Maximaldose gibt U. S. Pharm. auf 0,5 g
an. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Muskatnuß infolge von im
Ruminationsgewebe sitzenden Substanzen unbekannter Zusammensetzung
in größeren Dosen giftig wirken kann (bisweilen schon bei einer
halben Muskatnuß). Schon ~Rumph~, ~Bontius~, ~Lobelius~, ~Schmid~
und ~Cullen~ berichten über solche Fälle und ~Wibmer~ hat die bis
1837 beobachteten zusammengestellt. (Einige Vergiftungsfälle auch in
~Lewins~ Toxicologie.) ~Purkinje~ schildert die Wirkung: Verringerung
der Sinnestätigkeit, Trägheit der Bewegungen, an Besinnungslosigkeit
grenzende Schlaflosigkeit; ~Pereira~ spricht von Betäubung und
Gefühllosigkeit. ~Hermann~ wollte schon im XVII. Jahrh. einen Stoff
isoliert haben, der wie Opium einschläfernd wirkt (zitiert bei
~Valentini~) Über die toxische Wirkung, die ~Power~ und ~Salway~
auf das Öl beziehen, da sie weder Alkaloide noch ein Toxalbumin
nachweisen konnten, vgl. ~Cussny~, Proc. Royal Soc. Med. 1908, I,
39, ~Wallace~, Contrib. to medical research dedicat. to ~Vaughan~.
Ann. Arbor 1903, ~Power and Salway~, Chem. exam. and physiol. act.
of nutmeg. Amer. journ. pharm. 1908 und ~Mendelsohn~, Deutsch. Med.
Wochenschr. 1907, 2201. Über die angebliche Abortivwirkung: ~F.
Jürss~, Beitr. z. Kenntn. d. Wirk. einig. als Volksabortiva benutzten
Pflanzen (_Tanacetum_, _Thuja_, _Myristica_). Stuttgart 1904.
Muskatbutter wird im Archipel als Einreibungsmittel bei Rheumatismus
verwendet, in Europa noch jetzt zu Einreibungen des Unterleibes
(Magenbalsam), bei Kolik, Diarrhöe usw. (meist mit Wachs und
Olivenöl gemischt, _Balsamum nucistae_). Das beim Volke beliebte
~Klepperbein~sche Magenpflaster enthält _Ol. myristicae_, wie das in
Frankreich benutzte _Pomatum nervinum_.
Die auf den sich in der Nähe der Notenkombuis aufhäufenden und dort
oft in besonderen Gruben verrottenden abgelösten Fruchtschalen sich
entwickelnde Agaricinee (djamur pala = Muskatpilz) wird gegessen.
=Geschichte.= Die Alten kannten die Muskatnuß und die Macis nicht.
Weder das κωμακόν des ~Theophrast~ (vielleicht Cubebe?), noch das
narcaptum (nascaphton) oder der βάλανος μυρεψικί (glans unguentaria
[Moringa oleifera?]) des ~Dioskurides~, noch das caryopon des
~Plinius~ (das Samenöl einer syrischen Pflanze?), noch der macer,
macir, machir, μάκειρ der Alten (nach ~Thomson~ [Mitteilung an
~Hanbury~] die Rinde des schon von ~Acosta~ als Macer abgebildeten
_Ailanthus malabarica_ ~Dc.~) beziehen sich hierauf. Das bei
~Plautus~ (im Pseudolus III, 2) vorkommende Wort macis ist dort
eine Phantasiebildung. Der Name macer wurde erst von ~Serapion~ und
~Averrhoes~ auf die Macis übertragen und blieb ihr dann. Nur eine
einzige Stelle kann uns zweifelhaft machen, die nämlich bei ~Celsus~
(V, 18): «+glandis+, quam βάλανον μυρεψικήν Graeci vocant, +cortex+»,
doch stimme ich ~Warburg~ bei, daß auch hier nicht Macis gemeint ist.
Es ist wahrscheinlich, daß die _Myristica_ von den Ureinwohnern der
Bandainseln gar nicht beachtet wurde (~Crawfurd~). Den Indern war die
Muskatnuß kaum viel früher wie den Europäern bekannt. Doch findet
sie sich schon in ~Suśrutas~ als dschati (= jadi) erwähnt (weitere
Nachweise bei ~Martius~). Jedenfalls kam Muskatnuß erst durch die
Araber nach Europa. Die erste, aber unsichere Erwähnung finden wir
in einem Räuchermittel, _Suffumigium moschatum_, das ~Aëtius~ (VI.
Jahrh., vgl. I, S. 591) mitteilt. Dasselbe besteht aus _Nelken_,
_Nardus_, _Costus_, _Calmus_, _Santel_ und _Nuces indicae_; letztere
+können+, wie ~Caesalpini~ und ~Flückiger~ meinte, an +dieser+
Stelle Muskatnuß bedeuten. Deutlicher erwähnt sie im VII. Jahrh. das
syrische Compendium von ~Ahroun~ (~Aron~, bei ~Serapion~ zitiert):
Jeusbaue est nux muscata et affertur a India. Ausführlicher, auch
über die Heilkraft, spricht sich dann ~Ishac ben Amrân~ (I, S. 598)
aus (Stelle aus ~Serapion~ zitiert bei ~Warburg~), der von der Macis
bemerkt: Est cortex nucis muscatae und sie schon gut von der harten
Samenschale und dem Samenkern unterscheidet. Muskatnuß steht im Kitâb
aš šagar (vor 980).
Im X. Jahrh. erwähnt die Muskatnuß auch ~Kurdadbah~ (I, S. 616) unter
den Ausfuhrartikeln Indiens. Weiter nach Osten verlegt ~Masudi~ (I,
S. 616) die Heimat und ~Edrisi~ (I, S. 617) nennt die Inseln des
Meeres Senf (= Sandji, d. h. Sunda, ~Warburg~). Später finden wir
sie dann bei ~Rhazes~ (I, S. 597), ~Mesuë~ (I, S. 599), ~Algâfaqî~
(I, S. 608), der Macer und Macis gut auseinander hält, ~Avicenna~
(I, S. 602), ~Serapion~ (I, S. 604) und vielen anderen. Doch blieb
die Pflanze noch lange unbekannt und noch ~Ibn Batuta~ hält im XIII.
Jahrh. die Muskatnuß für die Frucht des Nelkenbaumes und Macis für
die Blüte des Muskatbaumes, und ~Jacobus Vitriacus~ († 1244) und
~Thomas Cantipratensis~ wiederholten das, was ~Platearius~ sagte: Le
macis est le fleur ou l’ecorce de la noix muscade.
In der europäischen Literatur erwähnt die Muskatnuß zuerst ~Simon
Seth~ (I, S. 593) als κάρυον ἀρωματικόν und ~Constantinus Africanus~
(I, S. 633) gedenkt sowohl der _nux muscata_ wie der _Macis_. Wir
finden sie bei der ~Hildegard~ (I, S. 667), die sich ausführlich über
die medizinische Verwendung äußert, bei ~Albertus Magnus~ (I, S. 675)
im Grabaddin, im Antidotarium ~Nicolai~, bei ~Matthaeus Silvaticus~,
~Simon Januensis~, im Circa instans (I, S. 635), in der Alphita
(I, S. 654), bei ~Harpestreng~ im XIII. Jahrh. (I, S. 684) und in
zahlreichen Taxen und Listen (I, S. 810 u. f.). ~Nicolai~ erwähnt ein
_Oleum moschelinum_ (muscalinum), wozu Muskatnüsse («_nuces indicae_»
-- hier vielleicht aber Behennüsse?) gebraucht wurden.
Wir sehen, daß genuesische Kaufleute 115810 Pfund _nucum muscatarum_
aus Alexandrien auf Lager hatten (~Flückiger~), finden die nois
mouscades 1180 im Tarif der Zollstätte Accon (I, S. 699) Und
1228 unter den in Marseille zu verzollenden Waren (~Flückiger~),
sowie 1191 unter den bei der Krönung Kaiser ~Heinrichs~ benutzten
Räuchermitteln (I, S. 715), beim Festspiele von Treviso 1214, wo
eine von Damen verteidigte Burg unter anderem mit Muskatnüssen
beschossen wurde, in der Kölner Verordnung 1259 (I, S. 712), in der
Liste des bischöflichen Haushaltes 1303-1310 und vielfach anderwärts
(Näheres bei ~Warburg~). Sie waren im XIII. Jahrh. schon nicht
mehr unerschwinglich teuer, Anfang des XIV. Jahrh. wurden sie in
Konstantinopel pfundweise (~Pegolotti~) und 1380 in Brügge (wie
die Macis = machos) schon ballenweise gehandelt. Immerhin wurden
Muskatnüsse doch in Rezepten (z. B. im Antidotarium Nicolai) nicht
dem Gewicht, sondern nach Stück verordnet und silberbeschlagene
Muskatnüsse finden sich oft neben anderen Kostbarkeiten (noch 1519
in Zürich, ~Keller~), im Louvre auch aus Muskatnüssen hergestellte
zierliche Gefäße aus dem XIV. Jahrh. In Stettin erhielt noch 1617 bei
der Taufe jeder Gevatter «Neun Muscatennuß in Papier eingewükhlet».
Die richtige Erkenntnis, was Macis ist, die schon ~Amrân~ hatte,
bricht sich aber erst im XIII. Jahrh. in der Alphita Bahn: «Macis
+non+ est flos nucis moscatae ut quidam credunt, sed adhaeret ipsi
nuci moscatae circum quamque ut potest videri in avellanis». Ähnlich
äußert sich wenig später ~Simon Januensis~. Noch ~Albertus Magnus~,
ja sogar noch ~Conti~ (1419) hatten sie für die Blüte gehalten.
~Marco Polo~ erwähnt die Muskatnüsse, ebenso der Reisende ~Masudi~
(916-920) von den östlichen indischen Inseln. Der erste Bericht
aber über den Muskatnuß+baum+ von einem, der ihn in seiner Heimat,
als welche ~Barthema~ schon Bandam nennt, gesehen, stammt von dem
Portugiesen ~Duarte Barbosa~ (1516), in dessen berühmter Preisliste
Muskatnuß und Macis figurieren (vgl. I, S. 741). -- Erstere 1
farazuola zu 10-12 fanoes, letztere zu 25-30 fanoes --. (Vor der
Entdeckung des Seeweges nach Ostindien kostete 1 Pfund Nüsse 4 sh 6
d, 1 Pfund Macis 9 sh (~Crawfurd~) -- etwa so viel wie eine Kuh!).
1623 war in London der Preis für ein Pfund Muskatnüsse 3 Shilling,
für Macis 5½-8½ Shilling (~Flückiger~). ~Pigafetta~ (I, S. 742), der
im Dienste Spaniens auf ~Magalhaẽs~ Expedition die Maluccen betrat,
beschreibt die Frucht nach eigener Anschauung vortrefflich.
Nachdem zuerst die Spanier, dann die Portugiesen (seit 1529) die
Bandainseln besessen hatten, eroberten die Holländer die Inseln
und errichteten (1602) die vereinigte holländische Kompagnie. Von
1608 an waren sie im alleinigen Besitz der Inseln, teilten das
Land in einzelne Perks (1623), verjagten oder rotteten zunächst
die Bevölkerung auf den Bandainseln (c. 10000 Eingeborene), dann
(seit 1633) auch die Muskatnußbäume auf allen anderen Inseln des
Archipels (Run, Rosengain, Seroua, Nila, Dammer, Kelang, Ceram,
Gorom, Matabello, Tewer, Kouwer, Roma, Kisser usw., s. d. Karte
auf S. 667) -- etwa 60000 (~Lauts~) -- aus, führten Sklaven als
Arbeitskräfte der Perkeniere ein, und bestraften die unbefugte
Anpflanzung außerhalb der eigentlichen Bandainseln, sowie den
Schmuggel mit Nüssen auf das härteste. Die Hongitogten (Hongizüge,
Hongifahrten) waren Kontrollfahrten der Kriegsschiffe (vgl. I, S.
918), die durch Kommissarissen extirpateurs (ein hübscher Titel!)
am Lande unterstützt wurden. Diese Hongitogten dauerten bis in die
Mitte des XVIII. Jahrh. und wurden erst 1824 definitiv aufgehoben.
Als Perkeniere wurden hauptsächlich ältere holländische Soldaten
oder Beamte eingesetzt. Zur Verhinderung der Überproduktion und
Preisdrückung wurde die Ernte oft jahrelang gespeichert oder ganze
Schiffsladungen ins Meer versenkt oder große Vorräte verbrannt (1760
in Amsterdam, -- pour huit millions argent de France! (~Bomare~)
-- 1773 in Batavia c. 250000 Pfund.) Die Kompagnie, die das
Gewürzmonopol etwa 200 Jahre besaß, zahlte von 1605-1700 zwischen 15
und 75% Dividende. Dann ging es mit ihr bergab und 1798 trat der
Staat die Erbschaft der total verschuldeten Kompagnie an, die sich
1808 auflöste. Von 1796-1802 und 1810-1816 besaßen die Engländer
die Bandainseln, von 1816 an gehören sie wieder den Holländern, die
den Gewürzhandel zunächst als Regierungsmonopol betrieben (noch
bis 1862 wurden die Muskatbäume auf den Nebeninseln ausgerottet!).
1864 erlosch auch dies. Seitdem Freikultur eingeführt ist, sind
die Bandainseln in wirtschaftlichem Aufschwung. In China war die
Muskatnuß kaum vor dem VIII. Jahrh. bekannt (~Bretschneider~).
Im XVI. Jahrh. ging die Muskatnuß nach Lissabon, zur Zeit der
niederländisch-indischen Kompagnie nach Holland. Dort wurden die
Nüsse zu von der Kompagnie festgesetzten Monopolpreisen verkauft. Von
1600-1700 wurden im Jahre durchschnittlich bis 666747 Pfund Nüsse und
bis 183270 Pfund Macis auf den Bandainseln produziert, von 1700-1777
zwischen 400- und 700000 Pfund Nüsse und 90-176000 Pfund Macis, 1860
wurde die Million Pfund überschritten (~Warburg~).
Zuerst eine indische Kostbarkeit zu Geschenken an Vornehme, als
Riechmittel, zu Räucherungen und Salben benutzt, dann (im XIV.
Jahrh. und schon früher in Vorderindien, ~Martius~) wertvolles
Gewürz, das aber, das zeigen uns die «Kochbücher», immer breiteren
Schichten zugänglich wird -- die Muskatnußreibe steht heute auf
jeder holländischen Tafel -- wird die Muskatnuß im XVI. und XVII.
und besonders im XVIII. Jahrh. ein wichtiges Heilmittel, dem ~J.
H. Dietz~ 1681 eine Dissertatio unter dem Titel Moschocaryologia
und ~Ch. F. Paullini~ 1704 gar eine umfangreiche, 900 Seiten starke
lateinische Μοσχοκαρυογραφία widmete (I, S. 926), in welchem
kritiklosen Sammelsurium die Muskatnuß bei 138 (!) Krankheiten
empfohlen wird. In nicht weniger als 86 Rezepten in des ~Cordus~
Dispensatorium (I, S. 795) findet sich Muskatnuß oder Macis, und noch
~Schröders~ wertvolle Pharmacopoea med. chym. (I, S. 890) enthält
folgende Präparate: _Conditae nucistae_, _Condita macis_, _Aqua
nucistae_, _Oleum nucistae stillatum_, _Ol. nucistae expressum_, _Sal
commune nucistae_, _Ol. macis stillatum_, _Ol. macis expressum_,
_Extr. olei nucist. express._, _Balsamus Macis_, _Balsamus nucistae_.
Ende des XVIII. Jahrh. verblaßte ihr Ruhm, doch nennt noch ~Murrays~
Apparatus medicaminum (I, S. 952) eine ganze Reihe von Krankheiten.
Ein Conditum nucum moscatarum sive indicarum findet sich in der
Frankfurter Reformatio 1718 (I, S. 831).