ungeöffneten Blüte, angelegt. Er entspringt sowohl vom Funiculus wie
vom Exostomrande, ist also eine Zwischenform zwischen Arillus und
Arillodium. Schon bei einem 2,5 mm großen Samen stoßen seine Lappen
an der Spitze des Samens zusammen. Der farbige Arillus zeigt an
seiner Basis ein vertieftes ovales Feld mit den Eintrittsstellen der
Gefäßbündel. Er ist beiderseits von einer Epidermis bedeckt, deren sehr
langgestreckte (300-600 mik ~Vogl~), an den Enden meist zugespitzte,
im Querschnitt rechteckige oder tangential (nie radial) gestreckte
Zellen auf der Außenseite stark, aber auch auf der Innenseite verdickt
sind. Die Verdickungsschicht besteht aus Cellulose und quillt stark.
Bisweilen findet sich an der Basis des Arillus und hier, wie überhaupt
(oft bis zur Mitte) die Innenseite bevorzugend, ein ein- oder
mehrschichtiges Hypoderm (_Papuamacis_ [vgl. S. 690] zeigt beiderseits
reichlich Hypodermbildung). Das Grundgewebe besteht aus dünnwandigem
(bei _Papuamacis_ dickwandigem) Parenchym, dessen Zellen zahlreiche
rundliche, scheiben- oder stäbchenförmige, bisweilen wulstig verbogene,
1,5-10 mik lange Amylodextrinstärkekörner (~Tschirch~) enthalten, die
in Ölplasma (?) eingebettet sind. Sie färben sich mit Jod rotbraun,
quellen in Wasser, besonders warmem, und lösen sich in siedendem.
Die kolloidale Lösung färbt sich mit Jod rot. Ich habe während
meines Aufenthaltes in Buitenzorg (1888) Amylodextrinstärke auch in
den Arillen anderer _Myristica_arten gefunden (s. weiter unten). Im
frischen Arillus findet sich, wie ich 1888 in Buitenzorg feststellte,
in allen oder doch den meisten Amylodextrinzellen ein roter Farbstoff.
Geht der Arillus in Fäulnis über, was bei auf den Boden fallenden
Früchten rasch eintritt, so scheidet sich der Farbstoff in roten
Kristallen (Nadeln, Blättchen) aus, die ich übrigens auch einige
Male im frischen Arillus fand. Das Auftreten der Amylodextrinkörner
geht mit dem Erröten des Arillus Hand in Hand. Der junge, noch in
der unreifen Frucht eingeschlossene Arillus ist bleich und enthält
keine Amylodextrinstärkekörner. Der geruchlose Arillus von _Myr.
glauca_ u. _Myr. silvestris_ enthält rote Chromatophoren; Jod färbt
die Farbstoffkristalloide erst blaugrün, dann gelb. Bei dem Arillus
von _Myr. glauca_ färbt Jod die roten Chromatophoren erst blau, dann
blaugrün (~Tschirch~). Eingebettet in das Grundgewebe finden sich
regellos verteilt, jedenfalls nicht die Randschichten bevorzugend,
meist einzeln, selten zu 2-3gliedrigen Gruppen vereinigt, bis 105
(meist c. 70) mik große, bisweilen noch Öltropfen enthaltende, meist
aber leere +Ölzellen+ mit verkorkter Wand und deutlicher resinogener
Schicht (~Tschirch~) und innerer Haut. Die resinogene Schicht wird
durch Alkalien braun, Kalipyrochromat und Chromat färbt nur wenig.
Zahlreiche kleine (Spiralgefäße führende) Gefäßbündel, die oft stark
obliteriert sind, durchziehen das Gewebe in der Längsrichtung.
Bei der Bombay-Macis (s. d.) enthalten die inneren Ölzellen ein
gelbes, durch Ammoniak grünlich werdendes, die äußeren ein gelbrotes
Sekret, das durch Ammoniak orange- bis rubinrot sich färbt. Kali
löst das Sekret vollständig. Im mit Alkohol betupften Schnitt
färbt Kalipyrochromat die Sekretzellen braunrot bis braunschwarz,
Barytnitrat schwach blutrot. Papuamacis ist arm an Ölzellen. Sowohl
Bombay- wie Papuamacis enthalten Amylodextrinstärkekörner. Bei der
erstgenannten sind die Körner etwas größer (3,5-10 mik) und mehr
rundlich, bei der zweiten 3-13 mik, knochenförmig, viereckig oder
rundlich (vgl. auch weiter hinten).
Das +Pulver der Macis+ besteht vorwiegend aus den
Amylodextrinstärkekörnern. Im Chloralpräparat werden Spiralgefäße,
Epidermiszellen und Fragmente der Ölzellen sichtbar. Stärke fehlt. Doch
sah ich einige Male Reste der stärkeführenden Samenschalepidermis, die
beim Ablösen der Macis von der Samenschale mit abgerissen wird. Die
meiste Macis wird gemahlen. Das Pulver gilt um so besser, je heller es
ist.
Der Fruchtknoten enthält nur ein anatropes Ovulum. Das äußere
Integument ist zurückgezogen, ausschließlich das innere, nur bis zur
Hälfte des Nucellus reichende bildet die Mikropyle. Der Same geht
aber hauptsächlich aus dem nur vom äußeren Integumente bedeckten
hinteren Teile des Ovulums hervor (Details im Anatomischen Atlas).
Auch die äußere Samenschale ist also im überwiegenden Teile des
Samens ein Produkt des äußeren Integumentes und an der Bildung
der inneren Samenschalpartien beteiligt sich nur an der Spitze
des Samens das innere Integument, im übrigen sind sie Bildungen
des Hüllperisperms. Die äußere Samenschale zeigt vier Schichten
(vgl. Fig. 214): Eine äußere, von einer auch im reifen Samen oft
noch Stärke führenden Epidermis bedeckte Parenchymschicht, in der
die Gefäßbündel verlaufen, eine einreihige Schicht dünnwandiger
Palissaden (Außen- oder Nebenpalissaden), eine breite Schicht hoher,
stark verdickter Palissaden (Innen- oder Hauptpalissaden) und eine
Reihe von Querfasern (diese fehlen bei _Myristica argentea_). Im
bei weitem größten Teile des Samens gehen die Querfasern aus der
Epidermis des Nucellus bzw. Perisperms, die Innenpalissaden aus der
inneren Epidermis des äußeren Integumentes und die Außenpalissaden
aus der unter dieser liegenden subepidermalen Zellreihe hervor. Nur
dort, wo das innere Integument liegt, geht die Querfaserschicht aus
der äußeren Epidermis dieses Integumentes hervor und nur in einem
ebenfalls kleinen Gebiete um die Chalaza beteiligt sich auch die
subepidermale Zellage des Nucellus an der Bildung der Mittelschicht.
Die 850-950 mik hohen, 15-19 mik breiten Innenpalissaden zeigen
meist stark spiralleistenförmig verdickte Wände und führen
Oxalatkristalle. Sie sind ungleich hoch, so daß die Außenseite dieser
Schicht Berge und Täler bildet. An den Stellen, wo die Wellenberge
liegen, führen die dort kurzen Außenpalissaden gewöhnlich braunen
Inhalt, im unreifen Samen Gerbstoff. An der Spitze des Samens liegt
an der Stelle, wo die Mikropyle lag, ein die beiden Integumente
durchsetzender Kanal, der der Radicula bei der Keimung als
Austrittsöffnung dient. An der Basis des Samens, der Chalaza, tritt
das Raphebündel durch eine ovale Öffnung in das Innere des Samens ein.
[Illustration: Fig. 214.
_Myristica fragrans_ ~Houtt~.
1 Samenschale (1-6) und Hüllperisperm (pPsp Primärperisperm, sPsp
Sekundärperisperm). 2 Ein in das Endosperm (End) eindringender
Hüllperispermzapfen. [Nach +Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]
Die sog. innere Samenschale, von der allein der Samenkern, die
Muskatnuß des Handels, bedeckt ist, geht im größten Teile des
Samens nicht aus Teilen der Integumente hervor, sondern ist
eine Bildung des Nucellus resp. Perisperms, also keine echte
Samenschale (~Voigt~, Details im Anatom. Atlas). In diesem sog.
Hüllperisperm (~A. Meyer~) entsteht nämlich in den inneren Schichten
ein Meristem und dieses erzeugt Sekundärperispermschichten. Die
eigenartigen Zapfen und Leisten, die zu den sog. Ruminationsfalten
des Samens werden, sind Bildungen dieses Sekundärperisperms. Das
ringsumlaufende Primärperisperm ist hell und bündelfrei und besteht aus
Parenchymzellen, die nicht alle Phlobaphen führen. Das kleinzelligere
äußere, ringsumlaufende Sekundärperisperm ist mit Phlobaphenen erfüllt
und führt aus nachträglich angelegten Procambiumsträngen entstehende
Gefäßbündel, und zwar ausschließlich an den Stellen, von denen die
Zapfen abgehen. Dies Sekundärperisperm ist aber nur der äußere Teil des
von dem Meristem gebildeten Gewebes. Der nach innen zu abgeschiedene
Teil wird bis auf geringe, am Rande der Zapfen sichtbar bleibende
Reste nachträglich wieder resorbiert. Die Ruminationszapfen werden
viel früher angelegt als das Endosperm. Ich fand noch in ziemlich weit
entwickelten Samen das ganze schon reich gekammerte Innere von einer
milchigen Flüssigkeit erfüllt. Erst ganz zuletzt wird vom Rande der
Zapfen her das Endosperm angelegt, und erst wenn die Frucht aufspringt,
beginnt sich der Inhalt der Endospermzellen zu differenzieren. Die
von den Zapfen her gebildeten Endospermstreifen stoßen in der Mitte
zusammen und verwachsen hier. Diese der Quellschicht bei anderen
Samen entsprechende Zone zeigt auch hier ein abweichendes Verhalten.
Während die übrigen Endospermzellen außer Stärke und Aleuron
reichlich Fett enthalten, ist in dieser Zone, die in Form weißer,
den Ruminationszapfen in einiger Entfernung folgenden Linien auf
jeder durchsägten Muskatnuß sichtbar ist, nur Stärke vorhanden. Diese
Linien sind, wie ich gezeigt habe, die +Keimbahnen+, auf denen die
als Saugorgane dienenden Lappen der in das Endosperm eindringenden
Cotyledonen bei der Keimung des Samens wandern, ernährt von der sich
lösenden Stärke. Das ganze Endosperm ist beim frischen Samen farblos,
weiß oder hornartig-fettglänzend. Es zeigt, herauspräpariert, wie
ich mich in +Indien überzeugte+, keinerlei Geruch und besitzt einen
nußartigen Geschmack.
Dort, wo der Embryo liegt, wird nicht nur kein Sekundärperisperm
gebildet, sondern sogar das Nucellusgewebe vollständig resorbiert, das
innere Integument, das hier an der Bildung der Samenschale teilnimmt,
grenzt unmittelbar an den Embryo. Die Droge, d. h. der Samenkern,
zeigt also, wenn man sie der Länge nach median durchsägt, folgendes
Bild (Fig. 212). Zu äußerst liegt das Primärperisperm (Hüllperisperm
I), ein aus gestreckten, dünnwandigen, verholzten Zellen bestehendes,
bisweilen Phlobaphenmassen enthaltendes Gewebe, in dem sich
(bisweilen korrodierte) +Kristalle in Form+ von Prismen, Blättchen,
Wetzsteinen oder Zwillingen finden (Weinstein?). Die äußersten Zellen
enthalten bei der gekalkten Droge sehr kleine Kalkkörnchen. Auf das
Primärperisperm folgt das sich, da kleinzelliger, gut abhebende, äußere
Sekundärperisperm (Hüllperisperm II), das, da es reich an Phlobaphenen
ist, die natürlich braune Farbe der ungekalkten Muskatnüsse bedingt.
Die Ruminationszapfen führen im unreifen Samen Stärke, im reifen
frischen Samen zahlreiche große, oft aneinander stoßende Ölzellen, die
ganz von einem hellgelben Öle erfüllt sind (Fig. 214). In der Droge
besteht das Ruminationsgewebe aus meist leeren Zellen mit braunen
Wänden, die infolge Infiltration resistent sind gegen Schwefelsäure.
Die Endospermzellen enthalten eingebettet in bisweilen in Nadeln
oder Blättchen auskristallisiertes +Fett+ (resp. Ölplasma), meist
je ein durch Cochenille tingierbares (~Vogl~) +Aleuronkorn+ mit oft
vortrefflich rhomboëdrisch oder in Form einer sechsseitigen Tafel
ausgebildetem, oft lichtgelb gefärbtem Kristalloid (abgebildet bei
~Busse~ und im Anatom. Atlas) -- Globoide sind sehr selten --, sowie
einfache oder zu 2-12 (selten bis 20) zusammengesetzte 3-18 (meist 10)
mik große, mit einem Spalt versehene +Stärkekörner+. Die Stärke der
Leitbahnen ist kleiner. Stärkearme und fettreiche Samen besitzen die
am besten ausgebildeten Aleuronkörner. Bisweilen werden die großen
Aleuronkörner von einigen kleinen begleitet. Hier und da finden sich
im Endosperm gebräunte Zellen. Diese enthielten im unreifen Samen
Gerbstoff.
Das +Pulver der Muskatnuß+ bietet wenig Charakteristisches. Es
besteht vorwiegend aus Stärkekörnern und Fettschollen. Erhitzt
man das Pulver mit Chloral, so erscheint das ganze Präparat mit
Öltropfen übersät, die beim Erkalten kristallinisch erstarren.
Gefäßbündelfragmente und Fetzen des Hüllperisperms finden sich
allenthalben zerstreut.
=Lit.= ~Berg~, Anat. Atlas. -- ~Flückiger~, Arch. Pharm. 1871, 31.
-- ~Voigt~, Bau u. Entwickl. d. Samens u. Samenmantels von Myr.
fragr. Diss. Göttingen 1885 und Bau u. Entw. von Sam. mit ruminiert.
Endosp. usw. Ann. Jard. Buitenz. 7 (1887) 151. -- ~A. Meyer~,
Wissensch. Drogenkunde. -- ~Tschirch-Oesterle~, Anat. Atlas t. 56
und 57. -- ~Busse~, Gewürze, Arbeit. d. kaiserl. Gesundheitsamtes
11 (1895) 390 und 12 (1890) 628. -- ~Tschirch~, Ges. naturforsch.
Freunde 1887, Ber. d. Botan. Ges. 1888 und Angew. Anatomie. --
~Tschirch~ (Keimungsgesch.), Ber. d. pharm. Ges. 1894, 260. --
~Hallström~. Vgl. anat. Stud. über d. Samen d. Myristicac. (in
~Tschirch~, Indische Fragmente). Arch. Pharm. 1895 mit 3 Taf. --
~Lüdtke~ (Aleuron), Ber. d. pharm. Ges. 1891, 56. -- ~Planchon~,
Devel. et caract. d. vrais et d. faux arilles Ann. sc. nat. (3) 3,
303. -- ~Baillon~, Sur l’origine du macis etc. Compt. rend. 78,
799. Adansonia 5 (1870) 177, 11 (1876), 329 und Dict. d. botan. I
(1876), 258. -- ~Tschirch~, Tagebl. d. Straßburger Naturforschervers.
1885. -- ~Warburg~, Haarbild. d. Myrist. Ber. d. bot. Ges. 1895. --
~Planchon-Collin~, Drogues simpl. I, Fig. 315-320. -- ~Hartwich~
in Pharm. Praxis II, Fig. 41-49. -- ~Villiers et Collin~, Subst.
aliment. -- ~Moeller-Winton~, Mikroskopie, Fig. 385 bis 395. --
~Vogl~, Kommentar. -- ~Goltsinski~, Myr. fragr. Dissert. Moskau 1894
(russisch) m. 7 Taf. -- ~Pfeiffer~, D. Arillargeb. d. Pflanzens.
Engl. bot. Jahrb. 13 (1891) 524. -- ~Costerus~, Double nutmegs. Ann.
jard. bot. Buit. XV 1898, 40. -- ~Janse~, Ann. jard. bot. Buitenzorg
1899, 17. -- ~Kraemer~ (Pulver), Proc. Amer. Pharm. Ass. 1898, 327.
-- Abbild. auch in ~Rosen~, Anatom. Wandtafeln t. 27. -- ~Hassak~,
Wandtaf. für Warenkunde t. 6.
=Chemie.= Das +Pericarp+ enthält 17,8% Wasser, 8,6% durch Äther
Extrahierbares, 46,3% in Wasser lösliche Substanzen (darin Gerbstoff)
und 1,7% Weinsäure (~Fromberg~).
Die Samenkerne, die =Muskatnüsse=, enthalten im Durchschnitt in
Prozenten: Wasser 7,38 (4,2-12,2), Stickstoffsubstanz 5,49 (5,2-6,1),
äther. Öl 3,05 (2,5-4), Fett 34,27 (31-37,3 resp. 32,2 ~Frühling~),
Alkoholextrakt 11,98, stickstofffreie Extraktstoffe inkl. Stärke 37,19
(29,9-41,8), Rohfaser 9,92 (5,6-12), Asche 2,7 (2,2-3,3) (~König~
1-4%), obere Grenzzahl (nach ~Hauke~) 3,5%; die Praxis verlangt als
Maximum der Asche: 5%. Nach neueren Bestimmungen enthalten die Nüsse
8 bis 10%, äther. Öl (~Schimmel & Co.~) und 30-40% Fett. ~Busse~
fand 30,3 bis 40,5% Fett (nur bei der geringsten Sorte 15,65%),
~Greshoff~ 27,5-42,8%. «Trockenverlust»: 9,3-15%, Gesamtasche: 1,7-4,6%
(bei Ölnüssen bis 6,7%). Gerbstoffe sind nur wenig vorhanden. Der
alkoholische Auszug färbt sich mit Eisenchlorid kaum dunkler. Muskatnuß
enthält wechselnde Mengen +Stärke+ (nach ~König~ 23,67%), sowie 1,52%
+reduzierenden Zucker+ und 0,56% +Saccharose+ (~Bourquelot~). Ferner
ein +Xylan+ (~Brachin~), eine +Lipase+ (~Mastbaum~), ein +Saponin+
(~Dekker~) und +Farbstoffe+. (Vgl. auch weiter unten unter Preßkuchen.)
Magere Nüsse haben ein spez. Gew. = 1,059, middelbare 1,070, vette
1,115. Diese sinken also in Wasser von 15° unter.
Die +Samenschalen+ enthalten 1% Fett, 2,2% Asche und 62,6% «Cellulose»
(~Ranwez~).
Die =Muskatbutter= (Muskatfett, Oleum s. butyrum s. balsamum nucistae,
Ol. nuc. moschatae expressum, Ol. myristicae, beurre de muscade --
butter of nutmeg, expressed oil of nutmeg -- notenzeep, bandazeep,
muskaatzeep, notenvet) bildet ein bräunlichgelbes bis rötlichbraunes
festes Fett von der Konsistenz eines weichen Talgs, muskatartigem
Geruch und bitterem Geschmack. Durch langes Mazerieren mit Alkohol kann
es fast farblos und geruchlos erhalten werden, da die Fettsubstanz
in kaltem Alkohol wenig löslich ist, Riech- und Farbstoffe dagegen
sich darin lösen. In 4 (nach ~Dieterich~: 10-12) Teilen siedendem
Alkohol ist es bis auf die bisweilen darin vorkommenden Pflanzenreste
löslich, ebenso in Äther, Chloroform und Benzol. Letzteres läßt den
größten Teil der Farbstoffe ungelöst. Bei 45-51° schmilzt es zu einer
rotbraunen, trüben Flüssigkeit, die keinen merklichen Bodensatz zeigen
darf (Ph. helv. IV). Mikroskopisch betrachtet zeigt die Muskatbutter
reichlich Kristallnadeln von Myristin, bisweilen auch Gewebsreste des
Samens und Stärkekörner. Beim Einlegen in die ~Hartwich-Uhlmann~sche
Kali-Ammoniakmischung entstehen große sternförmige Konglomerate kurzer,
derber Kristallnadeln. Die Muskatbutter ist ein nicht immer konstantes
Gemisch von +Fett+, +ätherischem Öl+ und «+Farbstoff+». Letzterer ist
seinerseits wieder ein Gemisch verschiedener, nicht näher bekannter
Körper. ~Koller~ fand (1864) in %: Äther. Öl 6, Myristin 70, «Elaïn»
20, saures Harz 3, «Butyrin» (nebst Spuren flüchtiger Säuren) 1.
Das +Fett+ besteht zu c. 45% aus +Myristin+ (Sericin, ~Playfair~), dem
+Glycerinester+ der von ~Playfair~ 1841 entdeckten +Myristinsäure+
(C₁₄H₂₈O₂). Behandelt man das Fett mit kaltem Alkohol, so bleibt das
Myristin zurück und kann durch Umkristallisieren aus Äther in bei
55° schmelzenden Kristallen erhalten werden. Der in kaltem Alkohol
lösliche Teil besteht vorwiegend aus +Olein+. ~Power~ und ~Salway~
fanden 1908 in ausgepreßtem Muskatfett in % (außer 12,5% äther. Öl):
+Trimyristin+ 73,0, +Olein+ 3,0, +Linolsäureglycerid+ 0,5, sehr wenig
+Ameisensäure+-, +Essigsäure+-, +Cerotinsäure+-Ester, Unverseifbares
8,5, Harz 2. In dem Unverseifbaren ist (zu 5% des Ganzen) eine
Substanz C₁₈H₂₂O₅, dann +Myristicin+ (C₁₁H₁₂O₃) und eine kleine Menge
+Phytosterol+, C₂₀H₃₄O (F. = 134-135°), enthalten. +Stearinsäure+
(~Römer~) fehlt.
Muskatbutter zeigt folgende Konstanten: +Spez. Gew.+ 0,95-1,04
(~Reinwardt~), 0,945-0,996 (~Dieterich~), meist 0,990-0,995.
Schmelzpunkt: 41,5-48° (bis 51° ~Uricoechea~), 33-57° (~Dieterich~).
Erstarrungspunkt: 41,5-42 (~Rüdorff~, ~Wimmel~). Verseifungszahl:
134,5-178, also stark schwankend. V. Z. h.: 153,3-196,1 (~Dieterich~).
Säurezahl: 14-44,8, bisweilen aber auch 56-86,8, ja 93,2, 118,8 u. 125
(~Dieterich~). Jodzahl: 33,3-57,3 (~Dieterich~), 48-65,1 (~Wijs~).
Die Schwankungen in der Jodzahl rühren nicht von dem ätherischen
Öl her (~Lewkowitsch~). Brechungsexponent bei 40°: 1,4700-1,4705
(~Utz~). Butterrefraktometer bei 40°: 66,4-67,2 Skalenteile (~Utz~).
Erstarrungspunkt der Fettsäuren: 40° und Schmelzpunkt derselben 42,5
(~Hübl~). Die sog. «Konstanten» sind also sehr inkonstant. +Mit
Äther extrahiertes Fett+ zeigte spez. Gew.: 0,996, Schmelzpunkt:
51°, Säurezahl: 22,4, Verseifungszahl: 154-159,6. Das durch Pressen
erhaltene Öl ist nicht ganz identisch mit dem durch Extraktion
erhaltenen, wennschon ziemlich ähnlich. Denn ~Power~ und +Salway+
fanden 1908:
----------------+--------+------------+------------------+------------
| Ausge- | Mit Äther |Ausgepreßt. Fett | Gesamte
|preßtes |extrahiertes| |
| Fett | Fett |frei von äther. Öl| Fettsäuren
================+========+============+==================+============
Schmelzpunkt | 48° | 50° | 49° | 49°
Dichte 50°/50° | 0,9399| 0,9337 | 0,9443 | 0,9012
Säurezahl | 11,2 | 12,9 | 14,0 | 218,3
Verseifungszahl |174,6 | 180,5 | 199,6 | --
Jodzahl | 57,8 | 45,7 | 35,7 | 23,1
⅔ des ätherischen Öls des Samenkerns treten in das Fett über
(~Reinwardt~), welches wenigstens 4-8% ätherisches Öl zu enthalten
pflegt.
Das =ätherische Öl= der Muskatnüsse und der Macis ist «kaum zu
unterscheiden». Die Unterschiede sind nur quantitative (~Schimmel~).
~Koller~ erklärte sie für identisch (?); doch hat das Macisöl ein
etwas höheres spez. Gew. und ein etwas anderes Drehungsvermögen
als Muskatnußöl [Macisöl: 0,890-0,930 αD = +10-20°. Muskatnußöl:
0,865-0,920 αD = +14-30°]. Das Muskatnußöl enthält mehr Terpene
(~Schimmel~). Im Handel gehen beide unter dem Namen Macisöl. Aber es
ist unzulässig das Öl der Muskatnüsse dem Öl der Macis einfach zu
substituieren und ganz unzulässig (D. A. IV) das Wort Muskatnußöl
als synonym mit _Ol. Macidis_ anzuführen oder (D. A. V) das Öl der
Samenkerne ebenfalls _Ol. Macidis_ zu nennen, auch wenn man die
Drehung auf αD 20° = +7°- +30° und das spez. Gewicht auf 0,870-0,930
erweitert. Es enthält +Pinen+ (~Schacht~), (~Wallach~, ~van Romburgh~
= Macen), +Dipenten+ (~Semmler~, Myristicen ~Gadstone~ ist ein Gemisch
von Dipenten und Pinen). Cymol (~Wright~) fehlt (~Semmler~) oder ist
vielleicht aus dem +Myristicol+ (C₁₀H₁₆O ~Wright~, ~Gladstone~), das
wohl kein Individuum ist, entstanden, dem aber ~Brühl~ die Formel:
C₃H₇ C₃H₇
C C
/ \\ // \
HC CH HC CHOH
|| | oder | |
HC CHOH HC CH₂
\ / \\ /
C C
CH₃ CH₃
gibt. In den höher siedenden Anteilen: +Myristicin+ (C₁₁H₁₂O₃) nach
~Semmler~:
CH₂--CH = CH₂
|
C
/ \\
HC CH
|| |
CH₃OC CO
\ / \
C CH₂
O /
nach Macis riechend -- vielleicht aus einem primär vorhandenen
flüssigen Phenoläther erst bei der Verarbeitung entstehend. ~Salway~
schreibt die bei der Oxydation entstehende Myristicinsäure:
COOH
C
/ \\
COOHC CH
|| |
CH₃O.C CO
\ / \
C CH₂
O /
(das Myristicin von ~John~ und ~Mulder~ ist Myristinsäure,
~Flückiger~). In den zuletzt übergehenden Anteilen findet sich
ein +Phenol+ (~Semmler~). Bei der Destillation des Öls geht oft
Myristinsäure über (~Flückiger~). ~Power~ und ~Salway~ fanden im Öl
(1907): +Eugenol+ und +Isoeugenol+ (c. 0,2%), d-+Pinen+ und d-+Camphen+
(c. 80%), +Dipenten+ (c. 8%), d-+Linalool+, d-+Borneol+, i-+Terpineol+,
+Geraniol+ (zusammen c. 6%), einen neuen +Alkohol+, der bei der
Oxydation ein Diketon (C₈H₁₄O₂) gibt, einen citralähnlichen +Aldehyd+,
+Safrol+ (c. 0,6%), +Myristicin+ (c. 4%), +Myristinsäure+ (0,3%, etwas
auch als Ester), dann Ameisensäure, Essigsäure, Buttersäure, Octylsäure
und eine neue Säure, C₁₃H₁₈O₃, alle als Ester. +Myristicol+ halten
~Power~ und ~Salway~ +für ein Gemisch, in dem Terpineol vorwaltet+.
~Schimmel & Co.~ destillierten 1893 bedeutende Mengen Muskatnußöl, zum
Teil aus den Preßrückständen der Muskatbutterbereitung.
Im +Preßkuchen+ fanden ~Power~ und ~Salway~ die Bestandteile des
Muskatfettes wieder, speziell +Phytosterol+, die Substanz C₁₈H₂₂O₅,
+Myristinsäure+ und +Trimyristin+, +Essigsäure+, +Cerotinsäure+,
+Eugenol+, +Isoeugenol+, +viel+ d-+Glukose+, Gerb- und Farbstoffe,
sowie Harze, endlich als neu eine sehr geringe Menge +Diacetylpuranol+
(C₂₃H₃₈O₄[COCH₃]₂).
=Banda Macis.= Banda Macis enthält in Prozenten: Wasser: (4,9)
17,59-18,21, Protein: (4,6) 5,44-7,8, Fett: 18,6-29,1, äther. Öl:
3,37-5,26. In Zucker überführbare Stoffe: 41,2-44,59, Alkoholextrakt:
45,1-55,7, Holzfaser: 3,7-4,93 (bis 8,9), Asche: 1,6-4,1 (~Arnst~ und
~Hart~, ~Laube~ und ~Aldendorff~, ~König~). Der Fettgehalt beträgt
meist 22,64-23,68% (~Busse~), 18,6-29,08% (~Laube~ und ~Aldendorff~,
~Richardson~, ~Arnst~ und ~Hart~), in der Trockensubstanz bis 35%.
Macis enthält ätherlösliches Harz: 1,18-4,09%, alkohollösliches Harz:
3,83-3,95%, Asche: 1,70-2,8 (~Busse~). Obere Grenzzahl der Asche
(nach ~Hauke~): 2,5%. ~Hauke~ fand 1,61-2,32%. Macis enthält (nach der
Natriumsalicylatmethode bestimmt): 8,38 bis 8,44% äther. Öl (~Lenz~).
Macis liefert destilliert 4-15 (ja bis 17)% äther. Öl (~Schimmel~,
~Semmler~) vom spez. Gew. 0,890-0,930. ~Hänsel~ stellt ein terpenfreies
Macisöl her.
Das +«Fett» der Macis+ zeigt eine vom Samenfett abweichende
Beschaffenheit, wie aus den Beobachtungen von ~Späth~, die sowohl
bei ~Benedict-Ulzer~ wie bei ~Lewkowitsch~ fälschlich auf Samenfett
bezogen werden, hervorgeht. Er fand bei aus +Macis+ (von Banda, Menado,
Penang und Sansibar -- wohl alle von _M. fragr._) extrahiertem Fett
Schmelzpunkt: 25-26°, Verseifungszahl: 169,1-173, Jodzahl: 75,6-80,8,
+Reichert-Meissl+-Zahl: 4,1-4,2, Refraktometeranzeige: 74-84,5.
Demgegenüber bemerkt ~Flückiger~ (1891): «Indem ich Macis mit siedendem
Äther erschöpfte und diesen abdestillierte, erhielt ich 24,5% bei 100°
getrocknetem, weichem, harzartigem Rückstand, in welchem ich nicht
imstande war, Fett nachzuweisen.» Offenbar ist hier als «Fett» oft
ein Gemenge bezeichnet worden, das noch vielerlei andere Bestandteile
enthält und dem vielleicht eigentliches Fett ganz oder fast ganz fehlt.
Schon ~Henry~ fand (1824) in der Macis einen eigenen gummiartigen
Stoff, der sich mit Jod purpurn färbte und mit Schwefelsäure Zucker
gab. ~Flückiger~ nannte den Körper «Maciscellulose». Ich zeigte 1888,
daß Banda-Macis neben +Dextrin+ und +Zucker+ (c. 2-4%, nach ~Flückiger~
1,4%) 25% +Amylodextrinstärke+ enthält (vgl. oben S. 676). Dieselbe
läßt sich in der Weise daraus darstellen, daß man durch kaltes Wasser
Dextrin und Zucker, durch kalten Alkohol das ätherische Öl und den
Farbstoff, durch siedenden Alkohol und Äther das «Fett» entfernt und
dann durch oft wiederholtes vielstündiges Auskochen des Rückstandes
die Amylodextrinstärke in Lösung bringt. Der Rückstand liefert 46,5%
Amylodextrinstärke (~Tschirch~). ~Brachin~ fand in Macis keine
Saccharose, sondern ein rechtsdrehendes +Pektin+ und +Galaktane+.