Muskatbäume auf der Erde geben. Davon entfallen auf Banda c. 400000,
Sumatra 190000, auf die Malaiische Halbinsel 130000, auf Minahassa
100000, auf Westindien 70000, der Rest auf Java, Ambon und Halmaheira.
Es kultivieren jetzt (1911) Muskat: Auf den Molukken: die Bandainseln,
Ternate, Amboina, Halmaheira, Sangirinseln; in Nord-Celebes:
Menado (Minahassa), auf Sumatra: Benkulen, Padang, Pajakomba (Pad.
Bovenland.), Deli, Langkat, Sardang, auf Borneo (wenig), auf Java
(Batavia, Pamanukan) hier allenthalben auch in Kampongkultur (I, S.
48), in den Straits settlements: Singapore, Penang, Malacca, in Ceylon
an verschiedenen Orten, in Vorderindien: Bengalen, in Hinterindien; in
Westindien: Grenada (weniger auf Jamaica, Tobago, Trinidad, St. Lucia)
und in Brasilien. 1898 hat man mit Muskatkultur in Kamerun begonnen.
Die Kulturen auf Bourbon und Mauritius scheinen aufgegeben zu sein.
Die meisten und besten Muskatnüsse kommen aber noch heute von den
Bandainseln.
Die Muskatnußplantage heißt dort +Perk+ (d. h. Park), der Kultivateur
Perkenier. Perks finden sich jetzt besonders auf den Bandaeilands:
Lontor, Neira, Ay (seit alter Zeit «das Eldorado der Muskatkultur»),
Run, Rosengain (vgl. die Karte). Die Nüsse müssen bald und in der
Schale ausgesät werden, da sie rasch ihre Keimkraft verlieren, am
besten sogar die ganzen Früchte vor völliger Reife. Der Muskatnußbaum
verlangt einen tiefgründigen, lockeren und weichen Boden mit gut
durchlässigem Untergrund. Er liebt welliges Terrain (was er z. B. in
Banda findet) und ein feuchtwarmes Tropenklima ohne ausgesprochene
Trockenperiode. Die Bandainseln liegen 4° 32′ s. B. und haben rein
ozeanisches Klima.
[Illustration: Fig. 207.
Muskatnußernte im Notemuskaat-Tuin mit dem an einem Stocke befestigten
Gai-Gai. [Abbild. aus dem Koloniaal-Museum in Haarlem.]]
Er verlangt Windschutz. Als Windbrecher dienen besonders _Canarium_,
_Casuarina_ und _Cerbera_-Arten. Da der Baum ein Waldbaum war,
gibt man ihm auch in den Kulturen gern +Schattenbäume+, in +Banda+
werden in unregelmäßigen, ziemlich weiten Abständen besonders
_Canarium commune_ (Kanari) und _C. mehenbethene_ (Kanari Ambon)
zwischen die Muskatbäume gepflanzt sowie _Aleurites moluccana_
(Kemiri), _Calophyllum_, _Arenga_, und in der Nähe der Wohnungen
Fruchtbäume (_Jambu_, _Mangostan_, _Durian_, _Tamarinde_, _Mango_,
_Peté_ [_Parkia_] u. and.). In Java und Celebes wird auch der
Dadap (_Erythrina_), sowie _Albizzia moluccana_ als Schattenbaum
gepflanzt, sowie _Nauclea_, _Cananga_. In englisch Indien werden
dagegen keine Schattenbäume gepflanzt (der Engländer liebt es nicht,
welche zu pflanzen). Zu starke Beschaltung beeinträchtigt den Ertrag.
Um die jungen Pflänzchen der Plantage zu schützen, pflanzt man in
Java bisweilen _Bananen_ oder _Hibiscus_ dazwischen (~Tschirch~).
[Illustration: Fig. 208.
Gai-Gai. Körbchen mit Gabel zum Einsammeln der Muskatnüsse.]
[Illustration: Fig. 209.
Pflückkörbchen für Muskatnüsse. [Kew Museum, +Greenish+ phot.]]
Ein Arbeiter kann täglich 1000-1500 Nüsse ernten. Ein Baum liefert auf
den Bandainseln 1-2 kg Nüsse (bei sorgfältigerer Kultur 2½ kg).
Obgleich der Baum das ganze Jahr Blüten und Früchte trägt und dauernd
von die Befruchtung vermittelnden Insekten umschwärmt ist, pflegt
man, wie ich in Indien auf Befragen erfuhr doch nur dreimal im Jahr
zu ernten («drei Klimzeiten»): Ende Juli bis Anfang August, November
bis Ende März und Anfang April. Die Haupternte ist im Juli-August,
die besten Nüsse liefert aber die Frühjahrsernte. In Sumatra ist
die Haupternte im November-Dezember, die zweite im April-Juni. Man
sammelt nur ganz reife Samen, da wie ich in Indien feststellte, das
Endosperm bis fast zur Reife milchig bleibt. In Grenada läßt man die
reifen Früchte vom Baume fallen und liest sie von dem vom Unkraut
gesäuberten Boden auf. In Banda werden die reifen Früchte gepflückt.
Etwa seit Mitte des XIX. Jahrh. bedient man sich beim Pflücken des
seitlich offenen, an einem langen Stiele befestigten Pflückkörbchens
(Gai-Gai, Fig. 208, auch I, Fig. 198), seltener, wie ehedem, der Holz-
oder Eisenhaken. Die gepflückten Nüsse werden aus dem Gai-Gai dann
in einen Tragkorb, Fig. 209, geschüttet. Das +Pericarp+ wird auf den
Bandainseln gewöhnlich an Ort und Stelle von den Sammlern entfernt und
die Nüsse zweimal täglich auf der Estate abgeliefert. Hier wird noch am
gleichen Abend die +Macis+ abgelöst (mit der Hand oder einem Messer,
vgl. I, Fig. 198) und dann auf Bambutellern bzw. Matten oder Hürden
an der Sonne oder in Trockenhäusern getrocknet. Sobald die Macis welk
geworden ist, drückt man sie mit den Händen (oder Füßen) platt. Sie
ist in 2-4 Tagen trocken. Die ursprünglich lebhaft rote Farbe ist nun
in Goldgelb übergegangen und der frisch fleischige glänzende Arillus
ist matt, hornartig und brüchig geworden. Bei Regenwetter trocknet man
über Holzkohlenfeuer oder dem Feuer der Schalen der Kamirifrüchte. Die
Sitte, Macis durch Besprengen mit Seewasser geschmeidig zu machen,
scheint abgekommen zu sein, nur geschimmelte wird noch bisweilen mit
Seewasser gewaschen.
[Illustration: Fig 210.
Notemuskaat-Kombuis (Trockenhaus). [Abbild. aus d. Koloniaal-Museum
Haarlem.]]
Die «+Nüsse+» kommen in das Trockenhaus (droog kombuis, noten
kombuis, Fig. 210), wo sie auf Gestellen (para-para) aus Bambu oder
Sagoblattstielen, die 4-5 Fächer (pettaks) haben, etwa 1′ hoch
aufgeschichtet und langsam über einem mäßigen Feuer bei höchstens 60°
unter öfterem Umwenden und Herabschütten auf das nächst tiefere Fach
getrocknet werden. (In Grenada werden die Nüsse in flachen Kästen
mit durchlöchertem Blechboden im Schatten getrocknet.) Nach 3-6
Wochen sind sie soweit trocken, daß der Samenkern beim Schütteln in
der Schale «rammelt». Hierbei stirbt der Keimling ab. Minahassa und
Amboina exportiert viel Samen in der Schale (noten in dop) z. B. nach
London, China, Indien. Meist wird aber, bevor die Nüsse nach Makassar,
Batavia oder Singapore gehen, die Schale, die c. ¼ des Gewichtes
beträgt, dadurch entfernt, daß man die Samen mit Steinen, schmalen
Brettern, Stäben oder Holzhämmern aufschlägt. Die Schalen dienen als
Brennmaterial. Sodann werden die +Samenkerne+ sortiert (garbuliert,
vgl. I, Fig. 198). Die Garbulatie entfernt zunächst die zerbrochenen
Nüsse (stukkende Noten, broken nutmegs), dann die Rompen (die mageren
Nüsse) und trennt die vetten oder gaven Noten von den middelbaren oder
noch weiter nach der Größe. Nun werden die Samenkerne entweder direkt
verpackt und ungekalkt, bisweilen unter Zusatz von Nelken oder Pfeffer
(um die Insekten abzuhalten), in luftdichtem Verschluß versandt
(besonders nach England) oder der +Kalkung+ unterworfen.
Diese +Kalkung+, die der europäische Kontinent und Amerika verlangt,
geschieht entweder in der Weise, daß man die Nüsse trocken mit
gelöschtem Kalk einreibt (trockene Kalkung, früher in Singapore und
Sumatra in Gebrauch) oder indem man sie in einen aus Seewasser und
gebrannten Korallen bereiteten Brei einrührt (Molukken, Minahassa) und
dann zum Trocknen (zweeten) ausbreitet. Früher wurden die gekalkten
Nüsse noch einem Schwitzprozesse unterworfen, was, wie ich (1889)
erfuhr, jetzt nicht mehr üblich ist. Es ist sicher, daß das Kalken,
wenn es, wie einige meinen, den Zweck haben sollte, die Keimkraft der
Muskatnuß zu vernichten, unsinnig und zwecklos ist, da die Keimkraft
schon beim Trocknen erlischt. Es hat aber gar nicht diesen Zweck.
Versuche, die ich mit gekalkten und ungekalkten Muskatnüssen unter
Hinzufügung von lebenden Exemplaren der _Sitodrepa panicea_ (I, S.
379), der am meisten die Nüsse zerstörenden Larve, angestellt habe,
zeigten, daß +das Kalken ein nahezu sicherer Schutz gegen Insektenfraß
ist+. Die Tiere bohrten keinen gekalkten Samen an und gingen auf
diesen rasch zugrunde, während sie im Kontrollversuch die ungekalkten
Samen rasch zerstörten. Dieser Versuch lieferte also den Beweis für
die Richtigkeit der Ansicht der meisten neueren Beobachter, die im
Kalken einen Schutz gegen Insektenfraß glaubten sehen zu müssen.
~Milburn~ (Oriental Commerce 1813) glaubte, daß das Kalken die «Poren»
schließe; ~Reinwardt~, daß es in den Randschichten das Fett verseife.
Bisweilen werden die Muskatnüsse erst in London gekalkt (~Helbing~). In
Singapore wird in die Kisten -- unnützerweise -- bisweilen eine Hand
voll Pfeffer geworfen. Wichtiger ist das dort übliche Auspichen der
Falze (~Tschirch~), wie überhaupt, daß Fässer und Kisten gut gedichtet
werden. Dem englischen Geschmack entsprechend erzeugen die englischen
Kolonien (Penang, Singapore) viel ungekalkte Nüsse (brown nutmegs). Das
endgültige Sortieren der Muskatnüsse erfolgt in London, Rotterdam und
Amsterdam.
Schon während der Dauer des Monopols wurden die zerbrochenen oder
wurmstichigen Nüsse auf +Muskatbutter+ verarbeitet und diese in
Steinkrügen exportiert. Es geschah dies an Ort und Stelle und auch
jetzt noch wird ein wenig davon auf den Bandainseln dargestellt und
in Pisang- oder Palmenblätter eingehüllt in den Handel gebracht. Ich
habe solche Ringel von c. 700 g Schwere 1889 aus Indien mitgebracht
und noch 1894 erschienen 26 Steene (Blöcke) à 0,7 kg in Amsterdam. Das
meiste wird aber in Europa (Holland, Deutschland) teils durch warmes
Auspressen, teils durch Extraktion der minderwertigen Muskatnußsorten
bzw. des Bruchs gewonnen. Die Darstellung der Muskatbutter erfolgt
entweder in der Weise, daß man die gemahlenen Nüsse auf Haarsieben mit
Wasserdampf erhitzt und dann zwischen erwärmten Platten auspreßt, das
vom Wasser befreite Fett schmilzt und eventuell im Heißwassertrichter
filtriert oder durch Pressen des Pulvers in erwärmten hydraulischen
Pressen oder durch Extraktion mit Äther. Es ist Brauch sie in ¼, ½,
¾ oder 1 kg schweren, in Papier gewickelten Riegeln in den Handel
zu bringen. Man erhält durch Auspressen der Samenkerne 20-23 (selten
bis 28) % Fett -- auf den Molukken nur 12-14%. Das Rohmaterial zur
Muskatbutterbereitung kann mit Zollrückvergütung eingeführt werden,
wenn die Herstellung des Produktes und die Vernichtung der Rückstände
unter Zollkontrolle erfolgt.
=Lit.= ~Reinwardt~, Reis naar het oostelijk gedeelte van den ind.
Arch. i. h. j. 1821. Amsterdam 1858. -- ~Van Gorkom~, Oostind.
Cultures (auch Kultur auf Sumatra usw.). -- ~Semler~, Trop. Agrik.
-- ~Tschirch~, Ind. Heil- u. Nutzpfl. -- ~Lumsdaine~, Cultiv. of
nutmegs etc. in Bencoolen. Proc. agric. soc. Sumatra 1820. Pharm.
Journ. II (1852) 516, ~Christy~, New Commerc. pl. -- ~Weddik~ und
~Teijsmann~, Notenmuskaat Kultuur op Java. Nat. Tijds. v. Ned. Ind. 2
(1839), 589. -- ~Seemann~, Hookers Journ. bot. 1852, 83. -- ~Oxley~,
Some account of the nutmeg and its cultivat. Journ. Ind. Arch. 2
(1848) 641 u. (1856) 127. -- ~Crawfurd~, Dict. Ind. Islands 1856. --
~Collingwood~, Nutmeg and other cultivat. in Singapore. Journ. Linn.
Soc. bot. 10 (1869), 45. -- ~Eggers~, Die neuen Gewürzinseln (in
Westindien). Naturw. Wochenschr. 1890, 121. -- ~Milburn~, Oriental
Commerce London 1813. -- ~Warburg~, Die Muskatnuß. Ihre Geschichte,
Botanik, Kultur, Handel u. Verwertung sowie ihre Verfälschungen u.
Surrogate. Leipzig 1897. -- ~O. Kammerling Onnes~, Banda nutmegs
and mace. Being an account of their history, cultivation, trade
and use. Amsterdam 1899. -- Abbildungen des Koloniaal Museum. --
~J. M. Janse~, de nootmuskaat cultuur in de Minahassa en op de
Banda Eilanden. Med. Slands Plant. Buitenzorg 1898. 4 Tafeln. --
~Tschirch~, Kalken der Muskatnüsse. Schweiz. Wochenschr. 1898.
=Handel.= Im Handel finden sich (1911) besonders Banda-+Muskatnüsse+,
weniger geschätzt sind die von Java und Menado, sowie von Westindien.
Seit den siebziger Jahren des XIX. Jahrh. produziert auch Penang,
Menado und Sumatra Muskatnüsse. -- Ende der achtziger Jahre schon
gegen 1,5 Mill. --, die übrigen Produktionsorte siehe unter Kultur.
Die Bandaernte geht meist über Makassar und Singapore. Viele Nüsse
werden erst in diesen Hauptmuskathäfen (wie auch in Surabaja auf
Java) aufgeklopft und gekalkt. Die ungeschälten Nüsse werden in
Jutesäcken versandt, die geschälten in Kisten (zu 187 kg u. and.).
Die Auslese oder eine erneute Auslese erfolgt in Amsterdam und
London. Die Einteilung in gute (gave): +Vette+ und +middelbare+
(medium) und schlechte: magere (gerimpelte, inferior) und
+geinfecteerde+ (aangestokene, d. h. wurmstichige) sowie +brokene+
(d. h. zerbrochene) hat sich aus der Zeit des Monopols bis heute
erhalten. Die drei zuletzt genannten Sorten bilden die vorwiegend
zur Muskatbutterbereitung benutzten sog. Ölnüsse (oil nuts) und
gehen wohl auch unter dem Namen Rompen. Der Großhandel unterscheidet
runde und längliche (diese besonders aus Westindien) Nuces
moschatae majores mediae, minores. Die holländischen Marktberichte
unterscheiden folgende Größen, Stück aufs kg: 150/160, 160/170,
170/180, 180/190, 190/200, 200/210, 210/220. Dies ist die teuerste
Gruppe I (Preis c. 380-482 M pro 100 kg). Die zweite Gruppe umfaßt
die Größen 220/230, 230/240 u. s. f. in Abständen von je 10 bzw. 20
Stück bis 380/400 (Preis c. 287-376 M). Auch der deutsche Großhandel
unterscheidet bei den in Kisten à 30 oder 60 kg in den Handel
gebrachten Bandanüssen die Sorten nach der Zahl der auf 1 kg gehenden
Nüsse z. B. bei ~Grossmann~: 160/170 -- 210/220 -- 240/250 -- 300/320
-- 350/400 Stück pro kg. Die westindischen (in Fässern à 60-70 kg)
haben meist 170/180 Stück pro kg.
In Banda unterscheidet man von der +Macis+ die Sorten E, F, und G (C
und D sind nicht mehr im Handel), E ist die beste. Dann unterscheidet
man noch foelie separaat (vom Typus abweichend, nicht klassifiziert)
und gruis. Die Macis von Java, Padang, Menado und Penang wird
nicht so sorgfältig sortiert wie die von Banda. Man unterscheidet
prima, secunda und separat. Die unreife, aus der geschlossenen, vom
erkletterten Baume gebrochenen Frucht herausgelöste Macis heißt
Klimmfoelie (d. h. durch klettern = klimmen) erhalten. Die Macis
kommt in Fässern (aus Teakholz) à 150 kg oder in Kisten à 50 kg in
den Handel. Man unterscheidet im deutschen Großhandel: extrafein
fleischig und prima, hell sowie Macis grus (letztere in verschiedenen
Qualitäten); im englischen: gute, ganze (good, gave E, F, G) und Grus
(chips, gruis).
Muskatnüsse und Macis werden in Amsterdam vierteljährlich
verauktioniert, im Jahr etwa ¾-1 Mill. Nüsse und ¼ Mill. Macis.
Außer Amsterdam sind Rotterdam, London und New York, weniger Hamburg
Hauptmärkte. Die Gesamtweltproduktion schätzt ~Warburg~ (1897) auf c.
2 Mill. kg Nüsse und 0,5 Mill. kg Macis; davon entfallen 37,4% auf
Banda, 19,6% auf Sumatra, 12,5% auf die Malaiische Halbinsel, der
Rest auf Minahassa, Ambon, Westindien, Java, Halmaheira. Singapore
exportiert etwa 2500-3500 piculs Nüsse jährlich, Java 1905: 243731,
1906: 277112 kg notenmuskat und 1905: 57176, 1906: 47012 kg foelie.
In Penang, das 1860 391000 kg Nüsse und 131000 kg Macis exportierte,
vernichtete eine Krankheit die Bäume in wenigen Jahren. Jetzt hat
sich die Produktion wieder gehoben. +Ceylon+ exportierte 1906 nur 155
cwts nutmegs. Während zwischen 1888 und 1894 pro Jahr 485415-808400
kg echte Nüsse nach Holland kamen, betrug die Einfuhr langer nur
30345-76600 kg pro Jahr. 1889-1894 kamen jährlich zwischen 117775 und
197600 kg Macis nach Holland. +Holland+ importierte 1896: 1002000
kg Nüsse und 288000 kg Macis. 1902 kamen nach Holland 762280 kg
Muskatnuß) (gewone not), 55910 kg Papuanuß, 203255 kg Foelie und
310 kg Papuamacis (~Gorkom~, Specereijen in Beschr. Catal. Kolon.
Mus. Haarlem 1903). 1909 betrug die Einfuhr von Notemuskaat: 1151 t,
1910: 1060 t. +Deutschland+ importierte 1909: 5963 dz +Muskatnüsse
und Macis+, besonders aus Nied. Indien etwas (521 dz) auch aus Brit.
Indien, 1910: 6011 dz. und Muskatbutter (via Holland): 1908: 1100
kg, 1909: 1300 kg, 1910 (via England) 2900 kg (~Tunmann~). +Hamburg+
importierte 1908: 1706 dz +Muskatnüsse+, davon kamen aus Nied.
Ostindien: 266 (über die Niederlande: 883), aus Brit. Ostindien: 256,
Singapore: 173 dz. Hamburg erhielt: 1907: 89500, 1908: 170600, 1909:
179100 kg Muskatnüsse und 1907: 73200, 1908: 94000, 1909: 68900 kg
Macis (~Tunmann~). +London+ 1908: 10411, 1909: 10725 Kisten Nutmegs
und 1908: 1153, 1909: 1272 Kisten Macis. +New York+ ist nächst
Amsterdam der zweite Muskatmarkt der Erde. Die +Vereinigten Staaten+
importierten 1908: 2043470, 1909: 2644791 pounds nutmegs und 1908:
425183, 1909: 653610 pounds mace. Ausführliche Angaben über den
Handel in früherer Zeit in ~Warburg~, Muskatnuß 1897.
[Illustration: Fig. 211.
_Myristica fragrans_ ~Houtt~.
Frucht durch einen Längsschnitt geöffnet. frs Fruchtschale, Ar Arillus,
ss Samenschale. [Nach +Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]
=Morphologie.= Bei einem Gewicht von 60 g kommen auf das Pericarp
48,3, auf den Arillus 2,1, die harte Schale 2,9 und den Samenkern
6,7 g (~Reinwardt~). Die rundlich-ovale Beerenfrucht ist gelb oder
rot überhaucht und glatt, 3-6 (selten bis 7,5) cm lang, frisch c.
45-62 g schwer und besitzt beiderseits eine Furche, in der die Frucht
zweiklappig aufspringt, +die Spitze liegt meist etwas exzentrisch+.
Innerhalb des fleischigen, etwa 1 cm dicken, zusammenziehend
schmeckenden Pericarps liegt der Arillus, der bei der unreifen
+geschlossenen+ Frucht gelblich-weiß ist, reif tief karminrot wird.
(Nur selten bleibt er dauernd elfenbeinfarben.) Er umschließt die
Basis des Samens becherartig und ist nach oben in 10-15 flache
Lappen zerschlitzt (Fig. 211). Schon ~Massimiliano~ vergleicht ihn
mit einem Netz, das die Frucht umhüllt. Da er sich früher bildet
als die Samenschale ihre definitive Gestalt und Härte erreicht hat,
so zeigt diese, der der Arillus in der Frucht fest anliegt, die
Abdrücke desselben. Der Same ist in der Form und Größe variabel,
meist breit-elliptisch oder eiförmig und 1,5 bis 4,5 cm lang und
1-2,5 cm breit. Die harte Samenschale ist tief dunkelbraun, schwach
glänzend. An der Basis, dort wo der Arillus angewachsen ist, sieht
man das Hilum als ovalen hellen Fleck und die Mikropyle als kleines
dunkles Loch, vom Hilum streicht die Rapherinne bis fast zur Spitze,
wo die Chalaza in Form eines exzentrisch gelegenen Buckels sich
findet. Der hell-zimtbraune, bei den gekalkten Nüssen weiß bestäubte
+Samenkern, aus dem allein die Droge besteht+, ist 10-33 (meist 20-30)
mm lang (die kleinsten 10-11, die größten 33 mm ~Warburg~) und 15-28
(meist 15-20) mm breit. Sowohl der Arillus wie die Samenschale bis
zum Primärperisperm sind abgelöst. Der Samenkern ist bedeckt von
der inneren Schicht des Primärperisperms und der vom Meristem nach
außen erzeugten Schicht des Sekundärperisperms, von dem auch die
braunen Zapfen gebildet werden (~Voigt~), die dem Querschnitt und
Längsschnitt ein so charakteristisches Aussehn geben (Fig. 212). Diese
Ruminationsfalten wurden im XVII. Jahrh. vielfach mit arabischen
Schriftzügen (literae arabicae) verglichen. An den Stellen, wo die
Zapfen sich an das übrige Perisperm ansetzen, welche Stellen den
vertieften Stellen der Furchen der runzeligen Außenseite entsprechen,
verläuft ein Bündel. Diese Bündel anastomosieren untereinander und
bilden, da sich der Kalk hauptsächlich in den vertieften Stellen
absetzt, das helle Netzwerk, welches der Oberfläche der Muskatnüsse
das eigenartige Ansehn gibt. Die Stelle, wo beim Ovulum die Mikropyle
liegt, ist auch am Samenkerne deutlich sichtbar (Fig. 212 Mp). Kurz vor
der etwas seitlich gelegenen Basis, dem Hilumsende des Samens, endigen
die Perispermalbündel blind. Es folgt nun eine ovale Rinne und dann ein
breiter heller Buckel, der die Lage des zweiten Integumentes markiert.
In der Mitte des Buckels ist die Mikropyle als ein kleines rundes Loch
oder Spitzchen zu sehen. Hier erfolgt auch der Austritt des Keimlings
bei der Keimung. Von dem Buckel geht eine seichte, dem Raphebündel der
Samenschale entsprechende Furche zu der Stelle am anderen Ende des
Samenkerns, die der Chalaza entspricht. Diese gleichfalls exzentrisch
gelegene Stelle ist durch eine dunklere Vertiefung markiert, in der
ein Spitzchen sichtbar ist: das Ende des hier abgelösten Raphebündels.
Auch der Keimling liegt etwas exzentrisch. Er ist bei der Droge meist
stark geschrumpft, oder ganz geschwunden. Die Cotyledonen bilden
einen gelappten Becher. Ihre Endzipfel ragen in die Keimbahn hinein.
Die besten Nüsse sind rund (bzw. eiförmig) und glatt (d. h. wenig
geschrumpft).
[Illustration: Fig 212.
_Semen myristicae_
von außen, quer und längs durchschnitten, das Albumen ruminatum und die
Leitbahnen zeigend. [Nach +Tschirch-Oesterle+ Atlas.]]
Bisweilen kommen, wenn 2 (oder 3) Ovula angelegt wurden, 2 (oder
3) Samen zur Ausbildung (+Zwillingsnuß+, pala bakamar -- schon
von ~Clusius~ erwähnt und in ~Nic. Schultzes~ Dissertatio de nuce
moschate 1709 abgebildet). Solche Muskatnüsse, die man neuerdings
viel im Handel findet, sind nicht rund, sondern plankonvex. -- Andere
Abnormitäten sind: die nur erbsen- bzw. pfefferkorngroße und nur c.
0,15 g schwere sog. +Königsnuß+, pala radja, die schon im Museum
Wormianum 1655 _Nux moschata regia_ genannt wird; sie besitzt meist
einen relativ dicken Arillus. -- Die samenschalenfreie +Diebsnuß+
(pala pentjuri), die nur zur Hälfte mit Arillus bedeckte +Pfaffennuß+
(pala domine) und die nach ~Warburg~ von monözischen Bäumen stammende
pala boy. -- Rompen, Rumpfnüsse, Rümpfe (pala rumpi) sind unreif
abgefallene oder vom Winde vorzeitig heruntergeschlagene, stark
schrumpfende Samen, die seit dem XVII. Jahrh. zur Darstellung von
_Ol. nucistae_ benutzt werden (~Rumph~) und zu diesem Zwecke (als
«Ölnüsse») auch heute noch exportiert werden.
Der trockene Arillus, die Macis, ist an der Basis becherartig
geschlossen, hier auch etwas dicker, nach oben hin ist er in zahlreiche
Lappen zerschlitzt, die sich bisweilen übereinanderschieben, aber
niemals zu einem so festen Knäuel wie bei der Bombay-Macis (Fig.
216), wo an der Spitze des Samens ein fester Kegel dicht über- und
durcheinander geschobener Arillarlappen liegt. Etwas unterhalb der
Stellen, wo die Lappen sich zerschlitzen, zeigt der Arillus schon tiefe
Längsfurchen. Die Droge ist gelbbräunlich, sehr brüchig. Sie quillt in
kaltem Wasser wenig. Die Oberfläche erscheint, mit der Lupe betrachtet,
streifig punktiert. «Die Streifen verlaufen der Länge nach an den
Zipfeln, allmählich schräge und fast konzentrisch gegen die Spitze sich
aufrichtend» (~Vogl~). Bisweilen ist der Arillus bleichgelb und rot
gesprenkelt (pala kakerlak) oder ganz weiß (weiße Muskat, pala putieh,
p. holanda). Oft sind gute Nüsse von spärlicher Macis umgeben und
spärliche Nüsse von kräftig entwickelter (~v. Hogendorp~).
=Anatomie.= In der Korolle und dem Blütenstiel finden sich neben
Ölzellen Astrosklereïden und gestreckte Milchröhren. Die etwa 10 mm
dicke Fruchtschale der reifen Frucht ist mit eigenartigen, sympodial
sich verzweigenden (~Warburg~) Sternhaaren bedeckt und enthält neben
Astrosklereïdennestern, die den äußeren Schichten eine ziemliche
Härte verleihen, zahlreiche, reich verzweigte Milchröhren mit
braunem Inhalt (Kinoschläuche). Diese «Kinoschläuche», die zuerst
von ~Tschirch~ (1888) und ~Hällström~ im Pericarp beobachtet und
abgebildet wurden, finden sich auch in der Rinde, der Markscheide,
der Blütenstandsachsen, im Perigon, den Staubfäden und den
Cotyledonen (~Warburg~).
[Illustration: Fig. 213.
_Myristica fragrans_ ~Houtt~.
1 Querschnitt durch den Arillus (Bandamacis). 2 Isolierte
Amylodextrinstärkekörner.
[Nach +Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]