Ausschmelzen der Lebern im Vakuum mit Dampfmantel bereitet. Das
Öl läuft durch ein Vakuumfilter in einen Tankwagen, wo es auf 4°
abgekühlt wird. Das Stearin wird durch dicht nebeneinander gehängte
Filtersäcke abgetrennt.
Minderwertige, von der medizinischen Verwendung auszuschließende
Transorten werden im Verfolg des oben beschriebenen Verfahrens durch
stufenweises stärkeres Erhitzen und Auspressen der Lebern gewonnen
(Sekundatran für technische Zwecke).
In Island ist die Gewinnung des Dampftranes ähnlich wie in Norwegen,
doch nur gering, infolge ungenügender Mengen frisch zu beschaffender
Lebern. In Nordamerika (Canada, Neufundland), auf den britischen
Inseln und der Nordseebank wird sie durch zu hohe Lufttemperatur
und daher zu rasche Fäulnis der Lebern behindert. Dagegen hat sich
der «~Peter Möller~-Prozeß», wie die Gewinnung des Dampftrans
nach ihrem Erfinder genannt wird, auch in den Bezirken von der
russisch-norwegischen Grenze bis zum Weißen Meer eingeführt. An der
Murmanküste besteht etwa ein Dutzend woers, kleine Dampffactoreien,
deren östlichste Korabelnaja ist (~Peckel Möller~).
[Illustration: Fig. 205.
Verladen des Lebertrans in Bergen. [Klischee von +Scott & Bowne+.]]
Minderwertige Sorten sind die sog. +natürlichen+, +naturellen+, früher
als +Bauerntrane+ bezeichneten, die in der Weise gewonnen werden, daß
man die aus den Fischen herausgelösten Lebern, oft ohne die Gallenblase
abzulösen, in Fässern (Barrels, Fig. 201) übereinander schichtet,
diese verspundet und deren Inhalt erst nach mehreren Wochen oder gar
Monaten, wenn die Fischer heimgekehrt sind, also die Masse schon zum
Teil in Fäulnis übergegangen ist, weiter verarbeitet. (Die ersten
Lebern kommen im Januar, die letzten im April in die Fässer.) Das aus
den Fässern freiwillig ausfließende oder oben abgeschöpfte Öl ist noch
relativ hell, gelb bis orange gefärbt (_Ol. jecoris naturale flav._,
_citrinum_, helles Rohmedizinalöl, Norw. Raa-Medizinaltran) und gilt
in seinen besten Sorten als zur Not noch für medizinische Zwecke
brauchbar, obwohl der Trangeschmack sich zuweilen recht unangenehm
bemerklich macht (die Pharmakopoeen lassen es +nicht+ zu!). Indessen
gibt es vielfach gute Qualitäten, die in bezug auf Geschmack oft einem
guten Dampftran vorgezogen werden (~Bull~). Das bei weiterem Faulen
bis Juni an die Oberfläche kommende Öl ist der Norw. Blanktran und
das bei fortgesetzter Fäulnis erhaltene dunkelbraune Öl der Norw.
Braun-Blanktran. Die dann aus den Lebern in Töpfen und Kesseln auf
offenem Feuer ausgekochten Trane aber, die abscheulich riechen und
noch abscheulicher schmecken, und eine mehr oder weniger braune (_Ol.
jecoris fuscum_) oder gar fast schwarze Farbe (_Ol. jec. nigr._,
Gerbertran) besitzen, sind nur zu technischen Zwecken verwendbar
(Norw. Brauntran). Der beim Auskochen der Lebern zurückbleibende
Rückstand heißt graxe. Die Bauerntrane werden durch Abkühlen nicht
demargariniert, sind «unracked», enthalten also viel feste Fettsäuren
(s. unten). Nach dem Bauerntranverfahren wird noch jetzt, besonders
an der Küste von Neufundland, dann auch an der schottischen Küste, in
Island und Norwegen viel Lebertran dargestellt (~Weigel~, ~Roussel~),
der zudem noch oft mit Robben- und Menhadentran (s. oben) versetzt wird
(~Sage~). Besonders scheint die Methode, die 3 : 1 m großen Fässer
(cajot) unten mit einem Fichtenbusch als Filter zu versehen und das
spontan abfließende Öl am unteren Teile abzuziehen, beliebt zu sein,
neben der Methode die Lebern in große Behälter (foissière) zu werfen,
die bis 3000 Stück aufnehmen können und in denen, da der Behälter sich
nur langsam füllt, die Masse allmählich in faulige Gärung übergeht
und einen derartigen Gestank entwickelt, daß es verboten ist, diese
Behälter in der Nähe von Straßen zu errichten.
In Ostende wurde früher die zerkleinerte Leber in einen Fischmagen
gelegt und dieser aufgehängt. Der Tran floß bald spontan aus.
Neuerdings sind auch mit Lauge und Kohle entfärbte sowie
sonnengebleichte Leberöle im Handel.
Der Bauerntran geht nach Bergen. Dort lagert das Öl zunächst, um
alles Wasser abzuscheiden. Dann wird es bewertet -- meist auf eine
sehr primitive Weise: Eintauchen der Finger und Prüfen durch Mund
und Nase. Der bei der Dampftrangewinnung erhaltene Rückstand der
extrahierten Lebern (Graxe) wird getrocknet, gemahlen und als Dünger
verwendet, oder, trotzdem er c. 6-10 % Öl enthält, fortgeworfen.
Auch die abgeschnittenen Köpfe der Fische (Fig. 199) werden auf
Dünger verarbeitet (1893: 17,7 Mill. Köpfe in drei Fabriken), die
Schwimmblasen bisweilen auf Leim. Der Rogen geht als Köder nach
Frankreich.
=Lit.= ~Brefeld~, D. Stockfischlebertr. in naturhistor. etc.
Hinsicht. Hamm 1835. -- ~Vogl~, Kommentar. -- ~Soubeiran~, Journ.
pharm. 1866, 161 u. 324. -- ~R. Howden~ (Gewinn. d. L. auf den
Lofoten). Pharm. Journ. 9 (1868), 312 (deutsch: Arch. Pharm. 18
[1868], 235). -- ~Heinrich Meyer~, Medizinal-Dorschlebertran 1884.
-- ~König~, Abhandl. der Naturw. Ges. Isis 1895 (Ref. von ~Schelenz~
in Pharm. Zeit. 1899, 381). -- ~F. Peckel Möller~, Codliver oil and
chemistry. London 1895. -- ~Roussel~, La morue et l’huile de foie de
morue. Thèse Paris 1900. -- ~Henseval~ u. ~Huwart~, Beitr. z. Stud.
d. Fischlebertrane. Chem. Rev. d. Fett u. Harzind. 1907, 191. --
~Nielsen~, Instruct. sur la prep. de l’huile d. foie de morue Bull.
d. Pêches marit. 1897. -- ~Rump~ u. ~Lehners~, Schweiz. Wochenschr.
1904, 160. -- ~Koch~ (Produkt. in Neufundl.), ~Mercks~ Rep. 1907,
340. -- ~Stein~ (Island), Österr. Apoth. Zeit. 1906. -- ~Brousfield~
(Lofoten, Liste der Stationen). West. Drugg. 1905, 435. -- ~Thomson~
(Neufundland). Proc. Amer. pharm. Assoc. 1905, 691. -- ~Gehe~,
Handelsber. -- Die Seefischerei Norwegens 1901. -- Sea fisheries
of the united kingdom 1902. -- Die Geestemünder Hochseefischerei
1902, herausgeb. z. Intern. Fischerei-Ausst. in Wien. -- Mitteil. d.
deutschen Seefischereivereins.
=Handel.= Der Großhandel unterscheidet meist: I. Dampftran (weiß,
hellblond, gelb, album); II. Natürlicher Tran. 1. Medizinaltran
(hellblank, blond, citrinum); 2. blanker T. (hellbraunblank,
flavum); 3. braunblanker T. (fuscum); 4. brauner T. (braunschwarzer,
nigrum, Gerbertr.), und nach der Herkunft besonders:
Norwegischer-Neufundland-Labrador-Tran. Der Handel unterscheidet
auch «ungeklärte» und «bei 0° nicht dick werdende» Trane, oder auch
sommerfiltrierte und winterfiltrierte (bei Japantran). Die frühere
Bezeichnung Fabriktran und Bauerntran ist nicht mehr üblich.
Der norwegische Medizinal-Dorschtran ist sowohl als Dampftran (in
Blechtonnen à 100 kg) -- die bei weitem teuerste Sorte -- wie als
natürlicher Dorschtran (in Holztonnen à 100 kg) im Handel. Letzterer
in den Sorten «hellgelb, kältebeständig D. A. V.», -- nur ⅔ des
Preises vom Dampftran -- gelb, madeirafarbig, rotbraun -- letztere
nur zu technischen Zwecken benutzbar. Der Dampftran verdrängt jetzt
allmählich die sog. natürlichen Trane. Von +technischen+ Tranen führt
~Grossmann~ 1911 an: Dreikronen, Grönländer, Robben, Japan, Leber
(brauner), Gerber Ia, Neufundland.
Schon 1893 waren c. 40000 Menschen, darunter 26683 Fischer auf c.
6000 Schiffen allein in Norwegen mit Kabeljaufang beschäftigt,
der Ertrag betrug c. 27 Mill. Fische, die 17,7 Mill. Köpfe für
Dünger, 31100 hl Rogen und 31500 hl Leber ergaben. 60 Fabriken
erzeugten 18600 hl Medizinaltran. Dampftran wird erzeugt auf den
Lofoten-Ydersiden, in Finmarken, Tromsoe, Nordmöre, Romsdalen
und Söndmöre. Hauptstapelplatz für +norwegischen+ Lebertran ist
Bergen. Dann exportiert auch Aalesund, viel weniger Christiania
und Tromsö. Die norwegische Dorschfischerei beschäftigt jetzt über
6000 Fahrzeuge und erzeugt in guten Jahren bis 80000 t Leberöle im
Jahr. 1902 richteten Seehunde große Verwüstungen unter den Dorschen
an, auch gingen die Dorsche weiter südlich, besonders 1903 war aber
ein Fehljahr, da die Lebern sehr ölarm waren (s. unten). Der Preis
pro hl stieg daher von 70-75 M auf 485 bis 525 M. 1902 kam aus dem
gesamten norwegischen Fischereigebiete: 19878 hl Dampftran und
14054 hl gewöhnlicher T. In den Jahren 1903 und 1904 aber infolge
geringen Fanges und Fettarmut der Lebern kaum der vierte Teil. Die
Zahl der in Norwegen gefangenen Dorsche betrug 1905: 44,5, 1906:
46,5, 1907: 47,6, 1908: 48,2, 1909: 56,5, 1910: 55,7, 1911: 64,4
Millionen. (Zu anderen Transorten abgesetzte Lebern 1903: 7012,
1904: 7810, 1906: 18097, 1907: 21384, 1908: 25584 hl.) Der Export
betrug 1909: Dampftran 40240, Medizinaltran 9900, blanker T. 4296,
braunblanker 8263, brauner 17915. Norwegen erzeugte +Dampftran+
1905: 41807, 1906: 42908, 1907: 46889, 1908: 59104, 1909: 50460,
1910: 41024, 1911: 43318 hl. Das Verhältnis der Lofotenproduktion zu
der ganz Norwegens ergibt sich aus folgenden Zahlen: Die +Lofoten+
allein erzeugten 1901: 15889, 1902: 9628, 1903: 614, 1904: 3293,
1905: 31187, 1906: 33177, 1907: 36387 hl. Alle Fischereien Norwegens
1901: 29500, 1902: 22200, 1903: 2952, 1904: 18500, 1905: c. 42000
hl. Über sog. Medizinaltran fehlen genaue Zahlen. Die Menge der
zur Bereitung anderer Sorten Tran, die nicht Dampftran sind, übrig
bleibenden Mengen Dorschleber betrugen 1909: 27663, 1911: 12729 hl.
Dazu kommen noch nicht unbeträchtliche Mengen (c. 1-2000 t) außer
Kontrolle gewonnener Tran. Der +Neufundländer Tran+ der canadischen
Fischer sowie der Labradortran kommen meist über London, der der
französischen Fischer geht nach Frankreich. Die besten Sorten sind
dem norwegischen gleichwertig. Sie werden in Nordamerika bevorzugt.
Die Vereinigten Staaten importierten 1908: 246680, 1909: 209155
galls. codliveroil und exportierten 1908: 306439, 1909: 327115 galls.
fishoil. Neufundland exportiert etwa 50-70000 t Tran.
In Bergen besteht eine Fiskeriforsøkstationen, die alle Produkte des
Meeres auf ihre Verwertung hin studiert (Direktor: ~H. Bull~).
=Lit.= Handel: Chem. Drugg. London 1907, 206 und 448. -- ~Gehe &
Co.~, Handelsber. -- ~Grossmann~, Liste. -- Handelsber. in Schweiz.
Wochenschr.
=Bildung des Öls in der Leber.= ~Roussel~ hat die Bildung des Öls in
der Dorschleber in Frankreich studiert (a. a. O. mit Abbild.). Vom
Dezember bis Februar sind nur wenige Öltröpfchen in den Leberzellen zu
finden, während des März und April steigt deren Menge und sie erreicht
ihr Maximum vom August bis November. Die Anhäufung des Öls ist kein
pathologischer Prozeß, sondern eine Folge von Überernährung.
=Chemie.= Der Fettgehalt der Dorschleber schwankt von 10-60%
(~Benedikt-Ulzer~). Er betrug 1899: 56, 1900: 54, 1901: 51, 1902 aber
nur 42%, 1906 wieder 52%. In normalen Jahren liefern 250-400 (im Mittel
320) Lebern 1 hl Tran, in schlechten (1903) sind 2000-4000 dazu nötig.
Auf Jahre, in denen die Leber einen abnorm hohen Fettgehalt zeigt
(1908), folgen meist solche mit geringerem Gehalt (1909 u. 1910).
Fettarme Lebern geben beim «Schmelzen» kein Öl. (~Kükenthahl~ bemerkt,
daß die Riesenleber des Eishai (s. oben S. 647) so tranreich ist, daß
sie 2-3 norwegische Tonnen Tran liefere?). Die Zusammensetzung des
Lebertrans ist natürlich verschieden, je nachdem ein natürlicher,
kalt ausgetretener, ein heiß ausgeschmolzener, ein abgekühlter,
demarginierter (solchen verlangt z. B. D. A. V.) oder ein nicht
abgekühlter Lebertran vorliegt. «Stearinfreie» Öle heißen im Handel
Racked oils. Im Durchschnitt wird angegeben: Flüssige Säuren 87-92,7,
feste 6,7-12,7, Glycerin 10-11% (die älteren Angaben: Oleïn 98,87,
Margarin 0,81 sind nicht richtig). Die elementare Zusammensetzung
entspricht etwa C = 78,1, H = 11,61, O = 10,28. In den festen Anteilen,
dem Transtearin, finden sich vorwiegend die Glyceride der +Stearin-+
und +Palmitinsäure+, etwas +Myristinsäure+ (~Benedikt-Ulzer~) und
eine oder mehrere +ungesättigte Fettsäuren+ neben anderen noch
unbekannten Bestandteilen. Glyceride der Essigsäure, Buttersäure
(die Buttersäure sollte als Propyläther vorhanden sein? ~Winkler~),
Valeriansäure und Caprinsäure finden sich nicht im Dampfmedizinaltran;
die ~Reichert-Meissl~-Zahl ist immer sehr niedrig. Die freien Säuren
treten jedoch als sekundäre Produkte in Tranen aus faulenden Lebern
auf (~Salkowsky~ und ~Steenbach~). Über die +flüssigen Fettsäuren+
ist wenig Sicheres bekannt. ~Heyerdahl~ nahm im stearinfreien Öl 4%
Palmitinsäure, 20% Jecoleïnsäure und 20% Therapinsäure an. (Er nimmt
in der außerordentlich oxydablen Therapinsäure vier doppelte Bindungen
an. Die Jecoleïnsäure faßt er als Isomeres der Döglingsäure auf.) Die
Existenz der Jecorinsäure (C₁₈H₃₀O₂) und der Asellinsäure (C₁₇H₃₂O₂,
~Fahrion~) sowie der Jecoleïnsäure und Therapinsäure (~Heyerdahl~),
sowie der ~Bull~schen Säure, C₂₃H₃₆O₂, betrachtet ~Lewkowitsch~
aber als unbewiesen. ~Heiduschka~ und ~Rheinberger~ betrachten das
beim Stehen von in Chloroform gelösten Lebertranfettsäuren mit
~Hübl~scher Jodlösung sich abscheidende kristallinische Produkt als
Tetrachlortetrajodtherapinsäure C₁₇H₂₆O₂(ClJ)₄. ~Fahrion~ erhielt
die von einigen als Hauptbestandteil angegebene Physetölsäure nicht.
~Lucks~ Gadinsäure ist zu streichen. Die Döglingsäure, die ~Scharling~
an Dodekatylalkohol gebunden im Döglingtran angibt, ist wahrscheinlich
Ölsäure (~Lewkowitsch~). ~Bull~, dem wir die besten Untersuchungen
über die Fettsäuren des Trans verdanken, trennte die flüssigen
Fettsäuren durch die Löslichkeit ihrer Kali- bzw. Natronsalze in vier
Anteile, die sich durch ihre Jodzahl unterscheiden. Sie beträgt bei A:
67,5, bei B: 135,6, bei C: 322,4, bei D: 347. Es sind also zum Teil
ungesättigte Säuren. ~Bull~ erhielt ferner (durch Fraktionierung der
Methyläther der Säuren) +Myristinsäure+, +Palmitinsäure+, +Fettsäure+:
C₁₆H₃₀O₂ (6%), +Stearinsäure+, +Ölsäure+ (aber nicht 99% ~Delattre~
oder 70% ~Schaper~), +Gadoleïnsäure+ C₂₀H₃₈O₂, und +Erucasäure+.
~Lewkowitsch~ betrachtet es als durch die Bromierungsversuche (~Hehner~
u. ~Mitchell~, ~Walker~ und ~Warburton~, ~Lewkowitsch~) bewiesen, daß
Säuren der Reihe CₙH₂ₙ₋₆O₂ (vgl. S. 546) im Dorschleberöl vorkommen,
die aber nicht Linolensäure sein können. ~Benedikt~ und ~Ulzer~, die
dies bestreiten, betrachten als mit Bestimmtheit nachgewiesen folgende
ungesättigte Säuren der Ölsäurereihe: die +Palmitoölsäure+ (~Bull~,
C₁₆H₃₀O₂), +Ölsäure+, +Gadoleïnsäure+ (~Bull~ C₂₀H₃₈O₂ F. = 24°) und
+Erucasäure+ (~Bull~) und nehmen als bewiesen (?) an, daß auch Säuren
der Reihe CₙH₂ₙ₋₁₀O₂ darin vorkommen [C₂₀H₃₀O₂ (?) C₂₃H₃₆O₂ (?)], die
sich durch sehr große Oxydierbarkeit auszeichnen. Die aus Japantran und
anderen Tranen isolierte Clupanodonsäure gehört zur Reihe CₙH₂ₙ₋₈O₂
(~Mitsumaru Tsujimoto~). Jedenfalls besteht das Gemisch der flüssigen
Fettsäuren vorwiegend aus ungesättigten Säuren.
Der Gehalt an +freien Säuren+ ist beim Dampftran sehr gering (0,34-0,6%
~Parry~ und ~Sage~, 0,24-0,69% ~Salkowsky~ -- Säurezahl: 0,72-1,45
bzw. 1,68 ~Dieterich~). Doch reagieren alle Trane sauer (~Garcano~).
Der Säuregehalt ist um so größer, je dunkler das Öl gefärbt ist. So
beträgt die Säurezahl bei hellem naturale: 8,2-12,6, bei blankem:
11,9-15,9, bei braunblankem naturale: 19,2-36,8 (~Benedikt-Ulzer~).
Besonders viel enthalten die Leberöle, die aus zerfallenen, gefaulten
Lebern dargestellt wurden, da bei diesen die Glycerinester durch die
Lipasen verseift wurden. Bei ihnen steigt die Säurezahl bisweilen bis
auf 54,4 (~Heyerdahl~). An Luft und Licht entstehen im Tran aus den
ungesättigten Säuren Oxyfettsäuren.
Die Farbe des Lebertrans rührt von einem im Lichte ausbleichenden
+Lipochrom+ her (~P. Möller~, von ~de Jongh~ als +Gaduin+ bezeichnet).
Auf diesem beruht auch die Blaufärbung durch Schwefelsäure (s. unten S.
657).
Das Unverseifbare besteht aus +Cholesterin+ und beträgt bei
Medizinaldampftran 0,3-1,64% (0,46-1,32 ~Allen~ und ~Thomson~, im
Durchschnitt 0,3 ~Salkowsky~), bei den technischen Ölen oft viel mehr
(bis 7,89 durch alkohol. Natron Unverseifbares).
Ferner sind 0,035-0,05% +organische Basen+ (Ptomaine?) in dunklen
Dorschleberölen nachgewiesen (~Gautier~ und ~Mourgues~), und zwar
+Butylamin+, +Isoamylamin+, +Hexylamin+, +Dihydrolutidin+ und
+Trimethylamin+ (sämtlich Zersetzungsprodukte des Lebereiweißes).
Ferner die nicht flüchtigen Basen +Morrhuin+ (C₁₉H₂₇N₃) und
+Asellin+ (C₂₅H₃₂N₄), sowie ein lecithinartiger Körper (~Gautier~
und ~Mourgues~), der vielleicht zu den Phosphatiden gehört und mit
dem Jecorin identisch ist. ~Gautier~ und ~Mourgues~ nennen noch die
Basen +Merlusin+ (C₈H₁₂N₂), +Homomorrhuin+(C₂₀H₂₉N₃), +Nicomorrhuin+
(C₂₀H₂₈N₄), +Tyrosamin+ und +Morrhuamin+. Die meisten dieser, nähere
Untersuchung verlangenden, Basen bilden Öle, +finden sich übrigens
nur in den gefärbten sog. natürlichen Ölen+ (s. oben), +nicht im
Dampftran+, der stets stickstofffrei befunden wurde (~Eberle~). Sodann
nennen die genannten Autoren noch die +Morrhuinsäure+, die sie als ein
Pyridinderivat der Formel:
H
C
/ \\
HC C(OH)
|| |
HC C(C₃H₆)COOH
\ //
N
H₂
betrachten (~Lewkowitsch~ bezweifelt ihre Existenz).
Das Morrhuol (Gaduol) ist ein mit 90% Alkohol bereiteter
eingedampfter Auszug des Lebertran, der die «wirksamen Bestandteile»
(?) enthalten soll (~Chapeauteaut~), aber wohl vorwiegend nur die
Phosphatide und Basen, sowie etwas der Fettsäuren enthält. Es ist
eine bitterschmeckende, unangenehm riechende Masse. Brauner Tran
liefert 4,5-6%, heller 2,5-3%.
Die +Asche+ beträgt bei hellem Öl 0,1515% (bei braunblankem 0,0678, bei
braunem 0,0817% ~de Jongh~), im Lofotentran 0,009 (~van der Burg~).
Nachgewiesen ist außer Ca, Mg, Na, Fe, Mn, Chlor (0,102%), Phosphor
(0,018%), Schwefel (0,041%) und Brom (0,004%), besonders +Jod+.
Letzteres wohl in organischer Bindung (~Personne~ 1849). Der Phosphor
steckt wohl im Lecithin.
Frische Dorschleber enthält mehr wie zweimal so viel +Jod+ als der
Tran. Der Jodgehalt des Trans wird sehr verschieden angegeben.
Für blonde Trane 0,02, gelbe 0,031% Jod (~Andres~), hellblanker
0,0377, braunblanker 0,0405, brauner 0,035 (~Riegel~); Labradortran:
0,015% (~Schaper~). ~Bird~ erhielt dagegen nur 0,0012 bis 0,0021%;
~Stanford~ gar nur im Durchschnitt 0,000322%, ~Girardin~ und
~Preisser~: 0,0007-0,0008. ~Flückiger~ gibt 0,0004% an. Die niedrigsten
Werte finden sich bei ~von Santen~: 0,00022 (weißer) - 0,00065
(braunblanker). Die Angabe von ~Garrod~ (Mat. med.): 0,06% ist
jedenfalls zu hoch. ~Carles~ fand (1882) in farblosem, gereinigtem Tran
nur außerordentlich geringe Spuren von +Phosphatiden+ und +Jod+. Doch
hält ~Bird~ (im Gegensatz zu ~Bentley~ und ~Redwood~, ~Chevalier~ und
~Goblet~, sowie ~Herberger~) +Jod für einen konstanten Bestandteil des
Trans+. Brom enthält der Tran nur ⅒ von dem Gehalte an Jod. Den
Bromgehalt gibt ~Riegel~ auf 0,0037-0,0048% an. Der Rochenlebertran
enthält etwa ebenso viel Jod und Brom wie der Dorschlebertran
(~Riegel~). Die Bestimmung des Jods kann, wie ~Wackenroder~ angibt, am
besten (?) in der verkohlten Transeife erfolgen, muß aber mit allen
Kautelen vorgenommen werden (Salpeterschmelze), da sonst, wie die
Untersuchung des Jodothyrins zeigt, Spuren von Jod leicht übersehen
werden.
Gallenfarbstoffe und Gallensäuren fehlen. Ein +Phosphatid+ fand bereits
~de Jongh~ und ~Gobley~ (1844). Die Substanzen, welche dem Lebertran
(und and. Fischölen) den +Geruch+ geben, sind angeblich hauptsächlich
aldehydischer Natur. Sie sollen aus den ungesättigten Fettsäuren durch
den Luftsauerstoff entstehen (~Servais~), doch zeigt auch z. B. die
ungesättigte Clupanodonsäure des Japantrans selbst schon deutlichen
Fischgeruch (~Mitsumaru Tsujimoto~), wie das Glycerid der Isansäure
aus Isanöl (~Hébert~. Ob diese aber ganz rein waren?). Vielleicht sind
auch die Basen (s. oben) an dem Geruche beteiligt, denn besonders die
dunklen Öle riechen stark. Die sich aus Tranen bei längerem Stehen
bisweilen abscheidende harzartige Masse scheint ein Umwandlungsprodukt
der ungesättigten Fettsäuren zu sein (~Mitsumaru~).
Lebertran löst sich in Äther, Chloroform und Schwefelkohlenstoff
und bei 80° zu 6% in absol. Alkohol, siedender Alkohol löst 7%
(~Schädler~). Bei der Elaidinprobe erstarrt Lebertran nicht, sondern
bildet eine dicke rote Masse. Bei der Behandlung des Lebertrans mit
Salpetersäure entsteht neben Sebacinsäure, Brassylsäure und Korksäure
nur wenig Azelainsäure (~Eberle~).
Das +spez. Gew.+ von Dampfdorschlebertran beträgt bei 15° 0,920-0,927
(~Garcano~, ~Kremel~) bis 0,929 (~Wijs~) bzw. 0,931 (~Parry~, ~Sage~)
-- ~Bull~ beobachtete meist c. 0,926 (Pharm. helv.: 0,925-0,930
bei 15°, 0,873-0,874 bei 98°; D. A. V.: 0,924-0,932) -- bei gelbem
Medizinaltran: 0,922-0,929, bei hellem naturale I: 0,9262-0,9275
(~Weigel~), bei naturale II: 0,9245-0,9293 (~Benedikt-Ulzer~), bei
Neufundländer: 0,925 (~Mann~), bei isländ.: 0,923 (~Bryde~), bei techn.
hell: 0,9232 bis 0,9252, bei hellbraun: 0,9217-0,9256, bei braun:
0,9310-0,9410. Die Trane von höherem spez. Gew. geben auch eine höhere
Jodzahl (~Wijs~).
Die +Verseifungszahl+ bei Dampftran: 186,3 (~Bull~) bis 189 (~Kremel~)
resp. 199 (~Parry~), 184-195 (Ph. austr. VIII), Verseifungszahl heiß:
185,4-192,5 (~Dieterich~).
Die +Jodzahl+: 148 (~Bull~) bis 181 (~Wijs~), bei selbst
ausgeschmolzenem: 160,7 bis 203, bei gutem Dampftran c. 160-170
(159-168,5 ~Parry~, nach Pharm. helv. IV: 150-170, D. A. V.: 155-175),
bei naturale: 156-159, bei gelbem: 129-150, bei Neufundländer: 139,2,
bei isländ.: 137,5. (Pharm. austr. VIII hat 120-145. Auch ~Weigel~ gibt
niedrigere Zahlen für Dampftran: 141,11, ~Dieterich~: 122,2 bis 135,9,
~Garcano~: 126,8). Bei längerer Aufbewahrung fällt die Jodzahl und das
Refraktionsvermögen nimmt zu (~Thomson~ u. ~Dunlop~). +Bromzahl+ bei
bernsteingelbem: 83,44, bei braunem: 83,10 (~Telle~).
Die ~Reichert-Meissl~-Zahl: 0,1-0,7 (0,85 ~Parry~), bei selbst
ausgeschmolzenem 0,48-0,86; das +Unverseifbare+ im Dampftran meist
0,60-0,87%, bis 1,64 (~Benedikt-Ulzer~), 1,6 (~Parry~); durch alkohol.
Natron unverseifbar bei Dampftran: 1,3 bis 2,6, bei naturale:
1,85-2,65, bei braunblank: 3,45-7,83, bei braun: 7,46 bis 7,89 (~Bull~
und ~Lillejord~). +Hehner+-Zahl: 95,3-96,5 (~Lewkowitsch~, ~Fahrion~).
Ätherunlösliches Bromid: 32,64 (~Bull~) bis 45% (~Ulzer~), bei
naturale hell 47,1. Maumenéprobe: 113-116° (~Baynes~, ~Allen~);
Brechungsexponent bei 15°: 1,4800-1,4852 (~Strohmer~), 1,4792-1,4811
(~Parry~), bei 40°: 1,4700-1,4736 (Pharm. helv. IV); Oleorefraktometer
bei 22°: +40 - +46 (~Pearmain~, ~Dowzard~); Butterrefraktometer bei
20°: 77,5-83,2 (~Utz~). Die +Thermo+zahl (bestimmt im Thermoleometer
~Tortelli~) beträgt 107 (bei Robbentran 72,1, bei Walfischtran 75,6,
bei Sardinenöl 112,5).
Die Lebertrane sind vorwiegend linksdrehend (~Rakusin~); Dorschtran
meist inaktiv (~Liverseege~). Die +Verbrennungswärme+ beträgt bei
frischem Dorschleberöl 9452 g-Kal. bei konstantem Druck und 9437 g-Kal.
bei konstantem Volumen (~Shermann~ u. ~Snell~).
Gesamtfettsäuren: 95,72%. Die Menge der ungesättigten Fettsäuren
betrug bei 13 Proben 12,1-13,5, bei 3 Proben 14,7-15,5, bei 2 Proben
11,5-11,9%. Schmelzpunkt der Fettsäuren: 21-25 (~Parry~) bis 26,5
(~Bull~); mittleres Molekulargewicht: 287,6-292,5 (~Parry~) und Jodzahl
130,5 (~Thörner~), 164-171 (~Parry~).
Der Erstarrungspunkt (meist 0-3,5° ~Barthe~) wechselt natürlich, je
nachdem der Tran der Kälte kürzere oder längere Zeit oder gar nicht
ausgesetzt war. Durch das Abscheiden des Stearins durch Abkühlen gehen
dem Tran übrigens keine wertvollen Bestandteile verloren, auch die
Konstanten ändern sich kaum (~Moreau~).