Nach dem ~Wild-Robb~schen Patent wird jetzt guter Lebertran durch

Ausschmelzen der Lebern im Vakuum mit Dampfmantel bereitet. Das

Öl läuft durch ein Vakuumfilter in einen Tankwagen, wo es auf 4°

abgekühlt wird. Das Stearin wird durch dicht nebeneinander gehängte

Filtersäcke abgetrennt.

Minderwertige, von der medizinischen Verwendung auszuschließende

Transorten werden im Verfolg des oben beschriebenen Verfahrens durch

stufenweises stärkeres Erhitzen und Auspressen der Lebern gewonnen

(Sekundatran für technische Zwecke).

In Island ist die Gewinnung des Dampftranes ähnlich wie in Norwegen,

doch nur gering, infolge ungenügender Mengen frisch zu beschaffender

Lebern. In Nordamerika (Canada, Neufundland), auf den britischen

Inseln und der Nordseebank wird sie durch zu hohe Lufttemperatur

und daher zu rasche Fäulnis der Lebern behindert. Dagegen hat sich

der «~Peter Möller~-Prozeß», wie die Gewinnung des Dampftrans

nach ihrem Erfinder genannt wird, auch in den Bezirken von der

russisch-norwegischen Grenze bis zum Weißen Meer eingeführt. An der

Murmanküste besteht etwa ein Dutzend woers, kleine Dampffactoreien,

deren östlichste Korabelnaja ist (~Peckel Möller~).

[Illustration: Fig. 205.

Verladen des Lebertrans in Bergen. [Klischee von +Scott & Bowne+.]]

Minderwertige Sorten sind die sog. +natürlichen+, +naturellen+, früher

als +Bauerntrane+ bezeichneten, die in der Weise gewonnen werden, daß

man die aus den Fischen herausgelösten Lebern, oft ohne die Gallenblase

abzulösen, in Fässern (Barrels, Fig. 201) übereinander schichtet,

diese verspundet und deren Inhalt erst nach mehreren Wochen oder gar

Monaten, wenn die Fischer heimgekehrt sind, also die Masse schon zum

Teil in Fäulnis übergegangen ist, weiter verarbeitet. (Die ersten

Lebern kommen im Januar, die letzten im April in die Fässer.) Das aus

den Fässern freiwillig ausfließende oder oben abgeschöpfte Öl ist noch

relativ hell, gelb bis orange gefärbt (_Ol. jecoris naturale flav._,

_citrinum_, helles Rohmedizinalöl, Norw. Raa-Medizinaltran) und gilt

in seinen besten Sorten als zur Not noch für medizinische Zwecke

brauchbar, obwohl der Trangeschmack sich zuweilen recht unangenehm

bemerklich macht (die Pharmakopoeen lassen es +nicht+ zu!). Indessen

gibt es vielfach gute Qualitäten, die in bezug auf Geschmack oft einem

guten Dampftran vorgezogen werden (~Bull~). Das bei weiterem Faulen

bis Juni an die Oberfläche kommende Öl ist der Norw. Blanktran und

das bei fortgesetzter Fäulnis erhaltene dunkelbraune Öl der Norw.

Braun-Blanktran. Die dann aus den Lebern in Töpfen und Kesseln auf

offenem Feuer ausgekochten Trane aber, die abscheulich riechen und

noch abscheulicher schmecken, und eine mehr oder weniger braune (_Ol.

jecoris fuscum_) oder gar fast schwarze Farbe (_Ol. jec. nigr._,

Gerbertran) besitzen, sind nur zu technischen Zwecken verwendbar

(Norw. Brauntran). Der beim Auskochen der Lebern zurückbleibende

Rückstand heißt graxe. Die Bauerntrane werden durch Abkühlen nicht

demargariniert, sind «unracked», enthalten also viel feste Fettsäuren

(s. unten). Nach dem Bauerntranverfahren wird noch jetzt, besonders

an der Küste von Neufundland, dann auch an der schottischen Küste, in

Island und Norwegen viel Lebertran dargestellt (~Weigel~, ~Roussel~),

der zudem noch oft mit Robben- und Menhadentran (s. oben) versetzt wird

(~Sage~). Besonders scheint die Methode, die 3 : 1 m großen Fässer

(cajot) unten mit einem Fichtenbusch als Filter zu versehen und das

spontan abfließende Öl am unteren Teile abzuziehen, beliebt zu sein,

neben der Methode die Lebern in große Behälter (foissière) zu werfen,

die bis 3000 Stück aufnehmen können und in denen, da der Behälter sich

nur langsam füllt, die Masse allmählich in faulige Gärung übergeht

und einen derartigen Gestank entwickelt, daß es verboten ist, diese

Behälter in der Nähe von Straßen zu errichten.

In Ostende wurde früher die zerkleinerte Leber in einen Fischmagen

gelegt und dieser aufgehängt. Der Tran floß bald spontan aus.

Neuerdings sind auch mit Lauge und Kohle entfärbte sowie

sonnengebleichte Leberöle im Handel.

Der Bauerntran geht nach Bergen. Dort lagert das Öl zunächst, um

alles Wasser abzuscheiden. Dann wird es bewertet -- meist auf eine

sehr primitive Weise: Eintauchen der Finger und Prüfen durch Mund

und Nase. Der bei der Dampftrangewinnung erhaltene Rückstand der

extrahierten Lebern (Graxe) wird getrocknet, gemahlen und als Dünger

verwendet, oder, trotzdem er c. 6-10 % Öl enthält, fortgeworfen.

Auch die abgeschnittenen Köpfe der Fische (Fig. 199) werden auf

Dünger verarbeitet (1893: 17,7 Mill. Köpfe in drei Fabriken), die

Schwimmblasen bisweilen auf Leim. Der Rogen geht als Köder nach

Frankreich.

=Lit.= ~Brefeld~, D. Stockfischlebertr. in naturhistor. etc.

Hinsicht. Hamm 1835. -- ~Vogl~, Kommentar. -- ~Soubeiran~, Journ.

pharm. 1866, 161 u. 324. -- ~R. Howden~ (Gewinn. d. L. auf den

Lofoten). Pharm. Journ. 9 (1868), 312 (deutsch: Arch. Pharm. 18

[1868], 235). -- ~Heinrich Meyer~, Medizinal-Dorschlebertran 1884.

-- ~König~, Abhandl. der Naturw. Ges. Isis 1895 (Ref. von ~Schelenz~

in Pharm. Zeit. 1899, 381). -- ~F. Peckel Möller~, Codliver oil and

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1902, herausgeb. z. Intern. Fischerei-Ausst. in Wien. -- Mitteil. d.

deutschen Seefischereivereins.

=Handel.= Der Großhandel unterscheidet meist: I. Dampftran (weiß,

hellblond, gelb, album); II. Natürlicher Tran. 1. Medizinaltran

(hellblank, blond, citrinum); 2. blanker T. (hellbraunblank,

flavum); 3. braunblanker T. (fuscum); 4. brauner T. (braunschwarzer,

nigrum, Gerbertr.), und nach der Herkunft besonders:

Norwegischer-Neufundland-Labrador-Tran. Der Handel unterscheidet

auch «ungeklärte» und «bei 0° nicht dick werdende» Trane, oder auch

sommerfiltrierte und winterfiltrierte (bei Japantran). Die frühere

Bezeichnung Fabriktran und Bauerntran ist nicht mehr üblich.

Der norwegische Medizinal-Dorschtran ist sowohl als Dampftran (in

Blechtonnen à 100 kg) -- die bei weitem teuerste Sorte -- wie als

natürlicher Dorschtran (in Holztonnen à 100 kg) im Handel. Letzterer

in den Sorten «hellgelb, kältebeständig D. A. V.», -- nur ⅔ des

Preises vom Dampftran -- gelb, madeirafarbig, rotbraun -- letztere

nur zu technischen Zwecken benutzbar. Der Dampftran verdrängt jetzt

allmählich die sog. natürlichen Trane. Von +technischen+ Tranen führt

~Grossmann~ 1911 an: Dreikronen, Grönländer, Robben, Japan, Leber

(brauner), Gerber Ia, Neufundland.

Schon 1893 waren c. 40000 Menschen, darunter 26683 Fischer auf c.

6000 Schiffen allein in Norwegen mit Kabeljaufang beschäftigt,

der Ertrag betrug c. 27 Mill. Fische, die 17,7 Mill. Köpfe für

Dünger, 31100 hl Rogen und 31500 hl Leber ergaben. 60 Fabriken

erzeugten 18600 hl Medizinaltran. Dampftran wird erzeugt auf den

Lofoten-Ydersiden, in Finmarken, Tromsoe, Nordmöre, Romsdalen

und Söndmöre. Hauptstapelplatz für +norwegischen+ Lebertran ist

Bergen. Dann exportiert auch Aalesund, viel weniger Christiania

und Tromsö. Die norwegische Dorschfischerei beschäftigt jetzt über

6000 Fahrzeuge und erzeugt in guten Jahren bis 80000 t Leberöle im

Jahr. 1902 richteten Seehunde große Verwüstungen unter den Dorschen

an, auch gingen die Dorsche weiter südlich, besonders 1903 war aber

ein Fehljahr, da die Lebern sehr ölarm waren (s. unten). Der Preis

pro hl stieg daher von 70-75 M auf 485 bis 525 M. 1902 kam aus dem

gesamten norwegischen Fischereigebiete: 19878 hl Dampftran und

14054 hl gewöhnlicher T. In den Jahren 1903 und 1904 aber infolge

geringen Fanges und Fettarmut der Lebern kaum der vierte Teil. Die

Zahl der in Norwegen gefangenen Dorsche betrug 1905: 44,5, 1906:

46,5, 1907: 47,6, 1908: 48,2, 1909: 56,5, 1910: 55,7, 1911: 64,4

Millionen. (Zu anderen Transorten abgesetzte Lebern 1903: 7012,

1904: 7810, 1906: 18097, 1907: 21384, 1908: 25584 hl.) Der Export

betrug 1909: Dampftran 40240, Medizinaltran 9900, blanker T. 4296,

braunblanker 8263, brauner 17915. Norwegen erzeugte +Dampftran+

1905: 41807, 1906: 42908, 1907: 46889, 1908: 59104, 1909: 50460,

1910: 41024, 1911: 43318 hl. Das Verhältnis der Lofotenproduktion zu

der ganz Norwegens ergibt sich aus folgenden Zahlen: Die +Lofoten+

allein erzeugten 1901: 15889, 1902: 9628, 1903: 614, 1904: 3293,

1905: 31187, 1906: 33177, 1907: 36387 hl. Alle Fischereien Norwegens

1901: 29500, 1902: 22200, 1903: 2952, 1904: 18500, 1905: c. 42000

hl. Über sog. Medizinaltran fehlen genaue Zahlen. Die Menge der

zur Bereitung anderer Sorten Tran, die nicht Dampftran sind, übrig

bleibenden Mengen Dorschleber betrugen 1909: 27663, 1911: 12729 hl.

Dazu kommen noch nicht unbeträchtliche Mengen (c. 1-2000 t) außer

Kontrolle gewonnener Tran. Der +Neufundländer Tran+ der canadischen

Fischer sowie der Labradortran kommen meist über London, der der

französischen Fischer geht nach Frankreich. Die besten Sorten sind

dem norwegischen gleichwertig. Sie werden in Nordamerika bevorzugt.

Die Vereinigten Staaten importierten 1908: 246680, 1909: 209155

galls. codliveroil und exportierten 1908: 306439, 1909: 327115 galls.

fishoil. Neufundland exportiert etwa 50-70000 t Tran.

In Bergen besteht eine Fiskeriforsøkstationen, die alle Produkte des

Meeres auf ihre Verwertung hin studiert (Direktor: ~H. Bull~).

=Lit.= Handel: Chem. Drugg. London 1907, 206 und 448. -- ~Gehe &

Co.~, Handelsber. -- ~Grossmann~, Liste. -- Handelsber. in Schweiz.

Wochenschr.

=Bildung des Öls in der Leber.= ~Roussel~ hat die Bildung des Öls in

der Dorschleber in Frankreich studiert (a. a. O. mit Abbild.). Vom

Dezember bis Februar sind nur wenige Öltröpfchen in den Leberzellen zu

finden, während des März und April steigt deren Menge und sie erreicht

ihr Maximum vom August bis November. Die Anhäufung des Öls ist kein

pathologischer Prozeß, sondern eine Folge von Überernährung.

=Chemie.= Der Fettgehalt der Dorschleber schwankt von 10-60%

(~Benedikt-Ulzer~). Er betrug 1899: 56, 1900: 54, 1901: 51, 1902 aber

nur 42%, 1906 wieder 52%. In normalen Jahren liefern 250-400 (im Mittel

320) Lebern 1 hl Tran, in schlechten (1903) sind 2000-4000 dazu nötig.

Auf Jahre, in denen die Leber einen abnorm hohen Fettgehalt zeigt

(1908), folgen meist solche mit geringerem Gehalt (1909 u. 1910).

Fettarme Lebern geben beim «Schmelzen» kein Öl. (~Kükenthahl~ bemerkt,

daß die Riesenleber des Eishai (s. oben S. 647) so tranreich ist, daß

sie 2-3 norwegische Tonnen Tran liefere?). Die Zusammensetzung des

Lebertrans ist natürlich verschieden, je nachdem ein natürlicher,

kalt ausgetretener, ein heiß ausgeschmolzener, ein abgekühlter,

demarginierter (solchen verlangt z. B. D. A. V.) oder ein nicht

abgekühlter Lebertran vorliegt. «Stearinfreie» Öle heißen im Handel

Racked oils. Im Durchschnitt wird angegeben: Flüssige Säuren 87-92,7,

feste 6,7-12,7, Glycerin 10-11% (die älteren Angaben: Oleïn 98,87,

Margarin 0,81 sind nicht richtig). Die elementare Zusammensetzung

entspricht etwa C = 78,1, H = 11,61, O = 10,28. In den festen Anteilen,

dem Transtearin, finden sich vorwiegend die Glyceride der +Stearin-+

und +Palmitinsäure+, etwas +Myristinsäure+ (~Benedikt-Ulzer~) und

eine oder mehrere +ungesättigte Fettsäuren+ neben anderen noch

unbekannten Bestandteilen. Glyceride der Essigsäure, Buttersäure

(die Buttersäure sollte als Propyläther vorhanden sein? ~Winkler~),

Valeriansäure und Caprinsäure finden sich nicht im Dampfmedizinaltran;

die ~Reichert-Meissl~-Zahl ist immer sehr niedrig. Die freien Säuren

treten jedoch als sekundäre Produkte in Tranen aus faulenden Lebern

auf (~Salkowsky~ und ~Steenbach~). Über die +flüssigen Fettsäuren+

ist wenig Sicheres bekannt. ~Heyerdahl~ nahm im stearinfreien Öl 4%

Palmitinsäure, 20% Jecoleïnsäure und 20% Therapinsäure an. (Er nimmt

in der außerordentlich oxydablen Therapinsäure vier doppelte Bindungen

an. Die Jecoleïnsäure faßt er als Isomeres der Döglingsäure auf.) Die

Existenz der Jecorinsäure (C₁₈H₃₀O₂) und der Asellinsäure (C₁₇H₃₂O₂,

~Fahrion~) sowie der Jecoleïnsäure und Therapinsäure (~Heyerdahl~),

sowie der ~Bull~schen Säure, C₂₃H₃₆O₂, betrachtet ~Lewkowitsch~

aber als unbewiesen. ~Heiduschka~ und ~Rheinberger~ betrachten das

beim Stehen von in Chloroform gelösten Lebertranfettsäuren mit

~Hübl~scher Jodlösung sich abscheidende kristallinische Produkt als

Tetrachlortetrajodtherapinsäure C₁₇H₂₆O₂(ClJ)₄. ~Fahrion~ erhielt

die von einigen als Hauptbestandteil angegebene Physetölsäure nicht.

~Lucks~ Gadinsäure ist zu streichen. Die Döglingsäure, die ~Scharling~

an Dodekatylalkohol gebunden im Döglingtran angibt, ist wahrscheinlich

Ölsäure (~Lewkowitsch~). ~Bull~, dem wir die besten Untersuchungen

über die Fettsäuren des Trans verdanken, trennte die flüssigen

Fettsäuren durch die Löslichkeit ihrer Kali- bzw. Natronsalze in vier

Anteile, die sich durch ihre Jodzahl unterscheiden. Sie beträgt bei A:

67,5, bei B: 135,6, bei C: 322,4, bei D: 347. Es sind also zum Teil

ungesättigte Säuren. ~Bull~ erhielt ferner (durch Fraktionierung der

Methyläther der Säuren) +Myristinsäure+, +Palmitinsäure+, +Fettsäure+:

C₁₆H₃₀O₂ (6%), +Stearinsäure+, +Ölsäure+ (aber nicht 99% ~Delattre~

oder 70% ~Schaper~), +Gadoleïnsäure+ C₂₀H₃₈O₂, und +Erucasäure+.

~Lewkowitsch~ betrachtet es als durch die Bromierungsversuche (~Hehner~

u. ~Mitchell~, ~Walker~ und ~Warburton~, ~Lewkowitsch~) bewiesen, daß

Säuren der Reihe CₙH₂ₙ₋₆O₂ (vgl. S. 546) im Dorschleberöl vorkommen,

die aber nicht Linolensäure sein können. ~Benedikt~ und ~Ulzer~, die

dies bestreiten, betrachten als mit Bestimmtheit nachgewiesen folgende

ungesättigte Säuren der Ölsäurereihe: die +Palmitoölsäure+ (~Bull~,

C₁₆H₃₀O₂), +Ölsäure+, +Gadoleïnsäure+ (~Bull~ C₂₀H₃₈O₂ F. = 24°) und

+Erucasäure+ (~Bull~) und nehmen als bewiesen (?) an, daß auch Säuren

der Reihe CₙH₂ₙ₋₁₀O₂ darin vorkommen [C₂₀H₃₀O₂ (?) C₂₃H₃₆O₂ (?)], die

sich durch sehr große Oxydierbarkeit auszeichnen. Die aus Japantran und

anderen Tranen isolierte Clupanodonsäure gehört zur Reihe CₙH₂ₙ₋₈O₂

(~Mitsumaru Tsujimoto~). Jedenfalls besteht das Gemisch der flüssigen

Fettsäuren vorwiegend aus ungesättigten Säuren.

Der Gehalt an +freien Säuren+ ist beim Dampftran sehr gering (0,34-0,6%

~Parry~ und ~Sage~, 0,24-0,69% ~Salkowsky~ -- Säurezahl: 0,72-1,45

bzw. 1,68 ~Dieterich~). Doch reagieren alle Trane sauer (~Garcano~).

Der Säuregehalt ist um so größer, je dunkler das Öl gefärbt ist. So

beträgt die Säurezahl bei hellem naturale: 8,2-12,6, bei blankem:

11,9-15,9, bei braunblankem naturale: 19,2-36,8 (~Benedikt-Ulzer~).

Besonders viel enthalten die Leberöle, die aus zerfallenen, gefaulten

Lebern dargestellt wurden, da bei diesen die Glycerinester durch die

Lipasen verseift wurden. Bei ihnen steigt die Säurezahl bisweilen bis

auf 54,4 (~Heyerdahl~). An Luft und Licht entstehen im Tran aus den

ungesättigten Säuren Oxyfettsäuren.

Die Farbe des Lebertrans rührt von einem im Lichte ausbleichenden

+Lipochrom+ her (~P. Möller~, von ~de Jongh~ als +Gaduin+ bezeichnet).

Auf diesem beruht auch die Blaufärbung durch Schwefelsäure (s. unten S.

657).

Das Unverseifbare besteht aus +Cholesterin+ und beträgt bei

Medizinaldampftran 0,3-1,64% (0,46-1,32 ~Allen~ und ~Thomson~, im

Durchschnitt 0,3 ~Salkowsky~), bei den technischen Ölen oft viel mehr

(bis 7,89 durch alkohol. Natron Unverseifbares).

Ferner sind 0,035-0,05% +organische Basen+ (Ptomaine?) in dunklen

Dorschleberölen nachgewiesen (~Gautier~ und ~Mourgues~), und zwar

+Butylamin+, +Isoamylamin+, +Hexylamin+, +Dihydrolutidin+ und

+Trimethylamin+ (sämtlich Zersetzungsprodukte des Lebereiweißes).

Ferner die nicht flüchtigen Basen +Morrhuin+ (C₁₉H₂₇N₃) und

+Asellin+ (C₂₅H₃₂N₄), sowie ein lecithinartiger Körper (~Gautier~

und ~Mourgues~), der vielleicht zu den Phosphatiden gehört und mit

dem Jecorin identisch ist. ~Gautier~ und ~Mourgues~ nennen noch die

Basen +Merlusin+ (C₈H₁₂N₂), +Homomorrhuin+(C₂₀H₂₉N₃), +Nicomorrhuin+

(C₂₀H₂₈N₄), +Tyrosamin+ und +Morrhuamin+. Die meisten dieser, nähere

Untersuchung verlangenden, Basen bilden Öle, +finden sich übrigens

nur in den gefärbten sog. natürlichen Ölen+ (s. oben), +nicht im

Dampftran+, der stets stickstofffrei befunden wurde (~Eberle~). Sodann

nennen die genannten Autoren noch die +Morrhuinsäure+, die sie als ein

Pyridinderivat der Formel:

H

C

/ \\

HC C(OH)

|| |

HC C(C₃H₆)COOH

\ //

N

H₂

betrachten (~Lewkowitsch~ bezweifelt ihre Existenz).

Das Morrhuol (Gaduol) ist ein mit 90% Alkohol bereiteter

eingedampfter Auszug des Lebertran, der die «wirksamen Bestandteile»

(?) enthalten soll (~Chapeauteaut~), aber wohl vorwiegend nur die

Phosphatide und Basen, sowie etwas der Fettsäuren enthält. Es ist

eine bitterschmeckende, unangenehm riechende Masse. Brauner Tran

liefert 4,5-6%, heller 2,5-3%.

Die +Asche+ beträgt bei hellem Öl 0,1515% (bei braunblankem 0,0678, bei

braunem 0,0817% ~de Jongh~), im Lofotentran 0,009 (~van der Burg~).

Nachgewiesen ist außer Ca, Mg, Na, Fe, Mn, Chlor (0,102%), Phosphor

(0,018%), Schwefel (0,041%) und Brom (0,004%), besonders +Jod+.

Letzteres wohl in organischer Bindung (~Personne~ 1849). Der Phosphor

steckt wohl im Lecithin.

Frische Dorschleber enthält mehr wie zweimal so viel +Jod+ als der

Tran. Der Jodgehalt des Trans wird sehr verschieden angegeben.

Für blonde Trane 0,02, gelbe 0,031% Jod (~Andres~), hellblanker

0,0377, braunblanker 0,0405, brauner 0,035 (~Riegel~); Labradortran:

0,015% (~Schaper~). ~Bird~ erhielt dagegen nur 0,0012 bis 0,0021%;

~Stanford~ gar nur im Durchschnitt 0,000322%, ~Girardin~ und

~Preisser~: 0,0007-0,0008. ~Flückiger~ gibt 0,0004% an. Die niedrigsten

Werte finden sich bei ~von Santen~: 0,00022 (weißer) - 0,00065

(braunblanker). Die Angabe von ~Garrod~ (Mat. med.): 0,06% ist

jedenfalls zu hoch. ~Carles~ fand (1882) in farblosem, gereinigtem Tran

nur außerordentlich geringe Spuren von +Phosphatiden+ und +Jod+. Doch

hält ~Bird~ (im Gegensatz zu ~Bentley~ und ~Redwood~, ~Chevalier~ und

~Goblet~, sowie ~Herberger~) +Jod für einen konstanten Bestandteil des

Trans+. Brom enthält der Tran nur ⅒ von dem Gehalte an Jod. Den

Bromgehalt gibt ~Riegel~ auf 0,0037-0,0048% an. Der Rochenlebertran

enthält etwa ebenso viel Jod und Brom wie der Dorschlebertran

(~Riegel~). Die Bestimmung des Jods kann, wie ~Wackenroder~ angibt, am

besten (?) in der verkohlten Transeife erfolgen, muß aber mit allen

Kautelen vorgenommen werden (Salpeterschmelze), da sonst, wie die

Untersuchung des Jodothyrins zeigt, Spuren von Jod leicht übersehen

werden.

Gallenfarbstoffe und Gallensäuren fehlen. Ein +Phosphatid+ fand bereits

~de Jongh~ und ~Gobley~ (1844). Die Substanzen, welche dem Lebertran

(und and. Fischölen) den +Geruch+ geben, sind angeblich hauptsächlich

aldehydischer Natur. Sie sollen aus den ungesättigten Fettsäuren durch

den Luftsauerstoff entstehen (~Servais~), doch zeigt auch z. B. die

ungesättigte Clupanodonsäure des Japantrans selbst schon deutlichen

Fischgeruch (~Mitsumaru Tsujimoto~), wie das Glycerid der Isansäure

aus Isanöl (~Hébert~. Ob diese aber ganz rein waren?). Vielleicht sind

auch die Basen (s. oben) an dem Geruche beteiligt, denn besonders die

dunklen Öle riechen stark. Die sich aus Tranen bei längerem Stehen

bisweilen abscheidende harzartige Masse scheint ein Umwandlungsprodukt

der ungesättigten Fettsäuren zu sein (~Mitsumaru~).

Lebertran löst sich in Äther, Chloroform und Schwefelkohlenstoff

und bei 80° zu 6% in absol. Alkohol, siedender Alkohol löst 7%

(~Schädler~). Bei der Elaidinprobe erstarrt Lebertran nicht, sondern

bildet eine dicke rote Masse. Bei der Behandlung des Lebertrans mit

Salpetersäure entsteht neben Sebacinsäure, Brassylsäure und Korksäure

nur wenig Azelainsäure (~Eberle~).

Das +spez. Gew.+ von Dampfdorschlebertran beträgt bei 15° 0,920-0,927

(~Garcano~, ~Kremel~) bis 0,929 (~Wijs~) bzw. 0,931 (~Parry~, ~Sage~)

-- ~Bull~ beobachtete meist c. 0,926 (Pharm. helv.: 0,925-0,930

bei 15°, 0,873-0,874 bei 98°; D. A. V.: 0,924-0,932) -- bei gelbem

Medizinaltran: 0,922-0,929, bei hellem naturale I: 0,9262-0,9275

(~Weigel~), bei naturale II: 0,9245-0,9293 (~Benedikt-Ulzer~), bei

Neufundländer: 0,925 (~Mann~), bei isländ.: 0,923 (~Bryde~), bei techn.

hell: 0,9232 bis 0,9252, bei hellbraun: 0,9217-0,9256, bei braun:

0,9310-0,9410. Die Trane von höherem spez. Gew. geben auch eine höhere

Jodzahl (~Wijs~).

Die +Verseifungszahl+ bei Dampftran: 186,3 (~Bull~) bis 189 (~Kremel~)

resp. 199 (~Parry~), 184-195 (Ph. austr. VIII), Verseifungszahl heiß:

185,4-192,5 (~Dieterich~).

Die +Jodzahl+: 148 (~Bull~) bis 181 (~Wijs~), bei selbst

ausgeschmolzenem: 160,7 bis 203, bei gutem Dampftran c. 160-170

(159-168,5 ~Parry~, nach Pharm. helv. IV: 150-170, D. A. V.: 155-175),

bei naturale: 156-159, bei gelbem: 129-150, bei Neufundländer: 139,2,

bei isländ.: 137,5. (Pharm. austr. VIII hat 120-145. Auch ~Weigel~ gibt

niedrigere Zahlen für Dampftran: 141,11, ~Dieterich~: 122,2 bis 135,9,

~Garcano~: 126,8). Bei längerer Aufbewahrung fällt die Jodzahl und das

Refraktionsvermögen nimmt zu (~Thomson~ u. ~Dunlop~). +Bromzahl+ bei

bernsteingelbem: 83,44, bei braunem: 83,10 (~Telle~).

Die ~Reichert-Meissl~-Zahl: 0,1-0,7 (0,85 ~Parry~), bei selbst

ausgeschmolzenem 0,48-0,86; das +Unverseifbare+ im Dampftran meist

0,60-0,87%, bis 1,64 (~Benedikt-Ulzer~), 1,6 (~Parry~); durch alkohol.

Natron unverseifbar bei Dampftran: 1,3 bis 2,6, bei naturale:

1,85-2,65, bei braunblank: 3,45-7,83, bei braun: 7,46 bis 7,89 (~Bull~

und ~Lillejord~). +Hehner+-Zahl: 95,3-96,5 (~Lewkowitsch~, ~Fahrion~).

Ätherunlösliches Bromid: 32,64 (~Bull~) bis 45% (~Ulzer~), bei

naturale hell 47,1. Maumenéprobe: 113-116° (~Baynes~, ~Allen~);

Brechungsexponent bei 15°: 1,4800-1,4852 (~Strohmer~), 1,4792-1,4811

(~Parry~), bei 40°: 1,4700-1,4736 (Pharm. helv. IV); Oleorefraktometer

bei 22°: +40 - +46 (~Pearmain~, ~Dowzard~); Butterrefraktometer bei

20°: 77,5-83,2 (~Utz~). Die +Thermo+zahl (bestimmt im Thermoleometer

~Tortelli~) beträgt 107 (bei Robbentran 72,1, bei Walfischtran 75,6,

bei Sardinenöl 112,5).

Die Lebertrane sind vorwiegend linksdrehend (~Rakusin~); Dorschtran

meist inaktiv (~Liverseege~). Die +Verbrennungswärme+ beträgt bei

frischem Dorschleberöl 9452 g-Kal. bei konstantem Druck und 9437 g-Kal.

bei konstantem Volumen (~Shermann~ u. ~Snell~).

Gesamtfettsäuren: 95,72%. Die Menge der ungesättigten Fettsäuren

betrug bei 13 Proben 12,1-13,5, bei 3 Proben 14,7-15,5, bei 2 Proben

11,5-11,9%. Schmelzpunkt der Fettsäuren: 21-25 (~Parry~) bis 26,5

(~Bull~); mittleres Molekulargewicht: 287,6-292,5 (~Parry~) und Jodzahl

130,5 (~Thörner~), 164-171 (~Parry~).

Der Erstarrungspunkt (meist 0-3,5° ~Barthe~) wechselt natürlich, je

nachdem der Tran der Kälte kürzere oder längere Zeit oder gar nicht

ausgesetzt war. Durch das Abscheiden des Stearins durch Abkühlen gehen

dem Tran übrigens keine wertvollen Bestandteile verloren, auch die

Konstanten ändern sich kaum (~Moreau~).

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 100 / 120 段