Erwähnt wird die Olive bei ~Isidorus Hispalensis~, ~Paulus

Aeginetes~, ~Simon Seth~. Bei ~Serapion~ (I, S. 604) steht _oliva

et oleum quae sunt ex eis_, bei ~Ibn Baithar~ (I, S. 608) zajtūn

(zajt = Olivenöl). ~Ibn Batuta~ (I, S. 618) sah Ölbäume in Syrien.

Bei ~Gariopontus~ (I, S. 623) findet sich _olivae olea_ (_lacrima

oleae_). In der Alphita, bei ~Serapion~ und in den Synonyma

desselben steht _olea_, _oliva arbor et fructus oleum_ = _oleum

olivae_, _zaiton_, _cait_ = _oleum_. Bei ~Cordus~ steht sowohl _Ol.

olivarum_ wie _Ol. omphacinum_ (_ex immaturis olivis expressum_),

im Braunschweiger Register (I, S. 815): _olive_ und _oliveti_, im

Inventar ~Lefort~ (I, S. 805): _uille d’olive_. Bemerkenswert ist des

~Pier Vettori~ (1499-1585) Trattato delle lodi e della coltivazione

degli ulivi (mehrmals gedruckt, 1569, 1574, 1621) und des ~G.

Porta~, L’olivetum 1588. Die ersten Versuche einer Klassifikation

der Kulturvarietäten finden sich bei ~Caesalpini~, ~Clusius~, ~C.

Bauhin~. Noch im XVIII. Jahrh. erschienen mehrere Monographien über

die Olive (~Presta~, ~Sieure~, ~Gandolfi~, ~Moschettini~). Die

Pariser Académie erteilte ~de la Brousse~ einen Preis für eine Arbeit

über die Schädlinge der Olive. 1782 schrieb die Académie in Marseille

einen Preis aus für die beste Monographie der Olive. Den ersten

Preis erhielt ~Bernard~, den zweiten ~P. J. Amoureux~, den dritten

~Couture~. Olivenkernöl wurde schon im XVIII. Jahrh. in Spanien

gepreßt.

Die Elaidinprobe entdeckte der Marseiller Apotheker ~Poutet~ (Instr.

pour reconn. la falsificat. de l’huile d’olive) und ~Boudet~

studierte sie 1832 näher (Ann. chim. phys. [2] 50, 391. Lieb. Ann. 4,

1).

=Lit.= ~Hehn-Engler-Schrader~, Kulturpflanz. -- ~Tristram~, Nat.

hist. of the bible. 1898. -- ~Wönig~, D. Pfl. d. alt. Ägypt. --

~Cavara~, Bull. Soc. geol. ital. 1886. -- ~de Candolle~, L’orig. d.

pl. cult.

Zur Olivenölgruppe gehört außer dem Olivenkernöl noch das Haselöl und

das Benöl.

Semen Ricini und Oleum Ricini.

=Syn.= Ricinus, Wunderbaum, Läusebaum, Christpalme, Hundsbaum,

Kreuzbaum. Die Samen: Brech-, Purgier-, Treib-, Zecken-Körner. In der

Schweiz: Springkernen, mirasole; in Italien auch: girasole. -- common

oil nut tree, common palma-Christ, castorplant (engl.); ricin (franz.);

ricino, fico d’inferno, fagiolo romano, turchesco oder d’India (ital.);

wonderboom (holl.); κίκι (n.-griech.); pei-ma-tsu oder pi-ma-tsze

(chin.); fima, kara-gasira, himashi, togoma (jap.). In Indien: arandi,

erandi, rand (hind.); bherendá (beng.); eri (assam.); eranda, ruvuka,

vatári (= antirheumatisch), rakla eranda (sansc.); kinnatu, bedánjir

(pers.). In Turkestan: kanap, kundschut. In Chorassan: Ziegenfeige

-- mal. sund. jav. (z. B. auf Java): djarak, auch kaliki (mal.);

djarak djawa (in Palembang); auf Sumatra auch dulang (bat.); auf den

Philippinen: tangan, tavang oder lingan sina. In Niederl.-Westindien:

krapatta (nach portug. carapatto).

+Ägypt.+ dqm, die Früchte qꜣqꜣ (kiki, auch im Koptischen kyki) -- die

hieroglyphischen Zeichen I, S. 470. -- Bei ~Herodot~: σιλλικύπριον.

-- Bei ~Theophrast~ und ~Nicander~: κρότων. -- Bei ~Dioskurides~:

κίκι, σήσαμον ἄγριον, σέσελι κύπριον (in [] stehen, d. h. später

eingeschoben sind die ägyptischen Namen Systhamna und Trixis, der

Prophetenname αἷμα πυρετοῦ (= Fieberblut, vgl. I, S. 472), die

römischen Namen ricinus und lupa). -- Bei den späteren Griechen auch:

μπανδάτζη, μπαρδάνη, σίκις, σύσταμνα, χίφονα. -- Bei ~Plinius~: ciki,

croton, trixis, sesamum silvestre. -- Im Mittelalter: Agnus Christus,

Palma Christi, rauscher oder türkischer Hanf, Cataputia major. -- In

der Alphita und bei ~Bartholomaeus~: cataputhia, cathapucia = semen

spurgie, kerva, pentadactylus. -- Bei ~Ibn Baithar~ (I, S. 610)

Ricinus commun. = ḫirwaʿ, Ol. Ricini = duhn al-ḫirwaʿ. -- Bei ~Najm

Ad-Dyn Mahmud~ (I, S. 611) Ricinus = kharouaʿ, arab. auch kerua,

kherûa, kerroa, charua. -- Im Corpus glossar: ricinus, crotonia.

-- Bei ~Albertus Magnus~: arbor mirabilis. -- Bei ~Megenberg~:

wunderleich paum. -- Im Niederländ. Herbar (1483): kruzebom. --

Bei ~Gesner~: wundelbaum. -- Bei ~Tabernaemontanus~: Mollenkraut,

Zeckenbaum.

=Etym.= «κροτων heißt er wegen der Ähnlichkeit mit dem Tier», sagt

~Dioskurides~, und ~Plinius~ bemerkt «ricinum vocant a similitudine

seminis», das Tier, das die Griechen Croton, die Römer Ricinus

nannten, ist der Holzbock, die Holzteke, Zecke, Hundelaus (Ixodes

Ricinus L.), daher der Baum Läusebaum oder Zeckenbaum genannt wurde.

Die Samen sehen dem mit Blut vollgesogenen Tiere nicht unähnlich.

Aber wahrscheinlich verhält sich die Sache, wenigstens für Ricinus,

umgekehrt, das Tier ist nach der Pflanze benannt und Ricinus aus

κίκι, κίκινος (hebr. kikar, s. oben) umgebildet. -- Wunderbaum wegen

des raschen Wachstums nach der mißverstandenen biblischen Erzählung

(vgl. Geschichte). -- Im XVIII. Jahrhundert wurde R. auf Jamaika

kultiviert. Man verwechselte ihn dort mit Vitex Agnus castus, dem

Agno casto der Portugiesen. Von diesem Casto stammt der in England

übliche Name Castoroil für Ricinusöl (~Flückiger-Hanbury~). -- Palma

Christi, Pentadactylus und Teufelsblatt (folha do inferno) bezieht

sich auf die Form des Blattes.

=Stammpflanze.= =Ricinus communis L.=, Spec. pl. ed. I 1007 (Ricinus

inermis ~Jacq.~, R. lividus ~Jacq.~, R. speciosus ~Burm.~, R.

spectabilis ~Blume~, R. viridis ~Willd.~, Croton spinosus L.).

Variiert außerordentlich in Form, Größe und Bestachelung der

Früchte, Form, Größe und Farbe der Samen, Stärke der Bereifung

der Blätter und Stengel. ~Müller-Argov.~ unterscheidet folgende

16 Varietäten: α _megalospermus_, β _rugosus_, γ _purpurascens_,

δ _lividus_ (Südafrika), ε _armatus_ (Malta), ζ _leucocarpus_, η

_Benguelensis_, η _Reichenbachianus_, ι _badius_, κ _amblyocalyx_,

λ _africanus_, μ _genuinus_, ν _Rheedianus_, ξ _microcarpus_, ο

_undulatus_, ρ _speciosus_ (Java). Dazu kommen dann noch die var.

_brasiliensis_, die ~Peckolt~ erwähnt, var. _viridis_ ~Willd.~

(Indien), var. _americanus_ ~Ald.~, var. _tunisensis_ (Nordafrika),

var. _ruber_ ~Rpf.~, var. _inermis_ ~Jacq.~ (Indien), var.

_sanguineus_ (großsamig), var. _giganteus_, var. _metallic._, var.

_macrophyllus_, die wahrscheinlich den R. von St. Eustatius liefernde

var. _Zanzibariensis_ (oder _zanzibarinus_), die ich aus Amani in

zahlreichen Spielarten mit verschieden gefärbten Samen 1909 erhielt

und die auch als Art betrachtet wird, u. and. mehr. Viele Varietäten

und Spielarten besonders in Indien. Meist unterscheidet man in Indien

zwei Hauptformen:

1. Die Large seeded Form, groß, perennierend,

Windschutz-Heckenpflanze mit vielen großen Samen, gibt aber weniger

gutes Öl (technisches und Lampenöl).

2. Die Small seeded Form, kleiner, meist einjährig, mit kleineren

Samen, gibt mehr und besseres Öl (Medizinalöl).

Ferner die Varietäten _pyra_: keine Seitenzweige und _mulli kottai_:

glatte, nicht stachelige Früchte. Die mohammedanischen Schriftsteller

erwähnen zwei Arten Samen, rote und weiße, die ersten als wirksamer.

Auch ~Rumphius~ unterscheidet weißen und roten Ricinus, ~Dymock~

große rotsamige und graue, braunfleckige Varietäten. (Letztere werden

medizinisch bevorzugt.) Die Varietäten bleiben in der Kultur ziemlich

konstant.

=Systemat. Stellung.= +Euphorbiaceae+ --

Platylobeae-Crotonoideae-Acalypheae-Ricininae. _Ricinus_ hat nur diese

eine Art.

=Beschreibung der Stammpflanze.= Die diclin-monöcische Pflanze wird

2-4 m hoch, nimmt aber in den Tropen und Subtropen Baumform an (bis

13 m). Auf den Azoren und im wärmeren Mittelmeergebiet wird _Ricinus_

ausdauernd und strauchartig bzw. ein kleiner Baum (Taf. XVI). Die

Pflanze hat die Größe eines kleinen Feigenbaumes, sagt ~Dioskurides~.

~Clusius~, ~Belon~, ~Ray~ berichten über große baumartige _Ricinus_ in

Spanien, Creta und Sicilien. Diesseits der Alpen und in Norditalien ist

_Ricinus_ einjährig und wird kaum höher als 5 engl. Fuß. Der Stengel

ist grün oder bräunlich-rot, häufig bläulich bereift. Die spiralig

gestellten, langgestielten, +exzentrisch-schildförmig angehefteten+

Blätter besitzen einen am Grunde und an der Spitze mit Drüsen (gegen

unberufene Gäste?) versehenen Blattstiel und eine bis 1 m breite

Spreite, die in 7-11 eioblonge oder lanzettliche, zugespitzte, kahle,

bisweilen bereifte, einfach oder doppelt gezähnte Lappen handförmig

geteilt ist. (Zarte Mädchen und schwellende Brüste vergleicht der Inder

mit den zarten weichen Blättern der Aranda.) Der rispige, ursprünglich

terminale, aber beiseite gedrängte Blütenstand trägt unten die

männlichen, oben die weiblichen Blüten; die männlichen besitzen eine

fünflappige Blütenhülle, zahlreiche Stamina mit baumartig verzweigten

Filamenten, an deren letzten Enden die dithezischen gesonderten

Antheren (bisweilen mehr als 1000) sitzen; die weiblichen besitzen

eine fünfzählige, frühzeitig abfallende Hülle und einen blaugrauen,

eiförmigen, mit zahlreichen Weichstacheln besetzten, dreifächerigen,

oberständigen Fruchtknoten, der an der Spitze einen kurzen Griffel

trägt, welcher in drei rote zweispaltige Narben ausläuft. Jedes

Fach enthält ein anatropes hängendes Ovulum mit einer die Micropyle

überdeckenden Funicularwucherung. Die Frucht ist eine dreifächerige,

kugelige, je nach der Varietät glatte oder mehrweniger bestachelte

Kapsel, die in 3 Kokken zerfällt, welche elastisch aufspringen und die

Samen fortschleudern. Alle Teile der Pflanze sind sehr spröde. Sie ist

in Indien das Symbol der Zerbrechlichkeit. «Zerbrechlich wie Aranda»

ist eine gewöhnliche Redensart in Indien. Ricinus reift seine Samen

noch in England und bei Christiania (~Schübeler~). Über die Krankheiten

der indischen Ricinuspflanze vgl. bei ~Watt~.

Die Heimat der Pflanze ist das tropische Afrika (~Ball~, ~De

Candolle~). Sie findet sich wild in Abyssinien, Sennaar, Cordofan;

verwildert in Ägypten, Algier, Marocco und den Canaren, Arabien,

Persien, Indien, Syrien, Anatolien, Griechenland.

[Illustration:

Tafel XVI.

Ricinus communis L. in Italien mit reifen Früchten.

(Nach Hamilton.)]

_Ricinus_ trägt aber alte Sanscritnamen. Der älteste ist eranda,

dann ruwu ruwuka, uruwuka, die rote raktairanda, so daß einige

_Ricinus_ auch für in Indien einheimisch halten (~Flückiger-Hanbury~,

~Bentley-Trimen~). ~Watt~ fand ihn neben anderen sicher in Indien

einheimischen Pflanzen angeblich wild im Himalaya (Dict. econ.

prod.). Doch betrachtet auch er das Indigenat für zweifelhaft.

Immerhin ist es möglich, daß _Ricinus_ auch in Indien einheimisch

ist. Die Arier können die Pflanze jedenfalls nicht nach Indien

gebracht haben. Sicher ist, daß _Ricinus_ schon im hohen Altertum in

Indien in Kultur stand. ~Aitchinson~ fand aber weder das einheimische

Öl noch die einheimischen Ricinussamen in Afghanistan in Anwendung.

=Lit.= ~Müller-Arg.~, Linnaea 34, 143 und ~De Candolle~, Prodromus

XV, 1016 (dort die Lit.). -- ~Pax~ in ~Engler-Prantl~, Pflanzenfam.

-- ~Ledebour~, Flor. ross. I, 501. -- ~Miquel~, Flor. Ned. Ind.

I, II, 391. -- ~Hooker~, Flor. Brit. Ind. V, 457. -- Pharmacogr.

indica. -- ~Watt~, Dict. econom. prod. India. -- ~F. F. Bruyning~, De

Wonderboom of Christus palm, Tijdschr. voor tuinbouw 1896, 53 (mit 4

Taf.). -- ~Roxburgh~, Flora indica. -- Tropenpflanzer 1900, Nov. --

Über Ricinushybriden vgl. ~van der Stok~, Teysmannia 1909 u. 1910.

+Abbild.+: ~Berg-Schmidt~, 2. Aufl. t. 89 (dort weitere Lit.). --

~Pabst-Köhler~, Medizinalpfl. t. 160. -- ~Nees von Esenbeck~, Plant.

med. t. 140. -- ~Hayne~, Arzneigew. X, t. 48. -- ~Bentley-Trimen~,

Med. pl. t. 237. -- ~Greshoff~, Schetsen van Ind. Nuttige planten

t. 31. -- Bot. Mag. t. 2209. -- Ältere: ~Rheede~, Hort. Mal. II,

t. 32. -- ~Rumphius~, Herb. Amb. IV, t. 41 (hier eine ausführliche

Beschreibung). -- ~Garsault~, Fig. d. plant. décr. dans Mat. méd. de

Geoffroy.

Älteste Abbildung im Codex constantinopol. des ~Dioskurides~ (vgl. I,

S. 554) unter κρότων ἡ κήκι No. 170.

=Kultur.= Im großen und ganzen kann _Ricinus_ fast überall da

kultiviert werden, wo Mais zur Reife kommt, doch endet seine

Ertragsfähigkeit vor der Maisgrenze. Er braucht Wärme, Feuchtigkeit

und fruchtbaren, phosphorsäure-, kali- und kalkreichen Boden und

wächst sehr rasch. In Indien ist er oft in Mischkultur. Kappen des

Gipfeltriebs vermehrt die Zahl der Fruchtstände. Die Früchte werden

5-7 Monate nach der Aussaat reif (nicht alle einer Staude zu gleicher

Zeit), werden aber vor dem Aufspringen geerntet. 5 dz Samen sind ein

guter Ertrag pro Hektar (~Semler~). Trockenheit beeinträchtigt in

Indien die Ölausbeute. _Ricinus_ wird besonders in +British-Indien+,

dann in Niederländ.-Indien (Java), China, am Kongo, in Senegambien,

Sierra Leone, Sansibar, in den deutsch-afrikanischen Kolonien, Ägypten,

Kleinasien, Syrien, in den +südlichen Vereinigten Staaten+, Kansas,

Californien, Mexico, +Brasilien+, Surinam, Westindien (San Salvador,

Curaçao), Spanien, Algier, +Süd- und Nordfrankreich+, +England+ und

+Nord-Italien+ kultiviert. Die italienischen Kulturen finden sich

besonders in der Nähe von Legnago (Venetien), so z. B. bei Roverchiara

und San Pietro di Marobio, dann in der Nähe von Verona bei Montorio

Veronese, Zevio und Tregnago in größerem Maßstabe, weniger in der

Lombardei (~Ravasini~). Neuerdings (1896) sind auch in Südrußland

Anbauversuche gemacht worden. In Sicilien, Sardinien, Calabrien und der

Riviera trifft man ihn vielfach verwildert. Die italienischen Kulturen

können den Bedarf nicht mehr decken. Die größten Kulturen befinden

sich in Indien. Dort wird _Ricinus_ kultiviert in Madras, Mysore,

Coong, Bengalen (Rajshahye, Cooch Behar, Chota Nagpore, Chittagong,

Patna, Dacca, Presidency Burdwan, Orissa, Northwestprovinces und Oudh),

Bombay, Panjab (das Detail in ~Watt~, Dict. econom. prod. India). 1909

war die bebaute Fläche um 11% gegen 1908 zurückgegangen. ~Aitchison~

sah in Chorassan und im Harirutdistrikt _Ricinus_ am Rande der Felder

kultiviert. In Niederländisch-Indien steht sowohl der rote wie der

weiße _Ricinus_ (djarak meirah und d. malaka) in Kampongkultur in Java,

in Tegal, Madiun, Kediri, Surabaja und Probolinggo. ~Stanley~ fand

Kulturen des _Ricinus_ in Afrika am oberen Ituri (Aruwimi), in der Nähe

des Albert Njansa. In Nordamerika wird besonders die Stammform und die

var. _sanguineus_ kultiviert. Ricinusvarietäten werden bei uns jetzt

in Gärten viel als ornamentale Zierpflanzen (Mittelstück von Rabatten)

gepflanzt. Von tierischen Schädlingen werden die Kulturen meist

gemieden (~Semler~).

=Lit.= ~Semler~, Trop. Agrikultur. -- ~Greshoff~, Ind. Mercuur 1896.

-- Die Kultur in Indien ausführlich in ~Watt~, Dict. -- ~Schulte

im Hofe~, Tropenpfl. 1902. -- Pharm. Zeit. 1904, 99. -- ~Dynnikow~

(Kult. in Südrußland), Farmaceft 1896. -- ~Wright~, Castor oil plant

in Ceylon Agr. Journ. Roy. Bot. Gard. Ceylon 1904.

=Gewinnung des Öls.= Die Darstellung des Öls erfolgt entweder durch

+Pressen+, +Auskochen+ oder +Extrahieren+.

Das +Auskochen+ der zerdrückten Samen und Abschöpfen des Öls wurde

sowohl in Ost- wie in Westindien geübt. Das Öl gerösteter Samen ist

braun und sauer (westindische Öle). In Jamaika z. B. wurden wenigstens

früher die Samen mit Wasser ausgekocht, das oben schwimmende Öl

abgehoben, nochmals erwärmt und dann durchgeseiht (~Wright~).

Ricinusöl wird jetzt besonders in +Californien+, +Mexico+, +Italien+

und +Indien+ gewonnen, durch +Pressung+ der im Herbst gesammelten, in

Trockenöfen bis zum Erweichen erhitzten Samen besonders in den beiden

zuerst genannten Staaten. Das gepreßte Öl wird mit der gleichen Menge

Wasser vermengt und 1-2 Stunden gekocht. Dann wird das Öl vom Wasser

getrennt und der Sonnenbleiche ausgesetzt.

+Das deutsche und schweizerische Arzneibuch verlangen ausdrücklich mit

Wasser ausgekochtes Öl.+ In +Frankreich+ werden die Samen zweimal kalt

gepreßt, wobei 40-45% Medizinalöl erhalten werden. Die dritte heiße

Pressung und das durch Wasserdampfeinwirkung erhaltene Öl dient nur

technischen Zwecken.

Die Reinigung des Öls kann auch durch Erhitzen seiner Lösung in

absolutem Alkohol im Autoklaven und darauffolgendes Auswaschen mit

Wasser geschehen (D. R. P. 93596).

Über die Gewinnung des Öls in Italien berichtet mir ~Ravasini~ (1911)

folgendes. «Sie wird namentlich bei +Montorio Veronese+ (nahe Verona),

wo sich eine große modern eingerichtete Fabrik befindet, und nahe

Legnago in den oben (S. 627) genannten kleinen Orten, hier mehrfach im

Kleinen, betrieben. So vereinzelt fand ich sie auch bei +Forli+ und

in der römischen Provinz nahe +Frosinone+ bei +Alatri+. Einrichtungen

zur _Ricinus_-Ölgewinnung sind aber auch bei größeren pharmazeutischen

Unternehmungen in Betrieb zu finden, so z. B. in +Mailand+, +Padua+,

+Verona+ und in +Neapel+, dienen aber wohl nur für den Lokalgebrauch.

Zur Ölgewinnung bedient man sich in Italien hauptsächlich der

italienischen Samen und nur wenn diese nicht genügen importiert man

solche aus dem Auslande, meistens aus British-Indien und Ceylon;

das beste Ricinusöl stammt aber aus den italienischen Samen. Die

frischen Samen werden in Walzwerken enthülst, die Kerne sorgfältig

gereinigt und ausgelesen, zerstampft und in hydraulischen Pressen zwei

bis dreimal nacheinander +in der Kälte+ gepreßt. +Nur das Öl erster

Pressung wird zu medizinischen Zwecken verwendet.+ Alles andere, sowie

das aus den entweder in der Wärme noch weiter ausgepreßten oder mit

Schwefelkohlenstoff extrahierten Rückständen gewonnene Öl dient zu

technischen Zwecken als Brenn- oder Schmieröl.

Das zu pharmazeutisch-medizinischen Zwecken bestimmte Öl wird mehrmals

mit Wasser ausgekocht, bis alles Eiweiß abgeschieden ist. Alsdann

wird alles Unreine abgeschöpft und behufs Entfernung des Wassers das

Öl entweder in flachen Gefäßen einige Tage stehen gelassen oder man

begünstigt durch Erwärmen die Verdunstung des Wassers, filtriert

mehrmals und füllt dann das Öl sofort in viereckige Blechkanister, die

verlötet werden, ab.

Aus 100 kg Ricinussamen erhält man c. 26-29 kg Öl erster Pressung, 10

kg Öl zweiter Pressung, 8 kg Öl dritter Pressung. -- Durch weiteres

Pressen in der Wärme oder durch Extrahieren mit Schwefelkohlenstoff

kann man noch weitere 5 bis 10 kg Öl gewinnen. Die übrigbleibenden

Rückstände werden als ausgezeichnetes Düngemittel in Mais-, Hanf- oder

Olivenpflanzungen verwertet.»

Die Gewinnung des Öls geschieht bei den Eingeborenen Vorderindiens

(nach ~Schulte am Hofe~) folgendermaßen. Die Samen werden in einem

eisernen Topfe oder über offenem Holzkohlenfeuer soweit erhitzt

(geröstet), daß man sie eben noch mit der Hand anfassen kann, dann

sofort durch vorsichtiges Stampfen von den Schalen befreit und die

Kerne in Jutebeuteln in eisernen Plattenpressen kalt, d. h. bei 20-30°,

gepreßt (erste, kalte Pressung, das Öl ist hell). Dann wird durch

ein Holzkohlenfeuer die Presse und ihre Platten erwärmt und weiter

gepreßt (warme Pressung, das Öl ist dunkler). Das Öl wird +dann mit

Wasser solange gekocht+ und die sich abscheidenden Eiweißsubstanzen

und Unreinlichkeiten abgeschöpft, +bis sich das Öl geklärt hat+. Dann

läßt man es zur Verdunstung der letzten Reste des Wassers in flachen

Gefäßen stehen und bringt es in große, 70 l fassende, bis zum Hals in

die Erde eingegrabene, als Vorratsgefäße dienende Tonkrüge, in denen es

die letzten Unreinheiten absetzt. In den englischen Ölpressereien wird

im allgemeinen ebenso verfahren. Die verschiedenen Pressungen werden

gesondert aufgefangen.

Die Bereitung des Öls in +Madras+ erfolgte nach einer älteren

Angabe von ~Price~ entweder in der Weise, daß die Samen geröstet,

im Mörser zerkleinert, in das vierfache kochenden Wassers gebracht

und das Öl abgeschöpft wurde (die Prozedur wurde wiederholt), oder

indem der Same gekocht, dann an der Sonne getrocknet, zerstoßen und

ausgekocht wurde (liefert ein besseres Öl), oder indem der Same

über Nacht in Wasser eingeweicht, dann auf der Ölmühle gemahlen und

das Öl dadurch entfernt wurde, daß man ein Stück Tuch in den Brei

tat und dies dann in einen Topf ausdrückte. Die geringeren Sorten

heißen in Indien Lampenöl. Die großsamigen Sorten liefern nur dieses.

Auch in +Westindien+ wird jetzt das Öl durch Auspressen gewonnen.

Die nicht entschälten, aber gereinigten Samen werden schwach

erwärmt (nicht geröstet!), dann in großen hydraulischen Pressen

gepreßt. Die abfließende Mischung wird dann mit Wasser gekocht, der

Schaum abgeschöpft und das Öl abgezogen. Das Öl wird dann nochmals

vorsichtig mit Wasser gekocht und dadurch geklärt. (Darstellung des

Öls in Indien ausführlich in ~Watt~, Dict. econom. prod. India.)

Versuche in der indischen Regierungsfarm Saidapet haben ergeben, daß

die kalte Pressung 36,5% eines sehr reinen Öls ergibt, daß schwach

geröstete Samen 32%, stark geröstete 27% schmutziges Öl liefern, wenn

sie gekocht und das Öl abgeschöpft wurde und daß, wenn die Samen

gemahlen und das Öl ausgekocht wird, 30,43% Öl erhalten werden. Die

gewöhnliche durchschnittliche Ausbeute beträgt bei den Eingeborenen

in Indien c. 25%. Man rechnet, daß bei ihnen ein acre 5 cwts Samen

und 27 lbs Samen 7 lbs Öl liefern (~Watt~).

Bei rationeller Bearbeitung erhält man aber beträchtlich mehr. Die

erste kalte Pressung liefert alsdann 26-29 %, die zweite kalte Pressung

13-14 %, die dritte warme noch 7% (~Schädler~). Die Öle zweiter und

dritter Pressung werden nur für technische Zwecke benutzt.

In +Nordamerika+ werden die Samen im Ofen eine Stunde trocken erwärmt,

dann gepreßt, das Öl mit Wasser eine Stunde gekocht, vom Wasser

getrennt und in große Zinkbütten geleitet, wo es 8 Stunden bleibt,

schließlich an der Sonne gebleicht (100 kg liefern 36 l Öl). Das

feinste Öl wird auch hier aus geschälten Samen bereitet (~Semler~).

Das Öl wird im Großen auch durch +Extraktion+ dargestellt. In

Frankreich und Italien hat man es z. B. mit Alkohol extrahiert. Dies

Öl soll sogar medizinisch wirksamer sein. Auch das mit CS₂ extrahierte

Öl wirkt stärker als gepreßtes.

+Aber nur das kaltgepreßte Öl erster Pressung darf als Arzneimittel

benutzt werden.+ Dies «medizinische Ricinusöl» wird stets aus

geschälten Samen dargestellt. Die Samen werden durch Walzen, welche so

eingestellt sind, daß nur die Schalen, nicht aber der Kern zertrümmert

wird, von den Schalen befreit und die Schalentrümmer durch einen

Luftstrom entfernt. Das Öl wird durch Aufkochen mit Wasser raffiniert.

Hierbei wird das etwa in das Öl übergetretene Enzym zerstört. Ein so

raffiniertes Öl hält sich jahrelang, ohne sauer und ranzig zu werden

(~Lewkowitsch~).

=Handel.= Der Großhandel unterscheidet erste und zweite Pressung. In

Indien wurden schon 1889 36 Mill. Liter Öl gewonnen, davon wurden aber

c. 9 Mill. im Lande verbraucht. Viel Öl wird in Amerika dargestellt

und auch Rußland bringt jetzt große Mengen Ricinussamen hervor und

preßt auch viel Öl (1906 war kaukasisches Öl im Handel). Im deutschen

pharmazeutischen Großhandel sind jetzt besonders +italienisches+, dann

französisches und amerikanisches Ricinusöl. Die letzteren haben einen

unangenehmen Geschmack. Das italienische wird bevorzugt. Daneben findet

sich aber indisches, brasilianisches, javanisches Öl.

Im Handel unterscheidet man in Italien (nach ~Ravasini~) folgende

Sorten:

Zu pharmazeutischen Zwecken:

a) das aus italienischen Samen gewonnene Öl erster Pressung, welches

die beste Qualität darstellt, wird als: «+Olio di ricino fiore

d’Italie+» bezeichnet; davon sind zwei Sorten «Speciale» und

«Extra» im Handel;

b) das aus ausländischen Samen erhaltene Öl erster Pressung heißt:

«+Olio di ricino prima pressione+»; gute Sorte. Findet sich auch

unter dem Namen «+Olio de ricino fiore indiano+» im Handel.

Zu technischen Zwecken:

a) eine bessere Sorte: «+Olio ricino commune+» und

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 96 / 120 段