Die Epidermis der Fruchtschale besteht aus dickwandigen polygonalen

Zellen, die ebenso wie die folgenden Parenchymreihen bei der reifen

Frucht einen purpurnen Farbstoff enthält, der durch konzentrierte

Schwefelsäure sich rot färbt (~Hanausek~). Das Mesocarp besteht

vorwiegend aus ölführendem Parenchym, in das große +Astrosklereïden+

eingestreut sind, deren Wand durch Alkali gelb wird. Das als 1-3 mm

dicke Steinschale entwickelte Endocarp besteht aus fest miteinander

verzahnten Sklereïden, die oft bis fast zum Verschwinden des Lumens

verdickt sind und ziemlich mannigfache Formen zeigen (die «Matta

Livorno», die zur Gewürzfälschung benutzten gemahlenen Olivenkerne,

besteht fast ganz aus ihnen). Zu innerst liegt eine Schicht

obliterierten Parenchyms (~Moeller~). Die Samenschale besteht,

abgesehen von der relativ großzelligen Epidermis mit dickwandigen,

von der Fläche betrachtet knotig gegliederten Zellen, aus der zum

Teil obliterierten Nährschicht, in der die Bündel verlaufen, der Same

besonders aus dem großen Endosperm, in dem sich zahlreiche in Ölplasma

eingebettete Aleuronkörner finden. Auch das zartzellige Gewebe des

Keimlings enthält dergleichen. Die Entwicklungsgeschichte von Frucht

und Same bei ~Alquati~ (s. Lit.). Während früher (~de Luca~, ~Gerber~)

das Mannit als das Material bezeichnet wurde, aus dem das Öl in der

Olive entsteht -- Mannit kommt aber in den Früchten der Olive nicht

oder nur in geringer Menge vor, nur in den Blättern ist er reichlich zu

finden; lufttrockene Blätter enthalten c. 3,4%, die Rinde 1,9% d-Mannit

(~Power~ und ~Tutin~) -- hat ~Hartwich~ d-Glukose, die sich in den

Früchten nachweisen läßt, als Muttersubstanz angenommen, conform den

Vorstellungen ~Emil Fischers~ (S. 4). Stärke kommt auch in der jungen

Frucht nur in den Schließzellen der Spaltöffnungen vor. Das Öl entsteht

im Plasma der Zelle. Über die besonders durch die Sklereïden und die

Samenschalepidermis charakterisierten +Oliventrestern+ (tourteau de

ressence) vgl. bei ~Vogl~ (a. a. O., Fig. 264) und ~Collin-Perrot~

(a. a. O., Fig. 81).

=Lit.= ~Bottini~, Sulla struttura dell’ oliva. Nuov. giorn. bot.

it. 21 (1889), 369. -- ~Papasogli~, Stud. genet. e morfolog. sull’

ulivo. Nuov. giorn. bot. ital. X. -- ~Piera Alquati~, Stud. anatomici

e morfologici sull’ ulivo. Att. Soc. Ligust. scienze naturali

XVII, 1906. -- ~Pirotta~, Contrib. all’ anat. comp. della foglia,

I. Oleaceae 1885. -- ~Böhmer~, Ölkuchen in ~Dammers~ Lexikon. --

~T. F. Hanausek~, Nahrungs- u. Genußm. u. Zeitschr. Nahr. Unters.

1894, 95. -- ~Landrin~, Falsific. d. poivre à l’aide des grignons

d’olive. Journ. pharm. 10, 194. -- ~Macé~, Subst. aliment. 1891.

-- ~Moeller-Winton~, Mikroskopie, Fig. 364 u. 365. -- ~Schimper~,

Anleit. z. Unters. Nahr.- u. Genußm. 1900. -- ~Vogl~, Nahrungs- u.

Genußm. -- ~Villiers-Collin~, Substanc. aliment. -- ~Collin-Perrot~,

Residus industr. -- ~Harz~, Über d. Entsteh. d. fett. Öls in d.

Oliven. Sitzungsber. d. Wien. Akad. 1870. -- ~Spampani~ (Bild. d. Öls

in d. Olive). Bull. soc. bot. ital. 1899, 139. -- ~de Luca~, Rech.

sur l. form. d. l. mat. grasse dans l. olives. Ann. sc. nat. bot.

(4) 15, 92 und 18, 125. -- ~Gerber~, Rech. sur l. respir. d. olives

et sur l. relat. exist. entre les valeurs du quotient respirat. et

la format. de l’huile. Journ. bot. 1901. -- ~Hartwich~ u. ~Uhlmann~,

Nachw. d. fett. Öles u. s. Bild. bes. in d. Olive. Arch. Pharm. 1902,

471. -- ~Uhlmann~, Entsteh., Vorkommen u. Nachw. d. fett. Öls m. bes.

Berücks. d. Olivenöls. Dissert. Zürich 1902.

=Chemie.= Die Olive zeigt folgende Zusammensetzung:

---------------------------+--------+--------------------------+

| | In der |

| | natürlichen Substanz |

Nach König |--------+------+------------+------+

a. a. O. | Anzahl | % | % |% Fett|

| der |Wasser|Stickstoff- | |

|Analysen| |substanz | |

===========================+========+======+============+======+

| | | | |

| | | | |

| | | | |

Oliven- { a) Fruchtfleisch | 2 | 30,07| 5,24 | 51,90|

frucht { b) Steinschale | 2 | 9,22| 3,50 | 2,84|

{ c) Samen | 2 | 10,5 | 18,63 | 31,88|

---------------------+-----------------------+-----------------------

| In der | In der

| natürlichen Substanz | Trockensubstanz

Nach König |-----------+-----+-----+--------+------+-------

a. a. O. | % | % | | % |% Fett| %

|Stickstoff-| Roh-| % | Stick- | |Stick-

| freie |faser|Asche| stoff | |stoff

| Extrakt- | | |substanz| |

| stoffe | | | | |

=====================+===========+=====+=====+========+======+=======

| | | | | | |

| +-----+----+ | | | |

| | | | | |

{ a) Frucht- | | | | |

Oliven- { fleisch | 10,49 | 2,34| 7,49 | 74,22| 1,19

frucht { b) Stein- | | | | |

{ schale | 83,32 | 1,12| 3,85 | 3,68| 0,61

{ c) Samen | 36,75 | 2,16| 20,83 | 35,65| 3,33

Die Früchte enthalten die Enzyme +Olease+ (~Tolomei~) und +Emulsin+

(~Bourquelot~), ein rotes +Pigment+ (~Landerer~) und Wachs. Das in

allen Teilen des Ölbaumes enthaltene Glykosid +Oleuropein+, dessen

Einheitlichkeit von ~Power~ und ~Tutin~ bezweifelt wird, ist am

reichlichsten in den Früchten am Ende Juli zu finden (~Bourquelot~

und ~Vintilesco~). Die Asche beträgt bei dem Fleisch 2,68, bei dem

Stein 4,16, bei dem Samen 2,16%; bei Kaligehalt der drei 80,9 bzw.

58,8 bzw. 30,25%; der Phosphorsäuregehalt 1,33 bzw. 16,74 bzw. 28,24%;

der Kalkgehalt 7,46 bzw. 7,45 bzw. 30,39% (~König~). Der Ölgehalt

der Früchte steigt vom August (5,02%), September (16,3%), Oktober

(21,33%), Dezember (22,73%) bis Januar (22,85%) und sinkt dann im

Februar etwas (20,84%, ~Hartwich~ u. ~Uhlmann~). Der Gehalt der

Früchte an Öl variiert zwischen 20 und 70 (~Benedikt-Ulzer~), 40 und

60% (~Lewkowitsch~, im Fruchtfleisch: 50-70%). -- Zur Bestimmung ist

Schwefelkohlenstoff zu benutzen, nicht Äther (~Peano~).

=Olivenöl=, =Oleum olivae s. olivarum= [Provenceröl, huile d’olive

(franz.), olive oil (engl.), olijfolie (holl.), olio d’oliva (ital.),

puuöljy (fin.), olivaolaj (ung.), ἔλαιον ἐλαιῶν (griech.)]. Die Farbe

des Olivenöls schwankt von farblos bis goldgelb. Geringe Sorten sind

oft durch Chlorophyll grün gefärbt. Die Zusammensetzung des Öls

variiert nach der Kulturvarietät, dem Reifegrad, der Erntemethode

und dem Verfahren der Pressung. Die Elementarzusammensetzung des

Olivenöls ist C = 76,67 (77,2), H = 11,95 (11,3), O = 11,38 (11,5)%

(~König~). Olivenöl löst sich nur sehr wenig in Alkohol, etwas mehr

in Eisessig, besser in Äther, leicht in Chloroform, Benzol und

Schwefelkohlenstoff. Beim Durchschütteln von 2 ccm Olivenöl mit 1

ccm rauchender Salpetersäure und 1 ccm Wasser entsteht (bei 10°) ein

grünlich-weißes Gemenge, das nach 2-3 Stunden in eine feste weiße Masse

und eine kaum gefärbte Flüssigkeit sich scheidet. Bei dieser sog.

+Elaidinprobe+ liefert Olivenöl von allen Ölen das härteste Elaidin und

wird am schnellsten (höchstens in 3 Stunden) fest. Nach dem Eintragen

in konz. Kali, dem konz. Ammoniak zugesetzt wurde (Vorschrift bei

~Hartwich-Uhlmann~), ist infolge kalter Verseifung und Ausscheidung von

fettsauren Salzen nach 22 Stunden der ganze Tropfen in ein Haufwerk von

Nadeln umgewandelt, zwischen denen Sphärite sichtbar sind.

Die +festen+ Fettsäuren bestehen aus +Palmitinsäure+ und

+Arachinsäure+. Stearinsäure fehlt (~Hehner~ und ~Mitchell~). Bei

italienischen Ölen beträgt der Gehalt an festen Fettsäuren 5-17,72, bei

californischen 2-12,96% (~Tolman~ und ~Munson~), bei tunesischen 15-25%

(~Bertainchaud~). Letztere Öle erstarren schon bei +10° und werden

daher oft «demargariniert». In algerischen und tunesischen Olivenölen

finden sich höchstens ganz geringe Mengen Arachin- und Lignocerinsäure.

Die +flüssigen+ Glyceride enthalten auf 93% +Ölsäure+ c. 7%

+Linolsäure+ (~Hazura~ und ~Grüssner~). ~Holde~ und ~Stange~ erhielten

1-2% eines gemischten Glycerids (+Oleodimargarin+ oder Oleodidaturin

oder Oleodipalmitin?) und auch im festen Anteil sind gemischte

Glyceride vorhanden (Margaro- oder Palmitoolein?). +Freie+ Fettsäuren

enthält gutes Olivenöl wenig, die technischen Öle dagegen oft 5-25%

(~Archbutt~, weitere Lit. darüber bei ~Benedict-Ulzer~). Das Tournantöl

(s. oben S. 616) enthält eine große Menge (26%) freier Fettsäuren. Auch

im «Olivenölfett», in ligurischen und sardinischen Sulfurölen sind viel

freie Fettsäuren (46-57%) enthalten, in portugiesischen Bagasseölen

sogar 60-70%. Alle diese Öle sind aus gegorenen Trestern bereitet, die

eine fettspaltende Lipase (Olease, ~Tolomei~) enthalten. Die flüchtigen

Fettsäuren (auf Ölsäure berechnet) betragen 0,18-1,69% (~Dugast~).

In ranzigem Olivenöl wurden gefunden: Ameisen-, Essig-, Önanthyl-,

Azelaïn- und Korksäure, sowie Önanthaldehyd (~Skala~).

Das spez. Gewicht beträgt 0,9141-0,9203, meist unter 0,917 (Schweiz.

Lebensmittelbuch: 0,916-0,918 bei 15°, 0,862-0,863 bei 100°). Der

Erstarrungspunkt liegt zwischen -6 und +10°, die Verseifungszahl

beträgt 185-203, die Jodzahl 78,28-93,67 (bei guten europäischen Ölen

meist zwischen 81,6 und 84,5, Schweiz. Lebensmittelb.: 79-88) -- je

reifer die Olive, desto höher die Jodzahl des Öls (~Paparelli~) -- die

Bromzahl 51,2-54 (~Telle~), die Reichert-Meißlzahl 0,6, die Hehnerzahl

94,96-95,14%, die Maumenéprobe 41,5-47°, die Bromthermalprobe 13,5-15°,

der Brechungsexponent ist (bei 40°) 1,4612-1,4626 (Pharm. helv. IV),

die Butterrefraktometerzahl (bei 15,5) 66,9-69,2 Skalenteile (Schweiz.

Lebensmittelbuch: Refraktionszahl [bei 40°] 53-55). Die Fettsäuren

zeigen den Erstarrungspunkt bei 17-24,6°, Schmelzpunkt bei 19 bis 31°,

die Jodzahl 86,1 bis 90,2 (die flüssigen Fettsäuren haben die Jodzahl

92,8 bis 104,2). Das elektrische Leitvermögen ist weit geringer als

das aller anderen Öle (675mal kleiner als das des sonst schlechtest

leitenden Öles, ~Rousseau~). Man bestimmt es mit dem ~Palmieri~schen

Diagometer. Der Entflammungspunkt liegt bei 240° (~Rakusin~). Es dreht

rechts (~Thurston~). Olivenöl neigt wenig zum Ranzigwerden. Beim

Ranzigwerden nimmt die Verseifungszahl zu, die Jodzahl ab (~Ryan~ und

~Marschall~).

Das Unverseifbare beträgt 0,46-1,62%, meist weniger als 1%. Es

ist vornehmlich +Phytosterin+ (~Bömer~, ~Soltsien~, ~Gill~ und

~Tufts~), von ~Beneke~ 1862 hier gefunden, daneben findet sich ein

unverseifbares Öl, +Ampelosterin+ (~Sani~). Olivenöl ist der Typus

der nichttrocknenden Öle. Es gibt daher bei der Maumenéprobe und der

Bromthermalreaktion die geringste Temperaturerhöhung (~Lewkowitsch~).

Der bittere und herbe Geschmack einiger Öle rührt von Eugenol,

Catechin, Gallussäure, Tannin und einem unbekannten Bitterstoffe her

(~Canzoneri~). Kupfer scheint ein normaler Bestandteil des Olivenöls

zu sein. Kupfern der Bäume erhöht den Gehalt (0,5 mg pro kg Öl) an Cu

nicht (~Passerini~).

Neuerdings wird auch aus +Olivenkernen+, d. h. den noch in der

Steinschale eingeschlossenen Samen Öl (+Olivenkernöl+, huile de

noyaux d’olive, olive kernel oil, olio di noccioli d’oliva) gepreßt

bzw. extrahiert. Das Öl enthält 10% feste Fettsäuren, unter denen

Palmitinsäure und Stearinsäure, aber keine Arachinsäure sich findet.

+Oliventrester+ enthalten in % im Durchschnitt: Wasser 8,38,

Stickstoffsubstanz 8,25, Fett 15,25 (nach ~Décugis~ bis 29,15), in

Zucker überführbare Substanz 13,59, sonstige stickstofffreie Stoffe

14,92, Rohfaser 37,05, Asche 2,56, Alkoholextrakt 2,46.

=Lit.= ~Beneke~ (Phytosterin), Studien, Gießen 1862. -- ~Klein~,

Zeitschr. angew. Chem. 1898, 848 u. 1900, 635 u. 904. -- ~Tolomei~,

Atti Real. Accad. d. Lincei 1896. -- ~Bourquelot et Vintilesco~,

Journ. pharm. chim. 1908, 303 u. 1910, 292. -- ~Power~ und ~Tutin~,

Oleuropein. Pharm. Journ. 1908. -- ~König~, Nahrungs- u. Genußm.

(dort weit. Lit.). -- +Öl+: ~Hehner~ und ~Mitchell~, Analyst 1896,

328. -- ~Archbutt~, Journ. Soc. Chem. Ind. 1897, 311. -- ~Hazura~ und

~Grüssner~, Monatsh. f. Chem. 1888. -- ~Holde~ und ~Stange~, Mitt.

d. Techn. Vers. Anst. Berlin 1901 und 1902. -- ~Dugast~, L’industrie

oléicole 1904. -- ~Sani~, Att. Acc. Linc. 1900 und Staz. sperim.

agrar. ital. 1902, 701. -- ~Beneke~, Studien, Gießen 1862. -- ~Gill~

und ~Tufts~, Journ. amer. chem. soc. 1903, 498. -- ~Soltsien~,

Zeitschr. öffentl. Chem. 1901, 184. -- ~Bömer~, Zeitschr. Unters.

Nahrm. 1898. -- ~Skala~, Staz. sperim. agrar. ital. 30 (1897), 613.

-- ~Lewkowitsch~ a. a. O. (dort die Lit.). ~Benedict-Ulzer~, Analyse

d. Fette. 5. Aufl. 1908 (dort weitere Lit.). -- Zahlreiche Aufsätze

in der Chem. Rev. der Fett- und Harzindustrie der letzten Jahre.

-- ~Hartwich~ und ~Uhlmann~, Nachweis fett. Öle durch mikrochem.

Verseif. Arch. Ph. 1903, 11. -- ~Russell W. Moore~ (Best. d. freien

Fetts. im Olivenöl). Chem. Zeit. 1900, Rep. 122. -- ~Bach~ (Einfl.

von Denaturierungsmitteln), Zeitschr. f. öffentl. Chem. 1897, 169. --

~Rakusin~, Entflammungspunkt. Chem. Zeit. 1905, 690. -- ~Thurston~,

Mercks Rep. 1907. -- ~Lefeldt~, Ber. pharm. Ges. 1906. -- Jodzahl:

~Thomson~ und ~Dunlop~, Analyst. 1906. -- ~Helfenberger~ Ann. 1905.

-- ~Bachmann~, Proc. Minnes. Ass. 1907. -- Baudouins Reaktion: ~Evans

Sons Lescher~ und ~Webb~, Analytical Notes 1906/07. -- Licht:

~Droste~, Apoth. Zeit. 1907. -- Cu in Olivenöl: ~Braithwait~, Pharm.

Journ. (3) 18, 12 und ~Passerini~, Chem. Centralbl. 1906, II, 541.

Year book 1907, 116. -- ~Canzoneri~, Gazz. chim. it. 27, II, 1.

Über algerische Olivenöle vgl. ~Archbutt~, Journ. soc. chem. ind. 26

(Chem. Rev. 1907, 200, 1908, 19) und ~Dugast~, Zeitschr. angew. Chem.

1904, 821. -- ~Millian~ (tunesische Öle). Zeitschr. Nahrungsm. 1904,

586. -- ~Guozdenovič~ (dalmatin. Öl). Zeitschr. Nahrm. Hyg. 1897,

181. ~Ahrens~ und ~Hett~, Über marokkanisches Öl. Zeitschr. öffentl.

Chem. 1903, 284. -- ~Tolman~ u. ~Munson~ (Californ. Olivenöl). Journ.

am. chem. soc. 1893 und 1903, 956. -- ~Moerk~ (Verschied. Öle), Am.

journ. pharm. 1889.

Über die Bestandteile der Blätter und der Rinde vgl. ~Power~

und ~Tutin~, Constit. of olive bark und C. of olive leaves.

Transact. Chem. Soc. 1908.

=Verwendung.= «Zwei Flüssigkeiten gibt es», sagt ~Plinius~ (XIV,

150), «die dem menschlichen Körper angenehm sind, innerlich Wein,

äußerlich Öl» und auch der hundertjährige ~Pollio Romilius~ und der

die 100 Jahre überschreitende Philosoph ~Demokrit~ erhielten sich

durch Wein, Honig und Öl so lange gesund. Die Lampe der Stiftshütte,

wie die vor dem Bilde der ~Athene~ wurde ebenso mit Olivenöl gespeist

wie heute die ewige Lampe in St. Peter in Rom. Mit Olivenöl wurden

alle Könige gesalbt von ~Saul~ und ~Chlodwig~ bis auf unsere Tage,

und die letzte Ölung haben mit ihm unzählige Menschen erhalten. Für

viele Millionen ist im Mittelmeergebiet seit dem Altertum bis heute

die Olive und ihr Öl unentbehrliches Nahrungs- und Genußmittel, für

viele Gegenden wichtigster oder gar einziger Exportartikel. Überall

wo die Olive vorkommt, wird das meiste Öl im Lande selbst verbraucht.

Olivenöl wird in der Medizin als einhüllendes Mittel bei Magen-

und Darmentzündungen, Vergiftungen usw., zu medizinischen Ölen,

Salben, Linimenten, Seifen und Pflastern verwendet. Im Var dienen

die Oliventrester als Schweinefutter. Außer zur Ölbereitung, zu der

allgemein kleinfrüchtige Sorten herangezogen werden, werden die Oliven,

besonders die großfrüchtigen, auch zur Herstellung der sog. Salzoliven

benutzt, die eine beliebte Zuspeise sind (s. oben). Auch das Olivenholz

ist wegen seiner schönen Zeichnung sehr geschätzt. Olivenhonig erwähnt

schon ~Dioskurides~ (I, Cap. 37, περὶ ἐλαιομέλιτος).

=Verfälschungen.= Olivenöl wird mit Sesamöl, Rüböl, Nußöl,

Baumwollsamenöl, Mohnöl, Arachisöl (mit Arachisöl verfälschtes Olivenöl

ist als Nut sweet oil im Handel) und Schmalzöl (dem flüssigen Teile

des Schweinefettes) verfälscht, neuerdings auch mit +Mineralöl+, das

mit Methylazodimethylanilin gefärbt war (~Cutolo~ 1910). Man achte auf

die oben (S. 619) angegebenen Konstanten! Alle zur Verfälschung des

Olivenöls benutzten Öle haben höhere Jodzahlen. Olivenöl färbt sich

nicht mit HNO₃ spez. Gewicht 1,4, gibt zumeist weder die ~Bellier~-,

noch die ~Baudouin~-, noch die ~Allen~-, noch die ~Soltsien~-, noch

die ~Halphen~-Reaktion. (Weiteres bei ~Lewkowitsch~ a. a. O.) Bei

tunesischem Olivenöl tritt aber bisweilen die ~Baudouin~sche Reaktion

ein (~Marcille~ 1909), -- auch bei italienischen Ölen beobachtet

(~Behre~) -- die Färbung verschwindet aber meist rasch (~Zega~ und

~Todorovic~). Auch die ~Kreis~sche Phloroglucin-Salpetersäure-Reaktion

tritt bei Olivenöl bisweilen schwach ein (~Dietze~). Dagegen ist bisher

kein Olivenöl beobachtet, das die ~Soltsien~sche Zinnchlorür-Reaktion

(Zeitschr. f. öffentl. Chem. 1897, 63) gab (~Behre~). Zu beachten ist

auch, daß ~Belliers~ Reaktion nur bei +frischen Samen+ölen eintritt

(~Soltsien~ erhielt sie auch einmal bei Palm-[Fruchtfleisch-]öl).

Die tropischen Öle der _Cocos-_ und _Ölpalme_, von _Sesam_ und

_Arachis_ beginnen das Olivenöl zu verdrängen, namentlich seit 1908/09

eine Olivenmißernte in Italien eintrat. Selbst der D. A. V ersetzt das

_Ol. olivarum commune_ durch _Ol. arachidis_ und _Sesami_. Doch ist

der Name «+Olivenöl+» auch nach den Beschlüssen des internationalen

Kongresses zur Unterdrückung von Nahrungsmittelfälschungen 1909, der

die Namen «bestes Speiseöl» und «feinstes weißes Tafelöl» auch für mit

Baumwoll-, Erdnuß- oder Sesamöl versetzte Olivenöle freigab, nur für

das Öl der Olive reserviert worden. Neuerdings (1909) wurde reines

Baumwollöl (~Barnard~) und reines Sesamöl (~Rickle~ und ~Kurtz~) als

«Olivenöl» im Handel angetroffen. Das sog. «Javaolivenöl» stammt von

einer _Sterculia_ (~Kreis~).

=Lit.= Prüfung des Olivenöls bei ~Benedict-Ulzer~ und ~Lewkowitsch~.

-- ~Tolman~ and ~Munson~, Olive oil and its substitutes. U. S. Dep.

Agric. Bur. chem. Bull. 77, 1903. -- ~Tortelli~ und ~Ruggeri~, Meth.

z. Nachw. von Baumwollsamen-, Sesam- und Erdnußöl im Olivenöl. Chem.

Zeit. 1898, 600. -- ~Blarez~ (Nachweis von Arachisöl im Olivenöl).

Chem. Centralbl. 1907, I, 767. -- ~Marcille~, Ann. d. falsific.

1909, 224. -- ~Dietze~, Pharm. Zeit. 1909, 260. -- ~Behre~, Pharm.

Centralh. 1907, 489. -- Sesam und Leinöl: ~Ridgely~, Oil, Paint and

Drug Rep. New York 1907. -- Arachisöl: ~Blarez~, Bull. soc. pharm.

Bord. 1906, 295. -- Cottonöl: ~Barnard~, Rep. Indiana Bd. Health

1906, 294. -- ~Späth~, Süddeutsch. Apoth. Zeit. 1906, 136.

=Geschichte.= «Der Ölbaum gehört zu den Erziehern der Menschheit

zu höherer Ordnung» (~Th. Fischer~). «An ihm haftet die Poesie

der menschlichen Kultur. Wenn man unter einem grauen Ölbaume am

Meeresstrande sitzt, wird man in das fromme sonnige Morgenland

entrückt, wo unsere Phantasie zu Hause ist, seitdem uns die Mutter

die Bilderbibel aufschlug und vom Ölberge in Jerusalem erzählte.

Und wieder rauscht aus diesem Baume die Poesie der Hellenen und die

Weisheit der Minerva und sie versetzt uns in das Land des ~Homer~,

des ~Pindar~ und ~Äschylus~ und unter die Musen und Götter des

Olymp. Ein christlich-hellenischer Baum ist der Ölbaum, ein doppelt

heimischer» (~F. Gregorovius~). Der Ausgangspunkt der Olivenkultur

ist unbekannt (Kilikien?, Syrien?). Die orientalischen Völker haben

aus ihm eine Kulturpflanze gemacht. In das Mittelmeergebiet wurde

die domestizierte Olive vom Osten her eingeführt. Die Kultur der

Olive hat sich auf der Linie Ägypten-Syrien-Kleinasien-Griechenland

verbreitet (~Schrader~). ~Engler~ und ~Schrader~ nehmen an, daß

sich der wilde Ölbaum über das Mittelmeer verbreitete, bevor er

domestiziert wurde. Ölbaum, Feige und Weinstock waren im Altertum

die Sinnbilder des Wohlstandes und Glückes. Nach ~Maspero~ soll der

Ölbaum in Ägypten seit den ältesten Zeiten sich finden, da sein Name

schon in Texten der VIII. Dynastie erwähnt wird (?). Er scheint

dorthin frühzeitig gekommen zu sein. Auf Inschriften wird er (I,

S. 468) als bek, bek-t, beka, baka erwähnt und ist auf Denkmälern

dargestellt, z. B. auf dem Gartenplane zu Tell-el-Amarna aus der

XVIII. Dynastie (~Wönig~, Fig. 154). Ölblätter sind in Stirnkränzen

(um 1000 n. Chr., ~Wönig~, Fig. 117 a) und auch sonst in ägyptischen

Gräbern oft gefunden worden, Öl (mrḥt) wird sehr häufig in Rezepten,

z. B. des Papyrus ~Ebers~, erwähnt. Ölamphoren fanden sich in den

Vorratskammern der Villen und ihr Bild als Hieroglyphe bedeutet

sowohl Flüssigkeit wie Wohlgeruch. Das Öl wurde zu Speisen, zum

Salben und als Opfergabe benutzt, zu den gleichen Zwecken diente

es den Juden des alten Testamentes. (Über Salböl vgl. I, S. 1014.)

Sehr lange bekannt ist der Ölbaum in +Syrien+, auch in +Palästina+

ist er uralter Besitz. Die Juden fanden ihn vor, als sie nach dem

gelobten Lande zurückkehrten, und auch die Ölgewinnung ist dort

uralt und war so umfangreich, daß die Phönikier zur Zeit ~Salomos~

einen Teil des als Nahrung, als Brennstoff, zum Opfern und Salben

benutzten Öls exportierten. Auch das Pfropfen der Olive auf den

Oleaster war schon damals bekannt, der Ölzweig ~Noahs~ das Symbol

des Friedens. Palästina besaß umfangreiche Olivenhaine und das

gewonnene Öl war vorzüglich. Auch die Sumerer bedienten sich seiner

vielleicht schon (I, S. 467). Dagegen scheint in Babylonien ganz

allgemein das Sesamöl das Olivenöl ersetzt zu haben (vgl. oben S.

551 u. 577). Bei den +Griechen+ war die Olive der heilige Baum der

~Athene~, der Baum, den sie aus einer eingestoßenen Lanze auf der

Akropolis hatte hervorsprießen lassen. Sie erscheint denn auch auf

zahlreichen Münzen mit einem Olivenkranz oder einem Ölbaum. Wer eine

dem Staate gehörige Olive ausgrub oder beschädigte, konnte wegen

Gottlosigkeit belangt werden. Der Ausgangspunkt der Olivenkultur

in Griechenland scheint also Athen gewesen zu sein. Dort fanden

sich die der ~Athene~ heiligen μορίαι. Nächst Attika war Sikyon die

olivenreichste Landschaft Griechenlands (die Olive hieß denn auch

_sicyonia bacca_). ~Äschylus~ nennt die Insel Samos ἐλαιοφύτος,

~Thales~ erwähnt auf Milet, Chios und Delos Olivenhaine. Auf Santorin

wurden im Tuff Bauholz aus Oleaster und Ölpressen aus der Zeit vor

2000 n. Chr. gefunden (~Fouqué~) und in Mykenä Olivenkerne aus der

gleichen Zeit (~Tsuntas~, ~Schliemann~ bei ~Hehn~, ~Schrader~).

In den homerischen Gesängen wird Oleaster (κότινος) und Olivenöl

oft erwähnt, sowie der Ölbaum, der schon damals in Griechenland

viel kultiviert wurde (~Ilias~ XVII, 53-55). Das Öl spielte in der

Technik der homerischen Linnenindustrie bereits eine Rolle. Die

Kultur der Olive kam also in vorhomerischer Zeit nach Griechenland

(~Schrader~). Schon auf den Vasen ältesten Stils finden wir die

Olivenernte dargestellt. Zu ~Strabos~ Zeit gab es an Kleinasiens

Nordküste große Olivenpflanzungen. Die +Phönikier+, welche das

Olivenöl zu einem Gegenstande des Welthandels machten, brachten

den Ölbaum nach Tunis und Tripolis und vielleicht auch schon nach

Sizilien (~Hehn~), die Griechen nach Barka, Sizilien, Unteritalien,

in die Provence und die Kyrenaika. Nach +Italien+ kam der Ölbaum zur

Zeit des ~Tarquinius Priscus~ von Griechenland -- aus griech. ἐλαίϝα

wurde olîva, aus ἐλαίϝον oleum, aus ἀμόργη («Hefe» des Olivenöls)

amurca, aus δρύππα (überreife Olive) druppa. Auch die Worte orchis,

cercitis, trapetum stammen aus dem Griechischen (~Hehn~). Italiens

Hügel bedeckten sich vom VII. Jahrh. n. Chr. an mit Olivenhainen,

die vom Süden allmählich auch nach Mittelitalien vordrangen (V.

Jahrh.). Die älteste Olivenlandschaft Italiens war Apulien, das

noch heute das beste Öl hervorbringt. Name (oliva, oleum) und Sache

und die Methoden der Ölbereitung erhielten die Römer also von den

Griechen. Die Olivenölausfuhr beginnt zur Zeit des ~Pompejus~.

Bereits im I. Jahrh. n. Chr. war das italienische Öl das den Handel

beherrschende (~Hehn~). Zuletzt kam der Baum nach Ligurien. ~Virgil~,

~Columella~, ~Varro~ und ~Palladius~ beschreiben die Kultur und

Pflege der zahlreichen Sorten und die Bereitung der Salzoliven. Auf

den Wandgemälden Pompejis ist die Olive dargestellt (I, S. 575).

Bei ~Dioskurides~ findet sich ἀγριελαία (κότινος = wilder Ölbaum),

ἤμερον ελαία (Kulturolive), κολυμβάδες ἐλαῖαι (Salzoliven) und das

Öl (ἔλαιον) der wilden wie der kultivierten Olive und mancherlei

Präparate daraus, sowie das Öl der unreifen Olive (_Omphakion_).

Bereits ~Dioskurides~ wußte, daß nicht völlig reife Oliven das beste

Öl geben und ~Plinius~ beschreibt die Ölgewinnung etwa so wie sie

noch jetzt in Italien auf dem Lande da und dort geübt wird. ~Galen~,

~Oribasius~, ~Celsus~ besprechen die medizinische Anwendung des

Öls, ~Athenaeus Naucritites~ (I, S. 574) gibt einige interessante

Details und ~Gargilius Martialis~ schildert den Olivenmarkt in Rom.

Nach +Spanien+, das zu ~Strabos~ Zeit schon viel Öl exportierte und

das große Pflanzungen besaß, die durch die Araber noch wesentlich

vermehrt wurden, kam die Olive schon durch die Phönikier. Von der

Olivenzucht in Carthago spricht schon ~Mago~ (I, S. 571). Die

Nordküste von Afrika lieferte im III. und IV. Jahrh. n. Chr. große

Mengen Öl nach Rom. Leptis minor mußte schon zu ~Cäsars~ Zeit

jährlich c. 1 Mill. kg Olivenöl nach Rom senden. Mitteltunesien war

zur Kaiserzeit ein einziger großer Olivenhain. In den Trümmern der

Städte dieses Landstriches, dem heutigen Algier, sind zahlreiche

Ölmühlen, Pressen, ja ganze Ölfabriken gefunden worden. Die

einwandernden arabischen Nomaden zerstörten dann die Kulturen und

nur die um Sahel entgingen ihnen. Das Öl par excellence war schon im

Altertum Olivenöl. Nach Marocco kam die Olivenkultur erst relativ

spät von Andalusien aus.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 95 / 120 段