behauptet, daß es eine Zeit gegeben habe, wo +nur+ in Athen Ölbäume
zu finden waren?), wurde die Olivenzucht und die Ölausfuhr staatlich
überwacht. Im ganzen Altertum galt das Fällen von Ölbäumen als
Verbrechen und die äußerste Grausamkeit des Feindes äußerte sich im
Altertum und äußert sich noch heute im Niederhauen der Oliven, d. h.
in der Vernichtung der Existenzbedingungen. Noch heute werden (z. B.
in Sizilien und Sardinien) hohe Prämien auf die Anpflanzung der Olive
gesetzt. An den Boden stellt der Ölbaum keine hohen Ansprüche. «Olea
maxime collibus, siccis et argillosis gaudet» (~Columella~). Er liebt
warme, trockene, durchlässige, poröse, kalihaltige Kalkböden. Die
besten Oliven, das feinste Öl kommen von diesen. Überschwemmungen darf
der Boden nicht ausgesetzt sein. Man legt die Olivenhaine gern auf
terassierten sonnigen Hängen (Taf. XIV), nicht in der Ebene an. Auf
feuchtem fettem Boden wird die Frucht größer, liefert aber weniger
und schlechteres Öl. Der Ölbaum meidet Gegenden mit reichlichen,
besonders zur Zeit seiner Fruchtreife niedergehenden Niederschlägen.
Die Fruchtreife verlangt hohe, trockene Wärme -- je höher die Wärme,
um so größer der Ölgehalt. Während z. B. 1909 1 dz Früchte 15,7 Liter
Öl gaben, wurden in dem ungünstigen Jahre 1910 aus der gleichen Menge
nur 14,8 Liter erzielt. Aber auch im Winter darf die Temperatur nicht
stark sinken und Frühjahrsfröste sind besonders gefährlich. Doch kann
der Ölbaum Temperaturen bis -8° aushalten, aber nicht lange. Die
südliche und Polargrenze der Olive ergibt sich aus der Karte, ebenso
die Verbreitung des Ölbaumes im Mittelmeerdrogenreich. Die Olive blüht
im März (Südspanien, Nordafrika), April (Süditalien, Mittelspanien)
oder Mai (Südfrankreich). Die Früchte werden im Laufe des Oktober reif.
Doch dehnt sich die Ernte oft 3-4 Monate, ja über den ganzen Winter
aus. Meist beginnt die Ernte im Oktober und endigt im März-April, nur
ganz im Süden wird sie manchmal bis Juni hingezogen. Der Baum trägt
nur an vorjährigem Holz Früchte. Die aus Samen erzogenen Oliven müssen
gepfropft werden (die Samen keimen langsam, besser wenn sie zuvor in
Aschenlauge gelegt werden). Zur Vermehrung werden außer Ablegern und
Wurzelschößlingen auch die an den Wurzeln sitzenden Knoten (ovoli)
benutzt, auch diese werden meist gepfropft. Die Kulturolive wird oft
auf den Oleaster gepfropft. Die veredelten Ölbäume beginnen nach
3 Jahren Früchte zu tragen und kommen nach 8-10 Jahren zu vollem
Ertrage, den sie dann bei guter Pflege (Düngung, Zurückschneiden)
jahrhundertelang beibehalten können. Vom zehnten Jahre an ist der Baum
rentabel. Man erntet die Olive, wenn sie ⅚ reif ist. Der Ertrag
wechselt natürlich sehr. Ein großer Baum liefert in Italien bis 110 l
Oliven, die etwa 13 kg Öl geben, in Sfax (Algier) ein volltragender
Baum 320 l. Meist liefert ein ausgewachsener +Ölbaum+ aber nur
durchschnittlich 63 kg Früchte. Vollernten erfolgen durchschnittlich
nur alle 7 Jahre, in der Zwischenzeit ist der Ertrag unbedeutend
(~Rickli~, Corsica). Meist folgt auf eine gute Ernte eine schlechte. In
Italien rechnet man auf 3 Jahre 1½ volle Ernten. Doch erzielt man in
Californien durch sorgfältige Pflege alle Jahre Vollernten. Man pflanzt
die Bäume etwa in Entfernungen von 5 m oder weiter, damit das Licht
leicht Zutritt findet. In Südfrankreich kommen 125-200 Bäume auf den
Hektar, in Sizilien und Smyrna 100, in Tunis oft nur 17. In Mischkultur
mit Olive ist (in Sizilien) Sumach, bisweilen auch die Rebe, in Corsika
auch Weizen, Artischocken, Gerste oder Bohnen. Die Kultur der Olive ist
bei ~Semler~ a. a. O. ausführlich beschrieben.
=Verbreitung der Olivenkultur.= =Portugal= hat fast in seiner ganzen
Ausdehnung, mit Ausnahme allein des Nordens (die Polargrenze fällt
fast mit der politischen Grenze zusammen), Olivenhaine (oliveiras),
200000 ha sollen in diesem Lande unter Oliven stehen, doch ging die
Olivenkultur lange Zeit zurück. Die Ausfuhr von Olivenöl betrug 1900:
379509 hl. Neuerdings hebt sie sich wieder. Viele Ortsnamen erinnern
an die Olive (Oliveira, Olivaes, Azeitas).
=Spanien= hat von allen Ländern die meisten Olivenhaine (1154000
ha sollen (1899) unter Oliven stehen) und liefert das schlechteste
Olivenöl. Die nördlichen Gegenden haben, mit Ausnahme des Ebrotales,
keine Olivenkultur, wohl aber die ganze Mittelmeerküste (Katalonien,
Valencia, Murcia) die Balearen und große Bezirke des Innern um Madrid
und südlich davon. Die für die Olivenkultur wichtigste Landschaft
ist Andalusien, dann Katalonien und Aragonien. ~Willkomm~ schildert
einen 90 km langen Olivenhain in Niederandalusien. Obenan stehen die
Provinzen Cordoba und Sevilla. Dann folgen Lerida und Tarragona und
in weitem Abstand Badajoz, Murcia, Ciudad Real, Toledo, Valencia,
Malaga und Zaragoza. Spanien verbraucht selbst viel Oliven und Öl,
exportiert aber doch noch jährlich für 18-57 Mill. Pes. Öl über
Malaga, Sevilla, Cadiz, Barcelona.
[Illustration:
Tafel XV.
Olivenernte, Racolta a mano, in Italien an einem ungewöhnlich großen
und reichtragenden Baume.]
[Illustration: Verbreitung der Olive im Mittelmeerdrogenreich.
Mit Benutzung der Karte von Theobald Fischer gez. von A. Tschirch.]
In =Frankreich= finden sich Olivenhaine nur im Süden an der
Mittelmeerküste, vorwiegend in der Provence, Roussillon,
Languedoc, Alpes maritimes, Var, Bouches du Rhône, sowie auf Corsika.
Ein Teil des südfranzösischen Arrondissement Grasse ist ganz mit
Oliven bestanden. Grasse liefert das feinste Öl der Provence, dann
Aix und Nizza. 130-150000 ha sind mit Oliven bestanden, die etwa 2
Mill. dz Oliven liefern. Marseille ist ein wichtiger Handelsplatz für
Olivenöl. Es führt viel aus Spanien und Tunis ein und viel auch aus.
Nächst Spanien ist =Italien= das olivenreichste Land (900000 ha).
Sein Landschaftsbild wird durch die Olive geradezu beherrscht. Nur
Piemont hat keine Olivenzucht, sonst alle Landschaften, besonders die
Küsten, fast ganz Sizilien und ein großer Teil Sardiniens. Obenan
steht Apulien, dann folgt Sizilien und die Tyrrhenische Südregion,
endlich Toskana, Marken und Umbrien, Ligurien, Latium, Sardinien.
Eine italienische Mittelernte liefert 2-3 Mill. hl. Olivenöl, fast
ebensoviel wie das viel mehr Oliven beherbergende Spanien. Italien
führt Ol. oliv. besonders aus Bari, Palermo, Messina, Livorno,
Genua, Gallipoli, Porto Maurizio, Neapel, Tarent aus. 1890 betrug
die spanische Ernte 3, die italienische 1,3 Mill., die französische
300000 hl Oliven.
Olivenkultur findet sich auch in Albanien, Epirus, Thessalien,
Mittel-Griechenland (Olivenhain am Kephissos bei Athen), Peloponnes
(Argolis, Messenien), Korfu, Leukas, Lesbos und anderen Inseln,
besonders Kreta, das eine wahre Oliveninsel ist. Die jährliche
Olivenproduktion =Griechenlands= beträgt c. 141 Mill. kg, wovon c.
6,5 Mill. kg exportiert werden, die jährliche Ölproduktion 25 Mill.
kg, wovon die Hälfte exportiert wird (~Emmanuel~). In der =Türkei=
sind namentlich am Marmarameere, auf den Inseln des ägäischen Meeres
und in Kleinasien Olivenkulturen. Kleinasien hat aber für die
Olivenzucht nur geringe Bedeutung, in Betracht kommt fast nur die
Westküste und die ihr vorgelagerten Inseln (Chios, Samos). Cypern
ist reich an Ölbäumen. Die Levante produziert jährlich c. 100000 t
(Smyrna z. B. 1906: 15000 t). =Syrien= das Urland der Olivenzucht,
hat auch heute noch viel Olivenhaine -- Alexandrette exportiert Öl
-- und auch in +Palästina+ ist der Ölbaum häufig. Der Ölberg bei
Jerusalem trägt noch heute Ölbäume. +Tripolis+, das im Altertum und
Mittelalter zu den wichtigsten Bezugsländern für Olivenöl gehörte,
deckt heute nicht einmal den eigenen Bedarf. Großen Aufschwung hat in
letzter Zeit die Olivenzucht in =Tunis= und =Algerien= (Djurdjura)
genommen, so z. B. um Sfax, im Sahel (Sahel bringt jetzt die besten
Oliven hervor). Freilich zu der Bedeutung, die sie in diesen Ländern
im Altertum besaß, ist sie noch lange nicht wieder gekommen. Immerhin
erzeugt doch Tunis schon jährlich 30 Mill. Liter Öl. Im Sahel (Susa,
Monastir) stehen c. 600 Quadratkm. unter Oliven. Auch =Marocco=
besitzt (z. B. in Sus, Haha) viele Olivenhaine, die aber zum Teil
bewässert werden müssen. Bedeutend ist die Olivenzucht in den Tälern
des Atlas. Endlich findet sich die Olive auch noch auf den Canaren.
Nach =Amerika= brachten den Ölbaum die Spanier, nach Mexiko 1519
~Cortez~, nach Peru c. 1560 ~Ambrosio de Rivera~, nach Californien im
XVIII. Jahrh. die Franziskaner. Jetzt finden sich Olivenpflanzungen
auch in einigen südamerikanischen Staaten (Chile, Peru). Besonders
nimmt aber die Kultur der Olive in Nordamerika einen großen
Aufschwung, seit das Agricultur Department sich seiner angenommen
hat. Schon 1907 deckte Kalifornien einen Teil des Bedarfes von U.
S. A. Und auch in Südafrika und Südaustralien wird jetzt die Olive
angepflanzt und Öl exportiert. 1902 zählte man in =Australien= schon
c. 67000 Olivenbäume, die 11327 galls. Öl lieferten. (Nähere Angaben
über die Verbreitung der Olive in ~Th. Fischer~, Der Ölbaum 1904.)
Die californische Olivenzucht liefert vorwiegend Salzoliven. Die
besten Salzoliven kommen aber von Andalusien.
Die Olive gedeiht in Peru, Chile, Südcarolina, Florida, den Bermuden,
auf Jamaica, im Südwesten der Kapkolonie, auf Kawau-Island (bei
Auckland) bei Sydney, in Vorderindien und Japan -- in allen diesen
Ländern sind Kulturversuche gemacht worden.
Eine Karte der Verbreitung der Olivenkultur in Frankreich bei
~Degrully~ (a. a. O.). Die Kultur der Olive, die Pfropfung,
Beschneidung, Düngung usw. ist beschrieben bei ~Degrully Trabut~,
~Cappi~ u. and. Lit. s. oben S. 610. Im übrigen vgl. die hier
beigegebene Karte.
[Illustration: Fig. 191.
Sciarbottatojo. Apparat, welcher in Italien zum Waschen der Oliven
gebraucht wird, links von außen, rechts innere Einrichtung.
[+Ravasini.+]]
[Illustration: Fig. 192.
Einfache Ölmühle der Araber in Algier.]
[Illustration: Fig. 193.
Frantojo. Moderne Mühle, in der die Früchte zu einem Brei gemahlen
werden.]
[Illustration: Fig. 194.
Strettoi, welche zum Pressen der mit dem Fruchtbrei gefüllten Fiscoli
dienen.]
=Erntebereitung.= Die Ernte ist in Italien verschieden. ~Ravasini~
berichtet mir darüber das Folgende. Entweder werden sie mit der Hand
gepflückt (brucatura, raccolta a mano Taf. XV) -- dies ist unbedingt
nötig, wenn man feine Tafeloliven oder feinstes Öl erhalten will --
oder vom Baume auf darunter gebreitete Tücher (I, S. 94) geschüttelt
(scotitura) bzw. abgeklopft (bacchiatura, abbacchiatura) -- in
Calabrien und Sizilien üblich -- oder die abgefallenen aufgelesen
(raccattatura, raccolta a terra). Auch in Portugal werden noch jetzt
die Früchte vielfach von den Bäumen abgeschlagen. Infolgedessen folgt
auf ein gutes Jahr meist ein schlechtes (~Mastbaum~ 1904). Das Pflücken
wird in Italien besonders von Frauen und Kindern besorgt, die die
Früchte dabei in Tuchtaschen oder geflochtene Strohkörbe oder auf ein
unter den Baum gebreitetes Tuch (recane) werfen. Die abgeklopften oder
abgeschüttelten werden mit hölzernen rechenartigen Werkzeugen (in
Calabrien cernigghi genannt) zusammengeharkt und dann in Strohkörben
vereinigt. Diese werden auf dem Kopf oder den Schultern in die Ölmühle
getragen. Hier werden sie von Erde, Blättern, Staub usw. befreit,
die unreifen oder überreifen Früchte ausgelesen (cernita) und dann
gewaschen. Das Waschen geschieht jetzt vielfach, besonders bei größeren
Quantitäten, in besonderen Apparaten (sciarbottatojo), die diese
Arbeit sehr vereinfachen (Fig. 191). Die gewaschenen Oliven kommen
dann in die Ölmühlen (oleifici), die oft noch sehr primitiv sind (I,
Fig. 174 und Fig. 192) und an denen die Bauern, von denen fast jeder
Wohlhabendere eine Ölpresse besitzt, im Laufe der Jahrhunderte wenig
geändert haben (vgl. I, Fig. 175). Erst in neuerer Zeit, wo sich die
Ölpresserei allmählich zu zentralisieren beginnt, ist der Betrieb
modernisiert worden. Die Oliven werden zunächst mit Mühlsteinen
(frantoj), die, nicht bis zum Boden reichen also die Steinkerne nicht
mit zertrümmern, zermahlen (frangitura) (Fig. 193). Der Brei des
Fruchtfleisches wird nun in die oben und unten offenen, schon von
~Plinius~ erwähnten geflochtenen Körbe, +Fiscoli+ (Abbild. in I, Fig.
173) gebracht, von denen 20 bis 25 in den hölzernen oder eisernen
Pressen (torchi, strettoi, Fig. 194) übereinandergepackt werden und nun
mit der Hand gepreßt. Neuerdings werden in den größeren Etablissements
auch hydraulische Pressen benutzt, aber am fiscolo hält man auch bei
diesen fest. Das beste Olivenöl, wie solches in der Pharmazie ad usum
internum benutzt wird, wird in Fabriken mit Dampfbetrieb aus bei
beginnender Reife gesammelten, zuvor auf Horden oder in besonderen
Trockenapparaten zum Trocknen ausgebreiteten Früchten durch mäßiges
Pressen hergestellt. Eine zweite stärkere Pressung, die aber auch noch
nicht die Kerne zertrümmern darf, liefert Secunda-Speiseöl und für
medizinische Pflaster und Seifen benutzbares Öl, eine dritte Brenn- und
Maschinenöl. Die erste Pressung, die in Frankreich nur 12% Öl gibt,
liefert das beste Öl, das durch Baumwolle filtriert, als _Olio vergine_
(huile vierge, Jungfernöl) in den Handel kommt. Der Preßrückstand wird
mit kaltem oder warmem Wasser nochmals zermahlen und dann wieder in
die Presse gegeben. Dies zweite Öl (_Olio mangiabile_, _O. di seconda
pressione_, _O. di pasta franta_, _O. di macina_, _O. di rinozzolo_)
hat nicht mehr das charakteristische Olivenaroma wie das erste. Aus den
Preßrückständen (sansa) erhält man mittels Schwefelkohlenstoff, Benzin,
Petroläther oder Wasserdampf das gewöhnliche, nur technisch benutzbare
+Baumöl+ (_Olio di sansa_, _O. di ciancia_, _O. al solfuro_, Sulfuröl,
in Frankreich _huile de ressence_, _h. d’enfer_). Als Extraktionsmittel
wird in Marseille außer Schwefelkohlenstoff auch Tetrachlorkohlenstoff
verwendet. Das mit Schwefelkohlenstoff extrahierte Öl, das einen
schlechten Geruch und Geschmack besitzt, kann durch Behandeln mit
Alkohol verbessert werden. Die z. B. in Sizilien übliche Methode,
die zerquetschten Oliven zunächst in einer Zisterne (enfer) gären zu
lassen, führt zwar zu hohen Ölausbeuten, aber zu einem fettsäurereichen
Öl (+Tournantöl+). Zur Herstellung ganz feiner Ölsorten werden die
Früchte bisweilen geschält, d. h. von der äußersten Fruchthaut befreit,
entkernt, das Fleisch in Mörsern zerrieben und zwischen Tüchern
gepreßt. Eine Wertverminderung des Öls wird durch das Mitzerquetschen
der Kerne nicht bewirkt, da bei dem gewöhnlichen Herstellungsverfahren
nur geringe Mengen davon hineingelangen (~Passerini~) und die Samen nur
Spuren einer Lipase enthalten (~Marcille~). Manchmal wird in Frankreich
mit dem Pressen eine Art Schlemmprozeß in sog. Pastenmühlen (auf eine
Pastenmühle kommen 6-10 Pressen) kombiniert. Die Preßrückstände werden
mit Wasser zu einer Paste angerieben und diese durch Schlämmen mit
Wasser in mit Rührwerken versehenen Bassins in die schwereren und die
ölreicheren, leichteren Bestandteile getrennt, die dann gesammelt und
in Tüchern gepreßt werden (Chem. Rev. 1903). Dies Öl ist minderwertig.
Die Trester dienen als Dünger, die abgeschlemmten Steinkerne auch als
Brennmaterial. Doch werden die Steinkerne (Olivenkerne) neuerdings auch
auf Öl verarbeitet und gemahlen zur Verfälschung von Gewürzen benutzt.
Über das Filtrieren und Zentrifugieren vgl. I, S. 134.
Das in den ersten Monaten der Ernte gepreßte Öl ist dunkler und hat
obstähnliches Aroma und einen etwas scharfen Geschmack, das Öl wird
um so heller, dünnflüssiger und milder, je mehr sich die Olive ihrer
Reife nähert. Der Versand erfolgt in Italien nicht vor dem Januar. Die
anfangs trüben Öle klären sich beim Lagern während 90 Tagen in großen
(meist mit Porzellan- oder Marmor- oder Tonplatten ausgekleideten)
Zisternen, indem sich die Schleimteilchen usw. zu Boden setzen. Diese
werden durch Watte abfiltriert. Die weniger guten Ölsorten werden
oft in Raffinerien gereinigt. Dort werden die besseren Sorten nach
Dekantation filtriert oder mit Citronensaft oder Eichenrindeauszug,
bzw. einer Tanninlösung, die mit einem Weidenbesen eingerührt werden,
geklärt, die schlechteren mit 0,5-2% Schwefelsäure behandelt. Ein
Bleichen des Öls wird (außer durch Tannin) auch dadurch bewirkt, daß
man das fein verstäubte Öl womöglich bei Sonnenlicht in ein mehrere
Meter tiefer liegendes Wasserbassin fallen läßt.
Die größte Ölmenge soll die in Spanien kultivierte var. _hispanica_,
das feinste Öl die in der Provence und bei Genua und Lucca kultivierte
var. _pignola_ liefern. Oliven, deren Fleisch nicht das dreifache
Gewicht des Kernes hat, geben zu wenig Öl aus (~Coutance~). Die
Qualität des Öles ist abhängig von der Olivensorte, dem Reifegrade der
gepreßten Frucht, der Art des Erntens und dem Verfahren beim Pressen.
Die feinsten Öle werden auf Flaschen abgezogen, die anderen auf Fässer
bzw. Barells.
Die +Oliven in Salzwasser+ (Colymbades) finden sich während mehrerer
Monate als Nachtisch jeder italienischen Mahlzeit, werden aber auch
viel exportiert. Die Olive muß, um hierzu tauglich zu werden, nur
¾ reif sein und zuvor 6-12 Stunden in eine Kalk-Pottaschelauge
eingelegt und dann sorgfältig während mehrerer Tage gewaschen, d. h.
vollständig entbittert werden. Dann legt man sie in Salzwasser,
wechselt dies alle Monate einmal und fügt schließlich etwas wilden
Fenchel hinzu (~Ravasini~). Beschreibung anderer Methoden der
Olivenpickelsbereitung bei ~Semler~.
=Lit.= ~Mingioli~, Manuale pratico di oleificio 1871 und Oleificio
moderno in Nuova Enciclopedia agraria italiana. Torino 1901 (m.
zahlr. Abbild.). -- ~Semler~, Trop. Agrikult. -- ~Skinner~,
Ölindustrie in Frankreich. Consularbericht in Oil, Paint and Drug.
Rep. 1903 (Chem. Rev. d. Öl- u. Harzind. 1903, 188). -- Über die
Veränder. d. Oliven von der Ernte bis zur Verarbeitung vgl. die
Unters. d. Versuchsstat. in Lissabon (Ref. in Chem. Rev. 1904, 39).
-- Die Mühlen, Pressen, Wasch- und Raffinierapparate sind abgebildet
bei ~Mingioli~ a. a. O. -- Die primitive Gewinnung des Olivenöls auf
Mallorca beschreibt ~Pollatschek~ (Chem. Rev. 1907, 4).
=Handelssorten.= Von den italienischen Ölen sind die aus der Riviera,
aus Toskana (Lucca, Pisa), Apulien (Bari, Bitonto, Gallipoli) die
geschätztesten, die Provinzen Marken, Umbrien, Latium liefern gute
Speiseöle, Sizilien dagegen minderwertige Sorten. Die besten Sorten
(Jungfernöl) werden als +Provencer+, +Aixer+, +Genueser+ oder
+Lucca+ Öl bezeichnet -- Provenceröl ist eine Qualitätsbezeichnung
und keineswegs nur für Öl aus der Provence in Gebrauch --, die
Sekundasorten (Baumöl, grünes Olivenöl, huile lampante, h. marchande)
als Gallipoli-, Puglieser-, Bari-, Lecce-, Monte San Angelo-Öl,
Tertiasorten kommen von Messina, Malaga, Korfu und Tunis. Die
schlechtesten, zur Seifenfabrikation benutzten Öle heißen Lavati
(gewaschene), auch Nachmühlenöl, Höllenöl, Sottochiari. Dann ist auch
gebleichtes sog. weißes Baumöl (als Maschinenöl, Lilienöl) und Ol.
oliv. denaturatum (zur Seifenfabrikation, mit Nelken- oder Rosmarinöl
denaturiert) im Handel (~Weigel~ 1904).
In Italien werden die Öle eingeteilt in:
I. Oli commestibili: 1. sezione oleinati; a) oli vergini, b) oli
mangiabili; 2. sezione stearinizzati: oli grassi.
II. Oli non commestibili: 1. materia prima avariata, o fondacci di oli
di semi di olive: oli avariati, 2. oli estratti dai residui: a) oli di
sansa o di panelli, b) oli di morchia o di semi, c) oli d’inferno, d)
oli al solfuro; 3. oli alterati, a) oli rancidi, b) Oli inaciditi.
Tunesisches Öl kommt aus dem Norden (Tunis, Bizerte, Cap Bon,
Medjerdah), dem Zentrum (Sousse, Mahdia, Monastir), dem Süden
(Gabès, Safsa, Djerba) und von Sfax. Außer den französischen und
italienischen Ölen sind auch spanische, portugiesische, griechische,
dalmatinische, syrische, marokkanische, türkische, Krim, persische,
indische (Pendschab), australische und kalifornische Olivenöle
im Handel. Bedeutenden Aufschwung nimmt die Ölproduktion in
Californien und Südaustralien. Californien z. B. ist schon jetzt
ein wichtiges Produktionsland für Oliven geworden. Im Geschmack
stehen die toskanischen Öle obenan, dann folgen die ligurischen. Die
californischen stehen diesen weit nach. Im deutschen Handel war 1911
neben italienischem Öl -- Baumöl und Speiseöl -- (in Brls. und Fässern
von 50, 180, 200 kg) auch Malaga-, Marokko- und Candiaöl zu finden.
=Handel.= Der Ertrag an Olivenöl betrug in +Italien+ 1909/10:
2127097 hl. Das meiste lieferte die adriatische Seite (838050),
dann die Mittelmeerseite (521010) und Sizilien (435176); weniger
Toskana, Latium, Sardinien und die Marken. Unbeträchtliche Mengen:
Lombardei, Ligurien, Venetien, Emilia. (Nach ~Ravasini~ betrug die
Olivenölproduktion Italiens 1909: 2559200 hl, 1910: 1384580 hl.) Die
Olivenernte betrug 1909: 15292000, 1910: 9366200 dz (Normalernte
20,3 Mill. dz). +Italien+ exportierte olio d’oliva lavato al solfuro
1907: 124881, 1908: 78242, 1909: 55668 und olio d’oliva d’altra
specie 1907: 388427, 1908: 368788, 1909: 184481 (1910 im Ganzen
205054) dz. Die +Vereinigten Staaten von Nordamerika+ importierten
olive oil (for Mfg. purposes) 1908: 1789001, 1909: 695223 gallons und
olive oil (Salad) 1908: 3548649, 1909: 3728386 gallons. +Hamburg+
importierte 1908 34275 dz. +Olivenöl+; davon kamen aus Marokko: 9918,
Frankreich: 7314, Italien: 6201, Spanien: 5343, Griechenland: 2477,
weniger als 1000 dz aus Kleinasien, der europäischen Türkei, Tunis,
Algier, Portugal usw. Die Einfuhr von Olivenöl nach +London+ betrug
1906: 2658, 1907: 7512, 1908: 8953, 1909: 5072 casks. +Frankreich+
importierte 1908 492149 Quint. +Olivenöl+, besonders aus Spanien
und Tunis, dann aus Algier, Italien und Griechenland, wenig aus der
Türkei und Marocco.
[Illustration: Fig. 195.
Zweig eines Olivenbaumes (Sorte Rouget). [Nach +Degrully+, L’olivier.]]
=Morphologie und Anatomie der Frucht.= Die Form der Frucht wechselt
nach der Sorte und ebenso die Größe. Einige Sorten sind groß wie eine
Aprikose, andere erreichen nur die Größe einer kleinen Kirsche -- alle
sind mehr oder weniger oval (Fig. 195) oder kugelig-eirund, am Scheitel
stumpf oder etwas zugespitzt, meist c. 2 bis 3,5 cm lang, an der
Oberfläche glatt, kahl. Der sehr harte Steinkern ist schief-länglich
oder keulenförmig, etwas zusammengedrückt (Fig. 195), spitz, gefurcht
oder grobrunzelig, gelblich oder bräunlich, durch Fehlschlagen
meist einfächerig und einsamig. Der Same ist 9-11 mm lang, länglich
zusammengedrückt, mit reichlichem Endosperm versehen. Die anfangs grüne
Frucht wird beim Reifen erst rot, dann schwarz. Das Verhältnis der drei
Bestandteile ist bei frischen Oliven: Fleisch mit Schale 71,5-80,5%,
Stein 17,3-23%, Samen 2-5,5% (~Schädler~, ~König~).