geht aus einem anatropen Ovulum hervor, welches zwei Integumente
besitzt. Das äußere, sehr kurze Integument ist der Spitze des inneren
inseriert (Fig. 186, 100). Es nimmt an der Bildung der Samenschale nur
an der Spitze des Samens geringen Anteil (~A. Meyer~). Bedeckt ist der
Same mit einem braunen grobschülferigen bzw. körnigen Überzuge. Dieser
besteht aus sehr großen, oft 120-335 mik. hohen und 70-135 mik. weiten,
kegel-, pauken- oder tonnenförmigen, geraden oder mannigfach verbogenen
und ausgestülpten, von oben gesehen rundlichen, rundlich-eckigen oder
mannigfach verzogenen Zellen mit dicker Wand (Fig. 186, 104 u. 188)
und dort, wo die Zellen an andere angrenzen, deutlichen runden oder
spaltenförmigen Tüpfeln, zwischen welche Zellen nicht minder zahlreich
sehr dünnwandige, daher zusammengefallene Zellen eingestreut sind, die
sogar oft die Mehrzahl bilden, so daß die Gruppen der dickwandigen
Zellen inselartig auftreten. Sämtliche Zellen dieses Überzuges sind
als sklereïdenartige Korkzellen zu betrachten. Die dünnwandigen sind
vollständig oder nahezu vollständig verkorkt, die dickwandigen zeigen
eine breite verholzte Mittelpartie und zwar ist die ganze, oft 5,5
mik. breite Mitte der Membran, die eine deutliche zarte Streifung
zeigt, verholzt, färbt sich also mit Phloroglucinsalzsäure rot, mit
Chlorzinkjod gelb. Beiderseits von dieser Mittelschicht, sowohl
an der inneren als an der äußeren Seite, liegt eine zarte, gegen
Schwefelsäure resistente Lamelle, die innen so zart zu sein pflegt, daß
sie sich oft als feines Häutchen ablöst. Die für die typische Korkzelle
charakteristische Zelluloselamelle ist hier bald vorhanden, bald fehlt
sie, wenigstens konnte ich sie an der Handelsware nicht überall mit
Jodschwefelsäure nachweisen. Die Zellen enthalten einen körnigen, auf
Gerbstoff reagierenden Inhalt und im unreifen Samen Stärke. Diese
sehr eigentümlichen, meist in einfacher Schicht -- sehr selten sah
ich zwei übereinander -- den Samen bedeckenden Gebilde (Tonnenzellen
~Moeller~, Riesenzellen ~Vogl~), zeigen den Charakter trichomartiger
Sklereïden. Ihre Verwachsung mit der darunter liegenden Schicht der
Samenschale ist oft eine so lockere, daß die dickwandigen sich aufs
leichteste von ihr ablösen lassen, gewissermaßen herausfallen und daher
an den Runzeln des Samens ganz oder fast ganz abgescheuert sind. Um
ihre Form studieren zu können muß man daher die Schnitte durch die
Falten legen. Bei besonders günstigen Präparaten sieht man, daß sie
in der Tat der darunter liegenden, meist zweizelligen leeren Schicht
eingefügt sind; über 3-6 Zellen dieser subepidermalen Zone liegt für
gewöhnlich eine dieser Tonnenzellen. Die subepidermale Zone ist selten
deutlich, am besten ist sie noch nach Zusatz von Kali sichtbar zu
machen. Ihre Zellen sind sehr zartwandig und enthalten bisweilen eine
Oxalatdruse. Wand und Inhalt färben sich mit Eisenchlorid schmutziggrün
(~Vogl~). Die nächstfolgende, relativ mächtige, durch Chlorzinkjod sich
schmutzig violett färbende Schicht der Samenschale ist die Nährschicht
(~Tschirch~), sie besteht aus dünnwandigem, reichdurchlüftetem,
stark obliteriertem Sternparenchym, welches besonders in den äußeren
Schichten bisweilen einen braunen Farbstoff führt und nach Innen
zu durch eine einreihige Epidermis abgeschlossen ist. Bis hierher
reicht die Samenschale. In der Nährschicht verlaufen die Gefäßbündel
(s. oben), die Spiralgefäße führen und von Kristallkammerfasern mit
rhomboëdrischen Kristallen oder Drusen begleitet werden. ~Hartwich~
gibt in der Nähe der Bündel auch Sklereïden an. An die Nährschicht
schließt sich nach Innen zu eine einreihige, inhaltslose, stark
zusammengefallene Schicht, die als Nucellusrest angesprochen wird (~A.
Meyer~) und dann folgt eine Zone, die man als das sehr zarte Endosperm
aufzufassen hat, dessen allein deutlich erhaltene äußerste Schicht aus
sehr verschieden großen, im Flächenschnitt meist 21-27 mik. langen,
16-22 mik. breiten, in einfacher, doppelter oder (am Würzelchen)
mehrfacher Schicht angeordneten, relativ dickwandigen, farblosen
Zellen besteht, die neben einem stets sehr deutlichen Zellkern viele
sehr kleine lappige Aleuronkörner enthalten, welche durch Wasser
rundlich aufgebläht, durch verdünntes Kali bis auf sehr kleine,
Molekularbewegung zeigende Körnchen (Globoide) gelöst werden. Die
Wände dieser Schicht färben sich mit Chlorzinkjod blau, die innersten
Schichten des Endosperms sind zu einer «Quellschicht» (~Tschirch~)
obliteriert und machen die Samenhaut beim Einlegen in Wasser so
schlüpfrig, daß der Samenkern leicht herausgleitet. Die plankonvexen
Cotyledonen besitzen auf der Außen- (der morphologischen Unter-)seite
eine sehr kleinzellige Epidermis, deren Zellen in der Richtung der
Organsachse gestreckt, etwa 40-62 mik. lang und 11 mik. breit sind.
Das Gewebe der Cotyledonen besteht aus dünnwandigen, mit sehr zarten
Verdickungsleisten versehenen Zellen, die Interzellularkanäle reichlich
zwischen sich lassen. Ein Palissadengewebe ist auf keiner Seite
ausgebildet. Die Epidermis der Innen(Ober-)seite der Cotyledonen ist
großzelliger als die der Außenseite, die Zellen sind in der Längsachse
des Organs nicht gestreckt, sondern nahezu isodiametrisch. Sie
enthalten beide ein feinkörniges Aleuron.
Die Cotyledonen werden von in ein oder zwei, der ebenen Innenseite
genäherten, Reihen angeordneten (bisweilen schon Spiralgefäße
führenden) Procambiumsträngen durchzogen, welche sowohl bei den
bitteren, wie den süßen Mandeln das Emulsin führen (~Johannsen~ 1887)
und zwar in dem Pericycel (zone péricyclique, per in Fig. 187) und der
Endodermis (End in Fig. 187, ~Guignard~ 1890). Das Grundgewebe der
Cotyledonen ist bei beiden Mandeln frei von Emulsin. Es enthält bei
beiden gleichgestaltete Aleuronkörner (5-10 in jeder Zelle, ~Lüdtke~)
von sehr unregelmäßigem Umriß und sehr verschiedener Größe. Meist sind
sie rundlich oder gestreckt mit welliger Kontur und oft reichlicher
Lappung des Randes. Besonders die größeren, solitärartig ausgebildeten
führen oftmals eine kleine Druse von Kalkoxalat, alle 1-3 kleine,
rundliche oder wulstig verbogene Globoide, die übrig bleiben, wenn man
den Schnitt sukzessive mit Äther, Wasser und verd. Kali behandelt.
Kristalloide fehlen. Selten sind Prismen von Oxalat. Die Aleuronkörner
haben eine Größe von 2,5-13 mik., die Solitäre messen 16-17 mik. Außer
diesen Aleuronkörnern ist bei süßen und bitteren Mandeln in den Zellen
noch Ölplasma (~Tschirch~) vorhanden, das bei den bitteren Mandeln das
Amygdalin einschließt. Konzentrierte Schwefelsäure färbt das Gewebe
der Cotyledonen rot (~Raspail~sche Reaktion auf Zucker-Eiweiß). Der
Farbstoff wird von den Öltropfen aufgenommen. Die kurze kegelförmige
Radicula sowohl wie die zu einem spitzen Kegel ineinander gefalteten
Primordialblätter, die den Vegetationspunkt zwischen sich haben und
die beide amygdalinfrei und sehr emulsinreich sind (~Johannsen~) --
hier findet sich das Emulsin im Pericycel (~Guignard~) --, sind in
allen Zellen dicht mit kleinen rundlichen Aleuronkörnern vollgepfropft.
Stärke fehlt dem Samenkern.
[Illustration: Fig. 187.
Gefäßbündel eines Cotyledon des Mandelsamens. [Nach +Guignard+.]]
Die Aleuronkörner der Mandel verhalten sich, wie Untersuchungen,
die ich mit ~Kritzler~ ausgeführt habe, zeigen, anders wie die
von _Linum_, _Ricinus_, _Cannabis_ usw. Die in Wasser sehr leicht
lösliche +Grundsubstanz+ besteht aus dem +Globulin+ Amandin. Sie ist
löslich in 1,5 und 10% Ammoniumsulfatlösung, unlöslich in der konz.
Lösung des Salzes, löslich in 1,5 und 20% Magnesiumsulfat, schwer
oder teilweise löslich in der konz. Lösung, löslich in Chlorammonium,
Kaliummonophosphat und Kochsalzlösung jeder Konzentration, sowie
in Kalkwasser, unlöslich in konz. Kochsalzlösung, der eine Spur
Essigsäure zugesetzt wurde. Salzsäure von 0,1-0,2% fällt körnig, 3%
und stärkere löst. Die in Wasser unlöslichen +Globoide+ enthalten
ein mit Ca, Mg und Phosphorsäure gepaartes Globulin, das nicht in
1%, wohl aber in 5 und 10% Kochsalzlösung, nicht in 1%, wohl aber
in 20% Magnesiumsulfatlösung löslich ist, in 1 und 5% Ammonsulfat
ist es unlöslich, löslich in 10 und 20%, Chlorammon löst schwer,
Kaliummonophosphat in allen Konzentrationen leicht, ebenso Salzsäure.
Die =Mandelkleie= (tourteau d’amandes, pâte d’amandes, furfur s.
farina amygdalarum) ist der gepulverte Preßrückstand, den man
bei der Darstellung des Mandelöls erhält, besteht also jetzt
meist aus bitteren Mandeln. Man findet in ihm in erster Linie die
Fragmente der Cotyledonen, aber auch meist auf den ersten Blick die
Tonnenzellen der Samenschale, Oxalatdrusenzellen und Spiralgefäße
(Abbild. bei ~Vogl~ und ~Collin-Perrot~), im Ölpräparate zahlreiche
Aleuronkörner mit Globoiden und Oxalatdrusen. ~Vogl~ empfiehlt
Färben des Präparates mit Cochenille. In der Mandelkleie finden
sich oft Preßkuchen anderer Amygdalaceensamen, bisweilen besteht sie
ganz aus Aprikosensamenpreßkuchen (~Collin~). Das unter dem Namen
«Mandelkleie» (son d’amandes, bran of almonds) im Handel befindliche,
zu kosmetischen Zwecken benutzte Präparat ist ein Kunstprodukt (vgl.
~Hager-Fischer-Hartwich~, Pharm. Praxis), das nicht einmal immer
Mandeln enthält.
Das Pulver der =Mandelschalen= (d. h. des Endocarps, s. oben),
das als Verfälschungsmittel von Gewürzpulvern (Pfeffer), in der
Schokolade- und Biskuitfabrikation beobachtet worden ist und auch zum
künstlichen Altern von Weinen und Spirituosen benutzt wird (1905),
besteht fast ganz aus Sklereïden, entweder gestreckten, spindel-,
spatelkeulenförmigen, geraden oder knieförmig gebogenen, bis 150
je 300 mik langen, mit linienförmigem Lumen oder kürzeren, bis 120
mik langen, breiteren, gerundet-eckigen oder ausgeschweiften, dicht
getüpfelten, relativ weitlumigen, sowie Übergangsformen zwischen
diesen. Daneben findet sich bisweilen dünnwandiges Parenchym,
Kristallzellen und Bruchstücke von Gefäßen.
=Lit.= ~A. Meyer~, Wissensch. Drogenkunde (dort die
Entwicklungsgeschichte). -- ~Berg~, Anatom. Atlas. -- ~Tschirch~,
Angew. Pflanzenanatomie 1888, Fig. 36. -- ~Wigand~, Lehrbuch 1887.
-- ~Vogl~, Kommentar 1908 und Nahrungs- u. Genußm., Fig. 261 u.
262. -- ~Schimper~, Anleitung 1900. -- ~Möller-Winton~, Mikrosk. d.
Nahrungs- u. Genußm. 1905. -- ~Hartwich~, in Realenzyklop. d. Pharm.
-- ~Karsten-Oltmanns~, Lehrb. d. Pharmak., Fig. 400-403. -- ~Louis
Planchon~, Prec. de mat. méd. I, Fig. 148 u. 149. -- ~Garcin~, Du
noyau des drupes Ann. Soc. bot. Lyon 1890, 27, Contrib. à l’étude
d. péric. charnus Lyon 1890, Rech. s. l’histogen. d. péric. charn.
Ann. soc. nat. (7) 1890, 175. -- ~Godfrin~, Etud. histolog. s. l.
tégum. sémin. d. Angiosp. Soc. d. sc. nat. Nancy 1880, 109. --
~Collin-Perrot~, Resid. industr., Fig. 69 u. 70. -- ~T. F. Hanausek~
in Wiesner Rohstoffe, II. Aufl. -- ~Johannsen~, Sur la localisation
de l’émulsine dans les amandes Ann. sc. nat. (7) 6 (1887). 118. --
~Thomé~, Bot. Zeit. 1865, 240. -- ~Guignard~, Sur la localisat. dans
les amandes etc. Journ. pharm. chim. 21 (1890), 233. -- ~Tschirch~
u. ~Kritzler~, Mikrochem. Unters. über d. Aleuronkörner. Ber.
d. pharm. Ges. 1900, 214 und ~Kritzler~, Dissert. Bern 1900. --
~Lüdtke~, Beschaffenh. d. Aleuronk. Ber. d. pharm. Ges. 1891, 58.
Mandelschalen: Pharm. Centralh. 1905.
=Chemie.= Die Zusammensetzung der (trockenen) süßen Mandeln ist im
Mittel (nach ~König~) in Prozenten: Wasser 6,27, Stickstoffsubstanz
21,4, Fett 53,16, stickstofffreie Extraktstoffe 13,22, Rohfaser 3,65,
Asche 2,3. In der Trockensubstanz: Stickstoffsubstanz 22,83, Fett
56,71% (~Fleury~, ~Colby~, ~Schädler~, ~König~ und ~Crauch~). Die
Krachmandeln werden regelmäßig geschwefelt, um ihnen eine hellere Farbe
zu geben. In 100 g Kernen fand ~Kratschmer~ 13 mg, in 100 g Schalen
117 mg schweflige Säure. Im Pericarp finden sich 0,84% Saccharose und
5,67% reduzierender Zucker (~Bourquelot~), sowie eine Spur fettes
Öl (~Vallée~), Gerbstoff, Weinsäure mit Spuren Citronensäure und
Apfelsäure (~Flückiger~).
Die Samen enthalten neben +Dextrose+ (0,09% ~Bourquelot~, auch
~Flückiger~ erhielt im Auszuge mit kaltem Wasser einen in der Kälte
reduzierenden Zucker) c. 2 bis 3% +Saccharose+ [2,97% ~Bourquelot~,
2,1% ~Langley~, nach ~Pelouze~ bis 10% (?) Saccharose, aber keinen
reduzierenden Zucker?], gummiartige Stoffe, 2,38 (~Godet~) bis
3,8% (~Wittmann~, ~Langley~) +Pentosane+ (unlösliche Pentosane des
Hemizelluloserückstandes der entfetteten Kerne: 15,5% ~Godet~) und
angeblich Gentiobiose, Stärke findet sich nur im unreifen Samen
(~Leclerc~). Ferner enthält der Same ein +chromogenes+ gelbes, mit
Alkalien kirschrot werdendes +Glykosid+ (~Scheitz~ und ~Ludwig~) und
+Emulsin+ (= Synaptase, ~Robiquet~). Das Emulsin ist ein Gemisch. Es
enthält ein hydrolysierendes (δ-Emulsin) und ein synthetisierendes
(σ-Emulsin) Enzym (~Rosenthaler~), nach ~Armstrong~ und ~Horton~,
~Caldwell~ und ~Courtauld~ sogar drei: ein Enzym, welches β-Glukoside
spaltet (β-Glukosidase), ein Enzym, welches Milchzucker spaltet,
(eine Laktase, Glukolaktase) und Amygdalase. Sodann ist vorhanden:
ein +fettspaltendes Enzym+ (Lipase, ~Dunlap~ und ~Seymour~, ~Mario
Tonegutti~), oft +Invertin+ (Invertase, ~Bourquelot~ und ~Hérissey~,
1903), ein +Phytosterin+ (~Benecke~), +Asparagin+ (0,3% ~Henschen~
1872, ~Portes~ 1876), +Cholin+ (~Guareschi~), sowie neben +Pepton+
und +Albumosen+ (zusammen 0,25%, ~Lemport~) und einer sehr geringen
Menge eines in der Wärme gerinnenden Eiweißkörpers (~Commaille~) das
globulinartige Proteid +Amandin+ (~Proust~, ~Commaille~, den Namen
behalten ~Osborne~ und ~Campbell~ bei, = Glutine ~Denis~ (?), nicht
= Conglutin, ~Ritthausen~), das bei der Hydrolyse Glycocoll, Alanin,
Valin, Leucin, Prolin, Phenylalanin, Asparaginsäure, Glutaminsäure,
Tyrosin, Arginin, Histidin, Lysin, Tryptophan und Ammoniak liefert
(~Osborne~ und ~Clapp~). Mandelkerne entwickeln schon mit Kalkwasser
erwärmt Ammoniak (~Flückiger~).
Das Globulin +Amandin+ ist ein Phytovitellin. Es zeigt die
Zusammensetzung: C = 51,30, H = 6,90, N = 19,32, O = 22,04, S =
0,44 (~Osborne~ und ~Campbell~). Es gibt mit Chlornatrium und
Quecksilberchlorid keine Fällung und wird durch Magnesiumsulfat
teilweise gefällt; bei 80° scheiden sich aus der Lösung Flocken aus.
Es ist bisher nur in Amygdalaceen gefunden worden. Es kommt wohl
vorwiegend in der Grundsubstanz der Aleuronkörner vor (s. Anatomie).
Laktase +und+ Emulsin finden sich außer in den Mandeln auch in
Pfirsich-, Aprikosen- und Apfelkernen (~Bourquelot~ und ~Hérissey~),
Emulsin, das im Pflanzenreich weit verbreitet ist, auch in Lichenen,
sowie Pilzen, vielen Gymnospermen und Monocotylen (~Hérissey~, ~Heut~).
Amygdalin scheint in der süßen Mandel ganz zu fehlen oder nur in Spuren
vorhanden zu sein [~Almén~, ~Scheitz~ und ~Ludwig~ (1872)]. In den
Samenschalen findet sich ein eisengrünender +Gerbstoff+ (~Ludwig~).
Die Asche der Samen beträgt 3,05% (~Fleury~), 4,9% (~König~), 5%
(~Zedler~). Sie enthält in Prozenten: Kali 27,95, Natron 0,23,
Kalk 8,81, Magnesia 17,66, Eisenoxyd 0,55, Phosphorsäure 43,63,
Schwefelsäure 0,37.
Der Gehalt der Samen an Öl beträgt etwa 50%, steigt aber auf 54,9
(~Fleury~), 55,3 (~Vohl~), 55,42 (~Flückiger~), ja 57,3% (~Langley~,
in «chines. süßen Mandeln», s. oben S. 597). Beim Pressen erhält man
38-45%.
Das =Mandelöl=, =Ol. Amygdalae s. Amygdalarum expressum= (huile
d’amande, almond oil, olio di mandorle, amandelolie, ἀμυγδαλέλαιον),
das ebenfalls und oft in größerem Umfange aus den bitteren Mandeln oder
aus einem Gemische beider dargestellt wird -- beide Öle stimmen im
wesentlichen miteinander überein --, wird meist durch kalte Pressung
der zerkleinerten ungeschälten Samen in Zwillichsäcken gewonnen.
Es besteht fast ausschließlich aus +Olein+, enthält kein Stearin
(~Gusserow~, ~Hehner~ und ~Mitchell~), dagegen 5,71% +Linolsäure+
(~Farnsteiner~) -- reine Ölsäure kann daher nicht aus Mandelöl
dargestellt werden --, freie Fettsäuren fehlen ganz (~Salkowski~
erhielt einmal 0,75%). Mandelöl wird nur langsam ranzig. Noch nach
einem Jahre erhielt ~Lewkowitsch~ nur geringe Säurezahlen (0,79, 3,1).
Das spez. Gewicht beträgt 0,914-0,920, meist 0,9178-0,9183
(~Lewkowitsch~), der Erstarrungspunkt liegt bei -10 (~Girard~) bzw.
-21 (~Maben~), die Verseifungszahl beträgt 189,5-195,4, die Jodzahl
93-101,26 (meist 96-98), die Bromzahl 69,87-74,37 (~Telle~), die
Hehnerzahl 96,2, die Maumenézahl 51-54°, die Bromthermalprobe 17,6-21°,
der Brechungsexponent (bei 40°) 1,4632-1,4642 (Pharm. helv. IV) im
Butterrefraktometer (bei 15,5°) 70,9 Skalenteile, die Thermozahl, im
Thermoleometer von ~Tortelli~ bestimmt, ist 50,7.
Der Erstarrungspunkt der +Fettsäuren+ liegt beim Öle aus süßen
Mandeln bei 9,5-10,1, bei dem der bitteren Mandeln bei 11,3-11,8°
(~Lewkowitsch~), der Schmelzpunkt der Fettsäuren liegt bei 13-14°,
ihre Neutralisationszahl beträgt 204 mg KOH, ihre Jodzahl ist 93,5-95,5
bei süßen, 94,1-96,5 bei bitteren Mandeln (~De Negri~ und ~Fabris~)
(die Jodzahl der flüssigen Fettsäuren 101,7).
Das Mandelöl ist also durch eine +niedrige Jodzahl+ und +niedrigen
Schmelzpunkt der Fettsäuren+ ausgezeichnet.
Die Charakteristika einiger Mandelöle und verwandter Öle ergaben sich
aus folgender Tabelle (~Lewkowitsch~).
----------------------+------------+------------+-------+-----------+
Art des Öles |Spezifisches|Verseifungs-|Jodzahl|Butter- |
|Gewicht | zahl | |refrakto- |
| | | |meter |
| | | |b. 40° C |
======================+============+============+=======+===========+
Mandelöl ausgepreßt | | | | |
aus: | | | | |
1. Süßen | | | | |
Valenciamandeln | 0,91995 | 207,6 | 99,4 | 57,5° |
2. Geschälten süßen | | | | |
Valenciamandeln | 0,9182 | 191,7 | 103,6 | 57,5° |
3. Süßen sicilianisch.| | | | |
Mandeln | 0,9178 | 183,3 | 100,3 | 57,0° |
4. Bitteren | | | | |
Magazanmandeln | 0,9180 | 188,6 | 102,5 | 56,5° |
5. Kleinen indischen | | | | |
Mandeln | 0,91907 | 189,2 | 96,65| 57,0° |
6. Bitteren | | | | |
Mogadormandeln | 0,9183 | 194,98 | 104,2 | 57,0° |
| | | | |
7. Pfirsichkernöl | 0,9198 | 191,4 | 95,24| 57,5° |
| | | | |
8. Aprikosenkernöl | 0,9200 | 192,4 | 107,4 | 58,0° |
9. Aprikosenkernöl | | | | |
Mogador | 0,9172 | 198,2 | 107,9 | 57,0° |
10. Kalifornisches | | | | |
Aprikosenkernöl. | 0,92026 | 190,3 | 108,7 | 58,0° |
----------------------+------+----------------+-----------------------
Art des Öles | | Fettsäuren | Farbenreaktionen
| +---------+------+-----------+-----------
|Säure-| | Ver- | Biebers | Phloro-
| zahl |Neutrali-| sei- | Probe | glucin-
| |sations- |fungs-| (H₂SO₄ + | Salpeter-
| | zahl | zahl |rauch.HNO₃)| säure-
| | | | | probe
======================+======+=========+======+===========+===========
Mandelöl ausgepreßt | | | | |
aus: | | | | |
1. Süßen | | | | | Keine
Valenciamandeln | 5,16 | 207,8 | 207,6| Farblos | Färbung
2. Geschälten süßen | | | | | Keine
Valenciamandeln | 2,9 | 196,4 | 201,7| Farblos | rote
| | | | | Färbung
3. Süßen sicilianisch.| | | | | Keine
Mandeln | 0,79 | 198,8 | 202,2| Farblos | rote
| | | | | Färbung
4. Bitteren | | | | | Schwach
Magazanmandeln | 3,1 | 196,8 | 203,1| Farblos | rot
5. Kleinen indischen | | | | | Schwach
Mandeln | 2,9 | 195,8 | 200,7| Farblos | rot
6. Bitteren | | | | | Keine
Mogadormandeln | 1,3 | 197,1 | 203,2| Farblos | rote
| | | | | Färbung
7. Pfirsichkernöl | 3,0 | 196,8 | 205,0| Zuerst | Tiefrote
| | | | farblos, | Färb.
| | | | dann rot |
8. Aprikosenkernöl | 2,3 | 198,0 | 202,0|Rotfärbung | Tiefrote
| | | | | Färb.
9. Aprikosenkernöl | | | | | Weniger
Mogador | 2,8 | 194,0 | 200,7|Schwach rot| tiefrot
Mogador | 2,8 | 194,0 | 200,7|Schwach rot| als 8
10. Kalifornisches | | | | Sehr |
Aprikosenkernöl. | 1,2 | 197,8 | 202,8|schwach rot| „ „ „
Nach dem Eintragen in konz. Kali-Ammoniak (~Hartwich-Uhlmann~sche
Mischung), verhält sich Mandelöl ähnlich wie Olivenöl (s. d.). Die
Verbrennungswärme des Mandelöls beträgt bei konstantem Volumen 9454,
bei konstantem Druck 9469 g-cal. (~Sherman~ und ~Snell~). Bei der
Keimung wird das Fett aufgebraucht (~Fleury~ 1865).
Die +Mandelpreßkuchen+, die, wenn sie ausschließlich von süßen
Mandeln stammen, was aber zurzeit jedenfalls selten ist (s. oben),
als Futtermittel benutzt werden können (Prüfung auf Blausäure im
Destillat!), enthalten im Durchschnitt in %: Wasser 6,69, Fett 15,15,
stickstoffhaltige Substanzen 41,28, stickstofffreie Substanzen 20,63,
Cellulose 8,94, Asche 4,31 (~Collin-Perrot~).
+Mandelschalen+ enthalten in %: Wasser 9,65, Stickstoffsubstanz
2,08, Fett 1,15, in Zucker überführbare Stoffe 16,74, sonstige
stickstofffreie Substanzen 18,5, Rohfaser 48,76, Asche 3,17 (in der
Asche im Mittel 11,17% K₂O).
=Lit.= ~Boullay~, Anal. d. amand. douc. Journ. pharm. 1817, 337 und
Buchn. Rep. 6, 395. -- ~Sachs~ (Vgl. Unters. d. süß. u. bitt. Mand.),
Berl. Jahrb. f. Pharm. 1816. -- ~Proust~, Journ. chim. phys. 54,
199. -- ~Vallée~, Compt. rend. 136 (1903) 114. -- ~Pelouze~, Ann.
Chim. phys. 45 (1855), 324 (Journ. pharm. (3) 27, 321). -- ~Scheitz~
und ~Ludwig~, Die Bestandt. d. süßen Mandeln. Arch. Pharm. 1872,
420. -- ~Bourquelot~, Journ. pharm. chim. 18 (1903), 241 u. Arch.
Pharm. 1907, 173. -- ~Leclerc du Sablon~, Compt. rend. 123, 1084. --
~Wittmann~, Zentrbl. d. Landw. Versuchswes. v. Österr. 1901, 131. --
~Lemport~, Über d. Pepton d. süß. Mand. Pharm. Zeitschr. f. Rußland
1897, 528. -- ~Ortloff~ (Analyse d. Emulsins). Arch. Pharm. 98
(1846). 12. -- ~Hérissey~ (Emulsin in Lichenen). Journ. pharm. chim.
1898, 578 u. Rech. sur l’émulsine. Thèse Paris 1899. -- ~Brachin~,
Lactase Thèse Paris 1904. -- ~Heut~, Emulsin. Arch. Pharm. 1901, 581
(dort d. Lit.). -- ~Rosenthaler~, Biochem. Zeitschr. 1908-1910. --
~Caldwell~ und ~Courtauld~, Proc. Royal Soc. 79, 350. -- ~Armstrong~
und ~Horton~, Ebenda 80, 321. -- ~Euler~, Allg. Chem. d. Enzyme.
1910. -- ~E. Fischer~, Vers. m. Emulsin. Ber. d. chem. Ges. 1894,
2990. -- ~Benecke~, Lieb. Ann. 122, 249 u. 127, 105. -- ~Portes~,
Journ. pharm. chim. 1877, 30. -- ~Langley~, Journ. am. chem. soc.
1907. -- ~Osborne~ u. ~Campbell~, Journ. am. chem. soc. 1896. 609. --
~Osborne~ u. ~Clapp~, Am. journ. phys. 1908, 470. -- ~Muss-Arnolt~,
Transact. am. ph. assoc. 23, 106. -- ~Commaille~, Thèse Marseille,
Jahresb. d. Chem. 1866, 712. -- ~Ritthausen~, Eiweißkörper 1872 u.
Journ. pr. Chem. (2) 23, 24 und 26. -- ~Bourquelot~ u. ~Hérissey~,
Compt. rend. 137 (1903), 56 u. Journ. pharm. 1903. -- ~Barbieri~,
Journ. pr. Chem. (2) 18, 102. -- ~Mario Tonegutti~, Pharm. Centralbl.
1911, 332 u. 744. -- ~Dunlap~ und ~Seymour~, Journ. am. soc. 27,
935. -- ~Godet~ (Stickstofffreie Bestandt.), Diss. Zürich 1909. --
~König~, Nahrungs- und Genußm. (dort d. chem. Lit.). -- Älteste
Analyse: ~Zwinger~ (~Hegner~), Analysis fruct. amygd. Basil 1703.
+Öl+: ~Fleury~, Ann. chim. phys. 4 (1865) 38. -- ~Vohl~, Dingl.
Polyt. Journ. 200 (1871) 410. -- ~Flückiger~, Pharmakogn. -- ~Hazura~
und ~Grüssner~, Monatsh. f. Chem. 10, 242 (Ber. d. chem. Ges. 1889
Ref. 578). -- ~Lewkowitsch~ a. a. O. -- ~Hehner~ und ~Mitchell~,
Analyst 1896, 328. -- ~Allen~ und ~Brewis~, Pharm. Journ. 1900, 87.
-- Über das Mandelgummi vgl. oben S. 455 u. ~Hoffmeister~, Ber. d. d.
Bot. Ges. 1898, 289.
=Anwendung.= Die süßen Mandeln dienen außer zur Ölpressung zur
Bereitung der Emulsio amygdalarum, Syr. amygd. usw., sowie in der Küche
und der Patisserie.
[Illustration: Fig. 188.
Epidermiszellen der Samenschale. 1 der Mandel, 2 des Pfirsich, 3 der
Aprikose, 4 der Reineclaude, 5 der Zwetsche. [Nach +Hannig+.]]