=Geschichte.= Die Erdnuß war, was ebenfalls für ihren amerikanischen

Ursprung spricht, im Altertum und Mittelalter unbekannt. Zuerst wird

die Manifrucht 1547 bei ~Fernandez de Oviedo~ (I, S. 755) in dessen

Cronica de las Indias Lib. VII, cap. 5 fol. 1074 von Hayti erwähnt,

wo sie von den Eingeborenen kultiviert wurde. ~Monardes~ (I, S. 780)

berichtete 1569, daß sie bei den Indianern am Maranon in großem

Ansehn stehe. Die französischen Kolonisten unter ~Coligny~ trafen

mandobi 1555 in Brasilien, ~Sloane~ Arachidna Indiae utriusque in

Westindien und ~Jean de Léry~ (I, S. 764) beschrieb die Pflanze.

Abbildungen finden sich dann bei ~Johannes de Laet~ in dessen

Histoire du nouveau monde 1640 und bei ~Marcgraf~ (I, S. 893) unter

dem Namen mundubi (~Hanbury~). Erdnüsse finden sich auch unter den

altperuanischen Grabbeigaben (~De Candolle~). 1697 wurde die Pflanze

in +Helmstedt+ kultiviert (~Stisser~, Botanica curiosa). Der Name

Arachis wird zuerst von ~Ray~, dann von ~Plumier~ und ~Sloane~

benutzt (~Bentley-Trimen~). Er ist abgeleitet von ἀράχιδνα, womit

von ~Theophrast~ eine andere Leguminose (nach ~Sprengel~: _Lathyrus

amphicarpus_ ~Dorth~) bezeichnet wurde. Die Arbeiten von ~Sonnini~,

Traité de l’arachide ou pistache de terre Paris 1808 und ~Cadet~,

Sur la cacahuaté ou mani d’Amérique in Journ. pharm. I (1815), 37,

sowie die chemische Untersuchung von ~Payen~ und ~Henry~ (Journ.

chim. Amérique. 1825, 431) lenkten in Europa die Aufmerksamkeit auf

die Erdnuß. Aber erst der französische Colonist ~Jaubert~ in Gorée,

nahe den Capverden, führte sie 1840 als Ölsaat nach Marseille ein,

wohin von dann an steigende Mengen von der Westküste von Afrika

gelangten (1867 schon 66 Mill. kg). In der zweiten Hälfte des XIX.

Jahrh. breitete sich die Kultur der Erdnuß über die Erde aus. Um 1860

kam sie über China nach Indien (~Dymock~) -- sie heißt in Indien

noch heute chini-badam (= chinesische Mandel). Die Kultur nahm dort

einen so raschen Fortgang, daß schon 1877: 7130 cwts nuts und 20387

cwts oil von Madras exportiert werden konnten und 1897 schon 112000

acres unter Erdnuß standen. Nach Westindien kam sie zuerst von

Brasilien, dann -- in neuerer Zeit -- von Afrika aus. Zuerst kam das

Öl in die Pharmacopeia of India, erst neuerdings auch in europäische

Pharmacopoeen, z. B. die Pharm. helvet. IV.

=Lit.= ~Carrère et Holle~, Le Sénégambie française 1855. -- ~Duval~,

Colonies et politique coloniale de France 1864. -- ~Mavidal~, Le

Senegal. Paris 1863. -- ~Faidherbe~, Le Senegal 1889. -- ~Poiteau~,

Ann. sc. nat. bot. 19 (1853), 268. -- ~Flückiger-Hanbury~,

Pharmacographia. -- ~Beyerinck~ und ~Wijs~, Aardnoot en de

aardnooten-olie. Bull. Kolon. Mus. Haarlem 1896 (Monographie). --

~Taubert~ in Engler-Prantl, Pflanzenfam. -- ~Schweinfurth~, Im Herzen

Afrikas I 273. -- ~Semler~, Trop. Agrikultur. -- ~Block~, Geogr.

Verbr. d. Erdn. u. Bedeut. als Nahrungsm. Zeitschr. f. Kolonialpolit.

VI. -- ~Watt~, Dict. econ. prod. -- ~F. Kurtz~, Sitzungsber. d.

Bot. Ver. d. Prov. Brandenb. 1875. -- ~Sadebeck~, D. Kulturgew. d.

deutsch. Kolonien 1899. -- ~Warburg~, Fette u. Öle aus deutschen

Kolonien. Chem. Centralbl. 1897. -- ~Woldt~, Deutschl. Interess. im

Niger- u. Kongogebiet. -- ~Vogl~, Nahrungs- u. Genußm., Fig. 159

u. 160. -- ~Bentley-Trimen~, Med. pl. t. 75 (dort d. ältere Lit.).

-- ~Benecke~, Mikr. Unters. d. Kraftfutterm. 1886. -- ~Böhmer~,

Ölkuchen in ~Dammers~ Lexikon d. Verfälsch. -- ~Bilteryst~, Rech. de

l’arach. etc. Journ. pharm. 1897, 29. -- ~Winton~, Anatomy of the

peanut etc. Conn. Agr. Exp. Stat. Rep. 1904, 191. -- ~Möller-Winton~,

Mikroskopie, Fig. 317-322. -- ~T. F. Hanausek~ in Wiesner, Rohstoffe

II. Aufl. (mit Abbild.). -- ~Flückiger~, Arch. Pharm. 1869. --

~Flückiger-Hanbury~, Pharmacographia -- Pharmacogr. indica. --

~Harz~, Landwirtsch. Samenkunde. -- ~Benson~, The ground nut. Dep.

Land. Rec. agric. Madras 1899. -- ~K. Braun~, Die Erdnuß (Kultur).

Pflanzer, Amani, 1910 (Flugblatt). -- Erdnußindustr. in d. Ver.

Staaten. Chem. Zeit. 1900, Nr. 38. -- ~Sadtler~, Peanutoil and its

uses in pharm. Am. Drugg. 31 (1897). Lipase: ~Dunlap~ und ~Seymour~,

Journ. am. soc. 27, 935. -- ~König~, Nahrungs. u. Genußm. (dort die

chem. Literatur). Weitere chem. Lit. in ~Wehmer~, Pflanzenstoffe.

+Öl+: ~Hazura~ und ~Grüssner~, Monatsh. f. Chem. 1889, 242. --

~Hartwich~ und ~Uhlmann~, Arch. Pharm. 1903, 111. -- ~Kreis~, Chem.

Zeit. 1895, 451. -- ~Baczewski~, Arachis. Ber. chem. Ges. 1896. --

~Lewkowitsch~, Chem. Techn. d. Öle 1905 (dort d. Lit.). -- Erkennung

von Erdnußöl in anderen Fetten: ~Guarnieri~, Staz. sper. agr. ital.

1909, 408. -- ~Muntz~, ~Paulmyer~ u. ~Rivals~, Monit. scient.

1909. 785. -- +Preßkuchen+: ~Nördlinger~, Erdnußgrütze. Zeitschr.

Angew. Chem. 1892, 689. -- ~Tuson~, Pharm. Journ. 7 (1876) 332.

-- ~Uhlitzsch~, Landw. Versuchsstat. 1892, 385. -- ~Klingenberg~,

Zeitschr. f. phys. Chem. 1882, 155. -- ~Collin-Perrot~, Residus

industr. (Fig. 65. Querschn. durch die Fruchtschale).

3. Nichttrocknende Öle.

Die nichttrocknenden Öle zeigen eine niedrigere Jodzahl als die

trocknenden und die halbtrocknenden. Linolensäure scheint ganz zu

fehlen, Linolsäure nur in geringer Menge vorhanden zu sein. Sie

erhärten wegen ihres Gehaltes an Ölsäure bei der Elaidinprobe.

Semen Amygdalae dulcis und Oleum Amygdalae.

=Syn.= Amygdala dulcis, süße Mandel -- amande douce (franz.) -- sweet

almond (engl.) -- mandorla dolce (ital.).

Der Baum: Mandelbaum -- amandier (franz.) -- almond tree. (engl.) --

amandelboom (hol.) -- mandola, mandorlo (ital.) -- almendro (span.)

-- amendoeira (port.) -- mandelträd (schwed.) -- mindaluve derevo

(russ.) -- him-ho-gin (chin.).

Bei ~Theophrast~: ἀμυγδαλῆ (die Frucht ἀμυγδάλη) -- bei

~Dioskurides~: ἀμυγδαλέα und ἀμύγδαλον -- bei ~Columella~ und

~Plinius~ der Baum: amygdala (die Frucht nux graeca, so schon bei

~Cato~). Später dann (z. B. in Medicina Plinii IV. Jahrh.): amandola,

bei ~Carl~: amandalarios, bei ~Albertus Magnus~: amigdalus, bei

der ~Hildegard~: amygdalus, -- in der Alphita (I, S. 654) oleum

amigdalinum (metopium ex amigdalis amaris) -- bei ~Ibn Baithar~:

lauz, lawz (Ol. amygdalar. = duhn al-lauz al murr) -- bei ~Najm

Ad-Dyn Mahmud~ (I, S. 611) laouz ḥoulou -- +aramäisch+ und +syr.+

schegʿdā, -- +hebr.+ schaked, luz oder lus -- +arab.+ louz davon

berberisch: talouzet (die Mandel: schekedim) -- +pers.+ badam. --

Der Mandelbaum hat keinen Sanskritnamen. Bei Sanskritschriftstellern

findet sich der (persische) Name bádám. (hind.) oder vádam (tam.). --

In +China+: hang, die süßen Mandeln: hangjin und tʿien-mei.

=Etym.= ἀμυγδάλη ist wohl sicher ein Lehnwort, doch ist, bemerkt

~Schrader~, seine Quelle noch nicht nachgewiesen (~Grassmann~: der

Name stammt wahrscheinlich aus Asien). Im persischen +Makhzan+

heißt ein Gummi liefernder Baum ammughilán oder mughilán (oben

S. 453). Dies dürfte auf eine Amygdalacee gehen und aus dem dem

Worte zugrunde liegenden persischen Stamme ist vielleicht das

griechische ἀμυγδάλη hervorgegangen. Die bittere Mandel heißt im

Persischen munga, die Bohne im Indischen mudga. _Amygdalus_ stammt

also möglicherweise aus dem Persischen oder Indischen -- vielleicht

liegt auch die Urheimat der Pflanze in Persien, das heute noch

viel Mandeln produziert. ἀμυγδάλη ist freilich auch der Name der

phrygischen Cybele (und bedeutet große Mutter), und da der früh aus

dem Winterschlaf erwachende Mandelbaum aus dem Blute der Göttermutter

entstanden sein sollte, so zog ~Mowers~ den Namen amygdalê hierher,

was aber ~Schrader~ ablehnt. Die Ableitung von ἀμυχή (wegen der

vielen Ritzen der Steinschale, ~Herodianus~) wird abgelehnt, ebenso

die von syr. ah-mügdala (= schöner Baum). Aus ἀμυγδάλη ging dann

unter volksetymologischer Anlehnung an mandere und amarus das lat.

amandula, amandola und dann das ital. mandorla hervor (~Schrader~),

angls. magdalatreow, mhd. mandel, ahd. mandala, nach ~Baist~ aus lat.

amandula bzw. amundala. Bei Prunus sagt Isidorus (in seiner bekannten

Weise!) «+Pruna+ est, quam diu ardet; pruna autem perurendo dicta».

Andere leiten Prunus (s. auch oben S. 57) von πύρινος = feurig oder

προῦνος = wilder Ölbaum oder πρῶμος = frühzeitig ab (~Kanngiesser~).

=Stammpflanze und systemat. Stellung.= =Prunus Amygdalus= ~Stokes~

(Amygdalus communis L.) var. =physiologica dulcis= ~Tschirch~ (Prun.

Amygd. ~Stok.~ var. β dulcis P. ~Dc.~, Amygdalus dulcis ~J. Bauh.~) mit

zahlreichen Spielarten.

Die Botaniker unterscheiden von _Prunus Amygdalus_ ~Stokes~ Bot.

mat. med. III, 101, non ~Baillon~ (_Amygdalus communis_ L. Spec.

pl. ed. I 473) die «Varietäten» var. β _dulcis_ ~P. Dc.~ mit

harter Steinschale und süßlich schmeckenden Samen, Blumen vor den

Blättern, var. α _amara_ ~Hayne~ mit harter Steinschale und bitteren

Samen, Staubgefäße bisweilen unterwärts behaart, var. γ _fragilis_

~Borkhausen~ mit zerbrechlicher Steinschale und süßlichen Samen

(Knack- oder Krachmandeln), Blumen gleichzeitig mit den Blättern,

var. δ _macrocarpa_ mit großer Frucht und harter Steinschale.

Blumen heller rot, vor den Blättern und var. ε _persicoides_ ~Sér.~

(Pfirsichmandel mit mehr fleischiger Frucht, wohl ein Bastard mit

dem Pfirsich). In Turkestan gibt es wilde Mandeln mit glattem Stein.

Da es kein einziges durchgreifendes +systematisch-botanisches+

Merkmal gibt, welches den die süße Mandel liefernden Baum von

dem die bitteren liefernden unterscheidet (die als Unterschied

angeführten Drüsen am Grunde der Blätter von _dulcis_ fehlen auch

hier bisweilen), der einzig durchgreifende Unterschied vielmehr ein

+chemischer+ ist, der auf der Bildung von Amygdalin in den Samen der

bitteren Mandel beruht, so kann man auch nicht von einer Varietät

im botanischen Sinne sprechen, sondern muß den von mir eingeführten

Begriff der physiologischen Varietät hier benutzen. Oft genügt schon

Umpflanzen in besonders guten Boden, um einen «bitteren» Mandelbaum

zum «süße» Früchte Tragen zu veranlassen (~Lippmann~).

Die meisten Forscher betrachten die süße Mandel als durch Veredelung

aus der bitteren hartschaligen hervorgegangen. Doch kommen in Kerman

in Südwestpersien wilde (oder verwilderte?) süße +und+ bittere

Mandeln nebeneinander vor.

+Rosaceae+ -- +Prunoideae+, Untergattung II Amygdalus ~Tourn.~

[Illustration: Fig. 184.

_Prunus Amygdalus._

A Frucht von außen. B Frucht aufgeschnitten, um den Steinkern zu

zeigen. C und D Same längs durchschnitten. E Same quer durchschnitten.

[Nach +Focke+ in +Engler-Prantl+, Pflanzenfamilien.]]

=Beschreibung der Stammpflanze.= Der Mandelbaum ist von mäßiger Höhe

(selten bis 10 m) und besitzt eine breitästige Krone oder ist nur

strauchig, nur an den Kurztrieben blühbar. Die spiralig gestellten,

4-10 cm langen Blätter besitzen 1,2-2,5 cm lange Stiele. Die kahle

Spreite wechselt bei _Prunus Amygdalus_ nach der Form (lanzettlich bis

eilanzettlich) und der Ausbildung des Randes (sehr schwach gekerbt

oder gesägt). Bisweilen finden sich am Grunde der Lamina ein oder zwei

Drüsen. Die kurzgestielten, perigynen Blüten sitzen zu 1-3 an der

Spitze der Kurztriebe. Die Kelchröhre, der Axenbrecher, ist 4-5 mm

lang, glockenförmig, kahl, wenig deutlich zehnnervig, innen mit einem

Nektar absondernden Gewebe ausgekleidet, etwa bis zur Hälfte behaart.

Sie löst sich von der heranreifenden Frucht durch einen ringförmigen

Spalt ab. Die fünf, unten braunroten, oben grünen Kelchblätter sind

abstehend, oblong bis oblong-lanzettlich, am Rande gewimpert, die fünf

bis 2 cm langen, zart rosenroten, mit dunkleren Adern durchzogenen

Blumenblätter sind oblong bis breit-umgekehrt-eiförmig, an der Basis

kurz keilförmig-genagelt, an der Spitze etwas ausgerandet (der Pfirsich

hat dunklere Blüten), die etwa 30 ungleich langen, in fünf episepalen,

dem Rande des Achsenbechers inserierten, Phalangen angeordneten Stamina

besitzen rosenrote Filamente. Das der Basis des Achsenbechers stiellos

inserierte Gynaeceum besteht aus einem am Grunde dicht behaarten

Carpell und läuft in einen langen Griffel mit kopfiger Narbe aus. Die

einfächerige Frucht ist eine etwa 3,5-4 (selten bis 6) cm lange und

2,5-3 cm breite, seitlich zusammengedrückte Steinfrucht (drupa), die

an der Rückenseite eine Furche besitzt, an der die Frucht aufspringt.

Das graugrünliche Epicarp ist sammetartig behaart, das Mesocarp lederig

zäh, das Endocarp als gelbe, derbe Steinschale (coque) entwickelt, die

an der Vorder- und Rückenseite breit und scharf gerandet, innen glatt

und glänzend, aber außen mit unregelmäßigen Vertiefungen versehen ist

(Fig. 184 B) (bei den dünnschaligen Krachmandeln ist die Steinschale

dünn und zerbrechlich). Von den zwei anatropen, an der Bauchnaht

hängenden Ovulis, die in dem Fruchtknoten liegen, schlägt meist

das eine fehl (wo es sich ebenfalls entwickelt, entstehen die sog.

«Vielliebchen»), so daß in der Fruchthöhle nur ein Same liegt, der

vorwiegend aus den beiden plankonvexen Cotyledonen besteht. _Prunus

Amygdalus_ blüht vor Austreiben des Laubes oder gleichzeitig mit dem

Erscheinen der ersten Blättchen im März bis April, im Süden schon im

Februar. Der Fruchtansatz erfolgt in Italien im März. Er leidet daher

von Frühjahrsfrösten. Die Urheimat des Mandelbaums ist wahrscheinlich

im westlichen Asien, vielleicht besonders in Persien, zu suchen (s.

oben). In Mesopotamien, Kurdistan, Turkestan (~Boissier~) und dem

Antilibanon (bis 3200 m), sowie Karmel (~Tristram~), am Hermon,

wo er zwischen 1000 und 1600 m gebüschbildend auftritt, ferner in

Persien (am Berge Avroman in Kurdistan zwischen 2200 und 2900 m), in

Afghanistan (~Atchison~), im oberen Zarafshanthal, in Turkestan, im

Tschotkalgebirge (~Capus~) und Transkaukasien (~Medwedew~) findet sich

der Mandelbaum, der süße und der bittere, wild, ob auch in Sizilien,

Griechenland (~Heldreich~) und Algerien (~Cosson~) ist zweifelhaft.

Im Mittelmeergebiet ist er wohl nur verwildert. Die Mandel reift ihre

Früchte nördlich der Alpen nur in der Rheinebene, am Oberrhein, an der

Bergstraße, in der Rheinpfalz und im Wiener Becken. An der südöstlichen

Küste Norwegens, c. 59° n. B., reift sie noch bisweilen in warmen

Sommern (~Schübeler~).

[Illustration: Fig. 185.

_Prunus Amygdalus._

Längsschnitt durch die Drupa. m Mesokarp. st Endokarp (Steinschale). f

Funiculus. [Nach ~Moeller~, Lehrbuch.]]

=Lit.= ~Focke~, Rosaceen in Engler-Prantl. -- ~Baillon~, Hist. d.

pl. (Monogr. Rosac. 1869). -- ~De Candolle~, L’orig. d. pl. cult. u.

Géogr. botan. -- ~Boissier~, Flor. orient. -- ~Christ~, Pflanzenleb.

d. Schweiz. -- ~Capus~, Sur l. plant. cultiv. qu’on trouve à l’état

sauvage etc. dans le Thian Schan. Ann. sc. nat. (7) 18 (1884) 278.

(~Flückiger~, Pharm. Zeit. 1884, 878.) -- ~Schübeler~, Kulturpfl.

Norwegens 1862. -- ~Heldreich~, Nutzpfl. Griechenlands 1862. --

+Abbild.+: ~Berg-Schmidt~, Atlas 2. Aufl., t. 62 (dort die botan.

Lit.). -- ~Pabst-Köhler~, Medizinalpfl. t. 94. -- ~Bentley-Trimen~,

Medic. plants t. 99. -- ~Nees von Esenbeck~, Plant. med. t. 312 u.

313.

=Pathologie.= Über die pflanzlichen Schädlinge berichtet Prof.

~Ed. Fischer~: _Amygdalus communis_ wird ebenso wie alle unsere

Steinfruchtarten von _Clasterosporium carpophilum_ (~Lèv.~) ~Aderh.~

befallen. Dieser Pilz greift Blätter, Blattstiele, Triebe und Früchte

an; verursacht auf den Blättern runde abdorrende Flecken und auf den

Früchten schorfartige Bildungen. (Lit. ~Aderhold~, Über die Sprüh-

und Dürrfleckenkrankheit des Steinobstes. Landwirtschaftl. Jahrbuch

1901, derselbe: Über Clasterosporium carpophilum und die Beziehungen

desselben zum Gummiflusse des Steinobstes. Arbeiten der Biol. Abt.

des Reichsgesundheitsamtes für Land- und Forstwirtschaft II 1902.)

Wichtig ist ferner _Gloeosporium amygdalinum_ ~Brizi~, welches die

Anthracnose des Mandelbaumes hervorruft und namentlich dann schädlich

ist, wenn es die +jungen+ Früchte befällt, da diese zum Absterben

oder Abfallen gebracht werden (s. ~Brizi~, Eine neue Krankheit des

Mandelbaumes. Zeitschr. f. Pflanzenkrankheiten, Vol. VI 1896, p. 65).

Über die tierischen Schädlinge von _Prunus Amygdalus_ vgl. _Cerasus_

(S. 72) und _Cydonia_ (S. 330). Die trockenen Mandeln werden oft von

_Sitodrepa panicea_ und _Coccotrypes_ zerstört (I, S. 379).

=Kultur.= Der Mandelbaum wird in Südeuropa, im Orient, Nordafrika

und England kultiviert. Er verlangt ein warmes, lufttrockenes,

subtropisches Klima, jedenfalls keine Fröste zur Blütezeit und

trockenen, lockeren, tiefgründigen, kalkhaltigen Boden. Die bittere

Mandel ist klimahärter (~Semler~). Die Kultur der süßen Mandel ist im

südlichen und südwestlichen Frankreich beträchtlich, wird aber dort

nur als Nebengewerbe betrieben. Mandelpflanzungen legt man in Italien

gern dort an, wo vorher Oliven standen (~Valiante~). In Italien

werden die Wildlinge, welche man als Unterlage für die Pfropfreiser

guter Varietäten der Mandel braucht, aus hartschaligen einsamigen

Mandeln gezogen. Die Mandel wird aber auch oft auf den Pflaumenbaum

und den Pfirsich gepfropft. Der gepfropfte Baum gibt vom 15. Jahre

an Früchte, vom 30-40. Jahre den Maximalertrag. Dieser beträgt 50

l Früchte = 8-9 l Samen (~A. Meyer~). 1 Hektar liefert c. 500 kg.

geschälte M. In Persien, wo der Baum sehr häufig ist und die Mandeln

viel benutzt werden, wird er besonders in Yedz und Kirman, dann auch

in Afghanistan kultiviert. Die Steinschale wird mit einem hölzernen

Hammer aufgeklopft oder (in Amerika) mit einer Maschine aufgebrochen.

In Südfrankreich werden die Mandeln geschwefelt (Schwefelbleiche).

Die besten Spielarten hat Frankreich und Californien. ~Semler~ nennt

folgende: Amande des dames (A. dela princesse), Languedoc, Sultana,

Pistache, Douce à coque duce, Jordanmandel, breite Valencia und die

kalifornischen: Excelsior, Non plus ultra, Nonpareil, Suprema u. and.

Der Ertrag einer Mittelwelternte wird auf 35-50 Mill. kg geschätzt

(~Tunmann~). Die Hälfte davon liefert Italien, speziell Sizilien.

=Lit.= ~Bianca~, Manuale della coltivazione del Mandorlo in Sizilia.

Palermo 1874.

=Handelssorten.= Süße Mandeln kommen aus +Südfrankreich+ (Provence,

bes. Aix), +Italien+ (Puglia, Apulien, Florenz, Bari, Neapel, Sizilien,

bes. Avola bei Syracus), +Spanien+ (Malaga, Valencia, Alicante,

Mallorca), +Portugal+ (Lissabon, Oporto), Dalmatien, Griechenland

(Aegina, Chios), der Levante, Syrien, Persien, Süd-Rußland, Nordafrika,

+Marokko+ (Rebat, Mogador), Tripolis, Algier und den Canarischen

Inseln, sowie Kalifornien. Die spanischen, besonders die Valencia- und

Alicantesorten sind die größten und besten, auch die Malaga-Mandeln

(sog. Jordan-M.) sind groß und gut, ebenso die Florentiner (Ambrosia)

Mandeln, die südfranzösischen und italienischen (z. B. die Puglieser,

Communmandeln) sind kleiner und dicker und weniger gut. Am wenigsten

geschätzt sind die berberischen aus Afrika, die persischen, syrischen

und griechischen.

Die Oporto-, Malaga- und Valencia-Mandeln kommen gewöhnlich in Körben

und Fässern, die anderen in Ballen, Säcken und Matten von 100 kg, die

Barbarice- (Marokko) Mandeln in Seronen à 100 kg in den Handel.

Die bitteren Mogadormandeln sind meist mit süßen Mandeln vermischt.

Die Krachmandeln (amandes à la princesse) kommen besonders aus

Südfrankreich und Sizilien. Nach Indien gelangen viel Mandeln vom

persischen Golf. Mandelöl ist in Indien kein Handelsartikel. Auch

Amerika liefert jetzt viel Mandeln. Die chinesischen Mandeln sind die

genießbaren Kerne einer Aprikosenart (~Hance~, ~Bretschneider~).

=Handel.= +Italien+ produziert jährlich c. 20 Mill. kg Mandeln. Es

exportierte mandorle sonza guscio 1908: 177683, 1909: 105913 quint.;

mandorle col guscio, 1908: 22872, 1909: 10762 quint. +Frankreich+

führte 1908: 45410 Quint. +Amandes+ en coques und 58185 Qint. A. sans

coques ein, besonders aus Spanien, der Türkei und Italien, weniger

aus Griechenland und Marokko, unbedeutende Mengen aus Algier und

Tunis. Frankreich exportiert für 16 Mill. M. jährlich (~Semler~).

+Hamburg+ importierte 1908 seewärts 75391 dz +Mandeln+, davon aus

Italien: 40884, Spanien: 15407, Marokko: 13210, Frankreich: 4816.

Weniger wie 1000 dz kamen aus Kleinasien, Persien, den kanarischen

Inseln, Syrien, der europäischen Türkei, Griechenland, Portugal usw.

+Deutschland+ importierte 1909: 6921000 kg +Mandeln+ (2600000 aus

Italien, 1300000 aus Marokko, 625000 aus Frankreich, 1700000 aus

Spanien, 640000 aus der Levante, 56000 aus Portugal). Nach ~Tunmann~

(Drogenhandel Hamburgs Apoth. Zeit. 1911) 1909: 9,66, 1910: 11,12

Mill. kg.

=Morphologie der Droge.= Die Droge besteht aus den aus der Steinschale

(s. oben) herausgelösten, in der Form wechselnden, bald mehr länglichen

(Provencer), bald mehr rundlichen (Puglieser), im allgemeinen

spitz eiförmigen, etwas flach gedrückten, bikonvexen (wo zwei Samen

ausgebildet wurden plankonvexen oder konkavkonvexen) Samen. (Nur die

Krachmandeln sind noch mit dem hier dünnen und zerbrechlichen Endocarp

und dem diesem aufsitzenden, zum Mesocarp gehörenden anastomosierenden,

weitmaschigen Gefäßbündelsystem bedeckt.) Sie besitzen eine wechselnde

Größe je nach den Spielarten, pflegen aber meist größer zu sein als

die bitteren -- es gibt aber auch kleinsamige Sorten (s. oben).

(Früher wurden als Varietäten _A. fructu majori_ und _A. fructu

minori_ unterschieden.) Die größten Sorten (Malaga-, Jordan-M.) sind

bis 4, die meisten 1,5-2,5 cm lang. Provencer Mandeln messen c. 2,8

: 0,9 cm, Puglieser Mandeln c. 2,0 : 1,4 cm (~Hartwich~). Sie zeigen

eine hellbraune, mit derbem, zimtbraunem, leicht abreibbarem Reif

bedeckte («bestäubte»), groblängsrunzelige Samenschale, die von

dunkleren, vertieften Adern durchzogen ist. Etwas unterhalb der meist

ziemlich scharfen Spitze liegt das Hilum. Von ihm läuft die selten

kielartig hervortretende Raphe zu der am abgerundeten breiten Ende des

Samens etwas seitlich verschoben liegenden, als große runde Erhebung

sichtbaren Chalaza. Hier tritt das Raphebündel ins Innere und sendet

von hier zahlreiche (16-18), rückläufig nach der Spitze des Samens hin

streichende verzweigte Bündelchen, die die Samenschale von Unten nach

Oben durchziehen.

Legt man den Samen in warmes Wasser, so löst sich die Samenschale samt

dem Nucellus- und Endospermreste (s. unten) leicht vom Samenkern ab.

Der letztere besteht aus zwei plankonvexen, weißen, öligfleischigen

Cotyledonen (Fig. 184), die außen die Abdrücke der Samenschalbündel

zeigen und die mit ihrem etwas verschmälerten Grunde der kurzen, gegen

das spitze Ende des Samens gerichteten Radicula derart angewachsen

sind, daß letztere zur Hälfte frei hervorragt, während ihre andere

Hälfte nebst der relativ großen länglich-eiförmigen Plumula von den

Cotyledonen eingeschlossen ist.

Süße Mandeln schmecken ölig-süß. Sie geben mit Wasser zerstoßen eine

weiße Emulsion, die weder Bittermandelgeruch noch Blausäurereaktion

zeigt.

=Anatomie.= Die Fruchtschale spaltet sich leicht in eine äußere

weiche und eine harte innere Schicht. Die letztere, die Steinschale,

zeigt zu äußerst ein von Sklereïden durchsetztes Parenchym. Die

harte Schicht ist fast ganz aus Sklereïden verschiedener Größe

aufgebaut. In der Mitte sind dieselben quergelagert, schmal und stark

verdickt, innen längsgelagert, alle farblos oder gelblich. Zwischen

den Sklereïden finden sich bisweilen Kristallzellen mit Drusen und

Einzelkristallen (~Moeller~).

[Illustration: Fig. 186.

_Prunus Amygdalus._

97 Same von außen, Ch Chalaza, R Raphe, n Hilum, g Gefaßbündel der

Samenschale. 98 Same längs durchschnitten, s Samenschale, nc Nucellus,

e Endosperm, oa Plumula. 99 Ovulum natürl. Größe. 100 Ovulum längs

durchschnitten, ii inneres, i äußeres Integument, g Funikularbündel.

101 junger Same. 102 derselbe längs durchschnitten (Bezeichnungen

wie in 100). 103 fast ausgebildeter Same längs durchschnitten. 104

Querschnitt durch die Randschicht des Samens, E äußere Epidermis, p

Nährschicht, Ei innere Epidermis der Samenschale, N Nucellusrest, En

Endosperm. 105 innere Epidermis und äußere Nucellusschicht aus dem

Stadium 103. 106 innere Nucellus- und äußere Endospermschicht des

nahezu reifen Samens. 107 Nährschicht (p) aus einem unreifen Samen.

[Aus +Arthur Meyer+, Wissenschaftl. Drogenkunde.]]

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 91 / 120 段