+Käfer+: _Haltica oleracea_ L., _flexuosa_ ~Ill.~, _nemorum_

L., _Psylliodes chrysocephala_ L. schädlich an _Brassica_- und

_Sinapis_arten. _Meligethes aeneus_ ~Fabr.~ Die Larven dieses Käfers,

die in den Schoten leben, verwüsten oft ganze Rapssaaten. Der Käfer

frißt Blätter und Blüten. _Balaminus brassicae_ ~Fabr.~ und andere

schwer bestimmbare _Balaminus_arten leben als Larven in den Schoten

von vielen Cruciferen und anderen Pflanzen. _Baridius chloris._

~Fabr.~ und andere _Baridius_arten leben in den unteren Stengelteilen

von _Brassica Napus_ usw. _Ceutorhynchus erysimi_ ~Fabr.~ _floralis_

~Payk.~, _sulcicollis_ ~Gyll.~ und viele andere Glieder der sehr

artenreichen _Centorhynchus_gattung leben auf Raps und anderen

Cruciferen, die Larven in den Stengeln oder Früchten. _Sulcicollis_

erzeugt an den Wurzeln Coleopterocecidien (Wurzelgallen).

+Falter+: _Pieris brassicae_ L., _Rapae_ L., _Napi_ L. Raupen an

_Brassica_arten usw. _Agrotis segetum_ W. V. Raupen nicht nur an

Getreidewurzeln, sondern auch an denen des Rapses und anderer

Pflanzen. _Mamestra brassicae_ L., _oleracea_ L. und sehr viele

andere Eulenraupen leben an allen möglichen Kohlarten. _Botys

extimalis_ ~Sc.~ Die Raupe dieser Pyralide lebt in den Schoten des

Rapses und Rettigs usw.

+Fliegen+: _Sargus formosus_ ~Scop.~, _Tipula oleracea_ L., _Ocyptera

brassicaria_ ~Fabr.~ Die Larven dieser Fliegen leben in den Knollen

von _Brassica_ usw. _Anthomyia brassicae_ ~Bouché~, Larve in den

Stengeln von Kohlarten. _Cecidomyia brassicae_ ~Winn.~, Larve in den

Schoten von _Brassica_- und _Sinapis_arten.

=Kultur und Handel.= In Europa werden Raps und Rübsen, die wohl aus

Südeuropa stammen, besonders in Deutschland, Rußland, Ungarn, England

und Italien, in Frankreich und Belgien besonders Winterraps gebaut.

+Es sind die bei uns am meisten kultivierten Ölpflanzen.+ Raps liebt

ein gemäßigtes, mehr warmes und feuchtes Klima, Rübsen gedeiht auch

in trockenem, rauhem Klima auf leichterem Boden, liefert aber 10%

weniger Ertrag. Die indische _Colza_ wird in den Nordwestprovinzen,

Pendschab, Cawnpore, Guzerat, Calcutta und Bombay, gebaut.

Die Ausfuhr von Rapssamen (rape) aus +Ostindien+ betrug 1908/9: 40064

cwts. Die Ausfuhr von Mustard- oder Rape oil betrug 1906/7: 273684

Gals, 1907/8: 273465 Gals, 1908/9: 170675 Gals.

=Anatomie.= Die Samenschale des Rübsen und Raps, die ähnlich der des

schwarzen Senf (s. d.) gebaut ist, zeigt, von der Fläche betrachtet,

bei schwacher Vergrößerung ein Maschennetz. Die verdickten Teile der

radialen Sklereïdenwände erscheinen im Querschnitt ungleich hoch oder

fast gleich hoch (ostind., die indischen Samen zeigen denn auch ein

deutlicheres Maschennetz, ~Kinzel~). Die schmale Schleimepidermis

quillt nicht oder wenig. Die Samen umgeben sich daher, in Wasser

geworfen, nur mit einer sehr schmalen Schleimhülle. Nur in der

Höhe des verdickten Teiles der Sklereïden, dem Durchmesser und dem

Rande derselben -- ob gerade oder krumm -- machen sich Unterschiede

bemerklich (Details bei ~Oliva~). Das Lumen der Sklereïden erscheint,

von der Fläche betrachtet, beim Rübsen enger wie beim Raps (~Harz~).

Eine Pigmentschicht ist deutlich. Die lappigen, Globoide führenden

Aleuronkörner sind am größten bei den Solitären des Winterraps.

=Chemie.= Die Zusammensetzung der Samen ist im Durchschnitt:

-----------+------+-----------+-------+---------------+--------+------

|Wasser|Stickstoff-| Fett |Stickstofffreie|Rohfaser|Asche

| | subst. | |Extraktstoffe | |

===========+======+===========+=======+===============+========+======

Raps | 7,28 | 19,55 | 42,23 | 20,78 | 5,95 | 4,21

Rübsen | 7,86 | 20,48 | 33,53 | 24,41 | 9,91 | 3,81

Indian Rape| 5,90 | 22,67 | 41,20 | 15,66 | 10,08 | 4,49

Bei der Spaltung des Glykosids entsteht hier Crotonylsenföl C₄H₇NCS

(~Stein~).

Das =Rüböl= (Kohlsaatöl, Colzaöl, huile de colza, Rape oil, Colza

oil, Olio di colza, Raapolie, κραμβέλαιον) wird meist nicht nach

den Stammpflanzen als +Rapsöl+ (huile de navette, Rape oil) und

+Rübsenöl+ (huile de rabette, Rubsen oil) unterschieden. Es wird

in der Weise gewonnen, daß die Samen zwischen Walzen gemahlen

werden und das Mehl gepreßt oder mit Schwefelkohlenstoff oder

Petroläther extrahiert wird. Das extrahierte ist reiner, aber der

Extraktionsrückstand ist nicht als Viehfutter oder doch nur in

Mischkuchen zu verwenden. Die Samen enthalten 33-43 (resp. 50)%

Öl. Beim Pressen erhält man 30-33% beim Winterraps, beim Rübsen

16-18%. Das rohe Öl ist dunkel. Es wird meist mit 1% Schwefelsäure

raffiniert. Dies Öl ist hellgelb, riecht charakteristisch und

schmeckt unangenehm herbe. In 100 T. Alkohol lösen sich 0,534 T.

~König~ gibt die elementare Zusammensetzung des Rapsöls zu C =

77,91-78,20, H = 12,02-12,08, O = 9,72-10,07%, die des Rübsenöls

zu C = 77,21, H = 13,36, O = 9,43% an. Rüböl enthält 1,02 (oder

weniger) feste Fettsäuren (~Tolman~ u. ~Munson~), +Arachinsäure+ und

+Lignocerinsäure+ (das Gemisch beider = rohe Arachinsäure [~Ponzio~,

~Archbutt~] oder Behensäure [~Reimer~ und ~Will~]), von ungesättigten

Fettsäuren: +Erucasäure+ und +Rapinsäure+ und wohl auch Säuren der

+Linol-+ und +Linolensäurereihe+. Das «Stearin» ist fast reines

Trierucin (~Lewkowitsch~) bzw. Dierucin (~Reimer~ und ~Will~).

Das Unverseifbare bilden die +Phytosterine+: +Brassicasterin+

(C₂₈H₄₆O) und +Sitosterin+ (? ~Welsch~). Es beträgt 0,5-1%, selten

mehr, nie über 2% (~Lewkowitsch~). Technisches Rüböl enthält freie

Fettsäuren (0,7-6,64% auf Ölsäure berechnet). Europäische Rüböle

zeigen, gleichviel welcher Provenienz, große Übereinstimmung. Die

Unterschiede, die ~Schädler~ von den Ölen der vier Varietäten angibt,

sind nicht durchgreifend, übrigens auch sehr gering. Das spez. Gew.

ist = (0,9112) 0,9132-0,9175 (meist nicht über 0,916, ~Lewkowitsch~),

der Erstarrungspunkt liegt bei -4 bis -6°, die Verseifungszahl ist

167,7 (~Crossley~ und ~Le Sueur~) bis 179 (~Allen~), meist 171-176

(~Lewkowitsch~), die Jodzahl 98,1-103,6 (~Lewkowitsch~), selten

bis 105, die Reichertzahl 0-0,79 (~Crossley~), die Hehnerzahl

94,56-96,3, Maumenéprobe 49-64° C. Das ostindische Rüböl (Colzaöl)

zeigt ein spez. Gew. 0,9141-0,9171, Verseifungszahl 169,4-173,4,

Jodzahl 94,1-104,8, Reichert-Meißlzahl 0-0,79, Hehnerzahl 94,56-96,3,

Säurezahl 1,42 bis 2,57 (~Crossley~ und ~Le Sueur~). Altes Rüböl

zeigt hohe Acetylzahlen (14,7-41,7, ~Gripper~). Die Fettsäuren zeigen

den Erstarrungspunkt 17-18,5°, Schmelzpunkt 16-22°, Jodzahl 96,3 bis

105,6, Acetylzahl 6,3, die flüssigen Fettsäuren eine Jodzahl von

114,3-125,5.

Rüböl verdickt sich beim Stehen und wird ranzig, jedoch ohne zu

trocknen. Es steht also zwischen den halbtrocknenden und den nicht

trocknenden.

Die rohen Cruciferenöle sind alle schwefelhaltig (143-240 mgr

S. im Liter Öl), jedoch sollen kaltgepreßte und gut raffinierte

Rüböle keinen Schwefel enthalten, wohl aber bisweilen die mit CS₂

extrahierten.

=Verfälschungen.= Rüböl wird mit Leinöl, Hanföl, Mohnöl,

Leindotteröl, Baumwollsamenöl, Ravisonöl, Hederichöl, mit Fischölen

und Tranen, Mineralöl, Harzöl und Walratöl verfälscht. Über deren

Nachweis vgl. bei ~Lewkowitsch~.

=Anwendung.= Rüböl wird besonders als Brennöl und Schmieröl, seltener

als Speiseöl und zur Margarinebereitung und in der Pharmacie

(als Olivenölersatz, wozu es nicht immer brauchbar ist) und zur

Seifenfabrikation benutzt. Es ist schwer verseifbar und wird leicht

ranzig. Rüböl wird viel als Wanzenvertilgungsmittel benutzt. (Wanzen

werden durch jedes Öl fast sofort getötet: sie ersticken darin.)

=Lit.= ~Prantl~ in ~Engler-Prantl~, Pflanzenfamilien. -- ~Luerssen~,

Mediz. pharm. Bot. -- ~Harz~, Landw. Samenk. -- ~T. F. Hanausek~

in ~Wiesner~ Rohstoffe, II. Aufl. -- ~Oliva~, Vgl. Anat. u.

entwicklungsgesch. Unters. über d. Cruciferensamen (Bern 1905).

Zeitschr. d. Österr. Apoth. Ver. 1905 (dort d. anatom. Detail m.

Abbild.). -- ~Hartwich-Vuillemin~, Beitr. z. Kenntn. d. Senfsam.

Apoth. Zeit. 1905. -- ~König~, Nahrungs- u. Genußm. -- ~Gross~,

Stud. über d. Rapspfl. Öster.-ung. Zeitschr. f. Zuckerind. 1900.

-- ~Schröder~, Unters. d. Sam. d. Brassicaart. Landwirtsch.

Versuchsstat. 14, 1871. -- ~Sempolowski~, Diss. Leipzig 1874. --

~Collin-Perrot~, Residus industriels (Anatomie und Zusammensetzung

des Preßkuchen). -- ~Lewkowitsch~ a. a. O. (dort d. chem. Liter.).

-- ~Schädler~ a. a. O. -- ~Mikosch~, Pflanzenfette in ~Wiesner~

Rohstoffe, II. Aufl. -- ~Steffeck~, Landw. Versuchsstat. 33 (1886),

411. -- ~Welsch~, Sterine. Diss. Freiburg i. B. 1909. -- ~M.

Schmitt~, Sind Rapskuch. infolge zu hohen Senfölgehalt. schädlich?

Diss. Bern 1909 (dort d. Lit.).

Die indischen Colzasorten bei ~Burchard~, ~Prain~ und ~Kinzel~,

Journ. f. Landw. 1894 u. 1896.

Zu den +halbtrocknenden Ölen der Rübölgruppe+ gehören ferner folgende

Samenöle:

Ravisonöl, Black sea rape oil von einer südrussischen wilden Varietät von _Brassica campestris_.

Hederichöl von _Rhaphanus Rhaphanistrum_.

Schwarzsenföl von _Brassica nigra_.

Indian mustard oil von _Brassica juncea_.

Weißsenföl von _Sinapis alba_.

Jambaöl von einer _Brassica-Varietät_.

Ackerrettichöl von _Sinapis arvensis_.

Rettichöl von _Raphanus sativus_.

Gartenkressensamenöl von _Lepidium sativum_.

Leindotteröl von _Camelina sativa_.

Rotrapsöl, huile de julienne von _Hesperis matronalis_.

Das _Ol. sinapis pingue_ aus holländ. schwarz. Senf ist ein gutes Öl für pharmazeutische Zwecke (~Schaumann~, Ph. Zeit. 1910, 160).

Die Cruciferenöle enthalten alle Erucasäure.

Die Gruppe des Arachisöls bildet den Übergang zu den nichttrocknenden

Ölen.

Fructus Arachidis und Oleum Arachidis.

=Syn.= Erdnuß, Erdeichel, Erdmandel, Erdpistazie, Erdbohne,

Schokoladenwurzel, Mandubibohne. Aschantinuß -- pistache de terre,

noix de terre, arachide -- ground nut, pea nut, monkey nut, manila

nut, earth nut, -- grondnooten. In Brasilien: mundubi. Auf den

Capverden: mancarra. In Spanien und Südfrankreich: cacahuete. In

Indien: buchanaka (Sansk.), múng phali, viláyetí-múng (hind.). In

China: loh-hwa-sang.

=Beschreibung der Stammpflanze und der Droge.= Die zu den Luguminosae

-- Papilionatae -- Hedysareae -- Stylosanthinae gehörige, nicht in

Afrika (~Flückiger~, ~Schweinfurth~, ~Willkomm~, ~Peters~), sondern

in Süd-Amerika (Brasilien) einheimische, jetzt in vielen tropischen

und einigen subtropischen Gegenden kultivierte, wild nicht bekannte,

vielleicht eine Kulturform von _Arachis prostrata_ darstellende

Stammpflanze der Erdnuß, =Arachis hypogaea= L. Spec. plant. ed. I,

741 (_A. asiatica_ ~Lour.~), ist ein einjähriges Gewächs, dessen

Wurzeln zahlreiche stickstoffbindende Wurzelknöllchen bildet und

bis 1 m lange, auf dem Boden ausgebreitete Stengel besitzt. Die

verkehrt eiförmigen, stumpfen Fiedern der Blätter sind gewimpert. Die

langgestielten, einzeln oder zu zweien in den Blattachseln stehenden

gelben Blüten sind zweierlei Art. Die oberen sind unfruchtbar und

fallen später ab, die in der Nähe des Bodens befindlichen dagegen

fruchtbar. Nach der Befruchtung verlängert sich der Fruchtstiel,

bisweilen bis auf 20 cm, und bohrt die junge Frucht in den Boden

(Fig. 183). Hier, also unterirdisch, entwickelt sich die Frucht zur

Reife (daher _hypogaea_ und +Erd+nuß). Die Pflanze lockt in Indien

zur Blütezeit große Mengen roter Ameisen an, die den Boden rings

um die Pflanze auflockern und so das Eindringen der Fruchtknoten

erleichtern (~Watt~, Dict. econ. prod.). In Spanien liefert eine

Pflanze bisweilen 80-100 Früchte.

Die +Hülsen+ liegen zur Reifezeit bis 10 cm unter dem Boden

und müssen daher ausgepflügt oder ausgehackt werden. Sie sind

einfächerig, enthalten aber bisweilen mehr wie einen (2-3, selten

bis 5) Samen (Fig. 183, rechts) und sind alsdann zwischen diesen

eingeschnürt. Auf der graugelblichen bis strohgelblichen Oberfläche

sind die nicht aufspringenden, 2-4 cm langen, walzlichen Früchte

mit Netzleisten versehen, die bei den Varietäten verschieden

stark hervortreten, bei var. _vulgaris_ z. B. oft verwischt,

bei var. _reticulata_ (Fig. 183) stark entwickelt sind, und in

denen die von viel sklerotischen Fasern begleiteten Bündel liegen

(~Moeller-Winton~). An der Spitze tragen sie eine Griffelnarbe

(callus stigmatiformis).

Die +Samen+ sind länglich-zylindrisch oder länglich-eiförmig, 6-18

mm lang, 3-6 mm breit, am einen Ende, dort wo Hilum und Radicula

liegt, schief und kurz gescheitelt, am anderen (an der Chalaza)

gewölbt oder schief abgeflacht (~Hanausek~). Unter der Spitze

liegt der Nabel, von dem die Raphe zur Chalaza läuft. Hier gabelt

sich das Bündel und seine sechs Äste kehren in der Samenschale in

regelmäßigen Abständen zur Spitze zurück. Die nicht ablösbare braune

Samenschale besitzt eine Epidermis, deren braune Zellen zahlreiche,

von der Außenwand in das Lumen weit vorspringende gerade oder

gekrümmte, schmale oder breite Zapfen zeigen, so daß sie, besonders

von der Fläche betrachtet, ein +sehr eigenartiges, für die Erdnuß

charakteristisches, kammartig gezähntes Bild darbieten+ (Abbild.

bei ~Vogl~ und ~Hanausek~). Die breite Nährschicht besteht in ihren

inneren Schichten aus einem obliterierten Sternparenchym, in dem

die zahlreiche Spiralgefäße führenden Gefäßbündel verlaufen. Die

innere Epidermis ist erhalten. An sie schließt sich eine schmale

Schicht an, die als ein Nucellarrest betrachtet wird. Das Gewebe

der dickfleischigen, leicht auseinander fallenden Cotyledonen

ist von einer Spaltöffnungen führenden Epidermis bedeckt und

besteht aus großen, relativ dünnwandigen, getüpfelten Zellen, die

Interzellularen zwischen sich lassen und neben Ölplasma, 3-15 mik.

große +Stärkekörner+ und 4-13 mik. große, oft ziemlich unregelmäßige,

globoidführende +Aleuronkörner+ enthalten. Das Vorkommen von Stärke

+und+ Aleuron in derselben Zelle ist sehr charakteristisch für die

Erdnuß.

[Illustration: Fig. 183.

_Arachis hypogaea._ [Aus +Sadebeck+, Kulturgewächse der deutschen

Kolonien.]]

=Pathologie.= Über die pflanzlichen Schädlinge berichtet Prof.

~Ed. Fischer~: In Java, in Indien, in Deutsch-Ostafrika tritt

eine Krankheit der Erdnuß auf, welche von _Septogloeum Arachidis_

~Raciborski~ hervorgerufen wird. Die Blätter bekommen dunkle,

gelbumsäumte Flecken und fallen dann ab, die Früchte schrumpfen

zusammen und werden wertlos. Weniger wichtig sind andere auf den

Blättern auftretende Parasiten: _Cercospora personata_ (~Berk.~ et

~Curt.~) ~Ell.~, _Puccinia Arachidis_ ~Speg.~ und _Uredo Arachidis_

~Lagh.~ -- Sehr verderblich ist nach ~Karosek~ (Gartenflora 1904)

in Deutsch-Ostafrika eine der Mosaikkrankheit des Tabaks ähnliche

Erkrankung (~Zimmermann~, Pflanzer 1907). Einer anderen gedenkt

+Braun+ (a. a. O.).

=Kultur und Handel.= _Arachis hypogaea_ gehört zu den wichtigeren

Kulturpflanzen der Tropen, die nicht allzu große Ansprüche stellt

und einen leichten aber kalkhaltigen (~Sadebeck~ 1877) Boden, sowie

viel Wärme verlangt. Trockner Sand gibt die hellsten, humusreicher,

feuchter Boden dunkle Samen. Die Samen keimen nach 8-14 Tagen,

die Früchte sind nach 4-5 Monaten reif. Das Enthülsen der Samen

geschieht bei großen Betrieben (z. B. in Amerika) mit Maschinen.

Die Fruchtschalen dienen als Brennmaterial. Der Versand geschieht

in Säcken. Im Kleinbetrieb liefert der Hektar 1500-1800 kg, im

Großbetrieb viel mehr. Das wichtigste Exportland ist +Westafrika+,

besonders die französischen Kolonien. Senegambien liefert aus dem

Norddistrikt (Rufisque, Cayor, Galam) die besten, weniger gute aus

dem Süden (Kapamanze), die schlechtesten kommen aus Sierra Leone und

Lagos. Man unterscheidet die guten Cayor- von den weniger gutes Öl

gebenden Galam-Nüssen. Ausfuhrplätze sind: Galam, Cayor, Rufisque,

Gorea, Albreda, Gambia, Sedhiou, Carabana, Casamance und Rio Nunez.

Ferner liefert der Sudan, die Gegend des Tsadsees, Darfur, die

Mombattuländer, Ostafrika, Sansibar, Mosambique viel Erdnüsse.

Sehr bedeutend sind die Kulturen in Ostindien (Coromandel, Madras,

Südindien, Bengalen, Bombay), Franz.-Indien und in Nordamerika

(Virginien, Georgia, Tennessee, Nord-Carolina), wo die Kulturen

bis 40° n. B. reichen, geringeren Umfang haben sie in Cochinchina,

Burma, China, Japan und den Sundainseln, sowie den Antillen, Mexiko,

Brasilien, Argentinien, Portugies. Ost- und Westafrika und den

deutsch-afrikanischen Besitzungen (Togo, Kamerun, Deutsch-Ostafrika).

Relativ unbedeutend sind sie in Ägypten, Tunis, Algier, Spanien,

Portugal, Südwestfrankreich und Unteritalien. Aus den Tropen gelangen

nach Europa meist die ungeschälten Erdnüsse, da die geschälten leicht

verderben, schimmeln und ranzig werden. Haupteinfuhrhäfen sind

Marseille, Hamburg, London, Liverpool, Rotterdam und Triest.

Die Produktion an Erdnuß ist enorm. +Indien+ allein exportierte

1907/08: 1524055, 1908/09: 1513364 cwts groundnuts und 1908/09:

93034 gals groundnut oil. +Nordamerika+ 1907: 6386012, 1909: 5501107

lbs peanuts. +Frankreich+ importierte 1901: 120400208 kg graines

d’arachides entières und 58132221 kg Arach. décortiquées, +Marseille+

1908: 85,6 Mill. kg A. décort. und 102 Mill. kg A. ent. Die Ölmühlen

Frankreichs verarbeiten jährlich mehr wie 100000 t Erdnüsse

(~Collin~). +Deutschland+ importierte 1910: 69,13 Mill. kg, +Hamburg+

1909: 19,54 Mill. kg Erdnüsse.

=Chemie.= Geschälte Erdnüsse (d. h. die Samen) enthalten im Mittel

in Prozenten: Wasser 7,48, Stickstoffsubstanz 27,52, Fett 44,49,

stickstofffreie Extraktstoffe 15,65, Rohfaser 2,37, Asche 2,49 (in

der Trockensubstanz 48,09% Fett). +Der Eiweißgehalt übertrifft den

der Erbse und Bohne.+ Erdnüsse enthalten viel +Stärke+ (s. oben),

4-5% der Stickstoffsubstanz sind in Form von Amiden vorhanden.

Nachgewiesen ist darin +Vernin+ (im Embryo) und +Arginin+ (~Schulze~

und ~Castoro~), +Cholin+, +Lecithin+, +Conglutin+ (~Ritthausen~), von

Enzymen besonders eine sehr aktive +Lipase+ (~Dunlap~ und ~Seymour~),

+Saccharose+ (~Burckhard~), angeblich auch ein nicht giftiges

Alkaloid (Arachin -- vielleicht Cholin?). Der +Pentosangehalt+

beträgt 4,12% (~Wittmann~). Apfelsäure (~Payen~ und ~Henry~) ist

zweifelhaft.

Der Ölgehalt des Samens schwankt außerordentlich. Tropische

Erdnüsse enthalten bis 55, subtropische oft nur 20%. ~Sadtler~

fand in Erdnüssen vom Senegal 51, vom Kongo 49, von Ostafrika 49,

von Bombay 44, von Madras 43, von Amerika 42% Öl. 43 bis 45% sind

Durchschnittszahlen. Das Öl wird in hydraulischen Pressen zunächst

zweimal kalt, dann warm abgepreßt -- oft in den gleichen Pressen wie

Sesamöl. (Es gibt daher bisweilen schwache ~Baudouin~sche Reaktion!)

Nur das erste, helle, kalt geschlagene Öl ist zu pharmazeutischen

Zwecken und als Speiseöl brauchbar. Das Öl wird in den

Produktionsländern (Indien, Westafrika), aber auch in Südfrankreich

(z. B. Marseille) und Deutschland (Harburg) gepreßt. Das Öl von

Rufisque und Gambia gilt als besser als das von Bombay und Coromandel.

Das =Erdnußöl=, =Oleum arachis= (huile d’arachide, arachis oil,

peanut oil, earthnut oil, olio di arachide, aardnoten olie,

ἀραχέλαιον, in Indien: katchung oil), setzt beim Erkalten eine

kristallinische Masse ab (margarine d’arachide). Die festen

Fettsäuren bestehen aus +Arachinsäure+ (~Allen~, ~Gössmann~),

+Lignocerinsäure+ (~Kreiling~), +Stearinsäure+ (~Hehner~ und

~Mitchell~) und vielleicht auch +Palmitinsäure+ (~Caldwell~) -- der

Gehalt an Arachinsäure beträgt c. 5% (4,5-5,5) --, die flüssigen aus

+Ölsäure+, +Hypogaeasäure+ (~Gössmann~ und ~Scheven~, ~Schröder~,

~Hazura~), +Linolsäure+ (~Hazura~ und ~Grüssner~). Die kalt

geschlagenen Öle enthalten nur geringe Mengen freier Fettsäuren,

die technischen Öle mehr (indische bis 16,5%, ~Crossley~ und ~Le

Sueur~). Arachisöl kann durch Abscheidung der krist. Arachinsäure

(d. h. roher, mit Lignocerinsäure vermischter) identifiziert und

quantitativ in Ölgemischen bestimmt werden (~Renard~, ~Lewkowitsch~,

~Tortelli-Ruggeri~, ~Kreis~ -- Vorschrift in Pharm. helv. IV).

Verseift man das Öl mit alkoholischer Natronlauge, verjagt den

Alkohol, scheidet die Fettsäuren mit Salzsäure ab und löst diese

in siedendem Alkohol, so scheidet sich die Roharachinsäure in

perlmutterglänzenden Kristallen (F. = 70-71°) ab. Erdnußöl gibt die

~Bellier~-Reaktion (Resorcin-Benzol + HNO₃, spez. Gew. 1,4).

Das spez. Gewicht des Öls beträgt: 0,911 (afrikan. Öl) bis 0,9256

(ostind.) -- Pharm. helv. IV verlangt 0,917-0,921 bei 15° und

0,864-0,865 bei 98° --, der Erstarrungspunkt -2,6 bis +3°, die

Verseifungszahl 185,6-194,8 (~Crossley~ und ~Le Sueur~), die Jodzahl

83,3-105 -- Pharm. helv. IV verlangt 85-100 -- (meist 90-96),

die Reichert-Meißlzahl 0-1,60, die Hehnerzahl 94,87-96,31, die

Maumenéprobe ergab 45,5-75°, der Brechungsexponent ist bei 40°

1,4626-1,4642 (Ph. helv. IV).

Der Erstarrungspunkt der Fettsäuren liegt bei 22-32,5°, ihr

Schmelzpunkt bei 27-35°, die Jodzahl ist 95,5-103,42, die Jodzahl

der flüssigen Fettsäuren 104,7-128,5 (vgl. bei ~Lewkowitsch~). Nach

vierstündigem Einlegen in konzentriertes Kali, dem konz. Ammoniak

zugesetzt wurde, entstehen im Öltropfen kurze, in halbkonzentriertem

lange, gebogene, oft lockenförmig gekrümmte Nadeln -- für dies

Öl sehr charakteristisch --, nach 24 Stunden auch Sphaerite

(~Hartwich-Uhlmann~).

+Erdnußmehl+ (Erdnußgrütze) enthält im Mittel in Prozenten: Wasser

6,67 (6,26), Stickstoffsubstanz 48,92 (47,46), Fett 14,61 (17,50),

stickstofffreie Substanz 22,99 (21,01), Rohfaser 3,91 (3,90), Asche

4,90 (3,87) (~König~).

+Erdnußschalen+ enthalten nur 5,68% Stickstoffsubstanz und 2,5% Fett,

aber 53,2% Rohfaser.

=Anwendung.= Die schwach gerösteten Erdnußsamen schmecken ähnlich wie

Mandeln und werden, ebenso wie die rohen, in den Tropen (Brasilien,

Indien, Afrika), aber auch neuerdings in Europa viel gegessen. Sie

sind jetzt regelmäßig in «Südfruchthandlungen» neben Feigen und

Datteln zu finden. Frisch haben sie einen nußartigen Geschmack.

Reichlicher Genuß von Erdnüssen soll Kopfweh verursachen (?). Unter

dem Namen Austria-Bohnenkaffee, wie afrikanischer Nußbohnenkaffee,

kommen die durch Pressen von einem Teile des Öls befreiten, aber

immer noch c. 17 (~Willert~), 19 (~Röhrig~, ~Vogl~) oder gar

fast 28% Fett zurückhaltenden gerösteten Samen in den Handel

(Beschreibung bei ~Vogl~). Sie sehen den Kaffeebohnen ähnlich.

Arachisöl ist ein brauchbarer Ersatz des Olivenöls. Nach Indian and

Colonial Addendum Brit. Pharmacop. ist Olivenöl durch Arachisöl zu

ersetzen in Indien, den afrikanischen, australischen und östlichen

Kolonien (vgl. I, S. 22). Es liefert ein vorzügliches Bleipflaster

(~Dymock~). In Spanien dienen die Preßrückstände mit Cacao, Zucker

und Gewürz gemischt der ärmeren Bevölkerung als Nahrungsmittel.

Man kann in Zeiten der Not aus Erdnußpreßkuchen ein billiges Brot

backen. -- Die Erdnußpreßkuchen, aus denen eine Grütze hergestellt

wird, bilden ein oft verfälschtes wertvolles Nahrungsmittel

(vegetabilisches Fleisch, ~Nördlinger~), ein sehr geschätztes

Mastfutter (~Uhlitzsch~, ~Collin-Perrot~) und ein gutes Düngemittel.

Erdnußmehl wird giftig durch beigemengte Ricinuskuchen (~Schmidt~)

oder durch Wechselwirkung mit beigefutterten anderen Nahrungsstoffen

(? ~Krüger~). Erdnußöl wird mit Mohnöl, Sesamöl (Furfurolprobe!),

Baumwollsamenöl (~Halphens~ Reaktion!) und Rüböl verfälscht (Nachweis

bei ~Lewkowitsch~).

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 90 / 120 段