in Prozenten: Wasser 5,71, Stickstoffsubstanz 18,77, Fett 36,81,
stickstofffreie Extraktstoffe 9,95, Rohfaser 25,23, Asche 3,53. (Fett
in der Trockensubstanz 39,04%.) Die Samen enthalten 30-45% Öl --
liefern aber bei der Pressung sehr viel weniger (s. unten) --, c. 18%
+Eiweiß+, c. 4% +Asche+ und c. 6% +Wasser+, ferner +Lipase+ (~Dunlap~
und ~Seymour~, ~Braun~ fand kein fettspaltendes Enzym), +Invertin+,
+Amylase+, +Raffinase+, ein proteolytisches +Enzym+ tryptischer Natur
(~Scurti~ und ~Parozzani~). Das lipolytische Vermögen des Crotonsamen
äußert sich merkwürdigerweise nicht am Crotonöl, wohl aber an Sesam-,
Oliven-, Ricinus- und Mandelöl, die zum Teil nahezu vollständig durch
die Lipase verseift werden. Das hydrolytische, Ester aufspaltende
Enzym der Samen vermag auch Saccharose zu invertieren und Stärke zu
verzuckern (~Skurti~ und ~Parozzani~). ~Elfstrand~ fand in den Samen
zwei giftige Eiweißkörper (Toxalbumine, Agglutinine), +Crotonglobulin+
und +Crotonalbumin+, die er aus ihrem Gemisch [+Crotin+ (~Braun~)]
isolierte. Sie verlieren durch Erhitzen ihre Giftigkeit. Crotin ist ein
Plasmagift. Es greift die Stromata der Blutkörperchen gewisser Tiere
an, bringt Milch zum Gerinnen, ist aber nicht fettspaltend. Verdauung
im Brutschrank schwächt es nicht ab (~Kobert~). Schon ~Stillmark~ gab
einen dem +Ricin+ ähnlichen Körper an. Die Eiweißkörper des Samens
liefern bei der Hydrolyse: Arginin, Histidin, Lysin, Glutamin, Leucin,
Phenylalanin usw. (S. 495).
Zweifelhaft sind das giftige (dem Cascarillin ähnliche) Alkaloid
Ricinin (~Tuson~ 1864) und Gummi. Das Alkaloid Crotonin (~Brandes~ =
Tiglin ~Adr. de Jussieu~) ist zu streichen (~Weppen~). Es ist fettsaure
Magnesia (~Soubeiran~). ~Elfstrand~ fand +kein+ Alkaloid. Die von
~Schlippe~ angegebene Angelicasäure ist Tiglinsäure, die flüchtige
Jatrophasäure (~Pelletier~ und ~Caventou~, ~Buchner~) ist wohl kein
Individuum. Sie soll mit der Crotonsäure (~Brandes~) identisch sein
(s. unten). Die Asche der Schalen beträgt 2,6%, die der bei 100°
getrockneten Kerne 3% (~Flückiger-Hanbury~).
Das aus den Samen durch kalte Pressung der von der Schale befreiten
Samen in Vorderindien gewonnene =Crotonöl=, =Oleum crotonis=,
(Granatillöl, huile de croton, Croton oil, olio di crotontiglio,
crotonolie, κροτωνέλαιον) ist gelb bis gelbbraun und enthält folgende
Säuren teils frei, teils in Form von Glyceriden: +Stearinsäure+,
+Palmitinsäure+, +Myristicinsäure+, +Laurinsäure+ (~Schlippe~),
+Valeriansäure+, +Buttersäure+, +Essigsäure+ (~Geuther~ und
~Frölich~), +Ameisensäure+ (~Schmidt~ und ~Berendes~), +Ölsäure+ (?
~Schlippe~, ~Benedict-Ulzer~) und +Tiglinsäure+ (nach ~Schmidt~ und
~Berendes~ = +Methylcrotonsäure+ von ~Frankland~ und ~Duppa~), andere
(~Geuther~, ~Buchheim~) geben auch +Oenanthylsäure+, +Capronsäure+,
+Crotonoleïnsäure+ (? ~Robert~ und ~Siegel~) und höhere Glieder der
Ölsäurereihe (~Schmidt~ und ~Berendes~) an.
Beim Destillieren mit Soda entsteht Oenanthol (~Stillé~ und ~Maisch~).
Beim Stehen scheidet sich ein Stearin ab, an der Luft verdickt sich das
Öl, bei der Elaidinprobe bleibt es flüssig (die Anwesenheit von Ölsäure
ist also wenig wahrscheinlich, ~Lewkowitsch~).
Das Öl zeigt folgende Konstanten (~Dulière~, ~Lewkowitsch~,
~Javillier~, ~Wijs~): spez. Gewicht bei 15° = 0,9437 (bei 100°:
0,8874), bei einem Öl das zu 53,4% in Alkohol löslich war: 0,9375, bei
einem zu 24,4% löslichen: 0,9428. Pharm. helv. IV: 0,940-0,950, D. A.
V: 0,940-0,960. Oleum Crotonis, welches auf den Philippinen gepreßt
worden war, zeigte ein geringeres spez. Gewicht und war von geringerer
Reizwirkung als hier gepreßtes (~Gehe~ 1898). Löslichkeit in Alkohol
(92%): 1 : 63, Erstarrungspunkt -16° (~Schädler~), Brechungsexponent
(bei 40°): 1,4710-1,4724 (Ph. helv. IV), Oleorefraktometerzahl bei
22°: +35, Säurezahl (nach ~Bürstyn~): 21,8, bei gepreßtem Öl: 27,3,
Verseifungszahl meist: 210,3 bis 215,6 (nach Ph. U. S. bis 218),
Verflüssigung der Fettsäuren bei 16,4-16,7°, Hehnerzahl: 88,9-89,1,
Reichert-Meißlzahl: 12,1-13,56, Jodzahl (nach 2 Stunden): 100,37-101,91
(nach 24 Stunden): 103,63-104,39 (~Dulière~), 106,6-109,1 (~Wijs~),
101,7-104,7, selten 122,3 (~Lewkowitsch~), Acetylzahl des Öls: 38,64,
Jodzahl der Fettsäuren: 111,23-111,76, Erstarrungspunkt der Fettsäuren:
18,6-19, Säurezahl derselben: 201 (~Benedikt~).
Das durch kalte Pressung erhaltene Öl stimmt ziemlich mit dem durch
Petroläther extrahierten überein, dagegen unterscheiden sich die
Öle, die durch heiße Pressung oder Ätherextraktion gewonnen wurden,
ziemlich von jenen -- schon in der Farbe. Folgende Tabelle läßt dies
erkennen:
+-------------------+----------+------------+------------+-----------
| | Durch | Durch | Durch |
| | Pressen | Äther | Alkohol |Handelsware
| | gewonnen | ausgezogen | (95%) |
| | | | ausgezogen |
+===================+==========+============+============+===========
|Jodzahl (~Hübl~) | 109 | 108 | 92,2 | --
|Verseifungszahl | 192,9 | 194,5 | 260,6 | 205,6
|Säurezahl | 27,3 | 30,9 | 60,1 | --
|Gefrierpunkt | -7° | -7° | -8° | --
|Ausbeute an Öl in %| 12,5 | 38 | 12 | --
Durch Schütteln mit Weingeist wird das Öl in einen
scharfschmeckenden, in Alkohol gehenden und einen fast geschmacklosen
Anteil zerlegt (~Nimmo~ 1823). In weniger als einem Teile absoluten
Alkohol ist das gepreßte Öl löslich. Bei Zusatz größerer Mengen
Alkohol tritt Scheidung ein. Beim Erhitzen auf 75° löst sich 1
Vol. Öl in 2 Vol. Abs. Alkohol (~Javillier~). In 55-60 T. (36
~Schädler~) Alkohol löst es sich, wenn frisch, klar, ebenso in
Äther, Chloroform, Schwefelkohlenstoff und flüchtigen Ölen. Es löst
sich auch in Petroläther (Unterschied von Ricinusöl). Crotonöl wird
durch Schwefelsäure braun. Beim Behandeln mit kolloiden Metallen der
Platingruppe geht Crotonöl in einen rötlichen, nicht mehr wirksamen
Talg über, der bei 49-51° schmilzt (~Paal~ und ~Roth~).
Crotonöl zeigt sowohl hautreizende, wie abführende Eigenschaften.
~Buchner~ und ~Brandes~ schreiben die Wirkung der flüchtigen
+Crotonsäure+ (= Jatrophasäure ~Pelletier~, nicht = Crotonsäure
~Schlippe~) zu, deren Dämpfe heftig die Haut und die Schleimhäute
reizen. ~Senier~ glaubte (1883) den purgierenden Körper von dem
hautreizenden, pustelerzeugenden trennen zu können, diesen in dem
alkohollöslichen, jenen in dem alkoholunlöslichen Anteile des Öls
suchen zu müssen (6 Öl + 7 Alkohol), aber es ist noch heute fraglich,
ob nicht beide Wirkungen auf die gleiche Substanz zurückzuführen
sind. ~Buchheim~ (1873), sowie ~Kobert~ und ~Hirschheidt~ (1888)
hielten die ölige +Crotonölsäure+ für die wirksame Substanz des
Crotonöls, die nicht als Glycerid, wohl aber als freie Säure sowohl
haut- wie darmreizende Wirkung besitzen sollte. Diese Säure ist
aber sicher ein Gemisch, wohl einer harmlosen Fettsäure mit einer
sehr giftigen harzartigen Substanz. Also nicht die +Crotonölsäure+
(C₁₀H₁₈O₃, ~Siegel~) bzw. das zu 4% angegebene +Crotonol+ [C₉H₁₄O₂
(?), ~Schlippe~] ist der wirksame Bestandteil, sondern vielleicht
ein in ihr enthaltener harzartiger Körper, der durch Soda verändert
wird. Diese blasenziehende Substanz nennen ~Dunstan~ und ~Boole~, die
die Crotonölsäure als ein Gemisch betrachten, +Croton resin+. Sie
geben ihr die Formel (C₁₃H₁₈O₄)₂ bzw. C₂₆H₃₆O₈ und halten sie für ein
Lakton komplizierter Struktur. Sie bildet ein gelbliches, amorphes, in
Wasser unlösliches Harz, ist also auch wohl noch kein reiner Körper.
Bemerkenswert ist, daß die oben genannten Toxalbumine in das Öl
übertreten, so daß auch sie an der giftigen Wirkung des Öls beteiligt
sein können. Der giftige Bestandteil ist also noch nicht mit Sicherheit
ermittelt. Die älteren Forscher sahen ihn in einer +flüchtigen+
Substanz und in der Tat reizen die Dämpfe erhitzten Crotonöls die Haut
und die Schleimhäute heftig.
=Lit.= ~Brandes~, Chem. Unters. d. Samen v. Croton Tigl. Arch. Pharm.
1823, 173 (dort die ältere Lit.). -- ~Weppen~, Lieb. Ann. 76 (1849),
254. -- ~Buchner~, Leichte Darstell. d. Jatrophasäure. Rep. d.
Pharm. 19, 185. -- ~Tuson~, Journ. chem. soc. 1864, 195. -- ~Dunlap~
u. ~Seymour~, Journ. am. chem. soc. 1905, 935. -- ~Scurti~ u.
~Parozzani~, Gazz. chim. ital. 1907, I, 476 u. 486. -- ~Stillmark~,
Arbeit. d. pharmak. Inst. Dorpat III, 1889. -- ~Hirschheidt~, Ebenda
IV, 1890. -- ~Siegel~, Ebenda. -- ~Elfstrand~, Über giftige Eiweiße,
Upsala 1897 (Jahresb. d. Pharm. 1897, 105). -- ~Braun~, Crolin. Ber.
d. chem. Ges. 1903, 3004.
+Öl+: ~Pelletier~ u. ~Caventou~, Nouv. journ. de méd. 2 (1818), 172
(Journ. pharm. 4). -- ~Schlippe~, Lieb. Ann. 35 (1840), 307 u. 105
(1858) 1 (Wittsteins Vierteljahrsschr. 1858). -- ~Buchheim~, Über die
scharfen Stoffe. Vierteljahrsschr. 22 (1873), 485. -- ~E. Schmidt~
u. ~Berendes~, Z. Kenntn. d. flücht. Säuren d. Crotonöls. Lieb Ann.
191 (1878) 94. -- ~E. Schmidt~, Ber. d. chem. Ges. 1877, 835. --
~Frankland~ u. ~Duppa~, Lieb. Ann. 136, 9. -- ~Geuther~ u. ~Frölich~,
Über d. flücht. Säur. d. Crotonöls. Zeitschr. f. Chem. N. F. 6
(1870), 26 u. 549. -- ~Senier~, The purgative princ. of croton oil
und the vesicating principle of croton oil. Pharm. Journ. 1878, 8,
705 und 1883, 14, 446. -- ~Zinnel~, Am. journ. pharm. 1890, 122. --
~Robert~ und ~Siegel~, Bull. of pharm. 1893. -- ~Warrington~, Pharm.
Journ. 6 (1865), 382. -- ~Soubeiran~, Nouv. trait. de pharm. II, 54.
-- ~Kobert~, Chem. Zeit. 1887, 416. -- ~Dunstan~ and ~Boole~, Croton
oil an enquiry into the nature of its vesicating constituent. Pharm.
Journ. 1895, 45, 5 (Proc. Roy. Soc. 1895, 238). -- ~Javillier~,
Note sur l’huile de croton. Journ. pharm. 1898, 7, 524. -- ~Paul~
und ~Roth~, Ber. d. chem. Ges. 1909, 1541. -- ~Dulière~, Ann. pharm.
Louvain 1899, 229. -- ~Benedikt-Ulzer~ a. a. O. -- ~Lewkowitsch~
a. a. O. -- ~Schädler~ a. a. O.
=Anwendung.= Das Crotonöl wird gewöhnlich zu den drastischen
Abführmitteln gerechnet, da schon ein Tropfen (= 0,022 g. 45 gtt. = 1
g) starke Abführwirkung hervorruft (dos. max. 0,05!). Es gehört aber
nicht eigentlich zu diesen. Denn die Wirkung ist die +Folge einer
Vergiftung+ durch einen außerordentlich heftig wirkenden, auf der
Haut Blasen ziehenden Stoff, der selbst die Verwendung des Öls als
Pruriginans (Vesicans, Rubefaciens), wozu es bei der berüchtigten
~Baunscheidt~schen Behandlungsmethode (neben _Euphorbium_ und _Daphne
Mezereum_) benutzt wird, nicht empfehlenswert erscheinen läßt. Das
Malefizöl des Pfarrers ~Kneipp~ ist ein Gemenge von 1 T. Crotonöl und
6 T. Mandelöl. Fast alle Jahr hört man von bedenklichen Vergiftungen
durch Crotonöl. Die Substanz sollte aus den Pharmakopoeen gestrichen
werden. Ärzte bedienen sich ohnehin seiner kaum noch, nur in der
Tierheilkunde wird es bei uns noch benutzt. Doch wird es von den
Ärzten und dem Volke in Indien in mannichfacher Weise innerlich und
äußerlich auch heute noch angewendet (Dict. econ. prod. of India),
z. B. zur Herstellung des «poma cathartica» (aus Orangen). Auch die
Anwendung des Crotonöls als Diureticum und Bandwurmmittel ist zu
widerraten, da wir für beides bessere Mittel genug besitzen. Die
Angabe von ~Radziejewski~ (Arch. f. Anat. Phys. u. wissensch. Med.
1870, 37), daß Crotonöl auch in die Haut eingerieben und in die
Venen eingespritzt, drastisch wirke, hat keine Bestätigung erfahren
(~Buchheim~). Beim Menschen können schon vier Samen tödlich wirken.
In Frankreich ist 1901 eine Verfälschung der Jodtinktur mit Crotonöl
beobachtet worden (~Durien~). Der von Fett und dem giftigen Prinzip
befreite, sehr eiweißreiche Preßkuchen wird von ~Burkill~ (Ann. Rep.
Indian Museum Calcutta 1908) als Diabetikernahrung empfohlen.
=Lit.= ~Kobert~, Pharmakotherapie. -- ~Pereira~, Heilmittellehre.
-- ~Durien~, Bull. sc. pharm. 1901. -- ~Ainslie~, Mat. med. --
Pharmacogr. indica.
Das weiße Holz des Stammes -- _Lignum Pavanae_, _Panavae seu
moluccanum_ -- schmeckt ebenfalls scharf und brennend und wirkt wie
der Same, doch milder. Die Wurzel wird in der Heimat der Pflanze
gegen Wassersucht angewendet. Sie purgiert wie auch die Blätter.
=Prüfung.= Pharm. helvet. IV verlangt ein spez. Gewicht von
0,940-0,950. Ein Tropfen Crotonöl sinke in einer Mischung von 5,2
ccm Weingeist (90 vol. %) und 4,8 ccm Wasser unter und steige nach
Beimischen von 1,4 ccm Wasser an die Oberfläche. 2 ccm Öl mit 1 ccm
rauchender Salpetersäure und 1 ccm Wasser kräftig geschüttelt, dürfen
nach einem Tage keine festen Ausscheidungen zeigen oder ganz erstarren.
Das Verlangen (z. B. der Pharm. brit), das Öl solle neutral sein,
ist schwer zu erfüllen. Die Handelsöle geben stets eine Säurezahl.
Die Anwesenheit von Ricinusöl im Crotonöl verrät sich durch höheres
spez. Gewicht, niedrigere Jodzahl und beträchtlich höhere Acetylzahl.
~Peckolt~ beobachtete das Curcasöl (s. unten) als Verfälschungsmittel.
Crotonöl soll sich in 5 T. (Ph. helv. IV) bzw. 2 T. (D. A. V) abs.
Alkohol bei Erwärmen lösen. Wird das Öl nicht in möglichst gefüllten
Flaschen vor Licht geschützt, aufbewahrt, so wird es rasch braun.
=Paralleldrogen.= Ähnlich werden in Indien die Samen von _Croton
polyandrus_ ~Roxb.~ (_Baliospermum montanum_ ~Müll.-Arg.~) und
von _Croton oblongifolius_ ~Roxb.~, die Kowli seeds, benutzt
(~Flückiger-Hanbury~) und, wie es scheint, auch die Samen von
_Croton oblongifolius_ ~Thwaites~ (_C. persimilis_ ~Müll.-Arg.~),
wenigstens fanden sich solche 1896 im Handel (~Gehes~ Handelsbericht,
~Hartwich~). Die Samen von _Croton Pavana_ (oder _Parana_)
~Hamilton~ sollen fast noch heftiger als Crotonsamen wirken.
(Einige betrachten _C. Pavana_ aber als Synonym mit _C. Tiglium_.)
Über weitere Crotonarten vgl. ~Tschirch~ in Realenzyklop. d.
Pharmac. IV, 178. ~Semler~ a. a. O., Dict. ec. prod. India und
~Dragendorff~, Heilpflanzen. Über die brasilianischen Crotonarten
und ihre Verwendung ~Peckolt~, Ber. d. pharm. Ges. 1905. Die Samen
von _Croton purgans_ ~Med.~ (_Jatropha Curcas_ L.), die besonders
von den portugiesischen Kolonien und den Capverden kommen, wo die
Pflanze Heckenpflanze ist (sie stammt aus Westindien und Neugranada),
enthalten ein +Öl+ (Curcasöl, Purgiernußöl, huile de Pignon d’Inde,
Curcas Oil, Purgingnut Oil, Physicnut Oil, olio di Curcas), das 10%
feste Fettsäuren enthält und dessen flüssige Fettsäuren etwa zu
gleichen Teilen aus Ölsäure und Linolsäure bestehen. Auch die Öle
der Samen von anderen Euphorbiaceen, wie _Anda Gomesii_ ~Juss.~,
_Hura crepitans_ L., _Aleurites triloba_ ~Forst.~ wirken abführend
(~Buchheim~).
=Lit.= ~Gehe~, Handelsbericht 1896. -- ~Hooper~, Crot. oblongifol. in
Burma. Pharm. journ. 1904, 956. -- ~Klein~, Zeitschr. angew. Chem.
1898, 548.
=Geschichte.= Die Crotonsamen waren den alten indischen Ärzten wohl
bekannt und werden in den Sanskritwerken unter den Namen Jayapala,
Tittiriphala und Kanakaphala erwähnt. In Bhavaprakasa wird eine
Arzneimischung Mahanaracha rasa beschrieben, die besonders aus
_Myrobalanen_, _Pulpa cassiae_, der Rinde von _Baliospermum axillare_
und _Picrorhiza Kurrova_, dem Milchsaft von _Euphorbia neriifolia_,
der Wurzel von _Ipomoea Turpethum_, den Knollen von _Cyperus
rotundus_ und _Crotonsamen_ bereitet wird (Pharmacogr. indica). Nach
Persien gelangten die Samen von China, hießen daher Hab-el-khatai
(Samen aus Kathay). Crotonsamen waren den alten Arabern bekannt und
gelangten durch sie in die europäische Medizin. ~Serapion~ (I, S.
644), ~Avicenna~ und ~Ibn Baithar~ (I, S. 610) gedenken ihrer und der
Benutzung als Purgans. Bei ~Serapion~ heißen sie Cataputhia minor =
mendana, bei ~Ibn Sina~ dand el sini, auch dend oder dende, dend auch
bei ~Ibn Baithar~, der ~Abu Choraidsch~, ~Honain~, ~Rhazes~ u. and.
zitiert. ~Rhazes~, der indischen und chinesischen dend unterscheidet,
sagt bereits: «Wenn dieses Arzneimittel nicht mit großer Umsicht
genommen wird, so hat es tödliche Wirkung.» Crotonsamen sind seit
1578 in Europa bekannt, in welchem Jahre sie ~Christoval Acosta~ im
Tractado (I, S. 738) als Piñones de Maluco (pini nuclei malucani)
beschrieb und die Pflanze abbildete. Er sagt von den Samen «tambien
las buenas mugeres de aquellas partes, amigas de sus maridos, les
dā hasta quatro destos por la boca, para embiar a los pobretos al
otro mundo» (~Hanbury~). Croton findet sich auch bei ~Cordus~ (I,
S. 798). Die Pflanze wurde dann auch im Hortus Malabar. (I, S. 898)
und in ~Rumpfs~ Herbar. amboinense t. IV p. 48-42 beschrieben und
abgebildet. In ~Burmanns~ Thes. zeylanic. heißt sie _Ricinoides
indica folio lucido, fructu glabro grana Tiglia officinis dicto_.
Weitere Beschreibungen finden sich bei ~Dale~, (I, S. 938),
in ~Triller~, Dispens. pharmac. univers. 1764, bei ~Geoffroy~
(~Garsault~ bildet sie ab), ~Pomet~ u. and. Die Samen, im XVII.
Jahrh. offizinell und viel benutzt, wurden dann obsolet und erst
wieder beachtet, als 1812 ~White~ und ~Marshall~, die ihre Anwendung
von einem Parsen gelernt, in ~Ainslies~ Mat. med. of Hindoostan auf
sie hinwiesen und das Öl, das schon ~Borellus~ 1657 beschrieb, durch
die englisch-indischen Ärzte (~Conwell~, ~Perry~, ~Frost~ u. and.)
empfohlen wurde (~Hanbury~). Namentlich ~Conwells~ Schrift Recherches
sur les propr. méd. et l’emploi en méd. de l’huile de Croton Tiglium
1824 und ~Wilsons~ Empfehlung in den Transact. of the med. and phys.
soc. of Calcutta I, 249 trugen viel zur Einführung des Öls bei, so
daß Oleum Tiglii in die Londoner Pharmakopoëe 1824 und die U. S.
Pharm. 1830 aufgenommen wurde. Die äußerliche Anwendung datiert
besonders von ~Bambergers~ Schrift De olei crotonis externe adhibiti
efficacia Berolin. 1833. Eine Zusammenstellung dir älteren medizin.
Literatur bei ~Brandes~ im Arch. d. Pharm. 1823.
Zu den +halbtrocknenden Ölen der Baumwollsamenölgruppe+ gehören
ferner folgende Samenöle:
Leindotteröl, deutsches Sesamöl von _Camelina sativa_.
Kleesamenöl von _Trifolium pratense_ und _repens_.
Sojabohnenöl von _Soja hispida_.
Kürbissamenöl von _Cucurbita Pepo_.
Wassermelonenöl von _Cucumis Citrullus_.
Melonenöl von _Cucumis Melo_.
Maisöl von _Zea Mais_.
Daphneöl von _Daphne Gnidium_ u. and. Daphnearten.
Weizenkernöl von _Triticum vulgare_ u. and.
Daturaöl von _Datura Stramonium_.
Bucheckernöl von _Fagus silvatica_.
Kapoköl von _Eriodendron anfractuosum_.
Citronenkernöl von _Citrus Limonum_ ~Risso~.
Schwammkürbisöl von _Luffa aegyptiaca_.
Paranußöl von _Bertholletia excelsa_.
Sorghumöl von _Sorghum cernuum_.
Coumonöl, Patavaöl von _Oenocarpus batana_ und _bacaba_.
Pinotöl, Parapalmöl, Parabutter von _Euterpe oleracea_.
Semen Rapae und Oleum Rapae.
Rübsen und Rapssamen -- Rüböl.
=Stammpflanzen und Systemat. Stellung.= =Brassica campestris= L.
(B. Rapa L., B. asperifolia ~Lam.~). Der Rübsen, Rübenkohl mit der
var. annua ~Koch~. (B. R. oleifera annua ~Metzg.~, B. R. ol. praecox
~Dc.~, B. campestr. ~Koch~, B. praecox ~Kitaibel~). Sommerrübsen,
Sommerlevat und der var. β oleifera Dc. (B. Rapa oleifera Dc., B. R.
ol. biennis ~Metzg.~, B. R. ol. hiemalis ~Martens~), Winterrübsen,
Wintersaat, Rübsaat, Bivitz, Awehl, Navette.
=Brassica Napus= L.> Der Raps, Reps, Rapskohl mit der var. annua
~Koch~ (B. N. oleifera annua ~Metzg.~, B. N. oleifera praecox
~Rchb.~), Sommerraps, Sommerkohlsaat und der var. β oleifera ~Dc.~
(B. N. oleifera biennis ~Rchb.~, B. N. ol. hiemalis ~Döll~),
Winterraps, Winterkohlraps, Setzölsamen, Ölraps. -- Napus, νᾶπυ, ist
wahrscheinlich ein ägyptisches Wort.
+Cruciferae+ Sinapeae Brassicinae (Brassica), Sectio Eubrassica
~Prantl~.
Der Großhandel unterscheidet +europäische Colza+ (von in Europa
kultiviertem Raps und Rübsen) und +indische Colza+. Diese letztere
stammt von verschiedenen Cruciferensamen und ist oft ein Gemenge,
in dem _Sinapis glauca_, _Brassica juncea_, _S. dichotoma_ und
_Eruca sativa_ dominieren (~Burchard~ und ~Kjaerskou~). Die Colza de
Guzerat, Cawnpore gelb und Calcutta weiß besteht aus einer gelben und
einer braunen Varietät von _Sinapis glauca_, Colza Cawnpore braun,
Calcutta braun, Ferozépore und Pondichéry aus _Brassica juncea_ und
_dichotoma_ mit etwas _Eruca sativa_. In der Colza bigarré von Bombay
finden sich alle vorgenannten Samen.
Andere Sorten, die als ostindischer Raps gehen, sind: Lalka-Tora,
Piarka-Tora, Natua-Sarson, Ulti-Sarson, Jauda-Sarson, Seti-Sarishá,
Makhan-Dhana-Sarisha und Rai. +Rai+ wird von _Brassica juncea_
~Hook.~ f. et ~Thoms~, +Sarson+ von _B. glauca_ ~Roxb.~, +Tori+
von _B. Napus_ L. var. _dichotoma_ ~Prain~ abgeleitet (~Prain~,
~Wittmack~).
=Beschreibung der Pflanzen und der Samen.= Der +Rübsen+ ist eine
ein- (annua) oder zweijährige (hiemalis) Pflanze mit aufrechten,
bis 1,25 m hohem, meist ästigem Stengel, grasgrünen, gestielten,
leierförmig-fiederspaltigen, beiderseits steifhaarigen Grundblättern
und blaugrün bereiften, unten leierförmig-gezähnten, oben mit
tief-herzförmigem Grunde stengelumfassenden, ganzrandigen
Stengelblättern. Blütentraube während des Aufblühens flach, die
Knospen von den obersten, geöffneten, mittelgroßen, goldgelben
Blüten überragt. Kelchblätter zuletzt wagerecht-abstehend, die
kürzeren Staubfäden abstehend. Schoten auf abstehenden Fruchtstielen
linealisch, allmählich in einen konischen Schnabel verlängert, fast
aufrecht, holperig. Samen einreihig, kugelig, grubig punktiert.
Der +Raps+ hat lauter blaugrüne Blätter, die Grundblätter
leierförmig-fiederspaltig, die unteren stengelständigen leierförmig,
die oberen länglich. Blütentraube schon während des Aufblühens
verlängert, Knospen die obersten geöffneten, mittelgroßen, goldgelben
Blüten überragend. Kelchblätter zuletzt aufrecht-abstehend. Schoten
samt Fruchtstielen abstehend.
Die Samen des +Rübsen+ messen 1-1,5 mm im Durchmesser. Ihre
vorwaltend dunkelrot- bis schwärzlich-braune Oberfläche ist, mit
der Lupe betrachtet, fein- oder flach-netzrunzelig (feiner als
beim schwarzen Senf) und feinkörnig. Die Samen des +Raps+ sind
größer, c. 2 mm, bläulich-schwarz, wie bereift. Es gibt außer den
braunen auch helle Spielarten. 1886 kam unter dem Namen «Gelbsaat»
ein weißer Rapssamen in den Handel, der als weißer Senf ausgegeben
wurde (~Steffeck~). Die Sommervarietäten blühen im Juli-August, die
Wintervarietäten im April-Mai des zweiten Jahres.
~Pathologie.~ Über die pflanzlichen Schädlinge berichtet Prof. ~Ed.
Fischer~: Die wichtigsten Erkrankungen der Raps- und Rübsenpflanzen
sind folgende: In den Wurzeln, besonders der rübenbildenden
Varietäten, siedelt sich der Myxomycet _Plasmodiophora Brassicae_
an, der die als «Kropf» oder «Hernie» bekannten Geschwülste bedingt.
Der sog. «Rapskrebs» wird von einer _Sclerotinia_ hervorgerufen,
welche im Mark und Rindengewebe des Stengels ihre kleinen, schwarz
berindeten, knöllchenförmigen Sclerotien bildet. -- Verschiedene
Pilze siedeln sich auf den Blättern an: die beiden auf Cruciferen
verbreiteten Peronosporeen _Albugo candida_ und _Peronospora
parasitica_, erstere kleine milchweise Epidermisauftreibungen,
letztere einen weißlichen Schimmelanflug bildend; beide können auch
auf die jungen Schoten übergehen. Blattflecken werden hervorgerufen
von _Sphaerella brassicicola_, _Phyllosticta Brassicae_ und _Napi_,
_Cercospora Bloxami_. Einer der schädlichsten Parasiten ist der
«Rapsverderber» _Alternaria Brassicae_ (~Berk~) ~Sacc.~ (_Polydesmus
exitiosus_ ~Kühn~). Er ruft die sog. Schwärze hervor, welche
darin besteht, daß auf den Blättern und besonders auch auf den
Schoten kleine schwarzbraune Flecken auftreten, dann aber auch das
umgebende Gewebe vertrocknet. Auf _Brassica Napus_ sind endlich auch
Bakterienkrankheiten beschrieben worden: die eine derselben wird als
Weißfäule bezeichnet, die andere ist die sog. Braunfäule, welche
sonst hauptsächlich auf _Brassica campestris_ vorkommt. (Näheres vgl.
in ~Sorauers~ Handbuch der Pflanzenkrankheiten 3. Aufl., Bd. 2, p. 47
ff.)
Über die +tierischen Schädlinge+ berichtet Herr ~Israël~:
An _Brassica oleracea_ L., _Napus_ L., _nigra_ ~Koch~, _Sinapis_,
_Raphanus_arten und verwandten Pflanzen leben sehr viele
Insektenarten. Es seien erwähnt: