Die Griechen erhielten den Mohn von der Südküste des schwarzen
Meeres. Dort lag die Stadt Sinope, die in der hesiodischen
Theogonie noch ihren ursprünglichen Namen Mekone (= Mohnstadt)
führte (~Hehn~), der auf reichliche Mohnkultur deutet. ~Homer~,
~Theophrast~, ~Dioskurides~ gedenken des Mohn. ~Dioskurides~ kennt
auch schon die Varietät mit weißen Samen. Die Römer kannten, wie
Funde in neolithischen Pfahlbauten zeigen, den wilden Mohn schon
in vorgeschichtlicher Zeit, den Gartenmohn zur Zeit der Könige.
Nach den Pfahlbaufunden bauten in der neolithischen Periode und
der Bronzezeit die Bewohner Mitteleuropas eine zwischen _Papaver
somniferum_ und _P. setigerum_ stehende Art (~Heer~), aus deren Samen
sie Mohnkuchen buken und wohl auch bereits das Öl preßten und die
man als Pfahlbaumohn bezeichnet hat. Sie steht _P. setigerum_ noch
ziemlich nahe (~Hartwich~) und ist als eine Zwischenstufe zwischen
beiden zu betrachten. «Der Mohn darf der ältest erreichbaren Schicht
europäischer Kulturpflanzen zugeschrieben werden» (~Schrader~).
Dem ägyptisch-semitischen Kulturkreise ist er ursprünglich fremd.
Auf altägyptischen Monumenten fehlt der Mohn und Samen sind in
Gräbern nicht gefunden worden. Erst ~Plinius~ (XX, 18) berichtet,
daß sich die Ägypter des Mohnsaftes bedienten. Die Pflanze wird
also wohl damals auch dort gebaut worden sein. Auch die Nachrichten
aus Palästina über die Samen und ihr Öl (I, S. 489) stammen erst
aus der römischen Zeit. ~Plinius~, ~Dioskurides~, ~Celsus~ (I,
S. 587) und ~Galen~ erwähnen bereits verschieden gefärbte Samen.
~Galen~ hält sie für schwer verdaulich. Als Arzneimittel finden
sie sich bereits bei ~Scribonius Largus~ (I, S. 578, _Papaver
silvat._ und _nigrum_) und ~Alexander Trallianus~ (I, S. 592), als
Handelsartikel im Edikt des ~Diocletian~ (I, S. 569). Der Anbau des
Mohn ist in Deutschland alt, denn die ahd. Bezeichnung mâhan ging
ins Vulgärlatein über (so mahunns, mahonns, manns in zahlreichen
Glossen). Mohnkultur in Italien wird aber erst bei ~Virgil~ erwähnt.
Den Gartenmohn brachten die Benediktiner nach Deutschland. Er steht
im Capitulare ~Karls~, im St. Galler Klosterplan und bei ~Macer~.
Nach dem Kalender des ~Harib~ (I, S. 612) soll Mohnsamen im August
gesammelt werden. In der +Alphita+ (I, S. 655) steht _Papauer album_
(whatpopy), _P. nigrum_ (blakpopy) und _P. rubeum_ (redpopy), bei
~Cordus~: _Papaver album_, _rubrum_ und _nigrum_, in der Frankfurter
Liste (I, S. 812) _Papaueris albi et nigri_. Der Anbau des Mohn
(zur Opiumgewinnung) reicht in Indien nicht weiter als bis ins XVI.
Jahrh. zurück, doch finden sich Mohnsamen (khastila) schon im Glossar
des ~Suvarnādivarga~ (I, S. 505). Die Mohnkapsel galt wegen der
zahlreichen Samen schon den Hellenen als Symbol der Fruchtbarkeit.
Man findet sie oft mit Ähren zusammen in der Hand der ~Demeter~, der
Göttin des ehelichen Segens, aber auch sonst auf Münzen und anderen
Bildwerken des Altertums (zahlreiche Abbildungen in ~Lochners~
Mekonopaignion, Nürnberg 1718). Die Pflanze war der ~Aphrodite~
geweiht. Der Same wurde gegen den weißen Fluß benutzt (~Aigremont~).
Mohnköpfe gab man auch ~Hypnos~, ~Thanatos~ und ~Nyx~ in die Hand
(~Gubernatis~). In Böhmen findet sich der Aberglaube, daß die Braut,
der man Mohnkörner in den Schuh schüttet, unfruchtbar bleibt.
=Lit.= ~Heer~, D. Pfl. d. Pfahlbauten. Neujahrsbl. d. Zürch. Naturf.
Ges. 1866. -- ~Hartwich~, Pap. somnif. u. dess. in d. Pfahlbaut.
vorkomm. Reste. Apoth. Zeit. 1899. -- ~Neuweiler~, D. prähist.
Pflanzenreste Mitteleuropas. Zürich 1905. -- ~Flückiger~, Pharmakogn.
-- ~de Candolle~, L’origine d. pl. cultiv. -- ~Gubernatis~,
Mythologie des plantes.
Zu den trocknenden Ölen gehören ferner folgende Samenöle:
=Perillaöl= von _Perilla ocymoides_.
=Tungöl= (Holzöl), Ölfirnißbaumöl von _Aleurites cordata_.
=Kekunaöl= von _Aleurites triloba_.
=Stillingiaöl=, =Talgsamenöl= von _Stillingia sebifera_.
=Weiß-Acacienöl= von _Robinia Pseudacacia_.
=Cedernnußöl= von _Pinus Cembra_.
=Walnußöl= von _Juglans regia_.
=Safloröl= von _Carthamus tinctorius_.
=Echinopsöl= von _Echinops Ritro_.
=Amooraöl= von _Amoora Rohituka_.
=Spargelsamenöl= von _Asparagus offic_.
=Nigeröl= von _Guizotia oleifera_.
=Sonnenblumenöl= von _Helianthus annuus_.
=Gelbacacienöl= von _Caragana arborescens_.
=Argemoneöl= von _Argemone mexicana_.
=Kiefern-, Fichten-, und Tannensamenöl.=
=Madiaöl= von _Madia sativa_.
=Erdbeeröl= von _Fragaria vesca_.
=Rotrepsöl=, =Nachtviolenöl= von _Hesperis matronalis_.
=Bilsenkrautsamenöl= von _Hyoscyamus niger_.
=Celosiaöl= von _Celosia cristata_.
=Indisches Lorbeeröl= von _Laurus indica_.
=Resedasamenöl= von _Reseda luteola_.
2. Halbtrocknende Öle.
Die halbtrocknenden Öle bilden den Übergang von den trocknenden zu den
nichttrocknenden Ölen. Ihre Jodzahlen liegen zwischen denen beider
Gruppen. Linolensäure fehlt in ihnen, sie enthalten aber Linolsäure.
Die Gruppe der Baumwollsamenöle zeigt trocknende Eigenschaften mehr als
die Rübölgruppe.
Semen Gossypii und Oleum Gossypii.
Die Stammpflanze der Baumwollsamen ist oben S. 230, die Morphologie und
Anatomie S. 238 beschrieben. Dort auch die Geschichte.
Bis 1852 wurde der Baumwollsamen meist weggeworfen (vgl. S. 245). Seit
dieser Zeit wird das Öl gepreßt und der Preßkuchen als Futter- und
Düngungsmittel benutzt.
Besonders ist amerikanische und ägyptische +Baumwollsaat+ im
Handel, dann auch ostindische (Bombay), levantinische (Smyrna, Mersine,
Alexandrette).
+British Indien+ exportierte cotonseeds 1907/08: 3683634, 1908/09:
2777844 cwts nach England und engl. Besitzungen und 1907/08: 566238,
1908/09: 905528 cwts nach anderen Ländern. Die +Vereinigten Staaten+
exportierten 1909: 51626741 pounds cotton seed, 51087329 gallons
Cotton oil und 1233750327 pounds cotton seed oil cake. In Nordamerika
besteht eine Cotton-Oil-Compagny. 1894 gab es dort schon 252
Cotton-Oil-Fabriken. Ägypten exportierte schon 1897: 7½ Mill. hl
Baumwollsamen. +Frankreich+ führte 1908 355633 Quint. +Baumwollsamen+
ein, vorwiegend aus Ägypten (298520 Qint), sehr viel weniger aus
Engl. Indien, der Türkei, Haïti, den Ver. Staaten, Portorico,
Columbien und Algier. Frankreich importierte 1908: 516580 Quintalm.
+Baumwollsamenöl+, das meiste aus den Vereinigten Staaten. In großem
Stil wird in Frankreich Olivenöl mit Cottonoil vermischt und als
«Olivenöl» exportiert.
Baumwollsamen enthalten 44,4-60% Kern und 40-54,8% (nach anderen
66-71%) Hülsen. In den Samen ist 18,67 (Levante, Mersine) bis 23,93%
(ägyptische), im Durchschnitt c. 20% Öl enthalten, in den Kernen 37,41
(ägyptische) bis 39,28% (Bombay) Öl (~Lewkowitsch~); die beim Schälen
abfallenden «Hülsen» enthalten davon kaum 1-3%. Das Öl wird sowohl aus
geschälten wie ungeschälten Samen gepreßt.
In Ergänzung der Angaben auf S. 245 sei über die Zusammensetzung der
Samen noch folgendes angegeben. Sie enthalten ungeschält im Mittel
in Prozenten: 11,1 Wasser, 19,69 +Stickstoffsubstanz+, 20,86 +Fett+,
23,43 +stickstofffreie Extraktstoffe+, 21,1 +Rohfaser+, 3,8 Asche
(~Wagner-Clement~ 1908). Der geschälte Samen enthält im Mittel in
Prozenten: 7,28 Wasser, 29,55 stickstoffhaltige Substanz, 27,23 Fett,
24,07 stickstofffreie Extraktivstoffe, 4,62 Rohfaser, 7,25 Asche,
doch schwanken die Zahlen je nach Herkunft der Samen. Vom Fett sind
z. B. auch nur 17% beobachtet, von stickstofffreien Extraktstoffen
24,5-32,5 (noch größere Schwankungen bei ~Bryde~). Die Samenkerne
enthalten 5,49% +Pentosane+ (~Skinner~). Ferner sind nachgewiesen:
42,3% des Globulins +Edestin+ (~Osborne~ und ~Voorhees~) und 44,3 bzw.
11,4% zweier weiterer +Globuline+, +Proteose+ (~Osborne~), +Nucleïn+,
+Betain+, +Cholin+, +Lecithin+, +Melitriose+ (Raffinose, Melitose,
Gossypose), +Stärke+ (? ~Sacc~), +Zucker+, +Wachs+, +Dextrin+. In der
3-6% betragenden Asche ist viel MgO (16-20%), P₂O₅ (26-31%) und K₂O
(27-37%), auch etwas Titan (0,02%, ~Wait~) gefunden worden.
Die ägyptischen und Bombay-Samen gelten als die ölreichsten. Sie werden
vorwiegend in Deutschland, England, Frankreich und Italien verarbeitet.
Der Samen wird vor dem Pressen meist geschält.
Das =Baumwollsaatöl=, =Oleum Gossypii= (huile de coton, cotton oil,
olio di cotone, katoenolie, βαμβακέλαιον) enthält je nach dem bei der
Fabrikation angewendeten Drucke mehr oder weniger flüssige Glyceride.
Die Elementarzusammensetzung ist C=76,30 bis 76,50, H=11,33-11,73,
O=12,17-12,39 (~König~). Von festen Fettsäuren, die 22,3-32,6% des
Öls betragen (~Twitschell~, ~Farnsteiner~, ~Tolman~, ~Munson~),
sind besonders +Palmitinsäure+, weniger (c. 3,3%) +Stearinsäure+
nachgewiesen, von flüssiger +Linolsäure+ (18,45-21% der Fettsäuren,
~Lewkowitsch~) und +Ölsäure+ (c. 76,55% der flüssigen Fettsäuren). Da
kein Hexabromid entsteht, muß Linolensäure fehlen. Dagegen scheinen
3,6% +Oxyfettsäuren+ (~Fahrion~), aber keine Arachinsäure vorhanden zu
sein. Die Cottonölsäure (~Papasogli~) ist zweifelhaft, ebenso der mit
Wasserdampf flüchtige, schwefelhaltige Körper ~Duponts~.
Das spez. Gewicht ist 0,922-0,928. Gehalt an freien Fettsäuren (auf
Ölsäure berechnet) 0,15-0,5%, Unverseifbares (bes. Phytosterin, F.
136-137°) 0,73-1,64%, Erstarrungspunkt 0 bis -1°, Refraktometerzahl
(im ~Zeiss~-Butterrefraktometer bei 25°): 67,6-69,4, Verseifungszahl
191-198, Jodzahl 102-111, Temperaturerhöhung bei der Maumenéprobe
67-84°. Die Fettsäuren zeigen einen Erstarrungspunkt von 34,9-35,1
und einen Schmelzpunkt von 27-30° (beides relativ hoch!) und eine
Acetylzahl von 16,6. Bei der Elaidinprobe wird das Öl dickflüssig oder
butterartig. Der leicht erstarrende Teil (das Öl soll 70% Palmitin
enthalten) wird als +Baumwollstearin+ oder +Cottonmargarin+ bezeichnet,
der flüssigbleibende wird in erster Linie als Speiseöl benutzt. Die
Verbrennungswärme des Baumwollsamenöls beträgt bei konstantem Volumen
9390-9401, bei konstantem Druck 9405-9416 g-cal. (~Sherman~ und
~Snell~). Im Öl werden auch ein Aldehyd (?), eine schwefelhaltige
Substanz (? s. oben) angegeben.
Das Öl wird in ungeheueren Quantitäten als Speiseöl und in
der Margarinefabrikation, die geringeren Sorten auch in der
Seifenfabrikation, verbraucht und dient auch zur Verfälschung des
Olivenöls, des Schweineschmalzes und anderer Speiseöle und Fette.
Der +Nachweis von Baumwollsamenöl+ in diesen Fetten und Ölen ist daher
«eine der wichtigsten Aufgaben der Fettanalyse» (~Lewkowitsch~). Die
wichtigste Reaktion ist die ~Halphen~sche (Erhitzen des in Amylalkohol
gelösten Öls mit Schwefel und Schwefelkohlenstoff im Wasserbad -- es
tritt Rotfärbung ein). Die Reaktion bleibt aus, wenn das Öl zuvor
auf 150-250° erhitzt wurde und tritt auch ein an Fett von Tieren,
die mit Baumwollpreßkuchen gefüttert wurden. -- Dann die auch an
erhitztem Öl eintretende Probe mit Salpetersäure (spez. Gewicht 1,375),
wobei nach längerem Stehen Braunfärbung eintritt. Die ~Bechi~sche
Silbernitratprobe ist unzuverlässig.
Die Zusammensetzung des +Baumwollsamenpreßkuchen+ ergibt sich aus
folgender Tabelle:
---------------------------+------------------+--------------------
| geschält | roh
|~Garola~ ~Völcker~| ~Garola~| ~Décugis~
===========================+========+=========+=========+==========
Wasser | 7,78 | 9,28 | 12,44 | 9,30
Fette | 12,87 | 11,05 | 5,86 | 6,10
Stickstoffhalt. Substanzen | 47,81 | 41,12 | 28,00 | 24,10
Stickstofffreie Substanzen | 20,84 |} | 40,64 |}
| |} 22,50 | |} 54,50
Cellulose | 3,80 |} | 8,14 |}
Asche | 6,90 | 8,05 | 4,92 | 5,96
Vgl. auch S. 245. Da die Preßkuchen nicht ganz ungefährlich sind,
dürfen sie nur bei ausgewachsenen Tieren mit Vorsicht in kleinen
Partien verfüttert werden.
In China werden seit Jahrhunderten aus Baumwollsamen Futterkuchen
hergestellt.
In Nordamerika wird der Samen noch jetzt vielfach nur als Düngemittel
benutzt.
=Lit.= ~Wagner~ u. ~Clement~, Zeitschr. Unters. Nahr.- u. Genußm. 16
u. 17. -- ~Hefter~, Fette u. Öle. 1908. -- ~Matthes~ und ~Heintz~,
Arch. Pharm. 1909, 161. -- ~Lewkowitsch~ a. a. O. -- Weitere Liter.
in ~Wehmer~, Pflanzenstoffe. -- ~König~, Nahrungsm. (dort [B. I, S.
615] d. Liter.). -- ~Bömer~, Zeitschr. Nahr.- u. Genußm. 1901, 872.
-- ~Völcker~, The analyst. 1903. ~Collin-Perrot~, Resid. industr.
-- ~Skinner~, Exp. Stat. Rec. 1902. -- ~Bryde~ Ebenda. -- ~Wolff~,
Aschenanalysen. -- ~Osborne~ und ~Voorhees~. Journ. am. chem.
soc. 1894, 778. -- ~Fahrion~, Zeitschr. ang. Chem. 1892, 172. --
~Papasogli~, Publ. del labor. chim. d. gabelle 1893, 90. -- ~Dupont~,
Bull. soc. chim. 1895, 696. -- Über Cottonölmargarin vgl. ~de Negri~
u. ~Fabris~, Zeitschr. analyt. Chem. 1894, 563 u. ~Hart~, Chem. Zeit.
1893, 1520. -- Über die Substanz, die die Halphenreaktion bedingt,
vgl. ~Soltsien~, Zeitschr. öffentl. Chem. 1899, 306, ~Charabot~ und
~Marsh~, Bull. Soc. chim. 1899, 552, ~Raikow~, Chem. Zeit. 1899, 760
u. 892; 1900, 562 u. 583; 1902, 10, ~Gill~ und ~Denison~, Journ. am.
chem. soc. 1902, 397. -- ~Rosenthaler~ Zeitschr. Nahr. u. Genußm.
1910, 453.
Semen Sesami und Oleum Sesami.
=Syn.= Sesamsamen, Kuntschuksamen, -- sésame, jugoline, benné (franz.)
-- sesame (engl.) -- sorgelin (span.) -- gergelim (port.) -- sesamo,
giuggiolena (ital.) -- simsim (arab.) -- til, gingil, gingelin,
gergelim (hindost.) -- salid (abyss.) -- moa, chima (chines.) --
koba (japan.) -- kundschut (buchar., pers., türk.) -- in Westafrika:
bennyseed, in Ostafrika (kisuaheli): mfuta, im malaiischen Archipel:
widjen bidjen (wohl aus bidji = Same) -- lenga (mak.), ringa (biman.),
watu (sund.).
=Etym.= Das Wort Sesam ist uralt. Es findet sich schon im
Babylonischen. šam šamni (= Pflanze des Öls), ging als Lehnwort ins
Ägyptische šmšmt über (vgl. I, S. 467), dann ins Koptische šemsêm,
ins Griechische σήσαμον (bei den späteren Griechen: σησαμάτον,
σησάμινον, σέμσεμ; bei den Neugriechen σησάμι oder σουσάμι) und
das Lateinische sesamum. Es findet sich auch im Aramäischen und
Syrischen (schuschᵉmā;, šûmšemâ) und Arabischen (sâsim, simsim). Das
indische Gingeli ist aus dem arabischen chutchulân umgebildet. Davon
abgeleitet: Bei ~Barthema~ (1510): zerzalino; bei ~Castanheda~ (1552)
und ~Gouvea~ (1602): gergelim; bei ~Fredericke~ (1599): zezeline;
bei ~Mocquet~ (1610): gerselin; bei ~Thevenot~ (1661): telselin. --
Til, tila ist das Sanskritwort für Sesam. Benné ist westafrikanischen
Ursprungs und steht vielleicht zu ben (= Moringa) in Beziehung (?).
=Stammpflanze und systemat. Stellung.= =Sesamum indicum= ~Dc.~,
zusammengezogen aus +Sesamum indicum+ L., Spec. pl. ed. I, p. 634 und
+S. orientale+ L., ebenda (S. luteum ~Ketz.~, S. oleiferum ~Moench~)
mit vielen Kulturvarietäten bzw. Formen. ~De Candolle~ nimmt zwei
Rassen, eine mit schwarzen, eine mit weißen Samen und mehrere nach der
Form der Blätter unterschiedene Varietäten an. Er unterscheidet von
seinem S. indicum die Varietäten: α grandidentatum (S. indicum L.), β
subdentatum (S. indicum Sims.) und γ subindivisum (S. orientale L.).
+Pedaliaceen+ -- Pedalieae (Sesamum) Sect. Sesamotypus ~Benth~ et
~Hook~. fil.
=Beschreibung der Stammpflanze.= Die bis 1 m hohe einjährige, dem
Fingerhut äußerlich ähnliche Pflanze hat einen vierkantigen, nur
oben kurz-rauhhaarigen Stengel und unten gegenständige, gestielte,
eiförmige, 3-5lappige, grob- und unregelmäßig gezähnte, oben
alternierende, fast sitzende, lanzettliche, meist ganzrandige Blätter.
Die großen Blüten entspringen einzeln (die beiden Seitenblüten der
Cyma sind abortiert) in den Achseln der oberen Blätter. Der außen
behaarte Kelch ist bis fast zum Grunde geteilt, mit vier schmal
lanzettlichen, spitzen Blättern. Die weiße (oder rote) Blumenkrone
zygomorph, trichterförmig erweitert, am Grunde rückwärts schwach
höckerig, weit aus dem Kelche herausragend, bis 35 mm lang, mit fünf
Lappen, von denen die drei vorderen, die die Unterlippe bilden,
größer sind als die zwei hinteren. Von den vier Staubfäden sind zwei
länger. Sie tragen eine längliche Anthere, die mit einer Längsspalte
aufspringt und am Connectiv eine Drüse. Das fünfte, hintere Stamen
ist als pfriemliches Staminodium entwickelt. Das Gynaeceum trägt
einen Griffel mit zwei lanzettlichen Narbenlappen und ruht auf einem
niedrigen drüsigen Diskus. Es besteht aus zwei Carpellen, die unten
durch falsche Scheidewände in je zwei Kammern geteilt sind. Die Frucht
ist daher unten vier-, oben einfächerig. Die zahlreichen Ovula sitzen
an zentral-winkelständigen Placenten. Die Frucht ist eine hellbraune,
bis 35 mm lange, bis 7 mm breite, in eine ziemlich lange Spitze
auslaufende, mit vier Längsfurchen versehene Kapsel, die sich bei der
Reife bis fast zum Grunde dadurch aufspaltet, daß sich die falschen
Scheidewände in zwei Platten trennen.
+Abbild.+: ~Stapf~ in Engler-Prantl, Pflanzenfamilien IV, 3b, 263. --
~Vogtherr-Köhler~, Medizinalpfl. Ergänzungsb. t. 58 (dort die weitere
botan. Literatur). -- ~Bentley-Trimen~, Med. plant. t. 198. --
~Wight~, Illust. Ind. Bot. t. 163. -- Bot. Mag. t. 1688. -- Älteste
Abbild. ~Camerarius~, Hortus medicus --, ~Rumphius~, Herb. amb. t. 76
und ~Rheede~, Hort. Mal. IX, 54, 55.
=Pathologie=. Über die pflanzlichen Schädlinge berichtet Prof. ~Ed.
Fischer~: ~Malkoff~ hat in Bulgarien auf _Sesamum_ eine mit Auftreten
von Bakterien (er nennt _Bacillus Sesami_ und _Pseudomonas Sesami_)
verbundene Krankheit beobachtet, bei der auf den Blättern Flecken
auftreten, die Stengel schwarz werden und schließlich vertrocknen. --
In anderen Fällen (so in Turkestan, in Indien) wurde ein Absterben
von Sesampflanzen beobachtet, das sehr wahrscheinlich durch
_Neocosmospora vasinfecta_ ~E. Smith~ hervorgerufen wird, einen Pilz,
der auch eine Krankheit der Baumwollpflanzen (s. dort) verursacht.
(~A. de Jaczewski~, Über das Vorkommen von _Neocosmospora vasinfecta_
~E. Smith~ auf _Sesamum orientale_. Annales Mycologici I 1903, p.
31). Sesam hat von tierischen Feinden wenig zu leiden.
=Kultur und Handel.= _Sesamum indicum_ wird in den Tropen und
Subtropen beider Hemisphären gebaut, vornehmlich in +Vorder-+ und
+Hinterindien+ (Siam), Himalaya, Afghanistan, Persien, Arabien,
Rußland, +China+, Japan, Formosa, Java, Kleinasien (Hafen: Smyrna),
Arabien, Palästina (Hafen: Jaffa), Ägypten, Griechenland, Sizilien (bei
Syracus und im Süden), Malta, Gozo, Algier, West- und Ostafrika (Natal,
Sansibar, Madagaskar, Mossambik, Senegal, Lagos) und den wärmeren
Gebieten Nord- und Südamerikas (Brasilien, Westindien, Curaçao).
Hauptproduktionsgebiet ist +Vorderindien+, das viel Sesam verbraucht
und noch mehr exportiert. Dort sind ungeheuere Flächen mit Sesam
bebaut. In der Präsidentschaft Madras allein 400000 ha. Die Pflanze
verlangt eine möglichst gleichmäßige Temperatur und mindestens drei
Monate gleichmäßige Wärme, sowie trockenen, kalkhaltigen, lehmigen,
stickstoffreichen Sandboden. Man sät in Indien die schwarze Varietät im
März, die weiße im Juni; die erste reift im Mai, die andere im August.
Die Frucht wird ausgedroschen. Bisweilen werden, da die Vegetationszeit
nur drei Monate beträgt, zwei Ernten im Jahr erzielt.
Im Handel unterscheidet man besonders indische und Levantiner Samen
(letztere von der Form _Orientale_), sowie weißen, gelben, braunen
und schwarzen oder gemischtfarbigen Sesam. Selbst dieselbe Varietät
produziert Samen verschiedener Farbe. Im allgemeinen zeigen die
Samen von _S. indicum_ weiße, gelbliche oder bräunliche, die von _S.
orientale_ schwarzbraune bis violettschwarze Farbe (~Harz~). In Indien
heißt der hellgelbe safed til, der schwarze kala til. Der schwarze
produziert mehr Samen, der weiße das feinste Öl.
Gleichmäßig gelblich-weiß ist der Levantiner Kurrachée und
Sansibar-Sesam, mit grauen Samen gemischt der Bombay-Sesam, braun der
ägyptische und Smyrna-Sesam, schwarz der indische.
+Deutschland+ importierte 1909: 779401 dz Sesamsamen besonders
aus China und Brit. Indien (zusammen über 700000 dz), dann aus
Portugies. Ostafrika, Nied. Indien, der asiat. Türkei, Japan und
Brit. Westafrika. +Frankreich+ importierte 1908: 554036 Quint.
+Sesamsamen+. Davon kam das meiste, etwa zu gleichen Teilen, aus
China und Engl. Indien, kleinere Mengen aus der Türkei, noch weniger
aus Niederl. Indien, Westafrika, Indochina. +Marseille+ ist ein
wichtiger Sesamimporthafen. Dann auch Triest. +British Indien+
exportierte +Sesamsamen+ 1904/05: 65532, 1908/09: 17977 cwts nach
England und engl. Besitzungen und 1904/05: 2451225, 1908/09: 1639315
cwts nach anderen Ländern. Von +Sesamöl+ 1908/09: 104306 cwts nach
England usw. und 69904 cwts nach anderen Ländern. +Siam+ exportiert
etwa 4 Mill. kg Samen. +China+ verschiffte aus den Vertragshäfen
1897: 44899 piculs, +Ostafrika+ für über 200000 M. Die +Vereinigten
Staaten+ importierten 1909: 1274032 pounds Sesamöl.
=Lit.= ~Semler~, Trop. Agrikult. -- ~Watt~, Dict. econom. prod. --
~Flückiger-Hanbury~, Pharmacogr. -- ~Warburg~, Sesamkultur in unser.
Kol. Zeitschr. trop. Landwirtsch. 1898. -- ~Thoms~, Sesamsaat aus
Togo. Tropenpfl. 1898.
=Morphologie der Droge.= Die Samen sind 1,5-4, meist c. 3 mm lang,
c. 1 bis 2 mm breit und 1 mm dick, je nach der Sorte gelblich-weiß,
rötlich oder braun bis schwarz, verkehrt eiförmig, etwas zugespitzt,
+flachgedrückt+, +spatelförmig+. An den vier Kanten laufen vier mit
der Lupe gut sichtbare, schmale Rippen. Dadurch erscheint der Same im
Querschnitt undeutlich vierkantig. Die flachen Breitseiten sind infolge
eines undeutlichen Netzwerkes feingrubig runzlig. In der Mitte der
einen flachen Seite verläuft die Raphe. Das Endosperm ist etwa halb so
dick wie ein Cotyledon. Die ölreichen Cotyledonen sind flach, zwischen
ihnen liegt der Keimling. Der Geschmack ist angenehm milde-ölig.
=Anatomie.= Die Samenschale zeigt zwei Schichten. Die äußere besteht
aus beim trockenen Samen zusammengefallenen, nach dem Aufweichen
palissadenartig gestreckten, dünnwandigen Zellen, die, ihrer Außenwand
angeheftet, eine in einer Tasche sitzende große Calciumoxalatdruse
führen (Fig. 182) und bei den dunklen Varietäten auch den in Alkali
löslichen Farbstoff (in Form von Pigmentkörpern, ~Hartwich~) enthalten.
Von der Fläche betrachtet sind sie isodiametrisch und bieten (auch im
Preßkuchen) +ein für den Sesamsamen außerordentlich charakteristisches
Bild+, denn es sind nur wenige Fälle (von ~Benecke~ und ~Collin~)
beobachtet, wo diese Kristalle fehlten. An den vier Eckleisten (s.
oben) des Samens sind die Epidermalpalissaden fächerartig angeordnet
(Fig. 182 I). Hier fehlt ihnen auch meist die Kristalldruse. Die zweite
Schicht ist die aus mehreren Reihen obliterierter dünnwandiger, kleine
Prismen oder Zwillingskristalle (~Collin~, ~Hanausek~) enthaltender
Zellen bestehende Nährschicht. Bei den dunklen Sorten führt auch sie
Farbstoff. Das Endosperm ist mehrschichtig. Seine Zellen sind etwas
dickwandiger als die Zellen der bifacial gebauten breiten Cotyledonen
(Fig. 182), enthalten aber wie diese in Ölplasma eingebettete, Globoide
und Kristalloide führende, Aleuronkörner. Diese sind im Endosperm 2-6,
in den Cotyledonen bis 10 mik. groß.
[Illustration: Fig. 182.
_Sesamum indicum_ ~Dl.~
Querschnitt durch Samenschale (S), Endosperm (E) und einen Cotyledon
(C). [Nach +Moeller-Winton+.]]
=Lit.= ~Flückiger~, Z. Kenntn. d. Sesamsam. Schweiz. Wochenschr.
1865. -- ~Benecke~, Die verschied. Sesamarten u. Sesamkuchen d.
Handels. Pharm. Centralh. 1887, 545 und Anleit. zur mikrosk. Unters.
d. Kraftfutterm. 1886. -- ~Böhmer~, Die Kraftfuttermittel 1903.
-- ~Moeller-Winton~, Mikroskop. d. Nahr.- u. Genußm. 2. Aufl. --
~Collin-Perrot~, Les résid. industr. -- ~T. F. Hanausek~ in Wiesner
Rohstoffe II. Aufl. -- ~Harz~, Landwirtsch. Samenk. -- ~Hebebrand~,
Über d. Sesam. Landw. Vers. Stat. 1898, 45. -- ~Kobus~, Kraftfutter
u. s. Verfälsch. Landw. Jahrb. 1884, 813. -- ~Hartwich~ in
Realenzyklop. d. Pharm.