südkaukasischen Sprachen als mak wieder (die Griechen erhielten die
Sache und das Wort aus der Gegend des Kaukasus) und dies ist auch in
der Tiroler Bezeichnung Magen (s. oben) erhalten geblieben -- mit
einer angeblichen Verwendung als Magenmittel hat dies also nichts zu
tun. Doch hieß μήκων auch die Blase des Tintenfisches, was auf die
Form der Frucht deuten könnte. Einige denken auch an Beziehungen von
μήκων zu sansc. mah (= groß), andere (~Pictet~) an Beziehungen zu
+lit.+ mēgmi (= schlafen), was ~Grassmann~ einleuchtender findet.
Der Name Mohn, wohl mit μήκων urstammverwandt, läßt sich weit in die
Urgeschichte Europas zurückverfolgen: +altschwed.+ valmôghe neben
+mhd.+ mâhen, +althd.+ mâgo -- daraus +lit.+ magone und +estn.+
magun, +altslav.+ makñ, +altpr.+ moke. An die Samen erinnert der
(Rendsburger) Name Hirsebräu, Magsamen u. and. Papaver ist nicht
sicher erklärt. Man hat dies Wort als altes Participium mit --
ver gebildet aufgefaßt: «Das Gedunsene» (lat. papula, pampinus)
(~Schrader~). Andere meinen, es sei aus apio, capio, ἅπτω (= fassen)
umgebildet (das p ist vorgesetzt), also soviel wie Faß, wegen der
Tonnenform der Früchte (~Kanngiesser~). Es hängt wohl kaum mit
+kelt.+ papa (= Brei) zusammen, obwohl Mohnbreie seit alter Zeit sehr
beliebt waren (s. unten). Aus papaver entstand im +agls.+ popaeg,
dann popig und +engl.+ poppy, sowie +franz.+ pavot und ponceau (dies
aber auch von puniceus, φοινίκεος = scharlachrot abgeleitet). Das
holländische heul ist mit huile und Öl verwandt, das bei Mohnsamen
oft vorkommt (s. oben).
=Stammpflanze.= =Papaver somniferum L.= Spec. pl. ed. I, 508 (_P.
opiiferum_ ~Forsk.~, _P. officinale_ ~Gmel.~) mit den Varietäten bzw.
Varietätengruppen:
α +setigerum+ (~Dc.~) (auch als Art: _P. setigerum_ ~Dc.~),
β +nigrum+ (~Dc.~) (ursprünglich α _nigrum_ ~Dc.~, _P. somniferum_
~Gmel.~, _P. somnif._ var. _glabrum_ ~Boiss.~),
γ +album+ (~Dc.~) (ursprünglich β _album_ ~Dc.~, _P. officinale_
~Gmelin~) -- weitere im Text. In den Gärten werden auch Sorten mit
anders gefärbten und gefüllten Blüten kultiviert.
Wild ist der Gartenmohn bisher nirgends angetroffen worden. Als seine
Urform gilt jetzt allgemein _Papaver setigerum_ ~Dc.~, welche Art
sich noch jetzt im ganzen Mittelmeergebiet, besonders in Spanien,
Algier, Corsica, Iles d’Hyères, Sizilien, Griechenland (Peloponnes)
und Cypern findet (~De Candolle~, ~Boissier~, Flor. orient. I, 116).
In Nordfrankreich wird auch heute noch _P. setigerum_ neben _P.
somniferum_ gebaut.
=Systemat. Stellung.= Papaveraceae -- Papaveroideae -- Papavereae.
Sect. II. Mecones ~Bernh.~
=Beschreibung der Stammpflanze.= Die einjährige, in allen Teilen
milchende Pflanze bildet einen stielrunden, bereiften, 0,5-1,5 m
hohen kahlen Stengel. Die grundständigen +Blätter+ sind gestielt,
oblong bis eioblong, ungleich-, eingeschnitten- oder buchtig-gezähnt,
die oberen sitzend, mit tief-herzförmigem Grunde stengelumfassend,
eiförmig, spitz, einfach oder doppelt gesägt, mit blaugrüner, bereifter
Unterseite. Die Blätter (auch die Kelchblätter) sind bei var. _nigrum_
und _album_ kahl, bei var. _setigerum_ laufen die Zähne des Blattes
in Borsten aus und vereinzelte Borsten finden sich auch auf Blättern,
Blütenstielen und dem Kelch; var. _nigrum_ hat weniger tief gelappte
Blätter. +Blütenstiel+ abstehend behaart. Die Blüten stehen am Ende
der Hauptachse oder von Seitenachsen. Die Knospe ist nickend. Die
zwei c. 2 cm langen, meist kahlen und bläulich bereiften, in der
Knospenlage dachziegelig deckenden +Kelchblätter+ werden beim Aufblühen
abgeworfen. Die in der Knospenlage geknitterte, nach dem Aufblühen
leicht abfallende +Blumenkrone+ erreicht einen Durchmesser von 10 cm
und mehr. Sie ist bei γ _album_ weiß mit violettem Grunde (bei einigen
Spielarten auch rot oder lilafarben), bei β _nigrum_ mehr oder weniger
dunkel purpurn mit schwarz violettem Grunde. Die vier c. 4 cm breiten
+Kronenblätter+ sind fast kreisförmig, oben gestutzt oder ausgerandet
mit äußerst kurzem Nagel. Die zahlreichen freien Staubfäden sind nach
oben keulenförmig angeschwollen und besitzen dithekische Antheren
mit ellipsoidischen Pollenkörnern. Der sehr kurz gestielte kugelige
Fruchtknoten ist einfächerig und zeigt zahlreiche (7-20), in der Zahl
mit den Narbenschenkeln übereinstimmende, 5-8 mm tief einspringende
Samenleisten, an denen sehr zahlreiche anatrope Samenknospen sitzen.
Die sitzende strahlenförmige Narbe zeigt zahlreiche (bei _setigerum_
7-8, bei _nigrum_ 10-12) nach unten geschlagene Narbenlappen, in deren
Längslinien die spaltenförmigen, den Samenleisten entsprechenden und
über diesen liegenden Narbeneingänge sich finden. Die je nach der
Varietät kugelige, eiförmige, eiförmig-längliche oder ellipsoidische
kahle +Frucht+ ist je nach den Varietäten und Spielarten sehr
verschieden groß (von Haselnußgröße bis 7,5 cm und mehr), kurz
gestielt (bei der var. _apodocarpon_ ~Hussenot~ ungestielt), von der
nun horizontal abstehenden viellappigen Narbe bekrönt, unter der sich
die großen, mit Klappen sich öffnenden Poren finden, mit denen sie
meist aufspringt (bisweilen bleibt sie aber auch geschlossen, z. B.
bei var. _album_ und _apodocarpon_). Bei var. _album_, _stipitatum_
~Huss.~ und _hortense_ ~Huss.~ ist die Narbenscheibe am Rande gekerbt,
bei var. _apodocarpon_ ~Huss.~ gegen den Rand hin abwärts gebogen,
bei var. _album_ mit freien, abstehenden, dicken, bei var. _hortense_
mit dünnen, papierartig-häutigen Lappen. Sie ist durch die großen, in
die Höhlung einspringenden, pergamentartigen, an den Ansatzstellen
der Samen gefleckten Samenleisten unvollständig gefächert und zeigt
außen die Verwachsungsnähte der Carpelle als seichte Längsfurchen.
Der auf dem Fruchtknoten sichtbare Reif verschwindet später und die
Frucht erscheint dann glatt und glänzend. Die sehr zahlreichen (bis
2000 -- schon ~Homer~ spricht in der Ilias von der καρπῶ βριθομένη,
der mit Samen +gefüllten+ Frucht --), kleinen nierenförmigen, grubig
punktierten Samen, die bald weiß (var. _album_), bald bläulich-schwarz
(var. _nigrum_) sind und einen gekrümmten, in Endosperm eingebetteten
Keimling besitzen.
Blütezeit: Juni bis August.
=Lit.= ~Prantl-Kündig~ in ~Engler-Prantl~, Pflanzenfamilien. --
~de Candolle~, Urspr. d. Kulturpfl. 1884. -- ~Ritter~, Erdkunde
von Asien. -- ~Luerssen~, Mediz. pharm. Bot. -- ~Willkomm et
Lange~, Prodr. flor. hisp. -- ~Boissier~, Flor. orient. I, 116. --
~Ledebour~, Flor. rossica. -- +Abbild.+: ~Berg-Schmidt~, Atlas II.
Aufl., t. 116, ~Pabst-Köhler~, Medizinalpflanz. t. 37, ~Nees v.
Esenbeck~, Pl. med. t. 404 (album), ~Hayne~, Arzneigew. VI, t. 40,
~Bentley-Trimen~, Med. plants t. 18, ~Woodville~ t. 138.
=Pathologie.= Über die pflanzlichen Schädlinge berichtet Prof.
~Ed. Fischer~: Einer der wichtigsten Parasiten der _Papaver_-Arten
ist _Peronospora arborescens_ ~de By.~, ein «falscher Mehltau»,
welcher auf den Blättern Verfärbungen hervorruft und namentlich an
Keimpflanzen Schaden stiften kann. -- Auf den Kapseln von _Papaver
somniferum_ werden angegeben: _Alternaria Brassicae_ ~Berk.~ var.
_somniferi_, _Phoma morphaea_ ~Sacc.~, _Sphaerella morphaea_
~Sacc.~ Ein ausführliches Verzeichnis der Krankheiten der indischen
Mohnpflanze in ~Watt~, Dict. econom. prod.
=Kultur.= Der Mohn gedeiht überall, wo das Wintergetreide fortkommt.
Er liebt aber warme und windstille Lage. Er wird ausschließlich
als Sommerfrucht kultiviert und zeigt eine kurze Wachstumsdauer
(120-140 Tage). Mohn wird jetzt auf der ganzen Erde -- Zentraleuropa,
Indien, Persien, China, Kleinasien, Afrika, Nordamerika, Australien
(Neusüdwales) -- gebaut (in Norwegen bis zum Polarkreise), besonders in
Algier, Tunis und Ägypten wird viel Mohn kultiviert. Die Kultur erfolgt
teils zur Samen- bzw. Ölgewinnung (in Europa, Afrika und Amerika) --
zur Ölgewinnung besonders die Varietäten mit schwarzen Samen --, teils
zur Opiumbereitung (Asien) -- besonders die Varietäten mit weißen
Samen. Die Praxis unterscheidet _P. s. officinale_, +Schließmohn+
oder +Dreschmohn+ (Pavot blanc et aveugle) mit geschlossen bleibenden
und _P. s. vulgare_, +Schütt-+ oder +Schüttelmohn+ (Pavot oeillette,
gris et noir) mit sich öffnenden Kapseln (s. oben), und die Samen
nach der Farbe: weiße, rote, blaue, graue, braune, violette, schwarze
(in Macedonien wurden 1883 nach der Farbe vier Sorten unterschieden).
Offizinell sind nur die weißen Samen. Blauer Mohn soll ertragreicher
sein, der weiße aber ein feineres Öl liefern (~Hart~). Im Handel ist
deutsches, levantinisches und ostindisches Öl von Pendschab, Bengalen
und den Nordwestprovinzen.
In Indien gilt das Öl der Bengalpflanze für besser als das der
Malvapflanze. +Hamburg+ importierte 1908 61239 dz +Mohnsamen+,
davon kamen aus Brit. Ostindien: 54564, von den russischen Häfen
am Schwarz. u. Asowschen Meere 2885, aus Kleinasien 1524, von
altpreußischen Ostseehäfen 1136; weniger als 1000 dz aus russischen
Ostseehäfen, den Niederlanden, Persien, Ostafrika. +British-Indien+
exportierte Poppy seeds nach England und engl. Besitzungen 1907/08:
965, 1908/09: 882 cwts, nach anderen Ländern 1907/08: 1256562,
1908/09: 790028 cwts. Die +Vereinigten Staaten+ importierten
1909: 52086 bushels poppy seed und 6598 gallons poppy seed oil.
+Frankreich+ importierte 1908: 213349 Qint. Mohnsamen besonders aus
Engl. Indien. Frankreich importiert jährlich für mehr als 6 Mill.
Frs. Mohnsamen zur Ölgewinnung (~Collin~). Auch Mohnpreßkuchen bilden
einen bedeutenden Handelsartikel.
=Morphologie der Droge.= Die Samen von _P. s. β nigrum_ messen 0,88-1
mm, die von _P. s. γ album_ 1,17-1,29-1,41 mm, die von _P. s. α
setigerum_ 0,66-0,97 mm (die des Pfahlbaumohn 0,75-1 mm, ~Hartwich~).
Das Gewicht von 1000 Samen schwankt zwischen 0,239 g (indischer Mohn)
und 0,531 g (österreichischer Mohn). Auf 1 kg kommen 1880000-4184100
Samen (~Harz~). Die allein offizinellen weißen Samen sind 1-1,5 mm lang
und 0,3-0,5 mg schwer, nierenförmig -- das eine Ende etwas spitzer als
das andere -- und außen mit, besonders bei Betrachtung mit der Lupe,
hervortretenden großen, polygonalen (meist sechseckigen) Netzleisten
versehen, die bei den dunklen Sorten besonders deutlich sind. Diese
Maschen des Samens bildete schon ~Hooke~ (1667) ab. In der Einbuchtung
des Samens sieht man als gelbliche Erhöhung den Rest des Funiculus
und das Hilum, das mit der als gelber Fleck sichtbaren Chalaza durch
eine kurze, das Bündel führende Raphe verbunden ist (~A. Meyer~).
Durchschneidet man den Samen median-längs, so sieht man, eingebettet
in Endosperm, den gekrümmten, im Querschnitt walzenrunden Keimling,
zwischen dessen Cotyledonen eine kleine kegelige Plumula sichtbar ist.
Die Radicula zeigt nach dem spitzen Ende des Samens. Sie ist etwa so
dick als die beiden Cotyledonen. Mohnsamen ist geruchlos und schmeckt
angenehm, milde-ölig. Man bewahrt ihn nicht über ein Jahr.
[Illustration: Fig. 181.
_Papaver somniferum_ L.
1 Same von außen. 2 Same längsdurchschnitten. 3 Same
querdurchschnitten. 4 Querschnitt durch die Samenschale (1-6),
das Endosperm (End) und den äußeren Teil des Cotyledons (Cot). 5
Succedane Flächenschnitte durch die Samenschale (die Zahlen 1-6
korrespondieren mit den gleichen Zahlen in Fig. 4). 6 Aleuronkörner.
[+Tschirch-Oesterle+ Atlas.]]
=Anatomie.= Die Samen gehen aus anatropen Ovulis hervor, die zwei
+Integumente+ mit sechs Zellschichten erkennen lassen. Aus diesen wird
die sehr schmale Samenschale, deren Struktur erst nach Behandeln mit
Salzsäure und Kalilauge sichtbar wird (~Moeller~ empfiehlt auch Färben
mit Chlorzinkjod oder Safranin). Die äußerste Schicht, die die meisten
Autoren für eine sehr schmale zusammengefallene Zellreihe halten,
was sie auch wohl ist (und nicht eine verdickte Wand), erscheint in
regelmäßigen Abständen kielartig emporgezogen. Diese Verwölbungen, in
welche sich auch die darunter liegenden Schichten etwas vorstülpen,
bilden die Leisten, welche in ihrer Vereinigung zu polyedrischen
Maschen das für den Mohnsamen so charakteristische Maschennetz
der Oberfläche erzeugen. An den Leisten sind die Epidermiszellen
schmal, zwischen den Leisten in den Tälern der Maschen so groß wie
ein Maschental (Fig. 181). Die Cuticula dieser Zellen enthält
Calciumcarbonat ein- und aufgelagert. Die zweite Zellreihe besteht
aus dünnwandigem, tafelförmigem Parenchym, das dicht erfüllt ist mit
feinkörnigem Calciumoxalat, dem auch größere Kristalle beigemengt
sind (~Meyer~), dann folgt die Hartschicht, die der schalenförmigen
Einwölbung der Epidermis folgt und die aus gestreckten, flachen,
stark verdickten Zellen besteht, deren Wände mit Chlorzinkjod
violett werden. Die darauf folgenden drei Schichten (Fig. 181, 4.
4-6), die aus dem inneren Integumente hervorgehen, sind meist stark
obliteriert. Nach Behandlung mit Kali unterscheidet man eine äußere
Parenchymzellreihe, dann eine Reihe getüpfelter, gekrümmter, nicht
sehr langer Zellen und zu innerst liegt eine Reihe dünnwandiger
Zellen. In der inneren Krümmung des Samens ist die Samenschale dort,
wo die Raphe verläuft, durch Vermehrung des Parenchyms dicker. Die
Mikropyle ist noch sichtbar. Bei den blauen Mohnvarietäten findet sich
in den inneren Schichten der Samenschale (Fig. 181, 4. 4 u. 5) ein
brauner gelbstofffreier Farbstoff und die Membranen der Schicht 3 sind
gelbbraun gefärbt. Die bläuliche Farbe kommt dadurch zu stande, daß
über diesen braunen Schichten die Oxalatschicht liegt, deren mit Luft
durchmischte Körnchen den Samen zudem bereift erscheinen lassen. Legt
man den Samen in Salzsäure, so wird er braun (~A. Meyer~). Das breite,
parenchymatische Endosperm führt zahlreiche in maschiges, den Zellkern
einschließendes Ölplasma eingebettete, 1-7 (meist 4-5,5) mik große,
Globoide und Kristalloide führende Aleuronkörner (Fig. 181, 6). Zu
innerst liegt typisches Quellgewebe (Fig. 181, 4 Qu). Das Gewebe des
Keimlings zeigt noch kaum eine Differenzierung, die Procambiumstränge
sind undeutlich; die Zellen enthalten die gleichen Inhaltsstoffe wie
das Endosperm, doch sind die Aleuronkörner kleiner. Stärke fehlt dem
Samen.
Die +Preßkuchen+ (und das Pulver) sind leicht an den Elementen der
Samenschale zu erkennen, besonders an den großen Netzleisten, an der
Faser- und Tüpfelzellenschicht.
=Lit.= (Fast jeder Autor beschreibt die Samenschale anders wie sein
Vorgänger.) ~A. Meyer~, Wissensch. Drogenkunde (mit Abbild.). --
~Tschirch-Oesterle~, Anatom. Atlas (dort das anatom. Detail). --
~Tschirch~, Kleine Beitr. z. Pharmakobot. usw. 1897, Nr. 17. --
~Vogl~, Nahrungs- u. Genußm. -- ~Michalowski~, Beitr. z. Anat. u.
Entwicklungsgesch. von Papav. somnif. Diss. Breslau 1881. -- ~Harz~,
Landwirtsch. Samenk. -- ~T. F. Hanausek~ in ~Wiesner~ Rohstoffe.
-- ~Moeller-Winton~, Nahrungs- u. Genußm. und ~Winton-Moeller~,
Microscopy (mit Abbild.). -- ~Karsten-Oltmanns~, Lehrb. d. Pharm.
-- ~Benecke~, Kraftfuttermittel. 1886. -- ~Berg~, Anatom. Atlas u.
Pharmakogn. -- ~Böhmer~, Ölkuchen in Dammers Lexikon. -- ~Godfrin~,
Etude histol. s. l. tégum. sémin. des Angiosp. Soc. d. sc. de Nancy
1880. -- ~Meunier~, Les tégum. sém. des Papaveracées in La Cellule
1891. -- Die Preßkuchen in ~Collin-Perrot~, Les résidus industr. (mit
Abbild.).
=Chemie.= Die Samen enthalten nach älteren Analysen (~Sacc~)
54,61% fettes Öl, 23,26% Schleim und pektinartige Substanz, 12,64%
Eiweiß (Stickstoff 2-3%) und 5,93% Zellulose, 3-3,5% Wasser,
6-7,7% Asche. Im Durchschnitt enthält Mohnsamen in Prozenten: 8,15
Wasser, 19,53 Stickstoffsubstanz, 40,79 Fett, 18,72 stickstofffreie
Extraktstoffe, 5,58 Rohfaser, 7,23 Asche (in der Trockensubstanz 21,26
Stickstoffsubstanz, 44,41 Fett) (~Boussingault~, ~Hoffmann~, ~Dietrich~
und ~König~, ~Schädler~, ~Hesse~, ~Greitherr~ -- bei ~König~). Nach
neueren Angaben (~Mach~ 1902 u. and.) in Prozenten: 47,4-51,4 Rohfett,
20-22,68 Rohproteïn (18,4-21,6 Eiweiß), 5,1-5,6 Rohfaser, 3-3,9
Pentosane, 1-1,8 Amide u. a., 9,5-10,5 stickstofffreie Extraktstoffe,
3,87-4,5 Wasser, 5,6-6,36 Asche. Ferner enthält der Same 0,25-0,94%
+Lecithin+ (~Schulze~ und ~Frankfurt~), +Diastase+ (in reifendem Samen,
~Brasse~), +Emulsin+ (~Simon~ 1838) und +Lipase+ (~Sigmund~). Die Asche
(6,04%, ~Wolff~) enthält 31,36 P₂O₅, 35,36 CaO, 13,62 K₂O. In der
Samenschale sind 8,7% Calciumoxalat enthalten (~Weiss~).
Die Angaben, daß Mohnsamen Morphin enthalte (nach ~Meurin~ 0,003%,
nach ~Accarie~ 0,06%), haben sich nicht bestätigt (~Sacc~, ~Mach~,
~Clautriau~). ~Hesse~ gab (1865) +Rhoeadin+ darin an.
Die Samen liefern bei der Pressung 40-50% fast geruchloses,
angenehm schmeckendes, +fettes Öl+, =Mohnöl=, =Oleum papaveris=
(huile d’oeillette, h. de pavot, h. blanche, poppy seed oil, olio
di papavero, papaverzaadolie μεκωνέλαιον). Das kaltgepreßte Öl ist
farblos oder goldgelb (weißes Mohnöl), das warmgepreßte dunkler (rotes
Mohnöl). Es trocknet so gut wie Leinöl, ist aber wohlschmeckend.
Die Elementarzusammensetzung ist: 76,5 bis 76,63 C, 11,2-11,63 H,
11,74-12,3 O (~Sacc~). Nach 24stündigem Einlegen in halbkonzentriertes
Kaliammoniak (~Hartwich-Uhlmann~sche Mischung) treten im Tropfen kurze
und lange, lockig gebogene Nadeln und reichlich Sphärite auf.
Es enthält von festen Fettsäuren 6,67% (~Tolman~ und ~Munson~),
wahrscheinlich nur +Palmitinsäure+ (~Lewkowitsch~) -- nach älteren
Angaben auch Stearinsäure. Die flüssigen Fettsäuren bestehen aus 5%
+Linolensäure+, 65% +Linolsäure+ und 30% +Ölsäure+ (~Hazura~ und
~Grüssner~), Isolinolensäure ist fraglich; da die Fettsäuren aber nur
sehr wenig oder kein Hexabromid geben, kann die Menge der Linolensäure
nur sehr gering sein (~Lewkowitsch~). Das Unverseifbare (+Phytosterin+,
F. 136-137°)beträgt c. 0,5%. Der +Lecithingehalt+ des Rohfettes wird zu
13,27% (?) angegeben (~Stellwaag~).
Das spez. Gewicht liegt zwischen 0,924 und 0,927 (~Allen~), der
Erstarrungspunkt bei -17 bis -19° (~Girard~), der Schmelzpunkt
bei -22°, die Verseifungszahl ist (189) 190,1-197,7 (~Dieterich~,
~Valenta~, ~Lewkowitsch~), die Jodzahl 132-136 (~Lewkowitsch~),
137,6-143,3 (~Dieterich~), bei mit Petroläther aus dem Samen
extrahierten Öl 153,48-157,52 (~Utz~), die ~Reichard-Meissl~-Zahl
0, die Hehnerzahl 95,38 (~Dietzell~), 94,97 (bei ostindischen Ölen,
~Crossley~ und ~Le Sueur~), die Maumenéprobe zeigt (74) 86-88,5°, der
Brechungsexponent im Oleorefraktometer +23,5 bis +29° (~Jean~), im
Butterrefraktometer bei 15°: 78,1-78,4° (~Utz~), bei 25°: 72-74,5. Die
Verbrennungswärme des Mohnöls beträgt 9442 kal. (~Stohmann~), 9397
g-kal. (~Sherman~). Der Entflammungspunkt liegt bei 250° (~Rakusin~).
Die freien Fettsäuren zeigen bei 100° ein spez. Gewicht = 0,888, ihr
Erstarrungspunkt liegt bei 16,5°, ihr Schmelzpunkt bei 20-21° (~de
Negri~ und ~Fabris~), die Neutralisationszahl ist 199, die Jodzahl
116,3-139 (die der festen Fettsäuren 149,6), die Acetylzahl 13,1, der
Brechungsexponent 1,4506 (~Thörner~). Die technischen Mohnöle sind
reich an freien Fettsäuren (bis 17,73%).
Die Zusammensetzung der Preßkuchen ergibt sich aus folgender Tabelle:
-----------------+------------------------+-------------------------
| Weißer indischer Mohn | Schwarzer Mohn
| | Artois Levant
| ~Décugis~| ~Garola~ |~Boussingault~| ~Décugis~
=================+==========+=============+==============+==========
Wasser | 11,15 | 10,90 | 11,70 | 9,70
Fette | 5,13 | 7,24 | 10,10 | 9,18
Stickstoffhalt. | | | |
Substanz | 34,50 | 38,12 | 37,80 | 35,38
Stickstofffreie |} | | |
Substanz |} 33,90 | 19,46 | 23,30 | 24,61
Cellulose |} | 11,08 | 11,10 | 8,20
Asche | 16,13 | 13,20 | 6,00 | 12,93
Die Preßkuchen des Mohn enthalten im Mittel 5,50-6% Stickstoff,
2,75-3,50% Phosphorsäure.
=Lit.= ~Sacc~, Ann. chim. phys. (3) 27 (1849) 473 (Jahresber. d.
Pharm. 1849, 64). Journ. pr. Chem. 1850, 307. -- ~Accarie~, Journ.
chim. méd. 1833, 431 (Jahresb. d. Chem. 4 [1835] 250). -- ~Meurin~,
Journ. d. pharm. 23 (1853), 339. -- ~Clautriau~, Ebenda 20 (1889),
161 und Bull. Soc. Belg. Mikr. 1894, 35. -- ~Wolff~, Aschenanalysen
I, 105 (Asche auch: ~Wildenstein~, Journ. pr. Chem. 54 [1851],
100). -- ~Mach~ (Monograph.), Landw. Versuchsstat. 57 (1902), 419.
-- ~Schulze~ u. ~Frankfurt~, Landw. Versuchsstat. 1894, 307. --
~Brasse~, Compt. rend. 1884, 878. -- ~Simon~, Poggend. Ann. 43
(1838), 404. -- ~Sigmund~, Monatsh. f. Chem. 11 (1890), 272. --
~Hansen~, Fermente, Arbeit. Bot. Inst. Würzburg III, 252. -- ~Weiss~
in ~Meyer~, Drogenkunde. -- Analysen bei ~König~, Nahrungs- u.
Genußm., ~Harz~ a. a. O. u. ~Collin-Perrot~ a. a. O.
+Öl+: ~Oudemans~, Scheik. Verhand. 1858, II 180 (Jahresb. d. Chem.
1858, 304); Journ. d. pharm. 44 (1863), 362 (Jahresb. d. Pharm.
1863, 159). -- ~Mulder~, Journ. pr. Chem. 1865, 323 u. Chem. d.
austrocknend. Öle 1867. -- ~Hazura~ u. ~Friedrich~, Monatsh. f. Chem.
1887, 247 (Jahresb. d. Pharm. 1887, 296). -- ~Hazura~ u. ~Grüssner~,
Monatsh. f. Chem. 1888, 198. -- ~Hefter~, Fette u. Öle II (1908)
100. -- ~Schaedler~, Technol. d. Fette. -- ~Lewkowitsch~ a. a. O.
-- ~Tolman~ u. ~Munson~, Journ. amer. chem. soc. 1903, 690. --
~Utz~, Chem. Zeit. 1903, 1177 u. 1904, 257. -- ~Stellwaag~, Landw.
Versuchsstat. 37, 135.
=Verfälschungen.= Speisemohnöl wird mit Sesamöl (~Baudouin~sche
Reaktion!) und Haselnußöl verschnitten, Malermohnöl oft durch Wallnußöl
ersetzt, das aber 1,4 bis 1,9% Hexabromid (Mohnöl nichts davon) liefert
und dadurch erkannt werden kann.
=Anwendung.= Mohnöl dient zu Speisezwecken, auch zur Verfälschung
des Olivenöls und zur Herstellung weißer Malerfarben, mit Mastix und
Japanwachs als «Wachsöl». Zur Schmierseifenfabrikation werden nur die
schlechtesten Sorten verwendet. In der Pharmazie wird Mohnöl jetzt
vielfach durch das bessere Sesamöl oder Erdnußöl ersetzt (D. A. V). In
der Medizin dient Mohnsamen zu Emulsionen.
Die wohlschmeckenden Preßkuchen sind -- schon allein wegen ihres
Phosphorsäuregehaltes -- ein vorzügliches Futtermittel. +Sie zeigen
keinerlei giftige Eigenschaften.+
In der Niederlausitz (z. B. in Guben) wird ein aus Milch, Semmel
und Mohnsamen bereitetes Gericht unter dem Namen «Mopielen» am
Weihnachtsabend gegessen (~Tschirch~). Die Sitte stammt wohl aus
Schlesien, wo der Mohn mo genannt wird. Auch in Tirol findet sich als
Festspeise ein Gericht aus Milch, Semmel, Honig und Mohnsamen (~Dalla
Torre~). Die noch heute übliche Sitte, Backwerk mit Mohnsamen (oder
Lein- bzw. Sesamsamen) zu bestreuen, ist uralt (~Hehn~).