pflanzlichen Schädlinge mit: Auf Stengeln und Blättern des Hanfes
sind verschiedene Parasiten beobachtet, von denen die meisten nicht
sehr erhebliche Schädigungen hervorrufen dürften. Wir erwähnen unter
denselben _Peronospora Cannabina_ ~Otth.~, _Dendrophoma Marconii_
~Cav.~, _Septoria Cannabis_ (~Lasch~) ~Sacc.~, _Phyllosticta
Cannabis_ ~Speg.~ Wichtiger ist die als Hanfkrebs beschriebene
Erkrankung, welche durch eine _Sclerotinia_ (_Scl. Kauffmanniana_
~Tichomiroff~, nach ~de Bary~ mit _Scl. Sclerotiorum_ ~Libert~
übereinstimmend) hervorgerufen wird, deren Mycel den Stengel
durchwuchert und an dessen Oberfläche sowie im Markraum Sklerotien
bildet. Die sog. Brusonekrankheit des Hanfes, bei welcher am Stengel
etwas vorspringende, weissgraue Flecken und ein Absterben des
Gewebes bis zum Holzkörper beobachtet wird, ist nach ~V. Peglion~
eine Bakteriose. Endlich leben auf _Cannabis sativa_ die beiden
phanerogamischen Parasiten _Orobanche ramosa_ L. (_Phelipaea ramosa_
~C. A. Meyer~) und _Cuscuta europaea_ L.
=Kultur und Handel.= Der Hanf wird besonders zur Gewinnung seiner
Faser, weniger wegen der Früchte und des aus ihnen gepreßten Öls, in
Indien als narkotisches Genußmittel (zur Bereitung des Haschisch I, S.
1042) gebaut; in größerem Maßstabe in Rußland in den Gouvernements
Smolensk, Kaluga, Tela, Orel, Kursk, Tschernigoff. Ferner wird Hanf
angebaut in China, Ostindien (hier die var. _indica_), Persien,
Österreich, Ungarn, Deutschland (Baden, Elsaß, Rheinlande), Nordamerika
(hier auch in Form der var. _americana_) und Neu-Seeland. Er gedeiht
ebenso in der Nähe des Polarkreises (Archangel) wie in Indien.
Hanf findet sich bisweilen in den Gärten der Bauern und Fischer in
Kleinkultur (Kampongkultur I, S. 48), die daraus die Faser gewinnen
(~Fischer-Benzon~). Der Hanf liebt im allgemeinen ein nicht zu nasses,
warmes Klima und eine geschützte Lage. Er verlangt einen kräftigen,
tiefgründigen Boden. Der Hanf reift in 13-14 Wochen und welkt nicht
eher als bis die Früchte reif sind. Die Früchte fallen zur Reifezeit
aus der Hülle. Man trocknet sie rasch an der Luft. Die Früchte werden
in Mitteleuropa im August gesammelt.
In Amerika kennt man folgende Sorten von _Cannabis sativa_-Früchten:
barren hemp, black seeded hemp, chinese hemp, common h., East India
h., German h., Indian h., Imperial Kentucky h., Russian h., New
Zealand h. Der Hanfsamen von _C. s._ var. _americana_ heißt: American
hemp, auch wohl (fälschlich) chinese h. (~Wherrell~).
Im deutschen Handel ist Hanfsaat in Ballen von c. 100 kg.
+Hamburg+ führte von _Fr. Cannabis_ 1908: 1082800 kg, 1909: 592100 kg
ein und 1908: 780300 kg, 1909: 342500 kg seewärts aus (~Tunmann~).
+Deutschland+ importierte 1909: 77526 dz «Hanfsaat» besonders aus dem
europ. Rußland und Österreich und exportierte 59188 dz, besonders
nach Frankreich.
=Lit.= ~Oppenau~, Der Hanfbau im Elsaß, seine Geschichte u.
Bedeutung. 1897. -- ~O’Shaughnessy~, Bengal dispens. and Pharmac.
1841. -- ~Watt~, Dict. econom. prod. India. -- +Wherrell+ s. unten.
-- ~Tunmann~, Apoth. Zeit. 1911.
=Beschreibung der Droge.= Die nußartigen, einfächerigen, einsamigen
Schließfrüchte, die je nach der Sorte etwas verschieden in Form,
Größe, Glanz, Marmorierung und Aderung sind, und denen bisweilen noch
bräunliche Reste des Deckblattes anhaften, sind c. 3-5 mm lang und c. 2
mm breit (die Früchte der var. _gigantea_ sind größer, ~Harz~), oval,
breit-eiförmig etwas zusammengedrückt, an den Kanten, besonders an
der dem Würzelchen entsprechenden Seite, gekielt (Fig. 179) und hier
bei der Keimung zweiklappig aufspringend. Das Gewicht einer Frucht
beträgt c. 4 mg. Die dünne, harte, zerbrechliche, glatte und glänzende
Schale ist grau, grünlichgrau, grünlichbraun oder graubraun, innen
meist olivenbraun, durch ein zierliches, von der Basis aufsteigendes,
besonders bei Betrachtung mit der Lupe deutliches Adernetz zarter
Gefäßbündel gezeichnet (Fig. 179). Der an der Spitze der Frucht
angewachsene, von einer zarten, grünlichen, neben der Spitze der
Radicula eine braune Chalaza zeigenden Samenhaut bedeckte Same enthält
reichlich Endosperm nur um die Radicula. Er ist aus einem camptotropen
Ovulum hervorgegangen, daher ist der Embryo hakenförmig gekrümmt
(Fig. 179, 4). Dieser besitzt breite, fleischige Cotyledonen und eine
anliegende Radicula, deren Spitze gegen die Spitze der Frucht gerichtet
ist. Zwischen den Cotyledonen liegt die kleine Plumula. Die Früchte
schmecken ölig, süßlich, etwas schleimig, die Emulsion widerlich.
Hohle oder zerbrochene (stets ranzige) Früchte sind zu beseitigen.
Aufgesprungene keimen nur zu 54% (~Harz~). Man bewahrt Hanffrüchte am
besten in hölzernen Gefässen auf.
=Lit.= ~Muth~, Unters. über d. Früchte d. Hanf. Jahresb. d. Verein.
d. Vertret. d. angew. Botanik 1906. -- ~Tschirch~ in Realenzyklop. --
~Harz~, Landwirtsch. Samenkunde.
=Anatomie.= Die Fruchtknotenwand ist haar- und drüsenfrei. Das
Perigon trägt einige Öldrüsen, ganz besonders ist aber das große, in
einen langen, lanzettlichen Zipfel auslaufende +Deckblatt+ außer mit
Cystolithenhaaren (wie die Laubblätter) über und über mit Öldrüsen
besät (vgl. ~Tschirch-Oesterle~, Anatom. Atlas), die beim indischen
Hanf sehr dicht stehen, bisweilen mehr wie 16 Secernierungszellen
enthalten und auf langen Stielen emporgehoben sind. Platzt die
Cuticula der Drüsen, so verklebt das Sekret den ganzen weiblichen
Blütenstand, was besonders beim indischen Hanf stattfindet.
Die +Fruchtschale+ besteht aus zwei Schichten, einer weichen äußeren
und einer harten inneren. Die äußere besteht aus vier Schichten: der
Epidermis, einer Zone unregelmäßiger Zellen, eine Schicht brauner,
quergestreckter und einer Reihe heller quadratischer Zellen. In der
subepidermalen Zone verlaufen die zarten Bündel, die die Zeichnung der
Frucht (s. oben u. Fig. 179) bedingen. Die Hartschicht der Fruchtschale
besteht aus einer Reihe sehr eigenartiger Palissadensklereïden (Fig.
180, scl). Die grünliche Samenschale besteht aus zwei Schichten, einer
äußeren einreihigen, die aus eigentümlichen langen, eine grünliche
Substanz enthaltenden Schlauchzellen besteht und einer inneren breiten,
stark obliterierten Nährschicht (Fig. 180 N).
Das aleuronreiche, der Samenschale anhaftende Endosperm ist gegen die
Cotyledonen hin durch eine Quellschicht (~Tschirch~) abgeschlossen
(Fig. 180 Qu). Die subepidermale Schicht der Oberseite der Cotyledonen
zeigt palissadenartige Streckung. Das Gewebe der Cotyledonen und der
Radicula ist erfüllt mit in Ölplasma eingebetteten, Globoide und
Kristalloide einschließenden, c. 4-8 mik. langen Aleuronkörnern. Die
Angabe ~Wherrells~, daß auch Stärkekörner in großer Menge vorkommen,
beruht auf einen Irrtum. Jede Zelle enthält einen lappigen Zellkern.
[Illustration: Fig. 180.
_Cannabis sativa_ L.
Querschnitt durch die Fruchtschale (frs), Samenschale (ss),
das Endosperm (End.) und die innere Schicht eines Cotyledon.
[+Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]
=Lit.= ~Tschirch~, Anatomie, Fig. 36, 148, 157, 533. --
~Tschirch-Oesterle~, Anatom. Atlas (dort das anatom. Detail). --
~Tschirch~, Cannabis in Realenzyklop. d. Pharm. -- ~Winton~, Anatom.
d. Hanfsam., Zeitschr. d. Unters. d. Nahrungs- u. Genußm. 1904;
auch Conn. Agric. Exp. Stat. Rep. 1903, 175. -- ~Collin-Perrot~,
Les résidus industriels (p. 115 die Preßkuchen mit Abbild.). --
~Moeller-Winton~, Mikroskop. d. Nahrungsm. und ~Winton-Moeller~,
Microscopy of vegetable foods (mit Abbild.). -- ~Harz~, Landw.
Samenkunde (mit ungenauen Abbild.). -- ~Macchiati~, Anat. del frutto
e germinat. del seme della canapa Bull. Staz. agrar. di Modena 1889.
-- ~Benecke~, Mikrosk. Unters. d. Kraftfutterm. 1886. -- ~Collin~,
Guide pratique 1893. -- ~T. F. Hanausek~, Nahrungs- u. Genußm. 1884.
-- ~Böhmer~ in ~Königs~ Unters. landwirtsch. u. gewerbl. wichtig.
Stoffe 1898.
=Chemie.= Eine ältere Analyse (~Buchholz~) gibt an, daß die
Früchte enthalten in Prozenten: 19,1 Öl, 1,6 Harz, 1,6 Zucker und
Extraktivstoff, 9 gummiges Extrakt, 24,7 lösliches Eiweiß, 5 Dextrin,
38,3 Faser. ~Anderson~ fand 22% Eiweiß, Phosphate 2,4%, übrige Asche
4%. Die lufttrockenen Früchte ergaben im Durchschnitt zahlreicher
Analysen (~Boussingault~, ~Dietrich~ und ~König~, ~Anderson~,
~Schädler~) in Prozenten: 8,92 Wasser, 18,23 Stickstoffsubstanz, 32,58
(31,42-33,6) Fett, 21,06 stickstofffreie Extraktstoffe, 14,97 Rohfaser,
4,24 Asche -- in der Trockensubstanz: 20,01 Stickstoffsubstanz und
35,77 Fett.
~Frankfurt~ fand (1894) in der Trockensubstanz in Prozenten: 18,63
Eiweiß (Myosin, Vitellin), 3,36 Nucleïn usw., 0,88 Lecithin, 30,92
Glyceride, 0,07 Cholesterin, 2,59 Rohrzucker (~E. Schulze~) und
sonstige lösliche Kohlehydrate, 11,02 Pentosane, 0,68 organische Säuren
(Citronensäure), 26,33 Rohfaser, 5,51 Asche (~Leuchtweiss~: 5%). Der
wässrige Auszug der unzerkleinerten Früchte schmeckt süßlich und
reduziert ~Fehling~sche Lösung in der Kälte, durch Eisenchlorid wird er
nicht gefärbt (~Flückiger~).
In der von 3,5-6,5% (2,2-7,39 ~Wherrell~) schwankenden Asche
findet sich in %: 20,28 Kali, 23,64 Kalk, 36,46 Phosphorsäure,
11,9 Kieselsäure, 5,7 Magnesia, 1 Eisenoxyd, 0,78 Natron, 0,19
Schwefelsäure, 0,08 Chlor.
Ferner wurde in der Hanffrucht gefunden: +Edestin+ (~Osborne~
und ~Campbell~), krist. +Globulin+ (~Ritthausen~, ~Osborne~),
+Anhydrooxymethylenphosphorsäure+ (?), als Ca-Mg-Salz = Phytin (?)
(~Posternak~), +Trigonellin+ und +Cholin+ (~Schulze~ und ~Frankfurt~,
~Marino Zucco~, ~Jahns~), 3,36% +Nucleïn+, 0,88% +Lecithin+ und die
Enzyme: +Emulsin+ (~Simon~), +Lipase+ (~Siegmund~), +Protease+ (~Will~).
In den Aleuronkörnern finden sich hauptsächlich Globuline. Die
Kristalloide enthalten wenigstens zwei Globuline von verschiedener
Löslichkeit, die Globoide neben Globulinen in anscheinend fester
Bindung Ca, Mg und H₃PO₄ mit einem organischen Rest, die Grundsubstanz
neben Globulinen wenig Albumosen (~Tschirch~ und ~Kritzler~).
Durch Pressung erhält man 15-30% Öl (und 70-85% «Hanfpreßkuchen»),
durch Ätherextraktion bis 34,5% Öl (~Flückiger~); noch höhere Zahlen
erhielten ~Munch~ (1866): 35,5% und ~Wherrell~ (1897) mit Petroläther
und Äther: 35,65%. Als Durchschnittsgehalt kann man 32% annehmen.
Das =Hanföl=, =Oleum cannabis= (huile de chanvre, de chènevis,
hemp seed oil, olio di canape) zeigt die Elementarzusammensetzung
C = 76,0, H = 11,3, O = 12,7, ist frisch gepreßt hellgrün bis
grünlichgelb, wird aber bald braungelb und hat meist einen
unangenehmen Geruch. Es enthält neben den +Glyceriden der Stearin-+
und +Palmitinsäure+ vorwiegend das +Glycerid der Linolsäure+ (c.
70%) neben 15% +Linolen-+ und +Isolinolensäureglyceriden+ (vgl. S.
546). ~Bauer~ und ~Hazura~ fanden darin eine eigentümliche Fettsäure:
Hanfölsäure, C₁₈H₃₂O₂, die aber wohl mit Linolsäure identisch ist
(?). Nach ~Lewkowitsch~ fehlt Stearinsäure. Der Gehalt an freier
Säure beträgt c. 5% (~Bauer~, ~Hazura~, ~Grüssner~), der Gehalt an
unverseifbaren Bestandteilen (Phytosterin + Lecithin) beträgt 1,08%.
Das spez. Gewicht ist = 0,925-0,931. Das Öl verdickt sich bei -15
und erstarrt bei -27°. Die Verseifungszahl beträgt 190-194,9, die
Jodzahl ist sehr hoch: 140-166 (meist 148 bis 157), die Acetylzahl
der Fettsäuren 7,5, die Sauerstoffabsorption, direkt bestimmt: 13,4%,
die Temperaturerhöhung bei der ~Maumené~schen Probe beträgt 95-99°
(~Ulzer~ und ~Klimont~), Brechungsexponent in Oleorefraktometer +30
bis 37,5, der Entflammungspunkt liegt bei 250-265° (~Rakusin~) (weitere
Konstanten bei ~Lewkowitsch~ a. a. O.). Das Öl wird rasch ranzig. Da
die Fruchtschale stets +Chlorophyll+ enthält und dieses in Öl löslich
ist, so findet man diesen Farbstoff auch, wie die spektralanalytische
Untersuchung lehrt (~Tschirch~), im Öl. Das mit Äther ausgezogene Öl
ist bräunlichgrün.
Die in 12-15 kg schweren Broten in den Handel gebrachten
+Hanfsamenpreßkuchen+ (pain de chènevis, tourteau de chanvre)
enthalten c. 10% Wasser, 6-10,17% Öl, 21-31% Stickstoffsubstanz,
17,3-24,7% Faser und 7-8% Asche (~Cornevin~, ~Garola~, ~Dietrich~
und ~König~). +Narkotische Bestandteile, etwa der Art wie sie die
Blätter zeigen, enthält die Frucht nicht.+ Sie kann also nicht zu
Berauschungszwecken (I, S. 1042) benutzt worden sein. Wohl aber
zeigten die Preßkuchen bei Tieren abführende Eigenschaften.
=Lit.= ~Bucholz~, Arch. Pharm. (2) 78, 211. -- ~Anderson~, Journ.
Agric. of the Highland Soc. 1855, 128 (Arch. Pharm. [2] 78, 211.
Jahresber. d. Chem. 1855, 727). -- ~Leuchtweiss~, Lieb. Ann. 50
(1844), 417. -- ~Simon~, Pogg. Ann. 43, 404. -- ~König~, Nahrungs-
u. Genußmittel (dort weitere Lit.). -- ~Samoggia~, Staz. sperim.
agr. ital. 31 (1898), 417. -- ~Flückiger~, Pharmakogn. -- ~J. B.
Boussingault~, D. Landwirtsch. in ihren Bezieh. z. Chemie 3, 202.
-- ~Will~, Ber. d. chem. Ges. 1875, 1570. -- ~Schädler~, Technol.
d. Fette 1883. -- ~Frankfurt~, Landw. Versuchsstat. 43 (1894), 145
u. 307. -- ~Schulze~ und ~Frankfurt~, Zeitschr. phys. Chem. 20
(1895), 511. -- ~Lewkowitsch~, Chem. Technol. d. Öle usw. (dort die
analyt. Liter.) -- ~Ulzer-Klimont~, Chem. d. Fette. -- ~Wherrell~,
Bull. of pharmacy 1897, 340. -- ~Osborne~ u. ~Campbell~, Journ.
amer. chem. soc. 18 (1896), 609. -- ~Posternak~, Compt. rend. 137
(1903), 202. -- ~Marino-Zucco~, Gaz. chim. ital. 1895, 262. --
~Siegmund~, Monatsh. f. Chem. 1890, 272. -- ~Bauer~ u. ~Hazura~,
Ebenda 1886, 216. -- ~Hazura~, Ebenda 7, 637 u. 8, 147. -- ~Tschirch~
u. ~Kritzler~, Aleuronkörner. Ber. d. pharm. Ges. 1890, 246. -- Lit.
der Aschenanalysen des H. in ~Wehmer~, Pflanzenstoffe. Analysen der
Hanfsamenpreßkuchen in ~Harz~, Landwirtsch. Samenkunde, ~Böhmer~, Die
Kraftfuttermittel und in ~Dammers~ Illustriert. Lexik.
=Verwechslungen und Substitutionen.= In Amerika fand ~Wherrell~ als
«Hanf» (hemp) bezeichnet folgende Sorten: Agrimony hemp: _Eupatorium
cannabinum_, Ambareehemp (oder Deckarreeh.): _Hibiscus cannabinus_,
Africanh.: _Sanseveria guineensis_, Bastardh.: _Datisca cannabina_,
Bengalh. (Bombayh. brownh., Madrash., Sunnh.): _Crotolaria juncea_,
Bowstringh.: _Sanseveria zeylanica_, Black indianh. (Canadianh.):
_Apocynum cannabinum_ und _A. androsaemifolium_, Jubbulporeh.:
_Crotolaria tenuifolia_, Manilah.: _Musa textilis_, Nettleh.:
_Galeopsis Tetrahit_, Rajinahalh.: _Marsdenia tenacissima_, Sisalh.:
_Agave sisalana_, Waterh.: _Acnida cannabina_, White Indianh.:
_Asclepias incarnata_, Wildh.: _Ambrosia trifida_. Die Herkunft
von Chilianh. ist zweifelhaft. Diese Sorten sind vornehmlich
Faserpflanzen.
Das Hanföl dient seinerseits vielfach (z. B. in Amerika) als
Verfälschungsmittel des Leinöls. Die Hanfpreßkuchen werden mit allem
möglichen, z. B. Salz, in Frankreich mit Tourteau de Pulghère oder
de Pignon d’Inde (_Jatropha Curcas_) verfälscht (~Collin~). Letztere
Beimengung ist gefährlich.
=Lit.= ~Orta Wherrell~, Hemp seed and hemp seed oil. Bull. of pharm.
11 (1897), 340 (mit Abbild.).
=Anwendung.= Die Emulsion der Frucht (Emulsio seminis cannabis) dient
als reizmilderndes Mittel besonders bei Blasenleiden, das Öl in der
Tierheilkunde als Einreibung bei übermäßiger Milchsekretion, ferner
zur Herstellung von Schmierseife, «grüner Seife», die hier, da das
Öl grün ist, wirklich eine grüne Farbe hat. Aus dem Samenkern wird
+Phytin+ dargestellt, das aber ein Gemenge ist [Inosit-Phosphorsäure
(?) und Glukuron-Phosphorsäure?]. Hanföl ist während der
griechisch-katholischen Fastenzeit Hauptnahrungsmittel des russischen
Volkes (~Hehn~). Der Hanf ist auch Volksheilmittel in Rußland
(~Kobert~, Studien I). Die Hanfsamenpreßkuchen werden, da sie schlecht
schmecken und abführend wirken, nur wenig als Futtermittel, viel als
Düngemittel und in sehr beträchtlichen Mengen (in Frankreich bis 150000
kg pro Jahr) zum Füttern der Fische benutzt (~Collin~). Die Hanffrüchte
sind ein beliebtes Vogelfutter. In Nordwest-Europa werden sie geröstet
und mit Salz zu Brot, Suppen usw. gegessen. In England dient Hanf als
Liebesorakel, in Serbien die Blüte als Aphrodisiacum.
=Lit.= ~Collin-Perrot~, Residus industr. -- Phytin: ~Levene~ und
~Neuberg~, Biochem. Zeitschr. 1909, 399 u. 406.
=Geschichte.= Da die Heimat des H. in Asien sich befindet, ist
es erklärlich, daß besonders die Skythen und die Chinesen sowie
andere asiatische Völker von jeher die Hanfkultur betrieben, die
Mittelmeerländer aber die Leinkultur (~Engler~). Die Heimat der
Hanf+kultur+ ist also wahrscheinlich im nordwestlichen oder zentralen
Asien (vielleicht auch in Südrußland) zu suchen. ~de Candolle~
nimmt an, daß skythische Stämme den Hanf (um 1500 n. Chr. etwas
vor dem trojanischen Kriege) von Centralasien und Rußland nach
dem Westen brachten. Den Hanf kannten die alten Ägypter nicht,
ebensowenig die Phönikier. Er fehlt auch im alten Testament (~Hehn~).
Weder Hanfsamen noch die Faser sind im alten Ägypten nachzuweisen
(~Buschan~), auch nicht in den Schriften der Ägypter und Hebräer.
Dagegen wird er schon in den ältesten Schriften Chinas (z. B. im
Shuking 500 n. Chr.) erwähnt und das chinesische Wörterbuch Rha ya
(I, S. 520) unterscheidet bereits den männlichen und weiblichen
Hanf (~Bretschneider~). Auch Pen ts’ao kang mu (I, S. 518) führt
Hanfsamen auf und der Hanfkultur gedenkt das landwirtschaftliche
Werk Tsʿi min yao shu (I, S, 522). In Nordindien wurde H. schon
800 bis 900 n. Chr. gebaut. Das sanskritische çaṇa bezieht sich
wohl auf Cannabis, obwohl es auch _Crotularia juncea_ bedeuten
kann (L. von ~Schroeder~ bei ~Wiesner~). In Atharvaveda wird çaṇa
als Heilmittel, in Sûtras (600 n. Chr.) werden Stricke aus çaṇa
erwähnt. H. findet sich auch in Sušrutas und Charakas und anderen
indischen Werken. Auf iranisch-skythischem Boden ging angeblich der
Hanfrausch dem Weinrausch vorher. Jedenfalls ist die Bekanntschaft
mit dem Hanf bei den arischen Indogermanen sehr alt (sansc. bhan̄gâ
= Hanf). Über die Benutzung der Fasern und der Frucht bei den
Skythen berichtet ~Herodot~ (vgl. I, S. 1042). Er erwähnt wilden und
kultivierten H. in Syrien, ~Hesychius~ Kleider aus H. ~Moschion~
gedenkt der Faser. Die Griechen kannten ihn zur Zeit des ~Herodot~
nicht, auch ~Theophrast~ erwähnt den H. nicht. Bei den Römern wird
Hanf zuerst bei ~Lucilius~ (100 n. Chr.) erwähnt. Nach ~Athenaeus~
scheinen sich zur Zeit ~Hiero~ II. von Syracus Kulturen in Gallien
befunden zu haben (~Hehn~). Erst ~Dioskurides~ meint, daß die Frucht
die Zeugung vernichte. Er erwähnt, daß die Faser die kräftigsten
Stricke liefere. Das Kraut wurde im Altertum nicht benutzt (erst
~Berlu~ [I, S. 949] erwähnt es). Auch ~Plinius~ gedenkt des H. zur
Verfertigung von Stricken. Er erwähnt, daß er im Frühling ziemlich
dicht gesät und die Frucht zur Zeit des Herbstäquinoktiums geerntet
und an der Sonne, dem Wind oder im Rauche getrocknet werde; der
rosëische im Sabinergebiete erreiche die Höhe eines Baumes. Von
einer medizinischen Anwendung der Früchte erfahren wir wenig. Bei
~Scribonius Largus~ fehlen sie; dagegen finden sie sich im Edikte des
~Diocletian~ (I, S. 569). Prähistorische Funde des Hanf fehlen in
Mittel- und Westeuropa (~Heer~, ~Sordelli~). Das erste hanfene Gewebe
stammt aus der Zeit der Völkerwanderung (~Buschan~). Wahrscheinlich
haben die Germanen den H. und seinen Namen sowie die Kultur etwa
im IV. oder V. Jahrh. n. Chr. von demselben südosteuropäischen
Volke erhalten, von dem direkt oder indirekt auch den Griechen
die Sache und der Name übermittelt wurde (~Kluge~). Die Germanen
lernten also den Hanf erst zu ~Herodots~ Zeit kennen, die Skythen
bauten ihn (~Herodot~ [IV, 74, 75]: «Der Hanf wächst wild und
angebaut im Lande der Skythen») und er stammt wohl aus Bactrien
und Sogdiana, den Caspischen und Aralgegenden, wo er noch jetzt in
Üppigkeit wächst (~Kluge~). Dagegen meint ~Hoops~, daß sich zum
Flachs schon in vorgermanischer Zeit der Hanf gesellt haben müsse,
da sein germanischer Name die erste Lautverschiebung mitgemacht hat.
Jedenfalls wurde Hanf schon in vorrömischer Zeit in ganz Deutschland
und auch in den nordischen Ländern kultiviert (~Hoops~). Daß dies in
altnordischer Zeit in Nordeuropa der Fall war, geht aus verschiedenen
(bei ~Hoops~ mitgeteilten) Dokumenten aus dem XIII. und XIV. Jahrh.
hervor. Bischof ~Otto~ von Bamberg fand H. bei den heidnischen
Slaven in Pommern. Von den Angelsachsen wurde er auch in ihrer
neuen Heimat angebaut. ~Karl der Grosse~ schrieb im Capitulare den
Anbau von canava auf seinen Landgütern vor (~Schrader~, ich finde
H. dort nicht). H. fehlt im St. Galler Klosterplan, im Hortulus und
bei ~Macer Floridus~, was auf keine beträchtliche Kultur deutet.
Daß Hanf im Mittelalter in Spanien gebaut wurde, geht aus ~Ibn
Alawwâms~ landwirtschaftlichem Werke (I, S. 611) hervor. Als ein
Bestandteil des berühmten Würzburger Rezeptes aus dem XIII. Jahrh.
(I, S. 624) findet sich auch _Canape sem._ (hanofsamo). In den
angelsächsischen Leechdoms (c. 1000) steht: «herba chamepitys baet
is henep» und «deos wyrt be man cannane silfatica et obrum naman
henep nemneb». Auch das Gothaer Arzneibuch (I, 680) gedenkt des
hennep, das Züricher Arzneibuch aus dem XII. Jahrh. des hanifsâmin
und die mittelenglischen Medizinbücher (I, S. 693) der hempe. Große
medizinische Bedeutung scheinen die Hanffrüchte im Mittelalter und
in der neueren Zeit aber nicht besessen zu haben, denn sie fehlen
in vielen Taxen und Medikamentenlisten. Immerhin steht H. in der
Alphita, bei ~Serapion~ und ~Bartholomaeus~ (I, S. 644) und die
Araber bedienten sich seiner, auch der Früchte, die ~Ibn Baithar~
habb elsamanat nennt. Die erste Abbildung der Pflanze findet sich im
Codex Constantinopol. des ~Dioskurides~ (I, S. 554), eine weitere
im Ortus sanitatis (vgl. I, Fig. 382). Schon ~Rumphius~ gedenkt des
Unterschieds zwischen indischem und europäischem H. Hanfsamen werden
schon 1629 in der Plymouth Colony in Nordamerika erwähnt (Encycl.
brit.). H. kam also frühzeitig nach Amerika. Im XVIII. Jahrh. wurde
H. in Ägypten gebaut (~Forskal~). Hanffasern wurden in alten Papieren
nachgewiesen (~Wiesner~), aber seltener als Leinfasern.
=Lit.= ~Hehn~ (~Schrader~ und ~Engler~), Kulturpflanzen. --
~Schrader~, Reallexikon. -- ~de Candolle~, L’origine des plantes
cultivées (dort weitere Lit.); auch ~Prodromus~ XVI. -- ~Buschan~,
Vorgeschichtl. Botan. -- ~Fischer-Benzon~, Altdeutsche Gartenflora.
-- ~Hoops~, Waldbäume u. Kulturpflanzen. 1905. -- ~Wiesner~,
Rohstoffe, II. Aufl. -- ~Blümner~, Technol. u. Terminol. d. Gewerbe.
1875. -- ~Bretschneider~, Chin. botanic. works 1870 u. Botanicon
sinicon. -- ~Flückiger~, Pharmakogn.
Semen Papaveris und Oleum Papaveris.
=Syn.= Mohnsamen, Magsamen, Man, Mannkoppensaad, Mahnblom, Maon,
Ölmagen, Schlafmohn -- Pavot officinal, Ponceau (franz.) -- papavero
(ital.) -- garden poppy, white p. (engl.) -- maan kop, klaproos, heul
(holl.) -- valmun (fin.) -- valmuë (norw.) -- mak (ung.) -- μήκων
(griech.) -- kashkásh, post (hind.) -- ahiphena (sanscr.) -- afiun,
afiyun (arab., pers., ind.).
In der Schweiz: Kolben, Lichtschnuppen, Mageel, Magsaamen, Pavo,
Röttiliöl, in Bünden: Machoca oder Matschöa. In Tirol: Echter
Magen, Ölmagen, Magenpflanze (die Mohnköpfe: mog’n gugg’l, die
Samen: mag’n, ~Dalla Torre~). -- +slav.+ mak -- +litauisch+ aguná
-- +esthn.+ maggona -- +lett.+ maggons. -- +athd.+ mago -- +mthd.+
elmagen, magesaeme, magöl, swatz und wis magsam, magsat, magsamlyn,
mahen, masem, masame, mauden, magnesam, moinsayd, ölmag, olimage,
omahenmilch -- +mnd.+ maen, mahnmilch, manecop, mangksaat, -- im
Mittelalter: cadia, codion, opium -- bei ~Ibn Baithar~: ḫašhāš -- bei
der ~Hildegard~: Papaver. -- Im +Ortus+: magsamen -- bei ~Megenberg~:
magenkopf, magenkraut -- bei ~Cordus~: mahn -- bei ~Bock~: mägle,
magle, mön, ölsamen. -- Bei ~Fuchs~: mon -- bei ~Lonicerus~: magen.