und Ricinusöls, die Babylonier des Sesamöls. Öl (mrḥt) und Talg (ʿd)
werden sehr oft in ägyptischen und auch in babylonischen Rezepten
genannt (vgl. I, S. 467). ~Oefele~ nennt (I, S. 486) 16 tierische
Fette, die in babylonischen Apotheken zu finden waren. Die Gewinnung
von Öl (umgebildet aus lat. oleum) aus Pflanzen durch Auspressen ist
also sehr alt. Das Olivenöl wurde besonders zu Beleuchtungszwecken
schon im alten Ägypten benutzt, ebenso in Palästina schon zu ~Mosis~
Zeit. Als Salbmittel bedienten sich seiner auch die alten Griechen,
die es von den Ägyptern kennen lernten (~Herodot~). Auch das Öl der
Mandeln und Nüsse war bereits den Alten bekannt. Sie benutzten die
Öle auch als Speiseöle und zur Enfleurage, d. h. zum Ausziehen von
Wohlgerüchen aus Pflanzen (viele Vorschriften bei ~Dioskurides~). Als
Salbengrundlage begegnen wir dem Wollfett (Oisippus) schon in sehr
früher Zeit (~Plinius~). Die Bereitung der Butter aus Pferdemilch
durch starkes Schütteln kannten bereits die Skythen (~Herodot~) und
~Hippokrates~ nennt das Produkt schon βούτυρον. ~Dioskurides~, der
das Buttern beschreibt, erwähnt Butter aus Schaf- und Ziegenmilch.
Seife, aus Buchenasche und Ziegenfett in Germanien und Gallien
bereitet, erwähnt ~Plinius~ (Hist. nat. 28, 191) als gallische
Erfindung. Sapo ist entweder keltischen Ursprungs oder stammt aus
+ahd.+ seifa, seifar (= Schaum), +agls.+ sápe, +urgerm.+ saipa und
hängt wohl mit +lat.+ sêbum (= Talg) zusammen. Die Gallier und
Germanen benutzten die Seife zum Rotfärben der Haare (+agls.+ taelg
= Talg +und+ Farbe -- bei ~Ovid~: femina canitiem germanis inficit
herbis) und so wurde sie auch zunächst in Rom benutzt, bis man sapo
spissus herstellen lernte und zum Waschen anwendete. Schon damals
scheint der Unterschied von harter und weicher Seife bekannt gewesen
zu sein. Die Gallier bereiteten harte mit der Asche von Seepflanzen
(Soda), die Germanen weiche mit der Asche von Landpflanzen (Kali)
und auch ~Galen~, der Seife, aus Rinder-, Ziegen- und Hammelfett
mit Aschenlauge und Kalk bereitet, kennt, erwähnt deutsche Seife
zum Waschen und als Heilmittel. Übrigens blühte auch im alten Rom
die Seifensiederei um Christi Geburt, wie wir aus Pompeji wissen
(in früherer Zeit dienten Aschenlauge, Nitrum (Soda), alkalisches
Wasser und gefaulter Urin, auch wohl saponinhaltige Pflanzen zum
Waschen). ~Aëtius~ (VI. Jahrh.) erwähnt die schwarze Seife, ebenso
die Arzneibücher von Wales (I, S. 683). Später war Marseille und
sodann Venedig Sitz großer Seifenfabriken (daher Sapo venetus).
Die Bleipflasterdarstellung war den Alten ebenfalls bekannt
(~Dioskurides~, ~Plinius~). Nach Germanien kam das +Öl+, die Sache
und das Wort, wohl erst im III. Jahrh. n. Chr. (oleum über +kelt.+
und +got.+ alêw, +ahd.+ olei, +agls.+ ele in Öl). ~Tachenius~ wußte,
daß Alkalien und Metalloxyde die Fette verändern und daß in ihnen
eine Säure enthalten ist. ~Moray~ beschrieb (1665) das Walrat,
~Homberg~ (1687) die Gewinnung des Cacaofettes, ~Leméry~ (1708)
das Bienenwachs; ~Geoffroy~, der (1741) die Löslichkeit der Öle
studierte, wußte, daß die Seife eine andere Löslichkeit hat, wie das
ihr zu Grunde liegende Öl, und ~Macquer~ fand (1745) Säuren in der
Seife. ~Frémy~ erkannte die Analogie der Bleipflasterbildung mit der
Seifenbildung. Die Entdeckung, daß rauchende Salpetersäure viele Öle
verdickt, machte schon ~Boyle~ (1661) und der Marseiller Apotheker
~Poutet~ fand, daß die salpetrige Säure der Grund der Bildung des
von ihm Elaïdin genannten Körpers ist. ~Macquer~ meinte (1745),
daß ein Fett um so dicker sei, je mehr es «Säure» enthalte. Dann
untersuchten noch im XVIII. Jahrh. ~Buchner~, ~de Roi~, ~Vallerius~,
~Saluces~, ~Watson~ u. and. viele Öle und ~Cartheuser~ (I, S. 962)
das Wachs, den Talg, die Seife und die tierischen Fette. ~Crell~
unterwarf sie der trockenen Destillation (1778) und führte (für die
flüchtigen Säuren) den Namen +Fettsäuren+ ein. Dem Prozesse des
Ranzigwerdens wandte schon ~J. C. Gehlen~ in seiner Dissertatio
de oleis pinguibus rancidis Lips. 1776 seine Aufmerksamkeit zu.
~Fourcroy~, der das Leichenwachs auffand, vereinigte dies mit dem
von ~Gren~ (1788) entdeckten Gallensteinfett (Cholesterin) und dem
Walrat zu der Klasse der Fettwachse (Adipocire). ~Scheele~ entdeckte
zwar das Glycerin oder Ölsüß, principium dulce oleorum (De materia
saccharina peculiari oleorum expressorum et pinguedinum 1783) und
erkannte, daß es beim Erhitzen aller Öle und Fette mit Bleiglätte
entsteht, vermochte aber nicht die Natur der Fette aufzuklären, so
daß noch ~Lavoisier~ sie für Kohlenwasserstoffe hielt! Die Natur der
Fette, wie der Prozeß der Seifenbildung, wurde in einer denkwürdigen
umfassenden Untersuchung der tierischen Fette 1811-1823 von
~Chevreul~ aufgeklärt, der auch bereits feste (acide margarique, a.
stéarique), flüssige (acide oléique) und flüchtige (acide delphique
[= Baldriansäure] Buttersäure, Capron- und Caprinsäure) unterschied,
und die Namen Stearin (von στέαρ = Talg), Elain (von ἔλαιον = Öl)
und Cetin (Walrat) einführte. ~Heintz~ und ~Berthelot~ setzten die
Untersuchungen von ~Chevreul~ fort. Sie zerlegten die Margarinsäure
in Palmitin- und Stearinsäure. ~Berthelot~, ~Luca~ und ~Wurtz~
erkannten das Glycerin als dreiwertigen Alkohol.
=Lit.= ~Beckmann~, Beitr. z. Gesch. d. Erfind. -- ~Chevreul~, Les
corps gras d’origine animale. Paris 1815-1823 (Neudruck 1889). --
~Berthelot~, Am. chim. (3) 41, 216 (1854). -- ~Hanriot~, Compt. rend.
1896, 1897 und 1901. -- ~P. Schacht~, Beitr. z. Synthese der Fette.
Diss. Zürich 1908. (Dort eine Liste d. synthet. dargest. Glyceride
und eine Literaturübersicht.) -- ~Grün~, Über d. Konstitut. d. Fette.
Habilitationsschr. Zürich 1907. -- ~Corelli~, Unters. über d. Spalt.
v. Fett. Diss. Zürich 1909. -- ~Skopnik~, Synth. dreifach gemischt.
Glyceride. Diss. Zürich 1909. -- ~Dunlap~ und ~Seymour~, Journ.
amer. chem. soc. 27 (1905), 935. -- Verbrennungswärme d. Fette:
~Stohmann~, Journ. prakt. Chem. 31, 32, 42, 44 und 45 und ~Sherman~
u. ~Snell~, Journ. am. chem. soc. 1901, 164. -- ~Klimont~, Zeitschr.
angew. Chem. 24, 254 (1911). -- ~Heise~, Arbeit. aus d. kais.
Gesundheitsamt (1896) 12, 540; 13, 302. -- ~Belucci~, Atti R. Accad.
dei Lincei (5) 20, I 235 (1911). -- ~Fokin~, Zeitschr. anal. Chem.
1909. -- ~Molisch~, Histochemie 1891. -- ~Hartwich~ und ~Uhlmann~,
Nachw. fett. Öle durch mikrochem. Verseif. Arch. Pharm. 1903, 111.
-- ~Uhlmann~, Dissert. Zürich 1902. -- ~Bell~, Chemistry of foods
II. -- ~Lewkowitsch~, Chem. Technologie u. Analyse d. Öle, Fette und
Wachse. Braunschweig 1905. -- ~Ulzer~ und ~Klimont~, Allgemeine u.
physiol. Chemie d. Fette. Berlin 1906. -- ~Euler~, Pflanzenchemie.
-- ~Marcusson~, Laboratoriumsbuch für d. Industrie d. Öle und Fette
1911. -- ~Tschirch~, Einige prakt. Ergebn. meiner Unters. über d.
Chlorophyll. Arch. Pharm. 1884. -- Verzeichnis der fettliefernden
Pflanzen bei ~Mikosch~, in ~Wiesner~, Rohstoffe, II. Aufl. --
Untersuchungsmethoden: ~Lewkowitsch~ in ~Lunge~, Chem. Techn.
Untersuchungsmeth. 5. Aufl. III (1905). -- ~Benedikt-Ulzer~, Analyse
d. Fette u. Wachsarten. -- Für das Technische: ~Hefter~, Technologie
d. Fette u. Öle 1906. -- ~Schädler~, Technol. d. Fette. 2. Aufl.
1892. -- ~Stiepel~, Fette, Öle, Wachse in ~Weyls~ Einzelschriften z.
chem. Technolog. 1911 (reich illustriert). -- Über die Fortschritte
berichtet der Jahresbericht auf dem Gebiete d. Fette, Öle u.
Wachsarten in der Chem. Revue über die Fett- und Harzindustrie. --
Ein Spezialkomitee für die einheitliche Untersuchung von Fetten und
pflanzlichen Ölen der Amer. chemical Society schlug 1910 einheitliche
Methoden vor (Rev. über d. Fett- u. Harzindustr. 1911, 84).
I. Vegetabilische Öle und pflanzliche Öldrogen.
1. Trocknende Öle.
In den trocknenden Ölen sind Fettsäuren mit mehreren doppelten
Bindungen enthalten, die also eine hohe Jodzahl zeigen und welche durch
Sauerstoffaufnahme erhärtende Oxyde bilden. Ölsäure gehört nicht zu
diesen, wohl aber Linolsäure und Linolensäure. Sie geben nicht die
Elaidinreaktion, wohl aber, wenn Linolensäure vorhanden, Hexabromid.
Die Sauerstoffaufnahme des Leinöls, die Linoxin(Linoxyn-)bildung
erfolgt immer an den doppelten Bindungen. ~Roch~ denkt sich dieselbe
folgendermaßen:
1. Phase >C=C< + O₂ → >C--C< (Peroxyd)
| |
O--O
2. Phase >C--C< >C---C<
| | → \ / + O (Oxyd)
O--O O
Linoxin ist in allen Lösungsmitteln unlöslich. Die Sauerstoffaufnahme
ist (z. B. beim Leinöl) lebhafter, wenn man erst mit Sikkativen
(Manganborat, Bleioxyd) kocht.
~Genthe~ hielt den Vorgang beim Trocknen des Leinöls für
eine molekulare Autoxykatalyse und die Sikkative nur für
Pseudokatalysatoren, ~Fokin~ für eine hemimolekulare Autoxykatalyse,
~Fahrion~ meint, daß bei der Autoxydation zuerst Peroxyde entstehen,
daß diese alsdann umgelagert werden und dadurch zu Wasserabspaltung
und Komplexbildung führen. Die Sikkative ändern den Chemismus des
Autoxydationsvorganges nicht, sondern wirken nur als Katalysatoren
beschleunigend oder abkürzend.
Bei Einlegen in die ~Molisch~’sche Kaliammoniakmischung liefern die
trocknenden Öle kleine Sphärite (~Uhlmann~).
=Lit.= ~Mulder~, Chemie d. austrocknenden Öle. Deutsch. von ~Müller~.
1867. -- ~Roch~, Trocknende Öle. Zeitschr. angew. Chem. 1911, 80.
-- ~Hazura~, Monatsh. f. Chem. 9, 180. -- ~Hehner~ u. ~Mitchell~,
Analyst. 1898, 313. -- ~Rollett~, Chem. Centralbl. 1909, II, 1984. --
~Fahrion~, Zeitschr. f. angew. Chem. 23 (1910), 722 u. 1910, 1106. --
~Genthe~, Ebenda 19, 2087. -- ~Fokin~, Ebenda 22, 1451. -- ~Orlow~,
Journ. Russ. Phys. Chem. Ges. 42, 658 (Chem. Centralbl. 1910, II,
1529). -- ~H. Ingle~ (Bemerk. über Leinöl), Journ. Soc. chem. ind.
30, 344.
Semen Lini und Oleum Lini.
Sowohl über die Stammpflanze, _Linum usitatissimum_, wie über den Samen
und sein Öl (Leinöl, Leinsamenöl, huile de lin, linseed oil, oil of
flaxseed) ist bereits oben (S. 314) berichtet worden. Der Ölgehalt des
Leinsamens schwankt von 24,66 bis 44,46% der Trockensubstanz (~König~);
obere Grenze der Asche 5% (~Hauke~).
~Harry Ingle~, der mehrere tausend Leinöle untersuchte, fand Jodzahl
und spez. Gew. bei:
Baltischem Leinöl 195 0,9357
Calcutta Leinöl 185 0,9322
Deutschem Leinöl 181,5 0,9322
Englischem Leinöl 185 0,9332
Laplata Leinöl 179,5 0,9315
Menhaden Leinöl 182 0,9328
~Fahrion~ gibt jetzt (vgl. oben S. 323) dem Leinöl folgende
Zusammensetzung: Unverseifbares 0,6%, gesättigte Fettsäuren 9,3%,
Ölsäure 17,5%, Linolsäure 30%, Linolensäure 38%.
+Linolsäure+ (C₁₇H₃₁COOH) enthält zwei doppelte Bindungen,
addiert also vier Atome Brom, gibt oxydiert zunächst Sativinsäure
(Tetraoxystearinsäure), dann Azelainsäure: COOH(CH₂)₇COOH.
+Linolensäure+ (C₁₇H₂₉COOH) ist auch eine ungesättigte Säure (s. oben
S. 546). +Sie liefert ein Hexabromid+ und gibt oxydiert Linusinsäure
(Hexaoxystearinsäure). Beide Säuren sind flüssig.
Die Annahme einer Isolinolensäure (~Hazura~) oder β-Linolensäure
(~Erdmann~, ~Bedford~ und ~Raspe~) erschien nach ~Rollett~ unbegründet,
doch halten ~Erdmann~ und ~Bedford~ (1910) ihre Angaben aufrecht.
Das Komitee der Amer. Soc. for testing materials schlägt (ungefähr
übereinstimmend mit ~Benedikt-Ulzer~) folgende Konstanten für reines
Leinöl vor: spez. Gewicht 0,935-0,932, Brechungsexponent bei 25°:
1,4805-1,4790, Säurezahl 6, Verseifungszahl 192-189, Jodzahl (~Hanus~)
190-178, Unverseifbares 0-1,5. Doch fand ~Meister~ bei absolut reinen
Leinölen unter 170, der bisher angenommenen unteren Grenze, liegende
Jodzahlen (160,2 bis 164,5).
Die Verbrennungswärme des Leinöls beträgt bei konstantem Volumen 9364
bis 9379, bei konstantem Druck 9379 bis 9394 g-Kalorien (~Sherman~ und
~Snell~). Der Entflammungspunkt liegt bei 205-225° (~Rakusin~).
+Hamburg+ importierte 1908 seewärts 33211 dz +Leinöl+, davon aus
den Niederlanden 25975; 1907 geringe Mengen auch aus den russischen
Ostseehäfen und Schweden. +Frankreich+ importierte 1908 18955 Quint.
+Leinöl+, die Hälfte etwa aus Belgien, dann aus China, England und
den Niederlanden.
+Britisch Indien+ exportierte Linseed 1907/08: 2290185, 1908/09:
1405467 cwts nach England und engl. Besitzungen und 1907/08: 3907697,
1908/09: 1804080 cwts nach anderen Ländern. Die Gesamtausfuhr an
Leinöl betrug 1908/09: über 36000 Gallons. Die +Vereinigten Staaten+
exportierten 1908: 4277313, 1909: 882899 bushels Flaxseed, 1908:
367883, 1909: 273029 Gallons Linseed oil und 1909: 682764545 pounds
Linseedoilcake.
In dem +Leinsamenpreßkuchen+ (Leinkuchen, Placenta sem. lini,
Pain ou gâteau de lin, linseedcake) sind neben dem Schleim auch
alle stickstoffhaltigen Substanzen des Samens enthalten, also das
Protein Edestin, krist. Globulin, ein Albumin, wenig Proteosen und
Peptone (~Osborne~ und ~Campbell~), ferner Lecithin (~Schulze~
und ~Steiger~), Lipase (~Sigmund~), Protease (~Will~), ein
glykosidspaltendes Enzym (~Dunstan~, ~Henry~ und ~Auld~), Linamarin
(Phaseolunatin, s. oben S. 322) und Reste des fetten Öls.
Die Zusammensetzung des +Lein+preßkuchen in % ergibt sich aus
folgender Tabelle:
------------------++--------------+-------++--------+--------+--------
|| ~König~ ||~Garola~|~Wagner~|~Holde-
|| Min. | Max. |Mittel || | |fleiss~
==================++==============+=======++========+========+========
Wasser || 9,54 | 20,50 | 12,19 || 12,86 | 10,40 | 13,43
Stickstoffhaltige || | | || | |
Substanz ||19,00 | 36,18 | 29,48 || 30,87 | 25,94 | 25,27
Fett || 3,78 | 16,34 | 9,88 || 8,75 | 12,30 | 11,43
Stickstofffreie || | | || | |
Substanz ||24,54 | 46,58 | 29,91 || 28,48 | 34,81 | 30,72
Cellulose || 5,42 | 16,50 | 9,69 || 11,88 | 10,75 | 11,72
Asche || 5,13 | 16,50 | 9,69 || 7,16 | 5,80 | 7,40
Da der Leinpreßkuchen als Futtermittel sehr geschätzt, aber relativ
teuer ist, so wird er oft verfälscht angetroffen, besonders mit
Mohnsamen- und Arachispreßkuchen. ~Collin~ fand darin auch die Samen
von _Chenopodium polyspermum_, _Spergularia arvensis_, _Cerastium
triviale_, _Spergula arvensis_, sowie Leguminosensamen.
Das +Flachswachs+ besteht aus Phytosterin, Cerylalkohol, Palmitin-,
Stearin-, Öl-, Linol- und Linolensäure. F. = 61,5, Jodzahl 10.
=Lit.= Vgl. oben unter Trocknende Öle. -- Chem. Lit. zusammengestellt
in ~Wehmer~, Pflanzenstoffe. -- Über die Bestandteile der
Aleuronkörner vgl. ~Tschirch~ und ~Kritzler~, Ber. d. pharm. Ges.
1900, 264. -- Preßkuchen: ~Collin-Perrot~, Les résidus industriels.
Fructus Cannabis und Oleum Cannabis.
=Syn.= Hanfsamen: graine de chanvre, hemp seed, seme di canape. Die
Pflanze: Hanf, Bästling, Hämp oder Hemp, in Österreich: Harf, Pastök
und Hanef; in der Schweiz: Werch (die Frucht: Hausset), Tregel,
Tschenevo, in Bünden: Chanf, im Tessin: Canape, Canapule. Die männliche
Pflanze: Hanfhahn, fälschlich (weil kleiner) femmel oder fimmel (von
femella = Weibchen -- deutet auf späte römische Einflüsse), die
weibliche Pflanze: Hanfhenne, Hänfin, Samenhanf, fälschlich mastel,
masch, mäschel (von mas) -- so schon im Corpusglossar. Bei ~Gerarde~
(Herbal 1633): der männliche wird Carl- oder Winter-H. genannt, der
weibliche Barren- oder Sommer-H. -- hemp (engl.) -- chanvre, chènevis
(franz.), cambre (norm.), chène (wallon.) -- canappa (ital.) -- câñamo
(span.) -- cánhamo (port). -- hennep (holl.) -- hamp (norweg.) -- hampa
(schwed.) -- konópel (russ.) -- καννάβι (griech.).
Bei ~Dioskurides~: κάνναβις, -- bei ~Plinius~: cannabis, -- bei den
späteren Griechen: σχινόστροφος, ἀστέριον. -- Bei ~Simon Seth~:
κανναβουρόσπερμα; -- im Mittelalter: canabus, canapus, caniva,
canopus, sechedenchi; bei der ~Hildegard~: hanff, cannabus; --
bei ~Alhervi~: schâh-dânadsch -- bei ~Ibn Baithar~: kunnab. -- In
der Alphita, bei ~Serapion~ und ~Bartholomaeus~ steht: canaps,
cannabis, canapis caulis et canabit, cotumb, scehedenegi canabis,
canurus, hemp. -- +ahd.+ hanaf, +anord.+ hampr, +mhd.+ hanef, hanf,
+nhd.+ hanf, +nnd.+ hemp, +angels.+ haenep, +ndl.+ kennep, +arab.+
kinnub, cannab, +sansc.+ goni, sana, indrasana (= ~Indras~ Hanf),
shanapu, banga, ganjika, +beng.+ ganga. Die Früchte heißen +hind.+:
ganjé-ke-bij, +tam.+: ganja-virai, +beng.+: ganja-bij -- im +pers.+
shahdánah = Königssamen (Pharm. ind.). In +China+ heißt der Hanf
ho-ma, ta-ma oder ya-ma (auch für andere Gespinstpflanzen benutzt,
~Dragendorff~), die Frucht: ho-ma-jin.
=Etym.= Die frühere Annahme, daß das Wort Hanf aus cannabis
entstanden sei, ist jetzt aufgegeben (~Kluge~, ~Schrader~). Beide
Worte werden jetzt von der gemeinsamen Wurzel canna, ken (çaṇa im
Sanskrit = Rohr) abgeleitet, die sich im čeremissischen kehe, kiné (=
Hanf) findet und die auch im turko-tartar. kin-dūr (= Hanf) bulgar.
kenevir (= Leinwand) und magyar. kender (= Hanf) auftritt. Die
Endsilbe bis bringt ~Schrader~ zu dem syrjänischen und wotjakischen
piš, puš (= Nessel) in Beziehung. (Bei ~Wrigt-Wülcker~ Agls. a. O. E.
Vocabularies I, 198: cannabum haenep vel pis.). Cannabis wäre also
selbst Lehnwort und ein Doppelwort, das Hanf-Nessel(ein Pleonasmus!)
bedeutete. +Alban.+ heißt der H. kanep, +lit.+ kanapis, +aslov.+
konoplja, +armen.+ kanap, +npers.+ kanab. (Die Ableitung von cannabis
und Hanf aus der in Banga und Gangika enthaltenen Sanskritwurzel
ang oder an [~de Candolle~] leuchtet mir nicht ein.) Der Name kann
nicht bis in die indogermanische Urzeit, ja nicht einmal bis in die
Epoche vor dem Abzug der Griechen nach Süden zurückreichen, da der
H. den Griechen noch unbekannt war, während er damals im südlichen
Rußland schon gebaut wurde. «Die Germanen erfuhren Einfluß südlicher
Kultur etwa erst in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung.
Es gibt kein Lehnwort aus dem Griech. oder Latein., das die erste
Lautverschiebung vollständig mitgemacht hätte. Wenn aber Verschiebung
der Konsonanten in germ. hanapiz gegenüber κάνναβις vorliegt, so ist
dies ein Beweis dafür, daß das Wort ein paar Jahrhunderte n. Chr. bei
den Germanen bereits eingebürgert war» (~Kluge~). -- Der in alten
Pflanzenglossaren auftretende Name für H. agrius (von ἄγριος = wild)
deutet vielleicht darauf, daß H. an wüsten Plätzen ausgesät wurde
und viel halbwild wuchs (~Fischer-Benzon~). Auf die Verwendung der
Faser zu Stricken deutet die Bezeichnung σχοινόστρωφον (= Stricke
drehend, bei ~Dioskurides~, von σχοινίον und στρέφειν), die Namen
Bästling, Bast, Bösling, Werch. Die einfachere Form canna, κάννη,
im altindischen çaṇa, deutet vielleicht (~Grassmann~) auf Rohr, das
auch zu Flechtwerken diente (~Kanngiesser~), auf die sternförmige
Fingerteilung der Blätter der Name ἀστήριον (bei ~Dioskurides~).
=Stammpflanze und systemat. Stellung.= =Cannabis sativa= L. (Spec. pl.
ed. I, 1027) mit einigen Varietäten und Formen (s. unten). In Amerika
wird von der typica eine var. americana unterschieden, in Algier eine
als Kif.
+Urticales+ -- +Moraceae+ -- Cannaboideae (neben Humulus). Cannabis
Tourn. hat nur eine Art.
=Beschreibung der Stammpflanze.= Der Hanf ist eine einjährige,
krautige, diklin-diöcische (bisweilen monöcische) Pflanze mit
straffem, aufrechtem, bis 3 m hohem und 5 cm dickem, undeutlich
kantigem, kurz rauhhaarigem Stengel, der aber in der Kultur (z. B.
bei der var. _gigantea_ und der var. _chinensis_ ~Del.~ in China)
doppelt so hoch, in der Poebene doppelt mannshoch werden kann, bei der
var. _pedemontanus_ aber nur 1,5 m hoch ist. Die Stengel enthalten
in der Rinde zahlreiche Bastfasergruppen (s. Hanffaser, S. 254).
Die Verzweigung ist bei der weiblichen Pflanze dichter als bei der
männlichen (bei der var. _pedemontana_ reich und abstehend). Die
+Blätter+, unten dekussiert, oben spiralig angeordnet, sind gestielt,
(3-) 5-, 7-9fach gefingert. Der Stiel besitzt oben eine seichte
Regenrinne. Die sitzenden, rauhhaarigen Blättchen sind lanzettlich,
beiderseits zugespitzt, scharf gesägt (~Dioskurides~ vergleicht sie
mit denen der Esche), die pfriemlichen Nebenblätter fein behaart. Die
lockeren männlichen Infloreszenzen sind nur unten laubig.
[Illustration: Fig. 179.
_Cannabis sativa L._
1. Diagramm der weiblichen Infloreszenz. 2 Frucht von der Fläche, 3
Frucht von der Kante gesehn. 4 Keimling herauspräpariert. 5 Querschnitt
durch die Frucht und den Samen. [+Tschirch-Oesterle+, Atlas.]]
Die achselständigen Partialinfloreszenzen der +männlichen+ Pflanze
sind Doppelrispen: die Hauptachse verkümmert, unter ihrer Spitze
entspringen zwei gleichwertige Rispen. An der Spindel der letzteren
entspringen in der Achsel von Deckblättern unten kleine Dichasien, oben
Wickel (reichblütige Dichasien mit Wickeltendenz und stark gestreckter
Sympodialachse). Am Ende der Hauptachse der Pflanze steht eine echte
Rispe. Die kurzgestielten aktinomorphen Blüten besitzen ein 5 mm
langes, grünliches, aus fünf lineal-lanzettlichen Blättchen bestehendes
Perigon, fünf epipetale Stamina mit linealer, mit Längsspalt
aufspringender Anthere und kurzem Filament. Pollen rundlich (vgl. S.
480). Ein Stempelrest fehlt. Die dichte buschige weibliche Infloreszenz
ist bis fast zum Gipfel laubig.
Bei den achselständigen +weiblichen+ Partialinfloreszenzen ist die
Hauptachse entwickelt. Sie wird zu einem Laubtrieb (Fig. 179, Mi).
Die beiden Vorblätter (D α u. β) werden zu Deckblättern der zwei
+weiblichen Blüten+. Sie umhüllen diese in Form einer innen offenen,
außen behaarten Scheide, die länger ist wie der Fruchtknoten. In den
Laubblattachseln der Zweige zweiten Grades wiederholt sich dasselbe und
so entsteht der buschige Wuchs, der die meist kräftigeren weiblichen
Pflanzen von den locker beblätterten männlichen unterscheidet.
Das aus zwei Blattanlagen hervorgehende Perigon umgibt die Basis
des einfächerigen, sitzenden Fruchtknotens becherförmig eng. Der
eiförmige zusammengedrückte +Fruchtknoten+ enthält ein vom Scheitel
der Blütenachse gebildetes (~Zinger~), hängendes, anatropes Ovulum
und trägt zwei lange fadenförmige, in papillöse Narben auslaufende
Griffel, die nach der Befruchtung abfallen. Die gelblich-graue,
platte, kahle Frucht ist ein Nüßchen, das von dem sich vergrößernden
Deckblatt umhüllt ist. Die Mikropyle der Samenanlagen ist zur Zeit
der Reife nicht mehr vorhanden. Der Pollenschlauch wächst durch das
Gewebe der Fruchtknotenwand zum Nucellus (~Zinger~). Die ganze Pflanze,
besonders aber die weibliche Infloreszenz, besitzt einen starken
narkotischen Geruch, der von Öldrüsen herrührt, die namentlich auf
allen Blattorganen sitzen (s. Anatomie).
Blüht in Deutschland im Juli bis August.
Die ursprüngliche Heimat des Hanf ist wohl die Gegend am Caspisee. Er
ist sicher wild noch jetzt südlich von diesem See, und bei Lenkoran,
sowie bei Astarte (~Bunge~). Häufig angetroffen wird er auch in
Sibirien, am Irtysch südlich vom Baikalsee, in Dahurien (Gouvern.
Irkutzk), im Ural, an der Wolga, in Persien, Altai, West-China,
Kaschgar, Kaschmir und im Himalaya. Im Himalaya steigt der Hanf bis
3000 m. Er ist jetzt durch Kultur über die Länder der gemäßigten
Zone beider Hemisphären verbreitet. Daß er am Missouri wild wachse
(~Wherrel~) ist aber nicht richtig. Nach Afrika ist er ebenfalls
eingeführt worden, denn ~Livingstone~ fand ihn im Gebiete des Congo und
Sambesi.
Die +physiologische Varietät+ _indica_ (auch wohl als Art _Cannabis
indica_ ~Lam.~ unterschieden) weicht nur im Wuchs ab (sie ist kleiner)
und in der viel reicheren Ausbildung der Drüsenhaare und demgemäß
stärkerem, fast betäubendem Geruch; die Art des Sekretes ist aber wohl
dieselbe wie bei unserem Hanf (~Wood~). Sie liefert keine spinnbare
Faser (s. _Herb. cannabis_). Die Ableitung der _Cannabis sativa_ des
Nordens von dem indischen Hanf (~Wiesner~) leuchtet mir nicht ein. Eher
dürfte das Umgekehrte der Fall sein.
=Lit.= ~Engler~, Moraceae in ~Engler-Prantl~, Pflanzenfam. --
~Luerssen~, Mediz. pharm. Botan. II, 528. -- ~Eichler~, Blütendiagr.
-- ~Bunge~, Bull. Soc. Bot. France 1860, 30. -- ~Ledebour~, Flora
rossica. -- ~de Candolle~, L’origine d. pl. cult. -- ~Hügel~,
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-- ~Garnier~, Exploration in Indo-Chine 1873. -- ~Zinger~, Beitr. z.
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+Abbild.+: ~Berg-Schmidt~, Atlas 2. Aufl., t. 129 (dort die
systemat. Lit.). -- ~Pabst-Köhler~, Medizinalpfl. t. 13. -- ~Nees
von Esenbeck~, Plant. med. t. 102. -- ~Hayne~, Arzneigew. t. 35. --
~Reichenbach~, Icon. fl. Germ. t. 655. -- ~Bentley~ and ~Trimen~,
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~Rumphius~, Herb. Amb. V, t. 77.