=Lit.= ~Stoddart~, Pharm. Journ. (2) 10, 203. -- ~Warrington~,

Ebenda 2, 384. -- ~Gröger~, N. Jahrb. d. Chem. 39, 194. --

~Wehmer~, Citronensäuregärung 1893. -- ~Herzog~ und ~Polotzky~,

Citronensäuregärung. Zeitschr. phys. Chem. 49 (1909), 125. --

~Buchner~ und ~Wüstenfeld~, Citronensäuregärung. Biochem. Zeitschr.

1909, 395. -- ~Wüstenfeld~, Dissert. Berlin 1908. -- ~König~,

Nahrungs- u. Genußm. 4. Aufl. (dort zahlreiche Limonen-Analysen von

~Olivieri e Guerrieri~, ~Danesi e Boschi~ u. and.). -- ~Judicis~,

Zeitschr. d. Öster. Apoth. Ver. 1880, 467. -- ~Hallerbach~, Die

Citronensäure u. ihre Derivate 1911 (dort die Lit.).

IV. Fett- und Wachsdrogen.

Die Beziehungen der Fette zu den Kohlehydraten sind oben (S. 5)

erörtert. Es darf als erwiesen betrachtet werden (~Vallée~, ~André~,

~Gerber~), daß in der Pflanze Mono- und Polysaccharide in Fette

übergehen. Ebenso findet der umgekehrte Vorgang statt. Physiologisch

spielen die Fette bei den Pflanzen die Rolle von Reservestoffen

wenigstens überall da, wo sie, wie in den Früchten und Samen, in

größerer Menge auftreten (das Fruchtfleisch der Ölpalme enthält 65-72%,

Leinsamen 35-42%, Ricinussamen 46-53%, Mandeln c. 53%, Wallnußsamen

64%, Copra 67% Fett -- auch die Knollen von _Cyperus esculentus_

enthalten 28% Fett, sonst sind Rhizome fettarm). Sie werden bei der

Keimung verbraucht. Und diese Fälle sind es denn auch, bei denen

allein ihre technische Gewinnung lohnt. Ebenso ist das Fett der Sporen

Reservestoff (vgl. Lycopodium).

Bei den Tieren finden sich die Fette im sog. Fettgewebe, das besonders

im intermuskulären und subkutanen Bindegewebe, im Mesenterium und im

Knochenmark auftritt. Aber auch außerhalb des Fettgewebes können die

Fette in allen Zellen des Tierkörpers abgelagert werden und finden sich

auch in tierischen Sekreten, wie z. B. der Milch.

Im weiteren Sinne gehören auch die Wachsdrogen zu den Fettdrogen und

sie sollen denn auch diesen hier angeschlossen werden.

Bei beiden handelt es sich um aliphatische Ester, deren Bestandteile

azyklisch sind, nur in der Cholesteringruppe begegnen wir zyklischen

Verbindungen.

Die Fette und Wachse setzen sich also aus Säuren und Alkoholen zusammen.

Die +Säurehälfte+ gehört zu folgenden Fettsäurereihen (ich folge der

Einteilung von ~Lewkowitsch~):

I. Säuren der +Essigsäurereihe+: CₙH₂ₙ₊₂O₂. Die niederen Säuren

dieser Reihe (Buttersäure, Baldriansäure, Capronsäure, Caprylsäure,

Caprinsäure) sind flüchtig, auch noch die Laurinsäure ist mit

Wasserdämpfen flüchtig, aber schon die Myristicinsäure erst bei

Anwendung von gespanntem Dampf, -- das erklärt ihr Auftreten

in vielen sog. ätherischen Ölen --, die höheren Fettsäuren der

Reihe (Palmitinsäure, Stearinsäure, Arachinsäure, Behensäure,

Carnaubasäure, Cerotinsäure, Melissinsäure) auch mit diesem nicht.

Die homologe Reihe der gesättigten Fettsäuren enthält folgende

Glieder:

HCOOH Ameisensäure }

CH₃COOH Essigsäure }

C₂H₅COOH Propionsäure }

C₃H₇COOH Buttersäure }

C₄H₉COOH Baldriansäure }

C₅H₁₁COOH Capronsäure }

C₆H₁₃COOH Önanthsäure } flüchtige, riechende Fettsäuren

C₇H₁₅COOH Caprylsäure } unter 31° +flüssig+

C₈H₁₇COOH Pelargonsäure }

C₉H₁₉COOH Caprinsäure }

C₁₀H₂₁COOH Undecylsäure }

C₁₁H₂₃COOH Laurinsäure F = 43,6°

C₁₂H₂₅COOH Ficocerylsäure F = 57°

C₁₃H₂₇COOH Myristinsäure F = 53,8°

C₁₄H₂₉COOH Isocetinsäure (?) F = 55°

C₁₅H₃₁COOH Palmitinsäure F = 62°

C₁₆H₃₃COOH Daturinsäure F = 54,5° (57°)

C₁₇H₃₅COOH Stearinsäure F = 69,3°

[C₁₈H₃₇COOH Nondecylsäure F = 66,5°]

C₁₉H₃₉COOH Arachinsäure F = 77°

[C₂₀H₄₁COOH]

C₂₁H₄₃COOH Behensäure F = 83-84°

[C₂₂H₄₅COOH]

C₂₃H₄₇COOH Lignocerinsäure F = 80,5°

Isomer damit: Carnaubasäure F = 72,5° und

Pisangcerylsäure F = 71°

C₂₄H₄₉COOH Hyänasäure F = 77-78°

C₂₅H₅₁COOH Cerotinsäure F = 78,5° }

[C₂₆H₅₃COOH] }

C₂₇H₅₅COOH Geocerinsäure F = 82° } Wachssäuren

[C₂₈H₅₇COOH] }

C₂₉H₅₉COOH Melissinsäure F = 88,5° }

C₃₂H₆₅COOH Psyllostearylsäure F = 94-95° }

Margarinsäure ist ein Gemisch (von konstantem Schmelzpunkt) von

Palmitin- u. Stearinsäure.

II. Säuren der +Ölsäurereihe+: CₙH₂ₙ₋₂O₂; ungesättigte Säuren:

C₄H₇COOH Tiglinsäure

{ C₁₅H₂₉COOH Hypogaeasäure

{ C₁₅H₂₉COOH Physetölsäure

{ C₁₅H₂₉COOH Lycopodiumölsäure

{ C₁₇H₃₃COOH Ölsäure

{ C₁₇H₃₃COOH Rapinsäure

{ C₁₇H₃₃COOH Elaïdinsäure

{ C₁₇H₃₃COOH Isoölsäure

{ C₁₈H₃₅COOH Döglingsäure

{ C₁₈H₃₅COOH Jecoleïnsäure

{ C₂₁H₄₁COOH Erucasäure

{ C₂₁H₄₁COOH Brassidinsäure

{ C₂₁H₄₁COOH Isoerucasäure

Die höheren Säuren sind mit Wasserdampf nicht flüchtig; ihre

Bleisalze sind in Äther löslich.

III. Säuren der +Linolsäurereihe+: CₙH₂ₙ₋₄O₂, in trocknenden Ölen,

absorbieren leicht Sauerstoff (vgl. S. 553):

{ C₁₇H₃₁COOH Linolsäure

{ C₁₇H₃₁COOH Taricinsäure

{ C₁₇H₃₁COOH Hirseölsäure

{ C₁₇H₃₁COOH Telfairasäure

{ C₁₇H₃₁COOH Elaeomargarinsäure

IV. Säuren der +Linolensäurereihe+: CₙH₂ₙ₋₆O₂:

C₁₇H₂₉COOH. Linolensäure, Isolinolensäure und Jecorinsäure.

V. Säuren der +Isansäurereihe+: CₙH₂ₙ₋⁸O₂. Isansäure, Terapinsäure.

VI. Säuren der +Lanopalminsäurereihe+. Hydroxylierte Säuren: CₙH₂ₙO₃:

C₁₆H₃₂O₃ Lanopalminsäure, C₃₁H₆₂O₃ Coccerinsäure.

VII. Säuren der +Ricinolsäurereihe+. Hydroxylierte Säuren: CₙH₂ₙ₋₂O₃:

C₁₈H₃₄O₃ Ricinolsäure, Isoricinolsäure, Ricinelaïdinsäure, Ricinsäure

und Quittenölsäure.

VIII. Säuren der +Dioxystearinsäurereihe+: CₙH₂ₙO₄:

C₁₈H₃₆O₄ Dioxystearinsäure, C₃₀H₆₀O₄ Lanocerinsäure.

IX. Säuren der Reihe: CₙH₂ₙ₋₂O₄, zweibasisch, gesättigt: C₂₂H₄₂O₄

Japansäure.

Medullinsäure, Moringasäure, Theobrominsäure, Crotonoleïnsäure,

Umbellulsäure sind zu streichen (~Lewkowitsch~). Die einzelnen

Fettsäuren und Alkohole sind beschrieben in ~Lewkowitsch~, Chem.

Technol. u. Analys. d. Öle usw.

Die +Alkoholhälfte+ der Ester gehört in folgende Reihen:

I. Alkohole der Äthanreihe CₙH₂ₙ₊₂O: C₁₃H₂₈O Pisangcerylalkohol,

C₁₆H₃₄O Cetylalkohol (Äthal), C₂₄H₅₀O Carnaubylalkohol, C₂₆H₅₄O

Cerylalkohol, C₃₀H₆₂O Myricylalkohol (Melissylalkohol), C₃₃H₆₈O

Psyllostearylalkohol.

II. Alkohole der Allylreihe: CₙH₂ₙO: C₁₂H₂₄O Lanolinalkohol.

III. Alkohole der Reihe:CₙH₂ₙ₋₆O: C₁₇H₂₈O Ficocerylalkohol.

IV. Alkohole der Glycolreihe CₙH₂ₙ₊₂O₂: C₃₀H₆₂O₂ Coccerylalkohol.

V. Alkohole der Reihe CₙH₂ₙ₊₂O₃: C₃H₈O₃ +Glycerin+.

VI. Alkohole der hydroaromatischen Reihe: C₂₆H₄₄O Cholesterin,

Phytosterin und Isocholesterin, C₂₇H₄₄O Sitosterin u. and.

Phytesterine.

+Die Fette im engeren Sinne sind alle Glycerinester+, wie -- nachdem

~Scheele~ das Glycerin entdeckt -- zuerst ~Chevreul~ feststellte und

~Berthelot~ (1854) durch die Synthese bestätigte. Die Bindung der

Fettsäuren am Glycerin erfolgt entweder in der Weise, daß alle drei

Hydroxyle des Glycerins mit der +gleichen+ Fettsäure abgesättigt sind

nach dem Typus:

O . R_{I}

/

C₃H₅--O . R_{I} ,

\

O . R_{I}

also z. B. Tripalmitinsäure-, Tristearinsäure- und

Trioleïnsäure-Glycerinester entstehen -- man bezeichnet diese als

Tripalmitin, Tristearin und Trioleïn -- oder die drei Hydroxyle mit

zwei oder drei verschiedenen Fettsäuren sich nach dem Typus:

O . R_{I} O . R_{I} O . R_{II}

/ / /

C₃H₅--O . R_{II} , C₃H₅--O . R_{II} , C₃H₅--O . R_{I} ,

\ \ \

O . R_{III} O . R_{II} O . R_{II}

O . R_{II} O . R_{I}

/ /

C₃H₅--O . R_{I} , C₃H₅ -- O . R_{III}

\ \

O . R_{III} O . R_{II}

paaren, also +gemischte+ Glyceride entstehen. Auch diese sind in den

von der Natur gebildeten Fetten neuerdings häufig gefunden worden, seit

~Bell~ und ~Lewin~ ein Oleopalmitobutyrat:

O . C₁₈H₃₃O

/

C₃H₅--O . C₁₆H₃₁O

\

O . C₄H₇O

in der Butter annahmen und ~Heise~ (1896) ein Oleodistearin:

O . C₁₈H₃₃O

/

C₃H₅ -- O . C₁₈H₃₅O

\

O . C₁₈H₃₅O

im Mkányifett und der Kokumbutter auffand, das nach ~Sack~ auch im Fett

der _Mangifera indica_ auftritt.

Der Vergleich der Formeltypen zeigt, daß es auch zahlreiche

Strukturisomere geben muß, deren Zahl bei den Säuren, die doppelte

Bindungen besitzen, noch durch den Wechsel in der Lage dieser

letzteren vermehrt wird. Die Stereoisomerie der Fettsäuren wurde

durch das Studium der Spaltungsprodukte der Ozonide bestätigt

(~Harries~ und ~Thieme~). Ob Fette, bei denen nicht alle Hydroxyle

des Glycerins mit Fettsäuren verestert sind, z. B. vom Typus:

OR OR OR OH

/ / / /

C₃H₅--OH , C₃H₅--OR oder C₃H₅--OR , C₃H₅--OR

\ \ \ \

OR OH OH OH

in der Natur vorkommen, ist noch zweifelhaft. Bisher ist nur ein

Diglycerid, das Dierucin, gefunden worden.

Die eigentlichen Fette sind also nach der Formel:

CₙH₍₂ₙ₊₁₎--μCOO.H₂C

|

CₚH₍₂ₚ₊₁₎--ηCOO.HC

|

CᵣH₍₂ᵣ₊₁₎--ξCOO.H₂C

zusammengesetzt, wobei n = p = r oder n nicht = p bzw. r und μ = η =

ξ oder μ nicht η bzw. ξ sein kann. μ, η, ξ sind kleine gerade Zahlen.

Die Wachse besitzen zumeist die Formel:

CₙH₂ₙ₊₁--µCOO.H₂C.CₖH₍₂ₖ₊₁₎₋ₓ.

Der charakteristische Alkohol ist gesättigt oder ungesättigt,

aliphatisch oder zyklisch, aber einwertig. x kann eine kleine gerade

oder ungerade Zahl bedeuten (~Ulzer~ und ~Klimont~).

Auch in gewissen Lecithinen sind Fettsäurereste enthalten, z. B. im

Distearyllecithin:

{ CH₂.O.O.C₁₈H₃₅ }

{ | } (Fettsäurerest)

(Glycerinrest) { CH.O.O.C₁₈H₃₅ }

{ |

{ CH₂.O

\

HO--PO (Phosphorsäurerest)

/

{ C₂H₄.O

{ |

{ |/CH₃

(Cholinrest) { N--CH₃

{ |\CH₃

{ |

{ OH

Es darf als Regel gelten, daß die Fette nie nur aus +einem+ Glycerid

bestehen, und daß ein oder mehrere Glyceride (besonders die der

Palmitinsäure, Stearinsäure und Ölsäure, d. h. Palmitin, Stearin und

Oleïn) vorzuherrschen pflegen. Das Vorkommen von Glyceriden niederer

Fettsäuren gibt einem Fette einen besonderen Charakter (Cocosöl). Unter

den natürlichen Bedingungen feste Fette gibt es in den Pflanzen nicht.

Ich fand in den Tropen, d. h. in der Heimat der betreffenden Pflanzen,

auch Palmfett, Cocos- und Cacaofett flüssig.

Die elementare Zusammensetzung der Öle, d. h. ihr Bruttogehalt an

C, H und O ist ziemlich übereinstimmend, nur Palmkern-, Cocos- und

Ricinusöl zeigen abweichende Zahlen, besonders einen niedrigeren

Kohlenstoffgehalt.

In Wasser sind die Fette außerordentlich schwer löslich, in

kaltem Alkohol etwas besser (leicht nur Ricinus-, Croton- und

Olivenkernöl), leicht in Äther, Schwefelkohlenstoff, Chloroform,

Benzol und Petroläther (Ricinusöl löst sich nicht in Petroläther).

Beim Erhitzen der Fette über 260° (am besten unter Zusatz von saurem

Kaliumsulfat) tritt Zersetzung ein und es entwickeln sich (aus dem

Glycerin) Dämpfe von Acrolein: CH₂ = CH.COH. Bei der Destillation

entstehen bisweilen (Ricinusöl) gallertige Massen. Beim Durchleiten

von Luft durch erhitzte Öle werden diese viskoser. Schwefel wird von

Ölen, die ungesättigte Fettsäuren enthalten, addiert. Die Produkte

(Factis) sind Kautschuksurrogate. Salpetrige Säure verwandelt Öle mit

ungesättigten Fettsäuren der Ölsäurereihe (z. B. Olivenöl, Mandelöl)

in feste Massen (Elaidinsäureglyceride). Fette, die Ölsäure,

CH₃.(CH₂)₇CH = CH(CH₂)₇COOH, enthalten, -- es sind dies fast alle --

liefern bei der Oxydation zuerst Dioxystearinsäure:

CH₃(CH₂)₇CHOH--CH.OH(CH₂)₇COOH,

dann Pelargonsäure CH₃(CH₂)₇COOH und Azelainsäure COOH(CH₂)₇COOH.

Ölsäure liefert mit Ozon ein Ozonid (~Harries~):

CH₃(CH₂)₇CH------CH(CH₂)₇COOH

| O |

| // \\ |

|// \\|

O-------O

Dies Ozonid der Ölsäure zerfällt in Nonylaldehyd bzw. Pelargonsäure

und Azelainsäure bzw. deren Halbaldehyd.

Je größer das Jodabsorptionsvermögen eines Fettes ist, um so leichter

absorbiert es auch Sauerstoff. Es hängt dies also mit den doppelten

Bindungen zusammen (vgl. S. 553).

Trockene Luft wirkt, wenn jede Feuchtigkeit und das Licht

ausgeschlossen wird, auf Fette nicht ein. Trockene Fette bleiben daher

in zugeschmolzenen Röhren unbeschränkte Zeit unverändert. Ist etwas

Feuchtigkeit zugegen, so werden geringe Mengen Fettsäuren gebildet,

aber das Fett wird noch nicht ranzig. Feuchte Fette werden dagegen

an Luft und Licht bald ranzig. Es spalten sich unter dem Einflusse

der fettspaltenden, in Wasser unlöslichen, nur in Gegenwart von

Säuren wirksamen, also durch diese (Milchsäure? ~Hoyer~) aktivierten

+Enzyme+ (Lipase, Steapsin -- zuerst von ~Green~ und ~Sigmund~ 1891

nachgewiesen), die z. B. in den Samen regelmäßig vorkommen, aber

auch sonst häufig sind (die einzelnen Lipasen sind untereinander

verschieden, ~Dunlap~ und ~Seymour~), die Ester auf, die Fettsäuren

werden frei und die Säurezahl steigt. Diese Aufspaltung erfolgt sehr

viel rascher durch Kochen mit Wasser, durch überhitzten Wasserdampf,

durch Mineralsäuren, die als Katalysatoren wirken, Alkalien, Kalk

oder Metalloxyde (PbO) (Seifen-, Pflaster-, Stearinkerzen- und

Glycerinfabrikation). Bleiben die Fette mit der Substanz aus der sie

bereitet wurden, z. B. mit dem stets enzymreichen Fruchtfleisch, in

Berührung, so spalten sich die Glyceride schnell und es kann dann

das Fett bis zu 70% (Bagasseolivenöl) oder fast ganz (Palmöl) in

Fettsäuren zerfallen. Die primäre Ursache des Ranzigwerdens sind also

Enzyme in Gegenwart von Feuchtigkeit, wodurch zunächst die Fette sauer

werden, aber ranzig sind sie damit noch nicht. Sie werden es erst,

wenn die sauren Fette der Luft und dem Lichte ausgesetzt und dadurch

oxydiert werden (~Ritsert~, ~Duclaux~, ~Lewkowitsch~, ~Geitel~).

Mikroorganismen können Ranzidität einleiten, sind aber nicht nötig dazu

(~Duclaux~, ~Ritsert~, ~Mjoen~). Fette mit Glyceriden ungesättigter

Fettsäuren neigen mehr dazu ranzig zu werden, als solche von höheren,

gesättigten Fettsäuren. Ranzige Fette geben im allgemeinen eine höhere

Acetylzahl (~Lewkowitsch~) und zeigen eine geringere Verbrennungswärme

(~Stohmann~).

Wird durch erwärmte Öle Luft oder Sauerstoff geblasen, so erfolgt eine

energische Oxydation, das spezifische Gewicht steigt, die Öle werden

viskos («geblasene Öle»).

Die meisten Fette sind optisch-inaktiv, rechtsdrehend sind z. B.

Ricinusöl, Crotonöl, Lorbeeröl und Sesamöl. Die Zahl für die mittlere

Molekularrefraktion ist bei den meisten Ölen ziemlich dieselbe, z. B.

Leinöl 447, Olivenöl 447, Sojabohnenöl 450, Sesamöl 451 (~Klimont~).

Mikroskopisch betrachtet zeigen die festen oder halbfesten Fette

regelmässig reichliche Kristallbildungen, vorwiegend Nadeln,

eingebettet in tropfbar-flüssige Massen.

Die +Wachse+ sind chemisch den Fetten sehr ähnlich, haben aber eine

ganz andere physiologische Funktion; als Überzüge auf des Vegetations-

und Reproduktionsorganen von Pflanzen warmer Klimate dienen viele

als Schutz gegen Verdunstung, Benetzung, Licht. Bei anderen ist die

Funktion unklar. Das Bienenwachs dient zum Bau der «Zellen». Die

Wachsester sind schwerer verseifbar als die Fettester.

Die Methoden der +Analyse der Fette+ sind physikalische und

chemische. Von den +physikalischen+ kommen in Betracht: Die

Bestimmung des spez. Gew., des Schmelz- und Erstarrungspunktes,

des Brechungsexponenten (mit dem Refraktometer), der Viskosität

(mit dem Viskosimeter, vgl. oben S. 450, am gebräuchlichsten sind

~Englers~ und ~Redwoods~ Viskosimeter), des Rotationsvermögens, des

mikroskopischen und spektroskopischen Verhaltens, der Konsistenz, der

Löslichkeit, des elektrischen Leitungsvermögens und des Verhaltens

im Kolorimeter. Bei den +chemischen+ Methoden unterscheidet man: Die

Bestimmung der Säurezahl, der +Verseifungszahl+ (+Köttstorferzahl+),

der +Jod-+ (und Brom-)+zahl+ (~Hübl~, ~Wijs~), der +Reichert-Meissl-+

bzw. +Reichert-Wollnyzahl+ (flüchtige Fettsäuren), der +Hehnerzahl+

(Unverseifbares und unlösliche Fettsäuren) und der +Acetylzahl+.

~Fokin~ benutzte die «Wasserstoffzahl», d. h. die Zahl ccm H bei 0°

und 760 mm D (1 l = 0,098 g), welche mit 1 g Substanz bei Behandlung

mit molekularem Platin in Reaktion treten, um die Zahl der doppelten

Bindungen in ungesättigten Fettsäuren zu bestimmen. Bisweilen werden

auch die Glycerinmenge und die Diglyceride bestimmt. Qualitative

Reaktionen sind die Elaidinprobe, die Sauerstoffabsorptionsprobe

und die Hexabromidprobe (zum Nachweis der Linolensäure). Auch

die Bestimmung der Temperaturerhöhung beim Vermischen mit konz.

Schwefelsäure wird vielfach zur Identifizierung der Öle benutzt

(~Maumenés~ Probe). Für genauere Untersuchungen ist auch die

Prüfung der isolierten Fettsäuren (auf Menge, spez. Gew., Schmelz-

und Erstarrungspunkt, Siedepunkt, Löslichkeit, Brechungsexponent

usw.) nötig. Der Fettgehalt von Drogen wird durch Extrahieren

mit niedrig siedendem Petroläther im Soxhlet, Verseifen des

Extraktionsrückstandes und Abziehen des Unverseifbaren bestimmt.

Die meisten Öle sind gelblich, einige fast farblos (manche Sorten von

Olivenöl und Ricinusöl), andere tiefgelb (Leinöl, frisches Palmfett),

die Fette meist rein weiß (Cocosfett, Schweinefett). Einige sind

durch Farbstoffe gefärbt, die sich beim Auspressen im Fett lösten. So

ist Lorbeeröl durch Chlorophyll, Muskatbutter durch einen gelbroten,

Astrocaryafett durch einen zinnoberroten Farbstoff gefärbt. Ein

Chlorophyllgehalt der fetten Öle, der besonders bei Olivenöl und

Hanföl beobachtet wurde, läßt sich leicht mit dem Spektroskop

nachweisen (~Tschirch~ 1884).

+Die direkte Synthese der gewöhnlichen Glyceride+ gelingt mit fast

theoretischer Ausbeute durch Erhitzen stöchiometrischer Mengen von

Fettsäure und Glycerin auf 200-250° unter gewöhnlichem Druck, wenn

man das bei der Reaktion entstehende Wasser fortwährend entfernt und

den atmosphärischen Sauerstoff mittelst eines inerten Gasstromes

(CO₂) fernhält (~Belucci~ 1911. Weitere Synthesen bei ~Schacht~.)

Auch mit Hilfe von Enzymen ist sowohl im Organismus wie in vitro ein

Aufbau von Fetten möglich, da, wie zuerst ~Hanriot~ gezeigt hat,

z. B. die fettspaltende Serolipase auch reversibel synthetisierend

wirkt (biochemische Fettsynthese). Solche Synthesen gelangen

~Bodenstein~ und ~Dietz~, ~Taylor~, ~Pottevin~ u. and.

~Lewkowitsch~ gibt folgende Einteilung der Fettkörper:

I. Öle (flüssig),

a) vegetabilische:

1. trocknende, 2. halb trocknende, 3. nicht trocknende.

b) animalische:

1. von Seetieren: α) Fischöle, β) Leberöle, γ) Tran.

2. Von Landtieren.

II. Fette (fest), a) vegetabilische, b) animalische.

Alle vegetabilischen Öle und Fette enthalten als Begleiter

Phytosterine, alle animalischen Cholesterine. Die chemischen

Beziehungen derselben zu den Fetten sind noch nicht aufgeklärt.

Eine ziemlich vollständige tabellarische Übersicht über die

Zusammensetzung, sowie die physikalischen und chemischen Konstanten

von 225 pflanzlichen und tierischen Fetten und 10 Wachsen findet sich

in ~Ulzer-Klimont~, Allgem. physiol. Chemie d. Fette 1906. Genaueres

bei ~Lewkowitsch~.

Der +mikrohistochemische Nachweis der Fette+ gelingt in allen Fällen,

wo das Öl ungesättigte Säuren (z. B. Ölsäure) enthält mittelst

Osmiumsäure: die Tropfen färben sich im Wasserpräparat bei gelindem

Erhitzen mit dem Reagens braun (die Reaktion tritt aber auch bei

anderen Substanzen mit doppelten Bindungen ein). In den Samen, welche

ich selbst angesehen habe (und das ist eine große Zahl) ist das fette

Öl in den Zellen +niemals+ in Tropfen, sondern in innigster Mischung

oder Verbindung mit dem Plasma vorhanden. Es färbt sich daher die ganze

zwischen den Aleuronkörnern liegende Masse mit Osmiumsäure braun, wenn

man den Schnitt direkt in diese einträgt. Dieses von mir +Ölplasma+

genannte Gebilde wird aber durch Wasser zersetzt und es treten daher

Tropfen hervor, wenn man den Schnitt in Wasser legt. Auch in den Zellen

der Vegetationsorgane entsteht das Öl immer im Plasma und dieses ist

wohl regelmäßig ölhaltig. Bisweilen entsteht es in sog. +Oleoplasten+

(Elaeoplasten, Ölbildnern). Doch bestreitet ~Uhlmann~, daß es sich hier

um fettes Öl handelt.

Ein weiterer Nachweis der Fette beruht auf ihrer Verseifbarkeit mit

Alkalien. Man legt den Schnitt in Kaliammoniak: es entsteht eine

wasserlösliche Seife (~Molisch~ 1891). Die Verseifung tritt schon

bei gewöhnlicher Temperatur bei längerem Liegen ein und es treten

dabei charakteristische Kristalle auf (~Hartwich~ und ~Uhlmann~). Die

Fetttropfen nehmen auch Farbstoffe begierig auf, wie z. B. Alkanna,

Chinolinblau, Sudan, Chlorophyll und den roten Farbstoff, der bei der

~Raspail~schen Zuckereiweißreaktion entsteht.

In der Therapie spielen die Fette besonders eine Rolle als Salben-

und Linimentvehikel. Alle Öle wirken zudem, wenn eßlöffelweise

genommen, abführend, auch per anum, Gummiölemulsionen dagegen stopfend.

Die gepreßten Öle verhalten sich nicht ganz gleich wie die mit

Lösungsmitteln extrahierten des gleichen Objektes.

In der +Pharmazie+ benutzt man auch die mit Kohlensäure gesättigten

Öle (Brauseöle), sowie die bromierten und jodierten Fette. Der

Lösungsfähigkeit des Phosphors in Öl bedient man sich zur Herstellung

des Ol. phosphoratum.

Die +Verbrennungswärme+ der Fette ist sehr beträchtlich. Während

die Kohlehydrate im Durchschnitt nur 3900 g-Kalorien geben, geben

die Fette im Durchschnitt 9300 g-Kal. Sie spielen daher im Stoff-

und Kraftwechsel der Organismen eine große Rolle und sind wertvolle

Nahrungsmittel.

Die Frucht- und Samenöle werden meist durch +Pressung+ (kalte oder

warme) gewonnen (vgl. I, S. 134). Die hierbei erhaltenen =Preßkuchen=,

die immer noch mehr oder weniger Fett zurückhalten, sind wertvolle

Futter- oder Düngemittel, da in ihnen sich noch das ganze Eiweiß

(besonders in Form von Aleuronkörnern) befindet. Neuerdings werden aber

auch viele Fette durch Extraktion, besonders mit Schwefelkohlenstoff

und Benzin resp. Petroläther (weniger mit Tetrachlorkohlenstoff,

Chloroform, Aceton, Benzol, Chloräthylenen oder Chloräthanen) gewonnen.

Bei beiden Methoden gehen auch in Fett lösliche Begleiter der Fette in

Lösung (Farbstoffe, giftige Substanzen, ätherische Öle s. oben).

Die Apparate zur Ölgewinnung sind abgebildet bei ~Stiepel~ a. a. O.

Der Bedarf an Pflanzenfetten ist ein ungeheurer. Deutschland allein

führte 1906 für 30 Mill. Mark Pflanzenöle und für 202,49 Mill.

Mark Ölsamen ein (~Tunmann~). Von tropischen Ölen kommen jährlich

über 2000 Mill. kg an den Weltmarkt. +Marseille+ ist ein wichtiger

Ölhandelsplatz für _Oliven_, _Arachis_, _Sesam_, _Copra_ und ihre Öle.

Die +Methoden zur Reinigung der Fette+ beziehen sich auf die

Entfernung mechanischer Verunreinigungen, gelöster Eiweißstoffe,

Harze, Pflanzenschleim, freier Fettsäuren, Riechstoffen

(Desodorisation) oder sind Bleichmethoden oder Methoden, welche

auf eine Geschmacksverbesserung oder größere Haltbarkeit abzielen

oder eine Erhöhung des Schmelzpunktes oder Herabsetzung des

Erstarrungspunktes bezwecken (Demargarinierung).

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 83 / 120 段