Abführmittel, wie zur Zeit des ~Mesuë~, wo wir im Grabaddin (I, S.
599) das Tamar Indorum unter den medicinis solutivis als Bestandteil
der Laxirlatwergen antreffen (s. Geschichte). Die allerdings
stark vereinfachte Senna-Tamarindenlatwerge steht noch in unseren
neuesten Arzneibüchern und die Tamarindenkonserven (Confectio s.
conserva t., Tamarindenkonserven ~Kanoldt~, Tamar indien ~Grillon~)
erfreuen sich großer Beliebtheit. (Der Tamarindenmolken, _Serum
lactis tamarindinatum_, der Anfang des XIX. Jahrh. sehr beliebt war,
ist jetzt aus der Mode gekommen.) T. wurde also schon während des
Mittelalters in Europa als Purgativ benutzt. ~Linschoten~ empfiehlt
sie besonders als +billiges+ Abführmittel an Stelle von _Rhabarber_,
_Manna_ usw. ~Paludanus~ berichtet, daß die Türken und Ägypter sie
viel bei +Fieber+ brauchen. Tamarindenlimonade wird von Fieberkranken
auch heute noch gern als erfrischendes Getränk genommen. Die als
unschätzbare, köstliche Gabe der Natur von den Reisenden bezeichnete
Frucht des den größten Schmuck der Negerländer bildenden Baumes,
die von höchster Bedeutung für die trockenen, vegetationsarmen
Länder, namentlich die Binnenländer Afrikas, ist (~Rohlfs~, ~Barth~,
~Munzinger~), wird bei Reisen durch den dunklen Erdteil teils
zur Herstellung erfrischenden Trankes, teils auch dazu benutzt,
verdorbenes Wasser trinkbar zu machen. In Cordofan ist das Fruchtmus
zu Ballen geformt, allein und mit _Senna_, auch Abführmittel, ebenso
sind die Rinde und die Wurzel dort in Gebrauch. ~Bontius~ (I, S. 897)
beschreibt ein in Java aus Tamarinden bereitetes Bier von delikatem
Geschmack und großer Bekömmlichkeit für den Tropenbewohner. Das
gleichzeitige Vorkommen von Zucker und Weinstein ladet geradezu dazu
ein, die Tamarinden zur Kunstweinfabrikation heranzuziehen, was
denn auch schon seit längerer Zeit auch bei uns (wie seit langem
in Indien) geschieht. Tamarindenfruchtsirupe und Bonbons sind
besonders in Italien beliebt. Mit Butter und Zwiebel bildet das Mus
eine sehr erfrischende Nahrung, mit Zwiebeln, Honig und Pfeffer
ein beliebtes Mittel gegen Klimakrankheiten in Afrika. In Indien
werden daraus mit Zucker oder Gewürzen beliebte Leckereien bereitet
und das Mus auch für Saucen, Currie etc., sowie zur Bereitung der
sog. Tamarindenfische benutzt. Man findet T. auf jedem Markt in
Südasien (~Tschirch~). Dann dienen T. auch zum Saucieren des Kau-
und Schnupftabaks. Bei Hungersnot, wie sie ja in Vorderindien häufig
ist, spielt der Same eine ziemlich große Rolle. Er wird als famine
food besonders in der Präsidentschaft Madras und Central-India,
dann auch in Bengalen und den Zentralprovinzen benutzt (~Hooper~)
und eignet sich wegen seiner Zusammensetzung (oben S. 538) hierzu
sehr gut, besonders wenn er von der gerbstoffhaltigen Schale befreit
wird. Die +Samen+ werden daher zur Entfernung der Schale geröstet und
eingeweicht und die Kerne dann gekocht oder gebacken oder vermahlen
und dem Mehl zugesetzt. Roh werden sie wie Betel gekaut. Der aus
den Samen bereitete Kleister (s. oben S. 536) dient zum Stärken.
Sie finden auch medizinische Anwendung äußerlich und innerlich
(~Dymock~). In Indien werden von der Tamarinde auch die angenehm
sauer schmeckenden, ebenfalls abführenden Blätter, die Blüten, die
Rinde und das Gummi benutzt, wie auch die Asche der Rinde und die
Blätter (Pharmac. ind.).
=Lit.= ~Hooper~, Agr. Ledg. 1907. -- ~Barth~, Reis. u. Entdeck. in
Nord- u. Central-Afrika 1858 I, 614, III, 334, 400. -- ~Rohlfs~,
Reisen durch Nordafrika 1872, 23. -- ~Munzinger~, Ostafrikan. Studien
1864. -- ~Dymock~, Veg. Mat. med. West. Ind.
=Geschichte.= Unter den Heilpflanzennamen des alten Ägyptens
ist keiner bis jetzt als auf T. sich beziehend sicher erkannt
worden. Aber unter den Drogen, die z. B. der Papyrus ~Ebers~ als
Bestandteile der Composita anführt, sind noch sehr viele nicht
gedeutet. Vielleicht ist die Frucht vom Kesebtbaum, die dort unter
den Abführmitteln steht, die der Tamarinde (~Ebers~ deutet sie,
mir nicht einleuchtend, als Ricinus, der aber andere Namen hatte;
in Cordofan heißt die T. heut: ardeb). Der Baum kam im Altertum
nicht in Ägypten vor, ist aber wohl die κερατία des ~Strabo~ (I, S.
532), die dieser (Lib. XVII, c. 2, § 1) um 20 n. Chr. in Äthiopien
(wo ja _Ceratonia_ nicht vorkommt) erwähnt (~Ernst Meyer~). -- In
Abyssinien traf ~F. Alvarez~ (1520) den Baum. -- Doch haben sich
die Ägypter des Tamarindenmuses, wie es scheint, beim Färben der
Mumienbinden und beim Einbalsamieren bedient (~John~). Die von
~Gardner Wilkinson~ als Tamarindensamen gedeuteten, in einem Grabe
von Theben gefundenen Gebilde erwiesen sich nicht als solche (~Birch~
u. ~Hanbury~). Der Tamarindenbaum war den Griechen bekannt. Er
ist das δένδρον πολύφυλλον des ~Theophrast~, wie schon ~Sprengel~
ganz richtig vermutete. Sie trafen ihn auf dem Alexanderzuge am
persischen Golf auf der Insel Bahrein (~Bretzl~). Doch bedienten sich
die Alten nicht der Früchte. Die täglichen periodischen Bewegungen
der Fiederblättchen der Tamarinde -- am Abend legen sich die
Fiederblättchen zusammen und die Spindel senkt sich nach unten --
Bewegungen, die wir jetzt als nyctitropische bezeichnen, beobachtete
zuerst ~Androsthenes~ auf dem Alexanderzuge auf der Insel Bahrein und
~Theophrast~ beschreibt (hist. pl. IV, 7, 8), offenbar nach dieser
Quelle, die +Erscheinung des Pflanzenschlafes+ bei der Tamarinde
(Abbild. bei ~Bretzl~) ganz korrekt und in meisterhafter Kürze.
+Die Erscheinung ist also bei der Tamarinde entdeckt worden.+ Sie
fiel auch den Europäern, als diese Indien im XVI. Jahrh. betraten,
sofort auf, z. B. ~Garcia da Orta~, ~Acosta~ u. and. Die alte
Sanskritliteratur hat mehrere Namen für T. In der indischen Medizin
spielte das Mus keine sehr große Rolle, wird aber in Indien noch
jetzt benutzt. Unter den Abführmitteln von ~Suśrutas~ (I, S. 504)
findet sich wohl _Cassia fistula_, aber nicht die Tamarinde. Schon
im alten Indien bedienten sich aber die Silberschmiede des Muses
zum Weißsieden des Silbers (ähnlich wie später und noch heute des
Weinsteins). Die medizinische Verwendung des Tamarindenmuses hat
sich im Mittelalter von Indien über Arabien nach Europa verbreitet.
Die Araber haben die T. jedenfalls von den Indern kennen gelernt,
wie schon ihr Name tamr hindi = «Indische Datteln» zeigt. ~Alexander
Trallianus~ (I, S. 591) kannte die T. noch nicht. ~Alhervi~ (X.
Jahrh., vgl. I, S. 601) beschreibt das schwarze, wie Pflaumen
schmeckende, Mus der Tamr ul hindî gut mit seinen Fasern und Samen,
wie wir es noch heute im Handel finden. ~Abu Hasan~ (bei ~Ibn
Baithar~) und ~Ibn Sînâ~ (I, S. 603) erwähnen die abführende und
«herzstärkende» Wirkung der Früchte und ihren sauer-süßen Geschmack.
Auch die Samen wurden von den Arabern arzneilich benutzt. Bei ~Mesuë~
(XII. Jahrh., I, S. 600) steht _Tamar indi_ unter den Abführmitteln
neben _Pruna_ und _Cassia_. Als Vorkommen erwähnt ~Abu Hanifa~:
Scharâh, Omân, ~Abu Hasân~: Yemen, Indien, Nigritien, Bassora.
~Mesuë~ nennt Cambaya und Guzarate, ~Serapion~: Indien, ~Bonifaa~
(fälschlich): Syrien. 1270 wurden sie in Aden verzollt (I, S.
699). ~Marco Polo~ erwähnt sie. Die Tamarinden stehen auch sowohl
im ältesten wie im jüngsten persischen Werke über Pharmakologie:
sowohl bei ~Alhervi~ (~Muwaffak~, X. Jahrh. I, S. 601) wie im
~Makhzan el Adwiya~ (XVIII. Jahrh. I, S. 614). Sie nehmen aber im
mittelalterlichen Handelsverkehr keine hervorragende Rolle ein
(~Flückiger~). Die Schule von Salerno übernahm die T. von den Arabern
als _Oxifenica_ und _Dactyli acetosi_. So z. B. bei ~Platearius~
und ~Saladin~, der sie für eine Palmenfrucht hielt. Tamarinden sind
(meist in Verbindung mit _Cassia fistula_, _Senna_, _Rosinen_,
_Pflaumen_ und _Manna_) Bestandteil des _Electuarium lenitivum
Nicolai Alexandrini_, des _El. de Sebesten Bartholomai Montagnanae_,
des _Diaprunum compositum Nicolai_, des _Diacatholicum Nicolai_, der
_Confectio Hamech Mesuë_ u. and. Die Bezeichnung Indische Dattel oder
Sauerdattel hat viel Verwirrung angerichtet. Noch der Ricettario
fiorentino (I, S. 794), ja selbst noch ~Pomet~ (I, S. 942), der eine
schlechte Abbildung der Pflanze gibt, und ~Valentini~ (I, S. 912)
geben (wie die Araber, z. B. ~Mesuë~) eine Palme als Stammpflanze
an, obwohl doch bereits ~Garcia da Orta~ (I, S. 736), ~Acosta~ (I,
S. 739), ~Linschoten~ (I, S. 743) und ~Bontius~ (I, S. 897) den Baum
im allgemeinen richtig beschrieben und zum Teil ausdrücklich die
Unterschiede von den Palmen hervorgehoben hatten, ~Rheede~ (I, S.
898) eine gute Abbildung und ~Rumphius~ (I, S. 900) eine Abbildung
und eine ausführliche Beschreibung gegeben und auch ~Alpini~ (I,
S. 910) z. B. die Schlafbewegungen der Blätter gut beschrieben
hatte. Den Baum lernte man also erst kennen, als der Seeweg nach
Ostindien gefunden war (I, S. 728). Er hieß damals in Guzarat ambili,
in Malabar puli (~Garcia da Orta~). Auch in ~Barbosas~ berühmter
Preisliste (I, S. 741) figurieren die T. und in des ~Pires~ Brief
an ~Manuel~ (I, S. 742) wird aus Cochin über die großen Mengen der
T. in Malabar, Coromandel und Java berichtet. T. war also schon im
Anfang des XVI. Jahrh. in Java zu finden. Da ~Hernandez~ (I, S. 761)
die Tamarinde (Mizquitl, Hoxinue, Quahunachaztli) 1570 beschrieb
und abbildete, so muß sie schon bald nach der Eroberung Mexicos
dorthin gebracht worden sein. ~Hernandez~ sagt von ihr: «nuper ad
eas oras translata». Auch nach Westindien ist T. durch die Spanier
sehr frühzeitig gebracht worden. Sie ist jetzt dort wie in Ecuador
sehr häufig. In Brasilien trafen sie ~Piso~ und ~Marcgraf~ (I, S.
893) schon 1648. In älteren deutschen Glossarien und Arzneibüchern
fehlen die Tamarinden (~Flückiger~). Bei ~Cordus~ (I, S. 803) steht
_Tamarindus pulpa et semen_, Tamarin im Inventar ~Lefort~ (I, S. 805)
und in zahlreichen Pharmakopoeen, Taxen und Listen, wie z. B. in der
Frankfurter Liste, im Eßlinger Drogenverzeichnis (1550) und der Taxe
(1571) findet sich die Tamarinde.
=Lit.= ~Udoy Chând Dutt~, Mat. med. of the Hindus. -- ~Dymock~,
Veget. mat. med. West. Ind. und Pharmac. ind. -- ~Kanny-Lall Dey~,
The indigenous drugs of India. Calcutta 1896. -- ~Wönig~, Pfl. d.
alt. Ägypt. -- ~Bretzl~, Bot. Forsch. d. Alexanderzuges. -- ~Ernst
Meyer~, Bot. Erläut. z. Strabons Geograph. 1852. -- ~Joret~, Le
Naturaliste (2) 10, Nr. 36. -- ~Flückiger~, Pharmakogn.
VI. Citronensäuredrogen.
Von den dreibasischen Säuren kommen für uns:
COOH COOH
| |
CH₂ CH₂
| |
CH.COOH und OH C.COOH
| |
CH₂ CH₂
| |
COOH COOH
Tricarballylsäure Citronensäure
(Oxytricarballylsäure)
in Betracht, von denen die erstere in unreifen Rüben gefunden wurde
(~Lippmann~), die von ~Scheele~ 1784 entdeckte, von ~Liebig~ 1838 als
dreibasisch erkannte =Citronensäure= aber in zahlreichen Früchten
vorkommt, wie den _Citrus_arten, den Preißelbeeren, Johannisbeeren,
Heidelbeeren (S. 64), Stachelbeeren, Kirschen (S. 73) sich aber
auch im Zuckerrohr, in der Zuckerrübe und in Tabaksblättern findet
(revisionsbedürftige Zusammenstellung in ~Husemann-Hilger~,
Pflanzenstoffe, dann bei ~Czapek~ und im ~Beilstein~) und bei der
sog. Citronensäuregärung (s. oben S. 507) entsteht. Es sind besonders
einige _Citromyces_arten (_C. Pfefferianus_, _citricus_, _lacticus_,
_tartaricus_, _oxalicus_), die unterhalb 20°, bei mangelhafter
Stickstoffnahrung bisweilen 50% und mehr des Zuckers (am besten
eignet sich Maltose, weniger Saccharose, Dextrose und Lävulose) in
Citronensäure überzuführen vermögen (~Buchner~ und ~Wüstenfeld~,
~Wehmer~, ~Herzog~ und ~Polotzky~). +Frei+ und neben wenig oder gar
keiner Apfelsäure findet sich Citronensäure in den Früchten von
_Citrus limonum_, _Vaccinium vitis idaea_, _V. oxycoccus_ und _V.
macrocarpum_ (1,4% ~Ferdinand~), sowie _Oxycoccus palustris_ (2-2,8%
~Kossowicz~); +neben Apfelsäure+ (etwa zu gleichen Teilen) findet sich
Citronensäure in der Johannisbeere (1%), ferner in der Stachelbeere,
der Heidelbeere, Himbeere und in _Rubus chamaemorus_, sowie im Kraute
von _Chelidonium majus_; +neben Apfelsäure und Weinsäure+ in den
Vogelbeeren (und vielleicht auch in der Tamarinde, ~Vauquelin~). Von
den Citronenpreßsäften des Handels enthält am meisten fremde Säuren
der Saft der Bergamotte, dann der Limottensaft, am wenigsten der Saft
der Citrone (~Warrington~). Mikrochemisch läßt sich Citronensäure als
Silbersalz nachweisen.
Synthetisch kann Citronensäure aus +Glycerin+ über Dichlorhydrin --
β-Dichloraceton -- Dichloracetoncyanhydrin -- Dichloracetonsäure und
deren Dicyanid (~Grimaux~ u. ~Adam~) (bzw. aus Acetondicarbonsäure)
erhalten werden, aber weder diese Synthese, noch die von ~Adreoni~
und ~Kékulé~, die von der Apfelsäure ausgehen, werden praktisch
ausgeführt. Sie sind zu teuer. Noch immer liefert die Natur die
billigste Citronensäure (in der Citrone und, nach ~Wehmer~, mittelst
_Citromyces_ (S. 507), vgl. Chem. Zeit. 17, 1180 u. 21, 381 u. 1022).
Die Citronensäure bemerkte schon vor 1732 zuerst ~Boerhaave~ (I,
S. 957) in den Citronen und studierte die Wirkung des Saftes auf
Metalle. Sie wurde dann von ~Retzius~ (1776) isoliert, aber erst
von ~Scheele~ (1784) kristallinisch erhalten. Daß Citronensäure von
Weinsäure verschieden ist, fand außer ~Scheele~ auch ~Retzius~ (I, S.
966).
=Frische Citronen= kommen vom +Gardasee+, wo sich große, sehr
eigenartige Kulturen befinden (vgl. I, Fig. 27 u. 28), die jährlich
c. 15 Mill. Citronen liefern, dann aus Sizilien, das jährlich c. 50
Milliarden produziert. +Italien+ exportierte 1909: 2560628 Quint.
+Limoni+ anche in acqua salata. Riesige _Citrus_-Kulturen finden sich
in Kalifornien (I, Fig. 31). +Hamburg+ importierte 1908: 236943 dz
Citronen, davon kamen 225609 aus Italien, 10273 aus Spanien, geringe
Mengen aus Frankreich, Griechenland, das jährlich c. 60 Mill. κίτρον τὸ
κοινὸν produziert, und Syrien. Man kann Citronen dadurch konservieren,
daß man die Anheftungsstelle mit Paraffin überzieht und die Früchte in
Salz einbettet.
Das mittlere Gewicht einer Citrone beträgt 153,8 g (~Olivieri e
Guerrieri~). Bei den Citronen kommt c. 35-38,50% auf die Schale, c.
59% auf das Fruchtfleisch und c. 2,5% auf die Kerne -- sie liefern bis
37-44,5% Saft. Eine gute Citrone gibt durchschnittlich 24,8 g Saft und
liefert c. 2,41 g krist. Citronensäure. Ältere Citronen enthalten keine
Citronensäure mehr (~Stoddart~). 1000 kg guter +Citronen+ sollen 55
kg und 1000 kg +Johannisbeeren+ 7,5-10 kg krist. Citronensäure geben.
Außer diesen wird auch der +Preißelbeersaft+, der 1-1,2% enthält,
zur Darstellung der Citronensäure im Großen empfohlen (~Gröger~). Im
Liter des Saftes unreifer Maulbeeren finden sich 26,85 g Citronensäure
(~Wright~ und ~Patterson~). Echter Citronenpreßsaft hat ein spez.
Gewicht von c. 1,043-1,045 und einen Durchschnittsgehalt von 9,72% C.
(~Stoddart~). Er enthält aber oft nur 186 bis 280 g Citronensäure in
der Gallone, d. h. nur 4-6% (~Warrington~), doch steigt der Gehalt
auch auf 11,3% (5,2-7,6% bildet die Regel bei gutem Saft, ~Hensel~
und ~Prinke~). Fremde Säuren enthält Citronensaft meist nur 2,5%,
Limettensaft 7-8%, Bergamottensaft 12-13%.
Im Citronensaft wurde neuerdings gefunden: 10,44% Extrakt, c. 1,42%
Invertzucker, 0,52% Saccharose, 5,39-5,83% Citronensäure, 0,32%
Stickstoffsubstanz und 0,2% Asche (Zusammensetzung der Asche bei
~König~). In 100 ccm Saft unreifer Citronen fanden sich 7,52 g, im
Safte reifer 7,27 g Citronensäure, der Säuregehalt bleibt also etwa
gleich (~Bornträger~), doch steigt der Gehalt bisweilen bis 8,30 g in
100 ccm, wovon 1,57 g als Ester gebunden (~Späth~ und ~Sendtner~).
=Citronensaft= wird für den Großhandel in Italien aus den Früchten
von _Citrus medica_ L. subsp. _Limonum_ (~Risso~) ~Hooker~ fil.
(_Citrus Limonum_ ~Risso~, _C. medica_ var. β L.), der Citrone oder
Limone -- +Sugo di Limone+ -- und _Citrus medica_ ~Risso~ (_C. medica
cedro_ ~Gallesio~, _C. m._ var. α L.), der Cedrolimone -- +Sugo di
Cedro+ --, viel seltener aus denen von _Citrus Aurantium_ L. subspec.
_Bergamia_ (~Risso~ et ~Poiteau~) ~Wight~ et ~Arnott~, der Bergamotte,
in Westindien (Montserrat) aus denen von _Citrus Limetta_ ~Risso~
dargestellt.
Über die zur Citronensäuregewinnung nötigen Rohprodukte, die in
Süditalien hergestellt werden, hat ~Ravasini~ (1911) an Ort und Stelle
folgende Auskünfte, erhalten:
[Illustration: Fig. 178.
Die Orte der Citronensaftverarbeitung in Sizilien und Calabrien. Die
Orte, wo Agro-cotto bereitet wird mit ---- unterstrichen, die, wo
Cedrato di calce hergestellt wird, mit +×××××+ bezeichnet. [+Ravasini+
gez.]]
Die Citronensäure wird technisch ausschließlich aus dem Safte der
Citronen und Cedrolimonen, der in Süditalien, namentlich in Calabrien
und Sizilien, bereitet wird, gewonnen. Die Citronenfrüchte werden,
wenn sie ihre volle Reife erlangt haben, geschält (I, Fig. 165) -- die
Schalen werden zur Bereitung der Limonen(Citronen-) Essenz verwendet
(I, Fig. 166) --, und der Saft des Fruchtfleisches mittelst hölzerner
zylindrischer Pressen (torchi) ausgepreßt (I, Fig. 176). -- Ein Liter
des so erhaltenen Citronensaftes enthält 55-60, im günstigsten Falle
70 g Citronensäure. -- Da die Citronensäuredarstellung +nicht in
Italien selbst+ ausgeführt wird, so muß dieser Saft, um exportiert
werden zu können, vorerst eingedampft werden, was in großen Gefäßen
aus glasiertem Ton ausgeführt wird. Der eingedampfte Saft wird noch
warm filtriert und kommt dann unter dem Namen +Agro-Cotto+ in großen
hölzernen Fässern von 100-250 kg Inhalt an die ausländischen Fabriken
zur Versendung. Dieser konzentrierte Citronensaft, Agro-Cotto, stellt
eine sirupähnliche bräunliche Flüssigkeit dar, welche am +Citrometer+
60° zeigen muß, d. h. sie besitzt eine Dichte von 1,2394 und enthält c.
400 g kristall. Citronensäure im Liter. Die Darstellung von Agro-Cotto
findet in folgenden Provinzen und folgenden Orten Süditaliens statt:
+Reggio Calabria+ (bei Gallina, Motta S. Giovanni und Gallico),
+Catania+ (bei Acireale, Giarre, Calatabiano, Fiumefreddo und Riposto),
+Messina+ (bei Guidomandri, Nizza Sicilia, Milazzo, S. Teresa di Riva
und Giardini), +Siracusa+ (bei Floridia), +Palermo+ und auf der Insel
+Ischia+ nahe Neapel (hier wenig). Deutschland importierte 1909: 1705
dz Citronensaft, besonders aus Italien. Neuerdings wird Citronensaft
aus den zerquetschten geschälten Früchten durch Centrifugieren
dargestellt. Dieser ist leicht zu klären.
Behufs der Reindarstellung der Citronensäure wird der rohe Citronensaft
mit Kalk neutralisiert und der so erhaltene citronensaure Kalk dann
durch Waschen mit Wasser von den löslichen, nicht mit Kalk unlösliche
Verbindungen eingehenden fremden Saftbestandteilen befreit und dann mit
Schwefelsäure zerlegt. Die zur Kristallisation gebrachte Lauge liefert
zunächst gefärbte Kristalle (rohe Citronensäure, in der Kattundruckerei
benutzt), die dann mit Kohle gereinigt werden. Die reine Citronensäure,
das +Acidum citricum des Handels+, ist das Monohydrat. Die Ausbeute
beträgt c. 5,5 % (bei Johannis- und Preißelbeeren nur 1-1,5%).
Um den kostspieligen Transport des verhältnismäßig wenig verwertbares
Material enthaltenden Citronensaftes zu umgehen, ist man auf den
Gedanken gekommen, an Ort und Stelle die Citronensäure in unlösliches
Tricalciumcitrat («+Citrato di calce+» [oder calcio] oder, wie in
Sizilien meistens genannt, «+Cedrato di calce+») zu verwandeln und
dieses letztere an Stelle des Saftes in den Handel zu bringen. Diese
Operation wird folgendermaßen ausgeführt. Der durch Pressung erhaltene
Citronensaft wird zuerst einige Zeit sich selbst überlassen bis Gärung
eintritt, was die Absonderung von Eiweiß- und Schleimsubstanzen bewirkt
(der Schleim entstammt besonders der Samenschale). Nun werden in
einer großen gemauerten, gewöhnlich 10000 Liter Flüssigkeit fassenden
Cisterne, die mit einem mechanisch beweglichen Aufrührer und einem
Serpentinrohr versehen ist, 2000 Liter Citronensaft und 8000 Liter
kaltes Wasser zusammengebracht. Man rührt alles gut um und läßt durch
das Serpentinrohr so lange kaltes Wasser durchfließen, bis die ganze
Flüssigkeitsmenge auf eine Temperatur von 5° erniedrigt worden ist. Nun
wird das Umrühren durch weitere 10 Minuten fortgesetzt und schließlich
50 Liter eines Summachextraktes hinzugefügt, durch dessen Tanningehalt
die Fällung aller Eiweiß- und Schleimsubstanzen vervollständigt wird.
Die Flüssigkeit wird jetzt durch eine Filterpresse geführt, wobei der
Niederschlag beseitigt wird, und kommt aus dieser entweder in 2000
Liter fassende hölzerne Wannen oder (was bei neueren Installationen
zu finden ist) wieder in gemauerte Cisternen, welche aber mit einer
durchlöcherten Serpentine versehen sind, durch welche soviel Dampf
eingeführt wird bis die Flüssigkeit zum Sieden gelangt. Man ermittelt
nun in einem kleinen Flüssigkeitsquantum die in diesem enthaltene
Säuremenge und setzt auf jede 100 kg Säure 45 kg gebrannten Kalk oder
57 kg Kalkhydrat hinzu, wobei sich sogleich +citronensaurer Kalk+
absetzt, welcher in einer Filterpresse aufgefangen, durch 10 Minuten
mit heißem, durch weitere 10 Minuten mit lauem und durch folgende 5
Minuten mit kaltem Wasser ausgewaschen wird.
Getrocknet wird dieser Citronenkalk in hölzernen Fässern aus +Catania+
und +Palermo+ meistens nach Nordamerika, Frankreich, Deutschland und
England exportiert, wo er zur Citronensäurefabrikation Verwendung
findet. +Italien selbst fabriziert keine Citronensäure und wird
sogar die hier zum Verbrauch kommende Quantität fast ausschließlich
aus England und Deutschland bezogen+, aus letzterem Lande 1909: 359
dz. «+Citrato di Calce+» wird dagegen schon in folgenden Provinzen
und an folgenden Orten dargestellt: +Reggio Calabria+ (bei Gallina
und Palizzi), +Messina+ (bei Roccalumera und San Filippo del Mela),
+Siracusa+ (bei Modica), +Palermo+ (bei Bagheria).
Es ist vorauszusehen, daß mit der Zeit die Darstellung vom Citrato di
Calce jene von Agro-Cotto ganz verdrängen wird. -- In der Provinz
von Palermo, wo sechs Fabriken zu finden sind, die den konzentrierten
Preßsaft und Cedrato di Calce darstellen, hat sich schon eine von
diesen in eine größere Aktiengesellschaft verwandelt, die über
70000 kg im Jahre Citrato di Calce exportieren soll. -- Die Provinz
Messina allein soll über 1 Million kg konzentrierten Citronensaft
(Agro-Cotto) im Jahre darstellen, was sicher eine enorme Quantität
darstellt, wenn man bedenkt, daß man, um 100 kg gewöhnlichen (nicht
konzentrierten Saftes) zu erzielen, 2000-2800 Citronen benötigt. Die
Exportziffern sind folgende: +Gewöhnlicher, nicht konzentrierter
Zitronensaft+ (+Succo di cedro e di limone crudo+) 1908: 9250, 1909:
6172, 1910: 6014 quint. Konzentrierter Citronensaft (+Agro-Cotto+):
1908: 8366, 1909: 1178, 1910: 8352 quint. +Cedrato di calcio+: 1908:
77101, 1909: 23809, 1910: 64755 quint. (~Ravasini~).
Citronensaft kann dadurch haltbar gemacht werden, daß man den mit
Talcum geklärten Saft mit 10% Zucker aufkocht. Die Konservierung des
Citronensaftes kann auch durch Alkohol oder Erhitzen auf 100° oder
durch Filtration geschehen (~Judicis~). Citronensaft ist eines der
besten durstlöschenden Mittel. Citronensaft und Citronensäure werden
zur Limonadenbereitung in großen Massen verbraucht. Citronensaft (nicht
Citronensäure) gilt auch als das beste Mittel gegen Scorbut -- Schiffe
sind verpflichtet für lange Fahrt Citronensaft an Bord zu nehmen --,
dann wird er auch jetzt vielfach zu den sog. Citronenkuren bei Gicht
und als Entfettungsmittel benutzt.
Die Citronensäure des Handels ist oft mit Weinsäure verfälscht
oder sogar durch sie ersetzt. Das D. A. V läßt auf Weinsäure durch
folgende Reaktion prüfen: Eine Mischung von 1 g Acid. citric. und 10
ccm H₂SO₄, die in einem mit H₂SO₄ gespültem Mörser bereitet wurde,
darf sich höchstens gelb, nicht aber braun färben, wenn sie in einem
mit H₂SO₄ gespülten Probierrohr eine Stunde lang im Wasserbade nicht
über 90° erwärmt wird.