In Westindien werden die Früchte von der Schale sorgfältig befreit,

in Fässern übereinander geschichtet und kochender Sirup darüber

gegossen bis das Faß voll ist (oder vorher zwischen die Früchte Zucker

geschichtet, ~Wright~). Es ist auch nicht mit Zucker behandeltes

westindisches Mus im Handel. Das westindische Tamarindenmus, das, da es

keinem Gärungsprozeß wie das ostindische unterworfen wird, rotbräunlich

gefärbt ist, gelangt in Fässern aus St. Kitts, Nevis, Antigua,

Montserrat, Dominica, Martinique, Barbados, Grenada und Guayaquil

vorwiegend nach London. Die brasilianischen Tamarinden werden besonders

nach Nordamerika verschifft. Amerika importierte 1897 für 2699 Dollars

Tamarinden.

Am oberen Nil (Cordofan, Sennaar, Darfur, Arabien) wird die _Pulpa_ in

bis 1 kg schwere Kuchen gepreßt, die an der Sonne getrocknet werden.

Diese sind schwarz und fest und außen oft sehr unrein. Sie wurden

früher bisweilen als +ägyptische+ Tamarinden im Handel angetroffen

und kamen über Alexandrien nach Marseille, spielen jetzt aber nur

im afrikanischen Binnenhandel eine Rolle. Ähnliche Kuchen formt man

in Senegambien und Arabien. Auf den Märkten in Java und Singapore

traf ich sowohl die ganzen Früchte, wie das zu Kuchen vereinigte, in

Pisangblätter eingeschlagene Fruchtmus.

=Lit.= ~Flückiger-Hanbury~, Pharmacographia. -- ~Dymock~, Veg. mat.

med. West. Ind. -- Pharmac. indic. -- ~Wright~, Med. pl. of Jamaica.

-- ~Lunan~, Hort. Jamaicens. II (1814), 224.

[Illustration: Fig. 175.

_Tamarindus indica_ L. Querschnitt durch die Fruchtschale. 3-4 Epikarp.

5 Mesokarp. 6-8 und H Endokarp. H Haarschicht, verfilzt. [Nach

+Hallström+.]]

=Beschreibung der Droge.= Die Droge bildet ein nicht sehr appetitlich

aussehendes, entweder schwarzbraunes oder schwarzes (Calcutta-T.)

oder rotbraunes (westindische T.) Mus, das hauptsächlich aus dem

weichen, aber bald hart werdenden Mesocarp (Sarcocarp) der Frucht,

das sich schon beim Trocknen der Frucht vom Epicarp ablöst, besteht

und in das einmal die derben Mesocarpbündel, dann die papierdünnen,

die Fruchtfächer auskleidenden Endocarptaschen und endlich die

Samen eingebettet sind. Alle diese Teile treten besonders beim

Aufweichen des Muses deutlich hervor. Die Samen sind wenig regelmäßig,

verkehrt-eiförmig, rundlich, fast viereckig, etwas zusammengedrückt,

braunrot oder rotbraun, glänzend, bis 17 mm breit, bis 8 mm dick,

mit schmaler Randfurche, die dem Nabelstreifen entspricht. Die Samen

sind auch nach Einweichen in Wasser steinhart und nicht zu schneiden

(«pisa ipsius saxea fere sunt duritate», ~J. Bontius~ 1642), sägt man

sie aber durch und legt sie in Wasser, so werden sie schneidbar und

die äußere Schicht der Samenschale rollt sich an den Samenrändern

(nicht im Mittelfelde!) in einzelnen sich kräuselnden Schuppen ab --

+eine für die Tamarindensamen höchst charakteristische+, anatomisch zu

begründende Erscheinung. Das Mittelfeld ist etwas eingesunken und zeigt

Parallelstreifen. Der etwas dickere Rand ist grobwarzig. Der Samenkern

besteht fast nur aus den großen, hornigen, plankonvexen Cotyledonen,

zwischen denen ein kleines, etwas zurückgezogenes Würzelchen und

eine noch kleinere Plumula sichtbar wird. Das Durchschnittsgewicht

der Frucht beträgt 6-10 g. Von 100 Teilen Frucht kommen 41 Teile

auf das Fruchtfleisch, 30 Teile auf die Schale und 29 Teile auf die

Samen (pulp: 55, seeds: 33.9, shell and fibre: 11,1, ~Hooper~). 100

Samen wiegen 75,88 g. Der Gehalt der Pulpa an Samen darf 10% nicht

übersteigen. ~K. Müller~ fand 2 bis 9,8% (in nicht revisionsfähiger

Ware 20,6 und 38%), ~Brunner~ 3,45-37% (in 15 von 21 Mustern unter

10%), ~Adam~ 7-8%. Werden 20 g gut durchgemischtes Tamarindenmus mit

190 g Wasser übergossen und durch zweistündiges Schütteln ausgezogen,

so müssen beim Abdampfen von 100 g des Filtrates mindestens 5 g

trockenes Extrakt bleiben (Ph. helv. IV). Der Droge dürfen nur geringe

Mengen des Epicarps (äußere Hüllschicht, D. A. V) und nur wenige

Pilzsporen beigemengt sein. Die Droge schmeckt schwach süßlich und

stark sauer und riecht eigenartig (nicht dumpfig!). Man bewahrt sie in

Steintöpfen auf. Sie wird leicht hart.

[Illustration: Fig. 176.

_Tamarindus indica_ L. Querschnitt durch ein Hauptbündel der

Fruchtschale aus dem Mesokarp. [Nach +Hallström+.]]

=Anatomie.= Die Fruchtknotenwand läßt noch die Bauchnaht erkennen,

d. h. die Stelle, wo die Ränder des Carpells verwuchsen. Auf der

Rückenseite liegt ein großes Bündel, die Mittelrippe des Carpells,

gegen die Bauchnaht hin beiderseits je ein etwas kleineres und rechts

und links von der Bauchnaht je zwei ganz kleine Bündel -- also im

ganzen sieben, drei große, bis zur Spitze gehende und vier kleine

kurze. Von diesen gehen dann später zahlreiche Zweige ab, die das

Fruchtfleisch durchziehen. Die Innenwand wird später von Haaren

ausgekleidet. Zwischen den Samenfächern unterbleibt diese Haarbildung

und die Endocarpstreifen legen sich mit schwach papillöser Epidermis

fest aufeinander (~Hällström~). Das +Epicarp+ der reifen Frucht (Fig.

175) besteht zum überwiegenden Teile aus kurzen drei-, vier- oder

vieleckigen Sklereïden mit dicker gestreifter und reich getüpfelter

Membran und verschieden großem, mit einer braunen, durch Eisenchlorid

sich schwärzenden, in Kali aber kaum löslichen Phlobaphenmasse

erfülltem Lumen. Außen ist es von einer abschülfernden Korkschicht

bedeckt, die aus einem subepidermalen Phellogen hervorgeht, das

die außerhalb liegenden Partien abstößt, wodurch die Zeichnung der

Oberfläche der Frucht (s. oben S. 530) bedingt wird. In den äußersten

kleinen Sklereïden und in dem zwischen die Sklereïden eingestreuten

Parenchym finden sich bisweilen wohl ausgebildete monosymmetrische

Kalkoxalatkristalle. Die Sklereïden liegen entweder zu Gruppen

vereinigt oder isoliert. Die Fruchtschale ist daher in hohem Grade

zerbrechlich. Nach Innen zu geht die Sklereïdenschicht in das lockere

Parenchym der Mittelschicht der Fruchtschale, das +Mesocarp+, über,

von dem einige Schichten der Schale anzuhängen pflegen, der übrige

Teil ist samt den Samen von der Schale abgelöst und liegt als eine

kompakte Masse im Innern des Ganzen, einen ziemlichen Zwischenraum

zwischen sich und der äußeren Fruchtschale lassend. Diese Mittelschicht

der Fruchtschale, das Mesocarp, bildet das sog. «+Fruchtmus+». Sie

besteht aus vielen Zellreihen sehr zartwandiger, parenchymatischer

Zellen. Ihre Wand wird durch Jod schwach gebläut (~Flückiger~).

Betrachtet man das Mus der Droge unter dem Mikroskop in Glycerin

oder Öl, so sieht man zahlreiche, meist infolge Pektinbildung in

der Zwischenzellsubstanz mehr oder weniger isolierte, 80-160 mik.

große Zellen, die einen braunen zuckerreichen Inhalt und häufig auch

zahlreiche kleine, 1,5-18 mik. große Stärkekörner enthalten. Daneben

findet man +drei+ Kristallformen: derbe, unregelmäßig ausgebildete,

gestreckt-prismatische, tafelförmige und um einen Punkt angeordnete

nadelförmige Kristalle (~Tschirch~). Besonders die großen Tafeln

des erst in heißem Wasser löslichen Weinsteins treten gut hervor,

die anderen Kristalle sind Weinsäure und Zucker, die sich schon in

kaltem Wasser lösen. Gefäßbündel durchziehen besonders reichlich die

äußersten Partien der Mittelschicht der Fruchtschale, so daß bei dem

Ablösen der Mittelschicht von der äußeren Fruchtschale auf ersterer ein

reich verzweigtes Netz zarter und gröberer Gefäßbündel oberflächlich

aufzuliegen pflegt. Für die Entwicklung von Schimmelpilzen ist dieser

feuchte Raum und der gute Nährboden sehr geeignet. Man findet denn

auch dort oft zahlreiche Kolonien. Auch in den tiefer liegenden

Partien finden sich Bündel. Dieselben sind jedoch meist zarter -- auch

weniger zahlreich. Die oftmals von Kristallkammerfasern begleiteten

Bündel der Tamarindenfruchtschale zeichnen sich durch einen oft

ziemlich breiten Bastzellpanzer und viel Libriform aus, demgegenüber

die wenigen getüpfelten und Spiral-Gefäße und der Siebteil nur einen

kleinen Raum einnehmen. Das große Rückenbündel wird von relativ

wenigen Bastzellgruppen begleitet, führt aber in dem mächtigen

Holzkörper reichlich Libriform. Auch sein Siebteil ist stark entwickelt

(~Hällström~). Der innerste Teil der Fruchtschale, das +Endocarp+,

das die Samenfächer als Pergamenthaut auskleidet, ist dreischichtig.

Unmittelbar an das Mesocarp nach innen zu schließt sich ein drei- bis

fünfreihiger Bastzellpanzer, dessen tangential gestreckte, bis 300

mik. lange, bis 18 mik. breite Zellen ziemlich stark, aber ringsum

gleichmäßig verdickt, und mannigfach verbogen, also fest miteinander

(gegen tangentialen Zug) verzahnt sind. Diese Bastzellen besitzen

große, linksschiefe Spaltentüpfel. An diese Schicht schließt sich

eine Zone dünnwandiger Zellen und an diese die silberglänzende, jedes

einzelne Samenfach rings auskleidende Haut, die von außerordentlich

langgestreckten dünnen, hin und her gebogenen und miteinander

verfilzten Zellen (Fig. 175 u. 177) gebildet wird, die sich in der Nähe

der Querwände der Samenfächer oft zu einzelnen Fäden isolieren, so daß

sich dort ein zartes, durchbrochenes Netz langer Zellen von einer Seite

zur anderen spannt. Diese Schicht geht aus den die Fruchtknotenhöhle

auskleidenden Haaren hervor (~Trémeau~). Calciumoxalat (~Flückigers~

Quarzkörnchen?) findet man außer in den Kristallkammerfasern der Bündel

(s. oben) auch in der an die Pergamenthaut angrenzenden Schicht des

Mesocarps, weniger im übrigen Mesocarp (~Hällström~).

[Illustration: Fig. 177.

_Tamarindus indica._ Die Haarschicht des Endokarps. Beginnende

Verfilzung. [Nach +Hällström+.]]

Die Samen werden von einer Testa umhüllt, deren äußerste Schicht aus

c. 190 mik. langen und 8-11 mik. breiten, radial gestellten, mit

spaltenförmigen Lumen versehenen Palissadensklereïden gebildet wird.

Diese Sklereïdenschicht ist an dem Rande des Samens einreihig. Die

Zellen besitzen hier eine sehr gegen Wasser empfindliche Wand, so daß

sich Teile der Schicht im Wasserpräparat abrollen. Dadurch wird die

oben (S. 533) erwähnte Erscheinung bedingt. Ihre Wand ist außen braun,

innen hell. An dem breiten eingesunkenen Mittelfelde der Breitseiten

des Samens (s. oben S. 533) ist die Palissadenschicht zweireihig. Außen

liegt eine gefärbte, innen eine farblose Palissadensklereïdenreihe,

die genau aufeinander passen, so daß sich das Spaltenlumen durch

beide fortzusetzen scheint. Man kann aber zwischen beiden eine zarte

Trennungsmembran sehen. Das erweiterte Lumen der inneren Reihe

enthält kleine Körnchen. Die Palissadenschicht des Mittelfeldes

ist nicht empfindlich gegen Wasser (s. oben S. 533). Unter der

Palissadensklereïdenschicht folgt eine Zone heller, bisweilen

knochenförmiger oder doch radialgestreckter, oft chlorophyllführender

Zellen mit stark quellbarer Wand. Die knochenförmigen Zellen sind am

eingesunkenen Mittelfelde besonders hoch und gut ausgebildet. Dann

folgt eine verschieden mächtige Schicht kleiner ausgebuchteter oder

sogar sternförmiger derber Zellen, die einen rotbraunen, in Wasser

unlöslichen Inhalt führen und viele Interzellularen zwischen sich

lassen (~Vogl~ stellt ihren Inhalt den Inklusen der _Ceratonia_ an die

Seite). Die innerste Schicht endlich, die sich in Wasser ebenfalls

stark streckt, wird von großen, dünnwandigen, in den inneren Schichten

oft radialgestreckten Zellen gebildet, die ebenfalls einen rotbraunen

Inhalt führen. Zwischen den beiden Schichten liegt bisweilen eine Zone

obliterierter Zellen. Die beiden den Samenkern bildenden plankonvexen

Cotyledonen besitzen sehr stark verdickte, mit großen Tüpfeln versehene

Zellen, deren sekundäre Wand sich mit reinem Jod nicht (~Nägeli~), wohl

aber mit jodwasserstoffhaltiger Jodlösung bläut, die also aus Amyloid

besteht (vgl. oben S. 263) und deren enges Lumen vollgepfropft ist mit

in Ölplasma (~Tschirch~) eingebetteten kleinen, nur 4-7 mik. großen

Aleuronkörnern. Procambiumstränge durchziehen das Interzellularen

führende Gewebe. Erhitzt man den Schnitt mit Wasser zum Sieden, +so

lösen sich die sekundären Amyloidmembranen+ und es bleibt nur das

Netzwerk der primären Membranen und die Öltropfen übrig. Das Amyloid

der Tamarinden verhält sich also ähnlich wie Lichenin (s. oben S.

263). Die c. 3 mm lange kegelige Radicula trägt oben die c. 1 mm lange

Plumula, an der der kegelige Vegetationspunkt und eine Gruppe junger

Blattanlagen sichtbar ist, die schon deutlich die Fiederung zeigen

(Fig. 173).

=Lit.= ~Nägeli~, Reakt. von Jod auf Stärkekörner und Zellmembranen.

Sitzungsb. d. Münch. Akad. 1863 (Buchn. Rep. 13 [1864] 145). --

~Trémeau~, Rech. s. l. devel. du fruit et de l’orig. d. la pulpe d.

l. casse et du tamarin. Thèse Paris 1892. -- ~K. H. Hällström~, Z.

Entwickg. d. Fruchtwand v. Cer. Sil. u. Tamar. ind. Ber. d. pharm.

Ges. 1910, 446. -- ~Vogl~, Commentar 1908. -- ~Pammel~, Journ. appl.

Micr. I, 37.

=Chemie.= Der charakteristische Bestandteil der Tamarinden ist der

+Weinstein+, das primäre Kaliumsalz der d-Weinsäure (S. 527).

Der Weinstein war schon im Altertum bekannt und wurde auch zur

Darstellung von Pottasche benutzt. Für Faex vini, τρύξ οἴνου, kam im

XI. Jahrh. der Name Tartarum, dann Tartarus auf, welches Wort wohl

aus dem arabischen durdijjᵘⁿ umgebildet und dann umgedeutet wurde

(durdijj = Bodensalz, sowohl beim Öl wie beim Wein, in tartarus

= Unterwelt). ~Marggraf~ fand in ihm 1764 das Alkali. ~Scheele~

zerlegte 1769 das Calciumtartrat und isolierte die Weinsäure (Sal

essentiale Tartari), die er auch in den Tamarinden nachwies. Aber

bereits ~Angelus Sala~, dem wir eine Tartaralogia verdanken (I, S.

868), hatte (1647) Weinstein im eingedampften Auszuge der Tamarinden

beobachtet und ~Cornette~ sowie ~de Lassone~ hatten sein Vorkommen

in den T. bestätigt. Weinsäure neben Weinstein fand schon ~de

Lassone~ in den ~T. Scheele~ erkannte sie 1770 als eine besondere

Pflanzensäure, die er in den T. +nicht+ von Citronensäure und

Apfelsäure begleitet fand (~Retzius~ erhielt 1776 Weinsäure rein und

kristallisiert, I, S. 967).

~Vauquelin~ zeigte 1790, daß der ausgepreßte Saft von Tamarinden (und

anderen Früchten) in der Ruhe zu einer zitternden durchscheinenden

Gallerte erstarrt. +Das Pektin, von+ ~Vauquelin~ +gélatine (gelée

végétale) genannt+, von ~Braconnot~ 1834 in Pektin umgetauft, +wurde

also in der Tamarinde entdeckt+. ~Vauquelin~ fand in Prozenten: 12,51

+Zucker+, 5,11 +Gummi+, 6,25 +Gélatine+, 9,4 +Citronensäure+, 1,56

+freie Weinsäure+, 3,25 +Weinstein+, 0,42 +Apfelsäure+, 37,5 +Matières

féculentes+, 24 Wasser; ~Scheele~ fand keine +Citronensäure+ (s.

oben). ~Flückiger-Hanbury~ geben kleine Mengen an (~Flückiger~ 1889:

7,17%); die Angabe ~Nesslers~, daß Tamarinden 13,5% davon enthalten,

beruht wohl auf einem Beobachtungs- oder Rechenfehler. Die bei der

Destillation mit verd. Schwefelsäure übergehende +Ameisensäure+,

+Essigsäure+ (~Grünzweig~) und (in Spuren) +Buttersäure+

(~Gorup-Besanez~) betrachten die meisten Autoren als aus der Weinsäure

(und Citronensäure) bei der Gärung hervorgegangen, also als sekundäres

Produkt, da Weinsäure bei der Oxydation diese drei Säuren liefert. 1

g der im Handel befindlichen Pulpa vermag meist 14-17 ccm n/10 Natron

zu neutralisieren (~Flückiger~). Bei der Dialyse des Muses dialysiert

vornehmlich Weinstein und im Dialysator bleibt das Pektin (~Flückiger~,

~Tschirch~).

~K. Müller~ fand in der +von den Samen befreiten Pulpa+ von Calcutta

T. 21,92 bis 32,58 (im Mittel 27)% Wasser, 12,2-20,2 (M. 16,2)%

unlöslichen Rückstand, 4,66-6,01 (M. 5,27)% Weinstein, 5,29-8,80 (M.

6,63)% Weinsäure, 0,64-3,95 (M. 2,20)% Citronensäure (+ Apfelsäure,

die in sehr geringer Menge vorhanden). 1 g brauchten im Mittel zur

Neutralisation 17,6 n/10 Ammon. Die wasserfreie Pulpa enthielt im

Mittel 7,2% Weinstein und 9,09 Weinsäure. ~Brunner~ fand (1891) in

Calcutta T. (und einer Sorte westindischer T.) 20,4-29,27 (22,79)%

Wasser, 29,05-56,13 (21,53)% Extrakt, 12,16-21,52 (15,42)% Cellulose,

0,66-4,68 (5,37)% Schleimstoffe, 14,93-22 (20,47)% Zucker, 3,6-5,87

(4,62)% Weinstein, 4,29-7,92 (6,84)% Weinsäure, 0,78-3,08 (3,72)%

Citronensäure, Spuren Apfelsäure (nicht regelmäßig). Die +Asche+

des Löslichen betrug: 2,81-4,87%, die des Unlöslichen 0,721-2,27%.

Schwermetalle waren nicht nachweisbar. ~Babo~ und ~Mach~ erhielten

im Mus 34,33% Zucker als Invertzucker berechnet, 15,51 freie Säure

auf Weinsäure berechnet, 6,61 Weinstein, 8,23 freie Weinsäure, 4,4

+Apfelsäure+, keine Citronensäure, 3,3 Asche. Auch ~Adam~ erhielt

(1905) +keine+ Citronensäure, dagegen mehr +l-Apfelsäure+ als die

früheren Autoren und etwas +Milchsäure+ und +Essigsäure+. ~Adam~

fand in kernfreiem Mus: Acidität (als Weinsäure ausgedrückt): 15,4%,

Weinstein 7,74%, Weinsäure im Weinstein 6,17%, freie Weinsäure

10,18%, hieraus Gesamtweinsäure berechnet 16,35%, flüchtige Säure,

als Essigsäure, 0,014%, Milchsäure 0,465%, Apfelsäure + Milchsäure,

als Apfelsäure berechnet, 2,01% -- in Wasser unlöslich 12,36, Wasser

30,5, Asche 2,89, Rohprotein 3,22, Invertzucker 24,73. Die Lösung

dreht links, nach Vergären bleibt eine schwache Rechtsdrehung

bestehen. In 100 T. Fruchtfleisch javan. Tamarinde fand ~Prinsen

Geerligs~ 5,81 +Dextrose+ und 2,51 +Lävulose+; Saccharose fehlte.

Eine andere Analyse javan. T. von ~Bosz~ (1910) ergab dagegen 41,91%

reduz. Zucker, keine Saccharose, 0,44% Fett, 8,16% Stärke, 26,9%

Wasser, 3,03% Asche.

Die Asche der _Pulpa tamarindi_ enthält bisweilen Kupfer (über die

Verbreitung des Kupfers bei Drogen vgl. ~Tschirch~, Das Kupfer vom

Standpunkt d. gerichtl. Chem. usw. Stuttgart, Enke 1893).

~Remeaud~ untersuchte aus Früchten von Indo-China selbst dargestelltes

Tamarindenmus. Er fand in 100 g ganzer Frucht: Epicarp und Gefäßbündel

24,35, Endocarp: 7,76, Samen 37,07, Pulpa 29,31. Die Pulpa enthielt:

-----------------------------+-------------+------------+------------

In 100 g | Präparierte | Gereinigte | Rohe Pulpa

| Pulpa | Pulpa | ohne Samen

=============================+=============+============+============

Trockenes Extrakt | 62,831 | 73,04 | 73,035

Wasser (und bei 100° | | |

flüchtige Bestandt.) | 37,169 | 26,96 | 26,965

Asche | 2,816 | 3,259 | 3,198

Unlöslich in Wasser | 6,246 | 7,078 | 12,348

Gesamtsäure (auf Weinsäure | | |

berechnet) | 11,729 | 15,340 | 15,888

Weinstein | 6,055 | 7,340 | 6,575

Phosphorsäure | 0,248 | 0,375 | 0,275

And. Säuren (nicht bestimmt, | | |

auf Weinsäure berechnet) | 3,603 | 5,378 | 5,906

Invertzucker | 42,307 | 34,284 | 32,000

Saccharose | 0,669 | 0,460 | --

Pektin | 0,352 | -- | 1,379

+Es ist also auch heute noch nicht sicher festgestellt, ob Tamarinden

Citronensäure enthalten oder nicht.+ Nach einem vorläufigen Versuche

zu urteilen, halte ich ihr Vorkommen in den ostindischen T. des

Handels für zweifelhaft. Vielleicht wird die ursprünglich vorhandene

Citronensäure durch den Gärungs- bzw. Nachreifungsprozeß (oben S. 532)

zerstört.

~Dieterich~ fand (1894) in kernfreiem Mus: 10,83-16,10% «Säure» (durch

Titration ermittelt und auf Weinsäure berechnet), 19,5-34,26% Zucker

und 41,7-57,37% Extrakt. 1904 in _Pulpa Tamar. cruda_: 3-12% Kerne,

88-97% kernfreie Pulpa, 35-49,51% bei 100° getrocknetes wässeriges

Extrakt, 9,66-13,85% «Weinsäure», 20-37,4% Invertzucker.

Gute Tamarinde sollte nicht mehr als 15% Zellulose und 22% Wasser

enthalten und nicht weniger als 45% Extrakt geben.

Die Substanz, welche die abführende Wirkung bedingt, ist unbekannt.

~Soubeiran~ und ~Regnaud~ führen sie auf den Weinstein, die Säuren

und ein (unbekanntes) principe résinoide zurück. Doch dürfte auch der

Zucker daran beteiligt sein.

Die +Samen+ (die Samenkerne) enthalten in Prozenten: 10,5 (9,35)

Wasser, 13,87 (18,06) Eiweiß, 4,5 (6,6) Fett, 63,22 (62,88)

Kohlehydrate, 5,36 (0,66) Faser, 2,55 (2,45) Asche (~Hooper~).

Ölgehalt nach (~Schädler~) 15-20%. Der Samenkern gibt, da er Amyloid

enthält, mit Wasser gekocht eine dickliche, mit Jod sich bläuende

Lösung (s. Anatomie), die bei der Hydrolyse Galaktose, beim Behandeln

mit Salpetersäure Schleimsäure liefert. Das +Öl des Samen+ scheint in

den (94,9%) Fettsäuren Arachinsäure zu enthalten. Säurezahl: 0,84,

Verseifungszahl: 183, Jodzahl: 87,1 (~Hooper~).

Ein Exsudat des Baumes von Calciumoxalat beobachtete ~Prebble~

(Pharm. ind.).

=Lit.= ~Sala~, Opera medico-chym. Frankf. 1647, 137. -- ~de Lassone~,

Hist. d. l. Soc. Méd. Paris II, 269. -- ~Scheele~, Phys. u. chem.

Werke II, 379 (1770). -- ~Retzius~, Versuche mit Weinstein u.

dessen Säure. Abh. d. Schwed. Akad. 1770. -- ~Vauquelin~, Analyse

du Tamarin et reflexions s. quelqu. unes d. s. prép. medic. Ann. d.

chim. 5 (1790), 92 (dort die ältere Lit.: ~Rouelle~, ~Cartheuser~,

~Bucquet~). -- ~Gorup-Besanez~, Buttersäure in den Früchten des

Seifenbaumes (Sapind. Saponaria) nebst einigen Bemerk. über d.

flücht. Säuren d. Tamarinden. Lieb. Ann. 69 (1849), 369. -- ~C.

Grünzweig~, Über Buttersäuren verschied. Ursprungs. Lieb. Ann. 162

(1872), 227. -- ~Pfaff~, Syst. d. Mat. med. -- ~K. Müller~, Über

Tamarinden, Pharm. Centralh. 1882, 581. (Arch. Pharm. 1883, 42). --

~F. J. H. Brunner~, Bestandt. d. Fruct. Tamar. Apoth. Zeit. 1891, 53.

-- ~Nessler~ u. ~Barth~, Zeitschr. anal. Chem. 1882, 63. -- ~Prinsen~

~Geerligs~, Zuckergeh. Chem. Zeit. 1897, 719. -- ~Bosz~, Bull. Kolon.

Mus. Haarlem Nr. 46, 1911. -- ~Dieterich~, Helfenb. Ann. 1888, 1893,

1894. -- ~Adam~, Beitr. z. Kenntn. d. Tamar. Zeitschr. d. Öster.

Apoth. Ver. 1905, 797. -- ~Babo~ u. ~Mach~, Handb. d. Weinb. u. d.

Kellerwirtsch. II, 766. -- ~O. Remeaud~, Sur l. comp. d. l. pulpe de

tamarin. Journ. pharm. 1906, 424. -- Die Methoden zum Nachweis und

zur Bestimmung der Weinsäure und Citronensäure (sowie des Weinstein)

bei ~K. Müller~ (a. a. O.), ~Brunner~ (a. a. O.), ~Adam~ (a. a. O.),

~Remeaud~ (a. a. O.). Vgl. ferner bei ~Barbet~ (Chem. Centralbl.

1859, 366), ~Schnitzler~ (Ebenda 1862, 317), ~Fleischer~ (Arch. Ph.

1874, 97), ~Aller~ (Arch. Pharm. 1876), ~Cailletet~ (Ebenda 1878),

~Salzer~ (Ebenda 1888) und in ~Schmidt~, Pharmazeut. Chemie. Vgl.

auch oben S. 508. Eine ganz scharfe Methode, kleine Mengen von

Citronensäure neben Weinsäure nachzuweisen, gibt es zurzeit noch

nicht.

+Pektin+: ~Soubeiran~, ~Vauquelin~, ~Payen~, ~Braconnot~ (vgl.

unter Pektin S. 277); -- ~Frémy~, Chem. Unters. über d. Reifen der

Früchte, Pektose, Pektase (deutsch v. ~Gräger~) 1851 (Ref. in Arch.

Ph. 68 [1851], 72); -- Übersicht bei ~Reichardt~, Die Gruppe der

Pektinkörper. Arch. Pharm. 56 (1877), 116 und in ~Gmelins~ Handb.

1862.

+Samen+: ~Hooper~, Agric. Ledger 1907, Nr. 2. -- ~Sachsse~, Chemie

d. etc. Kohlenhyd. 1877. -- ~Tollens~, Kohlenhydrate I, 227. --

~Schädler~, Öle. -- Über Amyloid s. oben S. 263.

=Verfälschung.= Als Verfälschungen sind beobachtet besonders

beigemischte Samen und Fruchtwandstücke, dann Wurzelteile (1891),

Melasse. Eine Verfälschung mit Zucker, anderen Musen usw. lohnt bei

dem billigen Preise der Tamarinden nicht (Pflaumenmus erwähnt schon

~Mesuë~). In schlechtem Mus finden sich bisweilen Maden und Milben.

Als zufällige Beimengungen können (von den beobachteten) Leinsamen und

Kürbiskerne gelten. Kupfer (durch Einstellen eines blanken Messers

nachzuweisen) ist neuerdings nicht mehr beobachtet (s. oben S. 537).

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 81 / 120 段