Wurzel aus Chaux de fonds, frisch 1,4. Bei 70° getrocknet 1,9.

Wurzel vom Rhonetal bei Aigle, frisch 1,6. An der Luft getrocknet

2,4. Bei 70° getrocknet 2,8. Dialysat 3,0.

Wurzel aus dem Elsaß (Mühlhausen), frisch 3,7. An der Luft getrocknet

4,7.

Pflanzen verschiedener Standorte zeigen also ziemliche

Verschiedenheiten.

Neben +Gummi+, +Schleim+ und +Stärke+ findet sich auch +Zucker+

und zwar sowohl +Dextrose+ als +Saccharose+ (~Harley~, ~Kromer~,

in Thüringer Baldrian 0,73 bis 1,42 ‰, in russischem 0,3 ‰)

-- bisweilen setzt sich Saccharose aus äther. Baldriantinktur ab

--, sowie eine +Oxydase+ (~Carles~) und ein +hydrolytisches Enzym+

(~Tschirch~). Ferner (in frischer Wurzel) zwei, wie es scheint, mit

Kaffeegerbsäure verwandte, durch Blei fällbare +Baldriangerbsäuren+

(C₁₄H₉O₈ und C₁₂H₈O₉, ~Czyrniansky~). Schon ~Runge~ fand eine «grünige

Säure», deren Salze an der Luft grün werden. Das bekannte Nachdunkeln

der Baldriantinkturen kann nicht auf das Enzym zurückzuführen sein,

da es besonders bei der ätherischen Tinktur hervortritt. Es ist wohl

auf diese Gerbsäuren oder das Öl zurückzuführen. Die +Alkaloide+

Chatinin und Valerin (~Waliczewsky~) bedürfen näherer Untersuchung.

Chatinin wird von den gewöhnlichen Alkaloidreagentien gefällt. Es

soll zu 0,015% in der frischen Wurzel enthalten sein. Neuerdings

beobachtete auch ~Chevalier~ in +frischem+ Baldrian ein sehr

zersetzliches Alkaloid. Auch ein +Glykosid+ (~Harley~) und ein +Harz+

werden angegeben. Alkaloid, Glykosid und Harz (?) werden beim Trocknen

zerstört (~Chevalier~). ~Trommsdorff~ erwähnt einen eigentümlichen

Extraktivstoff «+Baldrianstoff+» (Valerianin) und einen +gelben

Farbstoff+.

Die europäische _Rhiz. valerian._ enthält 0,1-1% der Trockensubstanz

(am meisten in holländ. Wurzel, ~Schimmel~) +ätherisches Öl+. Der

Gehalt ist abhängig vom Boden (~Kionka~). Schon ~Fr. Hoffmann~,

~Boerhaave~, ~Geoffroy~ wußten, daß frische Wurzel weniger Öl

gibt als getrocknete. Das gelbgrüne bis bräunlichgelbe, ziemlich

dünnflüssige, schwach saure Öl wird mit der Zeit dunkelbraun und

dickflüssig und scheidet Borneol ab. Es besitzt ein spez. Gewicht

von 0,93-0,96 (Ardennen- und Vogesenöl 0,875-0,900) und dreht links

(-8 bis -13°). Säurezahl: 20-50, Esterzahl: 80-100, Verseifungszahl:

100-150. Es enthält (besonders nach ~Bruylants~ und ~Oliviero~)

mehr oder weniger freie Baldriansäure und auch ziemlich viel (9,5%

~Gerock~) +Baldriansäure-l-Bornylester+, dann die +l-Bornylester+ der

+Ameisen-+, +Essig-+ und +Buttersäure+ (je 1%), ferner +l-Camphen+,

+l-Pinen+, Citren (?), Terpineol, ein Sesquiterpen (Siedep. 160-165°)

einen Alkohol C₁₅H₂₆O (Sp. 190°) und einen stark links drehenden

Alkohol C₁₀H₂₀O₂ (F. 132°). Borneen, Valeren, Valerol (~Gerhardt~,

~Pierlot~) sind zu streichen. Auch ein +Blauöl+ (+Azulen+), das bei

c. 300° übergeht, ist nachgewiesen (~Flückiger~). (~Kopp~ gibt diesem

Blauöl ~Flückigers~ die Formel C₂₃H₃₄O₂?). Bei spektralanalytischer

Untersuchung eines +Blauöls+, das bei 210-265° überging, fand ich

vier Bänder: I. λ = 0,720 bis 0,750 μ, II. λ = 0,650-0,670 μ, III.

λ = 0,590-0,610 μ, IV. λ = 0,555 bis 0,575 μ, matt. Ein Tropfen

Baldrianöl färbt sich mit 20 Tropfen Schwefelkohlenstoff und 1

Tropfen Salpetersäure tief violett (~Flückiger~). Das aus frischen

wildwachsenden Pflanzen dargestellte Öl hat ein geringeres spez.

Gewicht (0,875-0,900, ~Oliviero~) als aus der Droge bereitetes.

Das zu 8% (nach ~Shimoyama~ 2,7%) erhältliche, also viel reichlicher

gebildete, schwerere (spez. Gew. 0,990-0,996) Öl der japanischen Var.

_angustifolia_ (+Kessoöl+) ist ähnlich zusammengesetzt, es enthält

ferner ein Sesquiterpen (Sp. 260-280°) und das linksdrehende (αD

= -70°6′) Kessylacetat (Sp. 178-179°). Das Blauöl (C₁₄H₂₃O₂COCH₃)

siedet auch bei c. 300° (~Bertram~, ~Gildemeister~, ~Walbaum~).

Die spektralanalytische Untersuchung des Öls ergab für die vier

Azulenbänder (s. oben) eine ähnliche Lage wie beim deutschen

Baldrianöl (~Tschirch~). Die _V. mexicana_ lieferte bei der

Destillation fast gar kein äther. Öl, sondern fast nur Baldriansäure

(89% des Hydrates, ~Schimmel & Co.~). ~Kemp~ erhielt aus _Indischer

Narde_ (s. unten S. 525) 0,9% eines linksdrehenden Öles vom spez.

Gew. 0,974, beim Erhitzen nimmt das Öl eine grünliche Fluoreszenz an

(~Prebble~, vgl. auch ~Lafite~, Pharm. Zeit. 1887, 465 und ~Asahina~,

Journ. pharm. soc. Japan 1907 und ~Schimmels~ Ber. 1907). In der

_Valeriana celtica_ findet sich 1,5 bis 1,75% (bzw. 0,1% ~Haensel~)

Öl, in dem ein Sesquiterpen und Palmitinsäure (?) nachgewiesen wurde

(~Schimmel~ 1887, ~Haensel~ 1909).

Der Extraktgehalt schwankt von 17,64-24,03% (~Röder~), 17,35-31,95%

(~Dieterich~), 26% (~Carles~). Zweijährige Rhizome geben die höchste

Extraktausbeute, Pharm. austr. verlangt wenigstens 15%. Da die Wurzeln

noch die Wurzelhaare besitzen (s. oben S. 518), die bekanntlich

mit den Bodenteilchen verwachsen (richtiger: verkleben), so ist

Baldrianwurzel durch Waschen niemals ganz von Erde zu befreien -- auch

die «staubfreie» des Handels enthält Erde --. Der Aschengehalt schwankt

daher sehr. Besonders schlecht gewaschener Baldrian enthält oft viel

Asche (bis 30,8% ~Peters~, bis 41% ~Hauke~, bis 43,98% ~Röder~ 1906).

4,7-8,4% sind bei gutem Baldrian beobachte Zahlen (~Hauke~). ~Gadd~

und ~Sydney~ wollen nicht über 9% hinausgehen. ~Hauke~ gibt als obere

Grenzzahl für ganze Wurzel 10%, für Pulver 12% an. Pharm. helv. 12%.

Die Asche ist grau. Phosphate, Sulfate und Silikate fand darin schon

~Trommsdorff~.

=Lit.= ~Trommsdorff~, N. Journ. Pharm. 18 (1809), 3, 24 (1832),

134, 26 (1834), 1., Über die Valeriansäure u. ihre Verbind. Ann.

d. Pharm. (6) 1833, 176, 10 (1834), 213. -- ~Pentz~, Arch. Ph. 28,

337. -- ~Grote~, Arch. Pharm. 32, 160, 33 (1830), 160, 38 (1831),

4. -- ~Riegel~, Journ. pr. Chem. 11 (1845), 316. -- (Darstellung

der Säure: ~Winkler~, Buchn. Rep. 1833, ~Bonaparte~, J. chim. méd.

1842 u. 1843, ~Rabourdin~, Journ. pharm. 1844, 310, ~Wittstein~,

Buchn. Rep. 87 [1845]). -- ~Aschoff~, Arch. Pharm. 48 (1846), 275].

-- ~Czyrniánsky~, Über d. nicht flücht. Säur. d. W. v. V. offic.

Lieb. Ann. 71 (1849), 21. -- ~Schoonbrodt~, Journ. d. méd. Bruxelles

45 und 46, Deutsch in ~Wittstein~, Vierteljahrsschr. 18, 73 (Jahrb.

Ph. 1869, 17). -- ~Carles~, Valeriane et Oxydase. Journ. pharm. 12

(1900), 148. Rep. pharm. 1903, 289. -- ~Lindenberg~, Unters. d. Rhiz.

von V. offic. u. V. Hardwickii. Pharm. Zeitschr. f. Rußl. 1886. --

~Katz~, Wertbest. homöop. Urtinkt. Pharm. Centralh. 1901, 291. --

~Hauke~ (Asche), Wien 1902. -- ~Peters~, Apoth. Zeit. 1909, 538. --

~Waliszewski~, Un. pharm. 1891, 109 (Apoth. Zeit. 1891, 186). --

~Shimoyama~ und ~Hyrano~ (Mitt. Med. Fak. Tokio 1890. Apoth. Zeit.

1892, 440 (Kesso). -- ~K. Dieterich~ (Extraktgehalt), Helfenb. Ann.

1900, 211. -- ~Harley~, Saccharose dans l. org. vég. etc. Thèse Paris

1905. -- ~Kromer~, Pharm. Centralh. 49 (1908), 397. -- ~Chevalier~,

Compt. rend. 144 (1907), 154. -- ~Kionka~, Biochem. Centralbl. 1905,

452. -- ~Zavatti~ und ~Sestini~. Zeitschr. anal. Chem. 8 (1869), 388.

-- ~Holzmann~, Arch. Ph. 1898, 409.

+Öl+: ~Graberg~, in ~Crell~, Die neuesten Entdeck. 6 (1782), 123. --

~Trommsdorff~, Trommsd. Journ. d. Pharm. 18 (1809), 3 und Neues J. d.

Ph. 24 (1832), 134. Lieb. Ann. 6 (1833), 176 u. 10 (1834), 213. --

~Pfaff~, Syst. d. Mat. med. 1815 (dort d. ält. Lit.). -- ~Ettling~,

Lieb. Ann. 9, 40. -- ~Rochleder~, Ebenda 44 (1842), 1. -- ~Gerhardt~,

Ebenda 45 (1843), 29, Journ. pr. Ch. 28 (1843), 34. -- ~Gerhardt~

und ~Cahours~, Annal. d. chim. 3 (1841), 60. -- ~Kopp~, Arch. Ph.

55 (1876), 204. -- ~Zeller~, Ausb. äth. Öl aus offiz. Pfl. Stuttg.

1855. -- ~Pierlot~, Compt. rend. 48, 1018. -- ~Bruylants~, Bull. Ac.

r. méd. Brux. II, 1209. Journ. pharm. 1878, 349. Ber. d. chem. Ges.

11 (1878), 452. -- ~Oliviero~, Compt. rend. 117 (1893), 1096. Bull.

soc. chim. 11 (1894), 150 u. 13 (1895), 917. Et. chim. sur l’huile

essent. de Valer. Thèse Paris 1895. -- ~Gerock~ u. ~Bronnert~, Journ.

pharm. Els. Lothr. 19 (1892), 82. -- ~Flückiger~, Arch. d. Pharm.

209 (1876), 204. -- ~Schimmel~, Ber. 1887, 1891, 1894 und 1897 und

~Gildemeister-Hoffmann~, D. äther. Öle. -- ~Tschirch~, Harze u.

Harzbehälter.

+Kesso+: ~Bertram~ u. ~Gildemeister~, Arch. Ph. 228 (1890), 483. --

~Bertram~ u. ~Walbaum~, Journ. pr. Ch. 49 (1894), 18.

=Verfälschungen und Verwechslungen.= In erster Linie werden genannt:

_Valeriana sambucifol._ (~Timbal-Lagrave~), besonders in Böhmen,

_Veratrum album_ (~Bentley~ 1877, ~Kaspar~ 1886) -- die Unterschiede

beschreibt ~Bentley~ (übersetzt bei ~Wittstein~) --, _Sium

latifolium_ L. var. _longifolium_ L. (~Bernbeck~ 1880), _Cypripedium

macranthum_ und _Cynanchum Vincetoxicum_ (~Charbonnier~ bis 36%)

mit gelblich-weißem Rhizom. Dann finde ich (z. B. bei ~Wittstein~)

angegeben: (von mir nicht beobachtet) _Valeriana dioica_ L. (_Rad.

valerian. palustr._, _Rad. Phu minor._) mit dünnem Rhizom, _Valeriana

Phu_ L. (_Rad. valerian. major._, _hortens._, _pontici_ oder _Phu_)

mit großem Rhizom und dicken hellen Wurzeln (vgl. Paralleldrogen),

_Ranunculus acris_, _polyanthemos_ und _repens_ L. (~Hoppe~ 1807),

_Sium angustifol._, _Serpentaria virgin._, _Geum urbanum_ L. (_Rad.

caryophyllat._), _Scabiosa arvensis_ L. (~Reveil~ bis 22%), _Succisa

pratensis_ ~Mönch.~, _Betonica officinalis_ L., _Eupatorium cannabinum_

L., _Arnica montana_ L., _Spigelia_ und _Helleborus_-Arten. Alle

nehmen, wenn dem Baldrian beigemengt, den Geruch an. Man muß zur

Unterscheidung das Mikroskop zuhilfe nehmen. Besonders gefährlich,

aber leicht kenntlich, sind die Beimengungen der giftigen Rhizome von

_Veratrum_ und _Sium_, von denen aber nur das Letztere an gleichem

Standorte vorkommt. Ein gekammertes Rhizom besitzt _Cicuta virosa_,

scheint aber nie im Baldrian beobachtet zu sein.

Der rote Baldrian der Gärten ist _Centranthus ruber_, der griechische

Baldrian _Polemonium coeruleum_.

=Lit.= ~Timbal-Lagrave~, Journ. chim. méd. (5), 3, 589 (Jahresber.

Pharm. 1867, 50). -- ~Bentley~, Pharm. Journ. 7 (1877), 649. --

~Bernbeck~, Arch. Ph. 1880, 431. -- ~L. Planchon~, Precis 1906. --

~Wittstein~, Handwörterb. d. Pharm. 1882.

=Anwendung.= _Rhiz. valerian._ wird als Tonico-Excitans (bei

Ermüdung, ~Féré~ 1904), Antispasmodicum, Nervinum, Antihystericum

und Antiepilepticum benutzt [die Anwendung als Antiepilepticum wird

auf ~Fabius Columna~ († 1460) zurückgeführt]. +Es ist ein wichtiges

krampfstillendes Mittel+ (z. B. bei Krampfkolik) und spielt unter

den +Volksheilmitteln+ (hier auch als Diureticum, Fieber- und

Wurmmittel), sowie unter den Mitteln des Pfarrer ~Kneipp~ eine große

Rolle. (Über die Verwendung in Rußland vgl. ~Demitsch~, Russische

Volksheilmittel in ~Kobert~, Studien I.) «Plus la préparation contient

d’acide valérianique, moins elle est active» (~Pouchet~ 1904). Da der

Isovaleriansäure-Borneolester, C₁₀H₁₇O.OC₅H₉ (s. oben S. 521), als

der wirksame Bestandteil des Baldrian betrachtet wird, bringt man ihn

-- synthetisch dargestellt -- seit 1904 unter dem Namen +Bornyval+

als Mittel gegen Neurasthenie, Hysterie und Herzleiden, meist in

Gelatineperlen à 0,25 g, in den Handel. An der Wirkung des Baldrian

sind aber jedenfalls auch andere Körper noch beteiligt. ~Carles~

schlug daher (1903) vor, ein von ihm «+Pan-Valériane+» genanntes

Fluidextrakt durch Extraktion der Droge mit 18% Weingeist, dem 5%

Ammoniak zugesetzt worden war, zu bereiten. ~Kalle~ schlug Zusatz von

Ammonsalzen bei Bereitung der Baldriandestillation vor (Pharmac. Un.

Stat. hat die alte Tinct. valer. ammon.). Ich sehe keinen Vorteil im

Ammoniakzusatz. Das Dialysatum Valerianae ~Golaz~ (Saxon) wird aus

der +frischen+ Pflanze bereitet. In Frankreich wird der frische Saft

empfohlen oder Darstellung der Präparate aus der frischen Pflanze unter

+Erhaltung+ der Oxydase. Die Bereitung der als sehr wirksam erkannten

Präparate aus der frischen Pflanze sollte aber besser in der Weise

erfolgen, daß man die frisch gegrabenen und gewaschenen Wurzeln zehn

Minuten in Wasser von 80° bringt, um das Enzym zu töten und dann erst

extrahiert (~Tschirch~). Dabei bliebe denn auch wohl das Alkaloid, dem

eine Wirkung auf den Augapfel und die Medulla oblongata zugeschrieben

wird, sowie das Glykosid erhalten. ~Bourquelot~ schlägt Sterilisation

durch Eintragen in siedenden 90% Alkohol vor. Jedenfalls ist aus der

«sterilisierten» Wurzel oder mittelst siedenden Alkohols bereitete

Baldriantinktur haltbarer, da das Enzym seine Wirkung nicht mehr

ausüben kann (~Lesueur~).

=Lit.= ~Louis Planchon~, Prec. d. mat. med. 1906, II, 187 (dort

weitere Angaben). -- ~Lesueur~, Infl. d. mod. de prép. etc. Thèse

Paris 1910. -- ~Bourquelot~, Journ. pharm. 1911.

=Geschichte.= Im Altertum hieß eine der medizinisch verwendeten

Narden Phu (wohl ein poetischer Name). ~Plinius~ sagt (XII, 26) bei

Narden: «In nostro orbe proxime laudatur Syriacum, mox Gallicum,

tertio loco +Creticum+, quod +aliqui agrium vocant, alii phu+, folio

olusatri etc.» Die Beschreibung, die ~Dioskurides~ (I, 11) vom φοῖ

gibt, den er auch νάρδος αγρία nennt, und den er als im Pontus

vorkommend angibt, stimmt auf _Valeriana officinalis_ (~Sprengel~,

_V. o._ kommt im Orient vor), resp. auf die wohl nur als eine der

kleinasiatischen Formen der _Officinalis_ oder jedenfalls als eine

naheverwandte Art zu betrachtende, von ~Hawkins~ aufgestellte,

_V. Dioscoridis_, Sibth. fl. Graec. (~Sibthorp~, ~Fraas~). Er

erwähnt, daß sie mit der geruchlosen Wurzel der Oxymyrsine (_Ruscus

aculeatus_) verfälscht werde und beschreibt die Unterschiede. Bei

~Scribonius Largus~ (I, S. 578) findet sich _Phu_ und _Phu pontici

semen_, das auch als _Valeriana Dioskuridis_ zu betrachten ist.

Bei den Hippokratikern spielte der B. (wie noch heute) eine große

Rolle in der Frauenpraxis und er war auch ein Bestandteil des

berühmten Antidots von ~Sotira~ (I, S. 593) und der Pastillen des

~Andromachus~ (ebenda). Der Name +Valeriana+ tritt zum ersten Male

in der lateinischen Übersetzung des aus dem X. Jahrh. stammenden

arabischen Werkes über die Nahrungsmittel des ~Isaac Judaeus~

(I, S. 598 op. omn. 1515, cap. 45) auf: «Fu id est +valeriana+,

melior rubea et tenuis et quae venit de armenia et est diversa

in sua complexione». Er findet sich dann auch im XI. Jahrh. bei

~Constantinus Africanus~ (De omnibus medico cognitu necessariis

Bas. 1539, 348): Fu id est +valeriana+. Naturam habet sicut Spica

Nardi» und im gleichen Jahrhundert auch (nach ~Hanbury~) in den

angelsächsischen tierärztlichen Büchern (I, S. 684). Ob das Fu des

~Isaac Judaeus~ (s. oben S. 511) _Val. offic._ war, ist zweifelhaft,

aber wahrscheinlich, wohl aber dürfen wir in dem _Fu i. e. valeriana_

des ~Constantinus Africanus~ unsere Pflanze erblicken, da er sie

ausdrücklich der _Spica Nardi_ und der _Celtica_ gegenüberstellt

und auch das Fu des ~Simon Januensis~ (I, S. 664) ist Baldrian. Die

mittelalterlichen Namen und die der Patres s. oben S. 511. Ricettario

Fiorentino (I, S. 793) unterscheidet _valeriana domestica_ (maggiore)

und _v. silvatica_ (minore). Nur die erstere soll benutzt werden.

~Cordus~ bezeichnet Phu auch als Gartenseliunk und Spikwurzel.

_Valeriana_ findet sich im Gothaer Arzneibuch aus dem XIV. Jahrh.

(I, S. 679) und in der Frankfurter Liste (1450), im Nördlinger

Register (1480) steht _Fu_ neben _spica nardi_ und _spica celtica_,

in ~Saladins~ Compendium (I, S. 665) _Phu_. Das Braunschweiger

Register (1521) hat nur noch _valeriane_ (auch ein Baldrianwasser

-- wie ~Brunschwyg~ (1500) ein Denmarckwasser), aber _Rad. Phu

majoris_ (= _V. Phu_) steht noch 1724 bei ~Berlu~ (I, S. 951). Bei

~Brunfels~ steht: «Fu id est Valeriana vel Potentilla vel Amantilla.

Sec. Diosc. multi appellant Narduun agrestem. Circa instans dicit Fu

intelligitur radix et sic est. Et multi vulgares vocant eam herbam

Benedictam.» ~Fuchs~ (I, S. 843) gibt eine vorzügliche Abbildung

unseres Baldrian, den er _Phu germanicum_ nennt. ~Bock~ (I, S. 841)

bildet ab: _Valeriana vera_ (_Nardus agrestis_), _V. vulgaris_ und

_V. exigua_. Bei ~Jean Bauhin~ steht: _Valeriana major odorata

radice_; bei ~Pomet~, der eine Abbildung gibt: _La grande valeriane_.

~Pomet~ setzt sie im Gegensatz zur _Petite Valeriane_, deren Wurzeln

einige Phu pontique nennen. ~Geoffroys~ Traité 1757 (I, S. 947) kennt

drei Arten Valériane: La valériane des jardins ou la grande Val.

(V. hortensis, Phu folio Olusatri Dioscoridis ~Bauhin~ Pinax), La

valériane sauvage ou des bois ou petite Val. (V. sylvestris major

~Bauhin~ Pinax) und La Val. des marais ou petite V. aquatique (V.

palustris minor ~Bauhin~ Pinax). -- Die wilde Valeriana ist unsere

_V. officin._, die Garten-V. wohl _V. Phu_, der kleine Wasserbaldrian

_V. dioica_. ~Linné~ übernahm _Valeriana_ als Gattungsname und

unterschied: _V. officinalis_, _V. Phu_ und _V. celtica_ (= Nardus

celtica Dioscoridis ~Bauhin~ Pinax). Die Kultur des B. ist erst spät

versucht worden. Er fehlt noch bei ~Karl~, im St. Galler Klosterplan,

bei ~Macer~ und ~Strabo~, sowie im Kalender des ~Harib~ (I, S.

612). In den Destillierbüchern des XVI. Jahrh. sind Vorschriften

für Baldrianwurzeldestillate mit Wasser und Wein enthalten. Das

Öl erhielten ~Fr. Hoffmann~, ~Boerhave~, ~Cl. J. Geoffroy~ sowohl

aus trockener wie aus frischer Wurzel (~Pfaff~). Dann beschrieb es

~Graberg~ und ~Trommsdorff~, der die Wurzel untersuchte, nannte

(1830) die Säure Valeriansäure. Alte Dissertationen über _Valeriana_

sind: ~J. C. Spies~, De Valeriana, Helmst. 1724 und ~M. Alberti~, De

Valerianis officinalibus, Hal. 1732 (I, S. 928 u. flgd.).

In der germanischen Götterlehre wird die Pflanze erwähnt. Die Göttin

~Hertha~ trug einen Baldrianstengel als Reitgerte (~Perger~). Im

nordischen Altertum hieß sie Wielandswurz (s. oben S. 511). Im

Volksglauben ist Baldrian ein kräftiges Schatzkraut gegen Hexen und

Teufelszauber und gegen Elfenneid (~Schiller~, Tier- und Kräuterb.

d. Mecklenb. Volk.). («Hättst du nicht Dosten und Baldrian, wöllt

ich den Kragen dir umdrehet han», ruft der Hexenmeister). Der

Bräutigam muß am Hochzeitstage einige Blätter der Pflanze bei sich

tragen. Das Rhizom gilt aber als Antaphrodisiacum, mit Bibernell

zusammen dann auch als Pestmittel «Baldrian und Bibernell, hält die

Pestilenz zur Stell». (Das finnische rutto juuri bedeutet Pestwurz.)

Nach ~Schambach~ wird beim Graben der Wurzel in Mecklenburg

gesungen: «Balderjan! Most upestan, Most hengan, Most helpen

allen Minschenkindern. Un allen Naversrindern!» (~Reling~ und

~Bohnhorst~). In Sachsen ist der Vers bekannt: «Trinkt Baldrian,

sonst müßt ihr alle dran» (weiteres bei ~Söhns~). In Serbien lautet

ein Spruch: «Dies kostbare Kraut zu vernachlässigen warnt die vila»

(~Grimm~). Baldrian ist auch Bestandteil einiger Pestlatwergen.

Im Mittelalter und dem Beginn der Neuzeit scheint der Baldriangeruch

beliebt gewesen zu sein, da der Baldrian zum Parfümieren von Zimmern,

Kleidern und Wäsche benutzt wurde (~Turner~, New Herball 1568,

~Langhans~, Garden of Health 1633), ähnlich wie im Altertum _V.

celtica_ L. und _Nardostachys Jatamansi_ ~Dc.~ (s. unten). In England

wurde B. in früheren Zeiten setwall (sonst auch für _Zedoaria_

benutzt) genannt und viel gebraucht. ~Gerarde~ bemerkt in seinem

Herball (1567), daß die ärmeren Klassen in Nord-England keine Speise

ohne B. bereiteten (~Hanbury~). Also auch der Geschmack muß beliebt

gewesen sein.

=Paralleldrogen.= Von dem +Indian and Colon. addend. to Brit. Pharm.+

(I, S. 22) wird als Ersatz der _V. officin._ auch das Rhizom von

_Valeriana Wallichii_ ~Dc.~ (_V. villosa_ ~Wall.~, _V. Jatamansi_

~Jones~, _V. Spica_ ~Vahl~), in Indien: dálá, wálá, bálá, tagar

(weitere Namen in Pharmac. indic.) -- zugelassen, die von Kashmir bis

Bhután bis zu Höhen von 10000 Fuß und in den Khásiabergen vorkommt

(Dict. econ. prod. India). Die stark nach Baldriansäure riechende

Wurzel liefert c. 1% äther. Öl und enthält 3,13% Gerbstoff, 6%

Zucker, 14% Stärke und 1% Harz (~Lindenberg~, Pharm. Zeitschr. f.

Rußl. 1886).

Ähnlich wie diese wird das Rhizom von _Valeriana Hardwickii_ ~Wall.~

(_V. tenera_ ~Wall.~, _V. javanica_ ~Bl.~, _V. acuminata_ ~Royle~) in

Indien: tágger, die Wurzel: ásárun, die an den gleichen Standorten

wie _V. Wallichii_ vorkommt und auch sehr hoch (bis 12000 Fuß)

steigt, aber wohl nur eine Form der _V. offic._ ist, benutzt. Es soll

dies die +syrische Narde+ der Alten (s. unten) gewesen sein (~Adams~).

~Bidie~ (Pharm. ind.) empfiehlt als Baldrianersatz ferner die in den

Nilagiris wachsende, bei der Destillation viel Baldriansäure gebende

_Valeriana Brunoniana_, (Pharm. indic.).

~O’Shaughnessy~ bezeichnet (Bengal Disp.) als einen brauchbaren

indischen Ersatz des Baldrian auch _Nardostachys Jatamansi_ ~Dc.~

(_Patrinia Jatam._ ~Don.~, kaum von _N. grandiflora_ ~Dc.~ zu

trennen) -- in Indien: Jatamánsi (sansc.) báluchar, bhutakesi

(= Teufelshaar), arab.: sumbulul-aa sáffir (bei ~Ibn Baithar~:

sambal). Es ist dies die =echte indische Narde= (_Nardus indica_,

_Spica Nardi_, sunbul hindi, sennbol (arab.), nerd (hebr.), die

in den nordindischen Gebirgen (Himalaya), besonders in Nepal,

Kumaon und Bhutan bis 17000 Fuß hoch steigt. Aber deren von

faserigen Niederblattresten umhülltes Rhizom riecht nicht nur nach

Baldriansäure, sondern auch nach _Moschus_ und _Patchouli_. Wegen

dieses eigenartigen Geruches wurde diese Narde im Altertum viel

zur Bereitung wohlriechender Salben (νάρδος πιστική = echte +oder+

flüssige Narde ~Tristram~) zur Salbung des Körpers (vgl. I, S. 1014)

benutzt, wie wir aus der Bibel und ~Horaz~ erfahren. Sie dient noch

heute (mit _Galgant_, _Prunus Mahaleb_, _Andropogon muricatus_,

_Pogostemon Patchouli_ u. and.) zur Bereitung des von den indischen

Frauen benutzten Haarwaschwassers Angalepan (Pharmac. indica) --

war aber auch bereits bei den Hippokratikern Heilmittel. Sie wurde

schon von ~Plinius~ von der +unechten Narde+ (Ozaenites vom Ganges)

und dem +Pseudonardus+ (_Nardus italica_ = Lavendel) unterschieden.

Später diente zu gleichem Zwecke die in den südlichen und östlichen

Alpen wachsende, bei den Alpenbewohnern als Speik bekannte +römische

oder keltische Narde+ oder Saliunca, Nardus ex Apulia (_Valeriana

celtica._ L.), die auch ein Bestandteil des Mithridats (bei

~Avicenna~) war, der die keltische gut von der indischen unterschied.

Zum gleichen Zweck diente auch die +Moschuswurzel+ von _Ferula

Sumbul._ Aber auch _Andropogon_arten (Schoenos, indisches Gras)

wurden bisweilen als indische Narde bezeichnet, galten aber schon im

Altertum nicht als echte Narden.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 79 / 120 段