Für den Handel werden die Schwämme durch Auspressen von ihrer

gallertigen Körpersubstanz und dann von den eingeschlossenen oder

aufsitzenden Steinchen, Muscheln, Korallen usw. befreit, gewaschen

und getrocknet und auch wohl (mit SO₂, Brom oder Kaliumpermanganat)

gebleicht.

Von den zahlreichen Handelssorten dürfen für den pharmazeutischen

Gebrauch, z. B. zur Herstellung der schon ~Plinius~ bekannten Spongia

pressa, bei denen es auf eine möglichst große Aufsaugefähigkeit

ankommt, nur die besten, feinporigen, hellgelbbräunlichen

Champignon-, Damen- oder Badeschwämme benutzt werden, deren Asche nur

etwa 3-4% beträgt. Badeschwamm läßt sich schwer +sterilisieren+. Man

behandelt nacheinander mit Lösungen von Permanganat, Natriumbisulfit,

dem etwas HCl zugefügt wurde, Phenol und Sublimat (1 : 2000)

(~Terrier~ et ~Vercamer~). Die Schwämme werden aber jetzt meist

durch Gazetampons ersetzt. _Spongiopiline_ (Schwammfilz) ist mit

hygrophiler Baumwolle oder Schafwolle zu einem Filz verarbeiteter

Pferdeschwamm.

Hauptmarkt für die Mittelmeerschwämme ist Triest, das jährlich für

über £ 100000 exportiert, dann Paris, London, Hâvre, weniger Livorno

und Venedig. Die Bahamaschwammfischerei macht große Fortschritte.

1907 standen dort schon 500 Schoner und 2500 Boote in ihrem Dienst

und der Export betrug 1906 bereits über 1½ Mill. lbs. (bei den

Bahamaschwämmen unterscheidet man velvet, sheepwoot, hardearth). Auch

Florida exportiert schon viel (1906: 50953 lbs) und sehr beträchtlich

ist die Schwammfischerei auch bei Cuba (Bull. Imp. Inst. 1907).

Neuerdings tauchen auch Schwämme von Australien im Handel auf.

Deutschland führte 1909 3576 dz rohe +Meerschwämme+ ein, besonders

von den Bahamainseln, den Ver. Staaten, Griechenland, Österreich,

Cuba, Großbritannien; bearbeitete vorwiegend aus Österreich und

Griechenland.

Die besten (soprafine) Schwämme sind die syrischen und vom Archipel,

die mittelmäßigen (zimocche) die von Salonici und die barberischen,

die schlechten (communi oder di Gerba) die Marseiller und die

venetischen. Die beste Sorte ist der +feine Levantiner+ Schwamm

(Becherschwamm, turkey cup, coupe turque, fine douce de Syrie),

von Syrien, Mandruka (an der ägyptischen Küste), Kreta und Cypern

-- von der Varietät _mollissima_ (werden mit M. 125 bis 800 das

Kilogramm bezahlt!), der zweitbeste der +Levantiner+ (turkey

toilet sponge) von der var. _adriatica_, die dritte der +Ohren-+

oder +Mundschwamm+ (Levantinerlappen, Elephantenohr) von der var.

_lamella_ -- eignet sich besonders für chirurgische Zwecke -- und

die vierte der +Zimokkaschwamm+. Der groblöcherige +Pferdeschwamm+

(Honigwabenschwamm, Honeycomb) kommt von Marseille bis zu den

Dardanellen und dem Roten Meer vor: Adria, Küsten Kleinasiens,

Ägypten, Algier, Tunis, Tripolis, Archipel, Kreta, Corsica.

Die besten +amerikanischen Wollschwämme+ stammen von Rock Island

(Florida) besonders von _Hippospongia canaliculata_ var. _gossypina_.

Ferner liefern die Bahamas, Cuba, Mexiko, Honduras Schwämme,

besonders die zweite Sorte, die +Yellow sponges+ und die +Velvet

sponges+, die wohl von _Hippospongia equina_ var. _maeandriformis_

~Lendf.~ stammen. Die Gras- und Drahtschwämme sind minderwertig. Kein

amerikanischer Schwamm erreicht an Güte die Levantiner.

~Croockewit~ nannte die Substanz des Schwamms +Fibroin+ und fand

in ihr (1845) Jod, Schwefel und Phosphor und 3,7% Asche (~Posselt~

3,59%). ~Städeler~ zeigte, daß sie sich nicht durch Kochen mit Wasser

in Leim verwandelt. Er nannte sie zum Unterschiede vom Fibroin der

Seide +Spongin+ und erkannte, daß sie bei der Hydrolyse Leucin und

Glycocoll (von ~Krukenberg~ bestätigt), aber kein Tyrosin liefert.

~Nadler~ fand im Spongin J und Br. ~Stanford~ schätzt den Jodgehalt

des Sch., der aber sehr schwankt, auf c. 0,5%. Nach ~Krukenberg~

ist das Spongin keine einheitliche Substanz. Es gibt weder die

Xanthoproteïnreaktion, noch die mit ~Millons~ Reagens. ~Zalakostas~

fand bei der Behandlung mit Barythydrat: Leucin, Leuceïnhydrat,

Butalanin, Glykalanin und Spuren von Tyrosin. Auch durch Behandeln

mit Wasser bei 160° geht der Schwamm nicht in Lösung (~Flückiger~).

Die auch in heißem Wasser unlösliche Gerüstsubstanz der Spongien, die

nach Extraktion der Badeschwämme mit Wasser, Alkohol, Äther und verd.

Säure zurückbleibt, das +Spongin+, ist ein jodhaltiges Albuminoid

(48,51% C, 6,30% H, 14,79% N, 0,73% S, 1,5% J, c. 28% ~O. Harnack~).

Einige Spongien enthalten auch Brom. Bei der hydrolytischen Spaltung

liefert Spongin 13,9% Glycocoll, 7,5% Leucin, 6,3% Prolin, 18,1%

Glutaminsäure, 4,7% Asparaginsäure, 5-6% Arginin, 3-4% Lysin

(~Abderhalden~ und ~Strauss~). Durch den hohen Gehalt an Glycocoll

und das Fehlen von Tyrosin erinnert das Spongin an Elastin und

Glutin, unterscheidet sich aber von beiden durch den hohen Gehalt

an Glutaminsäure. Durch Behandlung mit kalter 38% Schwefelsäure

zerfällt das Spongin in lösliche Körper und das unlösliche, aber

in Natronlauge lösliche +Jodospongin+, einen 8,2% Jod enthaltenden

Körper (C₅₆H₈₇JN₁₀S₂O₂₀ ~Harnack~), durch Kochen mit Salzsäure

wird aus Spongin das 4,86% Jod enthaltende +Spongomelanoidin+

(~Rosenfeld~) abgespalten.

Daß die aus unverkäuflichen Badeschwämmen oder Abfällen der

Mundierung dargestellte, bei Kropfkuren seit Langem vom Volke

benutzte +Schwammkohle+, =Carbo Spongiae= (_Spongia usta_ oder

_tosta_, Kropfschwamm) Jod enthält, ist längst bekannt. ~J. C.

Straub~ in Hofwil (Bern) vermutete bereits 1819, daß die _Carb.

Spong._ Jod enthalte und ~Dumas~ wies es 1820 einwandfrei nach

(~Flückiger~). Sie enthält neben Fe, SiO₂ und Ca auch Brom (0,76

MgBr₂). Der Schwamm liefert etwa 33% Kohle. Die Schwammkohle muß

bei mäßiger Temperatur, womöglich in geschlossenen Trommeln, aus

gut gewaschenem, von Sand befreitem Schwamm hergestellt werden. Sie

enthält nach älteren Analysen 0,99-1,09 (~Herberger~) bzw. 2,14%

(~Preuss~ und ~Raggazini~) NaJ, nach ~E. Richter~ im Durchschnitt

0,67 (0,31-0,81) % Jod. Sie darf nicht mehr wie 6% in Salzsäure

Unlösliches enthalten (~Richter~). Die Schwämme werden oft mit Sand

beschwert. Auch das Achsenskelett der _Gorgonia_ enthält einen 7% Jod

enthaltenden Körper, das Gorgonin (~Drechsel~).

Die aus den Schwämmen ausgelesenen Korallen usw. wurden früher als

=Lapis Spongiarum= (Kropfstein) benutzt.

~Plinius~ (9, 69 und 31, 47) kennt schon drei _Spongia_-Arten

(_tragos_, _manos_ und _achilleum_) und die Handelssorten:

afrikanische und rhodische und wußte, daß es Tiere sind. Er kennt

(wie auch ~Galen~) die blutstillende Wirkung, besonders des in Essig

getränkten Schwammes, mit dem ja auch die Blutung von Christi Wunden

gestillt wurde, und nennt eine Menge Krankheiten, gegen die sie und

die Schwammasche angewendet werden. Die weichsten kamen schon damals

von der Küste von Lycien. Aus ähnlichen Quellen schöpft ~Dioskurides~

(V, 137), der außer dem σπόγγος auch die σπόγγων λίθοι kennt. Er

erwähnt ihre Benutzung ähnlich wie Charpie. Auch ~Aristoteles~ kennt

die σπόγγοι. Bei ~Ibn Baithar~, der die tierische Natur der Schwämme

leugnet, finden sich die Bezeichnungen: ilfondsch elbahr, gaim, gamâm

und gamlaw.

=Lit=. ~Hyatt~, A revision of the North American Poriferae (wichtig

für die Systematik und Classification). -- ~H. F. Moore~, The

commercial sponges and the sponge fisheries. Washington 1910 und A

practical method of sponge culture. Washington 1910. -- Deutsch Amer.

Apoth.-Zeit. 1905 Nr. 12 -- Pharm. Centralh. 1898, 803 und 1905,

802. -- ~Mérat-Lens~, Dict. mat. méd. 6 (1834), 511. -- ~Flückiger~,

Grundriß und Artikel Schwamm in ~Fehlings~ Handwörterbuch (1898). --

~Husemann~ in Realenzyklop. d. Ph. -- Pharm. Journ. 1877, 107 und

1883, 108. -- Am. journ. ph. 1881, 182 mit Abbild. (aus Manufact.

a. Builder 1881). -- ~Ledenfeld~, Pharm. Journ. 17 (1887), 937. --

~Eckhel~, Le spugne da bagno in riguardo al modo di raccoglierhe.

Triest 1873, mit Karte u. Taf. -- The sponge industry, Bull.

Imper. Instit. London 5 (1907) 382 (Gesamtüberblick). -- ~Vogl~,

Arzneikörper (dort und in Arch. Pharm. 53 (1874), 56 ist die

Schwammfischerei beschrieben). -- ~K. Sajó~, Die Badeschwämme.

Prometheus 1911, 290 (m. vielen Abbild.). -- ~Hérail~, Trait. d.

pharmac. 1901. -- ~Zwiedinek v. Südenhorst~, Syrien 1873 u. Arch. d.

Pharm. 1876. -- ~Hyatt~ bei ~Holmes~, Pharm. Journ. 17 (1887), 761.

-- ~Herberger~ in ~Döbereiner~ Apotherb. III, 1842. -- ~Croockewit~,

Jahresb. d. Chem. 1843, 24. -- ~Posselt~, Ebenda. -- ~Städeler~,

Lieb. Ann. III (1859), 12., Journ. pr. Chem. 78, 169. -- ~Nadler~,

Jahresb. d. Ph. 1862. -- ~Stanford~, Pharm. Journ. 15, 1884. --

~Krukenberg~, Ber. d. chem. Ges. 1856, Ref. -- ~Zalokostas~, Compt.

rend. 1888, 252. Journ, ph. 19 (1889) 104. -- ~Dumas~, Bibl. univ.

d. Genève 14 (1820), 301. -- ~Hundeshagen~, Zeitschr. ang. Chem.

1895, 473. -- ~Harnack~, Zeitschr. phys. Chem. 24 (1898), 421. --

~Rosenfeld~, Arch. f. exp. Pathol. 45 (1900). -- ~Abderhalden~

u. ~Strauss~, Zeitschr. phys. Chem. 48 (1906). -- ~Kossel~ und

~Kutscher~, Ebenda 31 (1900). -- ~Drechsel~, Zeitschr. f. Biol. 33

(1896). -- ~E. Richter~, Über Schwammkohle Apoth. Zeit. 1911, 317

(dort zahlreiche Analysen).

7. Seide.

Der von zwei Drüsen der Raupe des Seidenspinners, _Bombyx Mori_

L. zur Herstellung der Cocons sezernierte und durch einen

Ausführungsgang herausgequetschte +Seidenfaden+ besteht aus

zwei, durch eine klebrige, von zwei andern Drüsen beim Austritt

des Fadens in den Ausführungsgang abgeschiedene, +Sericin+hülle

miteinander verbundenen, +Fibroin+fäden (Fig. 165). Die Hülle wird

im Degummierungsprozeß gelöst und dadurch die Fäden getrennt. Das

Degummieren (Entbasten, Entschälen) der Rohseide erfolgt durch

neutrale Seifenlösungen, Borax, Carbonate usw. Bei «halbgekochter»

Seide ist die Sericinhülle nicht ganz entfernt. Der Querschnitt

des soliden Fadens ist rund oder rundlich-dreieckig oder etwas

abgeplattet (Fig. 165), die Oberfläche glatt oder feingestreift;

Luftkanälchen fehlen, die fibrilläre Struktur kann durch

Jod-Schwefelsäure sichtbar gemacht werden. Die Dicke beträgt 8-25,

meist c. 15 mik. (~Höhnel~).

Die Seidenraupen sondern etwa 8-10% ihres Gewichtes an Seide ab

(~Schlossberger~). Die Menge der produzierten Seide ist der Menge

der verfütterten Maulbeerblätter proportional. Das Tier wird in den

Cocons entweder durch Hitze oder durch Kälte (drei Wochen unter 0°

bis -8° ~Loveredo~) getötet.

Die Rohseide ist oft durch ein Lipochrom (~Dubois~) gelblich

gefärbt, das bei der gelben Seide in der Sericinhülle sich

befindet; der Fettgehalt der Rohseide beträgt 0,036-0,06%.

Jodlösung färbt hellbraun bis rotbraun, ~Millons~ Reagens rot,

Zucker und Schwefelsäure rosa. Kalilauge löst, ebenso alkoholische

Glycerin-Kupferlösung (~Löwe~), schwer Kupferoxydammon, das Wolle

ungelöst läßt. Konz. Schwefelsäure löst alle Seidenarten, nachdem

sie sich zunächst unter Aufquellen verkürzt haben. Beim Kochen mit

Salzsäure tritt kaum Violettfärbung ein, wohl aber rasch Lösung (die

Sericinhülle löst sich nicht, ebensowenig Wolle und andere Haare).

Konz. Chromsäure löst S. ebenso wie Wolle (nicht Baumwolle und Lein),

Salpetersäure färbt gelb, Pikrinsäure wird gespeichert (nicht von

Pflanzenfasern). Taucht man S. in eine Mischung von Bleizuckerlösung

und überschüssiger Kalilauge, so färbt sie sich nicht (Wolle wird

braun). S. löst sich in Chlorzinklösung bei 30-40° (Wolle nicht,

~Persoz~). Farbstoffe werden stark gespeichert.

Die Fäden der sog. wilden Seiden (Yamamayseide, Tussahseide) sind

dicker und deutlich gestreift. Bei allen exotischen Seiden sind

Fibrillen sichtbar, die bei der echten Seide meist ganz zu einer

homogenen Masse zusammengeflossen sind (~Höhnel~). Die Seidenfäden

sind doppelbrechend, die Farben zwischen gekreuzten Nicols sind sehr

lebhaft. Die Fibroinfäden sind zweiachsig, Sericin ist doppelbrechend

(~Panebianco~).

[Illustration: Fig. 165.

_Seide._

a Roher Seidenfaden von _Bombyx Mori_, in der Mitte die beiden

Fibroinfäden, b die Sericinhülle, c ein Doppelfaden querdurchschnitten,

d einfacher Seidenfaden, e Querschnitt desselben, f Faden von

Tussahseide, g Querschnitt desselben.

[Aus +Hager-Fischer-Hartwich+, Pharm. Praxis.]]

Seide enthält keinen Schwefel. Das Fibroin zeigt die Zusammensetzung

48,63% C, 6,08% H, 18,97% N, 26,32% O. Sericin liefert nur 0,1-0,2%

Glycocoll und 5% Alanin, Fibroin 36% Glycocoll und 21% Alanin. Der

Arginingehalt ist bei beiden gleich (4%), der Tyrosingehalt beim

Sericin nur halb so hoch (5%). Sowohl das kollagenartige Sericin

wie das Fibroin sind Eiweißkörper. Das Sericin, das dem Glutin

nahe steht, geht durch Behandeln mit 1% HCl und Kochen mit Wasser

als «Seidenleim» in Lösung. Das Fibroin ist ein relativ einfacher

+Eiweißkörper+, der sich durch einen sehr hohen Tyrosingehalt von

allen bisher bekannten Albuminoiden scharf unterscheidet (~Fischer~

und ~Skita~). Es reagiert auf ~Millons~ Reagens und zeigt auch die

Biuret-Reaktion (wie das Sericin). Fibroin ist in konz. Säuren und

Alkalien löslich und aus den Lösungen durch Neutralisation wieder

fällbar. Der hohe Gehalt an Monoaminosäuren im Vergleich zu dem

Gehalt an Basen stellt es dem Elastin zur Seite, den hohen Gehalt an

Glycocoll teilt es mit dem Leim, von dem es sich aber durch seinen

hohen Tyrosingehalt (10%) unterscheidet. Monoaminodikarbonsäuren

fehlen ganz. Bei der Hydrolyse des Seidenleims entsteht das Serin.

~E. Abderhalden~ und ~Jul. Schmidt~ erhielten bei der Hydrolyse

von Leim befreiter Cocons der Tai-Tsao-Seide 25,2% der trockenen

aschefreien Substanz Glycocoll, 18,2% Alanin, 0,9% Leucin, 1,2%

Serin, 2,1% Asparaginsäure, 2,0% Glutaminsäure, 1,0% Phenylalanin,

7,8% Tyrosin und 1% Prolin. Die gleichen Substanzen wurden von

~Abderhalden~ und ~Welde~ bei der Hydrolyse der Cheefoo-Seide

erhalten (auch ungefähr in den gleichen Mengenverhältnissen, doch

Glycocoll nur halb so viel).

In der Chirurgie wird von der +Nähseide+ (Ligaturseide) sowohl

die mit schwacher Seifenlösung in der Wärme ausgelaugte, dann mit

2%iger Sodalösung und endlich mit Wasser gewaschene +drellierte

Seide+, sowie auch die +geflochtene Seide+ (Turners Patentseide)

benutzt. Ferner: Seidewatte, Seidenabfallgewebe (Bourettestoff),

Seidenraupendarm (fil de florence, Silkwormgut, Wormsilk) und

Schutztaffet (silk protectiv).

Zur +Sterilisierung chirurgischer Seide+ empfiehlt ~Ausin~ (1904) die

Diffusionsströme, die beim Mischen von Wasser und Alkohol entstehen:

Auskochen mit Wasser während 20 Minuten, dann Auskochen mit 95%

Alkohol während 30 Minuten. Aus dem Alkohol wird die Seide noch warm

herausgenommen und sofort zur Naht benutzt. Die Seide kann ohne

Schaden sechsmal dieser Operation unterworfen werden.

Über die Seiden anderer _Bombyx_arten vgl. bei ~von Höhnel~.

Er gibt bereits eine Menge, aber ausnahmslos in der Chirurgie

nicht verwendbare, =Seidensurrogate= (Chardonnetseide [Soie

francaise], Viscoseseide, Kunstseide (~Lehner~), Vivier (soie de

France) Cadoret, Siriusseide), die meist aus Cellulose, besonders

dem Tetraacetat oder -nitrat dargestellt werden oder von nicht

nitrierter Cellulose ausgehen (~Paulys~ Celluloseseide) oder das

Viskoid (Cellulosexanthogenat) benutzen (~Stearn~). Lösungen von

Cellulosenitraten in Äther-Alkohol geben, wenn sie in dünnem

Strahl in Wasser einfließen einen Faden von Seidenglanz, ebenso

Lösungen der Zellulose in Kupferoxydammon, wenn sie in verdünnte

Säuren einfließen. Die Entzündlichkeit der nitrierten Fasern

kann durch «Denitrieren» mit Schwefelammon vermindert werden.

+Viskose+ ist eine Lösung von Zellulose in einem Gemisch von

Alkali und Schwefelkohlenstoff. Die Viscoseseide hat einen eckigen

Querschnitt (~Süvern~ und ~Mach~). Künstliche Seide wird bisweilen

«animalisiert», d. h. mit einem aus den Abfällen natürlicher Seide

bzw. Wolle (aus Fibroin oder Lanigeninsäure) bereiteten Firnis

glänzend gemacht. Auch Gelatine ist zur Herstellung künstlicher S.

benutzt worden (Vanduaraseide, nicht mehr im Handel).

~Duyk~ gibt folgende Unterschiede zwischen natürlicher, gelatinierter

und Celluloseseide sowie Wolle an. Natürliche Seide, gelatinierte

S. und Wolle brennen schwer und entwickeln dabei den Geruch nach

verbranntem Horn. Celluloseseide brennt leicht und mit dem Geruch

brennender Baumwolle, 2% Natronlauge löst Seide, Wolle und Haare

beim Kochen, Celluloseseide nicht. Konzentrierte Natronlauge

greift Celluloseseide stark an, beim Verdünnen mit Wasser entsteht

eine Gelatine. Salpetersäure färbt alle tierischen Fasern gelb

(Xanthoproteinreaktion), Celluloseseide und pflanzliche Fasern nicht.

~Millons~ Reagens färbt Seide dunkelrot, Wolle gelblich-schwarzrot,

Celluloseseide nicht. Ammoniakalische Nickeloxydullösung (1

Nickelcarbonat, 6 Ammoniak, 6 Wasser) löst +nur+ Seide, weder

künstliche Seide noch Wolle oder Pflanzenfasern, konzentrierte

Schwefelsäure löst künstliche Seide. Jodwasser und verdünnte

Schwefelsäure färbt Celluloseseide blau, Seide gelb, Kupferoxydammon

löst Celluloseseide, Seide nicht. ~Herzog~ empfiehlt (Chem. Zeit.

1904) zur Unterscheidung natürlicher und künstlicher Seide Congorot,

Benzoazurin und Methylenblau. (Vgl. auch bei ~Höhnel~.)

Die Festigkeit beträgt nach ~Hassak~ und ~Herzog~ in Kilogramm für 1

mm Querschnitt:

trocken feucht

bei echter Seide 37 37

„ Chardonnetseide 12 2,2

trocken feucht

bei Lehnerseide 16,9 1,5

„ Celluloseseide 19,1 3,2

trocken feucht

bei Gelatineseide 6,6 0,0

„ Acetatseide 10,22 5,88

=Lit.= ~H. Silbermann~, Die Seide, ihre Gewinnung und Bearbeitung.

Dresden 1897 (m. Abbild.). -- ~von Höhnel~, Mikroskopie d. techn.

verwend. Faserst. 1905. -- ~Vogel~ u. ~Reischauer~, N. Rep. d.

Pharm. 8 (1860): 529. -- ~E. Fischer~ und ~Skita~, Zeitschr. phys.

Chem. 33 (1901) 171 und 35 (1902), 224. -- ~Oppenheimer~, Handb.

d. Biochemie. -- ~Weyl~, Ber. d. d. chem. Ges. 1888. -- Die Chemie

der Seide auch in ~Fehlings~ Handwörterbuch (1898). -- ~Witt~,

Kunstseide, Färberzeit. 1904. -- ~Duyk~, Monogr. d. Ersatzmittel

d. Seide, die künstliche S. u. ihr Nachw. in Geweben. Bull. ass.

belg. Chim. 1901, 166. Schweiz. Wochenschr. 1903, 488. -- ~Berl~,

Glanzstoff-Kunstseide. Kunststoffe 1 (1911) 151. -- ~Herzog~, Z.

Kenntn. d. neueren Acetatseide. Chem. Zeit. 1910, 347 und Die

Unterscheid. d. natürl. u. künstl. Seiden. Dresden 1910.

8. Schafwolle.

Wenn vollständig, besteht das Wollhaar aus der schuppigen Epidermis,

aus der faserigen Rindenschicht und der aus übereinander stehenden

Zellen bestehenden Markschicht. Von diesen Schichten kann die

Markschicht fehlen (feine Merinowolle), die Rindenschicht kann

reduziert, die Epidermis abgerieben sein (Shoddy). Die Länge kann 20

cm erreichen, die Breite wechselt (Merino 12-37 mik, Leicester 30-90

mik).

Jodjodkali färbt braun, ~Millons~ Reagens beim Erwärmen ziegelrot.

Kalilauge löst, beim Verbrennen tritt Geruch nach verbranntem Horn

auf. Durch Kochen mit verdünnter Schwefelsäure (oder Behandeln

mit Wasser bei 150°) geht Wolle fast vollständig in Lösung. Die

Lösung bildet mit sauren Teerfarbstoffen Niederschläge (Farblack),

auch Gerbsäure und Kaliumbichromat fällen (~Knecht~, ~Breindl~).

Der Wollfaser wird meist folgende Zusammensetzung zugeschrieben:

50,2% C, 22,84% O, 6,72% H, 16,54% N, 3,7% S. Der Wärmewert beträgt

pro g 5510,2 cal. (~Stohmann~ u. ~Langbein~). ~Wanklyn~ und

~Cooper~ erhielten (1879) bei der alkalischen Oxydation der Wolle

Cyanpropionsäure. ~Schützenberger~ (1878) stellt die Schafwolle zu

den Albuminoiden. Er erhielt aus ihr Leucin, Tyrosin, Glycoprotein,

«Leucine der Buttersäure, Valeriansäure und Propionsäure und Leuceïne

der Butter- und Valeriansäure». Die Wolle enthält jedenfalls

Keratine, d. h. schwefelhaltige Albuminoide. Die chemische

Zusammensetzung der Wollfaser scheint ähnlich wie die des Horns

und der menschlichen Haare zu sein. Sie liefert bei der Hydrolyse

Aminosäuren, Leucin, Tyrosin usw. und enthält im Keratinanteile an

Sauerstoff gebundenen Schwefel (~Raikow~). Natronlauge entzieht der

Wolle den Schwefel. ~Prudhomme~ nimmt in der Wolle (wie im Albumin)

die Gruppe

--N--CₙH₂ₙ--O,

| |

----------

aber keine NH₂-Gruppen an.

Die Wolle fixiert sowohl saure wie basische Farbstoffe; sie zeigt

gleichzeitig saure und basische Eigenschaften. Zahlreiche Theorien

des Färbeprozesses von Wollgeweben sind aufgestellt worden. ~Knecht~

glaubt, daß die Aminosäuren der Wolle mit den Farbbasen Lacke bilden,

der Tyrosinkomplex scheint bei dem Färben nicht beteiligt zu sein u.

and. mehr.

Da Schafe bisweilen in arsenhaltigen Bädern gewaschen werden, ist

auch die unbearbeitete Wolle oft arsenhaltig (~Abenius~ 1900). Beim

«Waschen» der Rohwolle wird das an Cholesterinestern reiche Wollfett

(Analysen bei ~Kleinschmidt~, Jahresb. d. Chem. 1887, 2335 u. and.)

und ein Waschwasser enthalten, das Caprinsäure, Ammoniak, Methylamin

und Dimethylamin liefert (Buisine).

Wolle findet namentlich in der Form von +Flanellbinden+ medizinische

Anwendung, seltener als Filz und Crepon.

=Lit.= Das Mikroskopische in ~Höhnel~, Mikroskop. d. techn. verwend.

Faserstoffe 1905.

III. Säuredrogen.

Unter diesem Namen mögen alle die Drogen zusammengefaßt werden, die

niedere aliphatische Säuren, besonders die sog. Pflanzensäuren, oder

saure Salze derselben als charakteristische Bestandteile enthalten.

Die niederen Fettsäuren der Ameisensäurereihe sind in kleinen

Mengen in den verschiedensten Pflanzen als häufige und regelmäßige

Stoffwechselprodukte nachgewiesen. Bakterien vermögen sie ebensowohl

aus Zucker und anderen Kohlehydraten wie aus Eiweißstoffen zu bilden

(das Detail in ~Czapeks~ Biochemie).

Daß die aliphatischen Säuren, besonders die sog. +Pflanzensäuren+ zu

den Kohlehydraten Beziehungen besitzen, kann jetzt keinem Zweifel mehr

unterliegen. Wir können uns plausible Vorstellungen davon bilden,

wie Zucker im Abbauprozeß in die Säuren übergehen und aus den Säuren

umgekehrt Zucker synthetisch entstehen kann. Als Beispiel für den Abbau

mag folgendes, von E. ~Fischer~ aufgestelltes Schema dienen:

CHO COOH

| |

HCOH HCOH

| |

OHCH OHCH COOH

| | |

HCOH --> HCOH --> HCOH COOH

| ---|--- | + |

HCOH HCOH OHCH COOH

| | |

CH₂OH COOH COOH

d-Glukose d-Zuckersäure d-Weinsäure Oxalsäure

Ferner sei erwähnt, daß es gelungen ist, aus Maltose, Saccharose,

Dextrose und Lävulose im Prozesse der sog. Zitronensäuregärung

Zitronensäure aufzubauen (~Wehmer~, ~Buchner~, ~Wüstenfeld~, ~Herzog~

und ~Polotzky~). ~Buchner~ und ~Wüstenfeld~ denken sich den Prozeß

in der Weise verlaufend, daß der Zucker zunächst in Kohlensäure und

Alkohol gespalten, der Alkohol assimiliert und aus dem Plasma der

gealterten Zelle unter dem Einfluß eines proteolytischen Enzyms neben

Stickstoffverbindungen Zitronensäure abgespalten wird.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 76 / 120 段