+Leim+ oder +Glutin+ (Glutein, Colla) ist ein kompliziert

zusammengesetzter Eiweißkörper (C₁₃H₂₀N₄O₅?), der bei der Spaltung

16,5% Glycocol), 14% Glutaminsäure, 9,3% Arginin, 5% α-Prolin, 5-6%

Lysin, 3% Oxy-α-Prolin, 2,1% Leucin und weniger wie 1% NH₃, Alanin,

Asparaginsäure, Serin, Phenylalanin und Histidin liefert und auch

einen Kohlehydratkomplex enthält. Auffallend ist der hohe Gehalt an

Glycocoll, die Armut an NH₃ und Histidin und das Fehlen von Tyrosin

und Tryptophan. Von basischem Stickstoff enthält der Leim 35,38% des

Gesamtstickstoffs. Das Glutin verschiedener Provenienz zeigt eine etwas

verschiedene Zusammensetzung. Glutin aus Sehnen enthält 50,9-50,11% C,

6,56-6,80% H, 17,81-18,59% N, 0,26-0,53% S, Glutin aus Knorpel enthält

50,22-50,46% C, 6,8-7,12% H, 17,72-17,80% N, 0,52-0,63% S (~Sadikoff~).

Über andere Glutine vgl. die Tabelle bei ~Oppenheimer~, Handb. d.

Biochemie I, 337. Auch reinste käufliche Gelatine enthält immer Spuren

Eiweiß. Es ist sehr schwer, aus ihr wirklich reines Glutin darzustellen

(~Sadikoff~). Leim quillt in Wasser, ist aber darin unlöslich, mit

heißem Wasser gibt er eine kolloidale Lösung, die stark klebt. Über

die Bedingungen der Gelatinierung, Erstarrung, Quellung und den

Schmelzpunkt sind die Arbeiten von ~Pauly~ und ~Rona~, ~Ostwald~ und

die Zeitschrift für Kolloidchemie zu vergleichen.

Durch längeres Kochen seiner wässrigen Lösung oder zweitägiges

Verweilen bei 37° verliert der Leim seine Fähigkeit zur Gelatinierung.

Es entsteht β-Gelatine (~Nasse~), die eine niedrigere spez. Drehung

als die linksdrehende Gelatine besitzt (~Nasse~, ~Framm~, ~Krüger~).

Die Reaktionen des Leims siehe bei ~Oppenheimer~. Durch Essigsäure,

Ferrocyankalium und Schwefelsäure wird Glutin nicht gefällt

(Unterschied von den echten Eiweißkörpern). Gerbsäurelösung erzeugt

noch in sehr verdünnten Lösungen einen weißen, flockigen Niederschlag.

Auf der Bindung der Gerbsäuren durch Leim beruht die Verwendung von

Hautpulver zur Bestimmung der Gerbstoffe.

~Dieterich~ fand in _Gelatina alba_ D. A. IV 1,83-2,14% Asche und 17,28

bis 17,46% Wasser, in Gelatineleim 1,14-3,07% Asche und 11,72-20,59%

Wasser, im Knochenleim 1,57% Asche und 17,66% Wasser. Die Asche darf

nicht über 2% betragen (D. A. V) und soll kein Kupfer enthalten.

Medizinal-Gelatine darf nicht gebleicht sein. Das D. A. V läßt auf

schweflige Säure prüfen: die mit Wasser angequollene Gelatine wird mit

Phosphorsäure erhitzt und ein angefeuchteter Kaliumjodidpapierstreifen

in die Mündung des Kolbens gehängt.

Die +sterilisierte Gelatine+ wird subkutan, intravenös und in Form

von Klysma als +Hämostatikum+ benutzt, zu welchem Zwecke Gelatine

schon im III. Jahrh. n. Chr. in China und Japan in Gebrauch war,

in Europa seit 1896. Reines Glutin bewirkt durch Agglutination der

Blutkörperchen eine Gerinnung des Blutes (~Kaposi~), während seine

Derivate, ebenso wie das Hirudin, gerinnungshemmend wirken. Bei

der Darstellung der _Gelatina sterilisata_ muß also Peptonisierung

vermieden werden. Die Sterilisierung erfolgt im Autoklaven bei 100°

an drei aufeinanderfolgenden Tagen je 15 Minuten lang. Zwischen den

Sterilisationen werden die Röhrchen im Brutschrank bei 35° gehalten

(Pharm. helvet. IV. Ebenda eine Prüfung der _Gelal. sterilisat._).

Die gewöhnliche reine Gelatine dient zu Gelatine-Bougies, zu

medizinischen Gallerten (nach ~Almên~) und zu Fruchtgelees. Rote

(meist mit Fuchsin oder Bordeauxrot extra gefärbte) sowie braune

Gelatine (Weinschöne) sind vom medizinischen Gebrauch auszuschließen,

die eine dient zur Herstellung von Gelees (wie die weiße G.),

die andere zur Klärung trüber Weine. An Klebefähigkeit steht die

Gelatine der Hausenblase nach. Die photographischen Trockenplatten

werden jetzt meist mit einer Jod-, Brom- oder Chlorsilber-Gelatine

hergestellt, da Silber-Gelatinen sehr lichtempfindlich sind.

Ebenso spielt die Chromgelatine in den photographischen

Reproduktionsverfahren eine große Rolle, da der «Chromleim» durch das

Licht auch in heißem Wasser unlöslich wird (~Eder~).

~Dioskurides~ erwähnt κόλλα (ξυλοκόλλα, ταυροκόλλα) und seine

medizinische Benutzung zu äußerlichen Zwecken. Als bester Leim galt

der weiße Leim von Rhodus, «wo er aus Ochsenhäuten gemacht wird».

=Lit.= Über Leimbereitung vgl. ~Dawidowsky~, Die Leim-

und Gelatinefabrikation. Wien 1893, ~Valenta~, Klebe- und

Verdickungsmittel und ~T. F. Hanausek~, Artikel Leim in ~Luegers~

Lexikon (dort auch die Handelssorten). -- ~Hell~, Artikel Gelatine in

Real-Enzyklop. d. ges. Pharm. -- ~Oppenheimer~, Handb. d. Biochem.

-- ~Röhmann~, Biochemie. -- ~Levene~, Über d. Spaltung d. Gelatine.

Zeitschr. phys. Chem. 37 (1902), 81. -- ~Sadikoff~, Sehnenglutin,

Knorpelglutin, Zeitschr. f. phys. Chem. 39 (1903). -- ~Ostwald~,

Pflüg. Arch. 108 (1906). -- ~Nasse~ bei Oppenheimer I, 338. --

~Dieterich~, Helfenberger Ann. 1900-1904. -- ~Kissling~, Fortschr.

auf d. Gebiete d. Chem. usw. des Leims. Chem. Zeit. 35, 423. -- Über

Gelatinepräparate vgl. den Gehe Codex.

2. Os Sepiae.

Die im Rücken des in allen europäischen Meeren vorkommenden, zu

den Kephalopoden gehörenden Tintenfisches, _Sepia officinalis_ L.

sitzende Schulpe wird nach Verwesung des Tieres vom Meer ausgeworfen.

Sie ist das weiße Fischbein, _Os Sepiae_. Sie bildet eine flache,

beiderseits gewölbte, in der Mitte bis 2 cm dicke, bis 2,5 cm lange

und 7 cm breite, an den Enden zugeschärfte Schuppe, die neben 80-85%

Calciumcarbonat vornehmlich aus Leim- und Knorpelsubstanz besteht.

(Beschreibung des Tieres und der Schulpe bei ~Vogl~ und ~Berg~.)

3. Cornu cervi raspatum.

Das geraspelte Geweih des Hirsches, _Cervus Elaphus_, enthält neben

57,5% Calciumphosphat und 1% Calciumcarbonat 27% Knorpelsubstanz.

4. Ichthyocolla.

Fischleim, Colla piscium, Ichthyocolla, Hausenblase, Colle de poisson,

Ichthyocolle, Isinglass, Fishglue, ist die getrocknete, präparierte,

innere, pulpöse und vaskuläre Haut der Schwimmblase verschiedener in

europäisch-asiatischen Gewässern vorkommenden, zu den Knorpel-Ganoiden

gehörenden _Acipenser_-(Stör-)Arten, zu denen der +Hausen+ _A.

Huso_ L. (Bjeluga) gehört, der im Schwarzen Meere und den in dieses

mündenden Strömen vorkommt, ferner der Scherg oder Sewerjuga (_A.

stellatus_ ~Pall.~) im Kaspischen und Schwarzen Meer, der Sterlet

(_A. Ruthenus_ L.) im Schwarzen und Asowschen Meer, im Baikalsee

und Nördlichen Eismeer und der Ossetr (_A. Güldenstädtii_ ~Br.~) im

Schwarzen und Kaspischen Meer und dem Baikalsee. Die Fische sammeln

sich zur Laichzeit an den Flußmündungen und gehen auch in großen

Scharen in die Flüsse (Wolga, Ural, Emba, Dnjestr, Dnjepr) hinauf

und werden dort in großen Mengen gefangen. Der Eierstock bildet den

Caviar, die Schwimmblase die rohe Ichthyocolla. Ein Fisch liefert

100-150 g Hausenblase. Die Blasen werden aufgeschnitten, abgewaschen

(bisweilen in Kalkwasser eingeweicht) und auf Bretter gespannt

getrocknet. Die halbgetrockneten Scheiben werden durch Reiben von der

äußeren, nicht leimgebenden Silberhaut befreit und dann, das Innere

nach außen gekehrt, aufgespannt, fertig getrocknet (Blätterhausenblase,

I. in foliis), oder in eine der anderen Handelsformen gebracht

(«gebrackt»). Mehrere, gefaltet übereinander gelegte Blätter bilden die

Bücherhausenblase, zusammengerollte die Rollenhausenblase, ausgewalzt

und in Fäden geschnitten ist die Fadenhausenblase (I. in filis),

zwischen zwei Nägeln hufeisenförmig, herzförmig oder lyraförmig gebogen

die Leier-, Klammern-, Kranz- oder Riegelhausenblase. Schlechte Sorten

sind die Klumpen-, Zungen-, Band- oder Krümelhausenblasen. Die tongs

und Beutel sind unpräparierte Schwimmblasen.

Rußland exportiert im Jahr c. 100000 kg. Handelszentren für Hausenblase

sind besonders Nischni Nowgorod und Petersburg (bisweilen wird die

Hausenblase erst hier gebrackt). In den Dogghallen Londons sah ich

große Mengen. Die beste Sorte ist die Astrachaner, besonders die sog.

Patriarchenhausenblase (Blätter und Klammern), die meist von _A.

Güldenstädtii_ stammt und deren Oberfläche ein sehr charakteristisches

blaues Irisieren zeigt, dann die kleinen Blätter von _A. stellatus_

(Blätter und Bücher) und die dicken und reinen Blätter von _A. Huso_.

Hamburg importierte 1908 +Hausenblase+ (echte und unechte) 220810

kg, davon aus Japan: 182580 (Agar?), russischen Ostseehäfen: 7670,

Brasilien: 6810, China: 5410.

Deutschland führte 1909: 148 dz Hausenblase aus Rußland ein.

Der deutsche Großhandel unterscheidet (1910): +Beluga+, Blätter

extraf. +Salianski+, nat. Blätter und Schnitzel und gebleichte

Blätter und Schnitzel in vielen Sorten, dann (weniger wichtig):

+Premislowoy+, +Assetrowa+, +Astrachan+, +uralische+ Hausenblase usw.

[sowie (als Sekundaware): +Samovy+ (s. hinten unter Paralleldrogen)

und +sibirische+ Hausenblase]. In +London+ werden besonders gehandelt

(1907): Brasilianische Zungen (tongues), Maracaibo (Herzform),

Venezuela (Zungen und Taschen).

Die Hausenblase bildet weiße oder gelbliche, durchscheinend-hornartige,

in der Richtung der Fasern zerreißbare, bisweilen geschmacklose, aber

stets etwas, manchmal sogar ziemlich stark riechende Stücke, die

bisweilen mit schwefliger Säure oder durch Schnee und Salz gebleicht

sind (die Formen abgebildet bei ~Dieterich~). Sie quillt in kaltem

Wasser und löst sich in kochendem Wasser zu einer kolloidalen, stark

klebenden, neutralen oder schwach alkalischen Flüssigkeit, die, wenn

konzentriert, gelatiniert. Die wenig haltbare Lösung wird durch Zusatz

von ¹⁄₁₅ Glycerin haltbar (~Meyer~). Das Bindegewebe der Hausenblase

besteht aus sehr charakteristischen, büschelig-pinselig angeordneten

Fibrillen (Abbild. bei ~Prollius~).

~Scherer~ gibt die Zusammensetzung zu 49,5% C, 6,9% H, 18,8% N,

24,8% O an, also annähernd wie bei dem Glutin (s. d.). ~John~ gibt

70,5% Tierleim, 16% +Osmazom+, 4% Milchsäure, K-, Na- und Ca-Salze,

2,5% unlösliche Haut und 7% Wasser an. Die Asche wird meist zu 0,5

(~Henkel~, ~Redwood~) bis 1,5 (ja sogar bis 5%), der unlösliche

Rückstand zu 2-28% (2-15 ~Dieterich~), selten nur zu 1,5% (~Cop~), das

Lösliche zu 70-98% angegeben.

Russische, speziell Astrachaner Hausenblase ergab ~Prollius~: 0,2-1,2%

Asche (höchstens 0,9% ~Letheby~), 16-19% Wasser, 0,7-3% in Wasser

unlöslichen Rückstand. ~Meyer~ fand in russischer Hausenblase 12%

Unlösliches. ~K. Dieterich~ fand (1909) bei russischer Hausenblase

(Saliansky, Beluga, Samovy) folgende Grenzwerte: +Wasser+ 13-20%,

+Asche+ 0,5-1,7% (darin 8-33% K₂CO₃), +lösliche Anteile+ 65-81%,

unlösliche 1-19%, +Fett+ 0,1-1,2%, +Collagen+ 79-85% (+Rohglutin+

66-82%). Die Jodzahl betrug 19-45, die Säurezahl 0-6. Die optische

Drehung des Glutins war stets links, Schwefel war stets vorhanden.

~Windisch~ fand 15% N, ~Schlieper~ bis 0,54% S (der hohe Gehalt wohl

von der Bleichung mit S). +Der Hauptbestandteil der Hausenblase ist

also Collagen+ bzw. +Glutin+.

Hausenblase wird in der Pharmazie besonders zur Bereitung des

Englisch-Pflaster und zum Klären trüber Flüssigkeiten (hierfür

unentbehrlich!) benutzt, weniger zur Herstellung von Gelatinen (nur die

ungebleichten Sorten!), viel in der Technik, z. B. zu Kitten.

Als +Paralleldrogen+ können gelten: +Hamburger+ Hausenblase von

_Acipenser Sturio_ L. gilt als eine gute Ersatzsorte. +Hudsonsbay+

H. von _A. brevirostris_ und _rubicundus_, meist in tongs. Die in

immer größeren Mengen im Handel erscheinenden +Neufundland+- und

+Kanada+-H. stammen jetzt meist von _Gadus_-, _Merluccius_- und

_Phycis_-Arten. +Samowij+-H. von _Silurus glanis_ (im Russischen

Som), dem Wels, liefert in Rußland schöne dünne weiße Blätter.

+Indische+ H. von _S. raita_ und _Polynemus_-Arten in Beuteln und

Pfeifen, oft kalkhaltig. +Chinesische+ H. von _Sciaena lucida_ und

_Anguilla pekinensis_, in langen Streifen. +Brasilianische+ (Para) H.

von _Silurus_- und _Pimolarus_-Arten in Röhren, Klumpen und Scheiben.

+Bandhausenblase+ von New York von _Merluccius vulgar._ (36% in

Wasser unlöslich) und _Gadus Morrhua_. +Westindische+ H. von _Silurus

Parkeri_ und +Maracaibo+ H. (Herzform), beide 1910 im Handel.

+Isländische+ H. von _Gadus Morrhua_ (vgl. hierzu auch ~Pereira~,

Heilmittellehre). Alle diese geben Lösungen von geringerer Viskosität

und geringerer Klebkraft als die echte Hausenblase (~Prollius~).

Viele besitzen einen starken Fischgeruch und unangenehmen Geschmack.

Im deutschen Handel waren 1910 die südamerikanischen Sorten:

Brasilianische H. (Zungen), Maracaibo und Venezuela (Taschen).

In Hamburger H. fand ~Prollius~ (1883) 1,3% Asche, 19% Wasser

und 2,3% Unlösliches; Indische H. enthielt 8,6%, Nordische

10,8%, Isländische 21,6% Unlösliches. In amerikan. Hausenblase

strip (Streifen) fand ~Meyer~ (1873) 30%, in sheet (Blätter) 18%

Unlösliches.

+Falsche Hausenblasen+, die nichts mit Fischblasen zu tun haben, sind

die falsche Parahausenblase (Eierstöcke des _Silurus Parkerii_),

der Mainzer Fischleim, Leim aus Därmen von Lämmern und Ziegen,

der in den Donaufürstentümern aus Haut, Därmen und Magen von

Knorpelfischen dargestellte Leim, die Ichthyocolle francaise aus

Blutfibrin und Tannin, die japanische H. (Agar) u. and. Nicht selten

findet sich eine verfälschte H. im Handel, die durch Eintauchen der

Blätter in Leimlösung oder Einlegen von Leimblättern zwischen die

Buchhausenblase dargestellt wurde (~Redwood~ und ~Letheby~).

~K. Dieterich~ fand (1904) bei falschen Hausenblasen folgende

Grenzzahlen in %:

-----------------+------+--------+-----------+-------+---------+

| H₂O | Asche | K₂CO₃ |Löslich|Unlöslich|

| | | in der | in | in H₂O |

| | | Asche | H₂O | |

=================+======+========+===========+=======+=========+

Chinesische H. | 11-17| 0,9-2,3| 32-53 | 68-86 | 2-15 |

Amerikanische H. | | | | | |

(Brasilien, | | | | | |

Venezuela, | | | | | |

Maracaibo | | | | | |

Abfälle) | 13-18| 1-3,7| 6-37 | 59-75 | 9-2 |

Verfälschte | | | | | |

Saliansky (mit | | | | | |

Leimgetränkt) | 16 | 0,6 | 72 | 82 | 1,5 |

-----------------+--------+--------+---------+---------+-------

| Fett |Collagen|Rohglutin|Säurezahl|Jodzahl

| | | | |

| | | | |

=================+========+========+=========+=========+=======

Chinesische H. | 0,1-1,2| 81-88 | 69-7 | 0 | 39-46

Amerikanische H. | | | | |

(Brasilien, | | | | |

Venezuela, | | | | |

Maracaibo | | | | |

Abfälle) | 0,1-0,8| 80-87 | 66-75 | 0-2,76 | 30-47

Verfälschte | | | | |

Saliansky (mit | | | | |

Leimgetränkt) | 0,3 | 83 | 82 | 3,8 | 37

Alle drehen links, alle enthalten Schwefel.

~Plinius~ kennt _Ichthyocolla_, die man im Altertum, wie es scheint,

besonders von _A. Huso_ gewann. Er hat auch gehört, daß sie «aus dem

Bauche» stammt und daß die pontische H., da am schnellsten löslich,

am meisten geschätzt werde. Bei ~Dioskurides~ finden sich Angaben

über die medizinische Benutzung der ἰχθυοκόλλα (ἰχθύς = Fisch, κόλλα

= Leim).

=Lit.= ~Brandt-Ratzeburg~, Med. Zoologie. -- ~Pereira~,

Heilmittellehre. -- ~Jackson~, Essay on british Isinglass. --

~Valenta~, Klebe- und Verdickungsmittel. -- ~Royle~, On the prod.

of isinglass along the coasts of India 1842. (Dort Abbildungen

der Zubereitung von ~Jackson~.) -- ~Wagner~, Chem. Technol. --

~Fischer-Hartwich~, Pharm. Praxis. -- ~Moeller-Husemann~ in

Realenzyklop. -- ~Vogl~, Arzneikörper. -- ~Berg~, Pharmakognosie

(dort eine Beschreibung der Fischarten). -- ~C. Meyer~, Sol. of

isinglass in water Am. journ. pharm. 1873, 258. -- ~Prollius~, Über

Collapiscium. Pharm. Centralh. 1883, 335. -- ~K. Dieterich~, Zur

Pharmakodiakosmie u. chem. Analyse d. Hausen- u. Fischblas. Dresden

1909. -- ~Weigel~, Pharm. Centralh. 1904. -- ~Helfenberger~ Annalen

1897, 1900-1904. -- Ältere Analysen von ~John~ (in ~Gmelins~ Handb.

d. Chem. II, 1468) und ~Sally~ (bei ~Royle~). -- Vgl. auch die I, S.

390 erwähnten Werke.

5. Catgut.

Das Rohmaterial für das Catgut liefern die Därme des Schafes, die von

gesunden Tieren entnommen, frisch verarbeitet und von allen Fett- und

Fleisch-, Schleim- und Zottenteilen befreit werden müssen. Der Darm

wird in zwei schmale Bänder aufgespalten und jedes dieser Bänder nach

dem Aufspannen durch ein Drillierrad gedreht, wodurch sie sich von c.

3,1 m auf 3 m verkürzen und die Bänder zu Fäden werden. Stärkere Fäden

erhält man durch Zusammendrillieren mehrerer Darmbänder. Die fertig

drillierten Catgutfäden werden, in Rahmen gespannt, an einem mäßig

warmen Orte getrocknet und dann mit Schmirgel und Öl abgeschliffen

und (mit Carbolsäure, Jod, Sublimat, Glycerin oder Wacholderöl)

+sterilisiert+. Neuerdings wird Catgutsterilisation (statt mit

Alkoholdämpfen) mit Chloroform empfohlen. Starker Alkohol macht Catgut

brüchig, in 90% hält es sich lange, ebenso in 3% Phenolwasser. Die

Verwendung des Catgut, das aus einem Collagen besteht und dessen Fäden

eine hohe Zugfestigkeit besitzen, beruht darauf, daß seine Substanz in

der Wunde innerhalb 8-20 Tagen vollständig resorbiert wird.

Neuerdings (1904) sind von ~Kieffer~ die Beinsehnen der Kraniche und

Reiher als Catgutersatz empfohlen worden.

Über +steriles Catgut+ vgl. ~Lentz~ und ~Lockemann~, Klin. Jahrb.

1909, 566, ~Lèrat~, Journ. pharm. Liège 1909 (vgl. auch Jahresber.

Pharm. 1909, 361).

6. Spongia.

Der Bade- oder Meerschwamm besteht aus verschiedenen zur Gattung

_Euspongia_ gehörenden Spongien (Hornfaserschwämmen) besonders des

Mittelmeeres (Coelenteraten), die etwas unterhalb des Meeresspiegels

bis zu ziemlichen Tiefen (200-300 m) an Felsen oder anderen

Gegenständen festgewachsen sind und durch die «Schwammfischer»

herausgeholt werden.

Die wertvollsten Schwämme werden an den Küsten Syriens (von Kap

Carmel bis Iskenderum) und Kleinasiens (Südwestspitze) und der

Inseln Rhodos, Symi und Kalymnos durch Taucher und Taucherglocken

gefischt. Diese +syrischen+ (Soria) +Schwämme+, die meist in

Smyrna gehandelt werden, stammen von _Euspongia officinalis_ var.

_mollissima_ ~Schulze~, _Eusp. officinalis_ var. _adriatica_

~Schulze~ und _Euspongia officin._ var. _lamella_ ~Schulze~ und

_Eusp. zimocca_. Die gröberen (Pferdeschwämme) von _Hippospongia

equina elastica_ ~Lendenfeld~ kommen von der Nordküste Afrikas, die

Marseiller Schwämme (Eponges brunes de Barbarie) von _Euspongia

communis_ von der tunesischen Küste (Sfax, Golf von Gabès). Die an

der Küste Istriens und Dalmatiens mit vierzinkigen Gabeln gefischten,

weniger geschätzten, leicht zerreißbaren Schwämme sind meist

_Euspongia adriatica_, dann auch _Eusp. nitens_ und _quarnerensis_

(~Vogl~). Die großporigen +Bahamaschwämme+ sollen von Varietäten der

Mittelmeerarten stammen (~Hyatt~).

+Hauptproduktionsgebiete+ sind: der griechische Archipel, das

Küstenland von Syrien, Ägypten, Tripolis und Tunis, die Küsten von

Istrien und Dalmazien, das Rote Meer und der persische Golf; dann das

Caraibische Meer (Antillen und Bahamainseln). +Hauptausfuhrhäfen+:

Smyrna, Aden, Tripoli (in Syrien), Rhodus, Sira, Aegina (im

griech. Archipel), Bengasi, Tripolis (Afrika), Sfax, Avana, Nassau

(Bahamainseln), Keywest (Florida). Wie zur Zeit des ~Aristoteles~

so sind auch heute noch besonders Griechen Schwammfischer -- selbst

drüben in Amerika. Ein sehr geübter kann 100-150 Pf. Rohschwamm am

Tage fischen.

Im Mittelländischen Meer werden nicht weniger als vier verschiedene

Methoden bei der Schwammfischerei angewendet. Die reicheren Händler

rüsten ein 5-6 Tonnen schweres Boot mit einer mehr als 12 Mann

starken Besatzung aus. Jedes Boot ist mit moderner Taucherausrüstung

(Skaphanderapparat) versehen und hat wenigstens 10 Professionstaucher

an Bord. Die Taucher gehen hinunter auf den Grund bis 15-30 Faden

tief, sammeln so viele Schwämme wie möglich und tun sie in ein an

ihrem Körper befestigtes Netz. Diese Methode gestattet ein sehr

gründliches Sammeln der erreichbaren Schwämme, so daß gelegentlich

die Schwamm-Ansiedlungen überfischt wurden, auch zerstören die

schweren Stiefeln der Taucher viele Schwämme. Um den Gebrauch des

Tauchapparates etwas einzuschränken, ohne jedoch eine vernünftige

Ausnutzung zu schädigen, erhebt die türkische Regierung einen

schweren Zoll auf den Gebrauch desselben. Andere Staaten am

Mittelländischen Meer tun das Gleiche.

Die zweite Methode ist in Kleinasien, Tunis, Tripolis usw. sehr in

Gebrauch. Der gebrauchte Apparat ist eine Art Baggermaschine mit

Schleppnetz, in Tripolis «gangara», in Tunis «arth» genannt, die im

wesentlichen die Struktur der gewöhnlichen Auster-Baggermaschine

hat. Vier bis sieben Mann, in einem Boot zu drei Tonnen halten die

Maschine in Gang. Da das Baggern Tag und Nacht geschehen kann, so ist

diese Methode sehr produktiv; doch kann natürlich der fortgesetzte

Gebrauch des Apparats die Schwamm-Kolonien ernstlich gefährden, auch

werden viele Schwämme durch das Fahren der Maschine auf dem Seeboden

zerdrückt oder zerrissen.

Die dritte und vierte Methode, die früher allein in Gebrauch waren,

werden jetzt noch in einigen Teilen des Mittelländischen Meeres,

ferner ausschließlich bei der Fischerei in Florida, Bahama und Cuba

angewendet. Es ist dies das Harpunieren oder mit Haken herausholen

und ferner das Tauchen ohne besonderen Apparat. Das erstere geschieht

bei niedrigem Wasser und ruhigem Wetter und ist eine sehr einfache

Prozedur. Aus den Booten bestimmt man die Lage der Schwämme. Da

die Wellen die Beobachtung hindern, benutzt man ein sogenanntes

«water glass, Wasserteleskop, Schwammglas» (ein kräftiges Eisenrohr,

ungefähr 20 Zoll lang und vierzehn Zoll im Durchmesser, an dessen

einem Ende eine Glasscheibe befestigt ist). Das Ende dieses Rohres

wird ins Wasser gesetzt und nun ist ein klares Beobachten der

Schwammbeete möglich. Die Schwämme werden dann mit Harpunen, die mit

Zacken und einem hölzernen Schaft versehen sind, aufgespießt und in

das Boot gebracht. -- Früher kam es in den Tunesischen Gewässern

vor, daß man Schwämme aus relativ tiefem Wasser vermittelst Harpunen

heraufholte. Die Griechen waren so geschickt in der Handhabung der

Harpunen, daß sie einen Speer hinten an den Schaft des andern werfen

konnten. Die vereinigte Länge ermöglichte es, den Schwamm auch aus

tieferem Wasser heraufzuholen.

Die letzte und am meisten verbreitete Methode ist das Aussenden eines

unbekleideten Tauchers ohne besonderen Apparat. Dazu werden kleine

Boote mit 3-4 Mann gebraucht; diese senken einen flachen Stein, an

dem ein starkes Tau befestigt ist, ins Wasser. Der Taucher steht

aufrecht auf dem Stein, indem er sich an dem Seil hält, so läßt man

ihn auf den Seeboden bisweilen 50 oder gar 80 m herab und er sammelt

während 1-2 Minuten rasch so viele Schwämme wie möglich und tut sie

in ein auf dem Rücken angebrachtes Netz. Möglichst junge Männer

werden als Taucher gebraucht; der Druck des Wassers wirkt aber oft

ungünstig auf das Rückenmark und Paralyse kann die Folge sein. Diese

Methode wird in gewissen Teilen des Mittelländischen Meeres, an der

Ostküste Afrikas und auch im Caraibischen Meer angewendet.

[Illustration: Fig. 164.

Kultur von Meerschwämmen auf dem Dreieck. [Aus dem +Prometheus+.]]

In den Fischereigründen von Florida, Bahama und Cuba werden die

Schwämme durch Speerwerfen gewonnen. Die Speere sind dreizinkige

Gabeln, die sich in ein schweres eisernes Rohr fortsetzen. An diesem

ist oben ein Stab befestigt, den man je nach der Tiefe des Wassers

verschieben kann. Wie im Mittelländischen Meer wird auch hier ein

«water glass» angewendet, doch ist es nur ein Eimer, in den man an

Stelle des Bodens ein Stück festes Glas eingesetzt hat. (Nach The

sponge industry in Bull. Imperial Institut London 5 [1907], 393.)

Die Züchtung der Schwämme lehrte ~Oscar Schmidt~ (1862) und

~Buccich~. In Tunis ist dann 1897 bei der Insel Kerkennah der, wie es

scheint, erfolgreiche Versuch gemacht worden, Spongien zu kultivieren

(~Hérail~). Auch die 1901 einsetzenden Versuche der United States

Commission of fish and fisheries waren erfolgreich. Nachdem schon

1897 ~Harris~ in Amerika Versuche mit auf galvanisierten Draht

gereihten Schwammstücken gemacht, benutzt ~Moore~ jetzt (1910)

Cementunterlagen (Dreiecke und Scheiben), die mit Stiften versehen

sind (Fig. 164). Die Kultur gründet sich auf die Tatsache, die

~Cavolini~ (1785) und ~Lieberkühn~ (1855) fanden, daß sich der

Schwamm aus kleinen, zerschnittenen Stücken wieder regeneriert.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 75 / 120 段