=Lit.= ~Caesar-Loretz~, Handelsb. -- Journ. of pharmac. 1898.

-- ~Gallois~, Journ. pharm. chim. 1906, 242. -- ~Perrot~, Bull.

sc. pharm. 1907, 350. -- ~Mitlacher~ (1904). -- ~Weigel~, Pharm.

Centralh. 1904. -- ~Brown~, Bull. of ph. 1891, 10. -- ~Pereira~,

Heilmittellehre. -- Abgebildet sind Pinuspollen in ~Moeller~,

Lehrbuch, ~Vogl~, Atlas, ~Berg~, Atlas, ~Planchon-Collin~ u. and.,

Larixpollen bei ~Moeller~, Cannabispollen ebenda, Cichoriumpollen

ebenda, Coryluspollen bei ~Vogl~.

=Anwendung.= Als +Streupulver+ (allein und mit Salicylsäure oder

Zinkoxyd) bei Intertrigo, zum Aufstreuen auf wunde Stellen,

besonders bei Kindern, usw. eignet sich Lycopodium gut, da es leicht

haftet, mit Wasser nicht benetzbar ist und nicht zusammenballt. Die

gleichen Eigenschaften und seine Indifferenz empfehlen es auch als

+Konspergierungsmittel der Pillen+.

Zum Bestreuen der Pillen wird es in den Apotheken so viel benutzt,

daß der Staub der Apotheke und alle Geräte und Utensilien derselben

immer Lycopodiumsporen enthalten. Dies muß beachtet werden, wenn man

aus der Apotheke bezogene Objekte mikroskopisch untersucht. (Ein

Botaniker beschrieb einmal die Lycopodiumsporen als den Dauerzustand

eines Schleimpilzes [!], den er in aus einer Apotheke stammendem

Fleisch gefunden hatte und den er wegen der Netzleisten der Sporen:

_Haplococcus reticulatus_ nannte [!]).

Mit Salpeter gemischt dient es zur chinesischen Moxa. Die innerliche

Anwendung, z. B. bei Dysurie, Blasenkatarrh, besonders als Emulsion

(Linctus diureticus ~Hufeland~), in Pastillenform usw. kommt kaum

noch in Betracht. Etwas verbraucht die Gießerei zum Ausstreichen

der Formen. Eine große Menge L. (zuweilen Hunderte von Kisten)

verbraucht die Feuerwerkerei besonders an den Nationalfesten,

z. B. in Nordamerika. Die Sitte stammt aus Persien (~Olearius~,

Persian. Reiß-Beschreib.). _Herba Lycopodii_ wird kaum noch (als

Diuretikum) benutzt. Das Kraut von _L. Selago_ ist ein russisches

Volksheilmittel. Es wirkt drastisch und abortiv. Auch das Kraut von

_L. Saururus_ wirkt drastisch. (Vgl. ~Husemann~, Arzneimittellehre).

=Geschichte.= Das etwas bitter schmeckende Kraut (_Herba Lycopod.

s. Musci clavati_) war früher als das Sporenpulver besonders beim

Volke in Gebrauch und ist noch da und dort (Polen) Volksheilmittel,

ebenso wie _Herba Selaginis s. musci erecti s. cathartici_ (von

_L. Selago_), das auch gegen Ungeziefer benutzt wird. (Weitere

Angaben über arzneilich verwendete Lycopodien in ~Dragendorff~,

Heilpflanzen.) Vielleicht ist die _Herba terrestris, pes pulli_ der

+Alphita+ ein Lycopodium. Die patres botanices sowie ~Dodonaeus~,

~Tabernaemontanus~, ~Bauhin~, ~Parkinson~, ~Ray~ benutzten die ganze

Pflanze und ein daraus destilliertes Wasser. ~Joh. Ray~ (I, S. 911)

bespricht sie und ~Rolfink~ († 1677) rühmt sie als Antiepilepticum.

Die erste Abbildung der Pflanze findet sich in ~Bock~, Hist.

stirp. 1552 p. 555 (vgl. I, S. 327, Fig. 316), weitere bei

~Tabernaemontanus~ (I, S. 847), bei ~Cordus~ u. and. ~Lonicerus~ sagt

(Nat. histor. op. nov. 1551) von den Sporangienständen, «asparagos»,

sie seien «leves et molles, ceu farina aut pulvere conspersos, mox

decidentes, quos pro flore licebit sumere», erkannte sie also bereits

als «Blüten». Der von ~Clusius~ (Rarior. pl.) abgebildete _Muscus

terrestris lusitanus_ ist vielleicht auch ein Lycopodium (oder eine

_Selaginella_?). ~Dodonaeus~ tadelt den groben Mißbrauch _Lycopodium

clavatum_ in den Apotheken für _Spica celtica_ (_Saliunca_ =

_Valeriana celtica_ L.) zu geben. Schon ~Anguillara~ (Semplici 1561)

erwähnt eine «_Spica celtica commune_» mit Früchten «simili al Pepe

lungo», welche statt der echten _Spica celtica_ gebraucht werde.

Darin ist wohl (mit ~Berg~) Lycopodium zu erblicken.

Die erste Angabe über medizinische Anwendung der Sporen zum

Bestreuen von Wunden findet sich bei ~Schröder~ in dessen Pharmacop.

medico-chymica 1649 (~Flückiger~), doch findet sich L. weder

in ~Dale~, Pharmacologia London 1693 (~Hanbury~), noch in der

~Berlu~-Liste (I, S. 950), noch in der Londoner Pharmacopoee,

noch bei ~Pomet~. Wohl aber steht _Sem. Lycopodii_ in der Taxe

von Ulm 1664, Franckfurt 1669 und 1718, Basel 1701, im Gießener

Catalogus 1688 als Synonym auch _Muscus terrestris_, in der Taxe von

Schwäbisch-Hall 1700: Beerlapp- oder Gürtelkrautsamen (vgl. die Taxen

im I. B.), muß also schon damals viel benutzt gewesen sein. Der Preis

des _Sem. Lycopodii_ betrug (Reform. d. Stadt Frankfurt 1718) 1 Lot =

4 Kr.

Der Züricher Stadtarzt ~Joh. Muralt~ († 1733) rühmte L. gegen

Intertrigo (~Dierbach~). ~Bergius~ erwähnt 1782 das Farina Lycopodii

s. Pollen gegen Excoriatio und ~Valentini~ sagt (im Museum 1704),

~G. W. Wedel~ ausschreibend, dem wir eine Monographie: +De musco

terrestri clavato+ Jenae 1702 verdanken: «Es heilet auch allerley

Räudigkeit, Verwundungen, Rothlauff, Jucken an heimlichen Örtern,

absonderlich wenn die kleine Kinder allda wund werden». Besonders

durch ~Wedels~ Dissertation scheint man auf die Lycopodiumsporen,

die auch innerlich bei zahlreichen Krankheiten angewendet wurden

(vgl. in ~Neumann~ Chymia medica) aufmerksam geworden zu sein. Die

merkwürdigen Eigenschaften des L. -- ein staubfeines trockenes

Pulver, das fast keine Asche gibt, das zur Hälfte aus Öl, das man

doch nicht extrahieren konnte, besteht und im Lichte rückstandslos

verpufft! -- haben den Chemikern viel zu schaffen gemacht. ~Bergius~

z. B. nennt es eine «vera cera cruda»; ~Lémery~ sagt, es habe viel

sal essentiale, ~Neumann~, daß die partes resinosae mit den partibus

oleosis «surschagiret» sind. Doch erkannten schon ~Lémery~, ~König~

und ~Neumann~, daß wirklich Öl darin enthalten ist.

=Paralleldrogen.= Ähnlich wie die Sporen von _Lyc. clavatum_, die

die meisten Pharmacopoeen ausdrücklich verlangen, können auch die

Sporen anderer Lycopodien, die alle tetraëdrisch sind, aber zum

Teil eine andere Skulptur des Exosporiums zeigen, gebraucht werden

und werden dort, wo die Arten häufiger vorkommen, auch ebenso

benutzt. -- Pharmacop. american. läßt sie auch zu --. So z. B. die

beiden in Norwegen ebenso benutzten _Lycopodium complanatum_ ~L~.

(_L. Chamaecyparissias_ ~A. Br.~). Sporen fast gleich wie bei _L.

clavat._ Breite 28-30 mik. und _Lyc. annotinum_ L., Netzleisten sehr

weitmaschig (Fig. 157, 2), Breite etwa wie bei _L. clav._ Kleine

Sporangienähren haben: _L. Selago_ L. mit getüpfeltem Exosporium

(Fig. 157, 3), Breite 24-33, meist 27-30 mik. _L. inundatum_ L.:

Exosporium mit welligen Leisten. _L. alpinum_ L. und _L. dendroideum_

~Mich.~ (Nordamerika, ~Maisch~). Die Sporen von _L. phyllanthum_

haben Tüpfel, die von _L. densum_ Stacheln. In Deutschland ist

nur _L. clavatum_ häufig, in der Schweiz auch _L. Selago_, in

Skandinavien auch _L. complanatum_ und _annotinum_ (~Schübeler~),

seltener sind in Deutschland _L. annotinum_, _alpinum_, _inundatum_

und _complanatum_.

=Lit.= ~Flückiger~, Pharmakogn. -- ~Maisch~, Jahresb. d. Ph. 1870,

34. -- ~Schübeler~, Pflanzenwelt Norwegens. -- Abgebildet sind bei

~Pritzel~ in ~Engler-Prantl~, Pflanzenfam. I, 4, 587 die Sporen von

Lycopod. phyllanthum, densum und inundatum.

[Illustration: Fig. 157.

1. _Lycopodium clavatum._ 2. _L. annotinum._ 3. _L. Selago._

[Aus Kommetar Svenska Farmak.]]

3. Mycino-Membranindrogen.

Früher nahm man gestützt auf die Tatsache, daß sich die in

Kupferoxydammon unlöslichen (~Frémy~) +Pilzzellmembranen+ (Fungin

~Braconnot~, Metazellulose ~Frémy~) nach Behandeln mit Kali durch

Jodschwefelsäure violett färben, an, daß ihre Substanz aus einer

«inkrustierten» Zellulose bestehe, die ~de Bary~ «Pilzzellulose»

zu nennen vorschlug. Ich habe den Komplex der Inkrusten 1888 als

+Mycin+ bezeichnet (entsprechend dem Lignin und Suberin). Diese

Auffassung ist jetzt verlassen. Nach ~Staedeler~, ~Winterstein~,

~Gilson~, ~Wisselingh~ und ~Wester~ enthalten die Zellmembranen der

verschiedensten Pilze +Chitin+, eine Substanz (von ~Odier~ 1823 so

benannt), die bei den niederen Tieren weit verbreitet ist und z. B. in

den Panzern und Flügeldecken der Insekten und Crustaceen, in der Haut

der Seidenraupe und den Knorpeln der Sepien einen Hauptbestandteil

bildet. Die quantitativen Bestimmungen ~Westers~ zeigen jedoch, daß das

Chitin in den Pilzzellmembranen noch von anderen Substanzen begleitet

sein muß, denn er fand den Chitingehalt z. B. bei _Secale cornutum_ zu

5% und bei Hymenomycetenfruchtträgern zu 5-7%. Zellulose scheint der

Begleiter aber nicht zu sein (~Wester~). ~Tanret~ nennt ihn Fungose

(C₆H₁₀O₅)₆ (?). Die Chitinmengen scheinen übrigens zu schwanken,

denn während ~Gilson~ und ~Escombe~ nur 0-10% Glukosaminchlorhydrat

aus _Secale cornutum_ erhielten, erhielt ~Iwanoff~ 20-40%

davon. Keinesfalls ist die jetzt viel verbreitete Ansicht, daß

Pilzzellmembranen +nur+ aus Chitin bestehen, richtig. Gefunden wurde

Chitin von ~Winterstein~ und ~Gilson~ in _Agaricus campestris_,

_Boletus edulis_, _Polyporus officinalis_ u. and. von ~Gilson~ und

~Tanret~ in _Aspergillus_, _Bovista_, _Cantharellus_ und _Claviceps

purpurea_, von ~Wisselingh~ und ~Wester~ in zahlreichen anderen Pilzen

(und auch einigen Flechten) mit Ausnahme der Myxomyceten und Bakterien.

Neuerdings wurde es aber auch in Bakterien aufgefunden.

Wir dürfen jetzt annehmen, daß das Chitin und auch noch das bei der

Behandlung mit Kali aus ihm neben Essigsäure hervorgehende +Chitosan+

(Mycosine ~Gilson~) hochmolekulare, der Stärke und dem Glykogen,

deren Jodreaktion das Chitosan teilt [es wird durch Jod und verd.

(1%) H₂SO₄ tief violett], analoge +Polysaccharide+ sind, die aber

stickstoffhaltig und am Stickstoffe acetyliert sind (~Ledderhose~,

~Fränkel~ und ~Kelly~, ~Gilson~, ~Sundwick~, ~Schmiedeberg~). Es kommt

also dem Chitin kaum die einfache Formel C₁₈H₃₀N₂O₁₂, vielleicht eher

die höhere Formel C₆₀H₁₀₀N₈O₃₈ (~Sundwick~) zu, und auch das Chitosan

muß komplizierter als C₁₄H₂₈N₂O₁₀ zusammengesetzt sein. Jedenfalls

entstehen beim Behandeln der Pilzzellmembranen mit Salzsäure zunächst

mehr oder weniger große Mengen des von d-Glukose:

OH H OH OH

COH--C--C--C--C--CH₂OH

H OH H H

abzuleitenden d-Glukosamins:

(NH₂) H OH OH

COH--C--C--C--C--CH₂OH

H OH H H

und schließlich ein +Chitose+ genannter Zucker, den ~E. Fischer~ als

hydriertes Furanderivat auffaßt, und:

O

----/ \----

/ \

COH--CH--CHOH--CHOH--CH--CH₂OH

schreibt. Das synthetisch aus d-Arabinose dargestellte d-Glukosamin

ist, wie neuere Untersuchungen zeigten, identisch mit dem aus Chitin

erhaltenen (~E. Fischer~ und ~Leuchs~). ~Offer~ betrachtet das Chitin

als ein polymeres +Monoacetyldiglukosamin+.

~van Wisselingh~ schreibt mir (1911): «Im Widerstreit mit früheren

Ansichten kommt bei den Pilzmembranen im allgemeinen keine

Cellulose vor. Nur in einigen Fällen findet sich diese Wandsubstanz

bei den Pilzen, nämlich bei den Myxomyceten, Peronosporeen und

Saprolegnieen. Das Vorkommen von +Chitin+ bei den Pilzmembranen ist

dagegen eine sehr allgemeine Erscheinung. Wenn man die Bakterien,

die Saccharomyceten und die drei obengenannten Familien nicht

berücksichtigt, so findet man bei den Pilzen fast ohne Ausnahme

Chitin in den Zellwänden. Auch bei _Plasmodiophora Brassicae_

(Myxomyceten) kommt diese Wandsubstanz vor. In keinem einzigen

Falle sind Chitin und Cellulose nebeneinander in den Pilzmembranen

nachgewiesen. Dagegen fehlen in einigen Fällen beide Stoffe in der

Zellwand, nämlich bei Bakterien, _Saccharomyces Cerevisiae_, _Fuligo

septica_ und _Cetraria islandica_. Neben Chitin und Cellulose kommen

noch mehrere Stoffe in den Pilzmembranen vor. Wahrscheinlich gehören

dieselben zu den Kohlehydraten; im allgemeinen sind sie aber noch

wenig bekannt, auch fehlen noch charakteristische Reaktionen für ihre

Nachweisung.»

Fettsäuren sind bis jetzt aus den Pilzzellmembranen, die übrigens (s.

Mikrochemie) eine sehr verschiedene Zusammensetzung zeigen, nicht

isoliert worden, so daß sie also von den Korkmembranen stark abweichen.

Nach ~Winterstein~ enthalten die Membranen einiger Pilze auch +Eiweiß+;

nach ihm sind vielleicht in ihnen +mucinähnliche Stoffe in Verbindung

mit Kohlehydraten+ enthalten. ~Winterstein~ isolierte aus _Boletus

edulis_ und _Polyporus betulinus_ +Paradextran+ (liefert bei der

Hydrolyse Traubenzucker). Auch ~Iwanoff~ nimmt bei Hutpilzen neben

Chitin stickstofffreie Zellmembranstoffe in der Membran an. Alles in

allem betrachtet scheint in der sog. Pilzzellulose ein +Mittelglied

zwischen den Kohlehydraten und Eiweißstoffen+ vorzuliegen, in dem

besonders polymere Amidoglukosen eine Rolle spielen.

Über den +mikrohistochemischen Nachweis+ des Chitins teilt mir

~van Wisselingh~ (1911) Folgendes mit. «Chitin kann mit großer

Schärfe mikrochemisch nachgewiesen werden. Die zu prüfenden Objekte

werden im Ölbade in zugeschmolzenen Röhrchen auf 160 oder 180° mit

konzentrierter Kalilauge erhitzt. Hierdurch wird das Chitin in

Chitosan umgesetzt. Nach Abkühlung werden die Objekte mit absolutem

oder mit 95proz. Alkohol sorgfältig ausgewaschen und in destilliertes

Wasser gebracht, worauf hintereinander Jodjodkalilösung und sehr

verdünnte Schwefelsäure (0,5% J und 1% H₂SO₄) hinzugefügt werden.

Chitinhaltige Zellmembranen und chitinhaltige Teile von Zellmembranen

sind dann schön rotviolett gefärbt. Nach der Erhitzung mit Kalilauge

färben chitinhaltige Membranen sich mit Chlorzinkjod blau. Diese

Reaktion ist jedoch weniger scharf als die mit Jod und Schwefelsäure.

Das Auswaschen mit Alkohol dient dazu, um einem Zerfließen der

Präparate vorzubeugen, welches stattfindet, wenn man sie von der

Kalilauge unmittelbar ins Wasser überträgt. Chitosan ist löslich in

verdünnter Salzsäure (2½proz.) und in sehr verdünnter Essigsäure.

Mit konzentrierter Kalilauge erhitzte Membranen lösen sich

unmittelbar in diesen verdünnten Säuren, falls sie ausschließlich aus

Chitosan bestehen. Chitin leistet einer Erhitzung in Glycerin auf

300° Widerstand, während viele andere Wandsubstanzen und Bestandteile

des Zellinhalts zersetzt und entfernt werden. Diesem Prozeß kann

man die Umsetzung des Chitins in Chitosan vorhergehen lassen, falls

es nötig ist zur Verschärfung der Reaktion andere Substanzen zu

entfernen.»

=Lit.= ~Ledderhose~, Ber. chem. Ges. 9 (1876), 1200, Zeitschr. phys.

Chem. 2 u. 4. -- ~Städeler~, Lieb. Ann. 111, 21. -- ~Winterstein~,

Zur Kenntn. d. in d. Membr. d. Pilze enth. Bestandt., Zeitschr. f.

phys. Chem. 19, 521 u. 21, 134. Ber. d. chem. Ges. 26, 3098, 27,

3113; 28, 167 u. 1374. Ber. d. Bot. Ges. 11, 441 und 13, 65. --

~Gilson~, Ber. d. chem. Ges. 28, 821. Rech. chim. sur la membr.

cellul. d. champignons, La Cellule 1894 und Bull. soc. chim. 1894.

Compt. rend. 1895. -- ~Sundwick~, Zeitschr. f. phys. Chem. (1881),

5, 385. -- ~Schmiedeberg~, Arch. exper. Path. 28, 355. -- ~Fränkel~

und ~Kelly~, Sitzungsb. d. Wien. Akad. 1901. -- ~Offer~, Bioch.

Zeitschr. 1907. -- ~Tanret~, Bull. soc. chim. III, 17, 921. -- ~von

Wisselingh~, Mikrochem. Unters. über d. Zellwände d. Fungi. Zeitschr.

f. wiss. Botan. 31, 619. (Dort auch die mikrochem. Reaktion auf

Chitin.) -- ~Wester~, Studien über d. Chitin. Dissert. Bern 1909

(dort weitere Literatur) und Verbreit. u. Lokalisat. d. Chitins im

Tierreiche. Zoolog. Jahrb. 1910. -- ~E. Fischer~ u. ~Tiemann~, Ber.

d. chem. Ges. 27 (1894), 138. -- ~E. Fischer~, Ebenda 35 (1902),

3789, 36 (1903), 24 und 2587. -- Weitere Lit. in ~Czapek~, Biochemie,

~Röhmann~, Biochemie und in ~Zellner~, Chemie d. höh. Pilze.

Fungus igniarius.

Agaricus quercinus praep., Fungus quercus, Fungus s. boletus

chirurgorum, Feuerschwamm (daher igniarius von ignis = Feuer),

Wundschwamm, Blutschwamm, Zunder (daher fomentarius von fomentum

= Zunder) -- agaric de chêne, amadou (franz.) -- surgeons agaric,

touchwood, german tinder (engl.) -- vuurzwam (holl.) -- esca (ital.)

-- tapló (ung.).

Die Stammpflanze muß zu Fomes ~Fries~ und nicht zu Polyporus gezogen

werden, da der Fruchtkörper von Anfang an holzig, derb und dauerhaft

und konzentrisch gefurcht ist.

[Illustration: Fig. 158.

_Fomes fomentarius._

A Hut von oben gesehen. B Hut median-längsdurchschnitten. C

Röhrenhymenium von unten gesehen. [Nach +Luerssen+.]]

=Fomes fomentarius= (L.) ~Fries~, Syst. mycol. I, 374 (Polyporus

fomentarius ~Fries~, Boletus fomentarius L., Agaricus fomentarius

~Lam.~) ist ein zu den Hymenomycetinae, Polyporaceae -- Polyporeae,

Sectio Fomentarii, gehöriger, in Europa, Sibirien (bis über den

Polarkreis), Nordamerika und auf Malakka vorkommender Pilz, der, ein

echter Parasit, auf Laubbäumen, vorwiegend auf Buchen (und Birken)

vorkommt.

Die Infektion des Baumes erfolgt stets durch Wunden. Das Mycelium

verbreitet sich vorwiegend zwischen Rinde und Holz und erzeugt

schließlich, von der Mitte des Stammes nach oben fortschreitend,

den mehrere Jahre andauernden +Hymenialkörper+ (den +Hut+). Dieser

ist hufförmig-polsterartig, an der Peripherie halbkreisförmig oder

halbelliptisch, sitzt mit sehr breiter Fläche ungestielt dem Stamme an

und wird an der Anheftungsstelle bis 50 cm hoch, 30 cm breit und 25 cm

tief. Auf der Rückenfläche (Oberseite) ist er entfernt konzentrisch

gefurcht, kahl, nackt, anfangs rußfarbig oder bräunlich-grau, dann

perl-grau mit welligen, ungleich dicken, parallelen Zonen; auf

der Bauchseite ist er flach oder schwach vertieft; bräunlichgrau,

später rostbraun. Innen weich, flockig, rostfarbig-gelbbraun mit c.

3 mm dicker, sehr harter, zäher, dauerhafter, aus Paraplectenchym

(Pseudoparenchym) bestehender Rinde. Die Hymenialschicht liegt auf

der Unterseite. Sie läßt sich leicht abtrennen. «Unter der Rinde

liegt eine etwas umfangreichere, weichere rostbraune Schicht, auf

welche eine dicke atlasglänzende, zartflockige und sammetweiche,

hellzimtfarbene Schicht, welche parallel zur Hymenialschicht gezont

ist» (~Berg-Schmidt~) folgt. Diese geht allmählich in die unterste,

dunklere, dichtere, grobflockige Basalschicht des Hutes über. Diese

drei Schichten bilden das Plectenchym. +Nur die mittlere liefert den

Feuerschwamm.+ Die Hymenialschicht (Schlauchschicht), die nun nach

unten hin folgt und meist umfangreicher ist als der obere Hutkörper,

besteht aus dichtem Plectenchym und ist von zahlreichen, vertikal

verlaufenden, 0,5 mm weiten Röhren (Röhrenhymenium) durchzogen (daher

_Polyporus_ von πολύς und πῶρος), in welche die Basidien hineinragen,

von denen je vier ellipsoidische Basidiosporen abgeschnürt werden. Die

Hymenialschicht zeigt den Jahreszuwachsen entsprechende Zonen.

In den Fruchtkörpern dieses und anderer Baumpilze leben die Larven

vieler Käferarten, z. B. [Cistelae, Melandryidae, Mordellidae]

_Mycetochares bipustulata_ ~Ill.~, _Eustrophus_ (Mycetophagus)

_dermestoides_ ~Fabr.~, _Orchesia micans._ ~Payk.~, _Hallomenus

binotatus_ ~Quens.~ u. a. (~Israël~).

Der auf verschiedenen Laubhölzern, besonders Weiden, wachsende,

in Europa, Sibirien, Nord- und Südamerika, Afrika und Australien

vorkommende Weidenschwamm, _Fomes igniarius_ (L.) ~Fries~ (_Polyporus

igniarius_ ~Fr.~, _Boletus igniarius_ L.) besitzt einen meist

kleineren, flacheren, reichlicher gezonten, am Rande gewulsteten

Hut (Abbild. bei ~Hennings~), der im Alter rissig wird und dessen

rostbraune holzige Schwammschicht viel härter ist als die des _F.

fomentarius_, daher einen schlechteren Feuerschwamm liefert, übrigens

meines Wissens jetzt nirgends mehr darauf verarbeitet wird. Das

gleiche gilt von den Fruchtträgern von _Fomes marginatus_ (_Polyporus

marginatus_ ~Fr.~). Dagegen soll _F. applanatus_ verwendbar sein

(~Flückiger~). Der Fruchtkörper von _Fomes igniarius_ ist anfangs

kugelig-knollig, später huf- oder polsterförmig, 6-20 cm lang, bis

10 cm dick, erst mit flockigem, gelbbraunem Filze, später kahl mit

harter, grauer oder schwärzlicher Rinde, mit konzentrischen Furchen

und stumpfem Rande (~Hennings~). Weitere Polyporeen bei ~Sydow~ in

Realenzyklopäd. d. Pharm., bei ~Luerssen~ und ~Hennings~.

Feuerschwamm wird besonders in den Karpathen in +Siebenbürgen+

(im Szekler Lande und im Comitat Haromszék im Südosten), dann im

Gouvernement Archangelsk, aber auch in +Böhmen+, +Ungarn+ (Temesvar),

Galizien, Kroatien, Thüringen (früher c. 1000 cwts jährlich,

~Flückiger~), im Harz und +Schwarzwald+ (Todtnau im Wiesenthal), bei

+Ulm+ und +Fredeburg+ (Westfalen), sowie in Schweden gesammelt und

verarbeitet. Die mittlere lockere Schicht «Zunderschicht» des im August

und September gesammelten Fruchtkörpers (s. oben) wird mit einem

Messer herausgeschnitten, in Wasser oder schwache Aschenlauge oder

verd. Natron- oder Kalilauge eingeweicht, durch Waschen gereinigt,

getrocknet und durch Klopfen der auf Steine aufgelegten Stücke mit

hölzernen Hämmern in eine weiche Platte verwandelt, die dann meist

noch gewalzt wird. Diese «Felle» erreichen (aber jedenfalls nur in

seltenen Fällen) eine Länge von 110 cm, eine Breite von 50 cm und eine

Dicke von 1,5 cm (~Flückiger~). Man fertigt aus Feuerschwamm auch

Kleidungsstücke, Mützen, Westen.

Der Wundschwamm des Handels besteht aus sehr langen, 2,5-5,5

mik dicken, geraden oder wellig gebogenen, locker durcheinander

geschlungenen Hyphen mit sehr dünner, bräunlicher Membran, zwischen

denen keinerlei Substanzen sich abgelagert finden und die auch nahezu

inhaltsleer sind.

~Schlossberger~ und ~Döpping~ geben dem Zellstoff des Feuerschwamms

die Zusammensetzung 45,37% C, 6,82% H. Der Fruchtträger enthält

+Methylpentosane+ (~Wichers~ und ~Tollens~), ein +Fett+, das

eine hohe Säurezahl besitzt (~Zellner~). Ferner wurde gefunden:

eisenbläuender +Gerbstoff+ 0,6% und in einem jungen Fruchtträger ein

glykosid-(salicin-)spaltendes +Ferment+ (~Bourquelot~). Die Asche

beträgt 1,09% (~Flückiger~).

_Polyporus igniarius_ enthält Oxalsäure (~Bouillon Lagrange~),

+Apfelsäure+ (derselbe, ~Braconnots~ acide fongique, Schwammsäure),

eisenbläuenden Gerbstoff. Die Polyporsäure scheint ein pathologisches

Produkt zu sein, sie findet sich jedenfalls nicht regelmäßig

(~Stahlschmidt~). ~Zellner~ fand in _Polyporus igniarius_ Ergosterin,

Harz, Fettsäuren, Fumarsäure (?), Mannit, Glukose, Phlobaphene,

gummiartige Kohlehydrate und sehr wenig Eiweißkörper, von Fermenten

ein fettspaltendes, ein diastatisches, ein glykosidspaltendes und ein

Cellulose lösendes. Die Membranen geben, mit HCl destilliert, Furol,

enthalten also wohl Pentosane. Bei Destillation mit Alkalien liefert

der Pilz Amanitol und Aminbasen (sehr wenig). Asche 7,85-8,67. (Darin

23,82% K₂O, 23,93% CaO, 19,91% SO₃ 6,67% MgO, 2,29% SiO₂, 2,85% Fe₂O₃

+ Al₂O₃, 1,78% P₂O₅, 0,87% Na₂O, 0,42% S als Sulfid.) CaSO₄ war

reichlich vorhanden, die Tonerde in wasserlöslicher Form.

Als +Blutstillungsmittel+ wird Feuerschwamm jetzt vielfach durch

Eisenchloridwatte ersetzt. Die Wirkung beruht wohl auf einer kapillaren

Aufsaugung des Blutserums und dadurch bedingter rascher Gerinnung des

Blutes infolge Verklebung der Blutkörperchen. Die Hyphen bilden sehr

feine Röhren. Als Blutstillungsmittel wurde früher auch der ebenfalls

_Fungus chirurgorum_ genannte saprophyte Bovist (_Lycoperdon caelatum_

~Bull.~) benutzt.

Zur Darstellung des Zunder, der seit Einführung der Zündhölzer nur

noch in Gebirgsdörfern da und dort benutzt wird, wird der Schwamm mit

Salpeter getränkt. Ein solcher Schwamm ist als Blutstillungsmittel

unverwendbar. Daher muß der Schwamm stets auf Salpeter geprüft werden.

Guter Wundschwamm muß weich und dehnbar sein, angezündet ohne Knistern

und ohne Funkensprühen verglimmen und leicht und reichlich Wasser

aufnehmen. Das ausgedrückte Wasser muß rückstandslos verdunsten und

darf keine Salpeterreaktion (mit Diphenylamin) geben. Feuerschwamm hält

auch nach dem Ausdrücken leicht das doppelte Gewicht Wasser zurück.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 73 / 120 段