Die Gattung Lycopodium umfaßt etwa 100 Arten, die über die ganze Erde

verteilt sind.

=Beschreibung der Stammpflanze.= Auf einem kleinen, sehr

vielgestaltigen, mit Wurzelhaaren besetzten thalloidischen Vorkeim

(Prothallium), der die Antheridien und Archegonien trägt, also die

geschlechtliche Generation darstellt, und der sich sehr langsam, erst

in 7-12 Jahren, und ziemlich tief im Boden heranbildet, entsteht

nach Befruchtung der Eizelle des Archegoniums aus dieser die junge

Pflanze, die ungeschlechtliche Generation. Der auf der Erde oft

zwischen Moos kriechende, mit dichotom verzweigten fädigen Wurzeln

im Boden befestigte Stengel kann 1 m lang werden. Er verzweigt sich

ziemlich reich. Ein Teil der aufstrebenden oder aufrechten, 5-15 cm

langen Äste ist bis zur Spitze dicht mit spiralig gestellten, 3-4 mm

langen, lanzettlichen, in eine hyaline Spitze auslaufenden Blättern

besetzt. Ein anderer Teil läuft in die meist lang (8-18 cm) gestielten,

ährenartigen, gelblichen, walzenrunden, 3-6 cm langen, 3-4 mm breiten

Sporangienstände («Blüten») aus, die zu 1-4 (meist 1-2, in warmen

Ländern auch mehr wie 4) an der Spitze des mit wenigen Blättchen

besetzten Stieles angeordnet sind.

Die +Sporophylle+ (Fruchtblätter, Deckblätter, Tragblätter, Bracteen)

sind 3 mm lang, ebenso breit, eiförmig, am Grunde fast herzförmig, am

Rande durch Vortreten einiger Randzellen fein gezähnt und laufen oben

in eine lange farblose Borste aus, so daß der Sporangienstand behaart

erscheint. Die +Sporangien+ sind ¼ schmäler als die Sporophylle und

sitzen auf der Blattoberseite.

Die Anlage der +Sporangien+ erfolgt bereits, wenn das Sporophyll

sich noch in meristematischem Zustande befindet. Eine an der

inneren Seite der Blattbasis gelegene Zellgruppe streckt sich

senkrecht zur Blattfläche. In dieser Protuberanz wird nach Innen zu

durch perikline Teilung der Oberflächenzellen das +Archesporium+

abgeschieden. Es sind meist drei nebeneinanderliegende Reihen (c. 20

Zellen), welche das Archespor bilden (~Bower~). Während aus diesen,

und zwar besonders aus den mittleren und inneren, durch lebhafte

Zellteilungen das Gewebe der Sporenmutterzellen hervorgeht, dehnt

sich die äußere Hüllzelllage durch antikline Zellteilungen aus, das

Sporangium wölbt sich vor und wird durch Wachstum des Basalgewebes

emporgehoben. Das letztere treibt Vorsprünge in die sporogenen

Massen, die die Ernährung erleichtern. Die äußere Hüllzelllage wird

dann durch perikline Zellteilung mehrschichtig. Die innerste Schicht

teilt sich dann nochmals und scheidet nach innen die plasmatischen

Tapetenzellen ab. Schließlich ist das ganze sporogene Gewebe mit

Ausnahme des Scheitels des Sporangiums von der Tapetenschicht

umgeben. (~Sadebeck~ in ~Pritzel~, Lycopodiaceae, Fig. 370,

~Engler-Prantl~, Pflanzenfam.) Die Entwicklung der Sporen aus den

Sporenmutterzellen stimmt hier, wie bei allen Pteridophyten, mit der

der Mikrosporen (Pollen) der höheren Pflanzen überein: Es entstehen

aus dem Kern der Sporenmutterzellen zwei Tochterkerne und durch

Teilung dieser vier Enkelkerne, die sich mit einer Membran umgeben

und zu Sporenzellen werden. Nach der hierauf erfolgenden Lostrennung

von den Schwesterzellen findet die Ausbildung der Sporenhülle und

damit zugleich auch diejenige der Sporen statt (~Sadebeck~).

[Illustration: Fig. 155.

_Lycopodium clavatum._

_A_ Ast in natürl. Größe, _a_ Blatt vergrößert, _b_ Sporophyll mit

geöffneten Sporangien, _c_-_e_ Sporen in 900fach. Vergr. [nach

+Luerssen+]. _B_ Prothallium mit jungem Pflänzchen von _Lyc. annotinum_

[nach +Fankhauser+].]

Das +Sporangium+ ist ein tangential gestreckter, nierenförmiger,

einfächeriger Sack, der mit einem dicken, bündelfreien Stielchen der

Basis des Sporophylls ansitzt. Die Wand des Sporangiums ist oben

zweischichtig, unten bis fünfschichtig. Die Zellen der äußeren Schicht

sind mit Verdickungen an den inneren und seitlichen Wänden versehen.

Das Sporangium ist ganz mit gleichartigen gelblichen Sporen erfüllt und

springt im Juli oder August durch einen tangential über den Scheitel

laufenden Spalt in zwei muschelförmige Klappen auf. Die Verstreuung

der Sporen erfolgt durch den Wind. Die Sporen sind mit einem Netzwerk

kleiner Leisten bedeckt, über welches ein Häutchen ausgespannt ist, das

nicht benetzbar ist. «Durch diese Vorrichtung wird die Spore befähigt,

durch die Hohlräume des Bodens tief in die Erde zu gleiten; bei dieser

Wanderung wird aber die Membran allmählich abgerieben und die unter

ihr befindlichen Kammern, welche benetzbar sind, werden frei gelegt.

Ist dieses Ziel erreicht, so haftet die Spore an den Bodenteilchen

und findet so eine bleibende Stätte, an welcher die Keimung erfolgt»

(~Schumann~). Aus der Spore geht das Prothallium (s. oben) hervor.

=Vorkommen.= Die Pflanze findet sich in Mittel- und Nordeuropa,

Sibirien, Japan, Nord- und Südamerika, Südafrika, auf den Marianen

und Sandwichinseln und in Australien, ist also über die ganze Erde

verbreitet. Sie findet sich in Europa mit Ausnahme der Steppengebiete

auf Haiden, in lichten Wäldern, an trockenen Stellen der Moore, auf

Bergabhängen, buschigen Wiesen und besonders in Nadelwäldern an etwas

frischeren Stellen (in der Schweiz in moorigen Wäldern besonders auf

kieshaltigem Boden), in den wärmeren Gegenden besonders im Gebirge, in

den Tropen nur dort, in Europa bis 2000 m.

Übersicht über die deutschen _Lycopodium_-Arten in ~Luerssen~, Med.

pharm. Botanik.

=Lit.= ~Pritzel~, Lycopodiaceae in ~Engler-Prantl~, Pflanzenfam.

(dort weitere Lit.). -- ~Sadebeck~, Gefäßkryptogam. in Schenks

Handb. d. Botan. 1879. -- ~Luerssen~, Mediz. pharm. Bot. I. --

~David et Weber~, Et s. l. Lycopod. en gen. et en part. sur le

Lycop. clav. Soc. synd. d. pharm. d. l. côte d’Or Bull. 15 (1896).

Jahresb. d. Pharm. 1897, 140. -- Der Vorkeim der Lycopodien wurde

von ~Fankhauser~ in Bern entdeckt (Bot. Zeit. 1873). Vgl. darüber

ferner ~Bruchmann~, Über d. Prothallien u. d. Keimpflanz. mehrerer

europäisch. Lycopodien u. zwar über die von Lycopodium clavatum,

L. annotinum, L. complanatum und L. Selago. Mit 7 Taf. Gotha

1898. -- +Abbild.+ in ~Berg-Schmidt~, Atlas II. Aufl. t. 157. --

~Pabst-Köhler~, Medizinalpfl. t. 49. -- ~Nees von Esenbeck~, t. 13.

-- ~Bentley-Trimen~, Med. pl. t. 299 und vielfach anderwärts.

=Pathologie.= An den Sporangienähren von _Lycopodium clavatum_

kommen mehrere Ascomyceten vor: _Helotium Sommierianum_ ~P. Magn.~,

_Mollisia Lycopodii_ ~Le Bret.~ et ~Malbr.~, _Sphaerella Lycopodii_

~Peck~. -- In den Sporophyllen von _Lycopodium annotinum_ treten die

Perithecien von _Leptosphaeria Crepini_ (~Westd.~) ~de Not.~ auf; die

befallene Ähre wird durch den Pilz sehr auffällig geschwärzt; in den

Sporangien sind die Sporen zwar noch zu finden, aber sie erscheinen

abgestorben und zwischen ihnen ziehen sich die Mycelhyphen des Pilzes

hin. (~Ed. Fischer~.)

=Einsammlung und Handel.= Lycopodium wird besonders in vielen Teilen

+Rußlands+ (besonders im Gouvern. Wladimir) gesammelt (I, S. 101),

dann in beschränktem Maße in der +Schweiz+ [Kanton Bern, Emmenthal,

Entlebuch, I, S. 98, Zug, Schwyz (~Schürmann~)], in +Deutschland+

(besonders in den Gebirgen), in +Österreich+ und +Schweden+. Rußland

exportierte 1910: 8000 Pud. (~Ferrein~). 1910 sank ein russischer

Dampfer, der einen großen Teil der Lycopodiumernte an Bord hatte und

die Preise stiegen daher. Frankreich bezog 1897 c. 8000 kg Lycopodium

via Deutschland. Bisweilen (z. B. 1910) litten die Pflanzen unter

Frühjahrsfrösten oder zu starker Sommerhitze, dann war die Ernte

gering, die Preise stiegen auf das Doppelte und die Fälschungen

(s. unten) wurden wieder häufiger (1909). Auch die russische

Revolution brachte Preisschwankungen. Die Sporangienstände werden im

August und September gesammelt, auf Tellern oder Schüsseln an der

Sonne getrocknet, ausgeklopft und dann durch ein Haarsieb von den

Beimengungen (Sporophylle, Stengel usw.) befreit. In Rußland wird das

Lycopodium zunächst in Säcke aus fester, ziemlich feiner Leinwand

getan, diese werden umgeben von groben Hanfsäcken, und diese stecken

in Bastmatten aus Schilf geflochten mit Tauen umschnürt. So ist

ein Verstäuben ausgeschlossen. Diese «Bauernware» enthält c. 10%

Verunreinigungen, Bruchstücke von Stengeln und Blättern (~Weigel~

1905). Sie wird von den Drogenhäusern durch mehrmaliges Sieben

gereinigt. Für pharmazeutische Zwecke ist nur prima doppelt oder

dreifach gesiebtes sog. «leichtflüssiges» Lycopodium zu benutzen. Dies

Lycopodium ist in Säcken à 50 kg und Kisten à 10 Pack. à 10 kg im

Handel (~Grossmann~).

=Lit.= ~Gehe~, Handelsberichte. -- ~Caesar~ und ~Loretz~, Handelsb.

-- ~Weigel~, Pharm. Centralh. 1905. -- ~Schürmann~, Schweiz.

Wochenschr. 1908.

=Beschreibung der Droge.= Lycopodium bildet ein feines, blaßgelbes,

sehr bewegliches, geruch- und geschmackloses, nicht hygroskopisches

Pulver, das in die Flamme geblasen verpufft (auch Farnsporen und

_Kamala_ verpuffen ähnlich), langsam erhitzt aber ruhig abbrennt. Es

muß beim Ausgießen leicht «strömen» und darf nicht feucht sein. Da die

Sporen ein mit Wasser nicht benetzbares Häutchen besitzen, (s. oben),

so schwimmen sie auf dem Wasser, trotzdem ihr spez. Gewicht höher ist.

Sie sinken aber darin unter, sobald man sie mit Wasser kocht oder mit

Alkohol benetzbar macht.

=Anatomie.= Die Lycopodiumsporen sind tetraëdrisch mit gewölbter

Basis und drei flachen oder -- seltener -- etwas eingesunkenen

Pyramidenflächen (Fig. 155 u. 156). Das Exosporium zeigt ein

Leistenwerk von fünf- bis sechsseitigen Maschen, das besonders schön

hervortritt, wenn man Schwefelsäure zum Präparat hinzufließen läßt.

An den Ecken der Leistenmaschen finden sich kleine Knötchen. Am

Rande der Spore erscheinen die Leisten als kleine Stacheln, deren

Spitzen durch ein sehr zartes, in der Mitte eingesunkenes Häutchen

(s. oben) verbunden sind. In der Nähe der Kanten der Pyramidenflächen

verschwinden die Leisten meist ganz oder werden unregelmäßig. Die Größe

der Sporen beträgt 25-40, meist 30-35 mik. Durch Kali werden die Sporen

gelb, wäscht man dann aus und läßt Jodschwefelsäure zufließen, so

färbt sich das Exosporium braun, das diesem innen als zartes Häutchen

anliegende Endosporium blau. Zerdrückt man das in Schwefelsäure

liegende Präparat, so tritt aus jeder Spore ein Öltropfen hervor.

=Lit.= +Abbild.+ in fast allen Lehrbüchern der Pharmakogn., z. B. in

~Koch~, Atlas IV, ~Vogl~, Atlas t. 58, ~Moeller~, Lehrbuch und Atlas,

~Karsten-Oltmans~, Lehrbuch, ~Berg~ Atlas, ~Luerssen~, Med. pharm.

bot. etc. etc.

=Chemie.= Die Sporen enthalten c. 45% +Pollenin+ und 47,4

(~Flückiger~), 48,5 (~Bukowsky~) bis 49,34% (~Langer~) +fettes

Öl+. Dieser Prozentsatz ist nur bei Chloroformextraktion der unter

Alkoholzusatz mit Sand zerriebenen Sporen zu erhalten, Äther liefert

auch nach 10 Tagen nur 40,9%. Unzerkleinerte Sporen geben an Chloroform

nur 2-4% ab (daraus erklärt sich die frühere Angabe von ~Bucholz~: Öl

6%). Das sauer reagierende Öl von der Konsistenz des Olivenöls setzt

sich (nach ~Langer~) aus 80-86,67% einer flüssigen Ölsäure, wechselnden

Mengen Glycerin und eines Gemisches fester Fettsäuren zusammen. Die

flüssige +Lycopodiumölsäure+ (C₁₆H₃₀O₂) betrachtet ~Langer~ als

α-+Dekyl+-β-+Isopropylakrylsäure+. Zu etwas abweichenden Resultaten

kam ~Bukowsky~. Er fand im Öl frischer Sporen neben 0,3% +Phytosterin+

(C₂₅H₄₂O. F. = 132-133°, ~Cadets~ Wachs?), 80% +Ölsäure+ (C₁₈H₃₄O₂),

3% +Arachin-+, +Stearin-+ und +Palmitinsäure+ und 2% +Lycopodiumsäure+

(C₁₈H₃₆O₄, isomer mit der Dioxystearinsäure), sowie 8,2% +Glycerin+.

Das von ihm untersuchte Öl war neutral, erstarrte noch bei -22°

nicht und ähnelte dem Mandelöl. Die Lycopodiumölsäure ~Langers~

und Myristicinsäure konnte er nicht finden. Er vermutet, daß sie

Umsetzungsprodukte sind und ~Langer~, dessen Öl sauer reagierte, alte

Sporen untersuchte. Es bleibt zu untersuchen, ob ~Langers~ mit Ölsäure

homologe +Lycopodiumölsäure+: C₁₆H₃₀O₂, die er

CH₃\

CH.CH=C(CH₃(CH₂)₉)COOH

CH₃/

schreibt, aus +Ölsäure+, C₁₈H₃₄O₂, die bald CH₃.(CH₂)₁₃C = CH.CH₂COOH

(~Saytzeff~), bald CH₃(CH₂)₇.CH = CH.(CH₂)₇COOH (~Baruch~) geschrieben

wird, hervorgehen kann, was mir bei obiger Formel sehr unwahrscheinlich

erscheint. Identisch ist sie damit nicht, denn ~Langer~ erhielt aus

seiner Ölsäure bei der Oxydation Dioxypalmitinsäure, ~Bukowsky~

aus der seinigen Dioxystearinsäure. Eine neue Untersuchung des Öls

von ~Rathje~ ergab (wesentlich in Bestätigung von ~Langer~): 81%

+Lycopodiumölsäure+, 3,2% +Lycopodiumsäure+ (Dioxystearinsäure), 1,13%

+Stearinsäure+, 0,85% +Palmitinsäure+, 2% +Myristicinsäure+, im Mittel

7,8% +Glycerin+, 0,43% Unverseifbares, 0,03% anorganische Substanz. Das

Fett ist bei den Sporen +Reservestoff+.

Die Sporen enthalten auch c. 3% +Zucker+ (~Bucholz~, ~Rebling~),

darin 2,1% Saccharose (~Langer~). +Stärke+ fehlt (entgegen der

Angabe von ~Riegel~, ~Fritsche~ und ~Winkler~). Kocht man Lycopodium

mit Wasser und dampft die Flüssigkeit ein, so erhält man einen

gallertigen Rückstand, der sich mit Jod grünlich färbt (~Winkler~).

Der +Stickstoff+gehalt beträgt 1,48% (~Alcock~, 1,021-1,075%

~Butler~, 0,857% ~Langer~). Die trockene Destillation liefert eine

«ammoniakalische» Flüssigkeit. Beim Kochen mit Kali entsteht Methylamin

(~Langer~). Dies dürfte das +flüchtige Alkaloid+ gewesen sein, das

~Flückiger~ bei Destillation eines Auszuges von 8 kg Lycopodium mit

Ätznatron in sehr geringer Menge erhielt. [In _Lyc. complanatum_ fand

~Bödeker~ das alkaloidische Lycopodin (C₃₂H₅₂N₂O₃), in _Lyc. Saururus_

~Adrian~ und ~Bardet~ +Piliganin+ (C₁₅H₂₄N₂O), ein amorphes Alkaloid.]

Lycopodium oxydiert, da es Sauerstoff zu aktivieren vermag, mit

Alkohol maceriert, diesen zu Acetaldehyd (~Langer~). Schmelzendes Kali

bildet einen Körper mit fäkalem Geruch und eine mit Protokatechusäure

verwandte Substanz. ~Riegel~ gibt auch Zitronensäure, Apfelsäure, Leim,

Harz und Gummi an (?). Lufttrockenes Lycopodium verliert bei 100° nur

4% +Feuchtigkeit+ (~Flückiger~). Sein +spez. Gewicht+ beträgt 1,062

(~Flückiger~).

Schon ~Neumann~ gibt in seiner Chymia medica (1752) an, daß Lycopodium

verbrannt «nur ein leichtes Gewebe, so überaus wenig wäget» zurückläßt.

Der +Aschengehalt+ ganz reiner Sporen beträgt denn auch nur 1,15-1,16%

(~Langer~) oder höchstens 1,5% (~Evell~), die Handelsware enthält aber

meist mehr. D. A. V und Pharm. helv. IV limitieren die obere Grenze

zu 3%, ebenso ~Hauke~, der 1,11-4,8% (meist 1-3% wie ~Caesar~ und

~Loretz~) in der Handelsware fand. ~Caesar~ und ~Loretz~ empfehlen

(1910) zur Aschenbestimmung das Lycopodium mit Sand gemischt zu

glühen und vor Schluß 5-10 Tropfen rauchende HNO₃ und dann Oxalsäure

zuzufügen. Die rein weiße +Asche+ der Sporen enthält Tonerde (~Cadet~)

und zwar 15,30% Al₂O₃ (~Langer~; ~Bucholz~ gibt 8,5% an, nach

~Flückiger~ soll sie tonerdefrei sein).

Die Lycopodien gehören zu den «Aluminiumpflanzen» (~Cadet~, ~John~,

~Ritthausen~). Das Kraut von _Lycopodium clavatum_ enthält in der

Asche nach ~Solms~ (1856) 27%, nach ~Alderholdt~ (1852) 26,65%, nach

~Church~ (1888) aber nur 15,24%, _L. complanatum_ nach ~Alderholdt~

51,85 bez. 57,36%, _L. complanatum_ var. _Chamaecyparissus_ nach

~Solms~ 54%, _L. alpinum_ nach ~Church~ 33,5, _L. Selago_ 7,29%,

_L. cernuum_ 16,09%, Al₂O₃. Aluminium ist sonst bei Pflanzen nicht

gerade häufig, doch findet es sich in der Asche vieler Flechten

(_Variolaria_, _Cetraria islandica_, S. 270) und Moose und in Spuren

in vielen anderen Gewächsen (vgl. ~Wolff~, Aschenanalys. Besonders

aluminiumreich sind die Blätter von _Symplocos lanceolata_ (c. 50%)

und das Holz von _Orites excelsa_ (36-45%), vgl. ~Radlkofer~).

+Aluminium+ fehlt in anderen Gefäßkryptogamen, z. B. den Farnen

(außer einigen Baumfarn), in _Equisetum_, _Salvinia_, _Marsilia_ und

_Selaginella_ (~Church~), aber auch einige Lycopodien enthalten es

nur in Spuren. Es findet sich bei den Lycopodien in löslicher Form,

wohl an organische Säuren gebunden, als Malat (~Ritthausen~) oder als

Tartrat (~Arosenius~).

Ferner wurde in der Asche der Sporen gefunden: 45,7% P₂O₅, 18,41%

Fe₂O₃, 9,3% K₂O, 5,1% Na₂O, ferner SO₃, CaO, MgO (je c. 1%) und 0,22%

Cl nebst Spuren Mn (~Langer~).

=Lit.= ~Neumann~, Chymia medica 1704. -- ~Bergius~, Mat. med. 1782

(beschreibt die trockene Destillat.). -- ~Buchholz~, Taschenb. f.

Scheidekünstler 1807, ~Gehlens~ Journ. VI, 573. -- ~Wichmann~, Arch.

Pharm. 35, 38. -- ~Fritsche~, Poggend. Ann. 32, 481. -- ~John~,

Handwörterb. d. Chem. 3, 231. -- ~Schwartze~, Tabellen I (1819). --

~Winckler~, Buchn. Rep. 34, 58. -- ~Flückiger~, Pharmakogn. I. bis

III. Aufl. -- ~Rebling~, Arch. d. Pharm. 84 (1855), 11. -- ~Kamp~

(Lyc. chamaecyp.) Lieb. Ann. 100, 300. -- ~Langer~, Bestandth. d.

Lycopodiumsporen. Arch. Ph. 1889, 241 u. über die Lycopodiumölsäure

ebenda S. 625 (Diss. Erlangen 1889). -- ~Bukowsky~, Bestandt. d.

Lycopodiumöls. Dissertation Dorpat 1889 u. Pharm. Zeit. f. Rußl.

1889, 359. -- ~A. Rathje~, Neuere Unters. d. Fette von Lycopod. etc.

Arch. Ph. 1908, 692. -- ~Alcock~, Pharm. Journ. 1906, 23, 100. --

~Butler~, in ~Flückiger~ Pharmakogn. -- ~Bödeker~, Arch. d. Pharm.

1881, 304. -- ~Adrian~, Jahresber. d. Ph. 1886, 60. -- ~Arata~ u.

~Canzoneri~, Pharm. Zeit. 1892, 409. -- +Asche+: ~Caesar-Loretz~,

Handelsber. 1897 u. and. -- ~H. Evell~, Jahresber. d. Pharm. 1892,

10. -- ~Hauke~ a. a. O. -- +Aluminium+: ~Ritthausen~, Journ. prakt.

Chem. 53 (1851), 413. -- ~Alderholdt~, Lieb. Ann. 82 (1852), 111.

-- ~Solms-Laubach~, Lieb. Ann. 100 (1856), 297. -- ~Church~, On

the occurence of Aluminium in certain Vascular Cryptogams. Proc.

Royal Soc. 44 (1888), 121 (Pharm. Journ. 1889, 846). -- ~Fluri~,

Einfluß v. Aluminiumsalzen auf das Protoplasma. Diss. Basel 1908. --

~Radlkofer~, Über Tonerdekörper im Pflanzenreich. Ber. d. bot. Ges.

1904.

=Verfälschungen.= Fast regelmäßig findet man im Lycopodium sehr

kleine Mengen von Fragmenten der Sporangienwand, die durch ihre

knotig verdickten Zellen sofort auffallen. Sofern diese nur in +sehr+

geringer Menge vorhanden sind, ist das Lycopodium nicht zu beanstanden.

Bruchstücke von Stengeln und Blättern, besonders faserige, dürfen nicht

anwesend sein, auch nicht in Spuren.

Von +organischen Verfälschungen+ sind neuerdings beobachtet:

+Stärke+ verschiedener Herkunft (seit 1896 in jedem Jahr, ~Döll~),

+Mehl+ (1909), +Weizenstärke+ (~Döll~, ~Koch~ 1908), +Reisstärke+,

+Kartoffelstärke+ (~Döll~, auch in Amerika 1899, in Deutschland

1908, bis 30%), +Dextrin+ (1904), +Buchsbaumpulver+ (~Perrot~ 1907),

+Harzpulver+ (1904) und besonders +Pinuspollen+ (~Weigel~ 1904,

1899 bis 20% beobachtet). Neuerdings (1908) haben die Fälschungen

mit Stärke und Pinuspollen wieder auffällig zugenommen (~Caesar~

und ~Loretz~), da Locopodium teuer ist. Ferner werden angegeben

verschiedene +Mehle+, z. B. Erbsenmehl (~Pereira~), und nicht näher

bezeichnete +Stärkesorten+ [bis 20% (1909), bis 50% (1891) ~Brown~],

mit Methylorange gefärbte +Maisstärke+, +Curcumapulver+, +Holzmehl+

(~Pereira~), +Wurmmehl+, +Kolophonium+ und andere Harze und andere

+Pollenkörner+, besonders von _Corylus_, _Larix_, _Cichorium_,

_Cannabis_ (von mir nie beobachtet).

Von den +anorganischen Verfälschungen+ steht +Talcum+ obenan, das

auch neuerdings (1904) oft beobachtet wurde (Stärke und Talcum werden

schon 1826 erwähnt!). Dann werden genannt: +Kreide+ (~Scriba~), +Gips+

(~Hanbury~), +Magnesia+, +Schwefel+ (~Walpley~), Baryumsulfat (?),

+Sand+.

Als +Substitution+ wurde besonders Pinuspollen beobachtet. Das

«ungarische» (oder «österreichische») Lycopodium, das sich 1904 im

Handel fand, bestand ganz aus Pinuspollen (~Mitlacher~). Pinuspollen

wird in den Karpathen in ziemlichen Mengen gesammelt (~Vogl~).

Ferner: gepulvertes österreichisches +Fichtenharz+ (~Gallois~ 1906),

gepulverter Bernstein (~van Itallie~), ein Sklereïden, Bastfasern

und Kork enthaltendes Rindenpulver (~van Itallie~). 1904 tauchte

in Amerika unter dem Namen +Lykopodine+ ein dem echten Lycopodium

äußerlich ähnlicher «Lycopodiumersatz» auf, der aus Talcum, Dextrin und

Harzpulver bestand.

Die meisten Verfälschungen und Substitutionen sind leicht mit dem

+Mikroskop+ zu erkennen (Fig. 156), die Stärkesorten und Mehle

durch ihre Formen (vgl. S. 153 bis S. 198) und auch durch die

Jodreaktion, das Dextrin (nicht im Wasserpräparat! vgl. S. 200)

mittelst Jodglycerin, das Curcumapulver an den gelben Kleisterballen,

die Holz- und Rindenpulver an den geformten Elementen. Das +Talcum+

bildet farblose eckige Kristallsplitter, der sublimierte +Schwefel+

rundliche, zu Ketten oder Massen vereinigte dunkle, strukturlose oder

kristallinische Körper.

Der +Pollen der Abietineen+ (speziell der von _Pinus silvestris_ wird

gesammelt) ist oval und besitzt nicht genau an den beiden Seiten

angefügte Luftsäcke (Fig. 156), die von der an diesen Stellen blasig

aufgetriebenen Exine gebildet werden und die von halbkugeliger Gestalt

und mit netziger Oberflächenzeichnung versehen sind. Das Pollenkorn

selbst enthält Öltropfen. Die Größe beträgt je nach der _Pinus_- oder

_Abies_-Species 54 bis 126 mik. Alkoholische Fuchsinlösung färbt sofort

violett, Lycopodium erst beim Erwärmen (~Vogl~).

[Illustration: Fig. 156.

Mit Pinuspollen (pp), Coryluspollen (p) und Roggenstärke (a)

vermischtes _Lycopodium_ (s). [Nach ~Vogl~.]]

Der +Pollen von Corylus Avellana+ (Fig. 156) ist kugelig, glatt

und an der äquatorialen Zone an drei etwa gleichweit von einander

entfernten Stellen mit breiten stumpfen, am Scheitel mit einem

Loche in der Exine versehenen Papillen versehen. Die drei Poren

(Austrittsstellen des Pollenschlauches) treten besonders bei

Behandeln mit Essigsäure und beim Eintrocknen gut hervor. Der körnige

Inhalt erscheint dreistrahlig. Unterhalb der Poren ist die Intine

kreisförmig von der Exine abgehoben. Rings um den Porus ist die

Exine schwach wulstig verdickt. Durchmesser 26-30 mik. Der +Pollen

von Typha+ besteht aus Gruppen von zu vieren miteinander verbundenen

Pollenkörnern (Tetraden). Die Pollenkörner von _Cichorium_ zeigen

eine stachlige Exine. Die Pollenkörner von _Cannabis sativa_ sind

rundlich und besitzen drei deutliche Austrittsstellen für den

Pollenschlauch. Die Pollenkörner von _Larix decidua_ sind eiförmig

(~Moeller~).

+Die Pollenkörner sind sämtlich tiefer gelb gefärbt als Lycopodium.+

Eine kleine Menge von Stärkekörnern kann in das Lycopodium

zufällig dadurch hineingelangen, daß es in Rußland bisweilen in

Mehlsäcken versandt wird, oder daß in den Drogenhäusern Stärkestaub

hineingelangte. 1% kann man tolerieren. Nach dem Kochen mit Wasser darf

letzteres durch Jodwasser nicht blau werden (~Caesar~ und ~Loretz~).

Auch einige Pinuspollenkörner können zufällig hineingelangen, da ja die

Pflanze in Nadelholzwäldern wächst (doch stäubt die Kiefer viel früher

als die Lycopodiumarten).

Die +anorganischen Beimengungen+ erhöhen den Aschengehalt, verraten

sich aber auch schon teils im Mikroskop, teils beim Vermischen des

Lycopodium mit Wasser oder Chloroform. Reines Lycopodium schwimmt auf

Wasser, mineralische, in Wasser unlösliche Beimengungen sinken zu

Boden. Auch auf Chloroform und Schwefelkohlenstoff schwimmt reines

Lycopodium. Der +Schwefel+ verrät sich durch die beim Verbrennen

entstehende schweflige Säure. Die +Harze+ lösen sich in Alkohol oder

Alkoholäther.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 72 / 120 段