Die Fettsäuren untersuchte zuerst ~Kügler~. Er fand im

Chloroformextrakt neben krist. +Cerin+, F. 250° (C₂₀H₃₂O), das

~Thoms~ als phytosterinartig erkannte und C₃₀H₅₀O₂ oder C₃₂H₅₄O₂

formulierte, +Glycerin+ und +Stearinsäure+ und eine neue krist.

Säure: +Phellonsäure+ (C₂₂H₄₂O₃), welche Säuren ~Kügler~ reichlicher

durch Kochen des mit Chloroform erschöpften Korkes mit alkoholischer

Kalilauge erhielt. ~Gilson~ fand im Kork neben Cerin 44% Fettsäuren

(acides subérogéniques) und in diesen 8% einbasische krist.

+Phellonsäure+ (F. 95-96°, C₂₂H₄₃O₃ ~Gilson~, C₂₂H₄₂O₃ ~Kügler~,

Konstitutionsformel nach ~v. Schmidt~ s. oben S. 457), +deren in

Wasser unlösliche Alkalisalze mit Chlorzinkjod rotviolett werden+

(Kupferphellonat wird braun), 36% amorphe +Suberinsäure+ (halbflüssig,

C₁₇H₃₀O₃) und sehr wenig krist. +Phloionsäure+ (Nadeln, F. 120-121,

C₁₁H₂₁O₄ oder C₂₂H₄₀O₇ kann fehlen), deren Alkalisalze sich mit

Chlorzinkjod nicht färben. ~v. Schmidt~, der in dem Chloroformextrakt

des Korkes (neben +Cerin+) ebenfalls Glyceride der Fettsäuren fand,

nimmt in der Korksubstanz die Fettsäuren in der Form verseifbarer

Anhydride an (s. oben S. 457). Nach ~Istrati~ und ~Ostrogovich~ wird

Cerin von Friedelin (C₄₃H₇₀O₂, F. = 263,5) begleitet. ~Kügler~ gibt

im Korke von _Quercus Suber_ an: 2,9% Cerin, 30,10% Fettsäuren, 2,65%

Glycerin, 12% «Lignin», 8% Huminsubstanzen, 22% «Zellulose» (?), 5%

Wasser, 0,5% Asche.

Woher die +Pentosane+ stammen, die ~Councler~ aus Rinden erhielt, ist

zweifelhaft. Möglicherweise enthält die verholzte Mittellamelle ein

Xylan (~Czapek~), vielleicht aber stammen sie auch von Nucleoproteïden

(des Inhaltes?). Der Stickstoffgehalt des Korkes, der 1,5-3% beträgt

und den schon ~Hofmeister~ (1867) der Membran zuweist, sollte mit

Rücksicht auf die bei der Pilzzellulose gemachten Erfahrungen einem

erneuten Studium unterworfen werden. Er wird jetzt meist auf die

Proteïnkörper des Inhaltes bezogen. Ferner wurden im Kork gefunden:

der aromatische Aldehyd des Holzes, das +Hadromal+ (vielleicht als

Kohlehydratester, ~Czapek~), +Vanillin+ (~Kügler~, ~Bräutigam~,

~Büttner~, ~Thoms~) und vielleicht auch +Coniferin+ (? ~Kügler~) --

wenn man Kork erhitzt bemerkt man einen aromatischen Geruch -- sowie

+Gallussäure+ (~Drabble~ und ~Nierenstein~). Die +gerbstoffartigen+

Substanzen (z. T. Phlobaphene, z. T. wohl auch Phoroglukotannide?)

gehören wohl dem Inhalte an. Der größte Teil derselben wird

übrigens durch das Brühen des Korkes (S. 463) entfernt. Doch zeigt

eine Abkochung Gerbstoffreaktion. Der männliche Kork ist so stark

gerbstoffhaltig, daß er als Gerbematerial vorgeschlagen wurde.

Über die hier besonders wichtige Mikrohistochemie vgl. oben unter

Anatomie.

Bei Einwirkung von HCl, H₃PO₄, Essig- und Ameisensäure (und CO₂)

auf ein Gemisch von Formaldehyd und einem Phenol, von Gerbsäure

oder Oxybenzoësäure entstehen Kondensationsprodukte, die ähnliche

Reaktionen zeigen, wie Kork z. B. unlöslich in Kupferoxydammon

und Schwefelsäure und löslich in Kali sind (~Baeyer~, ~Kleeberg~,

~Caro~, ~Möhlau~ und ~Kahl~, ~Drabble~ und ~Nierenstein~). Eine

diesen Kondensationsprodukten, die ~Drabble~ und ~Nierenstein~

+Phellemsäure+ nennen, ähnliche Substanz isolierten die Genannten

auch aus Kork. ~v. Schmidt~ fand, daß, wenn man das Gemisch der aus

Kork extrahierten rohen Fettsäuren erhitzt, Wasserabspaltung eintritt

und ein Produkt erhalten wird, das ganz indifferent und impermeabel

für Gase ist, wie Kork, und daß, wenn man Filtrierpapier mit den

Fettsäuren tränkt und auf 140° erhitzt, man ein ganz dem natürlichen

Korke gleichendes Produkt erhält.

Die Zusammensetzung des gereinigten Korkes wurde zu C = 67,8, H

= 8,7, N = 2,3, O = 21,1% (~Doepping~) oder C = 65,7, H = 8,5, N

= 2,3, O = 29,5 (~Mitscherlich~) angegeben. ~v. Höhnel~ gibt die

Zusammensetzung des Suberins zu 74% C, 10% H und 16% O an.

Aus Korkabfällen wird +Leuchtgas+ dargestellt, der dabei entstehende

+Teer+ enthält 27% leichte Öle, unter denen sich viel Naphthalin

befindet, ferner Benzol und Toluol, 27% schwere Öle, die Phenole

nur in geringer Menge enthalten, sowie 11% fluoreszierendes Öl, mit

viel Anthracen. Das +Teerwasser+ enthält Essigsäure und Homologe

derselben, Methylalkohol, Blausäure, Methylamin und Ammoniak

(~Bordet~).

Die Asche des Flaschenkorkes beträgt c. 0,5% (0,54-0,64% ~Kügler~) der

Trockensubstanz. Sie enthält viel Mangan (27,7% Mn₃O₄ ~Kügler~) und

Kalk (25% CaO), dann 11,3% SiO₂. 8,5% K₂O.

Das bei der Herrichtung der Korkplatten durch Abkratzen erzielte

«+Korkholzabschabsel+» enthält nach dem Sieben: 44,91% Sand und SiO₂,

20,87% CaO, 4,62% MgO, 3.79% Fe₂O₃, + Al₂O₃, 5,55% K₂O, 1,07% Na₂O,

1,88% P₂O₅, 12,06% CO₂, 5,25% Glühverlust. Es wird als Kalidünger

empfohlen (~Mastbaum~).

Das spez. Gewicht des Korkes gibt ~Rollmann~ zu 0,12-0,195,

~Muschenbrock~ zu 0,24 an. Doch ist bei diesen Versuchen wohl nicht die

Luft entfernt worden, denn mit Wasser oder Alkohol gut ausgekochter

Kork sinkt in kaltem Wasser unter (~Flückiger~), muß also schwerer

als Wasser sein. Selbst außerordentlich dünne Korklamellen lassen

sich nur sehr schwer (Kochen mit Alkohol) ganz von der Luft befreien

(~Tschirch~).

Das reine Korkgewebe ist wenig hygroskopisch, dagegen ziehen die

braunen Lentizellen-Streifen begierig Wasser an (~Kügler~).

=Lit.= ~Czapek~, Biochemie (dort und bei ~Kügler~ die Lit.). --

~Brugnatelli~, Elementi di chim. II. Crells Ann. 1787. -- ~John~,

Chem. Schrift. IV. -- ~Bouillon la Grange~, Ann. d. chim. 23 (1797),

42. -- ~Chevreul~, Ann. de chim. 62 (1807), 323, 96 (1815), 141,

Schweigg. Journ. 16 (1816), 323. -- ~Boussingault~, Journ. pharm.

chim. 1836. -- ~Mitscherlich~, Lieb. Ann. 75 (1850). -- ~Doepping~,

Lieb. Ann. 45 (1843), 286. -- ~Siewert~, Chem. Centralbl. 1856,

Journ. pr. Chem. 104 (1868) 118. Zeitschr. Ges. Naturw. 30 (1867).

-- ~Payen~, Compt. rend. 1868. -- ~Koroll~, Quant. chem. Unters. d.

Kork- usw. Gew. Diss. Dorpat 1880. -- ~Frémy~ und ~Urbain~, Journ.

pharm. chim. 1882. -- ~Kügler~, Der Kork von Querc. Suber. Arch. d.

Pharm. 1884, 217. Dissertat. Straßburg 1884 (und ~A. Meyer~, Ber.

d. d. bot. Ges. 1883). -- ~De Graffigny~, Le liège. Paris 1888. --

~Gilson~, Le Subérine et les cellules de liège. Diss. Straßb., La

Cellule VI (1890), 63 (und in ~Flückiger~, Arch. Pharm. 1890, 690).

-- ~van Wisselingh~, Sur le paroi des cellules subéreuses. Arch.

Néerland. 12 (1888) und 26 (1893). Chem. Centrbl. 1892 II, 516. --

~Bräutigam~, Pharm. Centralb. 1898, 685. -- ~Büttner~, Ebenda. --

~Thoms~, Pharm. Centrh. 1898, 699. Chem. Centrbl. 1898 II, 1102. --

~Istrati~ u. ~Ostrogovich~, Compt. rend. 128 (1899), 1581. -- ~von

Schmidt~, Monatsh. f. Chem. 25 (1904), 277 u. Öster. Chem. Zeit 1911,

21. -- ~Drabble~ und ~Nierenstein~, Biochem. Journ. 1907 (Chem.

Centralbl. 1907 II, I. 79). -- ~Mastbaum~, Chem. Zeit. 30 (1906),

39. -- ~Bordet~, Compt. rend. 92 (1881), 728. -- ~Rollmann~, Polyt.

Centralbl. 27, 465 (1873).

=Anwendung.= Die Verwendung des Korkes beruht auf seiner Eigenschaft,

sich infolge der Dünnwandigkeit der Zellen leicht zusammendrücken

zu lassen, gegen Lösungsmittel und Fäulnis relativ resistent zu

sein, wegen seines hohen Luftgehaltes auf Wasser zu schwimmen und

(z. T. auch wegen der eingeschlossenen Luft) Wärme sowie Schall

schlecht zu leiten. Doch wird Kork von konz. Mineralsäuren, den

Halogenen, Ammoniak und einigen ätherischen Ölen (bes. Terpentinöl)

angegriffen. Die Verwendung des Korkes als Verschlußmittel beruht

auf der Eigenschaft der Suberinlamelle für Wasser und Wasserdampf,

sowie für die Dämpfe der meisten Flüssigkeiten impermeabel zu sein.

Kork ist auch für Gase, z. B. Luft, undurchlässig (~Wiesner~, Wiener

Anzeiger 1879). Zum Teil mag dies auch darauf zurückzuführen sein,

daß die Zellen selbst Luft enthalten, die sich nicht verdrängen läßt

(~Tschirch~). Die Undurchlässigkeit des Korkes hängt mit seiner

Funktion bei der Pflanze zusammen. Denn die Korkschicht bildet ja den

vornehmsten Schutz gegen Verdunstung. Sonst wird der Rohkork auch zu

Einlegesohlen, zur Umhüllung von Dampfleitungen, zu Schalldämpfern,

zu Belegen für Eisbehälter, zu Schwimmgürteln verwendet -- die

Korkabfälle zu künstlichen Korkplatten, zu Linoleum und Kamptulikon

(Kortizin). Bei der Linoleumbereitung wird Korkpulver mit Linoxin (in

Oxydierhäusern oxydiertes Leinöl, s. S. 323) behandelt. Der männliche

Kork ist nur zu Schwimmkörpern, Korksteinen u. dergl. verwendbar.

=Lit.= ~Ed. Hanausek~, Technologie d. Drechslerkunst 1897 und

~Erdmann-König~, Allgem. Waarenkunde. -- ~T. F. Hanausek~ in Luegers

Lexikon.

=Geschichte.= ~Theophrast~ beschreibt (Hist. pl. III, 17, I u. IV,

15, 1) eine Korkeiche φελλός), die er nach Tyrrhenium (d. h. nach

Westen) verlegt, und sagt, daß wenn die Rinde φλοιός) entfernt

werde, sie in 3 Jahren wieder wachse. φελλός des ~Theophrast~

deutet ~Sprengel~ als _Quercus Pseudo-Suber_ ~Desf. Pausanias~

kennt eine Eiche in Arkadien, deren Rinde so leicht ist, daß sie

als Ankerzeichen (Bojen) oder als Flossen an Fischnetzen befestigt,

auf dem Wasser schwimmt (~Hehn~). Auch die Benutzung des Korkes

zu Schwimmgürteln war den Römern bekannt (Sage von ~Camillus~).

Es war ~Plinius~ bekannt, daß sich die «Rinde» erneuert und er

erwähnt die Verwendung des Korkes zu Verschlüssen (obturamenta).

~Plinius~ sagt: «+Suberi+ minima arbor, glans pessima, rara: +Cortex+

tantum in fructu, +praecrassus ac renascens+, atque etiam in denos

pedes undique explanatus. Usus ejus ancoralibus maxime navium,

piscantiumque tragulis et +cadorum obturamentis+: praeterea in

hiberno feminarum calceatu. Quamobrem non infacete Graeci +corticis

arborem+ appellant. Sunt et qui +feminam ilicem+ vocant: atque ubi

non nascitur ilex, pro ea subere utantur, in carpentariis praecipue

fabricis, ut circa Elin et Lacedaemonem. Nec in Italia tota nascitur

aut in Gallia omnino». Auf den Gebrauch des Korkes als «Schwimmer»

spielen auch ~Aeschylos~, ~Plutarch~, ~Pindar~ und ~Archias~ an

(daher Cortex natarius z. B. bei ~Festus~). ~Virgil~ erwähnt die

Verwendung als Dachbedeckung, wozu die Korkplatten noch heute in

Algier benutzt werden. ~Varro~ sagt: Die besten Bienenstöcke sind

die aus Cortex gemachten. Auch ~Columella~ (I, S. 572) kannte das

schlechte Wärmeleitungsvermögen der Korkplatten und empfiehlt sie

als Umhüllung der Bienenstöcke, zur Herstellung einer gleichmäßigen

Temperatur. «Siva illa (regio) ferax est +suberis+, haud dubitantur

utilissimas alvos faciemus ex cortibus quia nec hieme rigent, nec

candent aestate» (De re rustica IX, 6) -- wozu sie noch jetzt in

Südspanien und Algier benutzt werden. ~Quintus Serenus Sammoniacus~

(Liber medicinalis) erwähnt einen Trank aus Korkrinde als

Blutstillungsmittel.

«Die Sitte, Gefäße mit +verharztem+ Kork zu verschließen, stammt,

wie es scheint, von den Galliern» (~Schrader~). Sie wird bei ~Cato~,

~Columella~ und ~Horaz~ (cortex adstrictus pice) erwähnt. Doch war

das Verkorken bei den Römern selten, die Gefäße mit Holz, Pech, Gips,

Kreide oder Wachs verschlossen oder Öl auf die Flüssigkeiten gossen

-- was bekanntlich in Italien noch heute beim Wein geschieht. «Die

Kunst, die +enge+ Öffnung eines Gefäßes mit der elastischen Rinde

der Korkeiche zu verschließen, geht in ein hohes Altertum hinauf,

und allgemein geworden ist sie erst seit den letzten Jahrhunderten,

und zwar sehr langsam. Erst das Aufkommen enghalsiger Glasflaschen,

die zuerst im XV. Jahrh. auftreten und die Notwendigkeit, derartige

Flaschen gefüllt versenden zu müssen, brachte den Kork in allgemeinen

Gebrauch» (~Hehn-Schrader~). Im Mittelalter bediente man sich zum

Verschließen von Fässern der Holzpflöcke, bei kleineren Gefäßen der

Verschraubung oder des Wachsverschlusses. 1410 führte Danzig Kork

aus Lissabon ein (I, S. 811). ~Clusius~ sagt 1601 (a. a. O.): «Verum

in Hispaniis primum illum praecrassum corticem dum taxat detrahere

solent: quo non modo +ad cadorum obturamenta, alvearia et nonnulla

etiam vasa rustici utuntur+, sed etiam ad tuguriorum, parietum, et

murorum praetexta, praesertim in ea Baeticae parte, quam Estramaduram

vocant, ubi interdum totis pagis aedes magnis suberis fragmentis

imbricum loco tectas conspicere licet.»

~Pomet~ erwähnt 1694, daß die abgelösten Korkplatten in mit

Wasser gefüllten Gräben übereinander geschichtet und mit Steinen

beschwert, dann nach dem Ablassen des Wassers getrocknet und zu

Ballen vereinigt wurden. Er nennt als besten Kork den spanischen,

daneben aber auch schon einen französischen aus der Gascogne und

von Bayonne. Die +Korkkohle+ erwähnt ~Pomet~ unter dem Namen Noir

d’Espagne als Malerfarbe. Er gedenkt der Verwendung des Korkpulvers

als Blutstillungsmittel und äußerlich bei Hämorrhoiden. ~Valentini~

(I, S. 912) sagt: «+Die Apotheker stopfen und verwehren die Gläser

damit.+» Im Catologus von Rostock 1659 steht Suber, Pantoffelholz

oder Kork 1 Loht = 2 Kr. Die Idee, Wein-, speziell Champagnerflaschen

mit Korkstopfen zu verschließen, wird dem Pater Kellermeister der

Abtei Haut-Villiers ~Dom Pérignon~ (1636-1715) zugeschrieben. Um

diese Zeit erlangte die Sitte jedenfalls Verbreitung.

Nach ~Artigas~ soll die regelrechte Kultur des Baumes und Gewinnung

des Korkes in Spanien erst in der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrh.,

und zwar in Gerona begonnen haben. Catalonien liefert auch heute

noch den besten Kork. Von dort breitete sie sich nach Andalusien

und Estremadura und die südlichen Provinzen Frankreichs und

Portugals aus. Von 1830 an wurden die Korkwälder Algeriens durch

die französische Regierung erschlossen, 1847 erreichte die Ausfuhr

des Korkes dort bereits 46683 kg. Um diese Zeit wurde auch die

Privatindustrie für die Gewinnung interessiert, große Strecken

verpachtet und gegen die sehr gefährlichen Waldbrände strenge

Verfügungen erlassen, z. B. das Ziehen von Gräben und Beseitigung des

Unterholzes angeordnet, schließlich auch die Gewinnung gesetzlich

geregelt. Jetzt bildet der Kork einen der wichtigsten Ausfuhrartikel

des Landes. Auch in Tunis begann die geregelte Gewinnung mit der

französischen Okkupation (1881), die Démasclage 1884 (~Lamey~).

~Robert Hooke~ sah zuerst mit seinem sehr einfachen Mikroskope die

Zellen des Korkes (Micrographia 1667) und erkannte, daß der Kork

zur Rinde eines Baumes gehören müsse, was damals noch nicht bekannt

war. ~Johnston~ bestätigte das letztere. ~Hooke~ benutzte bei der

Beschreibung des anatomischen Baues des Korkes zuerst den Ausdruck

«cell» (er verglich ihn mit Bienenwaben). Der Ausdruck wurde dann auf

alle «Zellen» übertragen. ~Hooke~ schätzte die Anzahl der Zellen im

Kubikzoll auf 1200 Millionen (~Flückiger~).

Die ersten Korkstöpselschneidereien (taponerias) sollen c. 1760 in

Llagostera bei Gerona entstanden sein. 1789 wurden Korkstöpsel in

Stuhr (Oldenburg) geschnitten (~Flückiger~). Korkpantoffeln wurden

aber schon im XV. Jahrh. in Danzig fabriziert (~Pabst~).

Auf Flaschenkork läßt sich bekanntlich sehr gut schreiben. Die

Benutzung des Korkes anderer Pflanzen zum Schreiben finden wir schon

im Altertum (vgl. S. 256). Die altindischen Bhûrja- (= Birken)

Manuskripte sind auf den Blätterkork der _Betula Bhojpattra_

~Wall.~ geschrieben (~Dymock~). Auch heute wird noch Birkenkork zum

Daraufschreiben benutzt, z. B. bei den Tanguten (~Prschewalski~

1878). Ich erhielt 1909 aus Amerika einen auf Birkenkorkpapier

geschriebenen Brief und sah 1908 in Frankreich Visiten- und

Geschäftskarten auf dünne Flaschenkorkscheiben gedruckt.

=Lit.= ~Flückiger~, Pharmakogn. -- ~Beckmann~, Beitr. z. Gesch. d.

Erfind. 1790. -- ~Hehn~, Culturpfl. 1877. -- ~Blümner~, Technol. u.

Terminol. d. Gewebe. 1879. -- ~Dymock~, Mat. med. West. India 1885.

=Ersatzmittel.= Keine andere Pflanze bildet eine Korkschicht, die

technisch wirklich brauchbar und exportfähig ist, da keine den Kork

der Korkeiche an Elastizität, Weichheit und Dicke erreicht. Immerhin

dienen einige andere Korke an den Produktionsorten zu ähnlichen

Zwecken, wie z. B. der Kork von _Ulmus campestris_ var. _suberosa_.

Auch einige Rinden und Hölzer werden gelegentlich in den betreffenden

Ländern wie Kork, z. B. zum Verschluß von Calebassen u. dgl. benutzt,

so die Rinde von _Pinus Merkusii_ in Johore und die von _Melaleuca

Leucadendron_ in Südasien, das schwammige Holz von _Anona palustris_

in Südamerika, das weiche Holz von _Ochroma Lagopus_ ~Sw.~ in

Westindien, das einiger _Nyssa_arten in Nordamerika (_Nyssa aquatica_

liefert das +Tupeloholz+), das des _Baobab_ und der _Herminiera

elaphroxylon_ in Afrika, sowie das Holz von _Bombax_, _Aeschynomene_

und _Alstonia_-Arten in Asien. Endlich wird auch das Holz von

_Hibiscus tiliaceus_, von einigen _Erythrina_arten (_Erythrina

acanthocarpa_ liefert den +Marble-Cork)+ und _Lianen_ und das Mark

von _Agaven_ und _Fourcroyen_ als «+Korkholz+» benutzt (~Semler~). In

Slavonien wird Süßholz für Stöpsel verwendet (~Hoehnel~).

Neuerdings wird als Ersatz für Kork das Holz einer Mimose (Mareabaum)

vom Tschadsee angegeben, dessen spez. Gew. noch geringer ist als das

des Korkes. Aber weder dieses noch der sog. Kaffrarian Marble Cork,

der ebenfalls ein Holz ist (~Jos. Moeller~), kann den Kork ersetzen,

da auch +seine Zellen verholzt und nicht verkorkt sind+.

Künstlicher Kork von ~Grünzweig & Hartmann~ besteht aus gepulvertem

«Korkholz» und Stärkekleister, dem Leinöl oder Teer zugesetzt wird

(vgl. auch oben S. 469). Über künstlichen Kork findet sich eine

Zusammenstellung in ~M. Schall~, Verfahren z. Herstellung künstlicher

Korkmassen. Kunststoffe 1 (1911), 141.

=Lit.= ~Semler~, Trop. Agrikult. -- Dingl. polyt. Journ. 250 (1883).

-- ~T. F. Hanausek~ in Luegers Lexikon. -- ~Hoehnel~ in ~Wiesner~,

Rohstoffe. -- ~Jos. Moeller~, Bot. Zeit. 1879, 719 und Pharm.

Centralh. 1886, 240. -- Tropenpflanzer 1904 u. 1907.

2. Pollenino-Membranindrogen.

Als Anhang an die Suberino-Membranindrogen mag der

Pollenino-Membranindrogen gedacht werden, denn die Polleninmembran der

Pollenkörner und Sporen ist jedenfalls verwandt mit der Cuticula und

diese mit dem Kork.

~Fourcroy~ erkannte bereits 1801 die Ähnlichkeit des Korkes und der

Cuticula. ~Mitscherlich~ erhielt aus beiden die gleichen Produkte,

aber in verschiedenen Mengen. (Er verglich Kartoffelkork mit

_Aloë_-Cuticula.) Nach ~van Wisselingh~ und ~Frémy~ sind die Cuticula

und die verkorkte Membran +nicht+ identisch. ~Wisselingh~ erhielt

z. B. keine Phellonsäure aus der Cuticula und die Fettsäuren scheinen

andere zu sein. ~Frémy~ und ~Urbain~ nannten die «inkrustierende»

Substanz der Cuticula +Cutose+. Es ist nicht nachgewiesen, daß die

Cuticula Polysaccharide enthält. Denn die Tatsache, daß die mit Kali

anhaltend behandelte Cuticula die Jodreaktion gibt (~Hofmeister~),

kann auch anders gedeutet werden (s. oben). Jedenfalls zeigt aber

die Cuticula +viel Ähnlichkeit mit der Korkmembran+ (~von Höhnel~,

~Zimmermann~); sie ist resistent gegen konzentrierte Schwefelsäure

(~Mohl~, ~Mulder~) und auch gegen Fäulnis (~Brogniart~), gibt nach

Behandeln mit kochendem Kali die Reaktionen mit Jod («ähnlich»

wie Cellulose, ~Mohl~), liefert mit Salpetersäure Korksäure und

Bernsteinsäure (~Mitscherlich~) und wird von kochender Kalilauge

angegriffen (~Schacht~), ist aber dagegen widerstandsfähiger wie

Kork (~von Höhnel~). Sie zeigt gewisse Aldehydreaktionen (~Geneau

de Lamarlière~). Auch lassen sich aus ihr durch Einwirkung heißen

Wassers wachsartige Substanzen ausschmelzen (~de Bary~). Bei

Behandlung mit kochender Lauge soll die krist. Stearocutinsäure

(C₅₆H₄₈O₈) und die flüssige Oleocutinsäure (C₂₈H₂₀O₈) entstehen

(~Frémy~ u. ~Urbain~).

Die Wand der Sporen und Pollenkörner, die mit dem Namen +Pollenin+

(~Braconnot~, ~John~) bezeichnet wurde, einem Namen, den ich

hier wieder aufnehme, zeigt vielfach die Eigenschaften einer

cuticularisierten Membran (~Biourge~), sie ist z. B. unlöslich in konz.

Schwefelsäure, Alkohol und Äther. Sie ist jedenfalls eine komplizierte

Substanz. Ältere Angaben von einem Stickstoffgehalt des Pollenins

bedürfen der Nachprüfung. Bei einigen Pollenkörnern beträgt der

Prozentsatz an Pollenin ziemlich viel (beim Pinuspollen z. B. c. 22%,

~Planta~).

=Lit.= ~Brogniart~, Ann. sc. nat. 1830 u. 1835. -- ~Mitscherlich~,

Lieb. Ann. 75 (1850). -- ~Schacht~, Lehrbuch. -- ~Mohl~, Bot. Zeit.

1847. -- ~Mulder~, Phys. Chem. 1844. -- ~Hofmeister~, Pflanzenzelle.

-- ~Cohn~, De Cuticula. Linnaea 1850. -- ~Frémy~, Rech. chim. sur la

Cuticule. Compt. rend. 1859. -- ~A. Wigand~, Intercellularsubstanz

und Cuticula. Braunschweig 1850. -- ~Kabsch~, Unters. über d. chem.

Beschaff. d. Pflanzengewebe. Pringsh. Jahrb. 1863. -- ~v. Höhnel~,

Öster. Bot. Zeitschr. 1878. -- ~de Bary~, Bot. Zeit. 29. -- ~Frémy~

und ~Urbain~, Ber. d. d. chem. Ges. 1877, 90, Compt. rend. 93

(1882), 926 u. 100 (1885) 19. Ann. sc. nat. (6) 13 (1882), 360. --

~Ambronn~, Opt. Verh. d. Cuticula. Ber. d. d. Bot. Ges. 1888. -- ~van

Wisselingh~, Sur la cuticularisation et la cutine Arch. Néerland. 28

(1894), 373, Over Cuticularisatie en Cutine Ned. Kruidk. Arch. VI.

und Verh. d. Akad. Amsterdam 1894. -- ~Géneau de Lamarlière~, Bull.

Soc. Bot. 1903, 268. -- ~Czapek~, Biochemie (dort die Lit.).

+Pollenin+: ~Braconnot~, Ann. chim. phys. (2) 42 (1829). -- ~John~,

Schweigg. Journ. 12 (1814). -- ~Fritzsche~, Pogg. Ann. 32 (1834),

481. -- ~Berzelius~, Lehrbuch, 3. Aufl. 1837, VI, 474. -- ~Planta~,

Landw. Versuchsstat. 1884 und 1885. -- ~Kresling~, Arch. Ph. 1891,

389. -- ~Th. Biourge~, Le Cellule 8 (1892) 45.

Lycopodium.

=Syn.= Sem. lycopodii, Sporae lycopodii, Hexenmehl, Bärlappsamen,

Bärlappsporen, Streupulver, Blitzpulver, Erdschwefel, Alpenmehl,

Blumenstaub, gelber Puder, Pillenmehl, Schlangenmehl, Wurmmehl,

Pöschpulver, Puderbleiweiß, Steinpulver, -- in der Schweiz: Zäpflimehl,

Tröcknipulver, -- lycopode, souffre végétal (franz.) -- earth-moss

seeds, vegetable sulphur, clubmoss (engl.) -- nikt, heksemel (schwed.)

-- ulvefoed (dän.) -- wolfsklaauw (holl.) -- licopodio (ital.) -- spori

plauna (russ.) -- plavuň (böhm.) -- widlak (poln.).

Bärlapp, Wolfsklaue, Wolfsranke, Teufelsklaue, Krähenfuß, Druden-Fuß

oder Kraut, Johannisgürtel, Schlangenmoos, Zigeunerkraut, Blitzkraut,

Hexenkraut, Briszweig, Gäbali, Gertel, Gertlein, Kohlerkraut, Kosen,

Rimpe, Saukraut, Sausanne, Zigeunerkraut (~Pritzel-Jessen~); -- in

der Schweiz: Freselmehlkraut, Kolbenmoos, Lienle, Wolle, Schäbel --

mousse terrestre, griffe, patte ou pied de loupe, plicaire -- im

Tessin: erba scaretta, musco terrestre. -- In England: common club

moss, stagshorn. -- Im Mittelalter: bryon (?), soldana (?) -- bei

~Bock~: Muscus terrestris, Beerlap, Bärlappen, Teuffesklawen, Seil-

oder Gürtelkraut, Neunheyl, Neungleych, Weingrein, Harschar -- bei

~Cordus~: Katzenleiterlein, Minzengrün, chamaepence -- bei ~Gesner~:

Tüfelsschlüssel, muscus ursinus, pes ursinus -- bei ~Camerarius~:

Dehnkraut -- bei ~Tabernaemontanus~: Löwenfuß, pes leoninus, pes

lupinus. Weitere Namen in ~Nemnich~, Polyglotten-Lexikon.

=Stammpflanze.= =Lycopodium clavatum= L. Spec. pl. ed. I, 1101

(Lyc. officinale ~E. Neck.~, Meth. musc. 150, L. inflexum ~Sw.~).

In zahlreichen Varietäten (z. B. tristachyum mit weit abstehenden

Blättern, curtum u. and.), von denen einige (L. trichiatum, L.

venustulum, L. inflexum) auch als Arten betrachtet werden.

=Etym.= Der Name Lycopodium findet sich zuerst bei ~Dodonaeus~

(Pemptad. 1583, 469), der hinzufügt i. e. pes lupi. Es ist also

eine griechische Übersetzung von Wolfsfuß, Wolfsklaue, gebildet

aus λύκος (= Wolf) und πόδιον (= Füßchen). Auch ~Tabernaemontanus~

hat Lycopodium. -- Clavatum (= keulenförmig, clava = Keule) nach

der Form des Sporangienstandes. Bereits bei ~Caspar Bauhin~ steht

muscus terrestris +clavatus+, bei ~Lobelius~ muscus +clavatus+

= pes leoninus. -- Die Bildungen Wolfsfuß, Wolfsklaue, pied de

loupe, pes lupinus, Löwenfuß, pes leonis, pes ursinus, Bärlappen,

Drudenfuß, Teufelsklauen sind abgeleitet von den einen zottigen

Eindruck machenden beblätterten Laubsprossen, -- muscus terrestris,

Schlangenkraut, von der Eigenschaft am Boden zu kriechen.

~Tabernaemontanus~ sagt «Mooss oder Beerlap», benutzt also beides

als gleichbedeutend. (Über mos vgl. S. 264.) -- Bärlapp = Bärenpfote

(lappo = Hand, Pfote). -- Hexenmehl wohl wegen des plötzlich an der

Ähre auftretenden und verstäubenden Sporenmehls, auch andere Namen

(Drudenfuß, Teufelsklauen) verraten in die Pflanze hineingelegte

mystische Beziehungen.

=Systemat. Stellung.= Pteridophyta -- Lycopodiales -- Lycopodiaceae --

(Lycopodium Sectio Clavata).

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 71 / 120 段