Die Korkeiche produziert im normalen Laufe ihrer Entwicklung eine

ziemlich mächtige Korkschicht, die bei einem 130 mm dicken Stamm schon

15 mm erreichen kann. Diese Korkschicht wird mit der Zeit rissig

und wird außen partiell abgestoßen, so daß eine außerordentlich

unregelmäßige Umrißlinie entsteht. Dieser Kork ist, da stark

zerklüftet, jedenfalls wenig zusammenhängend und kaum elastisch,

auch in der Richtung der Jahresringe leicht zerreißbar, zur

Stöpselfabrikation nicht zu brauchen und wird nur für Schwimmhölzer

(Netze), zur Bedachung, zur Bekleidung von Gefäßen, für Gartenmöbel, zu

Korkstaub und zur Kohle- und Spanischschwarz-Bereitung, ja bisweilen

nur als Feuerungsmaterial benutzt. Dieser normale Kork trägt den Namen

liége mâle, kurz: le mâle, +männlicher Kork+ oder +Jungfernkork+, in

Spanien: corcho bornio oder virgin, in Portugal: cortiça virgem. Er

zeigt eine deutliche Schichtung, aber die Schichten, die wohl als vom

normalen Phellogen erzeugte Jahreszuwachszonen zu betrachten sind,

sind nur sehr schmal: 0,9 mm, ja gar nur 0,5 mm (~De Candolle~) oder

schmäler, besonders die innersten. Die Zellen sind zum größten Teil

typische Korkzellen, d. h. im Querschnitt tafelförmig und der Kork

daher wenig elastisch. Sklereïden sind häufig, oft enthalten die Zellen

braune Phlobaphenmassen. Dieser männliche Kork wird von den Bäumen mit

der Axt entfernt. Dieser Prozeß, der als +démasclage+ (span. descorcho)

bezeichnet wird, wird zum ersten Male meist an 25-30 Jahre alten Bäumen

von mindestens 35-40 cm Umfang nicht eben sehr sorgfältig ausgeführt.

Da die Schälung etwa bis zum Phellogen erfolgt, so bleibt der Rest der

primären und die ganze sekundäre Rinde am Baum. Sie färbt sich nach

dem Ablösen an der Oberfläche erst rosenrot, dann rotbraun. Sie trägt

den ganz passenden Namen +mère+, +Korkmutter+, denn in ihr erfolgt die

Neubildung des Sekundärkorkes. Bald in der primären, bald in einer

mehr oder weniger tiefen Schicht der sekundären Rinde, also in sehr

verschiedener Tiefe, entsteht ein +neues+ Phellogen und bald setzt nun

eine sehr ausgiebige Neubildung von Kork ein. Der neugebildete Kork

trägt den Namen +liège femelle ou de réproduction+, +weiblicher Kork+,

in Spanien: corcho segundero oder fino. Er ist viel gleichmäßiger, und

da die Jahreszuwachszonen viel breiter sind, auch viel mächtiger als

der männliche. Außen ist er mehr oder weniger rissig und trägt hier als

schmale braune Schicht die mère extérieure, die abgestorbenen Reste der

primären oder der primären und des äußeren Teiles der sekundären Rinde

-- je nach dem Orte seiner Bildung. Seine Zellen sind relativ groß und

weit, Sklereïden sind selten, daher ist er sehr elastisch. Er kann

schon im ersten Jahre eine Dicke von 2, im dritten schon eine Dicke

von 19 mm erreichen. Für gewöhnlich läßt man ihn aber 9-12 Jahre am

Baum. Die Regierung in Algier ordnete an, daß in den Staatswäldern der

Kork nicht eher geschält werden darf, als bis er eine Mindestdicke von

25 mm erreicht hat. Kork für Champagnerkorke muß 15 Jahre alt werden

(~Hartwich~). Bisweilen werden Stamm und Äste geschält; in Gerona nur

der Stamm. Mit der +Schälung+ (+démasclage+) wird in Algier Ende Mai

oder Anfang Juni, in Spanien, Portugal und Frankreich einige Wochen

später kurz nach dem ersten Safttrieb begonnen. Zu dieser Zeit löst

sich der Kork am leichtesten ab. Sie erfolgt in der Weise, daß der

Arbeiter (rusquier, tireur) mit der Axt (franz. picasson, hachette de

démascleur, span. dastral) in bestimmten Abständen (c. 1 m) zunächst

Horizontalschnitte (Gürtel- oder Ringelschnitte) macht und diese durch

ein oder zwei Längseinschnitte verbindet, dann hebt man den Kork an

einer Stelle etwas ab, schiebt den am Ende meißelartig zugeschärften

Axtstiel dazwischen und löst meist mit einem Rucke die ganze Schicht

von der am Baume bleibenden mère intérieure ab. Klopfen befördert die

Ablösung (I, Fig. 86 u. 89). Mit der Axt nicht erreichbare Stellen

werden mit der burxa abgelöst, einem 2 m langem zugeschärften Hebel.

Der neugebildete Kork löst sich meist leicht in der Phellogenschicht

ab. Wurde +ein+ Längsschnitt gemacht, so erhält man Röhren (canon), bei

zwei Schnitten Platten (planches, planchas). Obwohl oft empfohlen wurde

den Baum nach dem Schälen mit einer Schutzhülle von Gras oder Moos zu

umgeben (ähnlich wie bei der Erzeugung der Renewed barks der Cinchonen,

vgl. I, Taf. XXXIII), scheint dies in der Praxis doch nirgends zu

geschehen. Die Ernte muß vor Eintreten der starken Hitze oder der

Regenzeit beendet sein. Die großen, etwas gekrümmten Korkplatten

werden dann aus dem Walde in die Fabrik gebracht (I, Fig. 87) und die

außen ansitzenden Reste der Korkmutter (mère extérieure, s. oben)

abgeschabt. Dieser Prozeß heißt +démérage+ (I, Fig. 91). Dann werden

die Platten (liège démérés) in großen kupfernen Pfannen ½-¾ Stunden

in siedendes Wasser getaucht (I, Fig. 88) und schließlich übereinander

geschichtet möglichst flach gepreßt (Fig. 152 u. I, Fig. 90). Das

Kochen entfernt viel Gerbstoff und andere Stoffe (20-30% des Kork) und

macht die Platten elastisch. Der Kork schwillt hierbei um 30% auf. Das

Kochen und Abkratzen unterbleibt bisweilen (lièges bruts), alsdann

werden die frischen Platten nur durch Beschweren flach gestreckt.

Bisweilen wird die äußere Schicht erst nach dem Sieden mit dem

Kratzeisen (raclette, raspador) oder dem Hobeleisen (doloire, dolatero)

oder mit Maschinen abgekratzt (raclage) oder mit Feuer abgesengt

(flambage). Die fertigen Platten werden durch den classeur (viseur)

klassifiziert und oft durch hydraulische Pressen zu Ballen von 70 bis

80 kg zusammengepreßt und mit Alfagras oder eisernen Reifen umschlossen.

[Illustration: Fig. 153.

Lager von fertig bearbeitetem Kork des Schweiz. Konsuls +Borgeaud+ in

Algier. [+Businger+ phot.]]

Wird der Kork auf einmal vollständig weggenommen, so erneuert er sich

langsamer aber in besserer Qualität als nach einer nur teilweisen

Schälung. Gebirgige Gegenden liefern weniger, aber besseren Kork,

als das Tiefland, wärmere besseren als kältere. Die Güte des Korkes

ist also auch abhängig vom Klima und Standort aber auch von einer

nicht zu engen Pflanzweite, vom Boden und dem Wetter. Der 9-12 Jahr

nach der Entfernung des männlichen Korkes geerntete erste erneuerte

Kork ist ziemlich schwammig, mit jeder neuen Ernte, die immer in

Pausen von 8-12 (Algier-Tunis 8-9, Spanien-Portugal 10, Frankreich

12) Jahren am gleichen Baume, wie es scheint sehr lange, erfolgen

kann -- in Algier schält man zehnmal --, verbessert sich der Kork und

ist schon nach der vierten oder fünften Ernte, wenn der Boden mager

und trocken ist, tadellos. In der spanischen Provinz Gerona wird der

Kork Ende Juni und Anfang Juli gesammelt. Jeder Stamm wird dort nur

alle 10-12 Jahre geschält. Bisweilen ist es vorteilhaft, dem Baume

18 Jahre Ruhe zu gönnen. Bei älteren Bäumen (von 120-150 Jahr Alter)

werden die Jahreszuwachszonen sehr schmal, so daß man die Pausen auf

14-16 Jahr erhöhen muß, bei 200 Jahr alten Bäumen lohnt die Produktion

nicht mehr (~Lamey~). Bei jüngeren Bäumen wird nur der Stamm, bei

älteren auch die dickeren Äste, die den feinsten Kork liefern, dem

démascler (descorchar) unterworfen. Um die gefürchtete Rissebildung zu

verhindern, macht man nach dem Ablösen des Korkes in die Korkmutter

einen Längseinschnitt (Taf. X), bisweilen auch 2-4, aber niemals an

der Nordseite des Baumes. Der Ertrag der Bäume wechselt nach Alter

und Umfang. Jüngere Bäume liefern 3-10, sechzig- bis hundertjährige

15-36, noch ältere 44-55 kg Rohkork (~Lamey~). Ernten von 100 bis 600

kg pro Baum gehören zu den großen Seltenheiten, sind aber beobachtet

(~Artigas~, ~Lamey~). Der Rohkork heißt im Großhandel +Korkholz+.

Die Démasclage schädigt den Baum nicht, soll seine Lebensdauer sogar

erhöhen. Die Größe der Rohkorkplatten schwankt meist zwischen 0,3 und

0,8 qm und 5 und 20 cm Dicke, doch sah ~Hartwich~ Platten von 135

cm im Quadrat. Der andalusische Kork ist hell und meist sehr weich,

der katalonische rötlich und härter, der portugiesische gelbrot. Zur

Stöpselfabrikation werden meist nur Platten von wenigstens 22 mm Dicke

benutzt. Man stellt aus den zuvor eingeweichten Platten (mit der Hand

oder mit Maschinen) zunächst Parallepipeda her und schneidet daraus

dann die Korke. Bei Maschinenschnitt -- eine Korkschneidemaschine kann

in 10 Stunden 20-25000 Korke schneiden -- erhält man mehr Abfall (bis

50%) wie bei Handschnitt. In Spanien wird viel Kork in Hausindustrie

geschnitten. Die Jahresringe müssen auf dem Stöpselkopf als

Querstreifen sichtbar sein, d. h. der Kork muß so geschnitten werden,

daß eventuelle Lentizellenkanäle rechtwinklig zur Achse des Korkes

stehen. Bei sehr breiten Korken ist dies nicht der Fall. Dieselben

schließen daher auch nicht luftdicht.

Die bedeutendsten deutschen Stöpselfabriken liegen in Bremen und

Delmenhorst (Oldenburg), Raschau (Sachsen), Berlin, dann finden sich

auch solche in Thüringen, Baden, Hessen, ferner der Schweiz (Genf) und

in England, Österreich (Wien), die größten Fabriken aber in Spanien

und Frankreich (Bordeaux). Die fertigen Korke passieren Sortier-

und Zählmaschinen. Vor dem Sortieren werden die Korke bisweilen mit

Salzsäure oder Oxalsäure oder schwefliger Säure behandelt (Oxalsäure

gibt ihnen eine rötliche Färbung). ⁹⁄₁₀ des Korkes wird auf Stöpsel

verarbeitet, ⅒ auf anderes (s. hinten).

Die 19% Gerbstoff enthaltende +Rinde+ nicht zur Korkgewinnung

tauglicher Bäume wird in Sizilien, Algerien und Tunis auf Gerberlohe

verarbeitet. Viele Korkbäume wurden z. B. in Sardinien geopfert,

um die Rinde zu gewinnen. In Marocco wird noch viel Korkrinde zu

Gerberlohe und Holzkohle verarbeitet, da die Regierung die Ausfuhr

des Korkes verboten hat. Die Rinde der Korkeiche ist reicher an

Tannin wie die aller anderen Eichen. Die Produktion beträgt jetzt

60-70000 quint. (~Lefebvre~). Auch der nach der ersten démasclage

gebildete Kork, der 18% Gerbstoff enthält, dient in Algier als

Gerbematerial. Die Früchte (Tardias, Palomeras) dienen zur

Schweinemast. Der Wohlgeschmack der Schinken von Bayonne wird auf die

Mast mit Eicheln von _Querc. occidentalis_ zurückgeführt.

=Lit.= ~Jaubert de Passa~, Mem. soc. d’agric. d. l. Seine 1837.

-- ~Willkomm~, Jahrb. Akad. Tharand 1859. -- ~Torrent~, Le liège.

Boulon. 1880. -- ~Casimir de Candolle~, De la product. nat. et

artific. du liège dans le chêne liège. Mém. Soc. d. phys. et d’hist.

nat. Genève 16 (1861) 1. -- ~P. Artigas y Teixidor~, El Alcornoque

y la industria taponera Madrid 1875. Alcornocales, industria

taponera Madrid 1885 und Alcornocales é industria corchera Madrid

1895 (New Remed. New York 1880 und Bot. Jahresber. 1880, 2, 749).

-- ~de Grafigny~, Le liège et ses applications. Paris 1888. -- ~A.

Lamey~, Le chêne-liège, sa culture et son exploitation. Paris 1893.

-- ~J. Rein~, Geograph. u. naturwissensch. Abhandl. Leipzig 1892. --

~Semler~, Tropische Agrikultur (dort Details). -- ~E. A. Müller~,

a. a. O. (s. oben).

=Handel.= Die Korkproduktion +Portugals+ übertrifft die aller

anderen Länder. ~Müller~ schätzte sie 1900 auf 50 Mill. und die

Korkausfuhr erreichte schon 1897 fast 47 Mill. kg, während die

Korkproduktion Spaniens von ~Artigas~ auf nur 30 Mill. kg geschätzt

wird. Die +Ausfuhr Spaniens+ schwankt jetzt zwischen 8 und 9 Mill.

kg pro Jahr (~Müller~). Der portugiesische Kork ist aber weniger

geschätzt und daher ist der +Wert+ der spanischen Ausfuhr größer als

der der portugiesischen. Die Hauptausfuhrhäfen sind auf der Karte

unterstrichen. 1896 hatte die +algerische+ Ausfuhr die spanische

erreicht. Sie ist im Steigen begriffen. Sie betrug 1897: 11,9,

1898: 8,3 Mill. kg. Der algerische Kork steht dem spanischen und

portugiesischen an Wert nach. Die Staatsdomänen, die alljährlich den

Ertrag versteigern, lieferten 1898 5¼ Mill. kg. Die Produktion an

liège brut betrug in +Algier+ 1899: 45000 quint. aus Staatsdomänen,

6000 aus Gemeindewaldungen, 108000 aus Privatwaldungen (~Lefebvre~).

Der Export von +Tunis+ betrug 1908: 800000 quint. +Frankreich+

produziert jährlich 120-130000 quint Rohkork (~Lefebvre~). Frankreich

führte 1908 12428000 kg +Kork+ ein, besonders (⅔) aus Algier, dann

aus Spanien, Portugal, Tunis und Italien. +Italien+ exportierte

1897 c. 1½ Mill. kg. Die Produktion wurde 1900 auf 8000 quint

geschätzt. (Sardinien und Sizilien je 12000 quint.)

1911 wurde die jährliche +Korkproduktion+ wie folgt geschätzt in

Tonnen (t): Portugal: 74500, Spanien: 23300, Algerien: 17100,

Frankreich: 12000, Italien: 3800, Corsica: 1600 (~Alfred Weber~).

Korkbörsen finden sich in Marseille und Bône (Algier).

Man unterscheidet bei dem Rohkork nach der Plattendicke 4 Kategorien:

I. 31 mm und darüber, II. 26-30 mm, III. 23-25 mm, IV. 22 mm. Die

Menge der jährlich fabrizierten Stöpsel schätzt ~Lamey~ (1893) auf 6

Milliarden, davon entfallen auf Spanien 2 Milliarden. Der +tägliche+

Bedarf an Stöpseln auf der Erde wird neuerdings auf 20 Millionen

geschätzt (~Hoehnel~). Deutschland verbraucht für über 12 Mill. M.

Kork im Jahr. Die Gesamtproduktion dürfte einen Wert von 100 Mill. M.

erreichen.

=Lit.= ~Lefebvre~ a. a. O. -- ~Müller~ a. a. O. -- ~Semler~,

Tropische Agrikultur. -- ~v. Hoehnel~ in ~Wiesner~, Rohstoffe --

Kork-Industrie-Zeitung (Red. ~Alfr. Weber~).

[Illustration: Fig. 154.

Korkzellen aus Flaschenkork im Querschnitt an einem Jahresring, in 2

Sclereïdenbildung. [+Tschirch+ gez.]]

=Anatomie.= Die subepidermale Korkbildung beginnt bei _Quercus Suber_

schon im ersten Jahr, die Epidermis wird im dritten abgeworfen

(~Kügler~). Das Phellogen bildet reichlich Korkzellen. Über den

männlichen Kork s. oben S. 461. Der aus dem weiblichen Kork (s.

oben S. 461) dargestellte +Flaschenkork+ wird seiner Hauptmasse

nach aus dünnwandigen, im Querschnitt nahezu quadratischen oder

radialgestreckten, in Radialreihen angeordneten, bis 100 mik breiten

Korkzellen gebildet, deren Wand wohl infolge der Behandlung bei der

Fabrikation bisweilen wellig verbogen erscheint. In den Zellen findet

man bisweilen kleine Prismen von in Chloroform löslichem Cerin,

seltener Plasmareste oder Oxalatdrusen (~Hoehnel~), immer Luft.

Hier und da -- bei guten Sorten selten -- ist in dies gleichförmige

Gewebe eine Brachysklereïde mit durchweg stark verholzter, nicht

sehr dicker Wand und variablem Umriß eingebettet. Zahlreicher sind

diese einen rotbraunen Inhalt führenden Sklereïden (Fig. 154, 2) in

den jahrringartigen und in der Tat den Jahreszuwachsen entsprechenden

Zonen die in unregelmäßigen Abständen und zarten, geschlängelten

Bogenlinien den Kork durchziehen, die feine Musterung desselben

hervorrufen und aus mehreren Reihen etwas dickwandigerer Zellen von

Tafelform bestehen (Fig. 154, 1), deren Wand gebräunt ist und die

bisweilen auch bräunlichen Inhalt führen. ~Flückiger~ erwähnt neben

diesen noch «falsche Jahresringe» aus zusammengefallenen Zellen,

die sich aber beim Erwärmen mit Wasser zu normalen Zellen strecken.

Die besonders bei schlechten Korksorten häufigen braunen bröckligen

Stellen, die beim Pressen des Korkes ein braunes Mehl entlassen,

bestehen aus lockeren, aus dem Gewebeverbande gelösten Sklereïden

und Sklereïdennestern, gemengt mit wenigen rundlichen obliterierten

Korkzellen. ~Kügler~ hat (da bei der normalen Rinde Lentizellen

auftreten und von diesen Risse ausgehen) diese Nester mit Lentizellen

in Verbindung gebracht und in der Tat sieht man auf Querschnitten

besonders schlechter Sorten Rohkork oft, daß die braunen mehligen

Stellen des Innern nach außen hin in eine der zahlreichen von außen

eindringenden Spalten münden, an deren Ausführungsöffnung vielleicht

eine Lentizelle lag. Bisweilen durchsetzen diese braunen Streifen

sogar die ganze Korkschicht. Die zahlreichen Löcher, die man auf der

Innenseite der Rohkorkplatten sieht, gehören zu diesen Streifen, die

vielleicht auch zu den Markstrahlen in Beziehung stehen. Wenn man

berücksichtigt, wie außerordentlich die normale Transpiration des

Stammes durch den riesigen Korkpanzer behindert ist, so kann man hier

sehr wohl an eine besondere Form von Lentizellen denken, da diese

ja bekanntlich der Durchlüftung dienen. Bei den nicht mehr bis zum

Phellogen reichenden funktionslos gewordenen erschiene dann auch die

Sklerose der Zellen verständlich. Aber es liegt jedenfalls im Interesse

des Kultivateurs, die Bildung dieser braunen Stellen zu verhindern.

Wie es scheint gelingt dies durch öftere Wiederholung der Démasclage

bei alten Kulturen und dadurch, daß man nach Ablösung des Korkes einen

Längseinschnitt in die Korkmutter macht (Taf. X). Sicher ist, daß

dadurch die Bildung zahlreicher Risse vermieden wird. Die dünne Wand

und das weite Lumen der Korkzellen (Fig. 154) geben dem Flaschenkork

seine Geschmeidigkeit. Bemerkenswert erscheint es, daß als Folge der

Prozedur, die behufs Erzeugung des weiblichen Korkes an den Stämmen der

Korkeiche vorgenommen wird -- Entfernung des normalen Korkes bis zum

Phellogen -- hier mutatis mutandis dieselbe Erscheinung zu beobachten

ist wie bei den Schälwunden, die die Rinde bis zum Cambium entfernen.

Bedeckt man nämlich eine solche Wunde, z. B. bei _Cinchona Succirubra_,

so erzeugt das Cambium zunächst eine große Menge weiter dünnwandiger

Parenchymzellen (renewed bark). Es scheint also eine allgemeine

Erscheinung zu sein, daß die auf Schälwunden neu erzeugten Gewebe

weiter und dünnwandiger sind als die normalen Gewebe. Die äußeren

Jahreszuwachszonen sind erheblich breiter als die inneren, die infolge

des Druckes der äußeren oft nur sehr schmal sind. Ich zähle an einer

30 mm dicken Korkplatte 11 Jahresringe. Der äußerste ist 4,5-5, der

zweite 5-5,5 mm breit, der dritte 3,5-4, der vierte bis sechste 2-3 mm,

die innersten 0,5-1 mm breit. Dieselbe Zone besitzt nicht überall die

gleiche Breite. Der Kork ist um so besser je breiter die Jahreszonen,

je dünner und weiter die Korkzellen und je weniger Sklereïdennester und

-streifen vorhanden sind. Der männliche Kork enthält nur schmale, 0,5-1

mm breite Jahreszuwachszonen, eng beieinander liegende Jahresringe und

daher mehr dickwandige Zellen.

=Mikrohistochemie.= Die Membran der Korkzellen besteht aus zwei

Schichten, der Mittellamelle, die zwei Zellen gemeinsam ist und der

Suberinlamelle, zu denen bei dickeren Zellen noch eine verholzte

Innenhaut tritt (~Höhnel~). Die Mittellamelle ist sehr schwer zu

sehen, auch nach Zusatz von Chlorzinkjod, welches die ganze Wand

gelb, oder Phloroglucin-Salzsäure, welches sie rot färbt, tritt sie

kaum deutlicher hervor. Erst wenn man einige Zeit mit Soda kocht,

auswäscht und mit Fuchsin färbt, hebt sich die Suberinlamelle von

der Mittellamelle ab. Läßt man einige Stunden in konz. Kalilauge

liegen, wäscht aus und setzt Chlorzinkjod hinzu, so färbt sich die

Suberinlamelle rotviolett oder kupferrot (Phellonsäure- +nicht+

Zellulose-Reaktion, ~Gilson~, ~Wisselingh~). Die Färbung tritt

nicht ein, wenn man nach der Kalibehandlung vor dem Zusatz von

Chlorzinkjod mit Alkohol kocht, wobei das Kaliumphellonat gelöst

wird. Kocht man mit 40% Kalilauge, so färbt sich nach dem Auswaschen

die Suberinlamelle mit Chlorzinkjod rosa. Bei längerem Kochen

wird sie zerstört, der Mittellamelle wird das Lignin entzogen und

diese färbt sich nun nach dem Auswaschen mit Chlorzinkjod blau

(Cellulosereaktion), ebenso wie die nun bisweilen (bei dickeren

Zellen) sichtbar werdende Innenlamelle. Bei den dünnwandigen Zellen

ist die Innenlamelle (Celluloseschlauch ~Höhnels~) nicht zu sehen.

~Schultze~sche Macerationsflüssigkeit löst die Mittellamelle. Bei

kürzerer Einwirkung wird ihr nur das Lignin entzogen und sie reagiert

dann nach dem Auswaschen blau (oder gelb) auf Chlorzinkjod. Legt man

nach kurzer Einwirkung von ~Schultze~scher Macerationsflüssigkeit in

Kali und wäscht aus, so färben sich Mittellamelle (und, wo vorhanden,

auch Innenlamelle) mit Chlorzinkjod blau, die Suberinlamelle

kupferrot. Nach Behandeln mit Kupferoxydammoniak färbt sich die

Suberinlamelle mit Chlorzinkjod gelb, da Kupferphellonat gebildet

wird. ~Gilson~ schließt aus obigen Reaktionen, daß die Suberinlamelle

+keine+ Cellulose enthält, und nur in Mittellamelle (und

Innenlamelle) Cellulose vorkommt in Form von sog. verholzter Membran

(vgl. S. 263). Beim Behandeln mit ~Schultze~schem Gemisch treten aus

der Korkmembran Tropfen aus (Ceresinsäurereaktion von ~Höhnel~).

~van Wisselingh~ schreibt mir (1911): «Daß die Suberinlamelle keine

Cellulosegrundlage hat, geht aus folgendem hervor: Bei Erwärmung in

Glycerin auf 300° (in zugeschmolzenen Röhrchen) wird die Korklamelle

meistenteils ganz zersetzt und entfernt ohne Zurücklassung von

Cellulose, während dünne cellulosehaltige Wände noch unvermindert

oder deutlicher die Cellulosereaktionen zeigen. Durch Erwärmen

mit einer Lösung von Kaliumhydroxyd in Glycerin (10proz. auf dem

Objektträger), sowie bei Behandlung mit alkoholischer Kalilauge bei

gewöhnlicher Temperatur wird die Suberinlamelle ganz entfernt ohne

Zurücklassung von Cellulose. Bei Untersuchung echter Korkzellwände

habe ich niemals Anzeichen für Anwesenheit von Cellulose oder anderen

Kohlehydraten in der Suberinlamelle erhalten.»

Erwärmt man Schnitte in Wasser, so sieht man, daß die Korkmembranen

über dem Gipsblättchen sich neutral verhalten, daß aber mit dem

allmählichen Erkalten die frühere optische Reaktion wiederkehrt

(~Ambronn~) -- kann beliebig oft wiederholt werden --. Daraus

schließt Ambronn, daß in diesen Membranen die Einlagerungssubstanz

in kristallinischer Form mit gleichsinniger Orientierung der

kleinsten Teilchen vorhanden ist. Verkorkte Membranen verlieren auch

durch Behandlung mit Kalilauge ihre normale optische Reaktion, das

Achsenverhältnis kann sich sogar umkehren (~Dippel~) oder sie werden

wenigstens neutral (~Ambronn~).

=Lit.= ~Mohl~, Entwickl. d. Korkes. Diss. 1836 u. Vermischte Schrift.

Bot. Zeit. 1847, 497. -- ~Mitscherlich~, Monatsber. d. Berl. Akad.

1850. -- ~Schacht~, Anat. u. Phys. 1856 I, 287. -- ~Sanio~, Vgl.

Unters. über d. Bau u. Entw. d. Korkes. Pringsh. Jahrb. 2 (1858). --

~De Bary~, Anatomie. -- ~Tschirch~, Angew. Anatomie. -- ~Hanausek~,

Techn. Mikroskop. -- ~Von Höhnel~, Über den Kork u. verkorkte Gewebe

überhaupt. Sitzungsb. d. Wien. Akad. 76 (1877), 527. -- ~Ross~,

Contr. alla conosc. del periderma Malpighia 1890. -- ~Zimmermann~,

Reakt. von Kork und Cuticula. Zeitschr. f. wiss. Mikrosk. 9 (1892)

59. -- ~Kügler~, Über d. Kork von Quercus Suber. Arch. Pharm. 22,

217. -- ~van Wisselingh~, Sur la paroi des cellules subéreuses. Arch.

Néerland. 22, 1888 und 26, 1893. -- ~Gilson~, La subérine et les

cellules du liège. La Cellule 6. -- ~Ambronn~, Über d. opt. Verhalt.

d. Cuticula u. d. verkorkten Membranen. Ber. d. d. bot. Ges. 1888. --

~Dippel~, Mikroskop II. -- Erste Abbild. der Korkzellen in ~Robert

Hooke~, Micrographia or some physiological descriptions of minute

bodies made by magnifying glasses. London 1667 fol. 112, observat.

XVIII Taf. XI.

=Chemie.= ~Brugnatelli~ erhielt 1787 bei Behandlung des Korkes

mit HNO₃ +Korksäure+ oder Suberinsäure, (CH₂)₆(COOH)₂ (s. oben

S. 457), die ~Bouillon la Grange~ als verschieden von der Oxalsäure

erkannte. ~Chevreul~, der die acide subérique zur Sebacinsäure

~Thénards~ in Beziehung brachte, erhielt beim Behandeln des Korkes

mit siedendem Wasser unter Druck 14% Extrakt, darin +Farbstoffe+,

+Gallussäure+, +stickstoffhaltige Substanzen+, +Eisen+, +Kalk+

und +Magnesiaverbindungen+ und aus dem ungelösten Rückstand durch

Extraktion mit Alkohol, neben Harz, krist. +Cerin+ oder Korkwachs

(C₃₂H₂₀O ~Boussingault~, C₂₅H₂₀O₃ ~Döpping~, C₁₇H₂₈O ~Siewert~). Er

ist der Ansicht, daß die Farbstoffe, Harze und Fette dem Zellinhalt

angehören. Den mit Wasser und Alkohol erschöpften Rückstand nannte

er +Suberin+ (~Doepping~ nannte den in Wasser, Alkohol, Salzsäure

und Äther unlöslichen Teil so). ~Boussingault~ fand das Suberin

größtenteils in Alkali löslich, aus der Lösung fällen Säuren die

Substanz, welche mit HNO₃ +Korksäure+ bildet. Die zur Oxalsäurereihe

gehörige Korksäure kann auch aus Ricinusöl, Leinöl u. and. Ölen, Cocos

und Palmfett, Walrat, Stearin- und Ölsäure mittelst HNO₃ dargestellt

werden (~Etaix~, ~Vanzetti~, ~Bromeis~, ~Arppe~, ~Dale~ u. and.),

wo sie neben Azelainsäure entsteht (~Arppe~) und wird synthetisch

aus Dibromhexan (wie Azelainsäure aus Dibrompentan) erhalten

(~Braun~). Sie entsteht auch durch Reduktion der Octadiidisäure

(~Lespiau~ und ~Vavon~). ~Döpping~ erhielt durch Behandeln des

Cerins mit Salpetersäure Cerinsäure (C₄₂H₃₄O₃) und gab dem in HNO₃

unlöslichen Teil den Namen Korkzellulose (C₆H₁₀O₅). ~Siewert~ fand

krist. Fettsäuren im Alkoholextrakt (2,5% +Decakrylsäure+: C₁₀H₁₈O₂,

+Eulysin+: C₂₄H₃₆O₃). +Phellylalkohol+ (Cerin) war zu 1,75% vorhanden.

Die Corticinsäure ist ein unreiner Körper.

~Payen~ fand, daß der mit Salzsäure, Essigsäure, Kalilauge und Wasser

extrahierte, von den «Inkrusten» (bes. Fetten) befreite Kork (der

Kartoffel) in Kupferoxydammon löslich ist. Er hält ihn für Zellulose,

ebenso ~Wiesner~ und ~Haberlandt~ den nach Extraktion mit Chromsäure

oder ~Schultze~scher Macerationsflüssigkeit erhaltenen Rückstand. Nach

~Frémy~ und ~Urbain~ enthält der Kork 43% +Cutose+ (= Suberin), 29%

+Vaskulose+, 12% Zellulose und «Parazellulose» und 15% in Säuren und

Alkalien lösliche Stoffe (Cutose + Vaskulose = Suberin, ~Chevreul~).

~v. Wisselingh~ fand das Suberin in auf 250-290° erhitztem Glycerin

löslich.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 70 / 120 段