Kirschg. ist als «Kunstgummi» im Handel. Auch durch Erhitzen mit
Wasser unter Druck werden unlösliche G. löslich.
=Lit.= ~Mikosch~, Sitzungsb. d. Wien. Akad. 1906, 911 (dort die
Lit.). -- ~Wigand~, Pringh. Jahrb. 3. -- ~Tschirch~, Angew. Anatomie
S. 210, Fig. 211. -- ~Wiesner~, Rohstoffe. -- ~Sickenberger~
(Prunusg.). Chem. Zeit. 1890, 350. -- ~C. Hoffmeister~, Amygdalusg.
Ber. d. d. bot. Ges. 1898. -- Aprikoseng.: ~Lemeland~, Journ. pharm.
1905, 443. -- ~Hillier~, Kew Bull. 1906, 109. -- ~Huerre~ (G. d.
Mandelbaums). Journ. pharm. chim. 1908, 561. -- ~Hauers~, Dissert.
Göttingen 1902. -- ~Lemeland~, Journ. pharm. chim. 21, 443. --
~Stone~, Ber. d. d. chem. Ges. 23, 2574. -- ~Garros~, Journ. ph.
1892, 535. Bull. soc. chim. (3) 7, 625. -- ~Allen~ und ~Tollens~,
Lieb. Ann. 260, 289. Ber. d. chem. Ges. 23, 137. -- ~Martina~, Apoth.
Zeit. 1894.
B. Drogen, welche vorwiegend aus Membraninen bestehen, die keine
Polysaccharide enthalten oder von denen es nicht sicher ist, ob sie
solche enthalten.
Zu dieser Gruppe gehören Kork, Pollenin, Pilzzellulose und die
Diatomeenschalen. Neuere Untersuchungen haben es zweifelhaft gemacht
ob in diesen Polysaccharide vorkommen, da die als Beweis angeführte
Reaktion, daß die mit Kali behandelten Membranen mit Jodreagentien
(z. B. Jod-Schwefelsäure, Chlorzinkjod) sich violett färben, auch
auf andere Substanzen, beim Kork auf die Phellonsäure, bei der
Pilzzellulose auf Chitosan zurückgeführt werden kann.
Die Drogen dieser Gruppe mögen also den Zellulosindrogen gegenüber
gestellt und ihnen hier angehängt werden.
1. Suberino-Membranindrogen.
Ein höchst eigenartiges Membranin ist der Kork, der hier als
+Suberinomembranin+ bezeichnet werden mag, da er eine Bildung sui
generis ist. Die ältere Annahme ging dahin, daß die Korkmembran
eine durch Suberin (~v. Höhnel~) «inkrustierte» Zellulosemembran
sei. Daß dies nicht richtig ist, wissen wir jetzt bestimmt. Ob
die Suberinlamelle überhaupt Polysaccharide enthält ist unsicher
und neuerdings bestritten worden (~Gilson~, ~Wisselingh~). Die
älteren Beobachtungen von ~Payen~, ~Mohl~, ~Frémy~ und ~Urbain~,
~Kügler~, ~Wiesner~, ~Haberlandt~ und ~von Höhnel~ stützten sich
auf die Tatsache, daß die Korkmembran nach Behandeln mit kochendem
Alkali sich mit Chlorzinkjod und Jodschwefelsäure violett färbt,
was als «+Zellulosereaktion+» angesprochen wurde. Aber es ist zu
berücksichtigen, daß auch die Phellonsäure und ihre Salze, die
beim Behandeln von Kork mit kochenden Alkalien entstehen, durch
Chlorzinkjod violett werden (~Gilson~), also die Zellulosereaktion
vortäuschen können. ~v. Wisselingh~ bestreitet daher das Vorkommen von
Zellulose in der Suberinlamelle. Bemerkenswert ist auch, daß bisher
aus Kork allein weder Hexosen noch Pentosen isoliert werden konnten.
Charakteristisch für den Kork sind jedenfalls andere Verbindungen
als Polysaccharide, besonders Fettsäureester, weniger aromatische
Reste. Die wichtigste Gruppe ist die der Fettsäuren, die ~Kügler~
zuerst darin (1884) nachwies und die dann ~Gilson~ und ~v. Schmidt~
näher studierten. Gefunden wurde neben +Stearinsäure+, besonders
+Phellonsäure+, +Suberinsäure+ und +Phloionsäure+. Der Phellonsäure
schreibt ~Schmidt~ die Formel:
H--C₇H₁₅
C
/ \
H₂C C(OH).CH₃
| |
H₂C CH.COOH
\ /
C
H--C₇H₁₅
zu. Sie wäre dann eine hydroaromatische Verbindung. Bei der Aufspaltung
des Ringes bei Behandeln mit HNO₃ entsteht Korksäure:
CH₂CH₂CH₂COOH
|
CH₂CH₂CH₂COOH.
Wie diese Säuren gebunden sind, ist noch nicht aufgeklärt. Die
geringe Menge +Glycerin+, die ~Kügler~ bei der Verseifung erhielt
(auf 30% Säuren nur 2,65% Glycerin, ~v. Schmidt~ fand mehr), deutet
darauf, daß nur relativ geringe Mengen der Säuren als Glycerinester
vorliegen können, das meiste ist wohl anders gebunden. ~Gilson~ denkt
an zusammengesetzte Ester, Kondensations- und Polymerisationsprodukte
verschiedener Säuren, ~Czapek~ auch an laktonartige Anhydride, ~v.
Schmidt~ an Anhydride und Polymerisationsprodukte. Keinesfalls können
wir den Kork als ein +Gemisch+ von Fett und Zellulose auffassen, wie
man dies früher tat und Zellulose findet sich, wenn überhaupt, nur als
Ligninomembranin in der Mittellamelle (und der Innenlamelle, ~Gilson~).
Daneben finden sich auch +aromatische Reste+ im Kork. Korkzellmembranen
speichern Chlorophyll, Alkanna (~Correns~), Cyanin (~Zimmermann~) Sudan
III (~Lagerheim~), was auf die Fettsäuren zurückzuführen ist und färben
sich mit Osmiumsäure, müssen also ungesättigte Verbindungen enthalten.
Mikrohistochemisch ist die Korkmembran dadurch ausgezeichnet, daß
sie in konz. Schwefelsäure, selbst nach längerer Einwirkung, sich
nicht löst (~Mitscherlich~, 1850). Ebenso ist sie in Kupferoxydammon,
in kaltem und heißem ~Schultze~schen Gemisch (chlorsaures Kali und
Salpetersäure), in kalter Chromsäurelösung unlöslich. Konz. Kalilauge
färbt besonders beim Erwärmen gelb, dabei tritt zuerst Körnelung auf
und dann gelbe Tropfen.
Ich habe schon 1888 darauf aufmerksam gemacht, daß nicht alle
in konz. Schwefelsäure unlöslichen Membranen als «verkorkt» zu
betrachten sind. Besonders bei Drogen kommen oft durch postmortale
Infiltration mit Phlobaphenen mehr oder weniger gefärbte Membranen
vor, die sich nicht in Schwefelsäure lösen und doch nicht verkorkt
sind.
Vgl. ferner das mikrohistochemische Verhalten bei Suber.
Suber.
=Syn.= Suber quercinum, Kork, -- liège (franz.) -- cork (engl.) --
corcho (span.) -- sughero (ital.) -- kurk (holl.) -- korkki (fin.) --
para (ung.) -- suberin (russ.) -- plutovina (kroat.) -- korek (böhm.)
-- φελλός (griech.).
Die Korkeiche (Korkbaum, Korg- oder Karchbaum [~Cordus~],
Gorckenbaum, Sohlenholz, Pantoffelholz) heißt +franz.+ chêne liège,
+engl.+ Cork-tree, +holl.+ Korkboom, vlothout, +ital.+ sughero,
suvero, +port.+ sobro, sobrereiro, +span.+ alcornoque (in Catalonien
suro, surera, in Galicien subreiro), in +Algerien+, +Tunis+ und
+Marocco+: kerrouch oder fernan. Den Baum nannten die Römer Suber (so
schon bei ~Virgil~) oder _corticis arbor_, den Kork vielfach kurz
_Cortex_ (Katexochebegriff!), da von allen Rinden die wichtigste --
das deutet also auf vielfache Benutzung (~Flückiger~).
=Etym.= Sûber von sub (= unter) und suere (= nähen) wegen der
Verwendung zu Schuhsohlen (s. Geschichte), aus dem gleichen Grunde
auch zu subire in Beziehung gebracht. Kork, seit ~Schottel~ 1663
gebucht (~Kluge~) -- ich finde Kork aber schon 1659 im Rostocker
Catologus (s. Taxen, I, S. 825) --, aus span. corcho = Korkholz,
Pfropf, frühengl. cork, dies von cortex über scorzia, scorza (ital.
von excortea) -- liège von levis, also = der leichte Stoff --
Pantoffelholz wegen der schon von ~Plinius~ erwähnten Benutzung für
Schuhe -- Pantoffel aus ngr. παντοφελλός = Ganzkork.
=Stammpflanze und systemat. Stellung.= =Quercus Suber= L. Fagaceae --
Castaneae. -- (Quercus Sect. Lepidobalanus Endl. c. Suber.)
Sehr ähnlich und fast nur durch zweijährige Fruchtreife, einjährige,
etwas breitere Blätter unterschieden ist die einen in geringerer
Menge in den Handel gebrachten, übrigens guten Kork liefernde,
in Südostfrankreich (zwischen Gironde und Adour), Portugal und
Spanien heimische, härtere (über den 45° hinausgehende) _Quercus
occidentalis_ ~Gay.~ (in Frankreich: Corcier), die einige für eine
Varietät der Korkeiche halten (_Querc. Suber_ var. _latifolia_).
Der Kork der in Mittelitalien und der Provence häufigen _Qu.
Pseudo-Suber_ ~Santi~ (Bastard von _Q. Suber_ und _Cerris_?) ist
minderwertig (~Mathieu~). Als +Faux lièges+ gelten (in +Algier+) die
Hybriden: _Qu. numidica_ ~Trabut~ (_Qu. Suber_ × _Qu. Afares_ = _Qu.
Pseudo-Suber_ ~Dc.~ ex parte) und _Qu. Fontanesii_ (_Qu. Suber_ ×
_Qu. Cerris_).
=Beschreibung der Stammpflanze.= Die Korkeiche bildet einen bis 10,
ja 16 selten 20 m hohen +immergrünen+ Baum von 3-5 m Stammumfang, mit
großer, unregelmäßiger, aufgelöster, zerzauster, meist nicht sehr reich
belaubter Krone (vgl. I, Fig. 86 u. 89 u. Taf. X). Die jüngeren Zweige
sind grau oder gelblich-filzig, die jüngeren Stämme und Äste sind mit
einem glatten, rotbraunen Kork bedeckt, der mit den Jahren sehr dick
und rissig und grauweiß wird und sich schließlich vom 50. Jahre an zum
Teil in kleinen Schuppen ablöst. Die 2-3 Jahr dauernden Blätter sind
elliptisch, eiförmig, eiförmig-länglich bis länglich (wie bei anderen
immergrünen Eichen von erstaunlicher Vielgestaltigkeit, ~Rickli~),
3-7 cm lang, 1,5-3 cm breit, auf 5-12 mm langem Stiel, meist scharf
bis dornig-gezähnt, selten ganzrandig, in der Jugend graufilzig. Die
männlichen Kätzchen mit filzigen Spindeln, stumpf sechslappigem Perigon
und behaarten Antheren. Die weiblichen Infloreszenzen fast sitzend.
Früchte im ersten Jahr reifend. Cupula verkehrt-eiförmig-halbkugelig
mit locker angedrückten graufilzigen Schuppen. Eichel zweimal länger
als die Cupula, glänzend hellbraun. Der Baum blüht meist im April und
Mai. Die Samen reifen vom September bis Januar. Sie sind bitter und als
Viehfutter weniger brauchbar als die von _Q. Ilex_ var. _Ballota_, doch
kommen auch Varietäten mit süßen Samen vor. Die Wurzel treibt reichlich
Schößlinge.
=Verbreitung.= Größere Bestände der Korkeiche lassen sich nördlich vom
45. Breitengrade nicht halten. Ihre Polargrenze fällt zusammen mit der
Isotherme von 13,5° C. Sie gedeiht am besten auf Hügeln und mittleren
Gebirgen (200-800 m in Algier, 400 bis 600 m in Spanien). In Spanien
geht der Baum bis 1200 m, in Algerien bis 1300 m. Sein Alter übersteigt
nicht 200 Jahre. Die Korkeiche findet sich in der +Westprovinz des
Mittelmeerdrogenreiches+ (s. die Karte) in Südostfrankreich, Spanien,
Portugal, Balearen, Sardinien, Korsika, Sizilien, Italien, Istrien,
Dalmatien und Nordwestafrika, besonders Algier und Tunis, aber bis
ins Innere von Marocco. Sie bildet Wälder oder ist (selten) in
Alleekultur (I, Taf. V). Sie wurde neuerdings in die Südstaaten
Nordamerikas und an die atlantische Küste südwärts von Virginien
eingeführt.
[Illustration: Die Verbreitung der Korkeichenwälder in der Westprovinz
des Mittelmeerdrogenreiches.
Mit Benutzung der Karten von Müller und Lefebvre gezeichnet von A.
Tschirch.]
In =Spanien= sind c. 300000 ha der regenreicheren Provinzen mit
Korkwald bedeckt, meist als Mischwald (mit Steineiche) an niederen
Gebirgshängen in einer Meereshöhe von 500-600 (800) m, vornehmlich
in +Catalonien+, +Nieder-Andalusien+ und +Estremadura+. +Catalonien
besitzt die schönsten und bestkultivierten Korkwälder des ganzen
Korkgebietes+ (Abhänge der Pyrenäen und des catalonischen Gebirges,
Ebene von Ampurdan). Besonders schön sind die 80000 ha großen Wälder
der Provinz +Gerona+, zwischen +Junquera+ und +Figueras+, an den
Abhängen der Sierra de las Gabarras (La Bisbal) und im östlichen
Bergland (Gerona bis Arbucias) sowie an der Küste (Blanes, Calonge)
(s. die Karte).
Die Korkeichenwälder +Nieder-Andalusiens+, die 112000 ha bedecken,
befinden sich in den Provinzen +Huelva+, +Sevilla+, +Cadiz+ und
+Cordoba+, die meisten in der Provinz Huelva: in der westlichen
Sierra Morena, der sog. +Sierra Aracena+ (Aracena im Quellgebiet des
Odiel, Huelva und Murtija) und im Süden (Lepe, Ayamonte, Almonte) in
der Provinz Sevilla: zwischen Sevilla und Utrera und in der Sierra
de Pedroso, in der Provinz Cadiz: auf den Bergen zwischen Guadiaro
und Guadalete und den Sierras de Gazules, de Algeciras, de Palma und
de Tarifa -- hier fast reine Bestände bildend, weiter oben Mischwald
(mit _Qu. Lusitanica_ und _Ilex_). Schöne Korkwälder liegen auch
bei San Roque und in den Tälern des Guadiaro, Jogerganta und Rio
Guadarranque, zwischen Arcos de la Frontera und Medina-Sidonia (dort
die «Lomas de alcornoque» = Korkhügel); in der Provinz Cordoba:
Sierra de Cordoba bis zum Guadalquivir. Von den andalusischen
Korkdistrikten liefert Cortes den meisten Kork (1896: 11005 t),
dann Jerez und Alcalá, weniger Huelva, Easares und Cadiz u. d. and.
Distrikte. In der Sierra Aracena bildet die Korkeiche in Höhen von
400-600 m gemischte Bestände mit _Q. Ilex_ und _Q. Ballota_ (~Rein~).
Die Korkwälder +Granadas+ liegen in der Provinz Malaga (Sierra de
Antequera, Hochebene von Ronda, Sierra de Bermeja zwischen Marbella,
Estepona und Gaucin, Sierra Contraviesa), die von +Estremadura+ in
der Provinz Cáceres (zwischen Mérida und Cáceres bis zum Rio Tiétar
und Toril). Auch die Provinz Burgos in Altkastilien hat Korkwälder,
sowie Asturien, weniger Galicien.
Die Korkwälder =Portugals= umfassen (1911) c. 500000 ha (~Weber~),
sie liegen besonders im Süden in den Gebirgsketten von +Algarve+
(z. B. den Tälern der Serra de Monchique) im südlichen +Alemtejo+, in
+Estremadura+ (Tal des Sado, Palmella), endlich im südlichen Beira --
weniger in Mittel- und Nordportugal (Serra de Cintra). Die Korkwälder
längs der Westküste bestehen besonders aus _Quercus occidentalis_.
=Frankreichs= Korkwälder umfassen 1911 c. 150000 ha. Die meisten
liegen in der Provence (Var, Alpes maritimes), weniger in der
Gascogne (Landes, Lot-et-Garonne, Gironde -- fast ausschließlich _Q.
occidentalis_), in Languedoc (Roussillon) und auf Corsica (Bavella).
In Corsica bildet die Korkeiche besonders im Süden (Portovecchio,
Monaccia) ausgedehnte Wälder (~Rickli~). Die Korkwälder der
Landschaft Roussillon umfassen nur 1928 ha, liefern aber den besten
französischen Kork. Die Korkwälder der Provence bedecken 113600, die
der Gascogne 24100, die Corsicas c. 9000 ha (1911: 15000 ha, ~Weber~).
=Italien= hat nur noch wenige Korkeichen (immerhin 80000 ha ~Weber~),
mehr Sardinien und besonders Sizilien, die wenigsten +Dalmatien+.
In Italien wurde früher unerhörter Raubbau getrieben und viele
Korkeichen für Bauholz geschlagen. Jetzt forstet man wieder auf.
In =Algerien= findet sich die Korkeiche besonders in der Kabylie du
Djurdjura und im Gebiete des Tell (Atlas tellien), einem hügeligen
bzw. gebirgigen Landstrich von 100-150 km Breite mit mediterranem
Klima, wo das von ihr bestandene Gebiet (in einer Höhe von 10 bis
1300 m, bes. 200-800 m [~Trabut~] -- zone de chêne-liège --) 1900:
480000 ha einnahm, davon waren 273713 ha Staatswaldungen, der Rest
Privat- und Gemeindewald. 1911: 508000 ha (~Weber~). Viele Korkeichen
finden sich in den Depart. +Oran+ (Tlemcen, Oran, Ammi-Moussa,
Tiaret, Mascra, Sidi bel Abbes) und +Alger+ (Djurdjuraberge, Tizi
Ouzou, Azazga, Sahelthal, Djebel-Djurdjuraberge, bes. Bouïra und
Aumale, dann Ténes, Cherchel, Alger, Tenied el Hâad, Orleansville,
Medéa u. and.). Die meisten und schönsten aber in +Constantine+
(von +Bougie+ bis +La Calle+: Djidjelli, El Milia, Taher, Collo,
von +Philippeville bis Bône+, St. Croix (Edoughberge) im Innern:
Constantine, Souk-Arrhas). In Algier bildet _Q. Suber_ mit andern
Eichen die Zone der Bergwälder (~Trabut~). Sie findet sich mit _Qu.
Afares_ besonders in der mittleren Region dieser Zone.
In =Tunis= beträgt das Korkwaldareal 116000 ha. Es ist alles
Staatsdomäne. Die schönsten Korkwälder liegen im Bergland +Khoumirie+
(Tabarka bis La Calle, Beja bis Bizerta und Cap Blanc). Dann an der
algerischen Grenze Ghardimaou bis Souk Arrhas, ferner von Souk el
Arba bis Fernana.
In =Marocco= finden sich enorme aber wenig zugängliche
Korkeichenwälder (c. 1 Mill. ha, ~Weber~). Viel im Er Riff bis zur
Muluja (Tetuan, Andjira, Ceuta), ferner zwischen Tanger und Rabat
(Mamora, El Araisch u. and.). +Marocco könnte also, wenn erschlossen,
fast soviel liefern wie alle übrigen Länder zusammengenommen.+
(Nach der Zusammenstellung in ~E. A. Müller~, Über die Korkeiche,
Abh. d. Wien. Geograph. Ges. II [1900] Nr. 7 mit Karte.) Vgl. auch
~Lefebvre~, Les forêts de l’Algérie 1900 (dort sind auch die übrigen
Länder berücksichtigt) und ~Lapie~, Etud. phytogéogr. de la Kabylie
du Djurjura 1909. Über die Höhengrenzen vgl. ~Koch~, Beitr. z.
Kenntn. d. Höhengrenzen d. Vegetation im Mittelmeergebiet. Halle
1910.)
Die Korkeiche flieht Kalk und gedeiht am besten auf silurischem
Schiefer und verwittertem Granit. Viele Korkeichen wurden durch
Brände und unverständige Ausbeutung auf Gerberlohe vernichtet.
In Frankreich und Algerien sind neue Korkwälder angelegt worden.
Meist wird zunächst Mischkultur mit reichbelaubten Bäumen oder Wein
bevorzugt.
Die ursprüngliche Heimat ist wohl Nordafrika, über die übrigen Länder
ist die Korkeiche vielleicht durch eine sehr alte Kultur verbreitet
(? ~Flückiger~). Doch ist auffällig, daß ~Plinius~ sie weder in
Spanien noch in Nordafrika erwähnt, die er doch als Beamter bereiste.
Über die Kultur der Korkeiche vgl. ~Semler~, Tropische Agrikultur II,
230.
=Lit.= ~Gay~, Not. sur une nouv. espèce de chêne franc. Ann. sc. nat.
4, 7 (1856), 223. -- ~De Candolle~, Ebenda 4, 18, 49. -- ~Kotschy~,
Die Eichen Europas und des Orients. Wien 1859-1862 m. 40 Taf. --
~Prantl~, Fagaceae in ~Engler-Prantl~, Pflanzenfam. -- ~Mathieu~,
Flore forestière. Paris 1877. -- ~Lamey~, Le chêne-liège en Algérie
1870. -- ~Trabut~, Les Hybrides du Quercus Suber. Associat. franc.
p. l’avenc. Paris 1889. -- ~Luerssen~, Mediz.-pharm. Bot. --
~Wiesner~, Rohstoffe. -- ~Müller~, Die Korkeiche 1900 (dort auch die
Reiseliteratur). -- ~Battandier~ et ~Trabut~, Flore de l’Algérie
1888/89. -- ~Trabut~, Les zones botan. de l’Algérie. Assoc. franc.
p. l’avenc. 1888 und De Djidjelli aux Babors. Bull. Soc. bot. France
1889. -- ~Trabut~ et ~Mares~, l’Algérie agricole en 1906. Alger 1907.
-- Corsica: ~Rickli~, Bot. Reisestud. auf ein. Frühlingsf. durch
Corsica. Zürich 1903. -- +Derselbe+: Bot. Reisestud. von d. span.
Mittelmeerküste. Zürich 1907. -- ~Flückiger~, Arch. Pharm. 1879.
-- +Abbild.+: Erste in ~Clusius~, Rariorum plant. historia 1601,
22 (Suber latifolium); dann auch bei ~Matthioli~ (der eine Suberis
consideratio schrieb) und ~Nees von Esenbeck~, Plant. med. Supplem.
-- ~Pabst-Köhler~, Medizinalpfl. t. 152. -- +Abbild.+ des Baumes bei
~Pomet~, Hist. gen. d. Drog. p. 136 (stilisiert), von ~Valentini~ im
Museum kopiert. -- Gute Abbildung des Baumes auch in ~Kotschy~, Die
Eichen Europas u. d. Orients 1862, taf. 33. Vgl. ferner I, Fig. 86 u.
89 und Tafel V. -- Abbild. von algerischen Korkwäldern in: ~Lapie~,
Etude phytogéograph. de la Kabylie du Djurjura. Paris 1909. Cap. I
Les forêts de chêne-liège.
=Pathologie.= Wie andere Bäume, so wird auch die Korkeiche von
holzzerstörenden Hymenomyceten besiedelt. Es wurden auf ihr _Agaricus
melleus_, verschiedene _Polyporus_-, _Fomes_-, _Trametes_-,
_Lenzites_-, _Stereum_-Arten und andere beobachtet (~E. Fischer~).
Die Insekten behandelt ~Lamey~ (Le chêne liège Paris 1893). Eine
Liste der wichtigsten auch in ~Müller~, Korkeiche (Abhandl. d. Wien.
Geogr. Ges. 1900). Sehr gefürchtet ist _Formica ligniperda_ ~Latr.~
(vgl. bei ~Kügler~ a. a. O. weiter unten).
[Illustration:
Tafel X.
Zweimal geschälte Korkeiche aus dem Korkeichenwald Hafir bei Tlemcen
(Algier).
(Basinger phot.)]
=Gewinnung.= Nicht überall wo Korkwälder vorkommen wird marktfähiger
Kork erzeugt, der beste in der spanischen Provinz +Catalonien+,
besonders im Nordosten bei Junquera, Gerona und näher am Meer bei
Toca, Palaforgell und San Feliu de Guixols an der Küste, dann in der
+Sierra Aracena+, dem Quellgebiete des Odiel, der sich in den Busen
von Cadiz ergießt, des Huelva eines Nebenflusses des Guadalquivir
und des Murtija, der in den Ardila, einen Nebenfluß des Guadiana
mündet. Mittelpunkt der Korkproduktion ist in diesem Gebiet Aracena
und Fuente Heridos. Die sehr ausgedehnten Korkwälder Portugals (s.
die Karte) werden ebenfalls stark ausgebeutet. Schon 1879 wurden
fast 9½ Mill. kg Kork von dort ausgeführt. Eine von Jahr zu Jahr
wachsende Korkproduktion befindet sich in +Algier+, wo sich die
Korkwälder, sowohl die staatlichen wie die privaten, durch vernünftige
Schutzeinrichtungen zu großer Blüte entwickelt haben, besonders im
Departement Constantine bei Bona, Calle und weiter westlich. Auch
Tunis produziert jetzt viel Kork. In +Frankreich+ produziert das
Depart. du Var, les Alpes maritimes, Lot-et-Garonne, des Landes,
Pyrénées-Orientales und Corsica; in +Italien+: außer dem Festlande,
Sardinien und Sizilien. Der Dalmatinische und der Istrianer ist
minderwertig. Über die Produktion +aller+ Länder orientiert ~Lefebvre~,
Les forêts de l’Algérie. Paris 1900.
Die Korkeiche wird erst, wenn sie 8-25 (in Algier 15) Jahre alt ist,
zur Korkgewinnung herangezogen. Die besten Korkplatten liefern Bäume im
Alter von 5-100 Jahren auf magerem, steinigem Boden. Derselbe Baum kann
in Pausen von 8-10 Jahren immer wieder Kork liefern bis er 150 Jahre
und älter geworden ist. Eine vernünftige Korkproduktion scheint dem
Baume nichts zu schaden.
[Illustration: Fig. 152.
Lager von Rohkork des Schweiz. Konsuls +Borgeaud+ in Algier. [Auf der
Ricklischen Studienreise phot. von +Businger+.]]