90° F. gemessen, die +Viskosität+ bei Cordofan hard bei 10% Lösung =
94-112, bei 20% Lösung = 93,5-111, bei Cordofan softer bei 20% Lösung
= 87,5-92. Bei Senegalgummi bei 10% Lösung = 83-98, bei 20% Lösung =
92,5-104 (bez. der Umrechnung der Grade vgl. bei ~Beam~. Die Temperatur
muß genau beachtet werden). Bestes Cordofan gross gum (Turkey) zeigte
im Torsionsviskosimeter 32° Retardation entsprechend der Viskosität
einer 61,85% Rohrzuckerlösung. ~Merveau~ bestimmte (1910) mit einem von
ihm konstruierten Ausflußviskosimeter (Fig. 151) bei 15° die Viskosität
von Cordofangummi zu 5,27, die des Gomme pelliculée de l’Inde zu 7,9,
die des Gomme d’Aden Mokri zu 3,81. Mit steigender Temperatur geht die
Viskosität herab. Sie beträgt z. B. im obigen Falle beim Cordofangummi
bei 30°: 4,12, bei 40°: 3,87 und bei 50° nur noch 3,28. Die Viskosität
des Angra Pequena-G. betrug 1,72, 2,052, 3,39 und 3,67 (~Hartwich~).
Bei gewöhnlicher Temperatur bereitete Lösungen haben eine größere
Viskosität, wie heiß bereitete gleicher Konzentration. Beim Aufbewahren
des Gummis nimmt die Viskosität ab. Gummis mit hoher Klebkraft zeigen
auch eine hohe Viskosität, einen hohen Säuregrad und eine negative
Drehung (~Fromm~).
Methoden zur +Bestimmung der+ =Klebefähigkeit= rühren von ~Dalén~ und
~Hirschsohn~ her. Die Klebefähigkeit des Gummi prüfte ~Hirschsohn~
in der Weise, daß er eine bestimmte Menge Gips mit einer bestimmten
Menge 10% Gummilösung verrieb und die Masse zu Stangen formte. Diese
wurden durch unten angehängte Gewichte auf ihren Zerreißungspunkt
geprüft. G. arabicum riß bei 1000 g Belastung, Senegalgummi
bei 1600 g, australisches Gummi bei 1400 g, ostindisches Gummi
bei 1500 g («Kunstgummi» erst bei 1800-2000 g) Belastung. Die
~Dalén~sche Methode beruht darauf, daß man Saugpapier von bekannten
Festigkeitseigenschaften mit der zu prüfenden Gummilösung tränkt,
trocknet und von neuem nach den bekannten Methoden die Festigkeit prüft.
Auch die Bestimmung der =Emulgierungsfähigkeit= ist praktisch nicht
ohne Bedeutung. ~Hirschsohn~ hat sie bei verschiedenen Gummis bestimmt.
=Lit.= +Osmometer+: ~Moor~ and ~Roaf~, Biochemic. Journ. 7, 34. --
+Viskosimeter+: ~Sacc~, Essai des gommes employées pour épaissir
les couleurs. Journ. d. pharm. 1867, 119. -- ~Duclaux~, Ann. chim.
phys. 21 (1870) u. 25 (1872). -- ~Vée~, Etude sur les gommes dites
arabiques. Thèse 1888. -- ~Lunge~, Nouv. viscos. pour l’examen
des gommes. Ann. chim. an. 1896, 411. -- ~Beam~, Second Report of
Wellcome Res. Labor. 1906, 232. -- ~M. J. Merveau~, Recherches sur la
viscosité et en particulier sur la viscosité des gommes. Thèse Paris
1910 (hier d. Literatur). -- ~Lunge~, Zeitschr. angew. Chem. 1895,
437. Apoth. Zeit. 1897, Nr. 75, 1898, Nr. 22. -- ~Fromm~, Zeitschr.
anal. Chem. 40 (1901) 143. -- +Drehung+: ~Graham~, Lieb. Ann. 121,
56. -- ~Gladston~ u. ~Hibbert~, Chem. News 59, 277. -- ~Linebarger~,
Am. journ. sc. (3) 426. -- ~Guichard~, Bull. soc. chim. (3) 9,
19. -- ~Dieterich~, G. vom Hinterland von Angra Pequena a. a. O.
-- ~Béchamp~, Compt. rend. 51, 255. -- ~Scheibler~ a. a. O. --
~Wiesner~ a. a. O. -- ~Flückiger~ a. a. O. -- ~Mannich~, Gummiarten
Deutsch-Ostafrikas. Tropenpfl. 1902, 201. -- ~Fromm~, Zeitschr. Anal.
Chem. 40 (1901), 143. -- ~Dalén~, Mitt. d. k. techn. Versuchsanstalt
1894, 149. -- ~Hirschsohn~, Pharm. Zeitschr. f. Rußl. 1893, 803.
=Verfälschung und Prüfung.= Für pharmazeutische Zwecke kommen +nur+
die +besten+ Cordofan- und Senegalsorten in Betracht. Als Klebstoff
sind alle anderen guten G. zulässig. Das _Gummi arab. officin._ muß
sich zu einem hellgelblichen, schwach sauer reagierenden, geruchlosen
Schleime langsam aber vollständig lösen, der die oben (S. 442)
angegebenen Eigenschaften besitzt und Fehlingsche Lösung kaum sichtbar
reduziert. Jodlösung darf auch in der heiß bereiteten Lösung weder
eine blaue (Stärke) noch eine weinrote Färbung (Dextrin) geben. 10
ccm des Gummischleims (1 = 10) sollen sich z. B. mit einem Tropfen
n./10 Jod rein gelb färben (Pharm. helv. IV). Auch nach dem Kochen
und Wiedererkalten darf die Mischung durch einen weiteren Tropfen der
Jodlösung keine Violettfärbung annehmen. Dextrinhaltiges Gummi dreht
stark rechts. Auf +Dextrin+, das öfter im Gummi vorkommt, kann mit
Anilinsulfat (~Pietro~) oder auch in der Weise geprüft werden, daß
man 3 ccm einer Lösung, die aus 15 gtts Liqu. ferr. sesquichlor., 15
gtts einer gesättigten Lösung von +rotem+ Blutlaugensalz, 5 gtts verd.
Salzsäure (sp. Gew. 1,165) und 60 ccm Wasser besteht, mit 6 ccm einer
20% Lösung des G. vermischt. Die Lösung von reinem G. wird gelb und
bleibt es 10-12 Stunden lang, bei Anwesenheit von Dextrin wird die
Lösung blau. Die Prüfung auf +Gelatine+ (Leim) gründet ~Gautier~ auf
die Eigenschaft derselben durch Formaldehyd in der Wärme unlöslich zu
werden (G. wird nicht angegriffen). G., das mit +schwefliger Säure+
gebleicht wurde (Verfahren ~Piciotto~), gibt mit Baryumchlorid eine
Fällung, solches, das mit +Chlor+ gebleicht wurde, mit Silbernitrat.
~Piciotto~ empfahl auch Reinigung gefärbter G. mit Alaun und KOH,
so daß auch hierauf zu prüfen wäre. Auch mit Schwefelsäure soll G.
gereinigt werden (?). Reines Cordofang. erhärtet mit Borax zu einer
gummiähnlichen Masse, dasselbe geschieht mit bas. Bleiacetat und
Eisenchlorid, mit Kalisilikat gelatiniert es. Eine Mischung von
Traganthschleim mit Acaciengummi ist dicker als die entsprechende reine
Mischung (~White~). ~Vée~ empfiehlt als bestes Mittel, Verfälschungen
aufzudecken, Bestimmung des +Rotationsvermögens+, und dem möchte ich
beistimmen (vgl. oben S. 449) +und außerdem Bestimmung der Drehung
nach der Hydrolyse vorgeschlagen+. +In der Pharmazie sollte nur
schwach linksdrehendes G. zugelassen werden.+ Für die Technik ist das
wichtigste die Bestimmung der +Viskosität+ (~Hefelmann~). ~Fromm~
hält für die Wertbestimmung wichtig festzustellen: Löslichkeit,
Viskosität, Säuregrad, Drehung, Dehnung und Klebfähigkeit, sowie
Feststellung, ob die Lösung schäumt und ob sie reduziert (s. oben S.
427 u. 433). ~Rideal~ und ~Youle~ (1891) halten auch die Bestimmung
des Wassergehaltes für ein gutes Mittel zur Charakterisierung und
Aufdeckung von Fälschungen. ~Jaksch~ u. and. empfehlen Bestimmung der
Löslichkeit. Auch die Bestimmung der Emulgierungsfähigkeit ist bei _G.
a. officinale_ nicht ohne Bedeutung (~Hirschsohn~).
Mit dem Mikroskop lassen sich die meisten Fälschungen des +Pulvers+,
besonders bei Anwendung von Jodlösung, erkennen: +Traganth+ (vgl.
Fig. 140, S. 397), +Dextrin+ (schon von ~Hager~ 1869 beobachtet,
und oft vorkommend) (vgl. Fig. 73, S. 200), +Stärke+ (Reisstärke,
~Wilson~), +Mehle+ (Maismehl, bis 50%! ~Fernau~). Man geht von einem
Glycerinpräparat aus. Die Fragmente von beigemengtem wasserlöslichem
Dextrin färben sich mit etwas jodhaltigem verd. Glycerin
violett-rötlich, bevor sie sich lösen (~Koch~). Als anorganische
Verfälschung des Pulvers wurde Borax (5%, ~Fernau~) beobachtet. Im
Senegalg. findet sich bisweilen _Bdellium_ (s. oben S. 425), ein
Gummiharz, das zu 70% in Alkohol und Äther löslich ist.
Als Ersatzmittel des G. a. kommen jetzt nur in Betracht: Capgummi,
Berberisches G. und die blassen Varietäten vom indischen Amradg. und
Ghattig. (~Maben~). Nur für technische Zwecke kommen in Betracht (für
pharmazeutische Zwecke auszuschließen!) die +Surrogate+: Gummi aus
_Mesembryanthemum_früchten (1898), Kunstgummi aus Dextrin, durch NaOH
und Na₂CO₃ löslich gemachtes Kirschgummi, der gummöse Rückstand der
Myrrhentinkturbereitung (gibt einen vorzüglichen Klebleim! ~Alcock~).
Ein neueres Gummiersatzmittel besteht aus mit Stärke versetztem
eingetrocknetem Carageenschleim (Tropenpflanzer 1905, 282).
=Lit.= ~Hopff~ (Verhalten gegen Reagentien), Jahrb. prakt. Pharm. 15,
234. -- ~Hirschsohn~, Vgl. Vers. mit Natur- und Kunstgummi. Pharm.
Zeitschr. f. Rußl. 1893 und Zeitschr. Allg. Österr. Ap. Ver. 1904.
Ph. Centr. H. 1904, Nr. 20. -- ~Maben~ (Reagentien), 1891 a. a. O.
-- ~Karl Dieterich~, Wertbestimmung. Zeitschr. anal. Ch. 40, 408. --
~Gautier~, Compt. rend. 1898. -- ~White~ (Vergleich mit Traganth).
Brit. Pharm. Conf. 1904. -- ~Wilson~, Reisstärke. Pharm. Journ. 1889,
Nr. 988. -- ~Masing~, Arch. Ph. 1879/80. -- ~Holfert~, Jahrb. d.
Ph. 1888. -- ~Rideal~, ebenda 1892. -- ~Martina~, ebenda 1894. --
~Jaksch~, Chem. Zeit. 1891, 77. -- ~Rideal~ und ~Youle~, Chem. Drugg.
1891, 788. -- ~O. Fromm~, Wertbest. v. G. a. Zeitschr. anal. Chem. 40
(1901), 143. -- ~Hartwich~ in Pharm. Praxis. -- ~Koch~, Atlas. --
~A. Fernau~, Untersuchungsergebn. b. offiz. Präp. u. Drog. im Jahre
1902/1903 in Östr. Jahresb. f. Pharm. IV, 1903, 150. -- ~Mitlacher~,
Zeitschr. d. allg. Östr. Apoth. Ver. 1904, 1480. -- ~Pietro~, Proc.
Am. ph. assoc. 1894, 901. -- ~Sollmann~, Response of gums etc. to
Moores Reaction. Am. journ. pharm. 1911, 176.
=Anwendung.= G. arabicum ist das am meisten in der Medizin gebrauchte
Mucilaginosum. Es wird als einhüllendes Mittel, dann besonders bei
Katarrhen, aber auch bei Diarrhöen angewendet. Gummi ist Bestandteil
vieler Hustenmittel (Gummibonbons) und wird auch als Bindemittel für
Emulsionen benutzt. Man benutzt es auch als Hilfsmittel beim Pulvern
einiger Drogen (_Fruct. Capsici_, _Fruct. Colocynth._). Vor dem Pulvern
ist das Gummi zu trocknen, dies darf nicht über 30-40° und länger als
einen Tag geschehen, da sich sonst das Gummi verändert. Da Gummi aus
der Luft Feuchtigkeit anzieht, ist es in gut verschlossenen Gefäßen
aufzubewahren. Lösungen des G. arabicum dürfen nicht zugesetzt werden:
Mineralsäuren, Metallsalze, Bleiessig, Brom- oder Eisensalze, Sulfate,
Oxalate, Silikate, Alkohol und alkoholische Tinkturen, sowie, es sei
denn, daß die Lösung «sterilisiert» wurde, die oben (S. 446) genannten
Substanzen. +Technisch+ wird es als +Klebemittel+ (Briefmarken! die
Reichsdruckerei braucht jährlich über 60000 kg) und bei Appreturen
(bes. der Seidenwaren), in der Färberei, Druckerei, bei der Bereitung
von Tinte, Farben und Zündhölzern, die feinsten Sorten auch in der
Liqueurfabrikation und der Confiserie (Pasta gummosa) benutzt. Mit
Kaliumchromat gibt Gummi eine lichtempfindliche Masse (~Eder~).
G. arabicum ist ein gutes +Nahrungsmittel+, denn die Verbrennungswärme
der Arabinsäure beträgt bei konstantem Volum 4004 Cal. für 1 g (1369,4
Cal. für 1 g-Mol.). Salzsäurehaltiger Magensaft wirkt glykosebildend
(~Fudakowski~), mindestens 46% werden verdaut (~Voit~). In Australien
leben die Eingeborenen in der trockenen Jahreszeit fast nur von
Acaciengummi oder Koljang (~Preiss~). Auch die Tuaregs der Sahara
verzehren das Gummi (~Duveyrier~), ebenso die Eingeborenen in Ostafrika
(~Holst~). Im Somaliland wird das «süße» Gummi (d. h. _G. arab._, das
«bittere Gummi» ist _Myrrha_) gekaut und dient bei langen Märschen
oft als einzige Nahrung. Während des Mahdiaufstandes im Sudan lebten
die Heere besonders von Gummi (s. oben S. 427). Frisches vom Baume
gebrochenes G. stillt auch den Durst. ~David~ schützte sich in Cordofan
durch Gummigenuß vor dem Verdursten.
=Geschichte.= G. a. findet sich nicht bei den
Sanskritschriftstellern, die arabisch-persischen beschreiben es
unter dem Namen Samgh-i-arabi (~Dymock~). Der Autor des +Makhzan+
beschreibt G. a. als das G. des Baumes ammughilán oder mughilán,
gelblich-weiß, durchscheinend und gänzlich löslich in Wasser
(Pharmacogr. ind.). In der Schatzkammer des ~Rhapsenit~ in
Medinet-Abu finden sich Darstellungen von Gummibäumen und fand sich
Gummi (kami-en-punt) selbst, das die Ägypter seit den ältesten Zeiten
aus dem Lande Punt (vgl. I, S. 459) holten. In zahlreichen Rezepten
des Papyrus ~Ebers~ wird die ägyptische _Acacia_ und Gummi erwähnt.
~Theophrast~ erwähnt einen Wald der Gummiacacie in der Thebais in
Ägypten. Und auch in dem botanischen Lexikon Kitâb aš šaǧar (X.
Jahrh.) stehen die Nilacacien. Die ἄκανθα des ~Theophrast~ (hist. pl.
IV, 2, 8), von der er sagt «γίνεται δὲ ἐκ ταύτης καὶ τὸ κόμμι καὶ
ῥέει καὶ πληγείσης καὶ αὐτόματον ἄνευ σχάσεως», wie des ~Dioskurides~
ἀκακία aus Ägypten (I, cap. 133), die er als gummilieferndes
Dorngewächs beschreibt, und des ~Plinius~ Spina (XIII, 20) war die
Nilacacie, der Sontbaum (altägypt. cant, sont, šent [die hieroglyph.
Zeichen I, S. 468], arab.: charad, śeģer fetna, sense-locht):
_Acacia nilotica_ ~Del.~ (_A. vera_), deren vorzügliches Holz
und deren schöne Blumen zu Kränzen und medizinisch in Ägypten
angewendet wurden, und die auch Gummi lieferte. Auch ~Strabo~ (VII,
1) erwähnt Haine der thebaischen Akantha und ~Herodot~ (II, 96)
gedenkt des Gummi unt. and. bei der Einbalsamierung der Leichen,
und vergleicht den Baum mit dem kyrenäischen Lotus (_Diospyros
Lotus_). In Kyphivorschriften (I, S. 473) finden sich Acacienfrüchte
(sannâr), deren Zeichen bei den hieroglyphischen Inschriften oft
als Determinativ hinter Leguminosenfrüchte gesetzt wird (I, S. 466),
und die noch heute in Ägypten zum Gerben dienen. Die Blüten, deren
Duft die Ägypter im Zimmer liebten, waren Ingredienz von Heilmitteln,
z. B. der ägyptischen Salbe (αἰγυπτίον μύρον das μύρον λευκὸνwurde
mit den Blüten der _A. Senegal_ bereitet). Blühende Zweige finden
sich auf Tempelwänden dargestellt (~Wönig~, Fig. 140). Das Gummi
der Nilacacie, das heute in Ägypten nur noch für den Hausbedarf
gelegentlich gesammelt wird, war auch in alter Zeit, wie es scheint,
kein großer Handelsartikel, denn schon im XVI. Jahrh. n. Chr. bezogen
die Ägypter das Gummi, das sie unter anderem zur Bereitung von
Malfarben benutzten (mu-nu-qemi = Gummiwasser zum Malen steht z. B.
im Totenbuche), aus dem Lande Punt, d. h. von der Somaliküste, aus
(oder über?) Süd-Arabien (Cane), vom Roten Meer oder der Küste von
Suakim (~Krall~). Das ānte von Punt war arabisches Gummi (~Krall~).
Im römischen Altertum und im Mittelalter kam alles Gummi von der
Somaliküste oder über Yedda. Im Periplus (I, S. 535) fehlt das Gummi
merkwürdigerweise, oder verbirgt es sich unter dem Worte mocrotu
(?). ~Plinius~ bemerkt, daß das ägyptische Gummi 3 Denare das Pfund
koste und daß schlechte Gummisorten von dem Mandel- und Kirschbaume,
das schlechteste von der Pflaume stamme. Das beim Tabernakelbau viel
benutzte Holz shittah, shittim (Exodus 25, 30), war das sehr harte
Holz einer _Acacia_, entweder _Seyal_ (~Tristram~) oder _arabica_
(~Charpenter~) oder _horrida_, mit rundlichen Blütenständen. Der
brennende Busch des Moses (seneh) wird von ~Tristram~ für _Acacia
nilotica_ gehalten. Auch von einem «Tal der Acacien» ist in der
Bibel die Rede. Karaz ist die Frucht der _Acac. nilotica_ ~Del.~ Die
Alten verwendeten ihr Extrakt. ~Delile~ (Flore d’Egypte) hält die
ἄκανθα διψὰς des ~Theophrast~ (hist. pl. IV, 8) für _A. Seyal_ (=
spina sitiens des ~Plinius~, Lib. 13, 1). Des ~Hippocrates~ Acacia
(ἄκανθα) war (nach ~Dierbach~) _A. Senegal_, «die weiße Acacie», da
sie weißes Holz, weiße Rinde und weiße Blüten besitzt, nach anderen
_A. arabica_. Arzneilich benutzte das G. auch ~Hippocrates~, doch nur
wenig, und im ganzen Altertum und Mittelalter wurde es medizinisch
und technisch nicht viel beachtet. Doch kennt z. B. ~Scribonius
Largus~ Acacia. Bis zum XIV. Jahrh. scheint nur ostafrikanisches
G. benutzt worden zu sein. Mit der Erschließung Westafrikas im XV.
Jahrh. (I, S. 729) erscheint dann auch das Senegalgummi im Handel.
Es erlangt aber erst im XVII. Jahrh. in Frankreich Bedeutung und
ist erst seit den dreißiger Jahren des XIX. Jahrh. ein ernstlicher
Konkurrent des arabischen. Es setzte sich am Ende des XIX. Jahrh.
ganz an seine Stelle, als während der blutigen Unruhen im Sudan der
sudanische Gummihandel ganz aufhörte. Jetzt hat das cordofanische
G. wieder die Führung (vgl. oben S. 428). Das Mittelalter brauchte
nicht viel G. ~Pegolotti~ (I, S. 702) erwähnt das G. ar. unter den
Drogen, die nach Pfund, nicht nach Quintal gehandelt wurden. Die
arabischen Ärzte benutzten das Gummi und von ihnen übernahm es die
Schola salernitana. In der +Alphita+ (I, S. 640) steht _Acacia cirra_
(Acassia cira id est dura), bei ~Serapion~ _Arbor gummi arabici_ =
_Acacia_, _Spina babylonica_, _achachie_. Die Abbildung des Baumes
bei ~Pomet~ (I, S. 942) ist unkorrekt. Er nennt als Synonyme des
Gomme arabique: G. thebaique, Sarracene, de Babylone ou Achantine
ou d’Acacia d’Egypte. Das G. kam Ende des XVII. Jahrh. via Arabien
nach Marseille, war aber damals selten und wurde durch die «gomme
du Senega» ersetzt. Außer diesem unterscheidet ~Pomet~ noch ein G.
turique, G. vermiculée und G. d’Angleterre.
Das Altertum unterschied die Gummis nicht von den Harzen. Auch noch
im Mittelalter gingen unter dem Namen Gummi auch die Harze (z. B.
gumma colofonia, gummi pini in der +Alphita+, und auch noch später
[Nördlinger Register 1480]: gumi pini, in der +Berluliste+ [1724]:
gum copal). Das hat sich bis heute erhalten. In den Grossistenlisten
figuriert immer noch Gummi Benzoes, G. Mastix, G. Elemi. Die
Jahrtausende sind über diese falsche Bezeichnung hinweggegangen, ohne
Spuren zu hinterlassen. Ja, unter Gummi par excellence versteht man
heutzutage oft -- Kautschuk! Daß G. a. von dem Amygdalaceeng. (gummi
qui exit de arbore ceraso vel pruno) verschieden ist, war schon im
XII. Jahrh. bekannt.
Der Bezeichnung Gummi +arabicum+ begegnen wir schon im Altertum,
bei ~Diodorus Siculus~, bei ~Nicolaus Damascenus~ (I, S. 573),
~Oribasius~ (I, S. 589) u. and. Und auch in der Alexandrinischen
Zolltafel (I, S. 569) steht onyx (commis [?] oder gummi) arabicum --
bei ~Scribonius Largus~ (I, S. 577) dagegen commi alexandrinum und
bei ~Alexander Trallianus~ κόμμι λευκόν. -- Die Bezeichnung blieb
dann durch das ganze Mittelalter erhalten. Sie findet sich z. B. bei
~Serapion~ (I, S. 605). Gomarabische steht unter den Einfuhrartikeln
von Pisa (1305) und Telamone (1379), dann in der Liste von Paris
(1349, I, S. 706) und ~Paxi~ erwähnt gomma rabica unter den Artikeln
des venetianischen Handels (~Flückiger~). In der Alphita (I, S. 649),
in den Tabulae, bei ~Platearius~ sowie den Sinonoma ~Bartholomei~
steht: gummi arabicum -- Sanig, Sanag arabicum. Im Inventaire
~Lefort~ (I, S. 804) steht: «2 onces de gomme arabique tauxée 2
blancs», was auf keinen großen Bedarf schließen läßt. Im Droits de
courtage établis à Paris au XVᵉ siècle (ed. ~Dorveaux~) steht «gomme
arabic VI d. t. la bale». ~Cordus~ (I, S. 799) unterschied: _G.
splendidum_, _arabicum_ und _vermiculatum_ (Traganth?). Er verwendete
auch _Succus_ et _fructus arboris Acaciae_. Gummi arabic. steht in
der Frankfurter Liste (I, S. 812), dem Eßlinger Drogenverzeichnis
(I, S. 815) und zahlreichen Taxen. In der Taxe von Hamburg 1587
steht Gummi arabicum = Dinten Gummi. Die Berluliste (I, S. 950) hat
neben gum arabicum auch gum cerasorum. Aber die Bezeichnung arabicum
bedeutet nicht, daß Arabien das Land ist, wo das G. produziert wurde,
ebenso wenig wie wir aus dem häufigen Beisatz aegypticum, indicum,
aethiopicum, romanum irgend welche Schlüsse auf das Produktionsland
ziehen dürfen. +Über+ Arabien kam G. aber sicher schon im Altertum
und Mittelalter. Auch ~Ibn Kordadbah~ (I, S. 616) nennt es bei Yemen.
_Acacia Senegal_ ist schon von ~Prosper Alpin~ (I, S. 770)
beschrieben, sodann von ~Adanson~ (XVIII. Jahrh.) und endlich von
~Guillemin~ und ~Perrottet~ (a. a. O.).
=Lit.= ~Flückiger-Hanbury~, Pharmacographia. -- ~Flückiger~,
Pharmakognosie. -- ~Wönig~, Die Pfl. d. alt. Ägypt. -- Die Acacien
Ägyptens in ~Joret~, Les plant. dans l’antiquité I, 144. --
~Pereira~, Heilmittellehre.
Prunoideengummi.
Amygdalaceengummi, Kirschgummi, gummi nostras, gomme du pays, cherry
gum.
Zu technischen Zwecken wurde der Gummi der +Kirsche+ (_Prunus
Cerasus_) und +Pflaume+ (_P. domestica_ u. and.) schon im XII.
Jahrh. benutzt (~Theophilus~ oder ~Rogker~ Schedula divers. art. in
~Eitelberger~, Quellenschr. f. Kunstgesch. 1874) und die ~Hildegard~
(I, S. 667) erwähnt ein +Gummi de Persico+ (_Pr. Persica_?) als
Heilmittel. Außer diesen wird auch das Gummi des +Mandelbaumes+
(_Prunus Amygdalus_) und der +Aprikose+ (_P. armeniaca_) gesammelt
und in Böhmen das G. von _Amygdalus spartioides_ (~Hoffmeister~).
1891 kam aus Buschir ein Prunus-G. von _P. Bopkarensis_ ~Royle~
und _P. Puddum_ ~Roxb.~ (~Sickenberger~), 1906 +persisches+
G. besonders von _Amygdalus leiocarpa_ ~Boiss.~ in den Handel
(~Hillier~). ~Schindler~ bemerkt (1881), daß das Djedk-i-ardjin
genannte Gummi Persiens von dieser Pflanze bei Kerman gesammelt
wird und in Afghanistan sammeln die Eingeborenen Pflaumen- und
Aprikoseng. (~Aitchison~). Der cherry gum Indiens wird von _Prunus
Puddum_ abgeleitet (~Cooke~) und mindestens ein Teil des Bassorag.
und des Hog gum (vgl. S. 405) ist ebenfalls Amygdalaceeng. In China
wird Pfirsichg. (táu-kian) gesammelt, ebenso in Indien (aru, reck,
mandala, ~Dragendorff~). Jetzt ist Prunoideeng. nur wenig in Gebrauch
(unter anderem beim Kattundruck), da es nur wenig löslich ist und mit
Wasser aufquillt. Es ist der Typus des Cerasingummis.
Die Bildung des Prunoideengummis erfolgt in, infolge von Verwundungen
vom Cambium im Jungholz gebildeten, Gummiparenchyminseln
(~Mikosch~), aber auch in der Rinde (~Wigand~, ~Tschirch~), s. auch
oben S. 410-416. Prunoideengummi ist blaßgelb bis rötlichbraun,
doppelbrechend, hat glänzende, muschelige Bruchflächen, außen ist
es meist trübe. Es wird durch Alkalien braun, durch Salzsäure
rotviolett. Es enthält 13-14% Wasser und 2-3,5% Asche. Während sich
alle Arabingummis in Chloralhydrat (60%) klar lösen, hinterlassen
die Cerasingummis einen gequollenen Rückstand, die Bassoragummis
(Traganth) geben eine klare Lösung, über der sich eine klare
gequollene Masse absetzt (~Mach~, ~Wiesner~).
Das Prunoideeng. wird meist als metarabinsaurer Kalk betrachtet
(~Frémy~). Der lösliche Teil des Kirschg., der (nach ~Schmidt~)
bis 52,1% betragen kann, ist kein Arabin (~Garros~), er wird
durch Bleiessig nicht gefällt. Pfirsich- und Mandelg. scheint
mehr lösliches G. zu enthalten als Kirschgummi. Pfirsich- und
Pflaumengummi geben bei der Oxydation Schleimsäure. +Kirschgummi+
enthält c. 39,96% Pentosane und liefert bei der Hydrolyse +Galaktose+
und (bis 50%) +Arabinose+ (~Hauers~) -- die Arabane überwiegen also.
Die gleichen Produkte lieferten neben unbekannten Zuckerarten auch
das Pfirsich- und Aprikosengummi (~Lemeland~, ~Stone~). Kirschgummi
gibt bei der Hydrolyse +keine+ Xylose (Kirschholz viel!) oder doch
nur sehr geringe Mengen (~Browne~ und ~Tollens~). Über das Cerasin
vgl. oben S. 442. Das Cerasin der Kirsche soll sich durch ein in der
Kirsche befindliches (nicht durch ein anderes Amygdalaceen-) Enzym
in Arabin überführen lassen (~Garros~). Oft enthält das Kirschg.
auch Zucker und Gerbstoff (~Schmidt~), stets eine Oxydase. Bei der
Hydrolyse des Pflaumeng. erhielt ~Garros~ eine neue (?) Pentose,
die +Prunose+. ~Lemeland~ fand im +Aprikoseng.+ 8,83% in Wasser
Unlösliches, 16,1% Wasser, 3,3% Asche, 23,6% Galaktane, 48,5%
Pentosane. Es lieferte Arabinose und drehte -1°93. In +Pflaumeng.+
waren dagegen 20,8% Unlösliches, 15,4% Wasser, 2,5% Asche, 13,3%
Galaktane und 76,3% Pentosane enthalten. Es lieferte Arabinose und
drehte kaum. ~Martina~ gibt folgende Übersicht:
---------+-------+------+--------+------------+---------+
Art des | Asche | Kalk | Kalk |Schleimsäure|Galaktose|
Gummis | | im | in der | | |
| |Gummi | Asche | | |
| % | % | % | % | % |
=========+=======+======+========+============+=========+
Aprikosen| 4,20 | 1,85 | 44,04 | 9,16 | 12,21 |
Pflaumen | 2,15 | 1,07 | 49,76 | 5,19 | 6,92 |
Kirschen | 2,50 | 1,00 | 40,00 | 6,13 | 8,17 |
---------+--------+--------+--------------+----------
Art des |Furfurol|Pentosen|Gesamtglykosen|Galaktose
Gummis | | | |+ Pentosen
| | | |
| % | % | % | %
=========+========+========+==============+==========
Aprikosen| 17,27 | 34,54 | 43,48 | 46,75
Pflaumen | 31,03 | 62,06 | 66,47 | 68,98
Kirschen | 23,07 | 46,14 | 56,38 | 54,31