Daß bei der Hydrolyse des Gummis ein Zucker entsteht, fand bereits

~Ludwig~ (1859). +Bei der Hydrolyse der Gummis (und der Arabinsäuren)

entstehen neben Gummisäuren+ (~O’Sullivan~) +Pentosen und Hexosen+.

Sie enthalten also Hexoso-Pentosane. Es entstehen aber selbst bei

derselben Handelssorte wechselnde Mengen der Zucker, woraus man

schließen muß, daß es verschiedene Arabinsäuren gibt oder wechselnde

Gemenge vorliegen. Unter den Hydrolysierungsprodukten wurde in erster

Linie +Arabinose+ (S. 274) (~Guérin Varry~, ~Scheibler~, ~Claësson~,

~von Lippmann~, ~Kiliani~) und +Galaktose+ (S. 274) (Kiliani) gefunden,

bisweilen auch etwas +Glukose+ (~Votocek~ und ~Vondracek~) und +Xylose+

(~Hauers~ u. ~Tollens~); nach ~Ullik~ soll auch ein +Mannan+ in einigen

Gummis enthalten sein, was der Bestätigung bedarf. Doch herrschen

stets Arabinose und Galaktose beträchtlich vor. Daß arabisches Gummi

bei der Oxydation mit Salpetersäure Schleimsäure gibt, fand bereits

~Guérin Varry~. Entsprechend der wechselnden Menge Galaktose zeigt auch

die bei der Behandlung mit Salpetersäure entstehende +Schleimsäure+

verschieden hohe Beträge [bis 66,7%(?) ~Maumené~]. Man kann aus

der Menge der gebildeten Schleimsäure (S. 282) die Galaktosemenge

berechnen (~Tollens~, ~Kiliani~) (75 Schleimsäure = 100 Galaktose).

Die rechtsdrehenden Gummiarten liefern meist weniger Schleimsäure

als die linksdrehenden. ~Kiliani~ erhielt bei verschiedenen Gummis

14,3-38,3% Schleimsäure, bei Cordofan- und Senegalgummi 20,7-24%, (vgl.

auch die Tabelle von ~Martina~ S. 437). Daneben treten Oxalsäure,

Weinsäure (~Liebig~), Mannozuckersäure, Trioxyglutarsäure, Zuckersäure,

Arabonsäure, Galaktonsäure auf.

Den Pentosanen kommt die Phloroglucin- und die Orcin-Reaktion zu.

Phloroglucin in Salzsäure (20%) gibt beim Erwärmen eine kirschrote

Lösung (~Ihl~), die einen Absorptionsstreifen zwischen D und E

~Fraunhofer~ zeigt (~Tollens~, ~Wheeler~ und ~Allen~). Orcin in

Salzsäure gibt in der Kälte eine blauviolette, beim Erwärmen erst

rötliche dann violette Färbung, zuletzt blaugrüne Flocken, die in

Alkohol gelöst ein Band zwischen C und D geben (~Reichl~, ~Reinitzer~,

~Allen~ u. ~Tollens~). Ebenso kommt die Eigenschaft des Gummis beim

Kochen mit 12% Salzsäure Furfurol (S. 274) zu liefern (~Stone~

und ~Tollens~) den Pentosanen zu, und man kann aus der Menge des

gebildeten Furfurols die Arabinose berechnen. G. arabicum ergab

c. 28% (~Günther~), Kirschgummi 45,5-59% (~Chalmot~, ~Flint~ und

~Tollens~). Der Pentosangehalt des Gummis schwankt in weiten Grenzen

zwischen 20,65% im australischen und 51,21% im argentinischen Gummi

(~Hefelmann~). Die Cerasingummis enthalten mehr Pentosane als Galaktane

(~Lemeland~). (Bei der Furfurolreaktion tritt auch Lävulinsäure und

Ameisensäure auf.) ~Hefelmann~ fand keine Beziehung zwischen der

Menge der Pentosen und dem Handelswert. (Vergl. auch die Tabelle von

~Martina~ S. 437).

Im Gummi von _Acacia Senegal_ und anderen _Acacia_arten fand

~Rosenthaler~ neben Pentosen auch +Methylpentosen+ und ~Widtsoë~ und

~Tollens~ konnten Methylpentosane nicht nur in _G. arabicum_ und

_Traganth_, sondern auch im Gedda-, Brasil- und Kirschgummi nachweisen.

Möglicherweise enthält das _G. arabicum_ auch +Fucosan+. (S. 292).

~Edie~ erhielt (nach ~Kroeber~ und ~Rimbach~ bestimmt) Pentosen,

als Arabinose berechnet, bei Cordofan: 33,52-35,49%, bei Senegal

33,66-34,59%. Die Galaktose (bestimmt durch Hydrolyse mit Essigsäure

und Reduzieren mit Fehlingscher Lösung, enthält wohl auch die

Pentosane, ~Tollens~) betrug bei Cordofan: 50,52-53,04%, bei Senegal:

51,72-53,17% (~Beam~). In dem rechtsdrehenden Gummi von _Acacia

arabica_ ~Willd.~ fand ~Meininger~ 21,85% Galaktan und 50,43%

Pentosane (die Hydrolyse lieferte Galaktose und Arabinose), in dem

rechts- (+53,94°) drehenden Gummi von _Acacia horrida_ ~Willd.~:

27,36% Galaktan, 36,5% Pentosane und 2,83% Methylpentosane (die

Hydrolyse lieferte Galaktose und Arabinose), in dem links- (-19,37°)

drehenden Gummi von _Acacia pycnantha_ ~Benth.~: 58,72% Galaktan,

16,98% Pentosane und 2,92% Methylpentosane (die Hydrolyse lieferte

Galaktose und Arabinose). Auch das Opuntiag. liefert Arabinose und

Galaktose (~Harlay~), ebenso alle anderen untersuchten Acaciagummis

(~Martina~, vgl. S. 437, ~Stone~) und das Pfirsich-, Kirsch- und

Pflaumengummi (~Stone~, ~Bauer~) -- Kirschgummi ist ein gutes

Material zur Arabinosedarstellung (~Bauer~, ~Kiliani~) -- ferner

das Rübengummi (~Lippmann~), das Gummi von _Mangifera indica_

(~Lemeland~), das Weingummi (~Hubert~). Der G. von _Cochlospermum

Gossypium_ und das von _Feronia elephantum_ liefern bei der Hydrolyse

Galaktose und eine Pentose, die mit Arabinose nicht identisch ist

(~Lemeland~). Das +Chagualgummi+ liefert Xylose und i-Galaktose

(~Winterstein~), ebenso das Laplatagummi, aber kein Acacieng. gab

Xylose (~Hauers~), Es enthalten Ostafrikan. G.: 22,59% Galaktan,

29,53% Pentosane; _Cochlospermum Gossyp._: 45,28% Galaktan, 32,97%

Pentosane (~Lemeland~); _Feronia elephantum_: 51,84% Galaktan,

40,16% Pentosane; Aprikosengummi: 23,6% Galaktose, 48,57% Arabinose

(~Lemeland~); Chagualgummi lieferte: 28,47% Galaktose, 45,29% Pentose

(~Winterstein~); _Mangifera indica_ G. 30,36% Galaktose, 42,06%

Pentose; Laplatag.: 0,62% Galaktose, 55,31% Pentosen.

Nach ~O’Sullivan~ sind aber Arabinose und Galaktose nur die

+End+produkte der Hydrolyse und es entstehen zunächst Zwischenprodukte,

beim arabischen Gummi inaktive, beim Geddagummi rechtsdrehende.

Diese sauren Zwischenprodukte zerfallen dann in Arabiose (Arabinon)

bzw. Arabinose und in einfachere Säuren und diese dann erst bei

mehrstündiger Hydrolyse in d-Galaktose und eine stark rechtsdrehende

+Gummisäure+, die ~O’Sullivan~ +Geddinsäure+ (C₂₃H₃₈O₂₂) nannte. Im

arabischen Gummi sind vielleicht Arabinose und Galaktose als Ester

einer +Isogeddinsäure+ (~Zeisel~, ~O’Sullivan~ nennt sie +Arabinsäure+)

(C₂₃H₃₈O₂₂) vorhanden. Die Gummisäuren sind starke Säuren, werden nur

durch abs. Alkohol aus ihren Lösungen gefällt und +geben bei weiterer

Hydrolyse keine Zucker+. ~O’Sullivan~ nimmt an, daß die Gummis resp.

die Arabinsäure +gemischte Glykosidogummisäuren+ der allgemeinen Formel:

C₂₃H₃₈₋₂ₙO₂₂₋ₙ.n C₁₂H₂₀O₁₀.p C₁₀H₁₆O₈

Gummisäure Galaktan Araban

(Geddinsäure)

enthalten, bei denen n eine konstante, p eine variable Zahl

ist. Die Arabinsäure des G. arabicum faßt ~O’Sullivan~ als

+Diaraban-Tetragalaktan-Isogeddinsäure+ auf = C₂₃H₃₀O₁₈.4

C₁₂H₂₀O₁₀.2 C₁₀H₁₆O₈ = C₉₁H₁₄₂O₇₄ (Mol.-Gew. 2418). Werden diese

Araban-Galaktan-Geddinsäuren vorsichtig hydrolysiert, so wird zunächst

der Arabanrest als Arabinon (C₁₀H₁₈O₉ α_{D} = +198,5°) abgespalten

(s. oben) und es entsteht eine n-+Galaktangummisäure+, die dann

in Galaktose und die entsprechende Gummisäure (Geddinsäure oder

Isogeddinsäure) gespalten wird. Andere (~E. Fischer~) halten die

Arabinsäure für eine der Lakto- und Maltobionsäure analog konstituierte

Glykosidosäure. Die ~Sullivan~sche Formel kann übrigens nicht richtig

sein, da auch Methylpentosane im Gummi nachgewiesen sind (s. oben).

Alle Gummis enthalten (durch Dialyse zu entfernenden) reduzierenden

Zucker, bei Cordofan Hashab von einer Spur bis 0,15% (~Edie~). Der

+Zucker+gehalt des G. arabicum des Handels schwankt ebenfalls, im

allgemeinen beträgt er 0,6-1,1% (~Reinitzer~).

Im Acaciengummi sind mindestens vier +Enzyme+ (Gummifermente,

Gummasen) vorhanden, eine +Oxydase+, eine +Peroxydase+ und eine

+Amylase+ (Malzdiastase) (~Wiesner~, ~Bourquelot~, ~Tschirch~,

~Reinitzer~, s. oben S. 414), sowie +Emulsin+ (Amygdalin spaltend),

das ~Volcy-Boucher~ in allen Gummis und Gummiharzen auffand.

~Bertrand~ hält die Gummioxydase für Lakkase. Eine große Menge von

Reaktionen des Gummis sind auf diese Enzyme zurückzuführen, z. B. wird

Pyrogallol durch Gummi in Purpurogallin übergeführt (~Struwe~ 1872 --

darauf gründeten ~Clermont~ und ~Chautart~ 1882 eine fabrikatorische

Darstellung des Purpurogallins). Daß Guajaktinktur durch G. arabicum

gebläut wird, erkannten zuerst ~Göttling~ und ~Boulay~ (1809). Auch

die Unverträglichkeit des G. arabicum mit zahlreichen Arzneimitteln

[Pyramidon (~Tanzi~), Chinaextrakt, Pyrogallol, Guajakol, Vanillin,

Thymol, Phenol, Creosol, Eserin, Adrenalin, Morphin] beruht auf dem

Gehalt an Enzymen, besonders Oxydasen, ~Traubes~ Oxydationsfermenten

(~Bourquelot~) und deshalb läßt die Pharmac. helvetica den

Gummischleim eine halbe Stunde im Dampfbade erhitzen und dadurch

die Enzyme «abtöten». Ein so behandelter Schleim bläut Guajak nicht

mehr. Gummipulver eignet sich aus dem gleichen Grunde +nicht+ zum

Verdünnungsmittel zu starken Opiums. Die Oxydase wird im +trockenen+ G.

arabicum selbst durch zweistündiges Erhitzen auf 100° nicht zerstört,

ja nicht einmal durch einstündiges Erhitzen auf 115°. Erst beim

Erhitzen auf 120° ist sie abgetötet, das Gummi löst sich dann aber

nicht mehr in Wasser und quillt nur darin auf. Auf die Oxydasen haben

Aldehyde (z. B. Formalin) keinen Einfluß (~Seligmann~).

Daß im Gummi +stickstoffhaltige Bestandteile+ sich finden, war bisher

übersehen worden, nur ~Guérin~ gibt einmal 0,14% N an. Ich habe mit

~Stevens~ gezeigt, daß bei vielen Gummis zwar die ~Lassaigne~sche

Stickstoffprobe mit Na negativ ausfällt, daß dagegen mit KOH sich stets

Ammoniak entwickelt und Pyrrol gebildet wird. ~Bach~ zeigte dann, daß

die von ihm abgeänderte ~Lassaigne~sche Reaktion gelingt, wenn man

statt Na viel K nimmt. ~Meininger~ fand in allen Acaciengummis (_A.

Senegal_, _A. pycnantha_, _horrida_, _Adansonii_, _arabica_) Stickstoff

und zwar zwischen 0,71 und 2.19% (in Senegal z. B. 1,81%. ~Rideal~

fand bei Acaciengummis nur 0,031 bis 0,082% N). Das Gummi von _Melia

Azadirachta_ enthält 4,49%, das von _Feronia elephantum_ 1,57, das

von _Anacardium occident._ 0,92% N. Woher der Stickstoff stammt ist

unbekannt, vielleicht sind die Enzyme Glukoproteïde. Ob das Schäumen

der Gummilösungen auf den Enzymen beruht (~Wiesner~) wissen wir nicht

bestimmt.

In den schlechteren Gummisorten finden sich auch +Gerbstoff+,

+Harz+, +aromatische Substanzen+ (der Art von ~Czapeks~ Hadromal),

+Farbstoffe+. ~Bourquelot~ führt die Färbung gefärbter Gummis darauf

zurück, daß die Oxydasen die aus der Rinde mit aufgenommenen Gerbstoffe

im feuchten Zustande oxydieren und dunkler färben. Gegenden mit

vorwiegend trockenem Klima sollen daher weniger gefärbtes Gummi liefern.

Niemals enthält reines G. arabicum von +Stärke+ mehr wie Spuren (s.

oben S. 441), Kristalle oder Reste von Zellhäuten.

~Fromm~ stellte experimentell fest, daß längeres Lagern die

Eigenschaften des Gummis verändert.

Bei den guten Gummisorten schwankt der +Wasser-+ und +Aschegehalt+

nur in sehr engen Grenzen (s. oben S. 444). ~Hauke~ fand 1,7-3,1

(~Flückiger~ 2,5 bis gegen 4) Asche und gibt als obere Grenzzahl 3,5%

an. Oberste Grenze für Wasser 15%, für Asche 4% (Pharm. helv. IV), 5%

(D. A. V). Die Asche ist rein weiß. 100 g Cordofangummi enthielten

0,198-0,266 Mg, 0,596-0,730 K und 0,773-0,818 Ca (~Beam~).

Über die Zusammensetzung der Asche gibt folgende Tabelle von ~Rideal~

und ~Youle~, die auch andere Gummis berücksichtigt, Aufschluß.

-------------------+------+------+-------+-------+-------+----------

| | | | | | Calcium-

|Asche | NaCl | K₂CO₃ | CaCO₃ | MgCO₃ | phosphat

| | | | | | usw.

-------------------+------+------+-------+-------+-------+----------

Aden-Gummi | 3,29 | 0,29 | 17,2 | 53,9 | 29,48 | --

Cap-Gummi | 3,05 | 1,14 | 15,4 | 57,9 | 28,89 | --

Indisches Gummi | 2,00 | 0,37 | 12,6 | 58,5 | 29,82 | --

Eastern-Gummi | 2,98 | 0,24 | 26,8 | 43,5 | -- | --

Senegal-Gummi | 3,03 | 0,14 | 21,5 | 54,9 | 15,96 | --

Bestes arab. Gummi | 3,01 | 0,94 | 24,2 | 57,25 | -- | --

Gutes arab. Gummi | 3,15 | 2,30 | 29,9 | 46,23 | -- | --

Amrad arab. Gummi | 2,24 | 0,14 | 7,39 | 67,2 | 16,62 | 4,86

Ghatti arab. Gummi | 2,45 | 0,25 | 7,8 | 53,5 | 8,4 | 33,8

Austral. Gummi | 2,09 | 1,91 | 3,21 | 20,8 | 0,45 | 65,9

Brasil. Gummi | 1,39 | 0,46 | 17,74 | 11,8 | 0,45 | 67,14

Das Verhalten zahlreicher Gummis zu Reagentien studierten ~Masing~

(1879), ~Holfert~ (1888), ~Martina~ (1894, bestimmte auch die

Schleimsäuremengen, vgl. S. 437) und ~Hirschsohn~ (1904). Es ist aber

dabei nicht viel herausgekommen: eine scharfe Charakterisierung ist

zurzeit noch nicht möglich.

=Lit.= Älteste Untersuchungen der Gummiarten: ~Fourcroy~ et

~Vauquelin~, Ann. d. chim. 6 (1790) 178, ~Vauquelin~, Ebenda 54

(1805), ~Cruikshank~, Scher. Journ. 3, 289, ~Laugier~, Ebenda

72 (1909) 81, Gilb. Ann. 42 (1812) 228. Ältere Analysen von

~Berzelius~ (Ann. de chim. 95, 77), ~Prout~ (Phil. transact.

1827), ~Guérin-Varry~ (Journ. d. chim. méd. 7, 742), ~Guibourt~,

(Ann. Pharm. 9, 221 und Drog. simpl.), ~Mulder~ (Journ. pr. Chem.

16, 246. Pharm. Centralbl. 1839, 137), ~Goebel~, ~Gay-Lussac~ u.

~Thénard~, ~Berthollet~, ~Saussure~, -- die Analysen wiedergegeben in

~Pereira~, Heilmittellehre II, 618 und bei ~Meininger~ (s. unten).

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-- ~Lassaigne~, Arch. Pharm. 1852. -- ~Neubauer~, Journ. pr. Ch. 62

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Ebenda, p. 225. -- ~Planche~, Journ. de pharm. 6 (1820), 16. --

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Stud. über d. Gummiferm. ~Wiesner~ Festschrift 1908. -- ~Mikosch~,

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~Tschirch~, Chem. u. Biolog. d. pflanzl. Sekrete. Leipzig 1908. --

~Volcy-Boucher~ (Emulsin). Bull. soc. Pharm. Sud-Est 1908, 297. --

~Firbas~, Einw. von G. auf Morphin. Pharm. Post 1905.

=Physikalische Eigenschaften.= Das Gummi verhält sich im allgemeinen

wie ein +Kolloid+ (~Graham~), doch zeigt die Lösung =osmotischen

Druck=, verhält sich also nicht wie ein typisches Kolloid

(~Lineburger~). Aus dem kryoskopischen Verhalten leiten ~Gladstone~

und ~Hibbert~ ein Molekulargewicht der Arabinsäure von c. 2000 und

~Lineburger~ ein solches von 2400 ab, was mit der ~O’Sullivan~schen

Formel (s. oben S. 445) gut stimmen würde. Der +osmotische Druck+

einer 6% Lösung von Cordofangummi betrug, bestimmt im Osmometer von

~Moor~ und ~Roaf~, bei 32° C.: 152-170 mm Quecksilber, bei 22° C.: 141

mm. Beim Senegalgummi betrug der osmotische Druck bei 16,5° C. 114 mm

Quecksilber.

Das =spezifische Gewicht= ist wegen der oft eingeschlossenen Luft nicht

leicht zu bestimmen. Reines Gummi hat bei 15° ein spez. Gewicht von

1,487, bei 100° getrocknet: 1,525 (~Flückiger~). Ein anderes Muster

Sudangummi zeigte ein spez. Gewicht von 1,316-1,482 (~Pereira~). Das

spez. Gewicht des Angra-Pequenagummi war = 1,123-1,134 (~Hartwich~).

Die =Härte= ist verschieden -- man unterscheidet ja im Handel hartes

und weiches Gummi --, im Durchschnitt ist sie etwa die des Steinsalzes.

=Brechungsvermögen.= Das G. arabicum ist infolge innerer Spannungen

doppelbrechend.

Wichtig für die Unterscheidung der Sorten ist die Bestimmung der

=optischen Aktivität=, des Drehungsvermögens. Sie variiert bei

Cordofan- und Senegalgummi bei einer 10% Lösung im 100 mm-Rohr

zwischen -1° und +3°21′, in abnormen Fällen zwischen -5° bis +9°.

Die besten Sorten sind stets linksdrehend (~Fromm~). ~Edie~ fand bei

Untersuchung zahlreicher Muster, daß +alle+ Cordofan-Hashab-Gummis

+linksdrehend+ sind und die Drehung in engen Grenzen schwankt. Auch

von anderen Beobachtern wurden Cordofangummi und Senegalgummi so

gut wie ausnahmslos linksdrehend gefunden (~Wiesner~, ~Scheibler~,

~Flückiger~). (In der Literatur ist meist die direkte Drehung α_{D},

nicht die spezifische α_{D} angegeben.) Die +Drehung+ des Cordofangummi

schwankte nach ~Edie~ bei 10% Lösung und 100 mm Rohr zwischen -2,77

und -3,14°, +also in sehr engen Grenzen+ und betrug bei 10% Lösung und

100 mm Rohr nach der Hydrolyse: +5,35 bis +5,56° (22 Muster). Bei

Senegalgummi betrug die Drehung vor der Hydrolyse: -2,70 bis -2,93,

nach der Hydrolyse: +5,42 bis +5,48°, bei Gedarefgummi -3,09°

(nachher +5,33°). Wie hieraus ersichtlich, ist auch die Bestimmung

der Drehung nach der Hydrolyse von Wichtigkeit. ~Lemeland~ fand

linksdrehend außer Cordofang. auch Aprikosengummi -1° 93, _Mangifera

indica_ -25° 33, _Feronia elephantum_ -6° 41, ~Mannich~ (10% Lös. 100

mm Rohr) die Gummis von _A. Senegal_ -1,1°, _A. spirocarpa_ -2,6°,

~Dieterich~: Amradgummi linksdrehend, ~Fromm~ Cordofang.: von -2°

23′ bis -2° 47′, Senegal: 1° bis 2° 51′, ~Meininger~ das Gummi von

_A. pycnantha_ -19,37°. Doch kommen Anomalien vor. So beobachtete

~Fromm~ Rechtsdrehung: bei arab. Gummi +1° und bei Senegal +9° 8′,

+3° 21′, +8° 31′ und -4° 52′ und ~Flückiger~ und ~Wiesner~ fanden

das _Feronia_gummi rechtsdrehend, aber das ist beim Cordofan- und

Senegalgummi -- ich zweifle nicht daran -- auf Vermischung mit Gummis,

die nicht von _A. Senegal_ stammten, zurückzuführen.

Andere Gummis zeigen dagegen +stets+ Rechtsdrehung. ~Scheibler~ fand

(1873), daß unter den Sennaargummis rechtsdrehende sich finden,

was ~Flückiger~ bestätigte. Geddagummi ist stets rechtsdrehend.

Die Drehung schwankt zwischen α_{D} +45 und +54° (~O’Sullivan~)

~Guichard~ fand Salabreda- und berberisches Gummi rechtsdrehend. Ebenso

dreht Ghezirehgummi regelmäßig rechts (c. +3°) wie Mogadorgummi

(~Flückiger~). Das Gummi von _A. horrida_ (Angra Pequena-G.) drehte +

2° 20′, +3° und +3° 20′, nach Extraktion mit Alkohol +3°, +3° 40′

und +4° 20′ (~Hartwich~). ~Lemeland~ fand rechtsdrehend (α_{D}?):

Gezireh +45°, Brasil +46° 94′, _Cochlosperm. Gossyp._ +77° 152′.

~Mannich~ fand rechtsdrehend das Gummi von _Acacia Kirckii_ +2,6°, _A.

Seyal_ +5,1°, _A. arabica_ +7,98°, _A. stenocarpa_ +4,75°. Weitere

Angaben im Kapitel Handelssorten (S. 436 u. 437). Im allgemeinen

findet man angegeben, daß die Gummis, die relativ wenig (bis 20,7%)

Schleimsäure bilden, rechts drehen, die, welche über 21% Schleimsäure

bilden, dagegen links (~Wiesner~). Das scheint aber nicht richtig zu

sein. Es fehlt eine speziell hierauf gerichtete Untersuchung.

Eine der wichtigsten Methoden zur Wertbestimmung des Gummis ist

die Bestimmung der =Viskosität=. Sie erfolgt im Viskosimeter. Der

erste, der Bestimmung der Viskosität der Gummata vorschlug, war

~Sacc~ (1857). Er benutzte das Viskosimeter von ~Ochs~ (Bestimmung

der Zeit des Einsinkens eines Senkkörpers). ~Duclaux~ bediente sich

des Compte-gouttes de Salleron, dem er die Form einer Pipette gab.

Dann beschrieben ~Vée~ (1888) und ~Lunge~ (1892) Viskosimeter für

Gummilösungen. ~Lunges~ Viskosimeter ist eine Spindel von bestimmter

Schwere. Man bestimmt die Zeit, die diese braucht, bis sie bis zu einer

bestimmten Marke eingesunken ist. Andere Viskosimeter bestimmen die

Ausflußgeschwindigkeit des Schleims aus einer Bürette mit bestimmter

Ausflußöffnung. So beruhen z. B. das +Viskosimeter+ von ~Engler~,

das ~Reischauer~sche und das nach letzterem konstruierte von ~E.

Schmid~ darauf, die Ausflußgeschwindigkeit aus einem Rohre bestimmter

lichter Weite (2 mm) zu messen. Zum Vergleich dient entweder Wasser,

Rüböl oder eine Rohrzuckerlösung bestimmter Konzentration. ~Fromm~

benutzte ~Englers~ Viskosimeter für Gummilösungen. Das sehr gute

Ausfluß-Viskosimeter von ~Merveau~ (Fig. 151) berücksichtigt den

Einfluß, den Druckhöhe, Temperatur und Querschnitt der Ausflußöffnung

besitzen. Seltener benutzt wird das ~Ostwald~sche +Viskosimeter+. Das

teuerste, aber beste, ist das +Torsionsviskosimeter+ (Fig. 150). Die

+Bestimmung der Viskosität+ mit dem Torsionsviskosimeter wurde von

~Beam~ mit einer 20 oder 30% Lösung gemacht.

[Illustration: Fig. 150.

Torsionsviskosimeter.]

[Illustration: Fig. 151.

Viskosimeter von +Merveau+.]

Groß ist die Zahl der für Öle und Firnisse vorgeschlagenen

Viskosimeter. Ich nenne nur die von ~Huguet~, ~Schubler~, ~Redwood~,

~Allen~, ~Schmid~, ~Engler~, ~Barbey~, ~Valenta~. Dann seien die

Viskosimeter von ~Neumann~, ~Wender~, ~Mayer~, ~Hess~, ~Yvon~,

+Grorert+ und ~Demichel~ und das Laktoviskosimeter von ~Micault~

genannt. Sie sind auch für Gummilösung brauchbar.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 67 / 120 段