=Gewinnung des Nilgummi.= Die Bedingungen der Einsammlung des

+Sudangummi+ beschrieben der Director of forests of the Sudan ~C. E.

Muriel~ (1901), sowie ~David~ (1901) und neuerdings (1908) ~Beam~ in

Khartoum. Der Sudan exportiert hauptsächlich das sog. +Hashab-Gummi+,

das Gummi von _Acacia Senegal_, die besonders in Cordofan, westlich vom

weißen Nil (z. B. bei Djédid, Bara und el Obeïd) gefunden wird, weniger

in Gezireh und Gedaref, sowie in Sennaar zwischen blauem und weißem

Nil und bei Kassala (~Beam~). (Vgl. die Karte auf S. 429.) In dem

Bezirke Bara Tajara el Obeïd in Cordofan besteht etwa ⅓ des lichten

Buschwaldes aus Gummiacacien. ~Muriel~ unterschied zwei Sorten: +Gummi

aus «Gärten»+ (+hashab geneina+ oder genaineh) und +wildes Gummi+

(+hashab wady+ oder ouadi) -- ersteres von angeschnittenen Bäumen,

die einen Besitzer haben, letzteres von unangeschnittenen Bäumen, die

keinen Besitzer haben. Von einer eigentlichen Pflege, Anpflanzung

oder +geregelten+ Besitzverhältnissen ist aber meist nicht die Rede

(~David~), so daß also die Bezeichnung «Garten» und «Besitzer» nicht

wörtlich zu nehmen ist: die Genainas sind lichte Haine. Immerhin

kommen, seit die Engländer sich in Khartoum festgesetzt haben (1900),

die Gegenden in geregeltere Verhältnisse. Schon jetzt gibt es kaum

noch Wady-Gummi. Alles Gummi stammt von angeschnittenen Bäumen, selten

von solchen, wo es aus natürlichen Wunden austritt. Jetzt ist Wady der

Name für dunklere Gummitränen. Die Gummigewinnung ist abhängig vom

Vorhandensein von Brunnen, da die Sammler in den sehr zerstreuten,

lichten Gummigärten sich ihr Wasser, ihre Nahrung und endlich auch das

Gummi tragen müssen. (Fig. 144.) Da die Einsammlung in der heißesten

Zeit stattfindet, so gehen die Sammler nur so weit wie nötig.

[Illustration: [Genehmigter Abdruck aus dem Dritten Bericht der

Wellcome Untersuchungs-Laboratorien Khartum 1908.]

Fig. 144.

Gummisammler in Cordofan, ausgerüstet mit Wasserschlauch und Beutel für

Gummi und Mundvorrat, sowie mit Speer zum Schutze gegen wilde Tiere.]

[Illustration:

Tafel VIII.

Anschneiden des Baumes zur Gummigewinnung.

(Genehmigter Abdruck aus dem dritten Bericht der Wellcome

Untersuchungs-Laboratorien Khartum 1908.)]

[Illustration:

Tafel IX.

Ausschwitzen des Gummis neben der angeschnittenen Stelle.

(Genehmigter Abdruck aus dem dritten Bericht der Wellcome

Untersuchungs-Laboratorien Khartum 1908.)]

Die Bäume werden nach dem Aufhören der Regenperiode, also vom Oktober

an angeschnitten und das Anschneiden (tapping, barking) fortgesetzt

bis zum Februar. Das Anschneiden erfolgt mit einer kleinen Axt. (Taf.

VIII.) Es werden zunächst transversale Einschnitte gemacht, dann reißt

man einen dünnen Streifen Rinde ab. Dieser Streifen sollte nicht länger

als 2-3 engl. Fuß lang und 1-3 engl. Zoll breit sein (~Muriel~ vgl.

Taf. IX), je nach der Dicke des Stammes. Größere Wunden schädigen den

Baum, auch tritt weniger Gummi aus, ebenso bei kleineren Wunden oder

Einschnitten. Es wird Sorge getragen, daß der Schnitt nicht bis in den

Holzkörper geht. Wenn die Einschnitte an

einem kühlen Tage gemacht werden und mehrere kühle Tage folgen, so

tritt beinahe kein Gummi aus. Die Einschnitte müssen an heißen Tagen

gemacht werden. Nach 60 Tagen kann, wenn das Wetter kühl ist, das

erste Gummi gesammelt werden, bei warmem Wetter geht es schneller.

Man läßt das Gummi zwei Wochen am Baum zum Erhärten. Vor dieser Zeit

ist die Träne im Innern noch flüssig, läuft beim Sammeln aus und man

erhält dann hohle Schalen, die leicht zerbrechen. Jeden vierten Tag

kann das Gummi abgesammelt werden, bis die neuen Blätter erscheinen

und der Regen einsetzt. Man sammelt (Fig. 144) in einer Saison meist

7-8 Mal (~Beam~). Besonders sammeln Frauen das Gummi. Verwundet werden

3 Jahre alte und ältere Bäume. Schon Bäume von 8-10 Fuß Höhe und

6-8 Zoll Umfang können Gummi produzieren. Ältere Bäume, wie solche

von 15 Jahren, liefern kein Gummi, das beste solche von 8-12 Jahren.

Dann beginnt die Kernholzbildung und sobald diese eingetreten, wird

kein Gummi mehr erzeugt. Belaubte Bäume liefern kein Gummi, ebenso

durch Feuer beschädigte. Während der Ernte muß trockenes heißes Wetter

sein. Starke Bodenfeuchtigkeit und Schatten beeinträchtigen die

Gummiproduktion; so ist z. B. in Agari, wo der Khor Agari im Sande

verläuft, keine Gummiproduktion zu finden, trotzdem überall Hashab

geneinas sich finden.

Die Bildung des Gummis wird begünstigt durch einen leichten sandigen,

eisenschüssigen Boden und gute Drainage. Während der trockenen

Jahreszeit darf _A. Senegal_ nicht befeuchtet werden (_A. arabica_

dagegen verträgt Wasser gut). Die größte Gummiproduktion erfolgt, wenn

auf eine gute Regenperiode eine ungewöhnlich heiße und trockene folgt.

Bodenfeuer sistiert die Produktion in der Geneina für eine Saison. Man

kann bei der jetzt üblichen Verwundungsart jeden Baum nur alle zwei

Jahr verwunden. Ein großer Baum liefert ungefähr 1,9 rotl (2,166 rotl

= 1 kg), ein mittlerer 1,33 und ein kleiner 0,75 (~Beam~). +Gummi von

Bäumen, die angeschnitten wurden, ist heller als aus natürlichen Wunden

austretendes.+ Das Gummi des ersten Gummiausflusses nach dem Anschnitt

ist gewöhnlich weniger löslich, besonders bei älteren Bäumen, doch

wird es beim längeren Liegen löslicher. Gegen das Ende der Sammelzeit

wird das Gummi allmählich härter und glasiger, und die Lösung zeigt

eine immer geringere Viskosität. Im allgemeinen fand ~Beam~, daß,

entgegen der Meinung der Sammler, eine Lösung des Gummis älterer

Bäume eine etwas größere Viskosität besitzt als das aus jüngeren. Das

Gummisammeln wird sehr schlecht bezahlt. Es wird von den Bauern nur

als Nebenbeschäftigung betrieben, und nur wenn sie _Sesam_ und _Dura_

geerntet haben. Sie kommen daher oft erst im Januar und Februar dazu

die Bäume anzuschneiden. Die Gummiausscheidung ist dann im Mai beendigt.

[Illustration: [Genehmigter Abdruck aus dem Dritten Bericht der

Wellcome Untersuchungs-Laboratorien Khartum 1908.]

Fig. 145. +Verlesen des Gummis+ in Omdurman.]

Als der Khalif gefallen (1900), bereiste ~David~ aus wissenschaftlichem

Interesse und um Gummi aufzukaufen Cordofan von Dongola aus. Er

besuchte Bara, Khursi, Tajara im Osten von el Obeïd, Khor Hable,

Schekkan und Kattero im Süden und Nehoud im Westen, wo die Bewohner

ihre freie Zeit mit Gummisammeln ausfüllen. Sein Bericht ergänzt

das Obige. Das Anschneiden im Dezember und Januar geschieht meist

in den oberen Regionen des Stammes, die mindestens 4-5jährig sind.

«Die eingeborenen Jungen und Mädchen bringen durch Anritzen der Rinde

mit Lanzenklingen und Messern das Gewebe zu stärkerem Ausscheiden»,

doch wird in den von ~David~ (1900) besuchten Gegenden die Prozedur

nur beiläufig vorgenommen. Die Bäume schwitzen vom Dezember bis

Februar, also 2-5 Monate, nach der auf die Regenzeit folgenden

Vegetationsaufflackerung bei Beginn der Trockenzeit Gummi aus.

Niemals findet man an den Bäumen altes Gummi, nur diesjähriges. Je

weiter ab der Baum vom Flusse liegt, um so besser ist das Gummi. Die

Gummiausscheidungen sitzen meist an 10-20 cm dicken Ästen, spärlicher

an dünnen Zweigen (~David~). Das Gummi ist anfangs weich und schmeckt

dann recht erfrischend. Es erhärtet am Baume und erhält dann die

charakteristischen Risse. Das Gummi von _A. Senegal_ bildet kleine

runde oder wurmförmige Klümpchen von höchstens 3 cm Durchmesser. Als

Instrument zum Ablösen des Gummis wurde in den von ~David~ besuchten

Gegenden das breite Blatt der Lanze benutzt. ~David~ schlägt vor,

Brunnen zu graben und Gummi als Abgabe für Benutzung derselben zu

erheben, sowie Acacienhaine anzulegen. Die Geneinas müssen als

+lichte+ Haine gehalten werden (18-100 Bäume per acre). Nach ~Beam~

lieferte eine 10 acre große Geneina bei Sher geila bei der ersten

Sammlung 75-100 lbs, bei der zweiten und dritten 60, dann mehrmals 50

und am Ende der Saison 10 lbs. Die jährliche Produktion dieses Gartens

betrug 12-15 Kantar (d. h. 1200-1500 lbs). Unzeitiger Regen, der

aber in der heißen Zeit kaum vorkommt, schädigt die Ernte sehr. Ein

niedriger Preisstand vertreibt die Lust zum Sammeln, alsdann geht die

Produktion rasch zurück. Von März bis Mai kann Gummi gesammelt werden.

In dieser Zeit, ja bis zum Juli, bringen die Sammler das Gummi in

kleinen Portionen (5-7 lbs) den Händlern, die bei den Brunnen ihr Zelt

aufgeschlagen haben. Die Chefs lassen ihre Sklaven und Weiber sammeln

(~David~). Dies rohe Sammelprodukt enthält stets das Gummi mehrerer

Acacien, doch scheidet schon der Händler beim Ankauf die dunklen

Knollen von Seyal- und Kitrsorten aus. [Kitr (_A. stenocarpa_) bildet

bis 150 g schwere braune Knollen.] Einige Sammler bringen das Gummi

nach Mandjura, el Duem oder Fakischowa am weißen Nil, andere nach Dabbe

am Nil in Dongola. Dort erwarten sie die arabischen Händler (gellabas).

Die Nubier transportieren das Gummi in Ziegenfellsäcken. Die Händler

bringen es dann in oben verengte Bastkörbe (llahâwi), die c. 125 kg

fassen und auf Kamelen transportiert werden. [Im Durchschnitt ladet

man 3-4 Cantar (à 100 Rottoli) auf ein Kamel (~Pallme~).] In Khartoum

werden sie dann bis zu 200 kg aufgefüllt. In den Nilstationen wird das

Gummi von der anglo-ägyptischen Regierung mit der Regaltaxe von 20% ad

valorem belegt. (Schlechte Sorten zahlen weniger.) Während früher das

Rohgummi des Sudan zunächst auf dem Rücken der Kamele, dann auf dem Nil

über Berber, Dongola, Mokrat und Wadi Halfa nach Kairo und Alexandrien

oder von Berber über Land nach Suakim bzw. von Kassala nach Massaua an

das Rote Meer gebracht wurde, strömt es jetzt fast ganz in Khartoum

resp. dem gegenüber gelegenen Omdurman (am Zusammenfluß des weißen und

blauen Nil) zusammen. (Fig. 146.) Auch die Ghezireh-, Gedaref- und

Talhasorten werden jetzt dorthin gebracht und während früher das Gummi

unsortiert nach Europa kam und sich z. B. in Triest die Gummiauslese

zu einem besonderen Beschäftigungszweige entwickelt hatte, wird

jetzt viel Gummi schon in Omdurman vorläufig ausgelesen (Fig. 145),

sortiert und bisweilen auch, wenn nötig, in der Sonne gebleicht -- in

Omdurman befinden sich große Bleichanlagen. Immerhin ging noch 1908 die

Hauptmenge des Gummi unsortiert nach dem Norden. In Hamburg hat sich

seit Ende des XIX. Jahrh. die Triage entwickelt.

[Illustration: [Genehmigter Abdruck aus dem Dritten Bericht der

Wellcome Untersuchungs-Laboratorien Khartum 1908.]

Fig. 146. +Gummihändler in Omdurman.+]

Als beste Sorten gelten: Picket turkey gum und white sennaar gum. Die

Haupthandelssorten werden im Sudan und Ägypten nach der Größe der

Tränen unterschieden: bold, large, medium und granular, dann nach der

Qualität: hard gum (in Triest: Khartumgummi), hart, glasig von hoher

Viskosität, meist im bold und large Gummi prävalierend, bleached gum,

d. h. in der Sonne gebleichtes Gummi, brüchig und heller infolge der

zahlreichen Risse, von geringerer Viskosität. Glasige Sorten werden

nicht gebleicht. Das Bleichen verändert die Farbe übrigens nur wenig;

sorts ist unsortiertes Gummi. -- Die Viskosität hängt nicht von der

Grösse der Körner ab (~Beam~).

Das weniger wichtige +Talh gum+ wird von zwei Varietäten von _Acacia

Seyal_ in Kassala am blauen Nil, bei Karkoj mamuria im südlichen Teile

des Wad-el-abbas-mamuria und im Roserires Distrikt gesammelt, nämlich

von der Talha hamra (= roter talh) und von der Talha beïda (= weißer

talh) oder soffar, _A. Seyal_ var. _fistula_. Bei diesen handelt es

sich um natürlich austretendes geringeres Gummi. ~Muriel~ berichtet von

Insekten die diese Bäume bewohnen.

Das Gummi von _A. vera_ ~Willd.~ (_Acacia arabica_), im Sudan santa

(plur. sant oder sunt) genannt, ist weniger benutzt. Das Verwunden wird

hier durch Herausschneiden von 2-3 Zoll großen Stücken aus der Rinde

bewirkt und die Wunde geschlagen.

Es vergehen für gewöhnlich 6 Monate bis die ganze Ernte des Sudangummi

nach den ägyptischen Ausfuhrhäfen und dort zur Verschiffung gelangt

(~Gehe~).

Auch im +Somalilande+ werden die Acacien angeschnitten (~Vaughan~,

~Miles~) und unterhalb der Schnittwunde eine Bastbinde angelegt. Dies

erfolgt Anfang März, die Ernte beginnt einen Monat später und dauert

bis zum September (~Paulitschke~). In Abyssinien wurde auch noch 1905

Gummi ganz vernachlässigt, obwohl dort die gleichen Arten wie im

Somalilande vorkommen.

[Illustration: [Genehmigter Abdruck aus dem Dritten Berichte der

Wellcome Untersuchungs-Laboratorien Khartum 1908.]

Fig. 147. +Verladen des Nilgummis auf Leichter.+]

=Lit.= ~C. E. Muriel~, Rep. on the forests of the Sudan. 1901. --

~David~, Kordofang. Apoth. Zeit. 1901, Nr. 97. -- ~Beam~, in III Rep.

Wellcome Research Laborat. Khartoum 1908. -- ~Hartmann~, Reise d.

Freih. v. Barnim. Berlin 1863. -- ~Pallme~, Beschreib. von Cordofan

(Jahresber. 1842, 339). -- ~Vaughan~, Jahresb. d. Pharm. 1852, 86.

-- ~Miles~, Journ. R. geogr. Soc. 22 (1872) 64. -- ~Paulitschke~,

Ethnographie Nordostafrikas. 1893. -- ~Haggenmacher~, Reise im

Somaliland. Peterm. geogr. Mitt. 1876.

Daß Cordofan- und Senegalgummi identisch sind und daher von derselben

_Acacia_art stammen müssen, bemerkte zuerst ~Flückiger~ (1869),

nachdem ~Cienkowsky~ (1848) festgestellt hatte, daß _A. Senegal_, die

~Guillemin~ und ~Perrottet~ (1824 bis 1829) am Senegal gefunden, auch

im Stromgebiete des Nil vorkommt und ~Schweinfurth~ (1867) gezeigt

hatte, daß das beste Cordofangummi in der Tat von _A. Senegal_ stammt.

Aber wie auch beim Sudangummi einige Sorten +nicht+ von _A. Senegal_

stammen, so stammt auch nicht alles Senegalgummi von dieser Pflanze.

Nur das gomme du bas du fleuve wird hiervon abgeleitet, das Galamgummi

dagegen von anderen Arten (_A. vera_, _A. albida_, _A. Neboued_).

[Illustration: Fig. 148.

+Die Distrikte des Senegalgummi.+ [~Tschirch~ gez.]]

Über die =Gewinnung des Senegalgummi= sind wir durch zahlreiche

französische Forscher orientiert worden. _Acacia Senegal_ bildet

im Senegalgebiete lichte Bestände. Sie geht bis an die Grenze der

großen Wüste, in die Oasen derselben und nach Bornu (~Rohlfs~). Die

bedeutendsten Gummiwälder (+Krabbas+) finden sich in Sahel im Gebiete

des maurischen Stammes der Trarsa, (Fig. 148) der sich von der

Küstenlandschaft am rechten Ufer des Senegal aufwärts bis Dagana und

tief ins Innere erstreckt. Dann liegen Krabbas bei Alfatak zwischen dem

See von Chomak (Kayak) und der Stadt Podor am Senegal und im Lande des

Braknastammes. «Diese nördlich vom Strome liegenden Gehölze liefern

das vorzüglichste Gummi in reichlichsten Mengen, doch sind eigentlich

auch die den Franzosen unterworfenen linksuferigen Gebiete Walo

(Ualo) und Cayor (15° n. B.), welche vom Negervolke der Dhioloffen

(Djoloi) bewohnt sind, nur ein ungeheuerer Gummiwald» (~Flückiger~).

Ferner sind zu nennen die Wälder von Dimar, Toro (am linken Ufer des

Senegal), Chamana (am rechten), Diubuldu, Djeuleuss, Ndombo, Sanente,

Bokol, Ndiaïen, Lérabé, Diambur (~Louvet~). Das Einsammeln betreiben

im Unterlande (bas du fleuve) besonders die maurischen Nomadenstämme

der Trarsa, Brakna und Duaisch am rechten Senegalufer bis Bakel

(15° n. B.), dann die Negerstämme im Galam- oder Gadingalande und

oberhalb Galam (Kadschaga, en haut du fleuve) am Falemefluß die

Bewohner der Landschaften Bondu und Bambuk, sowie die der Fulah- und

Guidimakhadistrikte. Die Gegenden am +Gambia+ (Rivières du Sud), am

Cazamonce, Rio Grande, Rio Pongo und Mélacorée, welche Flüsse alle in

den Ferlobergen entspringen, liefern +kein+ Acaciengummi (~Cotton~).

Die Franzosen, die den ganzen senegalensischen Gummihandel in Händen

haben, unterscheiden die +gommes du bas du fleuve+, vom Unterlauf des

Senegal (Dagana, Podor, Wüste von Bunun, Gebiet der Brakna) und die

+gommes du haut du fleuve+ oder Galam, vom Oberlauf (Galam, Bakel,

Medine). Der Unterlauf des Senegal, das Unterland, reicht ungefähr bis

Mafu, bis wohin der Strom auch bei niederem Wasserstande schiffbar ist.

Das weiter aufwärts liegende Gebiet ist das Oberland. Für reichliche

Gummiproduktion scheint ein vorhergehender regelmäßiger Regenfall von

mindestens 40-50 cm im Juli, August und September und dann im Dezember

und Januar (nach ~Guillemin~ und ~Duveyrier~ im Oktober und November)

folgende anhaltende, starke und heiße Ostwinde (mbohio, harmattan)

aus der Wüste unerläßlich («Wenn der Scirocco fehlt, kommt es auch

nicht zu einer Gummibildung», ~Cotton~). Die letzteren trocknen die

Rinde aus und bringen sie zum bersten (~Louvet~, ~Pergolotte~). Je

stärker und anhaltender der Wind, um so stärker ist auch der Gummifluß

(~Guillemin~). Einschnitte scheinen nirgends gemacht zu werden.

Das Gummi tritt aus den natürlichen Wunden aus. +Nach dem im Sudan

gemachten Erfahrungen+ (s. S. 417) +würde das Senegalgummi wesentlich

verbessert werden, wenn man die Eingeborenen veranlassen könnte,

Einschnitte zu machen+, denn das natürlich austretende Hashab wady ist

ja auch in Cordofan minderwertig (s. oben).

Die Pflanze blüht im Unterland im Januar bis März, im Oberland im

November bis Februar. Das Gummi tritt vornehmlich zur Blütezeit des

Baumes oder unmittelbar nachher aus. Der Gummifluß erreicht seinen

Höhepunkt zwischen Mitte März und Mitte April kurz vor Eintritt der

Belaubung. Die Einsammlung (+Traite+) erfolgt vom Dezember oder Januar

an. Die Bäume liefern Gummi vom 6. bis 7. Jahre. Wenn sie 3-4 Jahre

Gummi lieferten, tritt eine Ruhepause ein. Im Januar und Februar

treten bisweilen Seewinde, die reichliche Taubildung oder gar Regen

bedingen, ein. Sie erzeugen eine zweite Saftfülle und (im März) unter

Umständen eine zweite geringere Sekretion, können aber auch die ganze

Ernte schädigen oder vernichten. Auch ~Cotton~ berichtet (1893) von

einer zweimaligen Einsammlung: die beste Sorte im April bis Juni

(grande traite), eine geringwertige im Dezember bis Februar (petite

traite). Die leicht erreichbaren Gummitropfen werden mit der Hand,

die schwer zu erreichenden an den oberen Teilen des Stammes mit an

Stangen befestigten scheren- oder löffelartigen Werkzeugen abgebrochen

(~Guillemin~). Die Einsammlung soll besonders durch Sklaven oder durch

Kriegsgefangene der nomadisierenden Stämme am rechten Ufer des Senegal

erfolgen. Die Sammler ernähren sich, sobald ihnen die mitgenommenen

Nahrungsmittel ausgehen, von dem Gummi. Der Ertrag wird oft durch

Epidemien unter den Eingeborenen und durch Feuer vermindert. Das

gesammelte, meist in ganze Ochsenhäute (zu 70-120 kg) verpackte Gummi

wird auf Kamelen, Ochsen und Eseln nach den Stationen gebracht. Die

Kamele tragen c. 300 kg, die Ochsen 120-150 kg, die Esel c. 80 kg.

Das Gummi wird von den Franzosen an bestimmten, nach gegenseitigem

Einverständnis gewählten Uferstellen (+Escales+) gegen Tauschartikel

wie Getreide, Zucker, Reis, Quincaillerie, Waffen, Schmuck, Pulver,

Gewebe und besonders einen blauen Baumwollstoff, genannt «la guinée»,

eingetauscht. Diese Escales oder Handelsstationen am Senegal, bei

denen die Kamelkarawanen oft erst nach 50-60 tägigem Marsch eintreffen

und auf denen man oft hunderte von Kamelen sieht, sind (Fig. 148) für

Gomme du bas du fleuve: Dagana (167 km von der Küste), Podor (267 km),

Salde (461 km) und Matam (601 km). Zwischen Matam und Bakel wird ein

Gemisch von gutem Gummi mit Galam an den Fluß gebracht und bei Bakel

(850 km) beginnt die Region des Galam. Sie reicht bis Medine (1150

km), wo der Fluß einen großen Wasserfall bildet, der der Schiffahrt

eine Grenze setzt (~Cotton~ 1893). Das Gummi geht dann auf dem Senegal

nach der Hafenstadt St. Louis an der Mündung des Senegal, wo jetzt

eine vorläufige Sortierung durch die Société des Importateurs-Trieurs

erfolgt (weniger nach Rufisque und Freetown), und von dort (in

Jutesäcken à 80-90 kg) nach +Bordeaux+. Dort erfolgt die eigentliche

Triage, die Sortierung. Es wird das viele Rindenreste enthaltende

Trümmergummi (baquaques ou marrons rôtis), sowie etwa beigemengtes Harz

(z. B. _Bdellium_) entfernt und der Rest durch die +Trieurs+ in die

üblichen Handelsorten (s. unten S. 431) sortiert. Der Aufschwung des

Senegalgummihandels datiert von der Einführung der Triage in Bordeaux.

1905 war die Produktion des Senegalgummi bedeutend zurückgegangen, da

sie sich durch den niedrigen Preisstand des Sudangummi als nicht mehr

lohnend erwieß. Auch hinderte die Besetzung der nördlichen Landstriche

am rechten Ufer des Senegal, Podor und Kaëdi, durch französische

Truppen die Eingeborenen von den Stämmen der Trarsa und Brakna an der

Einsammlung und in manchen Gegenden wurde sie ganz aufgegeben. Das über

Timbuctu ausgeführte deckte nicht einmal die Transportkosten (~Gehe~).

=Lit.= ~Guillemin~, ~Perrottet~ et ~Richard~, Flor. Seneg. tent.

I, 246. -- ~Duveyrier~, Les Touareg du Nord I (Paris 1864) 164.

-- ~Soubeiran~, Des gommes du Sénégal. Journ. pharm. 1856, 53. --

~Louvet~, Voy. d. 1. forêts de gommiers. Journ. pharm. 24 (1876),

405. -- ~Corre~, Journ. pharm. 24 (1876), 318. -- ~Flückiger~,

Gummi u. Bdellium. Schweiz. Wochenschr. 1869. -- ~Berenger-Feraud~,

Les peuplades de la Senegambie. 1879 (Einsammlung). -- ~Cotton~,

La traite des gommes au Senegal. Journ. ph. 1893, 598. -- (D.

Gummihandel am Senegal). Bull. Soc. ph. Sud-Ouest (Pharm. Post 1896).

-- ~Gehe~, Handelsberichte.

=Handelssorten.= Im Folgenden werden die Sorten in zwei getrennten

Gruppen behandelt: Acaciengummi und Gummi von anderen Pflanzen. Das

+Rohgummi+ ist ein Gemisch sehr verschiedener Qualitäten, stammt

auch bisweilen von verschiedenen Stammpflanzen. Schon ~Ehrenberg~

bemerkt, daß ein und derselbe Baum oft durchscheinendes, mattes,

helles und gefärbtes Gummi liefert. Wie beim _Traganth_ (s. d.)

werden die verschiedenen Handelssorten durch Auslesen (triage,

picking, scelta) des Rohgummi hergestellt. Diese Auslese geschah bei

Sudangummi früher fast ausschließlich in Triest, jetzt zum Teil schon

in Khartoum (Fig. 145), beim Senegalgummi besonders in Bordeaux (s.

oben), bei den anderen Gummis in London, Hamburg u. and. Häfen. Prof.

~Morpurgo~-Triest schreibt mir (1911): «Die alten, patriarchalischen

Geschäftsverbindungen der Triestiner mit den ägyptischen Händlern

haben aufgehört, so daß jetzt die Vermittlung des Triester Marktes

im Gummihandel nur noch wenig Bedeutung hat. Das Geschäft entwickelt

sich entweder direkt zwischen den ägyptischen Häusern und den

Konsumenten, oder die Ware wird von deutschen, französischen und

speziell englischen Spekulanten eingekauft, und infolgedessen

konzentriert sich das Geschäft mit ägyptischen Gummi immer mehr in

Hamburg, Bordeaux und London. Auch nach New York wird direkt viel

_Gummi arabicum_ exportiert. Was die Gummiauslese betrifft, so hat noch

immer Triest dafür ein Renommee, es gibt nämlich noch eine Menge von

Arbeiterinnen (Sessolote genannt), welche in der «Scelta della gomma»

eine außerordentliche Praxis besitzen.»

+Für pharmazeutische Zwecke eignen sich nur die besten Sorten Cordofan-

und Senegalgummi.+

I. Acaciengummi.

Acaciengummi kommt aus Afrika, Indien, Australien und Amerika. Doch

liefern die einzelnen Arten ein sehr verschiedenwertiges Produkt.

Unter den afrikanischen Sorten befinden sich die besten Gummis und

das vorwiegend für pharmazeutische Zwecke brauchbare von _Acacia

Senegal_.

A. Afrikanisches Gummi.

=a) Nilgummi= aus dem Stromgebiete des oberen Nil südlich vom 20° n. B.

=1. Westliches Gummi, Cordofan- oder Sudangummi=, das +Hashab geneina

G.+ (S. 417). Die beste Sorte: +Picked Turkey+ oder +Picked Cordofan+,

diese nur von _Ac. Senegal_ [der Name turkey oder türkisches Gummi

ist vielleicht aus torg-Gummi (gomme turique), einem alten Namen für

Sudangummi korrumpiert, Torg soll ein Hafen bei Suez gewesen sein,

ein Tor liegt auf der Sinaihalbinsel]. Cordofan liegt westlich vom

weißen Nil zwischen dem 10. und 15.° n. B. (s. die Karte S. 429).

Gewinnung oben (S. 417) beschrieben. +Bestes Gummi des Handels, zum

pharmazeutischen Gebrauch geeignet+ (Gummi arabicum officinale), klar

löslich, linksdrehend (S. 427), Lösung farb-, geruch- und geschmacklos.

Weiches helles Gummi, wird am höchsten geschätzt, hartes, besonders

gefärbtes weniger. Die besten Sorten sind fast farblos. Die rundlichen

oder wurmförmigen Stücke haben selten mehr wie 2,5 cm Durchmesser,

sie sind innen mehr oder weniger glasig, +außen stark rissig+ und

trübe. Das Cordofangummi kam früher nach verschiedenen Stationen am

Nil (vgl. S. 420), jetzt fast ganz nach Khartoum bzw. Omdurman am

Zusammenfluß des weißen und blauen Nil und geht entweder auf dem Nil

oder zum Teil auf Karawanenstraßen unter Umgehung der Nilkatarakte nach

nördlicheren Nilstationen, wenig erst auf der Eisenbahn Khartoum–Kairo

nach Alexandrien. Cordofangummi findet sich in Schilfmatten von

pyramidenförmiger Gestalt, die außerdem mit Sackleinen umnäht sind

und im Handel deshalb die Bezeichnung Ballen führen (~Weigel~

1905). Man unterscheidet beim Sortieren (nicht in Cordofan) hartes

(hard) und weiches (soft) Gummi. Das harte wird in der Färberei und

Seidenfabrikation, das weiche in der Confiserie und Pharmazie benutzt.

Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 63 / 120 段