~Jos. Moeller~ hält die Gummibildung der Acacien für einen normalen,

in seiner physiologischen Rolle der Borkenbildung vergleichbaren

Prozeß; ich habe die Gummose schon 1888, ebenso wie ~Frank~ und

~Maiden~, für einen pathologischen angesprochen, da es viele Bäume

und andere Teile des gleichen Baumes gibt, die keine Gummosis zeigen

und bisher +nur+ an Wunden wirklicher Gummi+fluß+ beobachtet wurde.

Auch ~Planchon-Collin~ nennen das Gummi «une production morbide». Nach

~Savaitana~ ist nicht nur bei den Amygdalaceen, sondern auch bei den

Aurantieen die Ergiebigkeit des Gummiflusses proportional der Stärke

der Verletzungen. Bisweilen wurde allerdings bei den Gummiacacien

auch sog. +freiwilliger+ Gummiaustritt beobachtet, sowohl im Sudan

(~Chevallier~) wie in Senegambien (~Guillemin~ und ~Perrottet~), ja

dies Gummi trägt im Sudan sogar den besonderen Namen hashab wady. Aber

auch hier werden Wunden entstehen, denn der Gummiaustritt erfolgt, wenn

unter dem Einfluß der trockenen Westwinde nach einer Regenperiode sich

die Rinde zusammenzieht, also +spontane Risse+ entstehen.

Daß auch +Parasiten+ den Wundreiz auszuüben bzw. zu unterstützen

vermögen, wird allgemein zugegeben. Man hat aber auch die Gummosis

direkt auf Parasiten +zurückgeführt+. So nahm ~Martins~ an, daß

der phanerogamische Parasit _Loranthus senegalensis_ ~Mart.~

den Gummifluß der Acacien verursache (von ~Louvet~ und ~Corre~

widerlegt) und ~Beijerinck~ meinte, daß ein Pyrenomycet _Pleospora

gummipara_ ~Oudemans~ bei den Gummiacacien (_Coryneum Beijerinckii_

bei Pfirsich, Aprikose, Pflaume und Kirsche) Gummifluß hervorrufe.

Neuerdings hat ~Greig Smith~ zu zeigen versucht, daß +Bakterien+

die Ursache der Gummosis sind. Die bakteriologischen Untersuchungen

dieses Autors wurden an _Acacia penninervis_ und _binervata_ in

Australien gemacht. Von den Zweigen isolierte er zwei Bakterien,

_Bacterium acaciae_, die vorherrschende Art, produzierte auf

künstlichen Nährböden einen Schleim der Arabino-Galaktanklasse

(d. h. Arabin), der also qualitativ mit dem Gummi von _A. binervata_

übereinstimmte, _Bacterium metarabinicum_ dagegen, eine Varietät

des anderen, einen Metarabin haltigen Schleim. Das Gummi von _A.

penninervis_ ist denn auch ein Metarabin haltiges. ~G. Smith~ kommt

daher zu der Hypothese, daß die Differenzen zwischen den einzelnen

Gummiarten auf der Verschiedenheit der produzierenden Bakterien

beruhen. Als Bildungsmaterial nimmt er Lävulose und Maltose

an. Festgestellt ist, daß im Punjabgummi und dem australischen

Wattlegummi andere Mikroorganismen vorkommen wie im Sudangummi

(~Edie~, ~Prebble~, Pharmac. ind.). ~Smith~ bleibt aber den Beweis

dafür schuldig, daß die von ihm gezüchteten Bakterien am Baume die

ihnen zugeschriebene Wirkung ausüben und beachtet nicht, daß sein

Wattlegum nur +0,9°, sein Bakterienschleim aber +43° drehte,

beide also Araban und Galaktan offenbar in ganz verschiedenen

Verhältnissen enthalten. Zudem ist Schleim- oder Gummibildung bei

Bakterien eine weit verbreitete Erscheinung. Doch wissen wir über

die Natur der gebildeten Produkte wenig. Das von _Streptococcus

mesenterioides_ produzierte Gummi ist Dextran (~Scheibler~),

wie das eines Spaltpilzes einer Zuckerfabrik (~Andrlik~). Ein

anderer Spaltpilz produzierte Lävulan (~Maassen~), ein dritter

Galaktan. Auch ~Brzezinski~ hat die Identität seines Gummis mit

dem entsprechenden Bakterienschleim nicht nachgewiesen. ~Ruhland~

bezweifelt den bakteriellen Ursprung der Gummis. Er erhält mit aus

Kirschbäumen isoliertem _Bacillus spongius_ auf Nährböden einen

Arabinoseschleim. Der gleiche Bacillus erzeugt an Kirschbäumen eine

von starkem Gummifluß begleitete Krankheit. Das austretende Gummi

ist aber ein Araban-Galaktangemisch. ~Edie~ wiederholte die Versuche

von ~Smith~. Er sterilisierte außen die Zweige der Gummiacacie in

Khartoum, zerschnitt sie, impfte Gelatine damit und übertrug die

Kultur auf Kartoffelagar. Er erhielt ein Bakterium, das auf mit

Gerbsäure versetzte Lävulose übertragen, nicht gut wuchs, aber auf

Lävulose allein Schleim bildete. Allerdings noch nicht abschließende

Impfungsversuche von ~Edie~ ergaben aber, daß mit Bakterien

«geimpfte» Bäume +weniger+ Gummi lieferten als «ungeimpfte» (aber

verwundete). (Das «Impfen» wurde in der Weise ausgeführt, daß der

Schnitt, um die Mikroben besser hineinzubringen, vorher mit Wasser

eingerieben wurde). ~Garros~ brachte einen hefeartigen Pilz, der

die Fähigkeit besitzt, den unlöslichen Teil des Kirschgummis in

Lösung überzuführen, mit der Gummibildung in Beziehung. Daß sog.

«Schleimflüsse» an Laubbäumen (Eiche, Ahorn, Pappel) infolge von

Pilzinfektionen entstehen können, zeigte ~Ludwig~, daß jedoch z. B.

die sog. «gommose bacillaire» von ~Prillieux~ an der Rebe +keine+

Bakterienerkrankung ist, ~Rathay~.

Der von einigen angenommene, zum mindesten bisweilen förderliche

Einfluß der Bakterien auf die Gummibildung kann sehr verschiedene

Gründe haben. Ich erinnnere daran, daß die Bakterien sehr oft

+Enzyme+ produzieren. Diese können direkt oder indirekt die

Gummibildung beeinflussen oder Prozesse einleiten, die zur

Gummibildung führen. Auch ~Beijerinck~ denkt daran, daß die von ihm

beobachteten Pilze ein Ferment bilden, da Gummibildung auch entfernt

von der Wunde eintrete. Dann erinnere ich daran, daß der _Bacillus

spongiosus_ von ~Aderhold~ und ~Ruhland~ auf den Nährböden auch

reichlich organische Säuren (Essigsäure, Ameisensäure, Milchsäure,

Buttersäure) bildete und ~Grüss~ und ~Sorauer~ eine günstige

Beeinflussung der Gummose durch Säuren (spez. Oxalsäure) beobachtet

haben. Vielleicht wirken die Oxydasen besonders energisch in saurer

Lösung.

Auch +Tiere+ sind +als Erreger des Gummiflusses+ betrachtet worden.

~Zimmermann~, der an _Acacia decurrens_ arbeitete, brachte die

Gummibildung mit Verletzungen durch Käfer in Beziehung. Nach

~Busse~ entstammt das G. der _Ac. stenocarpa_ in Deutsch-Ostafrika

ausschließlich Verwundungen, die durch +Ameisen+ hervorgebracht

wurden. Jeder Gummitropfen entspricht einem Bohrloch. Doch beteiligen

sich bisweilen auch größere Tiere (bes. Insekten). Auch ~David~

spricht bei den Gummiwäldern Cordofans von «massenhaft zuwandernden

Ameisen», und davon, daß diese beständigen Begleiter der Gummiacacien

an den Gummiklumpen naschen. Ebenso sah ~Muriel~ bei _A. Seyal_

Insekten. ~Gentz~ fand bei der _Acacia horrida_ (nicht bei _A.

Giraffae_) in Südwestafrika Bohrgänge einer Raupe und eines Käfers.

~Guibourt~ glaubte, da er im Innern der +Marrons de gomme+ (gomme

lignirode) eine große eiförmige «Zelle» fand, dies G. sei durch ein

Insekt erzeugt und die Morrons seien die Behälter der Larven, was

aber unrichtig ist. Auch bei der Bildung des Sonoragummi (s. d.)

scheinen Tiere beteiligt und eine +Begünstigung+ der Gummibildung

durch Verwundung +durch ein Tier+ nimmt ja auch ~Wiesner~ bei

der Bildung des +Chagualgummis+ an (Rohstoffe, S. 124), dessen

Stammpflanze aber auch normalerweise Gummigänge bildet.

+Die meisten Autoren betrachten also die Gummosis als eine

Krankheit.+ ~Grüss~ und ~Sorauer~ dagegen, welche den Wundreiz

für eine häufig vorhandene, keineswegs aber für die einzige

Veranlassung der Gummosis der Amydalaceen ansehen, halten den

Gummifluß für eine physiologische Störung, die auf einem Übermaß

der abbauenden gegenüber den aufbauenden Enzymen beruhe. Die im

Plasma gebildeten abbauenden Enzyme rufen sowohl die Umwandlung des

Reservematerials (Stärke, Hemizellulosen) als die Schmelzung der

Membran hervor. «Ein solches Übermaß kann sowohl durch absolute

Vermehrung der lösenden Enzyme zustande kommen, als auch durch

Gleichgewichtsstörungen entstehen, indem die koagulierenden Enzyme

nicht rechtzeitig in genügender Menge zur Wirksamkeit gelangen»

oder lahmgelegt werden und die hydrolysierenden die Oberhand

gewinnen. ~Sorauer~, der Gummiherde auch im unverletzten Gewebe

sah (waren nicht doch vielleicht Wunden in der Nähe?), verlegt

die Gummosis in die Membran und sieht, gestützt auf Versuche,

einen erhöhten Gehalt der Gewebe an Säure (bes. Oxalsäure) als

begünstigenden Umstand an. Es gelang ihm künstlich, durch Oxalsäure

Gummifluß zu erzeugen. Er sieht den Gummifluß als einen speziellen

extremen Fall einer allgemein verbreiteten Neigung gesunder Gewebe

an, bei bestimmten Wachstumsverhältnissen, die eine Hemmung der

Wirksamkeit der koagulierenden Enzyme veranlassen, Wandquellungen-

und Lösungen einzugehen. ~Grüss~ nimmt an, daß die Gummisubstanz aus

dem Zerfall von Zellwänden herrührt, die Hemizellulosen enthalten

und zwar speziell aus dem Galaktan derselben hervorgeht unter

dem Einfluß von Enzymen (Cytasen, Diastasen). Bei mangelhafter

Ableitung des verflüssigten Gummis kann eine Gummilücke entstehen,

da schließlich die Grundsubstanz der sekundären und weiterhin

die primäre Membran angegriffen wird. ~Grüss~ denkt sich die

Gummibildung in der Weise verlaufend, daß die Gruppe COH in dem

Zucker- oder Saccharo-Colloid-Molekül durch Sauerstoffüberträger in

die COOH-Gruppe verwandelt wird und so Arabin- resp. Galaktinsäuren

entstehen. Als Sauerstoffüberträger würden die Oxydasen fungieren.

~Grüss~ zeigte, daß die Cytase des Kirschgummi Hemizellulosemembranen

zu verschleimen und zu lösen vermag. Bei der Gummibildung im

Kirschholz, der normalen und der pathologisch gesteigerten, ist die

Cytase beteiligt. «Jeder Gummibildungsprozeß setzt die Anwesenheit

von Hemizellulosen im Holzkörper voraus.» Sitz der Cytocoagulase sind

die ~Mikosch~schen Gummiparenchymzellen.

Nach ~Beijerink~ und ~Rant~ beruht der Gummifluß bei den Amygdalaceen

auf einer durch Wundreiz verursachten anormalen Entwicklung des

embryonalen Holzgewebes, die schließlich zur «Verflüssigung»

desselben führt und die verursacht wird durch einen cytolytischen

Körper. Cytolytische Substanzen werden von nekrobiotischen Zellen,

wie man sie in der Nähe von Wunden findet, deren Plasma tot, deren

Enzyme aber erhalten sind, vielleicht in besonders großer Menge

abgeschieden. Die Autoren sind der Ansicht, daß alle Ursachen,

welche zur Nekrobiose führen, Gummifluß veranlassen und zwar um

so heftiger, je umfangreicher die nekrobiotischen Prozesse sind.

Quecksilberchlorid erzeugt auch dort noch Gummifluß, wo er sonst

ausbleibt (Aber HgCl₂ tötet doch alle Enzyme!) _Coryneum_ u. and.

Parasiten führen zur Gummibildung, weil sie ein Gift ausscheiden,

Saprophyten (_Dematium pullulans_, _Phyllosticta Persicae_)

verstärken die Gummibildung, weil sie einzelne Zellen abtöten. Die

genannten Autoren betonen, daß der Gummifluß bei den Amygdalaceen

wirklich bedeutungsvoll nur im sekundären Jungholze auftritt, wo auch

normalerweise die Cytolyse am ausgiebigsten auftritt.

Demgegenüber hält ~Ruhland~ die Gummose für eine allgemeine

Eigenschaft embryonaler Zellen, die aber im normalen Leben nicht

zur Auslösung kommt, sondern erst infolge eines äußeren Anstoßes.

Er leugnet das regelmäßige Auftreten von nekrobiotischen Zellen und

die Diffusion von zellstofflösenden Körpern aus nekrobiotischen

Zellen in das embryonale Gewebe und führt durch zahlreiche Versuche

den Nachweis, daß, +sobald der Sauerstoff bei der Verwundung

abgeschlossen wird, die Gummose unterbleibt+. In den embryonalen

Zellen wird, wenn Sauerstoff hinzutritt, statt Protopektin (S.

277) Gummi gebildet, das normale Wandbildungsmaterial in die

sauerstoffreichere Gummisubstanz übergeführt. Danach würde also

weder der Wundreiz allein, noch die durch die Wunde in die Pflanze

gelangenden Parasiten und ihre Produkte +Primärerreger+ der Gummosis

sein, sondern der zutretende Sauerstoff chemische Prozesse in der

Pflanze einleiten oder auslösen, die zur Gummibildung führen. Wie

diese Prozesse verlaufen, ist noch unklar. Aber das vorstehend

Mitgeteilte weist doch wieder auf +Oxydasen+ und +Peroxydasen+, die

wir bekanntlich ja noch in den Gummis selbst antreffen, hin.

Daß _Gummi arabic._ Enzyme enthält, ist lange bekannt. Doch sprach

erst ~Wiesner~ 1885 von einem «Gummiferment» und schrieb ihm die

Eigenschaft zu Zellulose in Gummi verwandeln zu können. Aber schon

~Reinitzer~ zeigte 1890, daß das Gummiferment wenigstens außerhalb

der Pflanze nicht hierzu imstande ist, sondern nur aus Stärke Zucker

bildet, also ein diastatisches Enzym enthält. Als solches erkannte

diesen Teil des Enzymgemisches auch ~Béchamp~ (1893), der ihm den

Namen Gummizymase gab, und ~Grafe~ (1907). Daß aber neben dem

diastatischen Ferment auch eine Oxydase im Gummi vorkommen muß, zeigt

ja schon der Versuch mit Guajaktinktur, zeigen dann die Beobachtungen

von ~Bourquelot~ über die oxydierenden Wirkungen verschiedener

Gummiarten, sowie meine eigenen über die «Gummasen» und sprach

endlich ~Reinitzer~ aus, der den Nachweis führte, daß im _Gummi

arab._ neben einer Amylase sowohl eine Oxydase wie eine Peroxydase

vorkommt. Mir erscheint nun nach allem die Frage sehr diskutabel,

ob wir in diesem Enzymgemisch, dem ich, da ich der ~Duclaux~schen

Nomenklaturregel nicht folgen konnte, den Namen Gummase gab, nicht

wirklich die Gummibildner vor uns haben, die in der +gummogenen

Schicht der lebenden Pflanze+ unter dem Einfluß von durch die Wunde

zugeführten Sauerstoff (die Oxydasen wirken als Sauerstoffüberträger)

aus den z. Z. unbekannten Gummibildnern, die wir aber wohl unter

den Sacchariden und Polysacchariden zu suchen haben, das Gummi

erzeugen. Ein Beweis ist dafür aber noch nicht erbracht. Für die

Bildung des Kirschgummis nimmt ~Mikosch~ die Beteiligung von Enzymen

an. Daß Gummifluß durch Reize hervorgerufen werden kann, bei denen

Mikroorganismen +nicht+ beteiligt sind, unterliegt jetzt aber keinem

Zweifel mehr (~Aderhold~, ~Ruhland~, ~Beijerinck~, ~Rant~).

Über die Gummibildung bei den Amygdalaceen bemerkt ~Mikosch~: «Das

Gummi entsteht in der lebenden Substanz der Gummiparenchymzellen,

wird von dem Plasma als Lösung zwischen Hautschicht und primärer

Membran ausgeschieden und hier unter dem Einflusse des Plasmas zum

Teil in Wasser unlösliches, aber darin quellendes Gummi umgewandelt.

Der Prozeß geht in der Zelle zentripetal vor sich. Die primären

Membranen bleiben lange erhalten und werden erst später gelöst.»

«Die kambialen Gummiräume werden bei fortschreitender Gummosis auch

noch dadurch erweitert, daß die angrenzenden Markstrahlen in den

Umwandlungsprozeß mit einbezogen werden.» «Die Gummibildung beginnt

in der Membran stets in den Verdickungsschichten, zuletzt werden die

primären Membranen gelöst.» Zur Membran brachten die Gummibildung

zuerst ~Karsten~, ~Trécul~, ~Wigand~, ~Frank~ und ~Prillieux~ in

Beziehung. Auch die Bildung des G. a. ist an Membranen geknüpft.

Sie beginnt vielleicht schon in den Membranen der Cambiumzellen

(~Lutz~) und wird deutlich in einer Vergummung der Membranen der

Siebröhren und Cambiformzellen (Hornbastprosenchym, Keratenchym

~Wigands~) der sekundären Rinde (~Wigand~, ~J. Moeller~), einem

Vorgange, den ~Wigand~ «rückschreitende Metamorphose der Zellmembran»

nannte. Immerhin müssen sich -- das nahm schon ~Trécul~ an -- an der

Gummibildung auch noch zugeführte Inhaltsstoffe beteiligen, denn wie

von ~Höhnel~ an einem bestimmten Falle zeigte, hatte der an einem

Zweige von _A. Senegal_ ansitzende Gummiknollen einen Inhalt von 41

000 cbmm, während der Spalt, aus dem er hervorgequollen war, nur 84

cbmm maß. ~Höhnel~ schließt daraus, daß die Beteiligung der Membranen

auf die ersten Anfangsstadien beschränkt sein müsse und 99,8% ohne

ihre Beteiligung entstehe. (Ähnlich hatte sich bereits 1866 ~Frank~

ausgesprochen.) Es verhielte sich dann mit der Bildung des _Gummi

arabicum_ ganz ähnlich wie mit der des Kirschgummi und der Gummis bei

Combretaceen, z. B. _Terminalia Bellerica_ und _Catappa paniculata_

(~v. Höhnel~) und Bromeliaceen (~Boresch~). Denn wie neuerdings

~Mikosch~ zeigte, beginnt in der Regel die Kirschgummibildung durch

Bildung von Kappen an den einen schizogenen Raum umgebenden Zellen

(solche Kappen sah ich auch bei schizolysigenen Harzbehältern). Diese

Randzellen, sowie ihre Umgebung gehen alsdann zu grunde, es entsteht

ein «schizolysigener (~Tschirch~) oder auch rein lysigener Raum», und

in diesem kann nun eine enorme Gummibildung dadurch Platz greifen,

daß alles zugeführte Kohlehydrat-Baumaterial (durch die reichlich

auftretenden Enzyme) direkt in Gummi übergeführt wird: die aus den

Membranen hervorgegangene Masse wird «gummogen». Ähnlich muß es

beim G. a. sein. Es scheint, daß beim G. a. zunächst die Membranen

einiger obliterierter Siebröhren und Geleitzellen (oder die Zellen

einer «Gummizellen»-Gruppe?) vergummen und daß von diesem Herde aus

die Vergummung fortschreitet. «Die Einwände, welche ~Höhnel~ gegen

die Entstehung des Gummis aus Zellmembranen erhebt (s. oben), können

übrigens leicht beseitigt werden, wenn man überlegt, daß es sich bei

der Gummosis um pathologische Hyperplasie handelt» (~Czapek~).

Die Ansicht von ~Vogl~ und ~G. Kraus~, daß das G. a. aus dem

Siebröhren+inhalte+ stamme, ist durch nichts bewiesen. (~Kraus~ sah

bei _Acac. melanoxylon_ aus den Siebröhren eine gummöse Flüssigkeit

austreten.)

~Mangin~ setzt die Gummibildung zur Pektinbildung in Beziehung. Er

betrachtet sie als eine pathologische Mehrproduktion pektinartiger

Substanzen. Da das G. durch Erhitzen in Metarabinsäure übergeht

und diese zum Bassorin und der Pektinsäure Beziehungen zeigt, so

werden wohl auch Beziehungen des Gummis zum Protopektin (S. 278)

bestehen. In der Tat scheint die Gummibildung bei den Gummiacacien

in der Interzellularsubstanz (d. h. dem Protopektin) ihren Anfang zu

nehmen (~Jos. Moeller~) und die an den Interzellularraum angrenzende

Membranpartie bei den Pruneen gehört ja ebenfalls zum Protopektin

(«Auskleidungen der Interzellularen», S. 280). Endlich sieht man oft

noch in vergummenden Geweben die mit der sekundären bzw. tertiären

Membran umgebenen Lumina der Zellen, durch Gummi voneinander getrennt

(Fig. 141 u. 142).

Eine ganz besondere Bildung ist das Gummi im Kernholz und das Gummi

im Schutzholz (~Gaunersdorfer~, ~Frank~, ~Temme~, ~Praël~). Bei der

Bildung des +Kernholzgummi+ (Kerngummi) und +Wundgummi+ beteiligt

sich die Membran nicht (~Böhm~, ~Prillieux~, ~Gaunersdorfer~,

~Frank~), es wird vielmehr eine bestimmte zarte Plasmaschicht

«bassorinogen» (~Tschirch~ u. ~Will~). Diese Gummiverschlüsse der

leitenden Organe des Holzkörpers scheiden die damit versehenen Gewebe

aus dem Saftverkehr aus. Sie sind in Wasser unlöslich und verhalten

sich wie Bassorin (~Tschirch~ u. ~Will~).

[Illustration: Fig. 143.

Stamm von _Acacia Senegal_ mit Gummiausscheidungen, aus der

Baumgrassteppe von Ugogo [+Busse+ phot.]]

+Holzgummi+ erhielt ~Fr. Koch~ (Pharm. Zeit. f. Rußl. 1886)

vorwiegend aus dem Holze der Laubbäume. Die Coniferen sowie

ligninfreie Gewebe ließen kein Holzgummi gewinnen. Es lieferte bei

der Hydrolyse Xylose und enthielt 82 bis 86% Xylan, hat mit dem

eigentlichen Gummi also nichts zu tun.

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Handbuch der Pharmakognosie(#71452) · 第 62 / 120 段